Nr. 347
Andreas Karlstadt an Oswald Myconius
Zürich, 1534, 30. Mai

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1. Überlieferung

[a:] ZB Zürich, Ms. F 80, fol. 355r–v

Ein Autograph; Notizen von unbekannter Hand am Rand, die den Inhalt des Briefes in Stichworten zusammenfassen.

[b:] ZB Zürich, S 35, fol. 167v

Eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.

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Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

Zwischen April und Mai 1534 wurde über eine Berufung Karlstadts nach Basel diskutiert, die in einem Brief der Theologen der Rheinstadt an ihre Zürcher Kollegen vom 25. Mai offiziell konkretisiert wurde. Das Ansuchen der Basler sollte am 30. Mai den beiden Zürcher Stadträten zur endgültigen Genehmigung vorgelegt werden, wie Karlstadt selbst ein paar Tage zuvor in einem Brief an Myconius angekündigt hatte.1 Über das Ergebnis des Treffens vom 30. Mai berichtete Karlstadt noch am selben Tag in seinem Brief an Myconius. Als Bullinger und Felix Frey die Berufung Karlstadts nach Basel mitteilten, sprachen sich beide Stadträte gegen eine Entlassung aus.2

Karlstadt bat daher um eine Verbesserung seiner Bedingungen in Zürich, konkret um eine Verringerung der ihm anvertrauten wöchentlichen Predigten von sechs auf fünf, und erwartete eine baldige Antwort,3 noch bevor sein Sohn zu Grynaeus zurückkehrte.4 In den nachfolgenden Zeilen reagiert Karlstadt rhetorisch auf zwei Ebenen auf eine Entscheidung, die, wie er betont, nicht in seiner Macht stehe. Er unterlässt es nicht, seine Dankbarkeit gegenüber den Zürchern zu betonen. Er macht aber auch deutlich, dass er es vorziehen würde, nach Basel zu ziehen, um sich der Förderung der Wissenschaften und insbesondere der Dialektik zu widmen – sei es auch nur für ein paar Jahre und unter eigener Beteiligung an den Kosten.5 Der Brief schließt mit Grüßen an die anderen Basler Theologen. In den folgenden Wochen wurde in einem regen Briefwechsel zwischen Basel und Zürich nach einer Lösung gesucht.


1Karlstadts Brief an Myconius vom 28. Mai 1534 ist in KGK 346 ediert, auf den hier auch für die Kontextualisierung von Karlstadts Berufung nach Basel verwiesen sei.
3Zu Karlstadts Aufgaben in der Zürcher Kirche, einschließlich seiner Predigttätigkeit, siehe auch KGK 349.

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