Nr. 358
Andreas Karlstadt an Heinrich Bullinger
Basel, 1534, 27. September

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1. Überlieferung

[a:] StA Zürich, E II 336, 33 r–v

Es handelt sich um einen Autographen; fol. 33v enthält eine Siegelspur.

[b:] ZB Zürich, S 36, 157

Es handelt sich um eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.

Editionen:

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

In diesem kurzen Brief vom 27. September 1534 bedankt sich Karlstadt bei Bullinger für einige ihm zugesandte – und heute nicht mehr genau bestimmbare – Geschenke. Anschließend äußert er seine Bedenken über einige Gerüchte, wonach Bullinger Ambrosius Blarer bzw. dessen Unterzeichnung der Württemberger Abendmahlskonkordie mit dem lutherischen Theologen Erhard Schnepf am 2. August zuvor1 gutgeheißen habe und ähnliche Gedanken in seinen Predigten zu äußern gewillt sei.2 Obwohl Karlstadt versichert, dass er das nicht glaube, bittet er Bullinger, ihm eine kurze schriftliche Stellungnahme zukommen zu lassen, damit er besser auf die gegen Bullinger erhobenen Vorwürfe reagieren könne.3 Auch wenn er nur die Ehre seines Korrespondenten wahren wolle, entschuldige sich Karlstadt für den Fall, sollte er Bullinger durch seinen Brief beleidigt haben und bittet ihn, ein Exemplar seiner neuen Schrift zu schicken.4 Es handelte sich dabei um die Assertio utriusque in Christo naturae, in der Bullinger den alten mit dem neuen Zustand der Kirche vergleicht und das Festhalten der reformierten Kirchen am chalkedonischen Dogma bekräftigte.5 Ein Exemplar der Anfang Oktober bei Froschauer gedruckten Schrift wurde Karlstadt daraufhin umgehend zugesandt.6


1Blarers Unterzeichnung der Stuttgarter (oder Württemberger) Konkordie hatte die Schweizer Theologen zutiefst verunsichert – ein Zeichen dafür, wie angespannt die theologische Auseinandersetzung zwischen den lutherischen und den oberdeutsch-schweizerischen Kirchen war. Siehe zum Kontext und weiterführenden Literaturhinweisen KGK 356.
3KGK 358 (Textstelle). Es ist nicht klar, wer in Basel die Bedenken und Vorwürfe geäußert hatte, auf die sich Karlstadt in dem hier edierten Brief bezieht. In einem Schreiben vom 17. September 1534 berichtet Myconius an Bullinger, er sei zunächst über das von Blarer unterzeichnete Abendmahlsbekenntnis (die sogenannte Württemberger Abendmahlskonkordie) erschrocken, habe dann aber beruhigende Nachrichten aus Stuttgart erhalten. Myconius schließt seinen Brief auch mit einer Aufforderung an Bullinger, sich nicht von der richtigen Lehre (derjenigen Zwinglis) abbringen zu lassen. Myconius' Brief an Bullinger ist ediert in HBBW 4, 323f. Nr. 442.
6Vgl. KGK 359.

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