Nr. 315
Andreas Karlstadt an Gregor Brück
Kemberg, 1528, 12. August

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck unter Verwendung von Vorarbeiten von Stefanie Fraedrich-Nowag
Buchsymbol fehlt
Dem achtparn und hochgelertem hern Gregorio
Bruͤck der Rechten Doctor/ meynes gnedigisten
hern ec. deß churf'ursten' tzu Sachssen Cantzeler
meynem grosgunstigem und gelibtem hern
Buchsymbol fehlt

Achtpar hochgelerter grosgunstiger gelibter herr. E'uer' achtpar'keit'
seind meyne gantz willige dinste alletzeit tzuvoran
bereitt. Gunstiger herr E'uer' A'chtparkeit' hoff ich hab gunstig
wissen daß mich der Erenvest1 und Gestreng herr
Johanns Metzsch2 hauptman tzu wittemberg/ mein
verordente oberkeit vilmahls angeredt/ und mir
kayn ruwe gelassen/ ßo lang biß ich verwilligt/
meyn grunde heyliger schriffte/ derhalben ich von
D'octor' Martino/ in dem artickel/ das sacrament belan-
gend
/ geteylt3/ aufftzelegen4/ und wie ich nichts einle-
gen
5 wolt/ ehe ich meines g'nedigsten' hern g'nedige' tzulassung6 hett
erlangt/ und versichert ward/ daß mir nit ungnad/
och keyn nachteyl draüß kommen solt.7Mit gnediger
tzusag/ daß ich gnedige und christliche weisung entpfahen8
solt. Denn ob mich wol mein g'nedig'ster h'err' gelaidt und mit
furstlicher tzusag vertrost. Daß ich mich keynes argens befa-
ren
9/ ehe ich notturftiglich verhoert und wie recht und billich
uberwundten/ wie denn s'eine' ch'ur'f'urstlich' g'naden' gelaide weyder innhelt10.11
Und ich mich meynes rechtens/ och in obgedachttem artickell/
wol hett mogen trosten. 'ur'So wüst ich doch daß ir ch-
f
'urstlich' g'naden' mir/ mit disem anhang/ wo ich genugsam mey-
nen
irthumb widerspröch/ in iren ch'ur'f'urstlich' g'naden' furstenthumb
tzu wonen gnediglich zuliesen.12Weil denn auch
auß solicher antzaig meyner grunden clerlich volgenn
wolt/ daß ich wol mit dem elenden maul widerruffen
aber mit dem hertzen von der volkomenheit getaner
Buchsymbol fehlt erlosung Christi gehangen/ und noch dran hangen muß/ das ist/
daß ich nicht gleubte daß Christusa leiplich ym brod/ oder
leiplich genossen wird tzu machen einen fried ym gewissenn
vergebner sunden oder tzu vergeben die sunden〈.〉13 Hoff
ich E'uer' A'chtparkeit' werden mich entschuldigt wissen. Ob vileicht etliche
unwillen gefast/ daß ich meynes g'nedig'sten h'errn' gnedige tzulassung
vor allem/ oder ehr nichts einlegen wolt.14

Nach erlangter gnediger tzulassung hab ich meyne grunde in drey
tayl gestelt/ tzway teyl E'uer' A'chtparkeit' vorm jar tzů Torgau/ in
eur eigene hende gegeben/ still und heymlich gehaltten.15
Daß nu tzu Wittenberg ausgetragen/ ist one meynen willen
gescheen: So wol als daß D'octor' M'artinus' antwort eh ist ausgeschriben
denn sie mir behendet.16

Nů hab ich e'uer' acht'parkeit' in nehster fasten17 nicht furhaltten18/ wie
daß D'octor' M'artinus' grossen ungefallen wider mich geschopfft als het
ich gedachts buch19 der maynung eingelegt meynes g'nedig'sten
h'errn' hoff an mich tzubrengen ec. Deß werden e'uer' a'chtparkeit' mein
unschuld/ one meyne entschuldigung wol wissen. Hoff
och m'ein' g'nedig'ster h'err'20 wird mich entschuldigt haben/ Ich hab och
D'octor' M'artinus' und Pomerano21 gesagt/ daß mich obgnanter her Hans
Metzsch hauptman22 wie wol ich glaub durch sie angereitzt/
dartzu gleich getzwungen ec. und sie tzufride gesetzt
mitb vertzelung daß ich grosser hullf in obgedachtem artickell
bedůrfft.Da sagte der D'octor' ich solte ein argument
nach dem andernn mit der kurtze ym uberantworten23dar-
auff
c war ich als ein geprandts kind forchtsam/ und wolte
m'einem' g'nedig'sten h'errn' andere tzulassung och vor erlangen/ welche mir
Buchsymbol fehlt E'uer' achtpar'keit' in nehst verschiner fasten gegeben deß ich mich dienst-
lich
bedanck.24

Hirauff hab ich ein refutation und ein argument25 eingelegt
ob sie demuth oder hochfart brengen/ stell ich m'einem' g'nedig'sten h'errn'
und in e'uer' acht'parkeit' erkentnuß〈.〉 Ich mich in dem andern alßo
demuttiglich unthergeben und gebeten/ daß ich maynte ein
hertter steyn solt waich werden und mir nichts schaden ob
er uff mich fiell. In der refütation ist das mein grund
nachdem D'octor' M'artinus' schreibt daß Christus seinen leip/ in dem abend-
mahl
tzu einer speise gegeben/26 setze ich drauff/ und sag/ daß nit
ein wort och nicht ein synn in dem nachtmahl tzu finden
auß welchen das clerlich tzu merken was D'octor' M'artinus' schreibt.
Wens irgent eins wehr/ must es das wort dedit oder
datur sein/ aber der keyns vermochts ec.27 derwegenn
musten wir schrifften suchen in welchen genugsam davon
geschriben/ hab das vi cap'itel' Joannis angetzaigt darauß be-
schlossen
. Daß kein mensch der nicht warhafftiger/
ewiger und personlicher Got ist/ den leip Christi tzu einer
speise deß heyls geben magk.28Daruber hab ich eine
contradiction seiner lere geweist/ auß welcher seiner beste
grunde einer versincken muß/ und andere ding dabey/
ßo der handelung anhengig/ eingebracht.So hat mir
D'octor' M'artinus' ein antwort geben die mich nicht ßo wol leret als schme-
hen
tüt〈.〉29

Zcu dem andern hab ich auß diser rede Pauli I Corin: xi So offt ir
das brod deß hern esset solt ir den todt deß hern verkundigen
biß er kumpt30 ein argument genommen Daß christus nit
Buchsymbol fehlt bey denen leiplich sey. ßo sein brod umb seiner gedechtnuß willenn
genissen/ darff wol sagen/ daß ich solche rede mit ßo vil schrifften31
gewappent32 und verwaert33/ daß er geschickt sein muß und war-
lich
mehr wissen/ denn ich oder vileicht och mehr denn ein Christ
wissen sal. Drumb hofft ich er wurd seine kunst brauchen
und beweisen〈.〉

Denn da ist gesagt warumb ein gleubiger nicht begern sal ya
och nit kan wunschen daß Christus leiplich tzu ym ins brod
oder ins maul kom/34 von wegen der vergebung seiner sunden
wie D'octor' M'artinus' itzt doch schreibt. Nemlich daß einer vergebung der sunden
drincke ßo er das blut auß dem kelch leiplich drinckt35 etc.
Hab das mit dem spruch Pauli beweist/ Die gerechtikeit deß
glaůbens spricht alßo. Du solt in deynem hertzen nicht sagen
wehr steigt inn hymell/ denn das heist Christum hernider
brengen. Du solt nicht sprechen wehr steigt in die tiffe?
denn das heist Christum aus den todten widerholen. Ro 1036 Da
ist vermelt daß ich vortzeiten/ Christum wider diesen spruͤch/ mit
worten vom hymel gefordert/ und sie noch teglich fordern und
herruber brengen. Hab och meinen synn wie ich dasd
widerholen aus den todten verneem/ alßo endeckt und mit
schrifften befestiget/37 daß ich fur gewiß achtet/ D'octor' Martinus
würde mir endweder etwas bessers aus hocherm grund
widergeben/ oder gunstiger werden. Dieweil da be-
weist
daß Christus seinen leip in todt must geben und leiplich ster-
ben
/ uff daß er unsere sunde hinweeg vone unserm
gewissen trueg. und warhafftigen frid und sicherheit
unser erlosung einpflantzet〈.〉 Daß och noch heut Christus
mit seinem leip unsere sunde nicht vermocht weegnemen
on seinen leiplichen tod. Ein solch groͤß und greulich
Buchsymbol fehlt ding ist die sund fur Gottis augen/ daß och Christus ver-
flucht
werden muste/ wie er das mahl ist verflucht/ da er
unsere sunde leiplich hinweeg nam und trueg. und unß
durch seinen leip vom gesetze erloset. Daß och Christus
ein torheit eine sund38 ec. werden muste. Hab das alles
mit schrifften erweist und beschlißlich39 gesetzt.40 Daß
nicht moglich sey von moglikeit der schriffte tzu reden/ daß
seinen leip fur unsere sünde leiplich geben mug/ wenn
er nicht leiplich stirbet. Ya daß sie Christum auß seinem
namen auß seiner eere/ wesen/ und natur werffen/ die
andersf vom leib Christi und vergebung unser sundenn
reden/ das sie och gottis lesterer seind. Ich dachte Doctor
Martinus wurd dencken und fuelen daß ich einer grundlichenn
weisung bedurfft weil ich die grunde und artickeln christ-
liches
glaubens fur meynen synn41 stellet. Aber er
hat mir durch obgnanten h'ern' hauptmann42 ein soliche antwort
lassen lesen.43

