Von dem wider
christlichen mißbrauch des hern
brodt und
kelch.
Ob der glaub in das sacrament/ sündea
vergaͤ-
be/
und ob das sacrament eyn arrabo/
oder pfand sey
der sünde
vergaͤbung.
Außlegung deß xi. Capit. in der .i. Epistel
Pauli zů den Corinthiern von des
hern
abentmal.
Andres
Carolstat.
1524
a1v
IchbcAndres
Bodensteinc
von Carolstadt/ bekenn
offenlichd/ und thů idermeniglich
kunth/ und zů
wissen/ das ich/ des greulichen irthůmbs/ und
der armen betrogen
Christenheyt halben/ nit len-
ger bergen kan/ das vile Christen/
des herrn brot und kelch
zů grossem schaden nemen/ unnd sich durch iren
blinden
und unwirdigen brauch/ des herlichen1 abentmals verlü-
stig/ und des todes Christi
schuldig machen/2 und die
grosse
gerechtigkeyt Christi verliesen/ welche Christus gehabt/
und allen
gleubigen mitgeteilt hat.3Drümb muß ich auß-
brechen/4 und mich selbs in meinem vorigen schreyben vom
sacrament
straffen/5 und die warheyt
verzelen.6 Wiewols
andere billich7 vor mir solten than haben/ die man für
die
fürsten der schrifftgelerten achtet/8 unnd uns zů inen al-
so woͤllen haben angehefft/9 das wir weder schreyben/ nache
etwas taͤtlich fürnemen/ ehe denn
sie/ sollen. Weyl sie
aber hinder dem busch halten10 und sich den einfeltigen11 zů
grůben und pfelen legen oder stecken/12 můß ich dran/ undf
gottes warheyt/ und die hohe
gerechtigkeit Christi beken-
nen/ es kost leben oder tode/13 Dinstlich bittende euer key-
ner
woͤl auff mich oder einen andern sehen/ sonder ein ye-
glicher auff
sein innerlichs gezeugnüs des geystes ach-
tung14geben. Aber so er15 des eüsserlichen und
schrifftlichen
gezeugnüs für sich oder andern bedarff/16 bloͤßlich auff die
schrifft sehen/ die ich füren
werd/17 den ich sie ye/ von mir/
auff
gottes ware urteyle leytteng thůn/ als Joannes thet/18 der
sprach/ Jhener ists/ ich
bins nicht. Er steet in eurem mit-
tel19 den ir nit kennet.20 Findt er21 das dise untherweysung re-
cht ist/ und das
im auß seiner ferligkeyt22 würt
geholffen/
so lob er gott/ und fasse die warheyt. So aber yemandts
ist dem
dise vermanung mißhaget/23 sols im
frey sein24 mich
zů
underweysen/ und der welt etwas bessers zů zůschreiben.25
Ich wil auch einen yeglichen gebetten haben/
denen dün-
cken
a2r möcht/ das ich irr gee/
das er mich woͤl/26 gütlich
oder
auch mit scharpfen worten/ leren/ ob mir gott gnad gebe
vermeynten
irthumb zůerkennen/27 mich zů
bessern.
Wo ich des hern brod und kelch ein sacrament nennen
werd/ sol es niemants darfür
achten/ das ichs in der sch-
rifft also genent hab gelesen/28 sonder/ das ich mit kindern
lallen wil/ auff das sie mich vernemen.29
Obdas Sacrament sündh vergaͤbe.30
Das ist ein gemeyner31 und
greulicher schadei/ das un-
sere Christen32 vergebung der sünden im sacrament sü-
chen. Nemlich wenn sie
ire33 gewissen j(als sie reden)j aͤngstet
oder
betrübet/ irer sünd halben/ so schickhen sie sich34 das
hochwirdige sacrament zů entpfahen/ unnd wenn sie es
entpfangen/ werden sie zů fridenn/35 durch einen falschen
wan36
unnd glauben/ welchen ich falsch knenn unndk nennen
werd/ so lang biß sie ein wort ires glaubens in der schrifft37
Rom. 10.anzeygen/ der sie vertrauen. Seytemal38 der glaub auß
dem gehör der
predig/ das predigen aber auß dem wort got-
tesl ist.39 Drumb soll inen niemandt glauben geben/ biß sie
ein wort des glaubens
predigen/ und das anzeygen/ das
des hern brodt/ ein Sacrament sey/ oder sünd
vergebe/
und wenn sie ein wort des rechten glaubens gepredigt und
angezeygt
haben/ so solt ihr denn40 der
blossen warheyt an-
hengig werden/ und nicht iren personen.41 Ir müst auch
sie auß iren reden
verstehen/ ob sye warhafftige unnd
Goͤttliche ding fürgeben.42 Der glaub der im sel-
berts ein
ding fürspiegelt/ oder fürmalet/ wie erß haben
wil/ derm ist ein zauberischer glaub/43 und im grund ein falsch
liecht und vernünfftig
erkentnis.44Der glaub an
Chri-
stum můß sich nach der art Christi richten/ Christum
er-
kennen/ wie und was er ist/ nicht Christum machen zů was
oder wie er45 will. Sonst würd
im46 der glaub eyn
erdichts47
a2v bild fürstellen. Und wenn48 er lang erkandt und gegloͤubet
het/ so wüst er doch nit/ das
er eynem falschen und erfun-
den ding glaubet. Also sage ich/ Wer
seynem gewissen ey-
nen frid und vergebung der sünden in dem
machet/ das
Gott nit zů eynem frid und vergebung der sünden gesetzt
hat/ der
hat drumb nit frid unnd vergebung der sünden/
das er sich mit eynem falschen trost
zů fridenn machet/49
Sondern
er würt und můß zů schanden werden die leng/50
ob er gleych ein weyl fridlich steht.
Demnach müssen alle menschen zů schanden und spotn
werden/ die ohne das wort des glaubens/51 dem sacra-
ment eynen frid ires gewissens und vergebung irer sün-
den zůrechnen/ oder das sacrament zů eynem pfandt/
2. Corin. 1. XXet. 5odas unsere gewissen versichern sol/52 machen/ Die weyl
sie des nicht eynen bůchstaben
finden/ inn den worten
Ephe. 1.des glaubens.53
Das aber das nicht recht sey/ wil ich kürtz halben Pau-
lus lere zůhanden nemen und handeln/ die er vom
wirdi-
gen brauch des hern brodt unnd kelch .1. Corint. 11.
geschri-
ben hat/ denn von dieser materien nach der weidt
unnd
breydt/ hab ich in eynem gespraͤch büchlin54 geschriben und
sonst in andern
büchlin.55
Paulus saget warumb/ undp wie/ unnd wenn wir des
hern brodt undq kelch wirdiglich und nützlich
geniessen/
unnd schreybet gleych56 das die Propheten unnd Aposteln
vom erkantnüs des leybs unnd blůts
Christi geschriben
Gal 1.haben.57 Wer anders leret/ oder ein ander Evangelium her-
für
bringt/ der ist ein verbandter/ und verflůchter/58 und seine
leere ist auch ein verbandte greuliche und
verflüchte lere.
