Nr. 362
Tilmann Limperger, Oswald Myconius, Paul Phrygio, Andreas Karlstadt und die anderen Pfarrer von Basel an Heinrich Engelhardt, Heinrich Bullinger und die anderen Pfarrer in Zürich
Basel, 1534, 26. November

Text
Bearbeitet von Stefania Salvadori
Buchsymbol fehlt

D'omino' Heinricho Engelharto,
D'omino' Heinricho Bullingero, cae-
terisque
fratribus Christum Tiguri
docentibus, dominis et fratribus
in Christo chariss'imis' suis.

Buchsymbol fehlt

S'alutem' et pacem per Dominum. hanc vestram confessionem1 diligenter, quamvis tempus breve
esset, lectam non nunc primum adprobamus, sed olim quoque confessi sumus,
et Deo, et libello in hoc aedito germanice,2 mundo.a et ante dies non multos
fratribus Argentinensibus, qui scriptis literis eam ipsam elicuerunt,3 hoc potissi-
mum
verbo, quo scripserant, illud per Germaniam pene ferri de nobis, ha-
bere
coenam sine Christo.4 Hoc itaque pati nequeuntes, coacti sumus ad con-
fessionem
super eucharistiae sacramento faciendam veluti de novo, Par est
per omnia, quod adtinetb ad mentem vestrae, brevior est expositio, interim a
vestra tamen nihil poenitus dissonans.c5dIameArgentinenses et
nostram sententiam de praesen-
tia
Domini in coena, deque toto coenae probarunt
negocio literis, et pro-
priae
manus cuiusque
subscriptione,6 excepto
Bucero, ut qui do-
mi
, sicut scitis, non
fuerit.d7Cui vero non constat, pio saltem,
quod ubi Fides existit, ibi et Christum vere esse? Contra ubi fides nulla,
nullum etiam Christum esse? Quamobrem si coenam agentes fideles fuerimus, ne-
cesse
est, ut Christum habeamus praesentem, edamusque dumf panem sumimus,
et vinum bibimus. Istud quidem ex dicto verbo satis superqueg notavimus,
adversarios in hac causa nostros, fidem Christi poenitus negare nobis, namh
alioquii de coena nostra tam improbe iudicare non possent.8 Verum quaenam
haec malignitas, negare fidem eis, qui Christum docent tam synceriter?
Imo qui gloriari audent cum Paulo, se nihil scire prorsus, nisi Iesum
Christum, et hunc crucifixum?9 Videntur contemnere libros, qui scripti
sunt, quique scribuntur a nostris, hos etenim non legunt, interim tamen
credunt delatoribus, et quicquid hi deferunt, arripientes firmant, quo-
circa
quid deinde aliud, quam meras calumnias dicerent? Iudica-
bit
istos olim Dominus procul dubio.10 Nostrum est, unanimiter rogare Deum
per Dominum nostrum Iesum Christum, ut mentis sanitatem largiatur, qui carent,11
defendat qui habent, tum enim nemini dubium esse potest, quin concordia con-
sequatur
in jEcclesiaj talis, qualem iam diu bono quidem zelo quaesierunt
fratres Argentinenses. Dominus nos omnes conservet in aeternum. Valete
semper fide salvak et inconcussa. Basileae raptim. xxvi. Novembris, annol
M.D.XXXIIII.m

Telamonius Limpergius12

Johannes Luitthardus13

Osvaldus Myconius.