Wenn D'octor' Carlstadt auß dem dedit und donec veniet44 argu-
ment
macht/ daß wir den leip Christi nicht leiplich geben
oder essen/ ßo seind och aüß disen worten Partes orationis quotg
sunth45 argument tzu machen. Das ist die meynung46 seiner
antwort. Er schreibt och daß ich ynen und seinen teyl47
fur grosse narren halt oder stockblindt sein muss.48

Warlich herr Cantzler ich hab erfaren was ubermuth/ tut/
und sol mich Gotwill keyner mit warheit betzeugenn/ daß
ich deni Luter und seinen anhang fur narren halt. Aber
das ist war/ gelten soliche argument nichts/ ßo bin ich ßo
stock blind/ daß ich nit einen bustaben versteen.
Buchsymbol fehlt Welt Got daß sich mein g'nedig'ster herr obligender geschefften
ßo vil kunthen entladen daß ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' mit eigen per-
sonlichen
augen unser sache selber erkante. Welche
die hochiste eere Gottis und seines Sons Jesu Christi war-
lich
antrifft. Nu geb ja Got unser herr daß unser
g'nedig'ster herr49 unser beyden schreiben des Luters50 und des meyn51
durch unpartheische verstendige gotfurchtsame leuthe ßo
ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' das selber tzetun verhindert/ lassen erkennen
und richten〈.〉 Nichts liber kunth ich erfaren. Wais
och nichts uff erdtrich52 daß s'eine' ch'ur'f'urstlich' g'naden' tzur selikeit tzutregli-
cher
und tzu erlangen einen ewigen namen/ dero ym
hymell und erden teur und kostlich wurd/ nutzer53 sein
mocht.

Das wunsch ich nicht derhalben daß ich ausgeschriben/ denn
ich noch vile tzu setzen und eintzulegen hab? Wie er mir aber
antwort gegeben/ also handelt er mit den evangeli-
sten
. Denn er schreibet daß Matthaeus und Marcus wider-
einander
schreiben derhalben wil er den text Marci inn
verdacht einer falsitet werffen und volgend aus ym
das wort Biberunt auskratzen und vertilgen denn es
ist seinem won54 schedlich〈.〉55 Lassenj wir das tzu,k So
habt gute nachte schrifft und Got und glaub.

Er stellet es wol dubitative aber man weis und siht was
das schema und figur dubitationis bedeutt/ weils
L'uther' da bey lest bleiben/ und nicht anders tzu antworten
hat/ denn das das wort Biberunt außtzutilgen sey.
Buchsymbol fehlt Mein herr Cantzler es gilt e'uer' a'chtparkeit' ßo wol die hell oder den hye-
mell
als mir. und ob wir Got beyden nicht achten/ dennoch
wurd er sich drumb nicht verleüken56 noch untherdrucken las-
senn
. Sehend doch umb Gottis willen/ ob die jene wid〈er-〉l
spenstige reden schreiben/ der einer das gebott eines herrn schrei-
bet
/ der ander den gehorsam seiner knecht und volbrengung
deß gebots. Wenn die execution und das gebot kegen
ein ander streiten warumb hat Christus gesagt. Selig ist der
Knecht welchen der herr also fynd tun etc.57 wenn Ein Knecht
der seines hern willen wais und nicht tut etc.58 Nu
schreibt Mattheus das gebot christi/ Marcus aber den gehorsam
der junger Christi. Mattheus alßo/ drinket alle draus59/
Marcus alßo und drancken alle draus60m/ Seind das
widerwertige worter ader synnen? Meynes teyles kan
ichs wol beweisen daß nicht Contraria seind〈.〉 Diseß und
anderer artickell halben/ hab ich och mehr tzu satzen und
zun schreiben〈.〉61 wenn aber ich mich soliches behelffens62
bey ymandes geforcht/ wolt ich ym wol begegent63 haben.

Nicht geringer ists wenn D'octor' M'artinus' offentlich drucket/ daß
christus am creutze gebrochen.64 Denn S'anct' Paul/ welcher also
schreibet das ist mein leip der fur euch gebrochen wird65/
ist fleissiger abmahler der propheten Esaie welches
getzeucknus auch der herr nach dem abendmahlo ver-
tzelet
. Esias schreibetp aberq zwaymahl gleich
in dem cap'itel' in welchem er vom leiden und tod Christi
geweissaget daß Christus am creutze gebrochen〈.〉 Ein-
mahl
also Er ist gebrochen umb unser laster willen
Attritus est propter scelera nostra cap'itel' 5366 das andermahl
alßo Und Got wolt yn tzubrechen in Kranckheit oder Got
Buchsymbol fehlt wolt yhn kranck zubrechen Et Dominus voluit eum conterere infirmum〈.〉67
Ich hab mein hebraische Biblien armut halben mussenn
verkauffen68 sonst wolt mehr stellen antzaigen〈.〉 Aber auß itzt
angetzaigten orten69 ist es offenbar/ daß D'octor' M'artinus' die prophetzey
Esaie vom tode christi und Christum selber verleuket. Attritus
et conterere voces emphaticae sunt eius quod est fractum esse et frangere
quod tua clariss'ima' prudentia multo me melius novit〈.〉70

Da solt er billich mercken/ daß Esaias die ursach deß brechens
ausgedruckt hat/ sagend/ und der herr wolt yhn kranck oder
in seiner krankhheit tzubrechen〈.〉71 Dica hebraisch heist zu teutzsch
er hat gebrochen steht offt in den psalmen beschriben〈.〉 \heF{D}{\char128}\heG{K}{\char131}A\hebre et \heF{D}{\char132}\heG{K}{\char131}E\hebre idem significant fregit contrivuit quassavit72
Aber Lüter lest die Krankheit faren und macht ein neu brechen
wider dier schrifften. Denn tzum ersten muste Christus Christus73 nach
seinem synn/ in dem brod tzerstuckt werden/ als brod/ wenn
Christus als brod gebrochen sein solt〈.〉74 Das aber wehr wider
dise schrifft Ir solt kein payn auß ym tzubrechen.75und D'octor' M'artinus'
muß soliches brechen und stucken stattgeben/ und seine
Synecdoche wird yhn nicht erlosen.76Zcum andern sagt
er och wider die schrifft das Christus sonder Leiden gebrochen
wider Esaiam/ dero spricht und der herr wolt yhn in krankheit
tzubrechen〈.〉77 Was? So doch kein hertz und kein geist in den
psalmen one Leiden tzubrochen/ er neme gleich das wort
Schibar oder dica welche beide tzu tzeiten in einem verß steent
und brechen \heG{W}{\char132}\heA{b}{\char131}T\hebre fregit78 oder dergleichen bedeuten 33 oder 34 Gott ist nah
den tzubrochen herzen und tzubrochen geistern79 das erste hat das
nischbar/ das ander das dica als och dieser versis Cor contritum
et humiliatum80 auß welchem och zu mercken daß dica ein hefft-
tiger
brechen heist denn schibar und ungetzweifelt Esias
das wort Dica nicht vergeblich und Paulus och nicht mussi-
glich
geschriben/ fur euch gebrochen.81 Es brocket sich aber
Buchsymbol fehlt nicht wie es seiner82 opinion nutz wehr〈.〉 Das ist auß dem 14383
wol tzu lernen und 33.84 51.85 Zum dritten ist das
je ein unlaugbare86 straff gotlicher weiheit ßo er sagt/ Christus
ist nicht am Creutze gebrochen〈.〉87 Denn Esaias tzweimal sagt
daß Christus am creutze gebrochen〈.〉88 Darff nicht muh89 wer das
erkennen wil. Solicher stücke find man etliche in Doctor
Martini buchern/ welche man mit leslicher90 schriffts zcu poden
schlahen91 kann/ und och muss. Ich hab wol dem L'uther' gute schrifften
furgesteelt92/ ßo ynen eines bessern hetten vermanet/ denn
daß er das leuken darft/ daß Christus am creutze gebrochen.
Aber weil er nu leuken darff/ was er will/ wil Got och
daß ich yhn mit augenscheinlichen93 schrifften ersuch und
fah94 da ym leuken ßo nutz ist als die sach verlesen
ya tausentmahl eerlicher wehr er ergebe sich unther den
gehorsam der warheit/ denn daß er leukete/u
Ich wehr ye an got treu-
loß
wenn ich wider daß öffentlich getzeuknes bey dem
Luter stund.

