1. Überlieferung
Ein Autograph; fol. 31v Adresse und Siegelspur.
Eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.
Editionen:
- Barge, Karlstadt 2, 598.
- HBBW 4, 253f. Nr. 417.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 461f. mit Anm. 710.
Beilage: Beschlüsse der Basler Bannherren, 28. Juni und 1. Juli 1534.
Handschrift:
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 460.
- Burckhardt-Biedermann, Erneuerung, 436f.
2. Entstehung und Inhalt
Karlstadt hatte Zürich nach dem 15. Juni 1534 verlassen1 und war noch vor dem 27. desselben Monats in Basel eingetroffen.2 Am 28. Juni wurden seine Aufnahme in die Basler Kirche und seine Aufgaben durch die Basler Bannherren3 konkret festgelegt.4 Er sollte morgens und abends predigen5 und zur Unterstützung von Paul Phrygio dessen Vorlesungen über das Alte Testament übernehmen, wovon Phrygio Bucer bereits am 2. Juli 1534 berichtete.6 Die offizielle Aufnahme in die Universität auch durch den Stadtrat7 wurde am 1. Juli protokolliert und seine kirchlichen Aufgaben nochmals bestätigt.8 Der Bürgermeister hatte ihn vorgestellt, was die Zustimmung der Pfarrerschaft gefunden hatte. Daraufhin wurde beschlossen, Karlstadt in die Regenz der Universität9 aufzunehmen, um eine Studienreform auszuarbeiten10 und die Bücher in der »Liberey« zu ordnen und zu inventarisieren.11 Dass Karlstadt für eine gewisse Zeit (exklusiv) mit der Organisation der Basler Universitätsbibliothek betraut wurde, scheint ein späterer Brief zu bestätigen, in dem Oporinus am 2. August 1542 Bibliander um Rückgabe eines von ihm ausgeliehenen Koranexemplars bat12 und vorschlug, auf die Frage, woher er das Buch erhalten habe, zu antworten, dass es ihm von Karlstadt geschickt worden sei, der eine Zeit lang der einzige war, der die Schlüssel zur Bibliothek besessen hatte. Eine Lüge über diesen jüngst verstorbenen Mann – Karlstadt war am 24. Dezember 1541 gestorben –, schloss Oporinus, dürfte erlaubt sein, da dieser sich, als er noch lebte, die Lüge aus Neid über so viele gute Menschen ebenfalls nicht erspart habe.13
In dem hier edierten Brief vom 14. Juli 1534 informiert Karlstadt Bullinger nur kurz über seine neuen Aufgaben, die Einzelheiten seiner Übersiedlung in Basel solle der Überbringer des Briefes ausführlicher erzählen. Karlstadt berichtet lediglich, dass der Basler Stadtrat ihm den Auftrag erteilt habe, die Bücher aus mehreren Bibliotheken zusammenzutragen14 und eine Vorlesung über den hebräischen Text des Deuteronomiums zu halten.15 Nach einem Hinweis darauf, dass in Basel niemand die Bedingungen des Friedens [von Kaaden16] kenne, schließt Karlstadt seinen Brief mit einer Erwähnung der fast väterlichen Rolle, die Myconius für ihn übernommen habe, und mit Grüßen an seine alten Kollegen in Zürich.
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