Nr. 301
Erklärung, wie Karlstadt seine Lehre von dem hochwürdigen Sakrament und andere achtet und geachtet haben will
1525, [September / Anfang Oktober] Entstehung: [1525, Juli]

Text
Bearbeitet von Niklas Henning

Buchsymbol fehlt Erklerunga1
wie Carlstat sein
lere von dem hoch-
wirdigen Sacra-
ment und andere
achtet und geacht
haben wil.
bWittemberg 1525. b
Buchsymbol fehlt Mart'in' Luther.
Allen lieben Christen
gnad und fride ynn Christo
unserm heyland.


Es hat myr Doctor Carlstat aber eyn buchlin2 zu-
gefertiget
3/ darynn er sich und seyne schrifft verkleret4/ son-
derlich
die/ so er vom hochwirdigen Sacrament hat
lassen ausgehen.5 Und bin des hochlich erfreuet/ das erc
frey offentlich bezeuget/ er wolle solche seyne lere/ nicht als
fur eyne gewisse und beschlossene warheyt gehalten ha-
ben
/ wie er auch selbst noch nicht hallte noch halten
kan/ sondern habe seyne meynung und synn/ dfrage weyse d
an den tag geben/ zu horen und erfaren/ wol man die war-
heyt
můge grundlich und statlich erweysene und bekreff-
tigen
. Und zwar wenn ich hynder mich gedenck6 und
mich umbsehe/ so ist myr selbst wol bewust/ das fast al-
ler
seyner buchlinf Titel odder oberschrifft/ dermassen lau-
ten
und gestellet sind/ das er gleich eynen wahng7 und dis-
putation
furgebe/ und nichts endlichs/ als artickel des
glaubens/ schliesse/8 denn so lauten gemeyniglich9 seyne
titel/ Ob man aus der schrifft dis odder das beweren10
můge〈.〉11 Dazuh seyner vorrede auch ettliche bedingen12/ das er
frage und forsche/ und andern ursache/ mit zu fragen
gebe und mit zuforschen reytze.13

Aber14 weyl er so mit trefflichen hefftigen worten ynn
seym schreyben die sache handelte/ und ich sahe/ das so
viel leute drauff fielen und sich dran hingen/15 vergas ich
seyner titel undi vorrhede/ und meynet selbs furwarj nicht
anders/ denn es were seyne ernste meynunge/ und also ist
villeicht allen andern auch geschehen/ der halben yhm
warlich wol von noͤtten ist/ und er auch schuldig war/
solche verklerungek16 aus zulassen17. Und wie wol es ferlich18
ist/ ynn sachen und artickeln des glaubens/ wancken/
Buchsymbol fehlt zweyffeln odder allererst19 disputirn/ so yemand endlich
drynnen beharret/ so sind wyr/ so da gewis sind/ doch
schuͤldig/ den selbigenlmwanckenden und fragenden m her-
tzen
zu helffen/ und ynn solcher ferlickeyt20 die hand zurey-
chen
/ yhre frage und forschen/ ursachen und bewegungen
freundlich zu hoͤren/ und mit der schrifft zuverlegen21/ und
yhnen herauso zuhelffen. Denn es ja nicht zuverzweyffeln
ist an denen/ die da wancken und umb rechten grundt22
fragen und bitten/ als die noch nicht verstockt23 und ver-
suncken
sind/ sondern noch auff schiessen24 und schwym-
men
und gerne zum uffer wolten.

Denn das las yhm25 eyn iglicher gesagt seyn/ Was
aus dem heyligen geyst gelert odder verstanden wird/
das hat dise zwo tugent an sich/ Erstlich/ das es ge-
wis
und sicher macht/ denenp der es hat/ wie Johannes
spricht 1. Johan. 2. Wie euch die salbung leret/ so ists
war/ und ist keyne luͤgen.26 Zum andern/ das es mutig/
freydig27/ und getrost macht/ solchs auch zubekennen wid-
der
tod und teuffel〈.〉28 Darumb heyst er auch Spiritus ve-
ritatis
/ Eyn geyst der warheyt29/ Geyst/ das er mutig
und getrost macht/ Warheyt/ das er sicher und gewis
macht/ das nicht anders sey noch seyn kan. Weyl nu
D'octor' Carlstadq/ Zwingli und auch alle ander/ so diesen ar-
tickel
30 handeln/ aus eym wahnr31 und fragen davon reden/
wie sie selbs bekennen/ ists gewis/ das sie den geyst ynn
dem stuck32 noch nicht haben/ auch aus menschlichem
dunckel33 und nicht aus dem geyst reden〈.〉 Drumb sich eyn
iglicher fur yhrer meynunge also huͤten und halten soll/
das er nicht drauff falle und dran hange/ sondern so er
auch mit yhnen zweyffelt und wehnet/ harren34 und verzi-
hen
35/ bis er auch gewis und sicher werde/ oder wird seyne
seele ynn ferlickeyt36 geben/ Denn was wyr gleuben sollen/
das mus nicht wahns noch dunckel37/ sondern gewisse
warheyt seyn/ darůber wyr tausent helsse lassen38 moͤch-
ten
. Gottes gnadet sey mit unsu.v AMEN.

Buchsymbol fehltWeyl ich wAndres Boten-
stein von Carlstadw/ verneme/ das etliche auff meine buch-
er
/ wilche ich von dem hochwirdigen Sacrament ge-
schriben
/ als auff ein bewerte gotliche lere fallen39/ und
das nu fur gewis halten/ das der leyb Christi in dem
Sacrament nicht leyplich sein kanx/mus ich mich besser
erkleren40/ und was yderman von meyner schrifft halten
soll/ vermelden.

