Nr. 362
Tilmann Limperger, Oswald Myconius, Paul Phrygio, Andreas Karlstadt und die anderen Pfarrer von Basel an Heinrich Engelhardt, Heinrich Bullinger und die anderen Pfarrer in Zürich
Basel, 1534, 26. November

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1. Überlieferung

[a:] StA Zürich, E II 337, fol. 69r–v

Ein Autograph Myconius; fol. 69r Unterschriften eigenhändig; fol. 69v Siegelspur.

[b:] StA Zürich, E II 337, 68v und 69ar

Eine Abschrift von der Hand Bullingers; mit dem Titel »Fratrum Basileiensium de Tigurina Confessione sententia«.

[c:] BNU Strasbourg, AST 168, Nr. 15, 210a

Eine Abschrift von R. Gwalther.

[d:] ZB Zürich, S 37, 81

Eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.

Edition:
  • HBBW 4, 414–416 Nr. 480.

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

Über Basler Reaktionen auf die Württemberger Konkordie gibt u.a. die Korrespondenz von Myconius im Spätsommer und Herbst 1534 Aufschluss. Nachdem er um den 15. September von einer Badekur zurückgekehrt war,1 schrieb er zwei Tage später an Bullinger, er habe Blarers Abendmahlsbekenntnis vorgefunden und sei zunächst erschrocken. Ein Brief aus Stuttgart habe ihn jedoch wieder beruhigt, da demnach Blarer selbst Gerüchten über seine Abkehr von der oberdeutschen Abendmahlslehre widersprochen habe.2 Myconius scheint es nach Ausweis dieses Briefes zu diesem Zeitpunkt allerdings noch für möglich gehalten zu haben, dass die für die Württemberger Konkordie verwendete Formel von Zwingli und Oekolampad auf dem Marburger Religionsgespräch unterzeichnet wurde.3 Nach dem, was ihm berichtet worden sei, scheine die gewählte Formulierung jedoch so vage, dass sie jeden mit dessen eigenen Vorstellungen zurücklasse. Man könne also von einer Scheinkonkordie sprechen, was eine unglückliche Situation darstelle, in der Wahrheit und Irrtum vermischt würden, obwohl klarere Aussagen vorzuziehen gewesen seien.4 Dass der angebliche Seitenwechsel nicht der Wahrheit entsprach, bestätigte Bullinger in seinem Antwortschreiben am 4. Oktober unter Verweis auf ihm aus Württemberg übermittelte Nachrichten,5 die eine hoffnungsvolle Entwicklung der Württembergischen Kirchenpolitik andeuteten.6

Die Verunsicherung in Basel stieg in den folgenden Wochen. Myconius' Briefe an Bullinger vom 14. Oktober7 und 9. November8 belegen, dass während seiner Abwesenheit9 ein Streit in Basel darüber entbrannt war, ob die Begriffe »essentialiter« und »vere« als Synonym zu verstehen seien. Während Paul Phrygio und Wolfgang Wissenburg dies bejahten, stellte Karlstadt es in Frage. Zu diesem Streit, der vermutlich an die von Blarer und Schnepf unterzeichnete und aus dem Marburger Religionskolloquium stammende Einigungsformel der Württemberger Konkordie vom 2. August 1534 anknüpfte,10 liegen keine weiteren Quellen vor, er muss aber auch über Basel hinaus wahrgenommen worden sein, da Capito Myconius in einem heute verschollenen Brief dazu aufforderte, die Abendmahlsdiskussion in der Stadt zu unterbinden, weil sie die Wiedervereinigung der Kirchen verhindere und Ferdinand I. einen Krieg gegen die Sakramentarier plane.11

Nachdem Myconius daraufhin alle siebzehn Basler Amtsbrüder zusammengerufen und mit jedem von ihnen gesprochen hatte, stellte er fest, dass sie alle im Einklang mit dem Anfang 1534 im Druck erschienenen Basler Abendmahlsbekenntnis lehrten.12 Sie unterzeichneten auch eine neue Erklärung, die an Bucer und seine Kollegen geschickt werden sollte, um die volle Übereinstimmung zwischen Basel und Straßburg zu beweisen.13 Diese handschriftliche Erklärung ist heute verschollen, Myconius fasst ihren Inhalt in einem Brief an Berchtold Haller und die Theologen in Bern vom 18. Dezember 1534 jedoch wie folgt zusammen: Die Basler bekräftigten demnach ihr im Druck erschienenes Bekenntnis vom 21. Januar 1534, dass Brot und Wein sich im Abendmahl zwar nicht wandeln würden, aber insofern als heilig zu betrachten seien, als dass sie durch die Einsetzungsworte den wahren Leib und das Blut Christi darstellten, dargereicht als Erinnerung für die Gläubigen; Christus sei demnach nicht in Brot und Wein präsent, sondern bleibe zur Rechten des Vaters, wo er gemäß Phil 2,9–11 und Kol 3,1 verehrt werden solle. Schließlich wurde noch einmal betont, dass nach Joh 6 im Abendmahl Christus nur im Glauben und auf geistliche Weise gegessen werde.14