Tex. 1. Corinth. 11.
So offt ir von diesem brodt esset und von disem kelch drin-
cket/ solt ir des hern todt verkündigen/ biß das er kumpt.59
a3r Dise form und weyß solt meniglicher60 betrachten/ und
darnach des hern brodt essen/
und von dem kelch drincken/
denn sie Paulus
als ein regel geben hat/ nach welcher sich
alle leüthe richten müssen/ die des hern
abentmal woͤllen zů
sich nemen. Es ist aber zů mercken/ das diese verkün-
digung ein frůcht eynes baumes ist/61 nemlich des gedecht-
nüs des
leybs unnd blůts Christi/ von welchemr
Paulus
bald droben vorgesagt/62 und die wort des hern Jesu Chri-
sti eingefürt hat. Denn es můß alles auß dem grund des
hertzen
quellen/63 unnd in der
inwendigkeyt rechtgeschaf-
fen seyn/ das durch eüsserliche werck
oder dinge geschicht.64
Gott
richt das hertz/65 unnd der
inwendig mensch ist eyn
teuer gůt und edel ding in gottes augen/ wenn er
geschickt66
ist/ als
inen67 got wil geschickt
haben.
Esa. 29Darumb spricht got durch Esaiam und Christus auch
Math. 15.selbs. Das volck lobet mich im munde/ aber ir hertz
ist
fern von mir.68 Derhalben
můß die verkündigung auß
eynem gůten verborgen brunn außflissen/ ist sie
gerecht.69
Ro. 10.Den selben brunn und grund hat Paulus zů den Römern
angezeygt/ als er sagt/ Der von hertzenn
glaubt der ist
rechtfertig/ mitt dem mund aber bekennet man zů der
seligkeyt.70
Es ist gantz unmoͤglich das irgent ein eüsserlich ding
rechtgeschaffen oder
rechtfertig71 sey/ so das hertz
nit zůvor
srechtgeschaffen oders
rechtfertig ist.72 Als geschriben steht.
Abac. 2.Der ungloͤubig ist/ der hat inn sich selb keyn rechtfertig
Tit. 1.sele.73 Den ungloͤubigen seind alle ding unreyn und befleckt.
Widerumb den
gloͤubigen seynd alle ding reyn/ gůt/
Hier. 5.rechtfertig.74 Die augen gottes sehen auff den glauben/75
Wenn der mensch eyn recht hertz unnd
gerichten76 geyst
hat/ so
behaget77 er gott/ unnd seyn
eüsserlich bekentnüs/
behaget got auch.78
Derwegent sag ich/ das die
verkündigung des todes Chri-
sti
a3v/ welche
eyn eüsserlich werck oder ding ist/ auß einem
heymlichen und verborgen
hertzen entsprissen můß/ wo sie
gůt ist und got behaͤglich.79 Demnach müssen wir densel-
ben
grund80 sůchen/ auffu welchem die eüsserliche wolrede81
vom tode Christi steht. Der
grund aber ist liderlich82 zů
finden wenn du seiner bist begerend.v83
Paulus hat inen84 auch
nit woͤllen unangezeigt lassen. Welcher ist der selb
grund
fragestu? Antwort/ das gedechtnüs.85 Denn der herr Jesus
in der nacht/ da er verraten ward/ nam er
das brodt/ und
i. Cor. xj.danckt/ und brachs/ und sprach/ Nemet/ esset. Das
ist der
leib mein/ welcher für euch gebrochen würd. Das thůt in
meinem
gedechtnus. Desselben gleichen auch den kelch
nach dem abentmal unnd sprach. Dieser
kelch/ das neu
testament in meynem blůt/ solichs thůt so offt ir drincket
zů
meynem gedechtnüs.86 Da leget Paulus den grund
der verkündigung des todes
Christi/87 auß welchem dise
frucht unserer lippen fleusset/88
nemlich die verkündigung
welcher andere leuͤt erbauet und bessert/ und derhalben
ein
bekentnüs heysset zů der seligkeyt.89 Welcher nůn den todt
Christi eusserlich
rechtfertiglich90 wil
verkündigen oder be-
kennen/ der můß vor allem in seinen
grund91 gangen
sein/ und
auß dem grund oder inwendigkeyt herfür gehn/92 und sein hertz
můß dise frucht
seiner lippen/ nemlich/ die verkündigung
geperen/ als ein baum seine früchte auß
der wurtzel gepiert.93
Was gedechtnüs sey.
Das gedechtnüs aber ist ein brünstige und liebreiche
kunst94 oder erkaͤntnuͤs des leibs und blůts Christi.95 Es kan
ye96 keyner des gedencken/ das er nicht erkant hat. Das
er-
kentnüs aber můß nach dem gegenwurff97 geartet und ge-
fügt98 werden/ das ist/ den leib und das
blůt Christi/ dermas-
sen und mit den ursachen erkennen/ als99 Christus für un-
Gala. i.sere sünde seynen leyb geben und sein blůt
vergossen hat.100
a4r
Derhalben sprach Christus deütlich/ esset das brodt/
denn diser leyb ist der
leyb/ welcher für euch gegeben würt/
und das ist mein blůt/ welchs für euch sol
vergossen wer-
Luce. 22.den.101 Ob er sagen wolt (Wiewol das die
jünger erst am
Pfingstagw
lerneten102) Moses und Propheten haben euch
und allen menschen von einem
leyb geschriben/ der für euch
sol geben werden/103 welcher ein samen eynes weybes sein
Genn. 2würdt/ unnd der schlangen kopf zertretten/104 der auch sey-
ne hand nach dem holtz des lebens105 außstrecken würd.
Mein leib/ oder/ Diser mein leib106 ist derselbig von welchem
sie
alle107 weyßgesagt habenn/ der
für die wellt sol gegeben
werden/108 deßhalben solt ir meyn brodt inn meynem gede-
chtnüs
essen.
