Nr. 276
Von dem widerchristlichen Missbrauch des Herren Brot und Kelch, ob der Glaube an das Sakrament Sünde vergebe oder dieses ein Pfand der Sündenvergebung sei, mit Auslegung von 1. Kor 11

Text
Bearbeitet von Wolfgang Huber

Von dem wider
christlichen mißbrauch des hern
brodt und kelch.
Ob der glaub in das sacrament/ sündea vergaͤ-
be
/
und ob das sacrament eyn arrabo/
oder pfand sey der sünde
vergaͤbung.
Außlegung deß xi. Capit. in der .i. Epistel
Pauli zů den Corinthiern von des
hern abentmal.
Andres Carolstat.
1524


Buchsymbola1v

IchbcAndres Bodensteinc von Carolstadt/ bekenn
offenlichd/ und thů idermeniglich kunth/ und zů
wissen/ das ich/ des greulichen irthůmbs/ und
der armen betrogen Christenheyt halben/ nit len-
ger
bergen kan/ das vile Christen/ des herrn brot und kelch
zů grossem schaden nemen/ unnd sich durch iren blinden
und unwirdigen brauch/ des herlichen1 abentmals verlü-
stig
/ und des todes Christi schuldig machen/2 und die grosse
gerechtigkeyt Christi verliesen/ welche Christus gehabt/
und allen gleubigen mitgeteilt hat.3Drümb muß ich auß-
brechen
/4 und mich selbs in meinem vorigen schreyben vom
sacrament straffen/5 und die warheyt verzelen.6 Wiewols
andere billich7 vor mir solten than haben/ die man für die
fürsten der schrifftgelerten achtet/8 unnd uns zů inen al-
so
woͤllen haben angehefft/9 das wir weder schreyben/ nache
etwas taͤtlich fürnemen/ ehe denn sie/ sollen. Weyl sie
aber hinder dem busch halten10 und sich den einfeltigen11 zů
grůben und pfelen legen oder stecken/12 můß ich dran/ undf
gottes warheyt/ und die hohe gerechtigkeit Christi beken-
nen
/ es kost leben oder tode/13 Dinstlich bittende euer key-
ner
woͤl auff mich oder einen andern sehen/ sonder ein ye-
glicher
auff sein innerlichs gezeugnüs des geystes ach-
tung
14geben. Aber so er15 des eüsserlichen und schrifftlichen
gezeugnüs für sich oder andern bedarff/16 bloͤßlich auff die
schrifft sehen/ die ich füren werd/17 den ich sie ye/ von mir/ auff
gottes ware urteyle leytteng thůn/ als Joannes thet/18 der
sprach/ Jhener ists/ ich bins nicht. Er steet in eurem mit-
tel
19 den ir nit kennet.20 Findt er21 das dise untherweysung re-
cht
ist/ und das im auß seiner ferligkeyt22 würt geholffen/
so lob er gott/ und fasse die warheyt. So aber yemandts
ist dem dise vermanung mißhaget/23 sols im frey sein24 mich
zů underweysen/ und der welt etwas bessers zů zůschreiben.25
Ich wil auch einen yeglichen gebetten haben/ denen dün-
cken
Buchsymbola2r möcht/ das ich irr gee/ das er mich woͤl/26 gütlich oder
auch mit scharpfen worten/ leren/ ob mir gott gnad gebe
vermeynten irthumb zůerkennen/27 mich zů bessern.

Wo ich des hern brod und kelch ein sacrament nennen
werd/ sol es niemants darfür achten/ das ichs in der sch-
rifft
also genent hab gelesen/28 sonder/ das ich mit kindern
lallen wil/ auff das sie mich vernemen.29

Obdas Sacrament sündh vergaͤbe.30

Das ist ein gemeyner31 und greulicher schadei/ das un-
sere
Christen32 vergebung der sünden im sacrament sü-
chen
. Nemlich wenn sie ire33 gewissen j(als sie reden)j aͤngstet
oder betrübet/ irer sünd halben/ so schickhen sie sich34 das
hochwirdige sacrament zů entpfahen/ unnd wenn sie es
entpfangen/ werden sie zů fridenn/35 durch einen falschen
wan36 unnd glauben/ welchen ich falsch knenn unndk nennen
werd/ so lang biß sie ein wort ires glaubens in der schrifft37
Rom. 10.anzeygen/ der sie vertrauen. Seytemal38 der glaub auß
dem gehör der predig/ das predigen aber auß dem wort got-
tes
l ist.39 Drumb soll inen niemandt glauben geben/ biß sie
ein wort des glaubens predigen/ und das anzeygen/ das
des hern brodt/ ein Sacrament sey/ oder sünd vergebe/
und wenn sie ein wort des rechten glaubens gepredigt und
angezeygt haben/ so solt ihr denn40 der blossen warheyt an-
hengig
werden/ und nicht iren personen.41 Ir müst auch
sie auß iren reden verstehen/ ob sye warhafftige unnd
Goͤttliche ding fürgeben.42 Der glaub der im sel-
berts
ein ding fürspiegelt/ oder fürmalet/ wie erß haben
wil/ derm ist ein zauberischer glaub/43 und im grund ein falsch
liecht und vernünfftig erkentnis.44Der glaub an Chri-
stum
můß sich nach der art Christi richten/ Christum er-
kennen
/ wie und was er ist/ nicht Christum machen zů was
oder wie er45 will. Sonst würd im46 der glaub eyn erdichts47
Buchsymbola2v bild fürstellen. Und wenn48 er lang erkandt und gegloͤubet
het/ so wüst er doch nit/ das er eynem falschen und erfun-
den
ding glaubet. Also sage ich/ Wer seynem gewissen ey-
nen
frid und vergebung der sünden in dem machet/ das
Gott nit zů eynem frid und vergebung der sünden gesetzt
hat/ der hat drumb nit frid unnd vergebung der sünden/
das er sich mit eynem falschen trost zů fridenn machet/49
Sondern er würt und můß zů schanden werden die leng/50
ob er gleych ein weyl fridlich steht.

Demnach müssen alle menschen zů schanden und spotn
werden/ die ohne das wort des glaubens/51 dem sacra-
ment
eynen frid ires gewissens und vergebung irer sün-
den
zůrechnen/ oder das sacrament zů eynem pfandt/
2. Corin. 1. XXet. 5odas unsere gewissen versichern sol/52 machen/ Die weyl
sie des nicht eynen bůchstaben finden/ inn den worten
Ephe. 1.des glaubens.53

Das aber das nicht recht sey/ wil ich kürtz halben Pau-
lus lere zůhanden nemen und handeln/ die er vom wirdi-
gen
brauch des hern brodt unnd kelch .1. Corint. 11. geschri-
ben
hat/ denn von dieser materien nach der weidt unnd
breydt/ hab ich in eynem gespraͤch büchlin54 geschriben und
sonst in andern büchlin.55

Paulus saget warumb/ undp wie/ unnd wenn wir des
hern brodt undq kelch wirdiglich und nützlich geniessen/
unnd schreybet gleych56 das die Propheten unnd Aposteln
vom erkantnüs des leybs unnd blůts Christi geschriben
Gal 1.haben.57 Wer anders leret/ oder ein ander Evangelium her-
für
bringt/ der ist ein verbandter/ und verflůchter/58 und seine
leere ist auch ein verbandte greuliche und verflüchte lere.

Tex. 1. Corinth. 11.

So offt ir von diesem brodt esset und von disem kelch drin-
cket
/ solt ir des hern todt verkündigen/ biß das er kumpt.59
Buchsymbola3r Dise form und weyß solt meniglicher60 betrachten/ und
darnach des hern brodt essen/ und von dem kelch drincken/
denn sie Paulus als ein regel geben hat/ nach welcher sich
alle leüthe richten müssen/ die des hern abentmal woͤllen zů
sich nemen. Es ist aber zů mercken/ das diese verkün-
digung
ein frůcht eynes baumes ist/61 nemlich des gedecht-
nüs
des leybs unnd blůts Christi/ von welchemr Paulus
bald droben vorgesagt/62 und die wort des hern Jesu Chri-
sti
eingefürt hat. Denn es můß alles auß dem grund des
hertzen quellen/63 unnd in der inwendigkeyt rechtgeschaf-
fen
seyn/ das durch eüsserliche werck oder dinge geschicht.64
Gott richt das hertz/65 unnd der inwendig mensch ist eyn
teuer gůt und edel ding in gottes augen/ wenn er geschickt66
ist/ als inen67 got wil geschickt haben.

Esa. 29Darumb spricht got durch Esaiam und Christus auch
Math. 15.selbs. Das volck lobet mich im munde/ aber ir hertz ist
fern von mir.68 Derhalben můß die verkündigung auß
eynem gůten verborgen brunn außflissen/ ist sie gerecht.69

Ro. 10.Den selben brunn und grund hat Paulus zů den Römern
angezeygt/ als er sagt/ Der von hertzenn glaubt der ist
rechtfertig/ mitt dem mund aber bekennet man zů der
seligkeyt.70

Es ist gantz unmoͤglich das irgent ein eüsserlich ding
rechtgeschaffen oder rechtfertig71 sey/ so das hertz nit zůvor
srechtgeschaffen oders rechtfertig ist.72 Als geschriben steht.
Abac. 2.Der ungloͤubig ist/ der hat inn sich selb keyn rechtfertig
Tit. 1.sele.73 Den ungloͤubigen seind alle ding unreyn und befleckt.
Widerumb den gloͤubigen seynd alle ding reyn/ gůt/
Hier. 5.rechtfertig.74 Die augen gottes sehen auff den glauben/75
Wenn der mensch eyn recht hertz unnd gerichten76 geyst
hat/ so behaget77 er gott/ unnd seyn eüsserlich bekentnüs/
behaget got auch.78

Derwegent sag ich/ das die verkündigung des todes Chri-
sti
Buchsymbola3v/ welche eyn eüsserlich werck oder ding ist/ auß einem
heymlichen und verborgen hertzen entsprissen můß/ wo sie
gůt ist und got behaͤglich.79 Demnach müssen wir densel-
ben
grund80 sůchen/ auffu welchem die eüsserliche wolrede81
vom tode Christi steht. Der grund aber ist liderlich82 zů
finden wenn du seiner bist begerend.v83 Paulus hat inen84 auch
nit woͤllen unangezeigt lassen. Welcher ist der selb grund
fragestu? Antwort/ das gedechtnüs.85 Denn der herr Jesus
in der nacht/ da er verraten ward/ nam er das brodt/ und
i. Cor. xj.danckt/ und brachs/ und sprach/ Nemet/ esset. Das ist der
leib mein/ welcher für euch gebrochen würd. Das thůt in
meinem gedechtnus. Desselben gleichen auch den kelch
nach dem abentmal unnd sprach. Dieser kelch/ das neu
testament in meynem blůt/ solichs thůt so offt ir drincket
zů meynem gedechtnüs.86 Da leget Paulus den grund
der verkündigung des todes Christi/87 auß welchem dise
frucht unserer lippen fleusset/88 nemlich die verkündigung
welcher andere leuͤt erbauet und bessert/ und derhalben ein
bekentnüs heysset zů der seligkeyt.89 Welcher nůn den todt
Christi eusserlich rechtfertiglich90 wil verkündigen oder be-
kennen
/ der můß vor allem in seinen grund91 gangen sein/ und
auß dem grund oder inwendigkeyt herfür gehn/92 und sein hertz
můß dise frucht seiner lippen/ nemlich/ die verkündigung
geperen/ als ein baum seine früchte auß der wurtzel gepiert.93

Was gedechtnüs sey.