Himelischer vater wie gern wolt ich Lutern und allen men-
schen
tzuhoren und willfaren wo mir dein gotliche warheit
nicht ym weeg stund〈.〉 Ich gleub je daß deine heylige
getzeugen die ordenung des hundels95 und geschichte zcusampt
der rede deines sons unsers hern Jesu Christi recht und
ordenlich beschriben. Und sih daß D'octor' M'artinus' nicht allein von der
ordenung abdritt/ in welcher vertzeelt/ wie und was Christus
mit dem brod und kelche getan. Sonder von der eigenschafft
und naturlicher einfeltikeit deiner reden abweicht.96 Was
sal ich doch tun? Auß derv geschichte des brods kreucht
die contradiction des Luters an tag/ und tzaiget sich/ ßo bald Doctor
Martinus spricht daß der herr das brod genommen und gegeben hab
Buchsymbol fehlt wie das die Evangelisten schreiben97 wie Paulus die ungerechtikeit der
Juden und werk auß der tzeit des glaübens Abrahe begreiff〈.〉98 Alßs
begreufft gedachte contradictio ab der ordenung im brod gebenw ver-
melt
und verzeelt.

Gehn ich in die wort Christi und forsche/ warumb d'octor' M'artinus' unserm
hern Jesu Christo und seinen Jungern einen Soloecismum99
inn bard wurfft100/ und beschuldiget Christum daß er oder
sein Evangelisten unbequemlich sagen hoc panis oder panis
hoc/101 da er one laster one figur und mit besserm grund
Christo und seinen evangelisten nachreden/ und sagen/ mochte hoc
corpus ßo find ich warlich nicht eine ursach〈.〉Kan mich
nit genugsam verwundern daß er allhie endweder ein
laster oder figur bekomett. So er doch die andern ßo grim-
miglich
der figuren halben schild/ und sich der aigenschafft
und vermeidung aller laster und figürn rumen tut/ gleich-
sam
wehr es war. Daß er die wort und rede bey irer natur-
licher
eigenschafft/ und einfeldikeit anneem/ und sonste nie-
mandes
. Sihet er nicht daß S'anct' Paul das tuto bey
dem Kelch alwegen in eodem genere gebraucht und kaynen
soloecismum machet.102 Daraus je tzu mercken daß S'anct' Paulus
uffs brod och hett mit eigenschafft der rede und geschick-
lich
deuten/ als er warlich tzweymal in demselbigen capi-
tell
tut. ein mahl da So offt ir das brod esset103/ das ander
mal herunder Welcher das brod104 etc. da schreibt er nicht tuto
oder hoc panem/ sondern tuton oder hunc panem. auß welchem
volgt/ daß Paulus des orts nicht uffs brod getzaigt da er
spricht tuto ader hoc corpus meum denn er hett utos oder
hic geschriben als S'anct' Paul an den andern zwo genenten
stellen gethan. Ist D'octor' M'artinus' ßo tzungen gewiß ßo geb er
auß dem neuen testament ein exempell daß das brod mit
Buchsymbol fehlt dem tuto gezaigt ist〈.〉 Was doch dunckt yhn seltzam? Ists unge-
nug
wenn ich xx exempell gebe/ ich je hundert geben/
und offentlich erweisen/ daß diese pronomina utos aute
tuto105 und hic hec hoc uff die artikulirte und nachvolgende no-
mina
deuten pflegen. Damit wil ich nit leugen daß
soliche ach offt uff die versteende nomina weisen〈/〉 Aber alle-
tzeit
bequemlich und congrue in gleichem fahl. Denn auß
der aigenschafft deß pronomens sehen wir/ wo hin/ und tzu
wehm es deütt. Wie E'uer' A'chtparkeit' alles besser wissen/ denn ich.
Diser demonstration halben hab ich mich nicht ein mahl
allein erbotten/ redliche beweisung tzu geben/ ließ man
mich tzu/ vileicht wurd ich schreiben/ daß sich Luter nicht
vermutt.106

Das wais ich wenn ich uff den leip Christi deütt/ und
sagte/ das ist der leip der fur unß ist gegeben/ daß mich
kein mensch und kein engell lugen straffen vermocht.
frag ich welcher leip fur unß ist gegeben/ ßo waiß mir
die schrifft keynen andern/ denn den naturlichen leip
Jesu Christi/ tzu weisen. Was sol ich tun? So mich die arti-
kell
unsers glaubens bey diser deutung hoc corpus und
nicht bey gener hoc panis schutzen und schirmen.
Nemlich der artickell der empfencknis und geburd Christi
der artickell des leydens und todes Christi/ der artickell
unser puß und unser erlosung die artickel der werk gottis
und gotlicher schopfung.

Die alte translation steht bey meyner demonstration/ denn
sie alßo vertirt107/ hoc corpus/ hic sanguis〈.〉108 warumb allhie hoc
und dort hic? vonx wegen der nomina panis und
calix ßo beyde furher steent? Nein. Sie seind je beyde generis
masculini. Darumb hat er uff die nachvolgende nomina
corpus und sanguis gesehen und gedeütt. was Eras-
Buchsymbol fehltmus
halt und wohin yne die demonstration geweist, ist auß dieser
translation tzu mercken, accepto poculo etc. hic est enim sang-
uis
meus.109 Warumb nicht alßo/ hoc est enim sanguis meus?
Streitt die translation nicht/ ßo bekennt sie doch iren wan110/ und
betzeucht daß sie vil liber mit dem Carlstad irren wil und mit
der warheit recht deuten/ denn deß doctors rum haben.

Die clausell der fur euch gegeben wird111, ist ein schlosrede112 unser
erlosung/ welche die grosse unser sunden und volle genugde113 des
leydens Christi kurtzlich tzusammen verfast/ welche och die Gotliche
und veterliche libe zcusampt den hochsten gehorsam Christi/
och sein libe und gnade maisterlich begreifft/ und alles inne-
helt
/ was dise rede sagt Christus muste leiden und am dritten
tag aufferstehn und pueß und vergebung der sunden in seinem
namen gepredigt werden/ denn sie leret warhafftige puß und
volkomliche erlosung/ wie hochey114/ wie nutze/ wie gut sie
ist und wie wol sie wol hundert mahl ausgelegt ist mit
gotlicher lere/ noch muß sie nider knihen/ und ir liecht und
nuze verliren/ E'uer' A'chtparkeit' wissen/ daß in allen kunsten
verbotten schimpflich und schedlich istz/ exempell non subiectae materiae115
hertzuzihen/ wie vil ist es in der heiligen schrifft schendtlich?
Was sal ich alhie tun mein herr Cantzler?116 die schrifft legkt
soliche clausel117 schir in aller aposteln bucher auß/ und in einen
buch offtmahls/ sal ich der schrifft volgen/ ßo bleib ich meynes
syns. Sal ich luters lere annemen ßo muß ich die schriffte
verlassen. Wie ich das erwaisen wil.

Dise wort das brod welchs wir brechen ist es nit ein gemein-
schafft
des leibes Christi 1 Corint x118 ist D'octor' M'artinus' kron und fester grund
dennoch verkeret er wort und synn/ so er seinen wan119 drauff
bauhen will/ denn er sagt alßo der leip ist eine gemein-
schaft
deß brodes/120 das121 Paulus nicht sagt/ und leret furt wie
Buchsymbol fehlt der leip in dem brod und das brode teyl nymbt von dem leibe
das alles wider itzt furgestelte schriffte strebet/ denn Pau-
lus sagt das brod ein gemeinschafft des leibes Christi sey und
nicht daß der leip Christi ein gemeinschafft deß brodes sey.122 Och
leret S'anct' Paul wehr der leip Christi ist123 Nemlich wie vile
und wie der leip Christi teyl nem von einem brod/ als wenn
der leip Christi daß brod Christi bricht und ist/ ßo ist das brod
seine gemeinschafft und alßo nymbt/ der leip Christi teyl von
eynem brod. Das ist ßo clar und offentlich in dem
text Pauli daß eynem leser in die augen fallen mochte〈.〉
Noch124 sol ichaa des luters glosen125/ wider den hellen tag
Annemen/ Welcher wil mir das rathen?

Auß disem solt menigklicher merken/ daß ich nymandes
tzu hoen126/ tzu spott/ tzu verdrieß/ tzu vorachtung oder aus
haß und neid uff meynem glauben bleib.