Deßgleychen von seinem blůt saget Christus/ oder wil
das gesagt haben. Moses undx propheten haben von einem
blůt geschryben/ das eyn neu testament würd
machen/
und für sünde vergossen sol werden/109 Nemet war/ Meyn
blůt ist dasselbig blůt welches für euch
sol vergossen wer-
den in vergebung der sünden. In solcher weyß
můst
man den gegeben leyb Christi und seyn vergossen blůt er-
kennen/ so yemandt eyn rechtfertig gedechtnüsy und eyn
unstraͤffliche verkündigungz des todts Christi haben woͤlt.
Ist das
gedechtnüs nit also gericht/ so felet110 es des Moy-
si und
aller propheten/ auff welche doch Christus festiglich
weyset und saget/ Christus
můst leyden sein blůt vergies-
Lu.
ulti.sen/ sterben/ und aufferstehen/ und also in sein herligkeit
eingehn/111 als in den
propheten geschryben steht.112
Welche das recht erkantnüs Christi haben/ die haben
die gerechtigkeyt in irem
grund/ als Paulus spricht/ der
Ro. 10.glaub ist die gerechtigkeyt des hertzens.113 Ja das ist war/
wens nit eyn
gefroren oder tode erkantnüs ist/ sonder
ein inbrünstige hitzige geschefftige
unnd krefftige kunst114
Christi/ die den
erkenner in das erkant leben/ unnd todt
a4v Christi verwandlet/115 und umb Christus willen moͤcht116 alles
thůn oder lassen/ das Christus haben wil.
Das aber der rechtgeschaffen117 glaub an Christumaaein
erkaͤntnüs sey des todes Christi/ und seyner ursachen/ zey-
get
Esaias an/ der zůvor den übergeben leib des Messie/
Esa. 53.mit eigner gestalt abmalet/118 und darnach spricht er/ in sey-
ner kunst oder erkaͤntnüs wirt der gerecht vile seiner kne-
chte gerecht machen.119
Da fragestuab/ Wenn120 und in welcher gestalt/ würt
Chri-
stus erkandt/ so seyne kunst121 und erkantnüs rechtfertigen
sol? Antwort.
Sihe Esaiam an/ so wirdestu finden das
Christus als ein lamb zům tode geopfert ward/ drumm das
erß wolt haben/ Das er umb
unsere sünd verwundt/ und
als ein verachter/ und verflüchter gehalten was/ den
got
verworffen hat etc.122
Und da Esaias Christum also gekreützi-
get/ fürgestellet hat/ spricht er/ In seiner kunst würt er ge-
recht machen/123 das der124 Christus
also verspot/ verwundt/
und uffgehenckt/ machet gerecht. Das ist das Christus
Joan. 3.sagt/ Der son des menschen můß erhoͤcht werdenn/
auff
das ein yglicher selig werd/ und nit verderb/ der inen auff-
gehenckt ansihet oder an in glaubet.125 Das ist das Pau-
lus
XXRom. 5.acsaget/ Durch eynes menschens gehorsam seind vil
menschen gerecht
worden.126 Versteht den
gehorsam von
Phil. 3.welchem geschrieben ist/ Er ist gehorsam worden biß
in
tod. Drumb hat er den namen Jesus in seynem gehorsam
seynes erlitten todes
aller erst ins hoͤchste wesen bracht/
XXPhil. 3.addas Christus eyn saͤligmacher hieß.127 Das ist die ursach/
wenn Paulus das überschwencklich erkaͤntnüs Christi/ so
hoch wirdet128 unnd schatzet/ unnd saget das
die gerechtig-
keyt allein kumm durchs erkantnüs
Jesu Christi/129 und ver-
meldet gar seüberlich das die gerechtigkeyt so auß got
kumpt im
erkennen Christi stehe/ und in der krafft seyner
aufferstehung/ und in der
gemeynschafft seynes leyden/
b1r das man seinem tode aͤhnlich und gleich werd.130
Drumb auch schreibt Paulus. Ich weyß nicht denn
Jesum
den gekreützigten/131
darauß yeae132 volgt/ das die kunst133 des uff-
gehenckten Jesu
gerecht machet.
Kürtzlich134 das erkantnus oder
kunst des gegeben leibs
Christi unnd seynes vergossen blůts ist der erst
grundt/
der bewegen sol des hern abentmal zůnemen. Da müst
ir
abermal zůsehen das ir nicht eytel135 fleysch auß des herren
XXJoan. 6.afleib und blůt machet/ das zů nichts nütz ist.136Ir muͤsset die
grosse
unsichtparlicheag lieb/ den
überschwenglichen gehor-
sam/ die treffliche unschuld Christi/ und
der gleychen/ für137
augen
haben/ und verstehn/ und in der tieffe eures her-
tzens verstehn/
so werdet ir gerechtfertigt/138
von sünden er-
loͤset/139 und also müst ir dieseah wort
Christi/ Das ist der leyb
meyn/ von welchem weißgesagt ist/ der für euch sol
gege-
ben werden/140 für das recht und froͤlich Evangelium hal-
ten/ welches alle Aposteln verkündigen/ das vorzeiten ein
zůsag gewest/ und
ytzt kein vorheyschung141 mehr
ist/ sonder
in Christo geendet/142 zů eynem klaren Evangelio geworden
XXAct. 13.aiist/ als Paulus spricht.aj143
Moses hatt vorlangest von dem
XXGala. i.akleib und blůt Christi geschriben/ und überpüntlichal144amwol
ge-
schribenam.XXEphe. 1.2.an145 Propheten verheissen den leib/ der für uns würd
XXCol. 1.aogegeben.146 Aber die
Aposteln147 unnd wir
verkündigen die
froͤlicheap
botschafft des übergeben leybes unnd vergos-
sen blůts Jesu
Christi/148 von welchem
Christus redet vor
seynem todt.149Auß dem erkantnüs Christi/ wechset das
gedechtnüs Christi/ das
nicht eyn rohe/ kalt/ und faul ge-
dechtnüs ist/ sonder ein frisch/
hitzige/ unnd krefftige ge-
dechtnüs ist/ das froͤlickeyt
macht oder gibt/ welches den
übergeben leyb/ und vergossen blůt Christi teuer
achtet/
das hochschatzet/ das dancksaget/ das Christformig ma-
chet/150 und schaͤmen macht vor
allem151 das Christo
entgegen
ist. Des nym eyn exempel. Sihe/ wennaq du hettest müssen
b1v sterben am galgen oder rade152 oder im feuer/ und das ur-
teyl were bereyt wider dich gesprochen gewest/ und müst