Eine direkte Reaktion auf die Übersendung des gedruckten Bekenntnisses und der handschriftlichen Erklärung scheint jedoch zunächst ausgeblieben zu sein. Noch Anfang November beklagte sich Myconius darüber, dass er noch keine Antwort aus Straßburg erhalten habe.15 Grynaeus, der die Straßburger auf dem Weg nach Tübingen besucht hatte,16 habe ihm jedoch geschrieben und versichert, man lehre auch dort, dass Christus im Heiligen Abendmahl »vere« und »essentialiter« im Glauben gegessen werde,17 so dass man darauf hoffen könne, dass die Straßburger einverstanden sein würden. Deren einzige Sorge schien zu sein, dass Karlstadt nach all den Angriffen, die ihm von den Wittenbergern zugefügt worden waren, darauf reagieren könnte, indem er seine alte Meinung wiederholte, nämlich dass die beim heiligen Abendmahl verwendeten Elemente nichts anderes als »nuda et inania« Zeichen seien.18 Zugleich war Myconius durch Luthers unfreundliche Reaktion auf einen heute verschollenen Brief so empört, dass er Bucers Bemühungen um eine Konkordie für völlig nutzlos hielt.

Bullinger dagegen schien eine andere Auffassung zu vertreten, als er am 23. November Myconius und den Basler Theologen eine am 22. Oktober 1534 von den Züricher Theologen verfasste Abendmahlserklärung19 zusammen mit einem auf den 1. November datierten Brief Bucers zusandte, in dem dieser die Hoffnung auf eine Einigung zwischen Lutheranern und Zwinglianern formulierte.20 Bullinger und seine Zürcher Kollegen – die nichts unternehmen wollten, ohne die Basler einzubeziehen – baten diese daraufhin, die beidem Abendmahlserklärungen (die gedruckte und die handschriftliche) zu bewerten und auf eventuelle Mängel hinzuweisen. Sollten die Basler mit der Zürcher Abendmahlserklärung übereinstimmen, so fordert Bullinger sie auf, sollten sie dies in einem weiteren, von allen unterzeichneten Schreiben bestätigen und es sofort nach Zürich zurückzusenden, damit die Unterlagen an Bucer nach Augsburg geschickt werden könnten.21

Auf diese Bitte Bullingers antworteten Myconius und 12 weitere Basler Theologen, unter ihnen auch Karlstadt, mit dem vorliegenden Brief. Zunächst bestätigten sie, das Abendmahlsbekenntnis der Zürcher gelesen und – wiederholt – gebilligt zu haben: Sie hätten es mit ihrem ersten gedruckten Basler Bekenntnis vom 21. Januar 1534 getan22 und dann mit einer weiteren an die Brüder in Straßburg geschickten Erklärung zum Abendmahl. Diese sei verfasst worden, als die Straßburger davor gewarnt hatten, dass, wie einige behaupteten, in Basel ein Abendmahl ohne Christus gepredigt werde – solche Verleumdungen seien nicht zu dulden.23 Die Basler Erklärung stimme inhaltlich mit derjenigen der Zürcher völlig überein. Die Straßburger seien auch einverstanden – das hätten alle bestätigt außer Bucer, der zu diesem Zeitpunkt abwesend war.24 Allen wahren Christen müsse deutlich sein, dass dort, wo der Glaube sei, auch Christus sei. Solange die Basler also das Abendmahl im Glauben feierten, sei Christus bei ihnen.25 Die gegen sie erhobenen Anschuldigungen, sie würden ein Abendmahl ohne Christus praktizieren, hätten die Gegner nur auf Grund von Verleumdungen formuliert, ohne ihre Schriften zu lesen. Gott werde sie daher mit Sicherheit richten. Den Baslern bliebe solange nichts anderes übrig, als Gott durch Christus zu bitten, den Irrenden zu helfen und die in der Wahrheit Stehenden zu verteidigen. Nur so könne die Konkordie wiederhergestellt werden, für die die Straßburger so lange eifrig gearbeitet hätten. Trotz dieser Übereinstimmung zwischen den beiden Kirchen sollte die Ausarbeitung einer gemeinsamen Position der Schweizer, die Bucer vorgelegt werden sollte, in den folgenden Wochen Gegenstand weiterer Diskussionen und Anpassungen sein.26