In dem andern teyle deß nachtmahls Christi
haben wir S'anct' Marcs getzeucknus/ ßo clar und hell/
als die Sonn am claren mittag ym hymel/127 daß die Junger
alle auß dem kelche gedruncken ehe Christus angefangen tzu
sagen/ das ist mein blut etc.128 Das bekent och D'octor' M'artinus' wo der
text das wort biberunt hat. Nu hat ers/ und ist kein
exemplar daß anders anzaige. Die vermeinte contradic-
tion
hab ich droben gebrochen mit erbietung129 etc.130

Da bekenn ich das lucas und Paulus den Kelch ein neu testa-
ment
nennen.131 Daß aber Mattheus und Marcus den Kelch das
blut Christi nennen/ darff ichab nicht glauben/ noch reden/
dieweil ichs nindert132 geschriben findt.133

Weil aber Lucas und Paulus den Kelch ein neu testa-
ment
ym blute oder durchs blut Christi genent haben134/
sollen wir ire wort weder endern noch bessern noch verruken135
Buchsymbol fehlt sonder yn straks nachvolgen und gleich tzu sagen/ wie sie/
daß der kelch ein neu testament ym blute ist/ denn das ist
ja recht weislich und wol gesagt. Daraus aber volget/
daß der Kelch kein neu testament wehr/ wenn er nicht ym
blute Christi uff ein weise wehre/ Es volgt och daß der
kelch nicht besser noch mehr ym blute ist/ denn das neu
testament ym blute ligt/ Welcher nu versteht wie das
neu testament ym blute ligt/ der weis bereite wie
der kelche ym blute stet. dise schrifft der kelch ein neu
testament in meynem blut ist etc.136 brengt ye mit daß
der kelch den namen deß neuen testaments durch blut
erlangt und ane blut nicht hett.137 Da aber darff nyman-
des
andres reden/ so er diser schriffte nachreden wil/ denn das
der Kelch ym blute seyn muß. So aber das recht
neu testament an sich selber nicht leiplich in dem blute
ist noch leiplich dadurch geet als ein mensch durchs was-
ser
oder eynac messer durch fleisch. Ist es nerrisch ßo yman-
des
die art der schriffte verlassen/ und sagen wolt/ daß
der kelch leiplich in dem blute sey oder durch blute geen〈?〉
Noch dreiben dise wort fester tzu solichem synn/ denn tzu
disem/ das blut ist leiplich in dem kelch oder in dem
neuen testament/ denn das ist ein verkerte und gefelsch-
te
schriffte wider dise helle138 schrifft der kelch ein neu
testament in dem blute139/

Da lere ich Christum nicht reden/ als mich luter tzeihet140/
sonder ich lerne auß den worten Christi wie und was ich
reden sal. Ich sage der kelch ist ein neu testament in
dem blute nicht mehr noch besser ym blute denn das neu〈.〉
Buchsymbol fehlt Nu ist es offenbar daß neu testament das blute christi betzeuget
und offenbaret mit seiner krafft. Welchs blute aber? Paulus schreibt
das blute deß creutzes Col: 1〈.〉141 Daß wellen och die anderen Evangeli-
sten
Lucas alßo der kelch das neu testament in meynem blute/
welchs fur euch ußgegossen wird.142 Matthey das ist das blute deß
neuen testamentes welchs fur vile ußgegossen wird um vergebung
der sunden〈.〉143 Marcus sagt och daß blute christi fur unß ausge-
gossen
/ deß neuen testaments blut sey144/ Deß ist S〈ancti〉ad Pauly lere gar
reich und sat/ demnach muß ich den Kelch och in dem
blute ein neu testament versteen/ daß er vom selben blute
eusserlich getzeuget alß die schrift steyn getzeugen145 nent
Was wunder ist es ßo doch die salb und leipliche salbung ein
evangelion genent ist Lu: 14.146

Da seind nu tzweene widerspenstige lerer. Einer ist Christus der
ander D'octor' M'artinus'〈.〉 Christus sagt daß kelch und neu testament in sei-
nem
ausgegossen blute seind. Luter darkegen in dem unaus-
gegossen
.147 Christus saget in dem blute ist der Kelch ein neu testa-
ment
. Luter: nicht in dem blute/ sondern das blute in dem kel-
che
.148 Was tun ich? welchem volg ich? gebet mir rath. Sal
ich die wort im maul rumen und mit der tat verkeren und
verwusten/ als luter tut? Das seind ye offentliche widerspruch〈/〉
Im blute. Nicht im bluteae. Im kelche〈.〉 Nicht ym kelche. Ich seh/
daß der luter meyner wol lachet und spott/ darumb daß ich
dene einfeltigen worten Christi nachrede/ und sage/ der kelch ist
in dem blute ein neu testament. Ist es aber unbillich daß ich
die spraͤch Gottis libe und fuer und bewar? Da sehen E'uer' A'chtparkeit'
daß ich daß einfeltig lauter und clar wort Gottis und L'uter' nit
hat. Almechtiger Got wie gern wolt ich mit dem Luter eines
synns und hertzens seyn. wenn unß die schriffte nicht tzedrennet〈.〉
Buchsymbol fehlt Wie dises ortes D'octor' M'artinus' grund und thurangel schlotter und sich
tzum fahl beugt.149 alßo gehts tzu an volgenden worten. das
für vile oder fur euch in vergebung der sunden ausgegossen wird
Effunditur muß (obs nicht wil)af heissenag funditur oder
bibitur〈.〉150 Ich hab aber den untherscheid tzwischen dem blute des
alten und neuen testaments auß disem wort geschopft
und durch schrifften erweist/151 hilfft mich nicht/ da steck ich
und sal und muß schwermen152/ wie stark mich die schrifft
eingenommen/ und wie gar keine darkegen gesteelt ist.

Da muß ich horen mit was gewald dise clausell fur uns
ausgegossen auß irem synn fallen muß/ daß die Evange-
listen
in tzwo seckten gesteelt/153 Mattheus und Marcus vom auß-
gissen
deß blutes am creutze〈/〉 Lucas und Paulus von der
gottislesterischer leiplicherah austeylung deß blutes ober tysch.154 Gleich
als narrirten155 die evangelisten mit tzweyer herrn wort und ob
christus gespalten und Lucas nichts von ausgissen und Paulus
nicht klar sagte/ vom todte Christi.

Achtpar herr Cantzler antwort hat mir D'octor' M'artinus' verheischen
und nicht spotteworter/ drauwort/ nachdrachtung156〈.〉Ich bin
uber funff meyl her gewarnet von einer person157/ die in
dem closter158 gewest. Hab gestern159 nicht grosse fraud160 tzu
wittemberg horen mussen.161 Hab ichai das verdient? so wais
ichs nicht. Wil er mir alßo haltten. So bin ich ubell bedrogen/
verlest sich/ als ich hoer/ drauff// daßaj er einen g'nedigen' hern hat.
Aber ich wil mich drumb nicht entrosten162/ denn ich nicht glaub
daß ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' sich und iren namen tzur unbillikeit werden
braüchen lassen. So haben mir ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' je och gnad tzuge-
sagt
/ alßo/ daß ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' kein straff an mich wollen legen noch
legen lassen ehe ichak mit recht und wie billich uberwundten/
Buchsymbol fehlt uber daß hab ich ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' gnedigen willen und tzulassung.163 Dar-
auff
und uff mein gut wolgegrundt recht und erweislichs recht
bin ich och getrost. Ich rume mich je der eigenschafft der worte
mehr denn keyner. Meinen grundt untherbauen nicht allein
die worter christi und seiner heligen Evangelisten sonder uber dem
die regeln deral reden/ der einfeltig und naturlich verstand der reden
und wo der undsteen164 muß/ gewonliche und wolgegrund auß-
legung
der heyligen schriffte〈.〉165 Item die artickeln unsers heyligen
glaubens/ mir mangelt Got lob nichts. Und darff in diser
sach frolich und vertraulich sprechen. Herr Got richte mich
nach meyner unschuld. Her got du weist mein einfeltikeit/
fur dir ist mein gerechtikeit〈.〉

Erbite mich abermahls und überflüssigklich166 tzu volkomlicher
beyweisung meynes syns/ gute/ rechte/ feste uffgerichte
rechenschafft meynes glaubens tzu geben.

Zweifell gar nicht mein g'nedig'ster herr werd mich meynes
rechtens/ erbietung und bit/ tzu forderst ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' gelaid167/
gnediger tzusag/ und bewilligung lassen genissen.

Und ßo ich ye widerumb auß s'einer' ch'ur'f'urstlich' g'naden' landen weichen
must/ mir gnade ertzaigen/ tzeit und raum verleyhen/
och mit gnedigem und brifflichem urlaub abferttigen/ Dar-
umb
ich untherdeniglich und demittiglich bit Damit ich mich
vor168/ mit s'einer' ch'ur'f'urstlich' g'naden' wissen und gnaden nach dinsten umbse-
hen
/ mein arme Kinder beschicken169 der ich drey hab170/ das
mein tzu gelt machen/ und was ich ausstendige schuld hab/
einbrengen mug.171 wolt ich ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' lob eer und preiß
allenthalben auß christlich schuld pflicht und libe gemeren
und auß breitten.

So aber ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' mich in disem glauben und bekentnus
Buchsymbol fehlt kunthen in irem furstentumb dulden und leiden und wolten mich mit eynem
dinst172 oder mit tzimlicher narung begnaden.Stadschrei- berey173 Iren ch'ur'f'urstlich' g'naden' wolt ich
fur allen f'ursten' und hern/ gern/ sonderlich und dreulich dinen und iren
ch'ur'f'urstlich' g'naden' ewiglich dancken. Was hirauff ir ch'ur'f'urstlich' g'naden' fur gut
ansehen oder mir rathen werden wil ich gehorsamlich eingeen174〈.〉
Ich hab eylend geschriben/ und nit willen gehabt das mahl175 tzu
schreiben/ sonder E'uer' A'chtparkeit' welche sonst gemuhet unbeladen lassen
aber mein anliegen dreibt mich/ und macht/ daß ich E'uer' A'chtparkeit' och
muhen muß.