in todt gehn/ und
es kaͤm eyner der für dich stürb/ und ma-
chet dich durch seinen
tode ledig/ würdestu dich nit ewig-
lich schemen/ wenn du etwas
thettest/ das du einem solichen
gůten freund soltest zů lieb lassen?153 und widerum. Würdestu
nit fro
werden/ so sein nam wol genent würd? Würdestu
im nit ewiglich wolsprechen?154 unnd so er dir etwas zů
letze155
ließ/ des du in
seynem gedechtnüs brauchen soltest/ das
selb mit frischem hitzigem gedechtnüs
brauchen? mit ent-
setzung deyner selbs/156 das du eyn soliche that gethan hat-
test/ derhalben dichs recht erwürget het/157 wenn der unschul-
dig/158 deyne schuld nit uff sich
genommen/ und mit seynem
tode bezalt hett.159 Also solten wir auch das gedechtnüs des
hern haben/ auß
unserm hertzen verstehn und gedencken/
das Christus sein leyb in todt geben/ und
sein blůt unsert-
halbenarim schmelichen todtar vergossen hat/ unschultiglich
auß grosser
lieb/ auß unvergleichlichemas
gehorsam.160
Das gedechtnüs Christi hat zwey teyl/ eines ist des ge-
geben
leybs/ das ander/ des vergossen blůts halben.161 Der nů
des hern abentmals geniessen wil/ der můß in die
ursachen
sehen/ und wissen warumat Christus sein blůt vergossen/ und
seinen leyb geben hat für unß/ zůsampt
die fruchte/162 als die
Aposteln und jünger Christi nach dem pfingstag/163 da sie den
heyligen geyst entpfingen/ und die ursachen des
übergeben
leybes und vergossen blůthes Christi wüsten/ welches der
Apostel
bücher/ die geschichten/164 unnd
die Epistel zů den
Heb. 6. 10.Hebreern anzeygen. Sihe wie Christus ein opfer
und ein
priester ist gewesen/165 undau warumb er sich
geopfert/166 so wir-
destu gewißlich erfaren/ das wir alle durch ein opfer/ ein
sterben/ eyn leyb/ eyn gehorsam/ eyne unschuld/ eyne hey-
ligkeyt/
eyne erloͤsung/ ein abwaschen/ vergebung unser
sünden/ unnd gerechtigkeyt erlangt
haben.167
b2r
Darumb ist es nicht war/ das uns das sacrament sün-
de vergaͤbe.
Es ist wider Mosen/ Propheten/ Aposteln/
und
Christum/ und dartzů ein versprechung168 des leydensav und
hohen gehorsams Christi. Die seind auch wol so tholl und
arg/169 die vergaͤbung irer sünden im
sacrament sůchen/ alß170
die pfaffen/ die Christum taͤglich für neue sünde opfern/
es felet nicht vil daß
sie so arg seynd.171 Christus gehorsam
Psal. 39.erkant/ oder der will Christi/ welcheraw des vatters wil war/172
verstanden/ ist unser
rechtfertigung/ unnd reyniget das
hertz/173 unnd vergibt schuldt/ das wollen wir bequemer se-
hen/ so wir den text weyter handlen.
Itztax ist vermeldtay das die verkündigung des todes
Chri-
sti/ auß dem gedechtnüß Christi/ und das gedechtnüs
Chri-
sti/ auß dem erkaͤntnüß des gegeben leibes und
vergossen
blůts Christi fliessen/ das wir die ursachen undazbakrefften/ und frü-
chtenba des gekreutzigten leybs/
zůsampt des vergossen blůtß
Christi wissen müssen/ wo die verkündigung recht sein
sol/
auff das in uns nit unsere eygne weißheyt und gedancken174
gefunden werden. Hütet euch für der
straff175 Christi/ der
sprach. O ir narren/ glaubet ir nit was die propheten und
Moses von mir haben geschriben?176 Von dem leib und blůt Chri-
sti haben sie geschriben/ das Christus in seinem leyb/ und mit
sey-
nem blůt unsere sünde abwaschen würd/177 von dem sacrament/
das sünde
vergäbe/ hat keyner geschriben. Es hat uns Chri-
stus auch von dem
leib/ der anß kreütz wurd gehenckt gesagt/
das er unser sünd bezalen solt/178 das Christus im sacrament
sünd
vergaͤb/ das hat kein prophet/ noch Christus/ noch irgent
ein
Christlicher brůder geschriben/ denn wenß sein künd/ das
unß Christus im sacrament sünd vergaͤb/ bbwürd volgenbb/
das wir Christum nicht am kreütz/ sonder im
sacrament mü-
sten erkennen/ und das unß Christus durch seinen leib
nicht het
sünd vergaͤben/ auch das sein tod nit krefftig genugsam wer
gewest.
Das aber/ hieß Christumbc mit
füssen dretten179 sein ley-
den
b2v versprechen/180 unnd Got den vatter lügen straffen.
Weys181 mir einer ein klein
bůchstaͤblin/ das uns das sacra-
mentlich wesen des leibs und blůts
Christi im sacrament
nütz sey zů vergebung der sünden. Christus spricht. Mein
blůt wirt vergossen umb vergebung der sünden/182 da frag
ich. Ist das blůt im sacrament vergossen/ oder am
kreütz?
Ist es im sacrament vergossen/ so ist der rům des kreützes
Christi183 uffgehaben und
falsch/ unnd Paulus ein unman184
geworden der sich nichts
rümet/ denn des kreützes Christi.185
Ist es am galgen vergossen/186 so müssen wirbd unser erkaͤnt-
nüs zů dem kreütz und nit zů dem
sacrament richten.
Wir seind warlich widerchristen/ versprecher187 oder ver-
achter des leidens
Christi/ so vil unser188 dem
sacrament das
zů messen/ das Christo am kreütz angehoͤret.
Christus spricht. Das thůt in meynem gedechtnüs/ so
sprechen sie/189 ir solt des sacraments gedencken.
Christus/ ir
solt meins leibs der gegeben wirt/ nicht der ytzt im sacra-
ment ist (als sie wenen)190 sonder der geben wirt am kreütz/ geden-
cken/ aber sie sprechen/ ir solt des leibs im sacrament geden-
cken/ und vermoͤgen doch nicht ein haͤrlin191 der schrifft anzeigen/
dadurch wir verstehn künden/ wie der
leib und das blůt Chri-
sti im sacrament/ oder warumb sie
drinnenbe sollen seyn.
