Nr. 346
Andreas Karlstadt an Oswald Myconius
Zürich, 1534, 28. Mai

Text
Bearbeitet von Stefania Salvadori
Buchsymbol fehlt

Eximio pioque Viro D. Oswaldo Myconio,1
Basileae concionantium primario,
fratri et patrono caris-
simo
.

S'alutem'.

Litteras tuas heri, vir eruditissime Domino
Henricho Bullingero tradidi.2Fratribus3 igitur ho-
die
congregatis visum est, eam rem ad magistra-
tum
4 deferendam;5 proinde duo delegati, Dominus
Bullingerus et Praepositus,6 qui assumpto me, vices
consulis gerentem, consulunt, an sat sit minorem
senatum convenisse, qui consulita utrique Senatui7
rem exponendam, condictusque est dies procrasti-
nus
,8 quo Deo volente gratiam agemus pro bene-
ficiis
, vestram vocationem caeteraque prolaturi.
Nec dubito dimissuros me, nisi oberit Domini
Bullingeri commendatio, qui ex Musca me fa-
cit
elephantum.9 Quod celare tibi, vir aman-
tissime
, nolui, praesertim ubi intellexi, Chun-
radum
10 isthuc profecturum; reliqua mox. Oblata
navis hinc isthuc natatura ab aliis conducta, quae
supellectilem, uxorem et liberos avehet. Quare
Dominum Marcumb11 precor, ut aedes impetret,
atque si fieri potest, una cum horto. Tiguri, die
Maii 28. Anno 1534.

Tuus Carolostadius.


avom Editor verbessert für consulunt
bfolgt ein Verweis auf den unterstehenden Eintrag von anderer Hand Berzium a

1Zu den Kontakten zwischen Karlstadt und Myconius siehe KGK 332.
2Es ist nicht klar, welche Briefe Karlstadt am 26. Mai Bullinger überbrachte. Karlstadt hielt sich am 19. Mai in Basel auf, wo er an der dortigen Synode teilnahm, so dass er Myconius' Brief an Bullinger vom 20. Mai 1534 persönlich hätte überbringen können (HBBW 4, 180–182 Nr. 377 = Myconius, Briefwechsel, Nr. 261). Da der Zeitpunkt von Karlstadts Rückkehr nach Zürich ungewiss ist und zum Zeitpunkt der Abfassung des hier edierten Briefes an Myconius seine Berufung nach Basel in Zürich offenbar bekannt war (s.u.), könnte er auch den späteren Brief des Basler Pfarrers an Bullinger und Zürcher Theologen vom 25. Mai (HBBW 4, 192f. Nr. 383 = Myconius, Briefwechsel, 289 Nr. 263) zugestellt haben, in dem Karlstadts Berufung nach Basel offiziell bestätigt wurde. Zu diesen beiden Briefen und dem historischen Kontext siehe die Einleitung zu dieser Einheit.
3Die Zürcher Pfarrer.
4Vermutlich der Bürgermeister Diethelm Röist.
5Offensichtlich war der Brief der Basler Pfarrer mit der offiziellen Berufung Karlstadts nach Basel (s.o. KGK 346 (Anmerkung)) bereits in Zürich angekommen.
6Felix Frey, seit 1516 Propst des Großmünsterstiftes, zu ihm siehe HBLS 3, 246.
7Zur politischen Struktur Zürichs, dem kleinen und großen Rat und deren Verhältnis zum Großmünsterstift siehe Jacob, Führungsschicht und Goppold, Kommunikation.
8Am 30. Mai 1534. Siehe den Bericht über das Treffen in Karlstadts Brief an Myconius vom selben Tag in KGK 347.
9Vgl. Erasmus, Adag. 869: »Elephantum ex musca facis« (ASD II-2, 388).
10Der Bote ist nicht eindeutig identifizierbar. Myconius, Briefwechsel, 289 Nr. 263 stellt die Vermutung auf, dass es sich um Konrad Klauser gehandelt haben könnte, einen Schüler von Myconius, der sich am 31. März in Zürich aufhielt, wie Theodor Bibliander in seinem Brief an Myconius von jenem Tag bezeugt (siehe Myconius, Briefwechsel, 279 Nr. 250).
11Gemeint ist vermutlich Markus Bertschi (1483–1566), seit 1523 Pfarrer von St. Leonhard in Basel. Zu ihm siehe HBBW 1, 219 Nr. 41 mit Anm. 1. Wie und wann Karlstadt ihn kennenlernte (wahrscheinlich auf der Basler Synode vom 19. Mai, an der Karlstadt ebenfalls teilgenommen hatte, siehe dazu die Einleitung zu dieser Einheit) und warum er ihn um Hilfe bei der Suche nach einem Haus in Basel bat, bleibt offen.

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