1. Überlieferung
Ein Autograph; fol. 221v Adresse und Siegelspur.
Eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.
Es handelt sich um eine Abschrift.
Edition:
- Schieß, Briefwechsel Blaurer 1, 537f. Nr. 446.
2. Entstehung und Inhalt
Durch den Frieden von Kaaden in Böhmen (29. Juni 1534) wurde Herzog Ulrich als Landesherr von Württemberg bestätigt.1 Aus dem Exil zurückgekehrt,2 organisierte er im Sommer 1534 die Einführung der Reformation in seinen Territorien,3 musste sich dabei aber an einen Artikel im Kaadener Vertrag halten: Die »Sacramentirer, widerteuffisch Secten, auch andere newe unchristliche Sechten« sollten in Württemberg nicht geduldet werden.4 Zu diesem Zweck berief er sofort Erhard Schnepf,5 Vertreter der Wittenberger Linie, als Reformator für das nordwürttembergische Gebiet und Ambrosius Blarer,6 Vertreter der oberdeutschen Linie und der theologischen Position Martin Bucers nahestehend, für das südwürttembergische Gebiet. Bei ihrer Ankunft in Stuttgart war jedoch sofort klar, dass ein Nebeneinander von Lutheranern und Oberdeutschen nur nach einem Kompromiss zur Abendmahlsfrage möglich sein würde.7 Schnepf und Blarer einigten sich deshalb am 2. August 1534 in der Stuttgarter bzw. Württemberger Konkordie auf ein gemeinsames, vermittelndes Abendmahlsverständnis.8 Diese erste Einigung brachte in den darauffolgenden Monaten lange Diskussionen mit sich und leitete damit den Prozess ein, der zur Wittenberger Konkordie von 1536 führte.9
Gerade die von Blarer und Schnepf unterzeichnete Einigungsformel sorgte für eine lebhafte Diskussion. Es handelte sich dabei um eine aus dem Marburger Religionsgespräch entnommene Formel,10 die im Sommer 1534 vor allem bei den Schweizer Reformatoren sofort Sorgen und Zweifel weckte. Auf katholischer wie auf protestantischer Seite wurde von einem Widerruf Blarers gesprochen.11 Man befürchtete für Württemberg eine Rückkehr zu Luthers Abendmahlslehre und eine damit einhergehende Ausgrenzung, wenn nicht gar Vertreibung all derjenigen, die der Abendmahlslehre Zwinglis näher stünden und damit potenziell als »Sacramentirer« bezeichnen werden könnten.12 Es herrschte darüber hinaus große Verwirrung hinsichtlich vieler Aspekte des Zustandekommens der Stuttgarter Einigungsformel.13 Auch Karlstadt hatte offensichtlich keine gesicherte Kenntnis darüber, als er sich in dem hier edierten Brief vom 31. August 1534 auf die Württemberger Konkordie bezog.14 Nach den anfänglichen Grußformeln fordert er Blarer nämlich auf, nicht nachzugeben und mit Gottes Hilfe seine Position zu wahren. Zum Abschluss des Briefes formuliert Karlstadt dann als zweite Bitte, einem nicht näher identifizierten Markus15 Unterstützung anzubieten, den er nachdrücklich empfiehlt. Schließlich lässt er die gesamte Familie Blarers in Konstanz herzlich grüßen. Der hier edierte Brief bildet scheinbar den Auftakt der Korrespondenz zwischen Karlstadt und Ambrosius Blarer; Hinweise auf einen früheren Briefwechsel zwischen den beiden sind nicht bekannt.
KGK 355
Transkription