Paulus sagt/ So offt ir von des hern brodt esset/
und
von seinem kelch drincket/ solt ir des hern tod verkündi-
gen.192 Dawider aber
leren sie193 also. Ir solt
glauben das Chri-
stus im sacrament ist.194 Ir solt glauben das euch das sacra-
ment sünde vergibet.195 Ir solt glauben das das sacrament
ein gewiss pfand ist/
vergebung der sünden/196 unnd
eurer
heyligkeit/197 unnd
faren mit allen vieren in den greulichen
widerspruch198 der gerechtigkeit/ lieb/ unschuld/ und weyß-
heit Christi/ die er durch seinen tod beweyst hat.
Paulus spricht. Ir solt von des hern tod
reden/199 Sie
aber. Ir
solt von dem sacrament reden.200
b3r
Was das ist/ Biß er kumpt/201
hab ich in meynem dialo-
go geschriben.202
Volgt derbf Text.203
1. Corin. 11.Welcher nůn unwirdig von diesem
brodt isset/ oder von
dem kelch des hern drincket/ der ist schuldig an dem
leyb
und blůt des hern.204
Math. 26.Die schuldt hat Christus vermeldet205 als er spricht. Der
son des
menschen geht/ als von im geschriben ist/ wee aber
Act. 2.dem/ durch welchen.206
Petrus spricht/ ir habt den hern des
lebens207 ermordtet/ und euern
seligmacher verleucknet/ und
hingeworffen.208 Der unwirdiglich von des hern abent-
mal
nimbt/ der ist schuldig/ wie die moͤrder Christi/ die
Christum nicht allein
versprachen/209 sonder darzů
erwurg-
ten.210Was die unwirdigkeyt sey/ und bgwarinnen siebg steh/
wil ich durch den volgenden text außfalten/
der also laudet.211
Text. 1. Cor. 2.Welcher unwirdig isset und drinckt/ der
isset und trincktbh
im
selber212 das gericht. Warumb?
Darumb/ das er nit un-
therscheydet den leyb des hern.213 Da hastu die ursach der
unwirdigkeyt/ nemlich/ das der unwirdiglich isset unnd
drinckt/ der da nicht des
hern leyb wol underscheydet.
Zeyge mir ein woͤrtlin auß Paulo/ das er sprech/
der isset
des hern brodt unwirdiglich/ der das sacrament nit un-
therscheydet/ des hern leyb müssen wir untherscheyden/
das weyß ich/ das
ist auch war/ das ich bey des hern disch/
mit gepürlichen sitten214 sitzen/ und sein brodt und
tranckbi
in der
meynung215 nemen sol/ inn
welcher er mirß fürlegt/
das ich aber sein brodt und weyn halten sol/ als inen
sel-
ber/216 ist mir nicht befolhen. Der herr kan mir leben/ selig-
keyt/ erloͤsung/ gerechtigkeyt/ und der gleychen gůter/ und
schaͤtze geben/
dern217 mir das brodt oder
drinckgeschir/218
key-
nes geben kan. Darumb můß ich nit uff seyn brodt oder
drincken sehen/ sondern uff ihn.
Setzet ich hertz/ můdt/ synn/ dancken219 uff den hern/ und
b3v würd mit wonnen in ihn entzucket/220 es würd mir gar nicht
schaden/ ob ich etwas
des sacraments verreret221 oder
ver-
schüdtet. An seynem erkaͤntnüß/ und nicht
an seinem abent-
mal/ ligt die wirdigkeyt. Unwirdigkeyt und schuldt
des
todes etc.222 stehnt
uff dem unverstandt223 des leybs
und blůts
Christi/ oder uff der unachtsamkeyt/224 die nicht untherschey-
det/ das sie
untherscheyden solt.
διαϰρίνωDiese woͤrtlin/ nit untherscheyden/ moͤgen auch
also
außgeredt225 werden/
nicht wol richten/ oder/ nit aͤben er-
kennen.226 Denn Paulus gründet seyne gantze lere/ uff die
rede Christi/ der
also sagt. Das ist mein leib/ welcher für
euch würt gegeben. Das ist mein blůt/ das
etc.227 Und wil
anzeygen/
als er in allen episteln schir228 thůt/ das Christus
gesagt/ Mein leyb/ ist der leyb/ der für euch gegeben.
Und
das ist meyn blůt/ das für euch vergossen sol werden. Es
můst eyner
kommen/bj der seynen leyb unnd
seyn blůt umb
unsertwillenbk
müst darsetzen/229 des selben
leyb und blůt müs-
sen wir eben230 verstehn/ gedencken wir anderß231 dem verderb-
nüß entlauffen/ und selig zůbl werden. Sein fleysch müssen wir
Joan. 6.essen/ und seyn blůt drincken/232 und müssen wissen/ das wir
ohne seyn erkaͤntnüß/ urteyl unndbm gericht/ oder unther-
scheydung nicht künnenbn selig werden.
Welcher den leyb Christi inn der weyß/ nicht von allen
anderen leyben absonderet/
unnd untherscheydlich über
alle leyb achtet/ unnd isset darüber des hern malzeyt/
der
ist an seynem todt und des gerichts schuldig.233 Denn Chri-
stus hat uns seyn
brodt und seinen kelch geben zů essen und
drincken/ in der meynung/234 das wir seyn gedencken.235 Wer
aber gedenckt/ der můß
des hern wort vorbo236 verstehn/ da er
spricht/ Das
ist mein leyb etc. Das ist meyn blůt etc.237
Wel-
cher nicht versteht/ der gedenckt auch nit/ oder
gedencket
ye238 nit des
hern/ als239 er seyn
denckenbp solt/ gedencket er
nit/
so untherscheydt er nit den leyb des hern/ unnd er achtet
b4r des leybs Christi nit/ oder schaͤtzet den leyb nit so groß
und
hoch/ als er ihnen240
schaͤtzen solt. Darumb wirt er schuldig
zů forderst/241 wenn er des hern brodt isset/ und von des
hern
kelch drincket/ und erkent nit des hern leyb und blůt.242
Nů frag ich/ wo sollen wir des herren leib underschey-
den/ aͤbenbq243 richten/ und wol urteyln?
Antwortestu/ im sa-
crament. So frag ich. Ist Christus im sacrament
gestor-
ben? Hat Christus sein seele für uns im sacrament
geben?