Das gedechtnüs aber ist ein brünstige und liebreiche
kunst94 oder erkaͤntnuͤs des leibs und blůts Christi.95 Es kan
ye96 keyner des gedencken/ das er nicht erkant hat. Das er-
kentnüs
aber můß nach dem gegenwurff97 geartet und ge-
fügt
98 werden/ das ist/ den leib und das blůt Christi/ dermas-
sen
und mit den ursachen erkennen/ als99 Christus für un-
Gala. i.sere
sünde seynen leyb geben und sein blůt vergossen hat.100

Buchsymbola4r

Derhalben sprach Christus deütlich/ esset das brodt/
denn diser leyb ist der leyb/ welcher für euch gegeben würt/
und das ist mein blůt/ welchs für euch sol vergossen wer-
Luce. 22.den
.101 Ob er sagen wolt (Wiewol das die jünger erst am
Pfingstagw lerneten102) Moses und Propheten haben euch
und allen menschen von einem leyb geschriben/ der für euch
sol geben werden/103 welcher ein samen eynes weybes sein
Genn. 2würdt/ unnd der schlangen kopf zertretten/104 der auch sey-
ne
hand nach dem holtz des lebens105 außstrecken würd.
Mein leib/ oder/ Diser mein leib106 ist derselbig von welchem
sie alle107 weyßgesagt habenn/ der für die wellt sol gegeben
werden/108 deßhalben solt ir meyn brodt inn meynem gede-
chtnüs
essen.

Deßgleychen von seinem blůt saget Christus/ oder wil
das gesagt haben. Moses undx propheten haben von einem
blůt geschryben/ das eyn neu testament würd machen/
und für sünde vergossen sol werden/109 Nemet war/ Meyn
blůt ist dasselbig blůt welches für euch sol vergossen wer-
den
in vergebung der sünden. In solcher weyß můst
man den gegeben leyb Christi und seyn vergossen blůt er-
kennen
/ so yemandt eyn rechtfertig gedechtnüsy und eyn
unstraͤffliche verkündigungz des todts Christi haben woͤlt.
Ist das gedechtnüs nit also gericht/ so felet110 es des Moy-
si und aller propheten/ auff welche doch Christus festiglich
weyset und saget/ Christus můst leyden sein blůt vergies-
Lu. ulti.sen
/ sterben/ und aufferstehen/ und also in sein herligkeit
eingehn/111 als in den propheten geschryben steht.112

Welche das recht erkantnüs Christi haben/ die haben
die gerechtigkeyt in irem grund/ als Paulus spricht/ der
Ro. 10.glaub ist die gerechtigkeyt des hertzens.113 Ja das ist war/
wens nit eyn gefroren oder tode erkantnüs ist/ sonder
ein inbrünstige hitzige geschefftige unnd krefftige kunst114
Christi/ die den erkenner in das erkant leben/ unnd todt
Buchsymbola4v Christi verwandlet/115 und umb Christus willen moͤcht116 alles
thůn oder lassen/ das Christus haben wil.

Das aber der rechtgeschaffen117 glaub an Christumaaein
erkaͤntnüs sey des todes Christi/ und seyner ursachen/ zey-
get
Esaias an/ der zůvor den übergeben leib des Messie/
Esa. 53.mit eigner gestalt abmalet/118 und darnach spricht er/ in sey-
ner
kunst oder erkaͤntnüs wirt der gerecht vile seiner kne-
chte
gerecht machen.119

Da fragestuab/ Wenn120 und in welcher gestalt/ würt Chri-
stus
erkandt/ so seyne kunst121 und erkantnüs rechtfertigen
sol? Antwort. Sihe Esaiam an/ so wirdestu finden das
Christus als ein lamb zům tode geopfert ward/ drumm das
erß wolt haben/ Das er umb unsere sünd verwundt/ und
als ein verachter/ und verflüchter gehalten was/ den got
verworffen hat etc.122 Und da Esaias Christum also gekreützi-
get
/ fürgestellet hat/ spricht er/ In seiner kunst würt er ge-
recht
machen/123 das der124 Christus also verspot/ verwundt/
und uffgehenckt/ machet gerecht. Das ist das Christus
Joan. 3.sagt/ Der son des menschen můß erhoͤcht werdenn/ auff
das ein yglicher selig werd/ und nit verderb/ der inen auff-
gehenckt
ansihet oder an in glaubet.125 Das ist das Pau-
lus XXRom. 5.acsaget/ Durch eynes menschens gehorsam seind vil
menschen gerecht worden.126 Versteht den gehorsam von
Phil. 3.welchem geschrieben ist/ Er ist gehorsam worden biß in
tod. Drumb hat er den namen Jesus in seynem gehorsam
seynes erlitten todes aller erst ins hoͤchste wesen bracht/
XXPhil. 3.addas Christus eyn saͤligmacher hieß.127 Das ist die ursach/
wenn Paulus das überschwencklich erkaͤntnüs Christi/ so
hoch wirdet128 unnd schatzet/ unnd saget das die gerechtig-
keyt
allein kumm durchs erkantnüs Jesu Christi/129 und ver-
meldet
gar seüberlich das die gerechtigkeyt so auß got
kumpt im erkennen Christi stehe/ und in der krafft seyner
aufferstehung/ und in der gemeynschafft seynes leyden/
Buchsymbolb1r das man seinem tode aͤhnlich und gleich werd.130

Drumb auch schreibt Paulus. Ich weyß nicht denn Jesum
den gekreützigten/131 darauß yeae132 volgt/ das die kunst133 des uff-
gehenckten
Jesu gerecht machet.

Kürtzlich134 das erkantnus oder kunst des gegeben leibs
Christi unnd seynes vergossen blůts ist der erst grundt/
der bewegen sol des hern abentmal zůnemen. Da müst ir
abermal zůsehen das ir nicht eytel135 fleysch auß des herren
XXJoan. 6.afleib und blůt machet/ das zů nichts nütz ist.136Ir muͤsset die
grosse unsichtparlicheag lieb/ den überschwenglichen gehor-
sam
/ die treffliche unschuld Christi/ und der gleychen/ für137
augen haben/ und verstehn/ und in der tieffe eures her-
tzens
verstehn/ so werdet ir gerechtfertigt/138 von sünden er-
loͤset
/139 und also müst ir dieseah wort Christi/ Das ist der leyb
meyn/ von welchem weißgesagt ist/ der für euch sol gege-
ben
werden/140 für das recht und froͤlich Evangelium hal-
ten
/ welches alle Aposteln verkündigen/ das vorzeiten ein
zůsag gewest/ und ytzt kein vorheyschung141 mehr ist/ sonder
in Christo geendet/142 zů eynem klaren Evangelio geworden
XXAct. 13.aiist/ als Paulus spricht.aj143 Moses hatt vorlangest von dem
XXGala. i.akleib und blůt Christi geschriben/ und überpüntlichal144amwol ge-
schriben
am.XXEphe. 1.2.an145 Propheten verheissen den leib/ der für uns würd
XXCol. 1.aogegeben.146 Aber die Aposteln147 unnd wir verkündigen die
froͤlicheap botschafft des übergeben leybes unnd vergos-
sen
blůts Jesu Christi/148 von welchem Christus redet vor
seynem todt.149Auß dem erkantnüs Christi/ wechset das
gedechtnüs Christi/ das nicht eyn rohe/ kalt/ und faul ge-
dechtnüs
ist/ sonder ein frisch/ hitzige/ unnd krefftige ge-
dechtnüs
ist/ das froͤlickeyt macht oder gibt/ welches den
übergeben leyb/ und vergossen blůt Christi teuer achtet/
das hochschatzet/ das dancksaget/ das Christformig ma-
chet
/150 und schaͤmen macht vor allem151 das Christo entgegen
ist. Des nym eyn exempel. Sihe/ wennaq du hettest müssen
Buchsymbolb1v sterben am galgen oder rade152 oder im feuer/ und das ur-
teyl
were bereyt wider dich gesprochen gewest/ und müst
in todt gehn/ und es kaͤm eyner der für dich stürb/ und ma-
chet
dich durch seinen tode ledig/ würdestu dich nit ewig-
lich
schemen/ wenn du etwas thettest/ das du einem solichen
gůten freund soltest zů lieb lassen?153 und widerum. Würdestu
nit fro werden/ so sein nam wol genent würd? Würdestu
im nit ewiglich wolsprechen?154 unnd so er dir etwas zů letze155
ließ/ des du in seynem gedechtnüs brauchen soltest/ das
selb mit frischem hitzigem gedechtnüs brauchen? mit ent-
setzung
deyner selbs/156 das du eyn soliche that gethan hat-
test
/ derhalben dichs recht erwürget het/157 wenn der unschul-
dig
/158 deyne schuld nit uff sich genommen/ und mit seynem
tode bezalt hett.159 Also solten wir auch das gedechtnüs des
hern haben/ auß unserm hertzen verstehn und gedencken/
das Christus sein leyb in todt geben/ und sein blůt unsert-
halben
arim schmelichen todtar vergossen hat/ unschultiglich
auß grosser lieb/ auß unvergleichlichemas gehorsam.160

Das gedechtnüs Christi hat zwey teyl/ eines ist des ge-
geben
leybs/ das ander/ des vergossen blůts halben.161 Der nů
des hern abentmals geniessen wil/ der můß in die ursachen
sehen/ und wissen warumat Christus sein blůt vergossen/ und
seinen leyb geben hat für unß/ zůsampt die fruchte/162 als die
Aposteln und jünger Christi nach dem pfingstag/163 da sie den
heyligen geyst entpfingen/ und die ursachen des übergeben
leybes und vergossen blůthes Christi wüsten/ welches der
Apostel bücher/ die geschichten/164 unnd die Epistel zů den
Heb. 6. 10.Hebreern anzeygen. Sihe wie Christus ein opfer und ein
priester ist gewesen/165 undau warumb er sich geopfert/166 so wir-
destu
gewißlich erfaren/ das wir alle durch ein opfer/ ein
sterben/ eyn leyb/ eyn gehorsam/ eyne unschuld/ eyne hey-
ligkeyt
/ eyne erloͤsung/ ein abwaschen/ vergebung unser
sünden/ unnd gerechtigkeyt erlangt haben.167

Buchsymbolb2r

Darumb ist es nicht war/ das uns das sacrament sün-
de
vergaͤbe. Es ist wider Mosen/ Propheten/ Aposteln/
und Christum/ und dartzů ein versprechung168 des leydensav und
hohen gehorsams Christi. Die seind auch wol so tholl und
arg/169 die vergaͤbung irer sünden im sacrament sůchen/ alß170
die pfaffen/ die Christum taͤglich für neue sünde opfern/
es felet nicht vil daß sie so arg seynd.171 Christus gehorsam
Psal. 39.erkant/ oder der will Christi/ welcheraw des vatters wil war/172
verstanden/ ist unser rechtfertigung/ unnd reyniget das
hertz/173 unnd vergibt schuldt/ das wollen wir bequemer se-
hen
/ so wir den text weyter handlen.