2Myconius' Brief an Bullinger vom 17. September in HBBW 4, 323f., hier besonders 323,2–11 Nr. 442 (= Myconius, Briefwechsel, 298f. Nr. 278).
3HBBW 4, 323,11–13 Nr. 442. Im folgenden Brief vom 29. September schreibt Myconius an Blarer, dass dieser sich habe täuschen lassen, als er geglaubt habe, die verwendete Formel sei von Zwingli und Oekolampad in Marburg unterzeichnet worden; Schieß, Briefwechsel Blaurer 1, 555–557 Nr. 463 (= Myconius, Briefwechsel, 299 Nr. 279). Aus einem Brief von Myconius an Bullinger und Utinger vor dem 10. Oktober 1534 geht hervor, dass die Zürcher Blarer die Akten des Marburger Religionsgesprächs zugesandt hatten, um ihm eindeutig zu zeigen, dass er sich geirrt habe, als er glaubte, die Formel seien von Zwingli und Myconius unterzeichnet worden; gleichzeitig geht Myconius davon aus, dass, wenn Zwingli und Oekolampad diese Formel unterzeichnet hätten, sie dies nur aus Freundschaft getan hätten; HBBW 4, 350,5–16 Nr. 455 (= Myconius, Briefwechsel, 301 Nr. 282).
4Am Schluss warnte Myconius Bullinger vor möglichen Plänen in Zürich, ihn von der Wahrheit abzubringen (»Videor enim videre, quid apud vos tentent«), und bestätigte, dass in Basel Gerüchte kursierten, Bullinger und seine Kirche könnten nachgegeben haben; ähnliche Gerüchte erwähnt Karlstadts in seinem Brief an Bullinger, vgl. KGK 358.
5Hierzu siehe auch die Aussage Blarers gegenüber Bullinger in seinem Brief vom 5. Oktober 1534: »De mea ista recantatione nihil aliud scribo nisi hanc esse ab hostibus veritatis impudentissime ut multa alia confictam. Publicitus me purgarem, nisi peius subinde recrudescerent facta istiusmodi mala.« (HBBW 4, 342,46–343,48 Nr. 452 = Schieß, Briefwechsel Blaurer 1, 563 Nr. 468); sowie den Brief von Blarer an Bullinger vom folgenden Tag in HBBW 4, 344 Nr. 453 = Schieß, Briefwechsel Blaurer 1, 563–66 Nr. 469.
6Der Brief ist ediert in HBBW 4, 339f. Nr. 451 (= Myconius, Briefwechsel 300f. Nr. 281).
7Der Brief ist ediert in HBBW 4, 353f. Nr. 457 (= Myconius, Briefwechsel 302 Nr. 283).
8Der Brief ist ediert in HBBW 4, 397–399 Nr. 473 (= Myconius, Briefwechsel 304f. Nr. 286).
9Myconius war um den 15. September 1534 nach Basel zurückgekehrt; vgl. KGK 357 (Anmerkung).
10Zur Württemberger Konkordie siehe die Einleitung zu KGK 356 und v.a. KGK 356 (Anmerkung), wo es um die Einigungsformel geht, in der der Begriff »essentialiter« auftaucht. Karlstadt polemisiert in seinem Brief an Bullinger vom 6. Oktober 1534 über die in dieser Formel verwendete Terminologie; vgl. KGK 361.
11Siehe den Brief vom 9. November in HBBW 4, 397,6–398,18 Nr. 473: »Quamobrem Capito multis ad me ut dissidium, pro mea authoritate compescerem. Causas habuit futuram nescio quam inter ecclesias Germaniae concordiam et bellum, quod in sacramentarios, ut vocant, strueret Ferdinandus rex. Ne igitur dissidium hoc impediret concordiam et concitaret Ferdinandum in nostra praecipue capita, cupiebat istud ipsum sublatum. Nos enim solos in Germania tota dicebat esse, qui Christum non haberemus in coena praesentem, tantum vero nuda signa et inania. Quibus lectis ego stupebam, ut qui de nullo conscius forem dissidio. Inquirenti vero mihi de re diligentius compertum contentionis speciem nonnullam fuisse inter D. Paulum et Wolfium contra Carolostadium de vocibus ›essentialiter‹ et ›vere‹, an idem, an significarent diversa, atque hoc factum, dum ego essem in thermis. Noluit Carolostadius hic esse synonimiam, alii contra volebant.« Zu den Mitteilungen aus Straßburg über einen Krieg Ferdinands I. gegen die Basler, denen eine Abendmahlslehre ohne Christus vorgeworfen wurde, siehe auch den Brief vom 14. Oktober in HBBW 4, 353,3–354,6 Nr. 457: »Interea tamen ecce conturbor ab Argentinensibus, tanquam bellum immineat capitibus nostris a nescio quo Ferdinando, cuius quidem titulus futurus sit sacramentum coenae perperam intellectum. Obiectant enim nobis coenam esse sine Christo […].« Zu der Herzog Ulrich im Friedensvertrag von Kaaden auferlegten Klausel, in den württembergischen Territorien keine »Sakramentarier« zu dulden, siehe die Einleitung zu KGK 356.