Wo ist das groß und weydt brodt gewest/ in welchem Chri-
stus mit seynem kreütz/ und der groß hauffen der spotter ge-
standen?244 Haben die
Juden und Heyden des hern gespott im
sacrament? müssen sie ye mit im drinnen245 gewest seyn.
Es weren auch die beyde schecher mit iren galgen/ ley-
ben/ und
worten drinnen gewest. Ist Christus im sacrament
seinem vatter gehorsam gewest biß
in den todt/246 warumb
flůgen247 seyne jünger nicht
von im/ als er ihnen seyn brot und
kelch gab? alß sie flüchtig wurdenbr da sie Christum fingen?248
hat Christus außerhalb der
pforten Jerusalem geopfert
oder zů Jerusalem in der stadt? da sie das sacrament
as-
sen. Hatt der verraͤter Christum in der Juden hende
ge-
antwort/ da Christus mit den jüngern zů tisch saß/
oder
übergab er ihnen249
darnach?
Ich halts dafür/ das keyner sagen darff/ das Christus
seynen leyb im sacrament
geben hab/ für unsere sünde/
dennbs der eynes můß fallen unnd zů nicht werden/ entwe-
der/
das/ das Christus seynen leyb inß sacrament für
uns geben hat/ Oder das/ Christus
hat seynen leyb in tod
anß kreütz für uns geben/ das ander250 aber ist war durch
Mosen/ Propheten/ sonderlich durch Esaiam
volgen-
de/ am aller klaͤrsten durch Christumbt offtmals weyßge-
sagt.251 Drumb můß das
erste falsch seyn unnd zů nicht
werden/ alß es ist.
Wo auch das erste bestünd/252
müsten gar nahe aller Apo-
stel
b4v schrifften
fallen/ unnd wurd ein ewiger spott drauß.
Weyl wir denn des herren leyb urteylen oder rich-
ten/ unnd wol
untherscheyden müssen/ nit als253 er im sa-
crament ist/ sondern als er seynen leyb ein
sündopfer/
speyßopfer/ heb und webopfer254 seynem vatter auß freyem
willen geopfert/ unnd die
groͤssiste unschuld/ hoͤchsten ge-
horsam/ wonsame255 liebe beweist hat/ volget/ das sie
des
hern brod und kelch alle sampt unwirdig genomen/ unnd
sich des todes
Christi/ und gerichts schuldig gemacht ha-
ben/256 die nit zeruck gesehen/ und die
figurirte257 auffgehenckte
Nu. 21.schlangen nit ansehen/258 sonder nur achtung haben uff das
Joan. 3.sacrament/ das sie Christum/ mit dem sacrament
entpfa-
hen. Es wer inen auch besser/ wen sie feygen darfür
fres-
sen.259 Des hern leib ist der verheissen leib/ welcher der welt
sünde hintragen
solt/260 durch sein leyden und
tode/ drumb
was von im261
geschrieben/ wie er solt verwundt werden umb
unser erloͤsung willen etc.262 Das alles hat uns Christus
er-
ynneren woͤllen/ unnd verstendigt haben/ wanbu wir sein
brodt essen
woͤllen.263
Das Paulus hie/ den leib allein nendt/ das thůt er
nit
der halben/ das wir das blůt des hern ungericht264 und un-
geurteylt/ und nit
underscheydlich erkennen/ unnd uber
alles blůt schaͤtzen sollen/ sonder bey dem
leib müssen wir
auch vernemen/ das wir des hern blůt underscheyden sol-
len/ so wir nit schüldig werden wolten seines blůthes/265
da-
rumb hat Paulus alles leib
und blůt genent.
Wenn wir sollichen ernsten verstand ab266 dem leibe und
blůt Christi hetten/ würd sich unser keiner vol fressen
oder
ubersauffen/ als267
die unverstendige Corinthier theten/ son-
der eyn yglicher würd
sich allerley laster enthalten/ die
Christo zůwider oder zů schanden gereichen.
Darumb sol sich eyn iglicher selbs vor268 genůgsam prü-
fen/ unnd also/ wie
gesagt ist/ essen von des hern brodt/
c1r und von dem kelch drincken.
Prüfen/ heysset gewißlich erkennen/ das ist erfaren. Pau-
lus gebraucht das wort δοϰιμαζέτωbv in der kriechischen zun-
gen an vil enden.269 Ro. 5. et. 12. 1. Thes. 5.270 unnd heisset alle
zeit eygentlich erfaren/ gewißlich versthenbw in der meinung
in welchers Joan.
1. c. 4 brauchet/ als er spricht. Erken-
net vor271 die geyster/ ob sie auß got seyend
etc.bx272
Paulus stellets iglichem heym/ und steckets eynem
igli-
chen in seynen eygen puͤsen/273 und wil das sich meniglicher274
selber pruͤfen sol/ das ist/
auß gewisser erfarung verstehn/
ob er den leib und das blůt Christi/ welches die
propheten
vorheyssen/275
mit liebreicher und hochschatzender kunst276
er-
kenn oder nit. Denn hat er das wirdig und brünstig
erkaͤnt-
nüß des leibs Christi/ der unsere sünde mit grosser
bitter-
keyt/ und verspottung getragen/277 und des blůts/ das in278 von
seynen boͤsen werckhen unnd sünden
gewaschen hat/279 so
würt
er Christfoͤrmig/280 und
danckbar dem leyden/ nüch-
tern/ sitzam/ weyß/281 vernünfftig/ züchtig/ unnd würt
sich
der argen sitten der Corinthiern/ die sich voll sůffen/282 wol
messigen/ auch ob des hern tysch
züchtiglich sytzen/ aͤben283
achtung haben/ das er des hern brod nit zů eygnem lust/
oder zů leyblicher
settikeyt/ und auch nicht/ als ein ander
brodt/284 oder ohne erkaͤntnüs nemen soll/ des/ der es im
zů
essen geben hat zů seynem gedechtnüß.
Diese prüfung steht in der inwendigkeyt/ und sihet ge-
rad in den grund der seelen/ in welchem gott zůthůn hat/
und seyne gabe
schaffet.285 Darumb füret Paulus/ eynen
yeglichen zů sich/ und byin seynen eygen grund/
unndby nicht
zů andern menschen/ als286 die
papisten than haben/ welche
die dischgnossen des abentmals Christi/ zů armen
blinden-
leytern287 (die sie beychtvaͤtter heissen) weyseten/ Denn Pau-
lus ist der sachen klüger gewest/ und hat
yeglichen zů sich/
und in seyne inwendigkeyt geleydet.288 Auß der ursach/ das
c1v keyn mensch erkendt/ was inß menschen geyst ist/ denn ein
1. Cor. 3.yeglicher geyst eynes yeglichen menschen.289In deyn
in-
wendigkeyt soltu gehen/ wenn du des herren abentmal
ne-
men wilt/ und nicht obenhin erkennen/290 ob du eyn redlich
und wirdig
gedechtnüß Christi habest/ das du es nemest/
sonder291 ein erfarung/ das ist/ ein gewiß erkaͤntnüß
deiner
selbs/ fülenbz/ das du
seyest/ als dich Christus haben wil.
