Nr. 359
Verschollen: Verschollen: Andreas Karlstadt an Theodor Bibliander
[Basel], [1534, vor 3. Oktober]

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1.

Theodor Bibliander an Oswald Myconius am 3. Oktober 1534: »Carolostadius cum honorifica tui mentione mihi perscripsit, te in certamine super voce Iehova, calentibus viris disputantibus et ad mei mentionem nescio quid immurmurantium[?] edixisse, me Literarum Hebr'aicarum' esse doctissimum.«1

2. Inhaltliche Hinweise

In einem Brief an Myconius vom 3. Oktober 1534 berichtet Theodor Bibliander, dass Karlstadt ihm – offenbar in einem heute verschollenen Brief – mitgeteilt habe, wie der Basler Antistes während einer Disputation über den Namen Jehovas Bibliander als einen in der hebräischen Sprache gelehrten Mann bezeichnet habe.2 Dieser Hinweis auf eine Korrespondenz zwischen Karlstadt und Bibliander überrascht nicht; die beiden hatten sich sicherlich während ihres gleichzeitigen Aufenthalts in Zürich zwischen 1531 und 1534 kennengelernt,3 und auch nach Karlstadts Wechsel nach Basel dürfte der Kontakt nie abgerissen sein, wie auch die über Myconius oder Bullinger ausgetauschten regelmäßigen Grüße bezeugen.4 Leider kann der Inhalt des hier dokumentierten Briefes anhand der bekannten Quellen nicht rekonstruiert werden; es lässt sich nur vermuten, dass die Korrespondenten darin Informationen über ihre Verpflichtungen und Studien austauschten. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Karlstadt sich an Bibliander gewandt hatte, um die Vorlesung vorzubereiten, die er gerade in Basel über den hebräischen Text des Deuteronomiums hielt und von der er auch Bullinger berichtet hatte.5


1Original in der Biblioteka Jagiellonska Kraków, Autographensammlung (ehemalige Signatur: Radowitz, Nr. 30); siehe auch Myconius, Briefwechsel, 300 Nr. 280 (nur Regest). Dr. Rainer Henrich (Zug) sei hier für seine Unterstützung bei der Transkription herzlich gedankt.
2Genauere Informationen zu dieser Disputation gibt es nicht; sie wurde höchstwahrscheinlich nach dem 15. September 1534 gehalten; erst an diesem Tag war Myconius von seiner Badekur wieder in Basel eingetroffen (vgl. KGK 357 (Anmerkung)). Auf den Gottesnamen wird Karlstadt in den Th. 108–117 und 170f. seiner Themata (KGK 377) eingehen.
4Siehe z.B. KGK 354, KGK 357.
5Siehe hier v.a. KGK 357.

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