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Oswald Myconius an Karlstadt, 16. April 1532 aus Basel: »Nescis quam rem mihi gratam feceris, quod literis me hiis dignatis cariss'im'e simul et doctiss'im'e Carolstadi […]. Petierum de foeno graeco, fecisti quod volebam, et uti volebam. Pro qua re tibi ingentes habeo gratias […].«1
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 446f.
2. Inhaltliche Hinweise
Nach seinem Studium in Basel wirkte der in Luzern geborene Oswald Myconius zwei Jahre dort als Lateinschulmeister und kam 1516 an die Lateinschule des Chorherrenstifts am Großmünster in Zürich.2 Spätestens 1518 freundete er sich mit Zwingli an, mit dem er nicht nur eine feste humanistische Ausbildung im Sinne des Erasmus teilte, sondern auch ein wachsendes Interesse an den Ereignissen in Wittenberg.3 Im November 1519 verließ Myconius jedoch Zürich und nahm eine Stelle an der Stiftsschule zu St. Leodegar in Luzern an. Zunehmend der Reformation nahestehend und damit in offenem Konflikt mit mächtigen kirchlichen und politischen Gegnern der Stadt, wurde Myconius im August 1522 vom Luzerner Rat entlassen.4 Er verbrachte als Nachfolger von Leo Jud ein Jahr – 1523 – in Einsiedeln, wobei unklar ist, welche Tätigkeit er dort ausübte, da er nicht geweiht war.5 Spätestens im Februar 1524 zog er nach Zürich, wo er neben seiner Tätigkeit als Schulmeister begann, öffentliche Vorträge über die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Paulusbriefe zu halten. Zu diesem Zweck erhielt er nach der Abschaffung der Messe im April 1525 eine Kathederstelle im Fraumünsterchor.6 In diesen Jahren festigte sich Myconius' Verbindung mit Zwingli, dessen treuer Mitarbeiter er bei der Einführung der Reformation in Zürich wurde. Nach der zweiten Schlacht von Kappel und dem Tod Zwinglis bewarb sich Myconius, ebenfalls um sein Leben fürchtend, um eine Predigerstelle in Basel als Ersatz für den Diakon zu St. Alban, Hieronymus Bothanus.7 Am 22. Dezember 1531 erhielt er die Ernennung und zog wahrscheinlich Anfang Januar 1532 nach Basel, wo er ein Netzwerk alter Freunde und Bekannter vorfand.8 Am darauffolgenden 9. August wählte der Rat Myconius als Nachfolger Oekolampads zum Pfarrer am Münster.9 Er übernahm auch die Professur für Neues Testament an der Universität10 und blieb oberster Pfarrer der Basler Kirche bis zu seinem Tod 1552.11
Es bleibt unklar, wann und wie Karlstadt und Myconius in Kontakt kamen. Dies geschah vermutlich im Rahmen des kirchlichen Lebens und der lectiones publicae in Zürich, an denen Karlstadt ab dem Sommer 1530 teilnahm.12 Zu dieser Zeit leitete Myconius die Vorlesungen im Fraumünsterchor.13 Es ist sehr wahrscheinlich, dass die beiden also schon während ihres gemeinsamen Aufenthalts in Zürich Gelegenheit hatten, Bücher und Ideen zu theologischen Themen, aber auch zu literarischen Fragen auszutauschen sowie einander Hilfe zu weiteren praktischen Bedürfnissen zu leisten. Dass ihr Kontakt auch nach der Rückkehr Karlstadts nach Zürich im Januar 153214 und dem fast zeitgleichen Umzug Myconius' nach Basel fortgesetzt wurde, bezeugt die Korrespondenz zwischen den beiden in den folgenden Monaten. Ein Brief von Myconius an Karlstadt vom 16. April 1532 (KGK 333) bestätigt, dass ein oder mehrere heute verschollene Briefe bereits von Myconius an Karlstadt geschickt worden waren. Wir kennen den Inhalt dieser Schreiben nicht, aber bei mindestens einer Gelegenheit hatte Karlstadt auf Myconius' Bitte, ihm Bockshornklee zu schicken, geantwortet15 – unklar bleibt, ob durch einen weiteren Brief desselben, der jetzt verschollen ist, oder durch einen direkten Austausch vor seiner Abreise nach Basel. Die kurzen Hinweise in der Korrespondenz deuten jedoch auf ein noch freundschaftliches und respektvolles Verhältnis zwischen den beiden hin.
KGK 331