Thomas Gyrfalckoniusn14 Paulus Phrygio.15

Joannes Gastius16

Andreas Carolostadius

Michael Glasser17

Volffgangus Wisenburgiuso18

Michael Capitariuspdiaconus Leonardip19

Marcus Bersius20

Burckardus Rottpletzq21

Benedictus Wideman22


agestrichen und mit einem Zeichen auf derselben Zeile vor mundo eingesetzt c
battinet d
cdissonaus d
d-dam Rande nachgetragen a
efolgen durchgestrichen unlesbare Buchstaben a
fcum b
gsuperius c
hfehlt c
ifolgt enim c
j-jfehlt b
kfolgt semper c
lfehlt d
m1534 b, d
nGyrfalckonius c
oWolphgangus b
p-pfehlt b
qfolgt Singuli propriis manib 'us' asscipsere nomina. b; Singuli propriis manibus adscipsere nomina. d

1Am 22. Oktober 1534 hatte Bullinger Ambrosius Blarer das Zürcher Abendmahlsbekenntnis zugesandt; vgl. die KGK 362 zu dieser Einheit. Zur Kontextualisierung siehe auch Köhler, Zwingli 2, 346. Das Zürcher Abendmahlsbekenntnis wurde auch von den Pfarrern der Stadt und Landschaft Bern begutachtet; vgl. Berchthold Haller an Heinrich Bullinger, 17. November 1534 (HBBW 4, 407–409 Nr. 476).
2Gemeint ist hier das erste Basler Bekenntnis vom 21. Januar 1534; vgl. KGK 362 (Anmerkung).
3Der Brief der Straßburger an die Basler ist verschollen. Auf dieses Schreiben und auf die gegen die Basler Kirche erhobenen Vorwürfe – die mit der Übersendung sowohl des gedruckten ersten Basler Bekenntnisses (vgl. KGK 362 (Anmerkung)) als auch einer weiteren handschriftlichen Abendmahlserklärung reagierte – bezieht sich Myconius in seinen Briefen an Bullinger vom 14. Oktober und dann 9. November 1534; siehe die KGK 362 zu dieser Einheit.
4Ein ähnlicher Vorwurf wird auch in Myconius' Brief an Bullinger vom 14. Oktober 1534 erwähnt; vgl. KGK 362 (Anmerkung).
5Diese nach Straßburg gesandte Erklärung der Basler Theologen ist heute verschollen. Der Inhalt wird jedoch in einem Brief des Myconius vom 18. Dezember 1534 an Haller und die Berner Theologen wiedergegeben; siehe die KGK 362 zu dieser Einheit mit KGK 362 (Anmerkung).
6Das Schreiben der Straßburger ist heute verschollen; s.o. KGK 362 (Anmerkung).
7Vom 6. November bis 9. Dezember 1534 hielt sich Bucer in Augsburg auf; von dort schrieb er am 22. November einen Brief an Bullinger (HBBW 4, 411–413 Nr. 478).
8Zu den gegen die Basler erhobenen Vorwürfen, sie praktizierten ein Abendmahl ohne Christus, s.o. KGK 362 (Anmerkung).
11Vgl. Jak 1,5.
12Tilmann Limperger (Limpurger), um 1455–1535, aus Mainz, Augustiner, nach Studium in London und Bologna ab 1487 in Freiburg i.Br., 1489 Prior des dortigen Augustinerkonvents, 1491 Provinzial der oberrheinischen Kirchenprovinz und 1493 Regens in Straßburg, 1498 Titularbischof von Tripolis und Weihbischof von Basel, wo er sich mit Oekolampad anfreundete, 1525 Münsterprediger, wegen evangelischer Gesinnung jedoch seines Amtes enthoben und 1527 auch als Weihbischof abgesetzt, nach Einführung der Reformation 1529–1535 Prediger am Münster in der Stellung eines Archidiakons, vgl. HBBW 4, 416 Anm. 10 Nr. 480.