12Siehe den Brief vom 9. November in HBBW 4, 398,19–21 mit Anm. 8 Nr. 473. Es handelt sich um das erste Basler Bekenntnis, das am 21. Januar 1534 veröffentlicht wurde (= VD 16 ZV 21761, hier zum Abendmahl v.a. fol. A4r–v).
13Siehe den Brief vom 9. November in HBBW 4, 398,21–26 Nr. 473: »Constituimus ergo confessionem mittere ad Argentinenses cum singulorum nominum subscriptione, ut viderent dissidium esse nullum, concordiam summam. Adiunximus libellum aęditum precantes [= das erste Basler Bekenntnis, s.o. KGK 362 (Anmerkung)], si quid esset veritati dei minus consonum, ut hoc ipsum indicarent, quamvis nihil tale inveniri posse putaremus vel ipsorum iudicio. Nam si inventum quid esset, olim indicassent, ut fratres decet.«. Die Zusendung einer neuen handschriftlich verfassten Basler Erklärung wird auch im vorhergehenden Brief von Myconius an Bullinger vom 14. Oktober bestätigt: »Misimus confessionem nostram praestolantes, quidnam sint responsuri.« (HBBW 4, 354,8f. Nr. 457).
14Vgl. Myconius, Briefwechsel 307, Nr. 291 (nur Regest); Original in KB St. Gallen, VadSlg Ms. 32, 266.
15Siehe den Brief des Myconius vom 9. November: »Hactenus vero nihil nobis responderunt de causa. Tantum docuerunt propter negocia fratres omnes non potuissea congregari.« (HBBW 4, 398,27–29 Nr. 473). Schon am 14. Oktober beklagte sich Myconius, dass er keine Antwort aus Straßburg erhalten habe (HBBW 4, 353f. Nr. 457). Vgl. Bullingers Brief an Myconius vom 28. Oktober, dem er auch eine Abschrift des an Bucer gerichteten Schreibens beifügte, das die von Myconius geäußerten Zweifel berücksichtigte (HBBW 4, 382f. Nr. 467 = Myconius, Briefwechsel 303 Nr. 284, nur Regest). Aus der Korrespondenz zwischen Myconius und Bullinger in jenen Monaten wird das Bemühen ersichtlich, Handlungen und Schriften zu koordinieren und eine gemeinsame Linie in den Beziehungen zu Bucer und Straßburg zu erarbeiten.
16Auf Druck der Straßburger und auf Wunsch von Blarer war Grynaeus für kurze Zeit an die Universität Tübingen entsandt worden um zu verhindern, dass seine Stelle mit einem lutherischen Theologe besetzt würde, wie ein Schreiben des Basler Stadtrats an Blarer vom 15. September bestätigt; siehe Moeller, Blarer Briefwechsel, 60 Anm. 1. Grynaeus war am 28. Oktober 1534 in Stuttgart eingetroffen – und zwar über Straßburg, wohin er einen heute verschollenen Brief an Myconius gesandt hatte (siehe KGK 362 (Anmerkung)). Dabei wurde er unter anderem von Johannes Herwagen und Andreas Cratander begleitet (siehe Schieß, Briefwechsel Blaurer 1, Nr. 487a). Er blieb bis zum 6. November in Stuttgart, wo er mit Schnepf über das Abendmahl diskutierte, und zog dann nach Tübingen um. Im Juni 1535 rief ihn der Basler Stadtrat wieder zurück. Nachdem Paul Phrygio ihn in Tübingen ersetzt hatte, kehrte Grynaeus daraufhin nach Basel zurück, wo er am 13. Juli 1535 eintraf.
17Es fällt auf, dass hier dieselben Begriffe verwendet werden, die während der Abwesenheit von Myconius offenbar im Mittelpunkt des Basler Streits zwischen Phrygio, Wissenburg und Karlstadt gestanden hatten; siehe oben KGK 362 (Anmerkung).