Itztax ist vermeldtay das die verkündigung des todes Chri-
sti
/ auß dem gedechtnüß Christi/ und das gedechtnüs Chri-
sti
/ auß dem erkaͤntnüß des gegeben leibes und vergossen
blůts Christi fliessen/ das wir die ursachen undazbakrefften/ und frü-
chten
ba des gekreutzigten leybs/ zůsampt des vergossen blůtß
Christi wissen müssen/ wo die verkündigung recht sein sol/
auff das in uns nit unsere eygne weißheyt und gedancken174
gefunden werden. Hütet euch für der straff175 Christi/ der
sprach. O ir narren/ glaubet ir nit was die propheten und
Moses von mir haben geschriben?176 Von dem leib und blůt Chri-
sti
haben sie geschriben/ das Christus in seinem leyb/ und mit sey-
nem
blůt unsere sünde abwaschen würd/177 von dem sacrament/
das sünde vergäbe/ hat keyner geschriben. Es hat uns Chri-
stus
auch von dem leib/ der anß kreütz wurd gehenckt gesagt/
das er unser sünd bezalen solt/178 das Christus im sacrament sünd
vergaͤb/ das hat kein prophet/ noch Christus/ noch irgent
ein Christlicher brůder geschriben/ denn wenß sein künd/ das
unß Christus im sacrament sünd vergaͤb/ bbwürd volgenbb/
das wir Christum nicht am kreütz/ sonder im sacrament mü-
sten
erkennen/ und das unß Christus durch seinen leib nicht het
sünd vergaͤben/ auch das sein tod nit krefftig genugsam wer
gewest. Das aber/ hieß Christumbc mit füssen dretten179 sein ley-
den
Buchsymbolb2v versprechen/180 unnd Got den vatter lügen straffen.
Weys181 mir einer ein klein bůchstaͤblin/ das uns das sacra-
mentlich
wesen des leibs und blůts Christi im sacrament
nütz sey zů vergebung der sünden. Christus spricht. Mein
blůt wirt vergossen umb vergebung der sünden/182 da frag
ich. Ist das blůt im sacrament vergossen/ oder am kreütz?
Ist es im sacrament vergossen/ so ist der rům des kreützes
Christi183 uffgehaben und falsch/ unnd Paulus ein unman184
geworden der sich nichts rümet/ denn des kreützes Christi.185
Ist es am galgen vergossen/186 so müssen wirbd unser erkaͤnt-
nüs
zů dem kreütz und nit zů dem sacrament richten.

Wir seind warlich widerchristen/ versprecher187 oder ver-
achter
des leidens Christi/ so vil unser188 dem sacrament das
zů messen/ das Christo am kreütz angehoͤret.

Christus spricht. Das thůt in meynem gedechtnüs/ so
sprechen sie/189 ir solt des sacraments gedencken. Christus/ ir
solt meins leibs der gegeben wirt/ nicht der ytzt im sacra-
ment
ist (als sie wenen)190 sonder der geben wirt am kreütz/ geden-
cken
/ aber sie sprechen/ ir solt des leibs im sacrament geden-
cken
/ und vermoͤgen doch nicht ein haͤrlin191 der schrifft anzeigen/
dadurch wir verstehn künden/ wie der leib und das blůt Chri-
sti
im sacrament/ oder warumb sie drinnenbe sollen seyn.

Paulus sagt/ So offt ir von des hern brodt esset/ und
von seinem kelch drincket/ solt ir des hern tod verkündi-
gen
.192 Dawider aber leren sie193 also. Ir solt glauben das Chri-
stus
im sacrament ist.194 Ir solt glauben das euch das sacra-
ment
sünde vergibet.195 Ir solt glauben das das sacrament
ein gewiss pfand ist/ vergebung der sünden/196 unnd eurer
heyligkeit/197 unnd faren mit allen vieren in den greulichen
widerspruch198 der gerechtigkeit/ lieb/ unschuld/ und weyß-
heit
Christi/ die er durch seinen tod beweyst hat.

Paulus spricht. Ir solt von des hern tod reden/199 Sie
aber. Ir solt von dem sacrament reden.200

Buchsymbolb3r

Was das ist/ Biß er kumpt/201 hab ich in meynem dialo-
go
geschriben.202

Volgt derbf Text.203

1. Corin. 11.Welcher nůn unwirdig von diesem brodt isset/ oder von
dem kelch des hern drincket/ der ist schuldig an dem leyb
und blůt des hern.204

Math. 26.Die schuldt hat Christus vermeldet205 als er spricht. Der
son des menschen geht/ als von im geschriben ist/ wee aber
Act. 2.dem/ durch welchen.206 Petrus spricht/ ir habt den hern des
lebens207 ermordtet/ und euern seligmacher verleucknet/ und
hingeworffen.208 Der unwirdiglich von des hern abent-
mal
nimbt/ der ist schuldig/ wie die moͤrder Christi/ die
Christum nicht allein versprachen/209 sonder darzů erwurg-
ten
.210Was die unwirdigkeyt sey/ und bgwarinnen siebg steh/
wil ich durch den volgenden text außfalten/ der also laudet.211

Text. 1. Cor. 2.Welcher unwirdig isset und drinckt/ der isset und trincktbh
im selber212 das gericht. Warumb? Darumb/ das er nit un-
therscheydet
den leyb des hern.213 Da hastu die ursach der
unwirdigkeyt/ nemlich/ das der unwirdiglich isset unnd
drinckt/ der da nicht des hern leyb wol underscheydet.

Zeyge mir ein woͤrtlin auß Paulo/ das er sprech/ der isset
des hern brodt unwirdiglich/ der das sacrament nit un-
therscheydet
/ des hern leyb müssen wir untherscheyden/
das weyß ich/ das ist auch war/ das ich bey des hern disch/
mit gepürlichen sitten214 sitzen/ und sein brodt und tranckbi
in der meynung215 nemen sol/ inn welcher er mirß fürlegt/
das ich aber sein brodt und weyn halten sol/ als inen sel-
ber
/216 ist mir nicht befolhen. Der herr kan mir leben/ selig-
keyt
/ erloͤsung/ gerechtigkeyt/ und der gleychen gůter/ und
schaͤtze geben/ dern217 mir das brodt oder drinckgeschir/218 key-
nes
geben kan. Darumb můß ich nit uff seyn brodt oder
drincken sehen/ sondern uff ihn.

Setzet ich hertz/ můdt/ synn/ dancken219 uff den hern/ und
Buchsymbolb3v würd mit wonnen in ihn entzucket/220 es würd mir gar nicht
schaden/ ob ich etwas des sacraments verreret221 oder ver-
schüdtet
. An seynem erkaͤntnüß/ und nicht an seinem abent-
mal
/ ligt die wirdigkeyt. Unwirdigkeyt und schuldt des
todes etc.222 stehnt uff dem unverstandt223 des leybs und blůts
Christi/ oder uff der unachtsamkeyt/224 die nicht untherschey-
det
/ das sie untherscheyden solt.

διαϰρίνωDiese woͤrtlin/ nit untherscheyden/ moͤgen auch also
außgeredt225 werden/ nicht wol richten/ oder/ nit aͤben er-
kennen
.226 Denn Paulus gründet seyne gantze lere/ uff die
rede Christi/ der also sagt. Das ist mein leib/ welcher für
euch würt gegeben. Das ist mein blůt/ das etc.227 Und wil
anzeygen/ als er in allen episteln schir228 thůt/ das Christus
gesagt/ Mein leyb/ ist der leyb/ der für euch gegeben. Und
das ist meyn blůt/ das für euch vergossen sol werden. Es
můst eyner kommen/bj der seynen leyb unnd seyn blůt umb
unsertwillenbk müst darsetzen/229 des selben leyb und blůt müs-
sen
wir eben230 verstehn/ gedencken wir anderß231 dem verderb-
nüß
entlauffen/ und selig zůbl werden. Sein fleysch müssen wir
Joan. 6.essen/ und seyn blůt drincken/232 und müssen wissen/ das wir
ohne seyn erkaͤntnüß/ urteyl unndbm gericht/ oder unther-
scheydung
nicht künnenbn selig werden.

Welcher den leyb Christi inn der weyß/ nicht von allen
anderen leyben absonderet/ unnd untherscheydlich über
alle leyb achtet/ unnd isset darüber des hern malzeyt/ der
ist an seynem todt und des gerichts schuldig.233 Denn Chri-
stus
hat uns seyn brodt und seinen kelch geben zů essen und
drincken/ in der meynung/234 das wir seyn gedencken.235 Wer
aber gedenckt/ der můß des hern wort vorbo236 verstehn/ da er
spricht/ Das ist mein leyb etc. Das ist meyn blůt etc.237 Wel-
cher
nicht versteht/ der gedenckt auch nit/ oder gedencket
ye238 nit des hern/ als239 er seyn denckenbp solt/ gedencket er nit/
so untherscheydt er nit den leyb des hern/ unnd er achtet
Buchsymbolb4r des leybs Christi nit/ oder schaͤtzet den leyb nit so groß und
hoch/ als er ihnen240 schaͤtzen solt. Darumb wirt er schuldig
zů forderst/241 wenn er des hern brodt isset/ und von des hern
kelch drincket/ und erkent nit des hern leyb und blůt.242

Nů frag ich/ wo sollen wir des herren leib underschey-
den
/ aͤbenbq243 richten/ und wol urteyln? Antwortestu/ im sa-
crament
. So frag ich. Ist Christus im sacrament gestor-
ben
? Hat Christus sein seele für uns im sacrament geben?
Wo ist das groß und weydt brodt gewest/ in welchem Chri-
stus
mit seynem kreütz/ und der groß hauffen der spotter ge-
standen
?244 Haben die Juden und Heyden des hern gespott im
sacrament? müssen sie ye mit im drinnen245 gewest seyn.

Es weren auch die beyde schecher mit iren galgen/ ley-
ben
/ und worten drinnen gewest. Ist Christus im sacrament
seinem vatter gehorsam gewest biß in den todt/246 warumb
flůgen247 seyne jünger nicht von im/ als er ihnen seyn brot und
kelch gab? alß sie flüchtig wurdenbr da sie Christum fingen?248
hat Christus außerhalb der pforten Jerusalem geopfert
oder zů Jerusalem in der stadt? da sie das sacrament as-
sen
. Hatt der verraͤter Christum in der Juden hende ge-
antwort
/ da Christus mit den jüngern zů tisch saß/ oder
übergab er ihnen249 darnach?