13Johannes Lüthard, gest. 1542, aus Luzern, Franziskaner zunächst in Luzern, dann Prediger im Barfüßerkloster Basel unter dem Guardian Konrad Pellikan. Lüthard las früh Luther-Schriften, predigte schon im Herbst 1519 evangelisch, legte 1520/21 das Matthäusevangelium aus, stellte aber das Messelesen mit Rücksicht auf Schwache spät ein. Von 1529 bis zu seinem Tod am 8. Juli 1542 war er Prediger zu Barfüßern und Spitalpfarrer in Basel. Im Abendmahlsstreit stand er auf der Seite von Myconius Vgl. HBBW 4, 416 Anm. 12 Nr. 480.
14Thomas Gyrfalk (Geyerfalck, Geierfalk, Girfalckonius), gest. 1560, gebürtig aus dem oberen Elsass, in der alten Diözese Basel, Lesemeister im Augustinerkloster Freiburg i.Üe., das er wegen seiner evangelischen Gesinnung Anfang 1524 verlassen musste, anschließend auf Empfehlung Cornelius Agrippas Prädikant und Lesemeister zu den Augustinern in Basel, 1526 Teilnahme an der Basler Disputation, 1529 Diakon und Prediger an der Münsterfiliale St. Elisabeth, 1535 am Münster, 1551/52 Vertreter von Myconius. vgl. HBBW 4, 416 Anm. 13 Nr. 480.
15Zu ihm siehe KGK 354 (Anmerkung).
16Johannes Gast, gest. 1552, aus Breisach kam spätestens 1525 nach Basel zu Adam Petri. Er schrieb Oekolampad-Predigten und -Vorlesungen nach, die er später veröffentlichte. Ab 1529 Diakon an der Münsterfiliale St. Martin in Basel, im Frühjahr wohl wegen seiner scharfen Kritik an den kirchlichen und sittlichen Zuständen in Basel, den Professoren und seinen Mitpfarrern seines Amtes enthoben, nach kurzer Zeit jedoch begnadigt. Nahe Beziehungen zu Myconius, den Buchdruckern und trotz anderer Abendmahlsauffassung zu Bucer und Conrad Hubert in Straßburg. Vgl. HBBW 4, 416 Anm. 14 Nr. 480.
17Michael Glaser oder Pfister (Pistoris, Appollodorus), ab 1529 Pfarrer an St. Jakob bei Basel, 1530–1532 in Großhüningen und 1532–1539 Diakon an der Münsterfiliale St. Alban in Basel. Vgl. HBBW 4, 416 Anm. 15 Nr. 480.
18Wolfgang Wissenburg (1496–1575) aus Basel, 1510 hier immatrikuliert, Studium der Theologie und Mathematik, 1515 Magister, 1520 Dozent für Mathematik, 1518 Pfarrer am Spital, 1526 Teilnahme an der Badener, 1528 an der Berner Disputation, 1529–1541 Pfarrer an St. Theodor in Kleinbasel, 1540 Doktor der Theologie, 1542–1554 Nachfolger von Simon Grynaeus als Professur für Neues Testament, 1542–1549 zusätzlich Pfarrer an St. Peter. Vgl. HBBW 4, 150 Anm. 1 Nr. 240.
19Michael Holtzenkopf (Capitarius, Mühlysen, Wagner), gest. 1564 aus Münchenstein bei Basel, 1524–1533 Pfarrer in Nunningen (Kt. Solothurn) und zugleich 1528–1530 Bretzwil (Kt. Baselland) und 1530 auch Seewen (Kt. Solothurn). 1534 Diakon an St. Leonhard in Basel, 1540–1564 Pfarrer in Liestal. Vgl. HBBW 4, 416 Anm. 16 Nr. 480.
21Burkhart Rothpletz aus Brombach, nach Studium in Freiburg i.Br. ab 1505/1506 in Basel, 1528 Teilnahme an der Berner Disputation, danach Pfarrer in Läufelfingen (Kt. Baselland), 1531–1550 Helfer an St. Theodor in Basel. Vgl. HBBW 4, 416 Anm. 17 Nr. 480.
22Benedikt Widmann (Wydmann), ab 1529 Helfer an St. Peter in Basel, ab 1537 Mittagsprediger in Biberach, wo er die Abendmahlslehre der Ersten Basler Konfession vertrat. 1543/44 entfachte der Lutheraner Jakob Schopper daraufhin den sog. »Biberacher Abendmahlsstreit«, der durch Martin Frecht im Sinne Bucers beigelegt wurde. Vgl. HBBW 4, 416 Anm. 11 Nr. 480.

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