Das sacrament292 ist kein Arrabo/ Arra/293 Pfandt/ oder gottis pfennig.294
Auß dieser rede Pauli/ nemlich/ eyn yeglicher sal
sich
selbs prüfen etc.295 volgt ein umbsturtze eyner andern rede/296
als man gemeinglich sagt/ das brodt und der kelch
Christi
seind versicherung und gewisseca urkunde/ durch welche der
mensch bey sich sicher und gewiß
werden kan/ das ihm Chri-
stus todt/ seyn erloͤsung gebracht hat.
Dann wo der mensch
seyner erloͤsung/ das ist vergaͤbung der sünden/ durch des
herncb abentmal sicher werden
kündt oder solt/ were es von
unnoͤten/ das sich ein yeglicher/ vor/ ehe er des hern
brodt
und kelch nem/ prüfet. Es were genug/ das er sich darnach
fuͤletcc und verstündt/ ob er geschickt297 wer/ alß298 ihnencd got wil
haben. Das aber ist wider Christum der spricht/
thůt das in
meynem gedechtnüß/ das ist/ nemet mein brodt und meinen
kelch in
meinem gedechtnüß/ das brodt/ zů eynem gedecht-
nüß/ das ich meyn
leyb für euch gegeben/ den kelch/ zů einem
gedechtnüß meynes vergossen blůts.
Darumb sol ein igli-
cher vorhin ehe er nimpt/ sich prüfen/299 ob er das gedechtnüß
Christi
hab oder nit/ hat erß/ so ist er auch sicher seiner er-
Rom. 5.loͤsung/ und hat einen frid zů got durch
Christumce/300 nit durchs
sacrament/ und
mag301 es froͤlich nemen/ hat
erß nit/ und fin-
det auch nit in sich/ das er ein gewiß erkaͤntnüß
hat seiner
erloͤsung/ so ist er nit geschickt/ alß ihnencf302 Christus haben
wil/ der sein abentmal esse/ so wenig ihener gschickt
was/ zů
Mat. 22.des koͤnige disch zů sitzen/ der kein hochzeitlich
kleyd an het.303
c2r Darumb solt er sich des hern mals enthalten/ uff das er
nit
schuldig/ und inß eüsserst finsternüß geworffen würd/ alß
jhener geworffen
ward. Das aber diese sicherheyt vorcg
entpfahung/ in denen sein sol/ so des hern abentmal woͤllen
nemmen/
und nicht uns widerfar oder zůkum durchs brodt und
kelch/ welche etliche zeychen
nennen/ das hat Paulus
klaͤr-
lich und reychlich angezeygt/ als er sagt. Der mensch
sol
sich prüfen/ und also/ von dem brodt essen etc.304 Was bedeüt das
verßlin/ Und also? Bedeüt es
nit das er sich vor prüfen/ und
eygentlich verstehn sol/ ob er des hern gedechtnüß
hab/ und
des hern todt künnch
verkündigen/305 in dem
fürsatz/ willen/ und
weyß/ alß306 Christus haben wil. Hat er das in
seinem grund/307
so hat er
auch den geyst Christi/ der im308 seinen heyland Chri-
stum/ am kreütz hangenden/ und den selben
Christum in vollem
gehorsam/ in hoher gerechtigkeyt/ und wonnsamer309 lieb/
und unschuldt
sterbenden zeygt/ und sein hertz versichert/ das
er erloͤsung hat durch
Christum. Hat er
diese versicherung
des geistes Christi/ die er haben můß/ so mag310 er also von
des hern brodt
essen unnd kelch drincken. Aber also isset
und drincket er/ wenn er schon
versichert und gewiß wor-
den ist/ das Christus aller welt sünden
bezalet und hingetra-
gen hat/ ehe er das sacrament entpfehet.
Christus weyset
uns ye alle zů im311 am kreütz/ da er gehorsamlich stirbet/
und alles volbringt/ das von im
geschriben steht/312 da
müssen
wir inen313 mit
seligen augen ansehen/314 das
ist/ an inen glauben/ und
gewißlich wissen/ das er uns erloͤset etc. wenn wir das
wissen
und also zůrück/ uff den erlidten tode Christi/ sehen/ so seind
wir
rechtfertig315 in uns/ und
wirdig zů essen und drincken des
hern brodt und wein wirdiglich/ Wenn auch wir
erfaren/ das
wir soliche erkenner und eingedencker seind/ also moͤgen316 wir
froͤlich essen und
drincken/ darumb spricht er. Pruͤff sich vor317
ein mensch/ und also. das wort/ also/ bedeüt
geschicklicheit318 und
zeit. Gschicklicheit des gdechtnüß. zeit/ das die gschicklicheit
c2v vorgeen müß/ als eyner vor319 eyn hochtzeytlich kleyd haben
můß/ ehe er zů
eynes koͤniges disch geht.320
Nů ob ichs gleych sonst gestünd und zůgebe/ das man
durch etliche zeychen/ gottis
zůsag oder werck erfaren kan/
und sicher werden/ wenn sie so über der vernunfft
begriff321
seind/ das die
seele auß verwunderung gesehener zeychen/
heimlich ein hohe krafft gottes erferet/
als Ezechias
durch den hindergang der
sonnen/322 gottis kraft und
willen
erfůr/ so ist es doch nit sicher noch gůtt/ das wir dem
brod und weyn
Christi/ das jhene geben unnd zů eygnen/
das Christo/ und dem geist Christi/
eygenthůmlich zůsteht.
Christus ist der wege/ warheyt/ leben/ und frid/ und
das
alles haben wir durch Christumci.323 Der nů dise
güter/ dem
abentmal/ brod und weyn des hern zů schreybet/ was thůt
er anders/
denn das er Christo in seine schaͤtz greyffet? und
das/ geringern creaturen
denncj er ist/ zů
erkennet/324 das al-
lein Christi ist/ und das Christusck alleyn verleyhet.