Ich halts dafür/ das keyner sagen darff/ das Christus
seynen leyb im sacrament geben hab/ für unsere sünde/
dennbs der eynes můß fallen unnd zů nicht werden/ entwe-
der
/ das/ das Christus seynen leyb inß sacrament für
uns geben hat/ Oder das/ Christus hat seynen leyb in tod
anß kreütz für uns geben/ das ander250 aber ist war durch
Mosen/ Propheten/ sonderlich durch Esaiam volgen-
de
/ am aller klaͤrsten durch Christumbt offtmals weyßge-
sagt
.251 Drumb můß das erste falsch seyn unnd zů nicht
werden/ alß es ist.

Wo auch das erste bestünd/252 müsten gar nahe aller Apo-
stel
Buchsymbolb4v schrifften fallen/ unnd wurd ein ewiger spott drauß.

Weyl wir denn des herren leyb urteylen oder rich-
ten
/ unnd wol untherscheyden müssen/ nit als253 er im sa-
crament
ist/ sondern als er seynen leyb ein sündopfer/
speyßopfer/ heb und webopfer254 seynem vatter auß freyem
willen geopfert/ unnd die groͤssiste unschuld/ hoͤchsten ge-
horsam
/ wonsame255 liebe beweist hat/ volget/ das sie des
hern brod und kelch alle sampt unwirdig genomen/ unnd
sich des todes Christi/ und gerichts schuldig gemacht ha-
ben
/256 die nit zeruck gesehen/ und die figurirte257 auffgehenckte
Nu. 21.schlangen nit ansehen/258 sonder nur achtung haben uff das
Joan. 3.sacrament/ das sie Christum/ mit dem sacrament entpfa-
hen
. Es wer inen auch besser/ wen sie feygen darfür fres-
sen
.259 Des hern leib ist der verheissen leib/ welcher der welt
sünde hintragen solt/260 durch sein leyden und tode/ drumb
was von im261 geschrieben/ wie er solt verwundt werden umb
unser erloͤsung willen etc.262 Das alles hat uns Christus er-
ynneren
woͤllen/ unnd verstendigt haben/ wanbu wir sein
brodt essen woͤllen.263

Das Paulus hie/ den leib allein nendt/ das thůt er nit
der halben/ das wir das blůt des hern ungericht264 und un-
geurteylt
/ und nit underscheydlich erkennen/ unnd uber
alles blůt schaͤtzen sollen/ sonder bey dem leib müssen wir
auch vernemen/ das wir des hern blůt underscheyden sol-
len
/ so wir nit schüldig werden wolten seines blůthes/265 da-
rumb
hat Paulus alles leib und blůt genent.

Wenn wir sollichen ernsten verstand ab266 dem leibe und
blůt Christi hetten/ würd sich unser keiner vol fressen oder
ubersauffen/ als267 die unverstendige Corinthier theten/ son-
der
eyn yglicher würd sich allerley laster enthalten/ die
Christo zůwider oder zů schanden gereichen.

Darumb sol sich eyn iglicher selbs vor268 genůgsam prü-
fen
/ unnd also/ wie gesagt ist/ essen von des hern brodt/
Buchsymbolc1r und von dem kelch drincken.

Prüfen/ heysset gewißlich erkennen/ das ist erfaren. Pau-
lus gebraucht das wort δοϰιμαζέτωbv in der kriechischen zun-
gen
an vil enden.269 Ro. 5. et. 12. 1. Thes. 5.270 unnd heisset alle
zeit eygentlich erfaren/ gewißlich versthenbw in der meinung
in welchers Joan. 1. c. 4 brauchet/ als er spricht. Erken-
net
vor271 die geyster/ ob sie auß got seyend etc.bx272

Paulus stellets iglichem heym/ und steckets eynem igli-
chen
in seynen eygen puͤsen/273 und wil das sich meniglicher274
selber pruͤfen sol/ das ist/ auß gewisser erfarung verstehn/
ob er den leib und das blůt Christi/ welches die propheten
vorheyssen/275 mit liebreicher und hochschatzender kunst276 er-
kenn
oder nit. Denn hat er das wirdig und brünstig erkaͤnt-
nüß
des leibs Christi/ der unsere sünde mit grosser bitter-
keyt
/ und verspottung getragen/277 und des blůts/ das in278 von
seynen boͤsen werckhen unnd sünden gewaschen hat/279 so
würt er Christfoͤrmig/280 und danckbar dem leyden/ nüch-
tern
/ sitzam/ weyß/281 vernünfftig/ züchtig/ unnd würt sich
der argen sitten der Corinthiern/ die sich voll sůffen/282 wol
messigen/ auch ob des hern tysch züchtiglich sytzen/ aͤben283
achtung haben/ das er des hern brod nit zů eygnem lust/
oder zů leyblicher settikeyt/ und auch nicht/ als ein ander
brodt/284 oder ohne erkaͤntnüs nemen soll/ des/ der es im zů
essen geben hat zů seynem gedechtnüß.

Diese prüfung steht in der inwendigkeyt/ und sihet ge-
rad
in den grund der seelen/ in welchem gott zůthůn hat/
und seyne gabe schaffet.285 Darumb füret Paulus/ eynen
yeglichen zů sich/ und byin seynen eygen grund/ unndby nicht
zů andern menschen/ als286 die papisten than haben/ welche
die dischgnossen des abentmals Christi/ zů armen blinden-
leytern
287 (die sie beychtvaͤtter heissen) weyseten/ Denn Pau-
lus ist der sachen klüger gewest/ und hat yeglichen zů sich/
und in seyne inwendigkeyt geleydet.288 Auß der ursach/ das
Buchsymbolc1v keyn mensch erkendt/ was inß menschen geyst ist/ denn ein
1. Cor. 3.yeglicher geyst eynes yeglichen menschen.289In deyn in-
wendigkeyt
soltu gehen/ wenn du des herren abentmal ne-
men
wilt/ und nicht obenhin erkennen/290 ob du eyn redlich
und wirdig gedechtnüß Christi habest/ das du es nemest/
sonder291 ein erfarung/ das ist/ ein gewiß erkaͤntnüß deiner
selbs/ fülenbz/ das du seyest/ als dich Christus haben wil.

Das sacrament292 ist kein Arrabo/ Arra/293 Pfandt/ oder gottis pfennig.294

Auß dieser rede Pauli/ nemlich/ eyn yeglicher sal sich
selbs prüfen etc.295 volgt ein umbsturtze eyner andern rede/296
als man gemeinglich sagt/ das brodt und der kelch Christi
seind versicherung und gewisseca urkunde/ durch welche der
mensch bey sich sicher und gewiß werden kan/ das ihm Chri-
stus
todt/ seyn erloͤsung gebracht hat. Dann wo der mensch
seyner erloͤsung/ das ist vergaͤbung der sünden/ durch des
herncb abentmal sicher werden kündt oder solt/ were es von
unnoͤten/ das sich ein yeglicher/ vor/ ehe er des hern brodt
und kelch nem/ prüfet. Es were genug/ das er sich darnach
fuͤletcc und verstündt/ ob er geschickt297 wer/ alß298 ihnencd got wil
haben. Das aber ist wider Christum der spricht/ thůt das in
meynem gedechtnüß/ das ist/ nemet mein brodt und meinen
kelch in meinem gedechtnüß/ das brodt/ zů eynem gedecht-
nüß
/ das ich meyn leyb für euch gegeben/ den kelch/ zů einem
gedechtnüß meynes vergossen blůts. Darumb sol ein igli-
cher
vorhin ehe er nimpt/ sich prüfen/299 ob er das gedechtnüß
Christi hab oder nit/ hat erß/ so ist er auch sicher seiner er-
Rom. 5.loͤsung
/ und hat einen frid zů got durch Christumce/300 nit durchs
sacrament/ und mag301 es froͤlich nemen/ hat erß nit/ und fin-
det
auch nit in sich/ das er ein gewiß erkaͤntnüß hat seiner
erloͤsung/ so ist er nit geschickt/ alß ihnencf302 Christus haben
wil/ der sein abentmal esse/ so wenig ihener gschickt was/ zů
Mat. 22.des koͤnige disch zů sitzen/ der kein hochzeitlich kleyd an het.303
Buchsymbolc2r Darumb solt er sich des hern mals enthalten/ uff das er nit
schuldig/ und inß eüsserst finsternüß geworffen würd/ alß
jhener geworffen ward. Das aber diese sicherheyt vorcg
entpfahung/ in denen sein sol/ so des hern abentmal woͤllen
nemmen/ und nicht uns widerfar oder zůkum durchs brodt und
kelch/ welche etliche zeychen nennen/ das hat Paulus klaͤr-
lich
und reychlich angezeygt/ als er sagt. Der mensch sol
sich prüfen/ und also/ von dem brodt essen etc.304 Was bedeüt das
verßlin/ Und also? Bedeüt es nit das er sich vor prüfen/ und
eygentlich verstehn sol/ ob er des hern gedechtnüß hab/ und
des hern todt künnch verkündigen/305 in dem fürsatz/ willen/ und
weyß/ alß306 Christus haben wil. Hat er das in seinem grund/307
so hat er auch den geyst Christi/ der im308 seinen heyland Chri-
stum
/ am kreütz hangenden/ und den selben Christum in vollem
gehorsam/ in hoher gerechtigkeyt/ und wonnsamer309 lieb/
und unschuldt sterbenden zeygt/ und sein hertz versichert/ das
er erloͤsung hat durch Christum. Hat er diese versicherung
des geistes Christi/ die er haben můß/ so mag310 er also von
des hern brodt essen unnd kelch drincken. Aber also isset
und drincket er/ wenn er schon versichert und gewiß wor-
den
ist/ das Christus aller welt sünden bezalet und hingetra-
gen
hat/ ehe er das sacrament entpfehet. Christus weyset
uns ye alle zů im311 am kreütz/ da er gehorsamlich stirbet/
und alles volbringt/ das von im geschriben steht/312 da müssen
wir inen313 mit seligen augen ansehen/314 das ist/ an inen glauben/ und
gewißlich wissen/ das er uns erloͤset etc. wenn wir das wissen
und also zůrück/ uff den erlidten tode Christi/ sehen/ so seind
wir rechtfertig315 in uns/ und wirdig zů essen und drincken des
hern brodt und wein wirdiglich/ Wenn auch wir erfaren/ das
wir soliche erkenner und eingedencker seind/ also moͤgen316 wir
froͤlich essen und drincken/ darumb spricht er. Pruͤff sich vor317
ein mensch/ und also. das wort/ also/ bedeüt geschicklicheit318 und
zeit. Gschicklicheit des gdechtnüß. zeit/ das die gschicklicheit
Buchsymbolc2v vorgeen müß/ als eyner vor319 eyn hochtzeytlich kleyd haben
můß/ ehe er zů eynes koͤniges disch geht.320

Nů ob ichs gleych sonst gestünd und zůgebe/ das man
durch etliche zeychen/ gottis zůsag oder werck erfaren kan/
und sicher werden/ wenn sie so über der vernunfft begriff321
seind/ das die seele auß verwunderung gesehener zeychen/
heimlich ein hohe krafft gottes erferet/ als Ezechias
durch den hindergang der sonnen/322 gottis kraft und willen
erfůr/ so ist es doch nit sicher noch gůtt/ das wir dem
brod und weyn Christi/ das jhene geben unnd zů eygnen/
das Christo/ und dem geist Christi/ eygenthůmlich zůsteht.
Christus ist der wege/ warheyt/ leben/ und frid/ und das
alles haben wir durch Christumci.323 Der nů dise güter/ dem
abentmal/ brod und weyn des hern zů schreybet/ was thůt
er anders/ denn das er Christo in seine schaͤtz greyffet? und
das/ geringern creaturen denncj er ist/ zů erkennet/324 das al-
lein
Christi ist/ und das Christusck alleyn verleyhet.