E'uer' A'chtparkeit' umb Gottis willen bitend mich nicht tzu verdenken/
und ßo e'uer' ach'tparkeit' sonst nichts ansehen/ welten/ doch daß biter leyden
Jesu Christi behertzen/ und mich meyner tzuflucht lassen genuß
finden〈.〉 Mich bey meynem g'nedig'sten hern verbiten daß mir
g'nedigste' antwort werd in ansehung daß ich tzu solicher sach gleich
betzwungen kom. Hilfft mir der almechtig Got daß ich
einkom oder irgent etwas erlang ich will e'uer' a'chtparkeit' mit dem
werk dancken〈.〉 Bleib aber ich arm wil ich den lebendigen
und barmbhertzigen Got umb e'uer' a'chtparkeit' gesuntheit/ langleben/
und selikeit bitten. Meynes g'nedig'sten hern briff176 hab
ich offen gelassen auff das E'uer' A'chtchtparkeit' den selbigen und was in Euer
Achtparkeit briff tzu vil oder tzu wenig/ auß eyle oder meyner
ungeschicklikeit halben geschriben/ bessern welten.
Dem lebendigen Got ewiglich bevolhen datum Kemberg
mitwochen nach Laurencii anno MDXXVIII.177

E'uer' Achtpar'keit'
williger
diner
Andres Carlstad
Bit umb gunstige antwort

afolgt gestrichen unleserliches Wort
bim Original großgeschrieben, wohl zur Kennzeichnung einer Sprechpause
ckorrigiert aus darauff auff
dfolgt gestrichen wi
ekorrigiert aus unleserlichem Wort
ffolgt gestrichen d
gfolgt gestrichen unleserliches Wort
hdavor unleserlich gestrichen
ikorrigiert aus dem
jklein geschrieben
kim Original Punkt
lim Falz verklemmt
mfolgt gestrichen M
nvor der Zeile hinzugefügt
ovom Editor verbessert für abendmahh
pvom Editor verbessert für schrobet
qfolgt gestrichen tzw
rüber der Zeile hinzugefügt
sfolgt gestrichen y
tvom Editor verbessert aus dar
ufolgt gestrichen daß kein gleubiger leuken magk
vvom Editor verbessert für dem
wkorrigiert aus gegen
xfolgt gestrichen weeg
yvom Editor verbessert für hocht
züber der Zeile hinzugefügt
aafolgt gestrichen ferner
abüber der Zeile hinzugefügt
acüber der Zeile hinzugefügt
adüber der zeile hinzugefügt
aevom Editor verbessert für bute
affolgt gestrichen heiss
agfolgt vom Editor gestrichene Klammerschließung
aham Rand hinzugefügt
aiüber der Zeile hinzugefügt
ajfolgt gestrichen ich
aküber der Zeile hinzugefügt
alüber der Zeile hinzugefügt

