Nr. 354
Andreas Karlstadt an Heinrich Bullinger
Basel, 14. Juli 1534

Text
Bearbeitet von Stefania Salvadori
Buchsymbol fehlt

Prudenti et eximio
viro D〈.〉 Henricho Bullinge-
ro. Tiguri a
concionatoribusa primario
fratri chariss'imo'b〈.〉

Buchsymbol fehlt
S'alutem'.

Si bene vales gaudeo. Ut nos valeamus et quid agamus is
significabit qui has ad te perfert.1 Ex multis bibliothecis unam
nitimurc iussu Senatus facere.2 Deuteronomiond hebraice alter-
nis
e praelego.3 Pacis conditiones nemo opinor hicf novit. Si
nosti communica.4 Myconius mihi parentis loco
est, faxit deus ut longam eamque incolumem vitam degat.
Vale feliciter et D〈.〉 Theodorum5〈,〉 Leonem6〈,〉 Pell'icanum'7〈,〉 prepos'itum'8〈,〉
Heinrichum Utingerg9, Nüschel'er'h10〈,〉 Golden11〈,〉i D〈.〉 Ioa'nnem' lacobum Amanum〈?〉j12〈,〉
Colinum13 et reliquos omnes omniumque coniugesk meis verbis
salutari cupio. Basileae diel 14. Iulii anno 34.m

Tuus Carolostadius.

Beilage: Beschlüsse der Basler Bannherren, 28. Juni und 1. Juli 1534.

Buchsymbol fehlt Solis den xxviii Junii14 sint
dy ban herren15 gesessen Anno etc. 34.

Unnd ist von docter hans[!] Karolstatt
gerotten16 worden. Namlich das man den
selbigen sell annemen, doch das zu
vor den predicanten und dyacon anzeigen〈,〉
in zun17 zyten abens18 oder morgens
predigen lassen, ob er dem volck an-
mütig
sin welt,des glichen doctor
paulus19 lection versehen lassen, den
predicanten auch dera by20 sagen, das
man mit dern nach21 umb einen
lugen22 der den Micenium23 in siner
lection ouch versehen wurde/24

Mitwoch den Ersten Julii25
presiderunt dy ban heren26
umb das ein27 Nachmittag.

Auff vorbestimpten tag ist docter
Andreas Karstett der helgen28
geschrifft doctor uß bevelch
eins Ersamen Rats angenommen
soll in der universitett und
sonst lesen und predigen und
besonder/ doctor paulus29 dwyl
der ein wyten gang30/ in sinem
lesen versehen/ Es ist ouch
sollichs allen pfarrern unnd
dyacon/ durch herren Jacob meygern
den burgenmeistern31/ furgehalten
worden welche dar ab ein wolge-
fallens
gehapt und dor in bewyl-
liget
haben.

Buchsymbol fehltEs sol ouch doctor andres Karelstatt
sich zu der universitet thun/ in anzeigeno
dy soll in auch uff und annemen
als ein glid der universitet〈.〉
dannochin/ sollen dy von der
universitet und er zusammen
sitzen, ordnungen wy und was
man lesen verfassen32/ Es
sollen auch dy iecher in den
liberien inventiert/ und in
ordnung gleit werdenn.33

Der Karlstatt soll auch dy lectionen
des alten testaments versehen〈.〉34

den pfarren in Emptern dy
kirch belangen beraten und beholfen35
sin.36


aConcionibus b
bunten von anderer Hand Carolo stadii ∥ octo. ∥ N o: 1. a
cfolgt gestrichen l a
dkorrigiert aus Deuteromion a
efolgt (vicibus) b
fhi b
gUtingenum b
hNuschelenum b
ifolgt über der Zeile (bekium) b
jschwer lesbar a; gualder b – über der Zeile unlesbares Wort durchgestrichen und Verweis auf untenstehende Notiz an Galder? b
kuxores b
lfehlt b
m1534 b
nfolgt gestrichen zit
ovom Editor verbessert aus azeigen

1Der Überbringer des Briefes lässt sich namentlich nicht identifizieren.
2Siehe dazu die KGK 354 zu dieser Einheit.
3Zu den Vorlesungen über 5. Mose siehe die KGK 354 zu dieser Einheit und KGK 357. Was hier mit »alternis« gemeint ist, bleibt unklar. Am 5. August 1531 berichtete Oekolampad an Bucer, in Basel erläuterten Sebastian Münster einen Text aus dem Alten Testament und Simon Grynaeus einen aus dem Neuen Testament im wöchentlichen Wechsel; Oekolampad fasste danach beide Texte in lateinischer Sprache zusammen und Paul Phrygio bot schließlich eine Auslegung auf Deutsch (vgl. Bucer, Briefwechsel 6, 43,11–44,2 Nr. 442). Ob die Vorlesungen so auch 1534 organisiert waren, bleibt offen. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass die Vorlesung Karlstadts und die Vorlesung Phrygios (der in jener Zeit auch Rektor war; siehe dazu die KGK 354 zu dieser Einheit) sich am Lehrstuhl für Altes Testament abwechselten.
4Gemeint ist der Frieden von Kaaden, der am 29. Juni 1534 zwischen Ferdinand I. von Habsburg und Herzog Ulrich von Württemberg geschlossen wurde. Hierzu siehe KGK 356.
8Felix Frey (1482–1555), wurde 1505 Chorherr und 1518 der letzte Propst des Großmünsterstiftes.
9Heinrich Utinger (um 1470–1536), ab 1507 Chorherr am Zürcher Großmünster.
10Heinrich Nüscheler (?–1558), Chorherr am Großmünsterstift.
11Hans Heinrich Göldli (um 1496–1553), seit 1518 Chorherr am Großmünsterstift.
12Mit HBBW 4, 254,7f. Nr. 417 vermutlich Johann Jakob Ammann (1500–1573). Zu ihm siehe KGK 328 (Anmerkung).
13Rudolf Ambühl, genannt Collinus, (1499–1578). Zu ihm siehe KGK 328 (Anmerkung).
14Der 28. Juni 1534 war ein Sonntag, »dies solis«.
16geredet.
17zu den.
20derby, dabei.
21der nach, danach; Lesung unsicher, »mit« scheint überflüssig.
22sich nach einem umsehen; vgl. Schweizerisches Idiotikon 3, 1223 s.v. luegen 1.c.γ.
24Lesung unsicher, es fehlt ein Verb im Satz.
25Mittwoch 1. Juli 1534.
26Siehe nochmals KGK 354 (Anmerkung).
27um ein Uhr.
28heiligen.
30Der Satz ist unvollständig, gemeint ist aber, Phrygio wollte nach Tübingen gehen.
31Der Basler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hirzen (1473–1541).
32Vgl. KGK 373 und KGK 379.
33Siehe dazu die KGK 354 zu dieser Einheit.
34Der Professor für Altes Testament war Paul Phrygio.
35behilflich.
36Vgl. die von Karlstadt im Herbst gehaltene Erläuterungen der Dialektik und die damit verbundenen praktischen Übungen, die im Brief Karlstadts an Bullinger, 15. September 1534 (KGK 357) erwähnt sind.

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