Der ist ye325 ein dieb und ein
moͤrder/ der nit durch Christum
eingehtcl.326 Das
aber hieß durch brodt oder weyn eingehn/
und nit durch Christum/ oder uffs wenigst/
es hieß nit al-
leyn durch Christum/ sondern samptlich327 durch Christum
und sein
abentmal eingeen. Das aber hasset Christus/ denn
er wil ein gantz hertz haben/ das
in voriger weyse/ fast zer-
teylet wer328 unnd ungantz. Ist aber Christus unser frid/329
und versicherung/ was künden
uns seellose creaturen330
be-
friden und sicher machen? Seyn blůt/ weschet uns unnd
unsere gewissen/ von den todten wercken ab/331 das ist/ das
brünstig erkaͤntnüs332 des vergossen blůts Christi.
Vermag das aber das blůt/ so můß es uns auch versi-
chern/ als
aͤben thůt/ wenß333 erkant ist.
Thůt es aber der
kelch/ so ist der kelch den wir heüt nemen/ vorzeyten vor-
gossen umb unsere sünde/ ehe er in der weinreben gewach-
sen ist. Der mangel steht an dem erkaͤntnüs/334 unnd
c3rChristus hat unß drumb dieses fals nit ein zeychen
geben
woͤllen/ das unser krefften und seele bewegen thet/ als335 er
sonst werck thet/ die keyn
ander than hat/336 uff das wir
al-
lein im337 zůrechnen solten/ unnd nicht den zeychen/ das itzt
vil nerrisch leüt
den seellosen zeychen338
geben.
Christus hat uns seynen heyligen geyst zů senden ver-
heyssen/
unnd fürgesagt/ wenn der kůmpt/ der würdt euch
alle ding sagen/ und er würt euch
zeugknüs geben/ und
Ro. 8ir werdet von mir zeugknüs geben.339 Sihe da der geyst
Christi
gibt uns das gezeugknüs/ das er seynen leyb für
uns geben/ und sein blůt für uns
vergossen.340 Nů aber
so
das dem heyligen geyste zůsteht/ ist es frevel und můt-
will/ das
wirß dem brodt oder wein zůschetzen.341 Es ist ye342
eyn diebstal/ da durch man dem geyst seyn eygenthům-
lich werck und
eygenschafft abstilet/343 und
eyner armen crea-
tur zů misset/ und dadurch ein neu abgoͤtterey
machet.
Der kyndtlich geyst (spricht Paulus) der unß
schrey-
Ro. 8.hen machet Abba
vatter/ der versichert unsern geist etc.344
Das sacrament machet unß ye345 nit zů got schreyen vat-
ter
vatter/ Denn es ist vil zů grob/ das es den grund der
seele anrüre/ ich geschweig/
lere.346 Nů leret uns das
brodt/
oder der kelch nit zů got schreihen vatter vatter/ das wircm
doch im leiden Christi thůn
müssen/ so wirß recht verstehn/
so kan das sacrament/ unseren geyst auch nicht
versi-
chern/ und der schwacheit unsers geystes helffen/347 denn so-
lichs geschrey unnd versicherung/ gehoͤren eynem werck-
meyster zů/ Die versicherung steht gottes geyst/ und key-
1. Cor. 1.ner creaturen zů/348 der geyst Christi salbet uns/ er versiglet
Ephe. 1.uns/ cner versichert uns/cn er ist das pfand unser erloͤsung.349
Weyl dann gottes geyst das zůsteht/ unsern geyst versi-
chern/ und
uns unser erloͤsung gewiß machen/350 sol man dem
geist nach eylen/ sich nach im lernen sehnen/ und das
durch
den geyst entpfahen/ das dem geyste zůsteht/ das auch nie-
mandts
c3v denn der geyst geben kan/ nemlich/ die
versicherung
vergaͤbner sünden.351 Wer es
ungeferlich gewest/ das wir
soliche hoche ding in creaturischen dingen/ als im
sacra-
ment/ das ist/ brodt und weyn Christi/ moͤchten
sůchen/352
ungezweyfelt/
Christus wer so weyß gewest/353
das er uns
das hett sagen künden/ unnd so güttig/ das er das selb
auch mit
nichtenco verhalten hett.
Seytemal Christus ye354
Mat. 28.seynen jüngern befolhen/ das sie in die welt gehn/
und al-
les predigen solten zůhalten/ das er gebotten/355 und Pau-
lus sagt/ das die schrifft reich und
genugsam sey.356
Weyl aber in keyner schrifft gefunden wirdt/357 das wir
uns durch brodt oder weyn des hern/ versichern oder
be-
friden/ oder unser erloͤsung drauß erfaren sollen/ ist es eyn
Deu. 4.zůsatz/ wider die schrifft/358 unnd zů fliehen als ein lesterung
Pro. 30.des geyst gottes und Christi.359
Welcher mich recht verstanden hat/ der kan nit schlies-
sen/360 das
ich soliche neu sachen an tag breng fürwitz hal-
ben/361 oder rům zůholen/ thů ichs aber/
so würd got meyn
richter seyn/362 das aber můß ich bekennen/ das ich forcht
halben lieber geschwigen.
Denn ich weyß/ das ich nach-
rede und verfolgung darumb leiden werd/
sonderlich von
denen/ die für gůt evangelische leüt woͤllen gehalten seyn.363
Weyls aber die
übertreffliche364 gehorsam
Christi belangt/
den todt und leiden Christi angeht/ und durch den wohn/365
welchen wir yetzt inn allen
kirchen hoͤren predigen/ das
Evangelium von Christo geschmecht/366 und der todt Chri-
sti geringert/ unnd Christus gerechtigkeyt367 zů nicht ge-
macht/ oder ye368 uffs wenigste für ungnugsam
gesprochen
wirdt/ das ich und alle Christen dann weren369 sollen/ ein ye-
glicher nach
seyner maß/ so můst ich außbrechen/370 und die
Christen an das recht Evangelium weysen/371 welches al-
le Aposteln
gepredigt/ und des hern brodt nůr in gedecht-
nüs und bekentnüß des
todes Christi gebrochen/ und der-
halben
c4r
nach den gehalten predigen372
genossen haben. Got
woͤll uns verleyhen/ das wir daß recht Evangelium von
Jesu
von Nazareth vernemen/ denn das selb
noch fast373 verborgen und in uneren gehal-
ten ist/ gar
nahe in aller sacramenten
brauch versprochen/374 dercp
noch
keynes recht gepre-
digt ist.375
KGK 275
Einleitung