1ehrenwert, geachtet. Vgl. FWB s.v. erenfest.
2Zum Amtmann des Wittenberger Kreises Hans von Metzsch siehe KGK 315 (Anmerkung).
3[von Luther] entzweit.
4vorzulegen. Vgl. DWb 1, 684 s.v. auflegen Nr. 1.
5vorlegen. Vgl. DWb 3, 225 s.v. einlegen Nr. 11.
6Erlaubnis, Gewährung, hier im Sinne von Zusicherung. Vgl. DWb 32, 503 s.v. zulassung Nr. 2b.
7Die erste kfstl. Erlaubnis zur Niederschrift einer Abendmahlsabhandlung, die Karlstadt am 18./19. August 1527 in Torgau übergab. Vgl. KGK 308 und KGK 310. In einem späteren, heute verschollenen Brief an Johannes Oekolampad von Ende 1529, überliefert durch Oekolampads Mitteilung des Inhalts an Zwingli, bringt Karlstadt die Aufforderung, die »grund« bzw. »fundamenta« seiner Lehre darlegen zu sollen, mit seiner Ablehnung einer vorherigen Ermahnung Luthers zusammen, eine Schrift gegen Zwingli und Oekolampad zu verfassen: »Magnis minis me adigebant, ut adversus te ac dominum ac fratrem meum Zwinglium scriberem. Quod ubi nolui, et postquam dixi impossibile onus mihi, praeterea, si possem, neminem mihi consulturum, quandoquidem Lutherus antesignanus et princeps laboraret, ob hoc coegerunt, ut fundamenta mea exponerem, quod feci, impetrato ad hoc electoris consensu.« (Zwingli, Werke 10, 400,1–6 Nr. 958). Der Brief wird in KGK IX ediert. Dieser Zusammenhang auch im auf denselben Tag datierten Schreiben an Kfst. Johann (KGK 316 (Anmerkung)).
8empfangen.
9nichts Böses befürchten. Vgl. FWB s.v. befaren.
10anhält.
11Karlstadt stellt den Sinn des von Kfst. Johann gewährten Geleits (im Sinne einer Aufenthaltserlaubnis, s. die folgende Anm.) in Frage, wenn er es für eine Diskussion seiner Abendmahlsabhandlung auf der Grundlage einer christlichen Unterweisung nicht nutzen könne.
12Es ist nicht klar, auf welchen Anhang sich Karlstadt bezieht. Der Widerspruch der eigenen Lehre als Voraussetzung seiner Niederlassungerlaubnis in Kursachsen, auch der Ausdruck, dass er sich »keynes argens befaren« möge, könnte diesen Anhang in die Nähe der Instruktion vom September 1525 und der Erklärung zur Lehre vom Sakrament (KGK 301) rücken; vgl. KGK 316 (Anmerkung), KGK 316 (Anmerkung) und KGK 316 (Anmerkung). Es ist aber ebenso möglich, dass eine Billigung der Abendmahlslehre Luthers Voraussetzung für die Erlaubnis der Darlegung von Karlstadts Abendmahlsauffassung im August 1527 war. Im Brief an Kanzler Brück vom 18./19. August 1527 beschwerte sich Karlstadt darüber, gegen seinen Willen und eigenen Ratschluss einen zweiten, törichten Artikel verfasst zu haben (KGK 310 (Textstelle)), doch muss dieser Artikel nicht mit dem hier genannten Anhang identisch sein. Im vorliegenden Schreiben beschwert er sich mehrfach, gegen seine innere Überzeugung zu einer Einverständniserklärung mit der Lehre Luthers gezwungen worden zu sein.
13Vgl. hierzu bereits Karlstadts Ausführungen in Von dem Missbrauch des Herren Brot und Kelch (KGK VII, Nr. 276, S. 385–427) und Von dem neuen und alten Testament (KGK 290 (Textstelle)). Bezug auf Luther, Wider die himmlischen Propheten, WA 18, 203,24–204,21, allerdings betonte der die Bedeutung der Zusageworte im Abendmahl. Für jüngere Bezüge siehe auch KGK 315 (Anmerkung).
14Die Aussage ist unklar. Offenbar wollte Karlstadt zuerst nichts oder nur die kurfürstliche Zulassung für eine Darlegung seiner Abendmahlsauffassung vorlegen.
15Vgl. KGK 308 und KGK 310.
16Karlstadt hatte auf eine mündliche Diskussion seiner Abendmahlsartikel gehofft, doch schrieb ihm Luther nur brieflich (KGK 311).
17Karlstadt hatte Brück in der Fastenzeit 1528 (zwischen 26. Februar und 14. April) entweder erneut besucht oder angeschrieben.
18vorenthalten. Vgl. DWb 4, 740f. s.v. fürhalten Nr. 3.
19Vermutlich die Abendmahlsartikel (KGK 308), die er dem Brief an Brück vom 18./19. August 1527 beigelegt hatte. Vgl. KGK 310 (Textstelle).
23Diese Aufforderung Luthers, dass Karlstadt ihm eine neue Abhandlung über seine Abendmahlsaufassung in gegliederten Argumenten übergeben solle, erinnert an die Bitte am Ende des Briefes vom 29. Januar 1528, Karlstadt möge eine strukturierte Antwort senden (KGK 311 (Textstelle)).
24In der Fastenzeit 1528, zwischen 26. Februar und 12. April, erlangte Karlstadt bei Brück eine weitere Erlaubnis zur Niederschrift einer erneuten Abhandlung über seine Abendmahlslehre. Ob Karlstadt dafür Brück anschrieb oder in Torgau besuchte, ist unbekannt. Siehe o. KGK 315 (Anmerkung).
25Diese zweite Abhandlung besteht aus einer Widerlegung (»refutation«) mit Argumenten seiner eigenen Lehre. In ähnlicher Weise sind allerdings auch die Abendmahlsartikel vom Sommer 1527 beschrieben. Siehe KGK 310 (Textstelle).
26In der Schrift Dass diese Worte Christi»Das ist mein Leib«noch fest stehen (1527) finden sich wortnahe Aussagen Luthers: »Das kan ja nicht sein denn der leib Christi, da er von redet Johan. vi. Mein fleisch ist ein rechte speise, Wer mein fleisch isset, der lebt ewiglich. […] Sihe da aber mal, der leib Christi ym kilch stercket unser leibe, Das ist ja von leiblichem speisen geredt on allen zweivel, und ist doch der leib Christi.« (WA 23, 234,33–35; 235,24f.). Karlstadt hatte diese Thematik zuerst 1525 in der Schrift Von dem neuen und alten Testament angesprochen. Vgl. KGK 290 (Textstelle).
27Möglicherweise Selbstzitat aus der Abhandlung zur Abendmahlslehre (KGK 312).
28Joh 6,32–35 u. 47f. (Jesus als Brot des Lebens, von Gott gegeben). Bezug auf Luthers Vorstellungen von der Reinigung des Sünders durch das leibliche Blut des Kelchs, das von Priestern ausgeteilt werde (WA 18, 212,27–32; WA 26, 478,33–35 u. 478,40–479,2).
29Luthers zweite, von Metzsch verlesene, indirekte Antwort; vgl. KGK 314.
30Vgl. 1. Kor 11,26. Die auf diesen Vers aufbauende Argumentation wies Luther als Wortklauberei ab; siehe u. KGK 315 (Anmerkung).
31Karlstadt bezieht sich auf seine Beweise für ein geistliches Essen als Gedächtnisakt im Abendmahl. Vgl. KGK VII, Nr. 277, S. 493, Z. 13 – S. 494, Z. 3 u. S. 509, Z. 15f.; KGK VII, Nr. 278, S. 575, Z. 6–576,22. Luther hatte die Vorstellung als prägendes Kennzeichen des Abendmahls in seinem Traktat Vom Abendmahl Christi Bekenntnis mit deutlichen Worten abgelehnt (WA 26, 463,15–32).
32mit geistlichem Rüstzeug versehen. Vgl. DWb 27, 1977 s.v. wappnen Nr. II.2b.
33für etwas sorgen. Vgl. DWb 25, 2075 s.v. verwahren Nr. 2.
35Bezug auf WA 18, 203,24–204,21; 207,9–14; 208,2–6; vermutlich auch auf WA 26, 478,33–35 u. 478,40–479,2. Vgl. auch KGK 313 (Anmerkung).
36Vgl. Röm 10,6f. Karlstadt möchte mit dieser Bibelstelle zeigen, dass es bei der Vorstellung einer leiblichen Präsenz im Abendmahl der Mensch wäre, der mit seiner Kommunion den Leib Christi aus dem Himmel auf Erden brächte; eine ketzerische Anmaßung über das Handeln Gottes. In der überlieferten Antwort Luthers auf Karlstadts Abendmahlsartikel (KGK 311) findet sich darauf keine Reaktion, sodass davon auszugehen ist, dass Karlstadt dieses Argument in seiner zweiten Abhandlung im Frühjahr 1528 verwendet hatte.
37Zur Unmöglichkeit, dass Christus für die leibliche Präsenz im Abendmahl von seiner Himmelsstatt herabsteigen müsste, vgl. KGK VII, Nr. 277, S. 496, Z. 23f. Eine Beweisführung mit Röm 10,6f. findet sich dort nicht. In der Schrift Dass diese Worte Christi»Das ist mein Leib«noch fest stehen verneinte Luther eine strikte Lokalisierung von Christus und setzte dagegen das Prinzip der Ubiquität auf Grund seiner unio personalis, also der Vereinigung von menschlicher und göttlicher Natur in der Person Christi (WA 23, 131,9–22; 143,32–145,2; 145,9f.13–16). Vgl. Hilgenfeld, Elemente, 374f.
38Vgl. 2. Kor 5,21 (Christus wurde zur Sünde); Gal 3,1.13; Röm 8,33; 1. Kor 1,18–25 (zur Torheit des Kreuzes). Zu Karlstadts Beschäftigung mit der Übernahme der Sünden der Menschheit durch Jesus vgl. KGK I.2, Nr. 64, S. 575, Z. 12–15; KGK II, Nr. 137, S. 469, Z. 4 – S. 470, Z. 5. Aufällig ist der gleiche Bibelverweis bei Zwingli auf Gal 3,13: Durch Christi Tod »pro nobis maledictum« sei die Sünde vergeben, nicht durch eine leibliche Nießung (Zwingli, Werke 5, 706,5–11).
39definitiv. Vgl. DWb 1, 1580 s.v. beschlieszlich.
40Zum Abendmahl als Ankündigung des Leidens und Sterbens Christi bzw. des Kreuzestodes als entscheidendes Heilsereignis vgl. KGK VII, Nr. 278, S. 571, Z. 23 u. Nr. 279, S. 619, Z. 23 – S. 620, Z. 11. Luther wandte sich gegen eine solche Deutung (WA 18, 199,4–6 und WA 26, 463,15–32).
41Meinung, Entschluss.
43Vgl. zum Folgenden auch KGK 314.
45Ironischer Bezug Luthers auf die Grammatikeinführung des Aelius Donatus. Diese Referenz findet sich nicht in seiner Antwort vom 29. Januar 1527 auf Karlstadts Abendmahlsartikel vom Sommer 1527 (KGK 308 und KGK 311), woraus auch inhaltlich deutlich wird, dass es eine weitere Antwort Luthers auf Karlstadts zweite Refutation gegeben haben muss (KGK 314).