Der ist ye325 ein dieb und ein moͤrder/ der nit durch Christum
eingehtcl.326 Das aber hieß durch brodt oder weyn eingehn/
und nit durch Christum/ oder uffs wenigst/ es hieß nit al-
leyn
durch Christum/ sondern samptlich327 durch Christum
und sein abentmal eingeen. Das aber hasset Christus/ denn
er wil ein gantz hertz haben/ das in voriger weyse/ fast zer-
teylet
wer328 unnd ungantz. Ist aber Christus unser frid/329
und versicherung/ was künden uns seellose creaturen330 be-
friden
und sicher machen? Seyn blůt/ weschet uns unnd
unsere gewissen/ von den todten wercken ab/331 das ist/ das
brünstig erkaͤntnüs332 des vergossen blůts Christi.

Vermag das aber das blůt/ so můß es uns auch versi-
chern
/ als aͤben thůt/ wenß333 erkant ist. Thůt es aber der
kelch/ so ist der kelch den wir heüt nemen/ vorzeyten vor-
gossen
umb unsere sünde/ ehe er in der weinreben gewach-
sen
ist. Der mangel steht an dem erkaͤntnüs/334 unnd
Buchsymbolc3rChristus hat unß drumb dieses fals nit ein zeychen geben
woͤllen/ das unser krefften und seele bewegen thet/ als335 er
sonst werck thet/ die keyn ander than hat/336 uff das wir al-
lein
im337 zůrechnen solten/ unnd nicht den zeychen/ das itzt
vil nerrisch leüt den seellosen zeychen338 geben.

Christus hat uns seynen heyligen geyst zů senden ver-
heyssen
/ unnd fürgesagt/ wenn der kůmpt/ der würdt euch
alle ding sagen/ und er würt euch zeugknüs geben/ und
Ro. 8ir werdet von mir zeugknüs geben.339 Sihe da der geyst
Christi gibt uns das gezeugknüs/ das er seynen leyb für
uns geben/ und sein blůt für uns vergossen.340 Nů aber
so das dem heyligen geyste zůsteht/ ist es frevel und můt-
will
/ das wirß dem brodt oder wein zůschetzen.341 Es ist ye342
eyn diebstal/ da durch man dem geyst seyn eygenthům-
lich
werck und eygenschafft abstilet/343 und eyner armen crea-
tur
zů misset/ und dadurch ein neu abgoͤtterey machet.

Der kyndtlich geyst (spricht Paulus) der unß schrey-
Ro. 8.hen
machet Abba vatter/ der versichert unsern geist etc.344
Das sacrament machet unß ye345 nit zů got schreyen vat-
ter
vatter/ Denn es ist vil zů grob/ das es den grund der
seele anrüre/ ich geschweig/ lere.346 Nů leret uns das brodt/
oder der kelch nit zů got schreihen vatter vatter/ das wircm
doch im leiden Christi thůn müssen/ so wirß recht verstehn/
so kan das sacrament/ unseren geyst auch nicht versi-
chern
/ und der schwacheit unsers geystes helffen/347 denn so-
lichs
geschrey unnd versicherung/ gehoͤren eynem werck-
meyster
zů/ Die versicherung steht gottes geyst/ und key-
1. Cor. 1.ner
creaturen zů/348 der geyst Christi salbet uns/ er versiglet
Ephe. 1.uns/ cner versichert uns/cn er ist das pfand unser erloͤsung.349

Weyl dann gottes geyst das zůsteht/ unsern geyst versi-
chern
/ und uns unser erloͤsung gewiß machen/350 sol man dem
geist nach eylen/ sich nach im lernen sehnen/ und das durch
den geyst entpfahen/ das dem geyste zůsteht/ das auch nie-
mandts
Buchsymbolc3v denn der geyst geben kan/ nemlich/ die versicherung
vergaͤbner sünden.351 Wer es ungeferlich gewest/ das wir
soliche hoche ding in creaturischen dingen/ als im sacra-
ment
/ das ist/ brodt und weyn Christi/ moͤchten sůchen/352
ungezweyfelt/ Christus wer so weyß gewest/353 das er uns
das hett sagen künden/ unnd so güttig/ das er das selb
auch mit nichtenco verhalten hett. Seytemal Christus ye354
Mat. 28.seynen jüngern befolhen/ das sie in die welt gehn/ und al-
les
predigen solten zůhalten/ das er gebotten/355 und Pau-
lus sagt/ das die schrifft reich und genugsam sey.356

Weyl aber in keyner schrifft gefunden wirdt/357 das wir
uns durch brodt oder weyn des hern/ versichern oder be-
friden
/ oder unser erloͤsung drauß erfaren sollen/ ist es eyn
Deu. 4.zůsatz/ wider die schrifft/358 unnd zů fliehen als ein lesterung
Pro. 30.des geyst gottes und Christi.359

Welcher mich recht verstanden hat/ der kan nit schlies-
sen
/360 das ich soliche neu sachen an tag breng fürwitz hal-
ben
/361 oder rům zůholen/ thů ichs aber/ so würd got meyn
richter seyn/362 das aber můß ich bekennen/ das ich forcht
halben lieber geschwigen. Denn ich weyß/ das ich nach-
rede
und verfolgung darumb leiden werd/ sonderlich von
denen/ die für gůt evangelische leüt woͤllen gehalten seyn.363
Weyls aber die übertreffliche364 gehorsam Christi belangt/
den todt und leiden Christi angeht/ und durch den wohn/365
welchen wir yetzt inn allen kirchen hoͤren predigen/ das
Evangelium von Christo geschmecht/366 und der todt Chri-
sti
geringert/ unnd Christus gerechtigkeyt367 zů nicht ge-
macht
/ oder ye368 uffs wenigste für ungnugsam gesprochen
wirdt/ das ich und alle Christen dann weren369 sollen/ ein ye-
glicher
nach seyner maß/ so můst ich außbrechen/370 und die
Christen an das recht Evangelium weysen/371 welches al-
le
Aposteln gepredigt/ und des hern brodt nůr in gedecht-
nüs
und bekentnüß des todes Christi gebrochen/ und der-
halben
Buchsymbolc4r nach den gehalten predigen372 genossen haben. Got
woͤll uns verleyhen/ das wir daß recht Evangelium von
Jesu von Nazareth vernemen/ denn das selb
noch fast373 verborgen und in uneren gehal-
ten
ist/ gar nahe in aller sacramenten
brauch versprochen/374 dercp noch
keynes recht gepre-
digt
ist.375


adie sünde C
bZierinitiale A
c-cAndreas Bodenstayn C
doffentlich C
enoch B, C
ffehlt B, C
glayten C; leiden A
hsind B; die sünde C
ischad C
j-jParenthese nicht in runden Klammern, sondern durch Virgeln markiert C
k-kfehlt C
lgottis A
mdas C
nzůspot C
ofehlt C
pfehlt C
qvund A
rfolgt dann C
s-sfehlt C
tDerhalben C
uvom Editor verbessert für auß A, B, C
vvom Editor verbessert für begeren. A, C; begern. B
wPfingsten B
xfolgt die C
yfehlt C
zVerkündung B
aaChriston C
abfragest du B
acRom. 4 C
adIdem. 3 B, C
aefehlt C
affehlt C
agunsichparliche A; unsichbarliche B
ahdie C
aifehlt C
ajsagt. C
akfehlt C
alüberbündtlich B
am-amfehlt C
anfehlt C
aofehlt C
apfroͤlichen A, B
aqwen A
ar-arfehlt C
asvom Editor verbessert für unergleichlichem A, B, C
atfolgt unser herr C
aufehlt C
avleydes A
awwelchs C
axYetzt C
ayvermeldet B, C
azfehlt C
ba-bakreffte und früchte C
bb-bbvolget C
bcChriston C
bdmir A
bedrine A; darinnen C
bffehlt A, B
bg-bgwar in nesie A
bhdrinck A; trincket C
bidranckt A
bjfolgt Virgel C
bkunser willen A; unnsert willen B
blfehlt A
bmfehlt C
bnkünden B; konden C
bofehlt C
bpgedencken B, C
bqeben B, C
brworden C
bsden A
btChriston C
buwann B, C
bvfehlt C
bwversteen B, C
bxfehlt C
by-byfehlt C
bzentpfinden B; fehlt C
cagwisse A
cbfehlt B, C
ccempfindet C
cdihn C
ceChriston C
cfihn C
cgfolgt der C
chkond C
ciChriston C
cjden A
ckChriston C
cleingeen B; eingeet C
cmmir A, B
cn-cnfehlt C
conichte A; nychte B
cpfolgt in etlich hündert Jaren C