18Aus dem Brief des Myconius vom 9. November, in dem er auch einen Auszug aus dem – heute verschollenen – Brief des Grynaeus an ihn zitiert: »Fuit interea illic d. Grynęus ex itinere in Wirtenbergam. Colloquutus est. Rescripsit: ›Sic res habet: Stat illa in ęternum inconcussa veritas: Fide editur corpus Christi, sed vere, sed, ut postremum ex me audivisti, essentialiter, hoc est sic, ut mediatoris Christi caro et corpus ad salutem nostram est destinatum. Consentiunt fratres.‹ Haec ille. Ex quibus verbis equidem nihil aliud audio, quam quod nos hactenus sumus confessi ac docuimus. Miror itaque, quid velit respondendi procrastinatio, tametsi videre mihi videor, quid rei sit. Verentur, ne Carolostadius pro duricia, quam tribuunt ubique Wittenbergen[sibus], veterem suam opinionem conetur defendere, quae quidem tenere videtur nuda et inania signa in coena domini.« (HBBW 4, 398,29–39 Nr. 473). Wahrscheinlich war es Grynaeus selbst, der in seinem verschollenen Brief aus Tübingen Myconius gegenüber die Sorge vor einem Angriff Karlstadts auf die Lutheraner erwähnte; in Myconius' Antwort an Grynaeus vom 8. November 1534 sagt dieser, alle Basler seien bereit, auf eine Antwort der Straßburger zu warten, wie Grynaeus vorgeschlagen hatte, nur Karlstadt nicht; siehe Myconius, Briefwechsel, 303 Nr. 285.
19Dieses Zürcher Abendmahlsbekenntnis wurde am 22. Oktober 1534 an Ambrosius Blarer gesandt, es ist in HBBW 4, 370 Nr. 463 ediert.
20Der Brief ist ediert in HBBW 4, 388 Nr. 470. Am Ende des Briefes findet sich ein Bezug auf die Konferenz in Konstanz vom 16. bis 22. Dezember 1534. Dort versuchte Bucer, die Württemberger Konkordie – in der über die »manducatio impiorum« geschwiegen und nur Christi reale Gegenwart mit der von den Lutheranern im Marburger Religionsgespräch vorgeschlagenen Formel betont wurde – als Modell für die Verständigung zu empfehlen; die Lösung wurde sowohl von den Oberdeutschen Theologen als auch von Melanchthon in einem anschließenden Gespräch in Kassel zwischen 27. und 29. Dezember angenommen. Vgl. die am 22. November 1534 wiederholte Einladung Bucers an Bullinger, sich mit ihm zur Vorbereitung der Versammlung zu treffen, in HBBW 4, 411 Nr. 478.
21Der Brief von Bullinger und den Züricher Theologen an Myconius und die Basler Theologen vom 23. November 1534 ist ediert in HBBW 4, 413 Nr. 479: »Gratiam et vitae innocentiam a domino. Quo consilio mittant vobis fratres expositionem nostram de Sacramento eucharistiae [vgl. KGK 362 (Anmerkung)], docebit huic apposita Buceri epistola [vgl. KGK 362 (Anmerkung)]. Displicuit nobis nocturnus ille congressus. Scriptis placuit rem istam transigere. Scripta porro ea hic habetis. Si quid in his est, quod in veritatis detrimentum tendere videatur, libere indicate, et gratias vobis agemus maximas. Hoc enim potissimum nomine istaec mittimus, deinde, quod in religionis negotio nihil sine vobis, charissimis fratribus nostris, agere statuimus. Vos enim membra et viscera nostra estis. Si ergo recte iudicavimus de eucharistia, album addite calculum. Addite epistolam, qua attestemini idem vosa nobiscum sentire subscriptis singulorum nominibus. Cupimus autem, ut hoc e vestigio fiat, et per hunc quidem nuncium. Per quem, obsecro, et expositionem hanc una cum Buceri epistola remittite. Hoc enim expositionis exemplar Augustam una cum iis, quae vos reddideritis, nisi tantum subscribere placeat, Bucero mittemus. Quod autem vobis scribimus, idem et Bernatibus nostris scribimus.«
23S. o. die Briefe des Myconius vom 14. Oktober und 9. November, KGK 362 (Anmerkung) und KGK 362 (Anmerkung).
26Vgl. KGK 363.

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