46Inhalt, Bedeutung, Sinn. Vgl. DWb 12, 1398 s.v. Meinung Nr. 1.
47Gemeint sind die Anhänger Luthers.
48Zum gegenseitigen Vorwurf der Blindheit vgl. KGK 311 (Textstelle).
49Kurfürst Johann von Sachsen.
50Luthers Antwort auf Karlstadts Abendmahlsartikel, abgesandt vermutlich am 29. Januar 1528 (KGK 311).
51Karlstadts zweite Abendmahlsabhandlung vom Frühjahr 1528 (KGK 312), letztlich wünscht er sich aber auch noch eine unparteiische Begutachtung der Abendmahlsartikel vom Sommer 1527 (KGK 308).
52auf Erden.
53nützlicher.
54Meinung, Denken. Vgl. DWb 27, 608–620 s.v. wahn Nr. 3.
55Eine unmittelbare Reaktion Karlstadts auf Luthers Vom Abendmahl Christi Bekenntnis. Der hatte dort die Verwendung von griech. »>'epion« (»biberunt«) in Mk 14,23 als vermutlich falsche Textüberlieferung kritisiert und vorgeschlagen, es durch »p'iete« (»bibite«) wie in Mt 26,27 zu ersetzen (WA 26, 454,17–455,5). Die Gegenüberstellung unterschiedlicher Stränge der Textüberlieferungen bei Markus und Matthäus auf der einen und Lukas und dem 1. Korintherbrief auf der anderen Seite findet sich in Luthers Schrift häufiger (WA 26, 461,10–13; 464,10–465,11). Den Bezug auf Mk 14,23f. stellte Karlstadt auch in der Schrift Von dem neuen und alten Testament her. Siehe u. KGK 315 (Anmerkung).
56verleugnen.
59Vgl. Mt 26,27 Vg »Et accipiens calicem gratias egit et dedit illis dicens bibite ex hoc omnes.«
60Vgl. Mk 14,23 Vg »Et accepto calice gratias agens dedit eis et biberunt ex illo omnes.«
61Karlstadt würde die Diskussion noch mit weiteren Schriften fortsetzen.
62Mittel, Unterfangen, Beistand. Vgl. FWB s.v. behelf Nr. 1–3.
63wohl verhalten. Vgl. FWB s.v. begegnen Nr. 2. Sollten Brück oder Kurfürst Johann Einwände gegen Karlstadts Unterfangen, die Diskussion mit Luther fortzusetzen, haben, würde er diese einstellen und ihm freundlich begegnen.
64Erneut eine offenkundige Referenz Karlstadts auf Luthers Schrift Vom Abendmahl Christi Bekenntnis, der das Brotbrechen als Austeilung des Leibes Christi beschreibt, das »nicht von dem hingeben an dem creutz« handele (WA 26, 470,15–29, Zitat Z. 29; auch WA 26, 397,21–26). Zur Abendmahlsfeier als Austeilung des Leibes siehe auch WA 26, 487,9–492,36 und bereits WA 18, 168,18–20; 172,18–21 u. 198,18–200,19.
66Vgl. Jes 53,5 Vg »ipse autem vulneratus est propter iniquitates nostras adritus est propter scelera nostra disciplina pacis nostrae super eum et livore eius sanati sumus.«
67Vgl. Jes 53,10 Vg »et Dominus voluit conterere eum in infirmitate si posuerit pro peccato animam suam videbit semen longevum et voluntas Domini in manu eius dirigetur.«
68Zu Karlstadts miserablen wirtschaftlichen Situation vgl. in KGK 304 und KGK 313.
70Der Übergang ins Lateinische und ein eventueller Zitatbezug sind unklar. Auffällig ist, dass auch Luther in der jüngsten Abendmahlsschrift Vom Abendmahl Christi Bekenntnis bei logischen Erläuterungen häufig ins Lateinische verfällt.
71Erneut Jes 53,5.10.
72Karlstadt gibt marginal die beiden hebräischen Perfektformen für dikaʾ und dakah sowie mögliche lateinische Übersetzungen an.
73Das Mittel der Gemination zur Hervorhebung wichtiger Aussagen verwendete auch Luther, u.a. in Wider die himmlischen Propheten. Vgl. hierzu KGK 289 (Textstelle).
74Dieses Argument hatte Luther entkräftet, indem er darauf hinwies, dass das Brechen des Brotes nichts anderes als das Austeilen des Brotes bedeute. Vgl. Vom Abendmahl Christi Bekenntnis (WA 26, 396,24–397,23; 470,15–29 u. 487,36f.); erstmals bereits in Wider die himmlischen Propheten: »Wilchs brechen nicht anders ist den stuck machen odder austeylen«. (WA 18, 168,1f.).
76Luther verwendet in der Schrift Vom Abendmahl Christi Bekenntnis die Figur der Synekdoche als totum pro parte, um zu zeigen, dass die Person Christi an menschlichen und göttlichen Handlungen real beteiligt ist, weil sie beide Naturen vereint (WA 26, 321,28–322,2; 322,23f.; 326,23; 444,22–38). Nicht nur der Mensch, auch Gott ist in der Passion Christi ein leidender. Auf Grund der Allgegenwart Gottes sei daher auch der Leib Christi (als Ausdruck der beiden, unvermischten Naturen) im Abendmahl beteiligt. Vgl. hierzu Hilgenfeld, Elemente, 357f.; Henschen, Erniedrigung, 68–73.
77Erneut Jes 53,10.
78Hebr. schabar mit lateinischer Übersetzung.
79Vgl. Ps 33(34),19 Vg »iuxta est Dominus contritis corde et confractos spiritu salvabit«; Ps 33(34),19 Hebr J\char211{}\heG{V}{\char128}J\heG{P}{\char131}\char143{} \heF{F}{\char135}\heA{A}{\char130}X\char95{}\heF{d}{\char131}\heG{k}{\char135}\heA{A}{\char129}J\char95{}Tf\heG{H}{\char131} \heG{L}{\char135}\heA{N}{\char128}\heG{V}{\char135}\heA{b}{\char135}\heR{T}{\char129}J\char95{}\heG{L}{\char129}{}B \heJ{J}{\char135}E\heF{F}{\char132}E \heA{S}{\char132}T\char211{}B\hebre.
80Vgl. Ps 50(51),19 Vg »sacrificium Dei spiritus contribulatus cor contritum et humiliatum Deus non dispicies.«
81Vgl. 1. Kor 11,24 Vg »et gratias agens fregit et dixit hoc est corpus meum pro vobis hoc facite in meam commemorationem.«
83Vgl. Ps 142(143),4 »Et anxiatus est super me spiritus meus, in me turbatum est cor meum.«
86unleugbar.
87Bezug Karlstadts auf Luther, Vom Abendmahl Christi Bekenntnis: »Und ist gantz frevel gered, so yemand on grund der schrifft wolt brechen so viel heissen als creutzigen odder toͤdten, Denn auch sonst brechen nirgent so viel gilt als erwuͤrgen oder toͤdten.« (WA 26, 397,18–21); siehe auch o. KGK 315 (Anmerkung). Vergebung der Sünden setzt für Karlstadt voraus, dass Christus leiblich am Kreuz gestorben ist; Luthers Lehre von der leiblichen Präsenz Christi im Abendmahl »zerbreche« Christi Vermögen zur Sündenvergebung. Hierzu ausführlich Von dem neuen und alten Testament, wo auch eine Verbindung zu Jes 53,4 hergestellt wird (KGK 290 (Textstelle)).
88Vgl. erneut Jes 53,5.10.
89Es muss sich nicht mühen.
90nachlässig, milde. Vgl. FWB s.v. läslich Nr. 2–3.
91zu Boden werfen.
92vorstellen, vor Augen halten. Vgl. DWb 4, 855 s.v. fürstellen Nr. 1 u. 2. Zu den Luther in dieser Frage – des Brechens als Kreuzestod Christi – entgegengestellten Schriften gehört der 1525 erschienene Traktat Von dem neuen und alten Testament; siehe hierzu oben KGK 315 (Anmerkung).
93manifest, evident. Vgl. DWb 1, 811 s.v. ausgenscheinlich.
94fangen, einnehmen. Vgl. DWb 3, 1237f. s.v. fahen.
95Handlungen.
96Unterstellung, dass Luther den von ihm propagierten einfachen, literalen Deutungssinn verläßt.
98Der Bezug ist nicht klar. Die Bibelstellen Röm 3,21–23 und Gal 2,19–21 lehnen die Rechtfertigung aus der Erfüllung des Gesetzes ab. Andererseits erkannte Paulus in Abraham den Vater aller Christusgläubigen und rechnete ihn zu den Ahnen, die im rechten Glauben an Gott wirkten (Röm 4,3 und Gal 3,6).
99Fehler in der Syntax, hier der falsche Bezug von »hoc« auf »panis« an Stelle von »corpus«.
100einen Vorwurf, Tadel sagen, hier im Sinne von vorwerfen. Vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon 1, 238 Nr. 68.
101Polemischer Vorwurf, dass Luther »hoc« mit »panis« verbinden und damit der Bibel eine falsche Grammatik überwerfen würde.
102Zum Solözismus siehe o. KGK 315 (Anmerkung), zum Kelch und seinem Pronomen siehe u. KGK 315 (Anmerkung).
103Vgl. 1. Kor 11,26 Vg »quotienscumque enim manducabitis panem hunc et calicem bibetis mortem Domini adnuntiatis donec veniat« Vgl. die Stelle in der Septuaginta: »<os'akic g`ar >e`an >esj'ihte t`on >'arton to=uton ka`i t`o pot'hrion p'inhte, t`on j'anaton to=u kur'iou katagg'ellete >'aqri o<=u >'eljh|.«
1041. Kor 11,27 Vg »Itaque quicumque manducaverit panem hunc, vel biberit calicem Domini indigne: reus erit corporis, et sanguinis Domini.«
105o<=utoc a<`uth to=uto.
106den Sinn auf etwas richten, hier wohl im Sinne von sich auf etwas vorbereiten. Vgl. DWb 25, 899 s.v. vermuten Nr. 1. Wäre es Karlstadt erlaubt zu publizieren, hätte er schon einige Schriften gegen Luthers Lehre veröffentlicht.
107übersetzt. Vgl. DWb 25, 1911 s.v. vertieren.
108Bezug auf 1. Kor 11,24f. Vg »et gratias agens fregit et dixit hoc est corpus meum pro vobis hoc facite in meam commemorationem similiter et calicem postquam cenavit dicens hic calix novum testamentum est in meo sanguine hoc facite quotienscumque bibetis in meam commemorationem.« und Mt 26,28 Vg »hic est enim sanguis meus novi testamenti qui pro multis effundetur in remissionem peccatorum.«
109Vgl. Erasmus, Testamentum (1519), 61: »Et accepto poculo, gratiis actis, dedit illis, dicens: Bibite ex hoc omnes. His est enim sanguis meus qui est novi testamenti, qui pro multis effunditur in remissionem peccatorum.«
110Einbildung, vorgefasste, unbegründete Meiung. Vgl. DWb 27, 615–618 s.v. wahn Nr. II.3c.
111Vgl. Lk 22,19 »hoc est corpus meum quod pro vobis datur.«