1hehren, herrlichen. – Zum Bedeutungsspektrum vgl. DWb 10, 1147–1150 s.v. herrlich; vgl. auch den Gebrauch in Karlstadts Abhandlung Von dem Priestertum und Opfer Christi (KGK VI, Nr. 249, S. 324, Z. 18 mit Anm. 306).
4Ausbrechen (aus dem ihm auferlegten Zwang zum öffentlichen Stillschweigen), an die Öffentlichkeit gehen.
5Gemeint: mich selbst maßregeln in meinen Veröffentlichungen. Karlstadt spricht von seinen Schriften zum Abendmahl des Jahres 1521 (KGK 183, KGK 204, KGK 205 u. KGK 210). Insbesondere ist wohl der Traktat Von beiden Gestalten der Messe (KGK IV, Nr. 205, S. 641, Z. 11–21) gemeint, in dem Karlstadt bestätigend die seelsorglich orientierte Sakramentslehre Luthers (Gewissenstrost, Mittel gegen Glaubens- und Lebenszweifel; z.B. WA 6, 361,22–362,12) wiedergab, ohne freilich Luthers Namen zu nennen; siehe die KGK 276.
6ausführlich sagen, darlegen, mitteilen. – Vgl. DWb 25, 2434 s.v. verzählen Nr. B 2.
7zu Recht.
8die führenden (vordersten) Theologen. – Angespielt ist ironisch auf Luther und seinen Wittenberger Umkreis, namentlich Melanchthon und Bugenhagen.
9uns an sie so haben binden wollen. – Vgl. DWb 1, 371 s.v. anheften. Gemeint ist das Bestreben der Wittenberger, Karlstadt an Publikationen zu hindern, die seine deviante Position erkennen ließen.
10Gemeint: sich bedeckt halten. – Vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon 1, 517 s.v. Busch Nr. 16.
11schlichten, redlichen, unschuldigen. – Vgl. DWb 3, 173f. s.v. einfältig Nr. 2.
12Weil sie aber (ihre wahre Überzeugung vor der Öffentlichkeit) hinter dem Busch halten (verbergen) und sich (selbst) den einfachen Menschen zu Fallgruben legen oder zu Pfählen stecken (zum Aufspießen). – Karlstadt wirft Luther und seinem Kreis vor, den Ungelehrten eine Falle zu stellen, um sie (zu ihrem Verderben) für ihre Meinung zu fangen.
15Aber wenn er. – Gemeint: einer von euch, den angesprochenen Lesern des Traktats.
16Ergänze sinngemäß danach: »woͤl« (siehe oben) er.
17bloß (ausschließlich) auf die (Stellen aus der Hl.) Schrift sehen, die ich anführen werde.
18denn (weil) ich sie (die Stellen aus der Hl. Schrift) gewiss von mir (weg hin) auf Gottes wahre Urteile leiten (beziehen) tun (werde), wie Johannes (es) tat […] – Im fränkischen Dialekt drückt das Hilfsverb »tun« (verbunden mit einem Verb im Infinitiv) eine besondere Betonung aus.
19in eurer Mitte.
20Joh 1,26 und Joh 1,21 (kombiniert).
21Gemeint: einer (der angesprochenen Leser des Traktats).
22ihm aus seiner Gefährdung.
23missfällt. – Vgl. DWb 12, 2295 s.v. miszhagen.
24soll es ihm freistehen.
25der Welt weiter (noch) etwas besseres zu schreiben. – Der Ausdruck ist verstärkend gemeint; vgl. DWb 32, 813 s.v. zuschreiben.
26wöll, wolle.
27Ergänze danach sinngemäß: und.
28Tatsächlich findet sich dieser theologische Begriff so nicht in der Bibel; vgl. TRE 29, 663f.; LThK3 8, 1438f. Vgl. auch Zwingli, Werke 2, 127,3–5.
29Gemeint: Wenn Karlstadt in vorliegendem Traktat das Hl. Abendmahl weiterhin ein Sakrament nennt, tut er dies nur, weil er sich (wie im Gespräch mit Kindern; vgl. 1. Kor 3,1) auf sein Gegenüber einstellen und leichter verständlich machen möchte.
30Das hier beginnende erste Kapitel des Hauptteils des Traktats, dem offenbar das erste separate Büchlein »Ob der Glaube in das Sakrament die Sünde vergebe« zugrunde gelegt wurde, reicht bis KGK 276 (Textstelle).
31allgemeiner, alle gemeinsam betreffender.
32Gemeint: unsere Mitchristen.
33ihr.
34bereiten sie sich vor.
35Vgl. Luthers Traktat De captivitate babylonica ecclesiae (1520) (WA 6, 526,25–33).
36Wahn, Irrtum.
37Gemeint: ein Wort, das für ihre Glaubensüberzeugung spricht, in der Hl. Schrift.
38sintemal, weil ja.
40dann.
42vorgeben.
43Vgl. als Hintergrund 1. Kor 13,12.
44Zu diesem Thema siehe Karlstadts Traktat Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK 274). Zum vernunftgeprägten, nicht gelassenen, sich eben auf die »eigenen Kräfte« verlassenden Glauben siehe auch KGK VI, Nr. 241, S. 131, Z. 5–20.
45Gemeint ist der mit dem Glauben an Christus willkürlich umgehende Mensch. – Zur Aussage vgl. Joh 6,69 u.ö.
46ihm, sich (selbst), nämlich dem Menschen.
47erdichtetes, erfundenes.
48wenn (schon).
49Vgl. zur Aussage Jer 6,14.
50Länge (der Zeit). – Gemeint: auf Dauer.
51Vgl. Röm 10,8 (Vg »verbum fidei«); vgl. Hebr 11,7f. u.ö.
522. Kor 1,22; Eph 1,13f. – Vgl. Luthers Traktat De abroganda missa privata (WA 8, 440,24–441,8) bzw. Vom Missbrauch der Messe (1521) (WA 8, 516,18–517,9); vgl. auch Invokavitpredigten (1522) (WA 10.III, 51,14–52,1; LuStA 2, 552f.).
53Gemeint in den (biblischen) Worten, die vom Glauben handeln. Vgl. KGK 276 (Anmerkung).
54Gemeint ist Karlstadts Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK 277). Zur Bewertung dieser Notiz vgl. die KGK 276, KGK 276 (Textstelle).
55Karlstadt verweist auf seine weiteren im Laufe des Jahres 1524 verfassten Schriften zum Thema des Abendmahls; siehe die Aufzählung am Ende des Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK 277, KGK 277 (Textstelle)).
56(dem) gleich, übereinstimmend.
60jeder.
61Vgl. Mt 7,17 u.ö.
64Zum Begriff »Inwendigkeit« siehe KGK 276 (Anmerkung). Zur Vorstellung des mit Gott vereinten und von ihm regierten »inwendigen« Menschen siehe Karlstadts Schrift Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK 274). Vgl. auch Ponader, Abendmahlslehre, 157, der diese Aussage »auf den platonischen Hintergrund Karlstadts« zurückführt, »der Geist und Materie strikt trennt«, darum gelte auch: »äußerliches Mahl kann keine Sünden vergeben«.
66vorbereitet.
67wie ihn (der »inwendig mensch«).
69Gemeint: wenn sie recht sein soll. – Vgl. Lk 6,45.
70Röm 10,10 Vg »corde enim creditur ad iustitiam, ore autem confessio fit in salutem.«
71recht vorbereitet. – Vgl. DWb 14, 410f. s.v. rechtfertig.
72Vgl. Röm 14,23. – Als mögliche Vorlage der Aussage vgl. Luthers Sermon Von den guten Werken (1520) (WA 6, 206,8–13).
73Hab 2,4 Vg »qui incredulus est, non erit recta anima eius in semet ipso, iustus autem in fide sua vivet.«
76gerechten, rechten.
77gefällt, ist er Gott angenehm. – Vgl. als Hintergrund 1. Petr 3,4.
79wenn sie gut und gottgefällig sein soll.
80Gemeint ist der Grund des Herzens, der Seele.
81das klare, gute Reden. – Vgl. DWb 30, 1173f. s.v. wohlrede.
82leicht, mühelos.
83Gemeint: wenn du nur danach strebst, ihn zu erreichen.
84ihn (den Grund).
85Vgl. den folgenden Absatz: »Was gedechtnüs sey« (ab KGK 276 (Textstelle)).
88fließt. – Vgl. Jes 57,19; Hebr 13,15 u.ö.
90öffentlich in rechtfertigbarer Weise.
91Gemeint: in den eigenen inneren Grund. – Zum mystischen Motiv des inneren Seelengrundes, in dem Gott unmittelbar wirkt, vgl. Bubenheimer, Tauler, 12–25. Zum »Versinken im Seelengrund« siehe Tauler, Predigten (Vetter) (Vetter), 175,24–27 (Nr. 41); 201,1; 3–7 (Nr. 45); 357,2 (Nr. 65); 426,22–26 (Nr. 80). In den Registern zu seinem Tauler-Leseexemplar führte Karlstadt die Stichworte »Grund« (R 2,29,31), »abgrund« (R 2,32) und »fundamentum interius« (R 3,6) auf; Tauler, Sermones (1508), fol. e8r; vgl. Hasse, Tauler, 184, Anm. 45.
92Zum Begriff »Inwendigkeit«, der offenbar von Karlstadt selbst geprägt wurde, vgl. DWb 10, 2151 s.v. Inwendigkeit sowie FWB s.v. inwendigkeit Nr. 2: »das geistige, seelische Innere des Menschen«. Vgl. aber KGK VI, Nr. 246, S. 229, Z. 12f. mit Anm. 195. Zum Prozess der »regeneratio« siehe Karlstadts Traktat Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK 274, KGK 274 (Textstelle)). Zum inwendigen Grund des Menschen, aus dem Gott »herausgekommen« ist, siehe Tauler, Predigten (Vetter) (Vetter), 25,19–26; 80,10–12; 329,6; 382,9.
93gebiert, hervorbringt. – Vgl. Mt 7,17.
94Kenntnis. – Vgl. DWb 11, 2668 s.v. Kunst Nr. 2b.
95Zu diesem definitorischen Satz vgl. Karlstadts Abhandlung Von dem Priestertum und Opfer Christi (1523) (KGK VI, Nr. 249, S. 335, Z. 10–15). Vgl. Erasmus von Rotterdam, der ganz ähnlich beim Hl. Abendmahl die »commemoratio« oder »contemplatio« der liebenden Hingabe Christi betont, welche durch den »mysticus ritus« vergegenwärtigt werde; vgl. Wendebourg, Essen, 24f.
96doch, gewiss.
97Gegenstand, Objekt, Ziel (der Erkenntnis).
98angepasst, ausgerichtet.
99wie.
104Die Marginalie ist zu korrigieren. Vgl. 1. Mose 3,15 Vg »inimicitias ponam inter te et mulierem et semen tuum et semen illius ipsa conteret caput tuum et tu insidiaberis calcaneo eius.«
105Vgl. Offb 2,7 Vg »dabo ei edere de ligno vitae, quod est in paradiso Dei mei.«
106Vgl. Mt 26,12.26 par.
107Gemeint sind Mose und die Propheten.
109Vgl. 2. Mose 12,13 (Blut des Passalamms); Jes 53,11.
110verfehlt es.
114Kenntnis.
116könnte.
117recht gestaltete, recht gebildete. – Vgl. DWb 14, 417 s.v. rechtgeschaffen.
118Gemeint: den (der Todesstrafe) übergebenen Leib des Messias vorher mit eigener Darstellung (mit Worten) zeichnet.
120Wann. – Vgl. DWb 29, 71 s.v. wenn.
121wenn seine Kenntnis.
124dieser.
127Phil 2,9–11. Die Marginalie ist zu korrigieren.
128würdigt. – Vgl. DWb 30, 2089–2091 s.v. würden.
129Vgl. Röm 3,22.28 (»Glauben«).
132doch, gewiss.
133Kenntnis.
134Kurz gesagt.
135bloß. – Vgl. DWb 3, 384f. s.v. eitel.
136Vgl. Joh 6,63. – Zum Einsatz dieses Christus-Zitats, weniger zur exegetischen »Begründung«, vielmehr als biblisch belegtes »Axiom«, das die unüberschreitbare »ontologische Grenzziehung zwischen dem mundus sensibilis und dem mundus intellegibilis, zwischen der veränderlichen und unveränderlichen Welt festhält«, vgl. Ponader, Abendmahlslehre, 179–182 (Zitate S. 179); Ponader, Caro, passim. Joh 6,63 findet sich bereits zitiert in Schriften des Jahres 1521: Von den Empfängern des Sakraments (KGK IV, Nr. 203, S. 116, Z. 2f.); Von Gelübden Unterrichtung (KGK IV, Nr. 203, S. 567, Z. 2–4); Von beiden Gestalten der Messe (KGK IV, Nr. 205, S. 642, Z. 13f. mit Anm. 170 mit Hinweis auf Erasmus). In den Karlstadt-Schriften des Jahres 1524 dient das Christuswort Joh 6,63 dazu, »die Realpräsenz zu bestreiten«; Ponader, Abendmahlslehre, 179. Zum Verständnis Luthers und Melanchthons 1521/22 von Joh 6 im Blick auf das Abendmahl vgl. Jammerthal, Ceremonia.
137vor.
141Verheißung (auf die Zukunft). – Zum biblischen Begriff Evangelium vgl. WiBiLex s.v. Freudenbote / Freudenbotschaft.
142in Christus zum Ziel, zur Erfüllung gekommen. – Vgl. 2. Kor 1,20.
144trefflich. – Vgl. DWb 2, 521 s.v. bündlich.
145Vgl. 2. Mose 12,13 (Blut des Passa-Lamms); 2. Mose 24,8 (Blut des Bundes); 3. Mose 4,20 u.ö. (Blut zur Sühne); 3. Mose 16 (Opfer-Blut zur Entsühnung der Gemeinde).
146Vgl. Jes 53,4–12 (Leidender Gottesknecht).
147Vgl. Apg 13,13–49 (Paulus, begleitet von Barnabas).
150Christus gleichgestaltet. – Vgl. Phil 3,10; vgl. auch DWb 2, 624 s.v. christförmig.
151Gemeint: wohl Befremden macht vor allem. – Vgl. DWb 14, 2111–2114 s.v. schämen.
152am Rad (zum Erleiden der Todesstrafe).
153Vgl. als Hintergrund Joh 15,15.
154danken, ihn loben, segnen. – Vgl. DWb 30, 1180 s.v. wohlsprechen Nr. 2.
155zum Abschied, als Abschiedsgeschenk. – Vgl. DWb 12, 798–800 s.v. Letze Nr. 2 u. 3.
156mit Entsetzen über dich selbst. – Vgl. DWb 3, 623 s.v. Entsetzen.
157weshalb es dich zu Recht zu Tode gebracht hätte. – Vgl. DWb 3, 1072f. s.v. erwürgen.
158Gemeint ist Christus (der unschuldige Gerechte).
159Vgl. als Hintergrund 2. Kor 5,21; Kol 2,13f.
160unvergleichlichem (einzigartigem) Gehorsam. – Die Schreibungsvariante »unergleichlich«, von allen drei Drucken wiedergegeben, ist sonst nicht nachweisbar. Vgl. zum Hintergrund der Aussage Phil 2,8.
161Vgl. inhaltlich nahestehend Karlstadts Abhandlung Von beiden Gestalten der Messe (1521) (KGK IV, Nr. 205, S. 646, Z. 24 – S. 648, Z. 24).
162zusammen mit den Früchten, dem Nutzen.
167Vgl. inhaltlich nahe Karlstadts Abhandlung Von dem Priestertum und Opfer Christi (1523) (KGK VI, Nr. 249, S. 321, Z. 1 – S. 323, Z. 9).
168Schmähung, Absage. – Vgl. DWb 25, 1490f. s.v. Versprechung.
169Die (Leute) sind genauso wahnsinnig und böse. – Gemeint sind die Anhänger von Luthers evangelischer Abendmahlslehre, wie dieser sie etwa in den Traktaten De captivitate babylonica ecclesiae (1520) oder De abroganda missa privata bzw. Vom Missbrauch der Messe (1521) formulierte.
170wie.
171Es fehlt nicht viel, dass sie (die Vergebung im Sakrament suchen) genauso böse sind (wie die »Pfaffen«).
173Vgl. Hebr 10,22. Das Stichwort »Herz« erscheint auch in der in der Marginalie genannten Bibelstelle Ps 38(39),4.
175vor der Strafrede.
178Vgl. Mk 10,45 par.; Kol 2,14.
180schmähen. – Vgl. DWb 25, 1472f. s.v. versprechen Nr. B2.
181(Es) weise, zeige.
184ein Niemand (der nichts gilt). – Vgl. DWb 24, 1161f. s.v. Unmann.
187Widersprecher.
188wenn viele von uns.
189Gemeint sind die von Karlstadt so bezeichneten »Widerchristen, Widersprecher und Verächter des Leidens Christi« (KGK 276 (Textstelle)), also die »Papisten«, aber vor allem Luthers Anhänger (KGK 276 (Textstelle)).
190wie sie (Luthers Anhänger) wähnen, fälschlich glauben.
191Härlein, Härchen. – Gemeint: der geringfügigste Hinweis.
193Gemeint sind hier vor allem Luthers Anhänger.
194Gemeint ist die Lehre von der Realpräsenz Christi in Brot und Wein, den Elementen des Hl. Abendmahls.
195Tatsächlich hebt Luther in den einschlägigen Texten von 1519 bis 1522 »die Gabe, die Gott im Abendmahl gibt, in der ›zusagung‹ (promissio) […] der ›vorgebung aller sund, gnad unnd barmhertzickeit tzum ewigen leben‹, kurz des neuen Gottesverhältnisses, die Christus in den Einsetzungsworten ausgesprochen hat«, hervor; Wendebourg, Essen, 47f. (mit Nachweisen).
196Vgl. etwa Luthers Traktat Vom Missbrauch der Messe (1521) (WA 8, 516,18–517,9, insbesondere 516,33–38), bzw. De abroganda missa privata (1521) (WA 8, 440,24–441,8).
197Heiligkeit im Sinne Luthers ist allerdings nicht als sündlose Vollkommenheit zu verstehen, sondern als die dem glaubenden Sünder zueignend zugesprochene Gerechtigkeit Christi.
198Gemeint: sie (die Anhänger Luthers) geraten auf plumpeste Weise in den grauenerregenden Widerspruch (gegen […]).
200Karlstadt meint hier vermutlich den seelsorglichen Rat Luthers, gerade in Anfechtungen und Zweifeln zur Stärkung sich auf die eigene Taufe zu besinnen und am Abendmahl teilzunehmen; vgl. Sermon von dem Sakrament des Leichnams Christi (1519) (WA 2, 744,25–30) und Invokavitpredigten (WA 10.III, 51,7–52,14); vgl. aber auch entsprechend Zwingli, Werke 2, 127,20–27.
201Was das bedeutet: »[…] bis er kommt« (Fortsetzung des Zitats 1. Kor 11,26).
202Gemeint ist Karlstadts Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK 277 (Textstelle); KGK 277 (Textstelle)). Zur Bewertung dieser Notiz, die auf die anscheinend früher entstandene Dialogflugschrift hinweist, die aber tatsächlich vermutlich etwas später verfasst wurde, siehe die Einleitung, KGK 276 (Textstelle).
203Das hier beginnende zweite Kapitel des Hauptteils des Traktats, dem offenbar das separate Büchlein mit dem Titel »Auslegung des Kapitels 1. Korinther 11« zugrunde gelegt wurde, reicht bis KGK 276 (Textstelle).
205bekanntgemacht. – Vgl. DWb 25, 856f. s.v. vermelden Nr. 2.
206Mt 26,24; das Bibelwort wird nur anfangsweise zitiert.
209schmähten.
210zu Tode brachten. – Vgl. Mt 27,27–44 par.
211Die bei allen Drucken in der Marginalie fehlerhafte Stellenangabe für die Bibelstelle 1. Kor 11,29 geht vermutlich auf einen Lesefehler beim Satz des Erstdrucks zurück, bei dem »II« als »2« verstanden wurde.
212sich selbst.
2131. Kor 11,29 (mit rhetorischer Fragefigur).
214einem (dem Abendmahl) gebührenden Verhalten.
215Bedeutung.
216halten (auffassen, verstehen) soll, wie ihn selbst (den Herrn Jesus Christus).
217deren, von denen. – Zum Hintergrund der Aussage vgl. 1. Kor 1,30; Joh 3,16 u.ö.
218Gemeint ist das Hl. Abendmahl mit Brot und Wein.
219Gedanken. – Vgl. neben 5. Mose 6,5 und Mt 22,37 par die Formulierung des schon vor Luther geläufigen, aber durch ihn um mehrere hinzugedichtete Strophen erweiterten Geistlichen Liedes: »Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit deiner Gnaden Gut, deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn« (WA 35, 448,19).
220entzückt, entrückt, hingerissen. – Vgl. DWb 3, 667f. s.v. entzücken Nr. 2.
221abrinnen, vertropfen ließe. – Vgl. DWb 25, 1000f. s.v. verrehren.
223stehen, beruhen auf dem Nichtverstehen, was […] bedeuten.
224Gemeint: Nicht-Aufmerksamkeit, Nichtbeachtung; vgl. DWb 24, 105 s.v. Unachtsamkeit Nr. 1b.
225können auch folgendermaßen ausgesprochen, ausgedrückt, formuliert. – Vgl. DWb 1, 930 s.v. ausreden Nr. 1.
226nicht richtig beurteilen oder nicht angemessen (sachgerecht) erkennen.
228vollends, ganz (das). – Vgl. DWb 15, 26 s.v. schier Nr. 3.
229daransetzen, dahingeben.
230entsprechend, genauso. – Vgl. DWb 3, 9f. s.v. eben Nr. 3.
231wenn wir (überhaupt) danach trachten.
234Absicht, Zielsetzung. – Vgl. DWb 12, 1941f. s.v. Meinung Nr. 5.
236vorher.
238doch, gewiss.
239wie.
240ihn (den Leib).
241zuvorderst, zu allererst (wenn).
243ebenmäßig. – Gemeint: angemessen.
244Vgl. Mt 27,29–49 par. – Im Hintergrund dieser hier karikierend zugespitzt dargestellten Identifikation des Geschehens am Kreuz mit den sakramentalen Elementen steht die Vorstellung der »Transsubstantiation«, dass bei der Feier der Messe (nach dem römischen Kanon) Brot und Wein auf dem Altar in ihrer »Substanz« durch das Gebet und die Rezitation der »Verba consecrationis« in den (verklärten) Leib Christi am Kreuz verwandelt werden; vgl. Hoping, Leib, 206–210.