112Grundsatz. Vgl. DRW s.v. Schlussrede II.
113Fülle, Genüge. Vgl. FWB s.v. genügde.
114Unklare Lesung. Labes, Rechtfertigungsschrift, 108 liest »notht«, was sich aber nicht mit dem paläographischen Befund deckt.
115Ein Beispiel aus einem inhaltlich nicht zugrundegelegten Gegenstand.
116Karlstadt richtet die Frage an Brück, da er im letzten Jahr seine Lehrauffassung vermutlich nur zusammen mit einer Billigung der Lehre Luthers niederschreiben und vorlegen durfte. Siehe o. KGK 315 (Anmerkung).
118Vgl. 1. Kor 10,16 Vg »calicem benedictionis cui benedicimus nonne communicatio sanguinis Christi est
et panis quem frangimus nonne participatio corporis Domini est.«
119Einbildung, Meinung; siehe o. KGK 315 (Anmerkung).
120Bezug auf Vom Abendmahl Christi Bekenntnis (WA 26, 487,11–16; 490,19–491,16; 492,17–25), wo Luther allerdings herausstellt, dass das Brot, das im Abendmahl ausgeteilt wird, die Gemeinschaft des Leibes Christi sei.
121was.
123Vgl. 1. Kor 10,17 Vg »quoniam unus panis unum corpus multi sumus omnes quidem de uno pane participamur.«
124Dennoch.
125Bezogen allgemein auf Luthers Abendmahlsschriften.
126Hohn.
127Die »lux verbi«, von der es in Luthers Antwortbrief heißt, dass Karlstadt sie sich anmaße. Vgl. KGK 311 (Textstelle).
128Vgl. Mk 14,23f. Vg »Et accepto calice gratias agens dedit eis et biberunt ex illo omnes et ait illis hic est sanguis meus novi testamenti qui pro multis effunditur.« Luther hatte sich gegen die »ordnung« in Mk 14,23 gewandt und eine Textemendation nach Lk 22,20 gefordert, da dort die Abfolge von Jesu Mahl am Gründonnerstag richtig angegeben sei: »Weil denn kein zweivel ist, das Mattheus und Marcus die strenge ordnung nicht halten, sondern Lucas […] So mus Mattheus und Marcus mit yhrem schreiben nach S.Lucas ordnung zu richten sein und nicht widderumb […].« (WA 26, 461,10–13). Die Bevorzugung der Lesung von Lk 22,20 und 1. Kor 10,16 bereits in Wider die himmlischen Propheten (WA 18, 164,31–167,7; 207,4–210,31). Karlstadt hatte schon 1525 in Von dem neuen und alten Testament darauf reagiert (KGK 290 (Textstelle)). Die Bibelstelle Mk 14,23 deutete Karlstadt ebenfalls schon früher in der ihm genehmen zeitlichen Abfolge in Ob man mit Hl.Schrift zu erweisen vermag, dass Christus im Sakrament sei (KGK VII, Nr. 278, S. 554, Z. 5–7) und in Von dem neuen und alten Testament (KGK 290 (Textstelle)).
129Bezeugung (durch die Bibel), Erklärung. Vgl. FWB s.v. Erbietung.
131Vgl. Lk 22,20 Vg »Similiter et calicem postquam cenavit dicens hic est calix novum testamentum in sanguine meo quod pro vobis funditur« und 1. Kor 11,25 Vg »similiter et calicem postquam cenavit dicens hic calix novum testamentum est in meo sanguine hoc facite quotienscumque bibetis in meam commemorationem.« Vgl. hierzu die Ausführungen in Von dem neuen und alten Testament (KGK 290 (Textstelle); KGK 290 (Textstelle); KGK 290 (Textstelle); KGK 290 (Textstelle); KGK 290 (Textstelle); KGK 290 (Textstelle)).
132nirgendwo. Vgl. DWb 13, 830 s.v. ninderts Nr. 1.
133Luther sah im Wort Kelch eine synonyme Verwendung mit Blut (Christi). Vgl. WA 26, 464,10–26 mit Bezug auf Mt 26,28 Vg »hic est enim sanguis meus novi testamenti qui pro multis effunditur in remissionem peccatorum« und Mk 14,24 Vg »et ait illis hic est sanguis meus novi testamenti qui pro multis effunditur.«
135Luther erkannte in dieser Wendung (»Kelch im Blut«) einen üblichen hebräischen Wortgebrauch, der nichts anderes als das »Blut des neuen Testaments« wie in Mt 26,28 und Mk 14,24 bedeuten würde (WA 26, 464,10–465,11).
136Vgl. 1. Kor 11,25 Vg »hic calix novum testamentum est in meo sanguine« (siehe o. KGK 315 (Anmerkung)).
137Vielfacher Bezug zu der Schrift Von dem neuen und alten Testament; vgl. u.a. KGK 290 (Textstelle).
138klare.
140beschuldigt, bezichtigt. Vgl. DWb 31, 510 s.v. zeihen Nr. 2. Luther hatte Karlstadt demnach beschuldigt, die Worte Christi nach seinem Sinn zu verdrehen.
141Vgl. Kol 1,20 Vg »et per eum reconciliare omnia in ipsum pacificans per sanguinem crucis eius sive quae in terris sive quae in caelis sunt.« Vgl. hierzu Karlstadts Ausführungen in Von dem neuen und alten Testament; siehe o. KGK 315 (Anmerkung).
145Aufbauend auf die Rede von Christus als verworfenem Eckstein, auf den die Kirche aufbaue (Mt 21,42), möglicherweise Bezug auf 1. Petr 2,4f., wo Christus als der lebendige Stein bezeichnet wird, zu dem die Gläubigen kommen, um ein geistliches Haus aufzubauen.
146Fehlerhafte Angabe. Stattdessen wohl Bezug auf die Salbung Jesu durch eine Frau als Vorwegnahme der Totensalbung Christi und Aufruf zum Gedächtnis dieser Handlung als Form der Predigt des Evangeliums in Mk 14,3–9. Die Salbung Jesus durch eine Sünderin mit darauffolgender Vergebung ihrer Sünden auf Grund ihres Glaubens und gezeigten Liebe zu Christus in Lk 7,37–50.
147Karlstadt gibt hier seine Schlussfolgerung aus Luthers Lehre wieder, aber kein Zitat.
148Vgl. WA 18, 207,9–14; 208,2–6.
149So wie sich eine morsche Türangel zum Türpfosten neigt, fällt der Grund von Luthers Lehre zusammen.
150Vgl. Mk 14,24 Vg »et ait illis hic est sanguis meus novi testamenti qui pro multis effunditur.« Luther hatte seine Präferenz von »funditur« nach Lk 22,20 im Sinne eines Ausgießens des Kelchs am Abendmahlstisch noch einmal erneuert (WA 26, 470,1–5). Zu diesem Streit siehe bereits Von dem neuen und alten Testament (KGK 290 (Textstelle)).
151Karlstadt bevorzugt effunditur aus Mk 14,23 zum Beweis der Besprengung der Gläubigen mit dem geistlichen Blut Christi, d.h. im Sinne der Ausschüttung des Heiligen Geistes. Siehe KGK 290 (Textstelle).
152Ironische Wendung gegen Luthers Schwärmervorwurf.
153Der Sektenvorwurf war einer der schwersten, bedeutete er doch ein Schisma und eine Zerteilung der Gemeinde Christi.
155erzählten.
156Nachstellung, Verfolgung. Vgl. DWb 13, 205 s.v. Nachtrachtung Nr. 3. Der gesamte Satz bezieht sich auf Luthers Absage einer weiteren Diskussion (vgl. KGK 314.)
157Diese Person, die Luther besucht hatte und Karlstadt daraufhin warnte, ist bisher unbekannt. Da das Längenmaß einer Meile zwischen 1,5–2 km und zwei Wegstunden oszilliert, ist die Entfernungsangabe von fünf Meilen zur Ortsbestimmung kaum hilfreich; möglicherweise ist auch einfach die Strecke von Wittenberg nach Kemberg gemeint, die ungefähr 15 km beträgt.
158In Luthers Heim, dem Schwarzen Kloster.
15911. August 1528.
160Freude.
161Es wird aus diesen Aussagen nicht deutlich, ob sich Karlstadt am 11. August 1528 in Wittenberg aufhielt und ihm die schlechten Nachrichten selbst zu Ohren kamen, oder ob die im vorherigen Satz genannte Person, die sich bei Luther aufgehalten hatte, ihn bei einem Besuch in Kemberg unterrichtete.
162entrüsten.
164Unklar, möglicherweise unterstehen i. S. v. stützen, fördern, unterstützen. Vgl. DWb 24, 1826f. s.v. unterstehen Nr. II.1.b und c.
165Grundlage der Beweisführung Karlstadts sind die Regeln der Rhetorik, der sensus literalis und die gegründete Bibelexegese.
166umfassend, reichhaltig, völlig, reich. Vgl. DWb 23, 222–225 s.v. überflüssig Nr. A1.
167Karlstadts Berufung auf das Geleit nimmt Luther im Brief an Brück am 24. September mehrfach ironisch auf (WA.B 4, 569,20 u. 37).
168vorher
169versorgen. Vgl. FWB s.v. beschicken Nr. 3.
171Im Fall einer abschlägigen Antwort auf sein Erbieten, eine neue Stellungnahme in der Abendmahlsfrage abgeben zu dürfen und eine abschließende unparteiische Begutachtung von seiner und Luthers Position zu erlangen, ersuchte Karlstadt Brück, auf Kfst. Johann einzuwirken, um eine gnädige, freundliche Beurlaubung zu erhalten und nicht ausgewiesen zu werden. Von einer solchen Beurlaubung möge er frühzeitig unterrichtet werden, um Vorbereitungszeit für die Regelung seiner Angelegenheiten (Verkauf von Hab und Gut, Begleichung der Schulden) zu gewinnen, die ihm bei seiner Ausweisung im September 1524 verweigert worden war (vgl. KGK VII, Nr. 271, S. 250–255). Gegenüber Kfst. Johann deutet Karlstadt ebenfalls eine mögliche Verabschiedung an; siehe KGK 316 (Anmerkung). Karlstadt erinnert sich in einem verloren gegangenen Brief an Oekolampad Ende 1529 ebenfalls an diese ultimative Situation: »[…] idcirco non possem diutius veritatem in territorio eius reticere, precatus indulgentiam, ut profiteri liceret, aut, si hoc grave foret, exeundi terram.« Die Aussagen sind durch ein Schreiben Oekolampads an Zwingli vom 15. Januar 1530 überliefert (ediert in KGK IX).
172Augenscheinlich ersuchte Karlstadt Brück, sich bei Kfst. Johann für eine Indienstnahme beispielsweise als Stadtschreiber einzusetzen.
173Marginale Hinzufügung von Karlstadts Hand.
174sich auf etwas einlassen. Vgl. FWB s.v. eingehen Nr. 8.
175dieses Mal, ein weiteres Mal.
17712. August 1528.

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