245dann müssten doch mit ihm drinnen (im Sakrament).
247flohen.
248so wie sie (die Jünger) die Flucht ergriffen, als sie (die Häscher und Diener der Hohenpriester) Christum gefangen nahmen. – Vgl. Mt 26,47–56 par.
249ihn (Jesus). – Zum Verrat des Judas im Garten Gethsemane vor der Stadt Jerusalem vgl. Mt 26,45–50 par.
250zweite (eben dass Christus für uns seinen Leib ans Kreuz in den Tod gegeben hat).
252Wenn das erste (eben dass Christus seinen Leib für uns in das Sakrament gegeben hätte) Bestand hätte.
253wie.
254Vgl. 3. Mose 7,32 (Hebopfer), 7,34 und 9,21 (Webopfer/Schwingopfer). – Vgl. zu dieser Passage Karlstadts Briefgutachten Wider die alte und neue papistische Messe (1524), KGK 275 (Textstelle); KGK 275 (Textstelle).
255erwünschte, gütige, angenehme. – Vgl. DWb 30, 1441f. s.v. wonnesam.
257bildlich dargestellte.
259Gemeint (ironisch): stattdessen (gewöhnliche) Feigen essen. – Vgl. DWb 3, 1151 s.v. Eselsfeige.
261war von ihm.
264ungerichtet, nicht gerade, ungefähr. – Vgl. DWb 24, 818 s.v. ungericht. Gemeint: ohne rechte Erkenntnis.
266ein solches ernsthaft gewonnenes Verständnis von.
267wie. – Vgl. als Hintergrund 1. Kor 11,20–22.
268vorher. – Vgl. als Hintergrund 1. Kor 11,28.
269Stellen (der Bibel). – Vgl. DWb 12, 448f. s.v. Ende Nr. 2.
270Röm 2,18; Röm 12,2; 1. Thess 5,21. – Die erste Angabe der Marginalie ist zu korrigieren.
271vorher, zuerst.
273überlässt es in seinen eigenen Busen, seinem eigenem Herzen (zur Entscheidung). – Vgl. DWb 2, 567 s.v. Busen Nr. 4.
274jeder.
275Vgl. Jes 53,4–12 u.ö.
276Erkenntnis.
278ihn.
280Vgl. DWb 2, 624 s.v. christförmig; vgl. Röm 8,29 u.ö. Der Begriff »christförmig« geht zurück auf Seuse, Deutsche Schriften, 335,22–27.
281sittsam, weise.
283eben, entsprechend.
284wie irgendein anderes Brot.
285Zum mystisch geprägten Begriff »Inwendigkeit« siehe KGK 276 (Anmerkung).
286wie.
287Vgl. Mt 15,14 par.
288geleitet. – Vgl. 1. Kor 11,28.
290nicht oberflächlich beurteilen. – Vgl. DWb 13, 1072f. s.v. obenhin.
291sondern.
292Das hier beginnende dritte Kapitel des Hauptteils des Traktats, dem offenbar das separate Büchlein »Dass das Sakrament kein Zeichen sei, durch welches die Menschen ihre Gewissen stärken und versichern könnten« zugrunde gelegt wurde, reicht bis KGK 276 (Textstelle).
293Zu den Formen »arra« und »arrabon« (ἀρραβών), abgeleitet vom hebr. ערבון Unterpfand (aus רב bürgen), vgl. Georges, Handwörterbuch (1995) 1, 585 s.v. arra. Im Lateinischen lautet das Wort arra oder arrabo; vgl. Bauer, Wörterbuch NT, 219 s.v. ἀρραβών: Anzahlung, Angeld. Luther gibt in seinen Schriften vor 1525 den ntl.-griech. Ausdruck ἀρραβών (2. Kor 1,22; 2. Kor 5,5; Eph 1,14; 1. Mose 38,17–20 LXX) nicht wieder, sondern übersetzt diesen mit »pignus« und »sigillum« bzw. »Pfand«, »Siegel« oder »Angeld«; vgl. WA 8, 516,33–38. Vgl. im Zusammenhang Luthers Traktat De abroganda missa privata bzw. Vom Missbrauch der Messe (1521) (WA 8, 440,24–441,8 bzw. WA 8, 516,18–517,9). Das Wort »arrabo« wurde offensichtlich immer nur von Karlstadt gebraucht – später wohl auch für den Gulden, den Luther beim Gespräch in Jena als Unterpfand zur Versicherung dafür gab (dort vom Protokollanten als »arrogo« verstanden), dass Karlstadt die Auseinandersetzung mit ihm öffentlich führen durfte; siehe Acta Jenensia (KGK 267), KGK 267 (Textstelle).
294Der Begriff bezeichnet eine als Unterpfand dienende, »bestimmte Geldsumme zur Sicherung der Rechtsgültigkeit von Kauf-, Eheverträgen, Bestimmungen über Mitgift u.ä., eine Art (symbolische) Kaution, die in vielen Fällen nach Begleichung der noch ausstehenden Schulden bzw. nach gegenseitiger Erfüllung des Vertrages als Almosen an die Armen weitergereicht« wurde (FWB s.v. gottespfennig Nr. 1); vgl. DWb 8, 1290–1292 s.v. Gottespfennig.
296Zur folgenden Aussage, die Karlstadt durch Widerlegung »umstürzen« möchte, vgl. Luthers Sermon von dem neuen Testament (1520) (WA 6, 359,13–29) und Traktat Vom Missbrauch der Messe (1521) (WA 8, 524,22–525,9).
297vorbereitet, geeignet.
298wie.
301vermag, kann.
302wie ihn.
306wie (ergänze sinngemäß: es).
307Gemeint: Hat er (ein Gläubiger) das (das Gedächtnis, Gedenken Christi) in seinem (Herzens- oder Seelen-)Grund. Vgl. dazu KGK 276 (Anmerkung).
308ihm.
309gütiger, liebreicher, wertvoller. – Vgl. DWb 30, 1441–1443 s.v. wonnesam.
310kann.
311uns doch alle zu sich (selbst).
313ihn.
314Vgl. Mt 13,16 par.
315Gemeint hier: recht vorbereitet; vgl. DWb 14, 410f. s.v. rechtfertig.
316können.
317vorher.
318Vorbereitetsein.
319wie einer vorher.
321über dem Begreifen der Vernunft, der Verstandeskräfte.
324das geringeren Geschöpfen als er (Christus) ist, zuerkennt.
325doch, gewiss.
326Zur bildlichen Rede vom unrechten »Hineingehen« vgl. die biblische Vorlage Joh 10,8f.
327zusammen. – Gemeint: (durch die äußere Teilnahme am) Abendmahl und durch (den Glauben an) Christus.
328in der vorher geschilderten Weise (des »Hineingehens«) sehr zerteilt wäre.
330Gemeint: leblose Erzeugnisse, Dinge.
332inbrünstige, brennende Erkenntnis. – Vgl. KGK 276 (Textstelle); KGK 276 (Textstelle).
333Gemeint: wie (es das) eben (genauso) tut, wenn es.
334Gemeint: das Problem hat mit der »Erkenntnis« zu tun.
335wie.
337ihm.
338Kritisch gemeint sind hier die zahlreichen Symbole und Rituale der spätmittelalterlichen Frömmigkeit, insbesondere die Sakramente und Sakramentalien; zu diesen vgl. allgemein Angenendt, Geschichte, 351–515.
341zurechnen. – DWb 32, 788 s.v. zuschätzen.
342gewiss.
343Besonderheit wegnimmt, bestreitet. – Vgl. DWb 1, 129 s.v. abstehlen.
345doch, gewiss.
346Zu dieser Behauptung, dass das »grobe« Sakrament nicht den Grund der Seele zu berühren und schon gar nicht zu belehren vermag, vgl. in Karlstadts Traktat Wie sich Glaube und Unglaube halten z.B. KGK 274 (Textstelle).
347Zur Rede von den Sakramenten als »Versicherung« für die Angefochtenen und Zweifelnden siehe Luthers Sermon von dem Sakrament des Leichnams Christi (WA 2, 744,8–11; 25–32 u. 745,1–5) und Sermon von dem neuen Testament (WA 6, 358,20–23; 27–34). Vgl. auch Zwingli, Werke 2, 127,20–27 (Auslegen und Gründe der Schlussreden 1523).
348Vgl. als Hintergrund Röm 8,8f.
3491. Kor 1,4–8; Eph 1,13f. – Das Bild vom Siegel findet sich auch in der Schrift Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK 274 (Textstelle)); vgl. auch KGK VI, Nr. 248, S. 275, Z. 9f.
350Vgl. als Hintergrund Röm 8,1–17.
351Vgl. Luthers Sermon von dem neuen Testament (WA 6, 358,14–16; 35–37).
352solche hohen Dinge in kreatürlichen (geschaffenen) Dingen wie im Sakrament […] suchen könnten. – Zum augustinischen Hintergrund dieser Aussage, die bestreitet, dass göttliche Gaben an geschöpfliche Dinge gebunden sein können, vgl. Ponader, Abendmahlslehre, 33–39; 43–53. Vgl. bereits KGK 276 (Anmerkung).
353wäre so weise gewesen.
354Sintemal (zumal ja) Christus doch, gewiss.
3562. Tim 3,16 Vg »omnis scriptura divinitus inspirata et utilis ad docendum ad arguendum ad corrigendum ad erudiendum in iustitia.«
357Gemeint: durch keine Stelle aus der Hl. Schrift belegt.
359Vgl. 1. Petr 1,11 u.ö.
360Zur folgenden Schlusspassage des Karlstadt-Traktats, die erneut beteuert, dass angesichts des grassierenden »Wahns« in Sachen des »rechten Evangeliums« kein Schweigen möglich sei, vgl. auch die einleitende Protestatio, KGK 276 (Textstelle).
361an den Tag bringe, Vorwitz, Schlaumeierei halber.
362Vgl. 1. Kor 4,4. – Zum Folgenden vgl. als Hintergrund 2. Kor 4,8f.
363Gemeint sind die Wittenberger Theologen um Luther.
364(alles) übertreffende.
365Wahn, Einbildung, irrige Überzeugung.
366geschmäht.
367Vgl. als Hintergrund 1. Kor 1,30 und 2. Kor 5,21.
368doch.
369(ab)wehren.
370ausbrechen (aus dem ihm auferlegten Zwang zum öffentlichen Stillschweigen). – Vgl. KGK 276 (Textstelle).
371Zum Motiv »rechtes Evangelium« vgl. als Hintergrund Gal 1,6–9 (»anderes Evangelium«).
372Gemeint: Predigten, Lehren (der Apostel).
373sehr.
374durch den Gebrauch beinahe aller Sakramente geschändet. – Vgl. DWb 25, 1472f. s.v. versprechen Nr. B.2.
375von denen (den Sakramenten) noch keines recht gelehrt ist. – Tatsächlich hatte Luther mit seinen Sermonen des Jahres 1519 und 1520 sowie mit dem Traktat die überkommene Sakramentslehre und -praxis der römischen Kirche auf der Grundlage der Bibel aus seelsorglichen Motiven heraus neu formuliert; vgl. Brecht, Luther 1, 333–346; 362–365.

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