Wie wol ich gemeint/ das niemand eyneny solichen ernst-
lichen
synn aus meynen buchern schepffen mocht/ den er
fur eynen gewissen gotlichen grund41 achten wurd/ die
weil ich mit klaren worten schreib/ das ich Christliche
weisung annemen wolle42/ domit ich mich ye heymlich43
schuldig gebez und bekenn/ das ich selbs noch ungewiß
bin. Item/ weylaa ich auch schreib/ das ich kein schrifft
hab/ wilche mich zu dem alten oder anderm verstand44
dreyb/ und meyn schreiben alßo gestelt hab (als mich
dunckt) das ye draus verstanden sal werden/ das mich
kein schrifft fahe45/ noch unter disen gehorsam werff/
das ich sagen muͤstab/ Der leyb Christi muß leyblich yn
des Hern brot seyn etc.

Denn das red und schreib ich von meynem kopff und
von meyner vermogenheit46 und verlihener gnad/ und ni-
cht
von aller menschen verstand und gnad47/ Wenn48 bey
solcher schrifft oder rede steht auch/ das alles unaußge-
schlossen
/ das viel tausent zu finden seind/ wilche viel ge-
schickter
augen und oren von Gott haben entpfangen/
denn ich/ die Gottis wort grundtlicher vernemen kuͤnden
denn ich/ die einen verstand gottis49 finden/ an dem ort/ da
ich nichts finden mag/ Denn ich weiß es wol/ das ich
durch naturliche krefften50/ den synn heyliger schrifft nicht
vermag ergrunden noch außgraben. Das alles solten
die leser meyner bucher bedacht haben/ und nichts fur be-
werdt
51 und gotlich52 halten/ ehe sie sich auß der heyligen
schrifft Gottes versicherten/ acDie weylsac aber nicht gesche-
en
ist/ und noch nicht viel geschicht/ sollen das soliche
Buchsymbol fehlt Junger53/ ßo allein fassen werdo54 schreibet/ wissen.55

Das ich wol willens bin gewest/ ein gotliche und
bewerte lere zu geben/ Aber nicht ehe/ auch nicht weyter/
denn so wir56 die schrifft genugsam erforschet und durch-
wuͤelt
hetten. Alßo das wir eigentlich wisseten und nicht
meyneten/ gewiß wurden/ und nichts mehr zweifelten/
Ehe das geschicht/ wilchs nochad ungescheen ist/ solt mein
lere nichts besserae geacht werden/ denn als eyn wahnaf und
gutdunckel57.

Und die leuthe58 solten die zeyt nachforschen und erken-
nen
und keyn volkoͤmlichs odder schlislichs59 urteyl aus
meyner schrifft schepffen/ sonder still stehn60. Als Paulus
leret/ Eyner odder zween sollen reden/ die andere urteylen
oder erkennen/ So aber eynem eyn offenbarung geschicht/
soll der redner schweigen.61Des solten sich meyne leser be-
fleissen
ag/ nemlich erkennen/ und nicht schlissen noch ge-
wis
machen/ ehe die offenbarungah kommen wehr/ odder
ehe sie von Gottes wort uberwunden und gefangen
und ynn eynem gehorsam Goͤttlicher warheyt getrieben
weren.62

Aber derai meinsteaj63 teyl/ verlest die heylige schrifft/ak und
wenig achten was ynn der schrifft gegruͤndt ist/ aber vil64
rhuͤmen personen65/ und haben keynen andern trost odder
grundt/ denn diesen sandichten66/ Der oder yhener hats ge-
schrieben
/ der lernet67 das/ ich halts mit yhm. Also suchen
sie nicht den bornal68 der lebendigen und unbedriglichen69
wasser70/ sondern cistern71/ aus welchen natuͤrlich nicht
guts und keyn warheyt flyssen kan/ sondern torheyt/ be-
drug
etc. Nemlich/ Sie verlassen Gott/ und sehen men-
schen
an/ von welchen steht geschrieben/ Was aus ihren
hertzen gehet/ das befleckt sie/ Matthei 15.72 Item/ Alle
menschen seind luͤgner Psal. 17am.73 keyner achtet Gott Psal.
an20. 3.an74 Wissend yhr nicht was die schrifft redt?75 Spri-
cht
nicht aoGott alsoao? Verflucht ist der auff menschen
vertrauet?76 Item/ Alles was fleisch und blut offenbart/
das ist Satanisch und nicht Goͤtlich/77 verfuͤrisch und
nicht warhafftig/ verechtlich und nicht loͤblich/ Ist
Buchsymbol fehlt das nicht erschrecklich/ das menschliche weyssheyt eyn
feyndtschafft kegen Gott ist?78 Und das unser weyss-
heyt
Gott nicht kan wolgefallen?79Daraus solt yhr yhe
allesampt klug und gewis seyn/ das nicht gut ist/ noch
Goͤttlich geseyn80 kan/ was das fleysch und das blut des
Carolstatsap81 erfindt/ versteht und furlegt odder lernetaq82. Nu
aber ist es nicht gut noch83 unferlich84? Ey so solt yhr bil-
lich
85 yns Carlstats buͤchern fuͤrchten/ das yhr etwas fur
Gottis86 erhaschenar moͤcht/ das Carlstats ist/ Etwas fur
gut/ das boͤs ist/ moͤchtet erwischen.87 Nu thut augen
und hyrn88 auff und bittend Gott/ das er euch fur89 fal-
scher
lere beware/ so offt yhr der menschen buͤcher lesend.
Warlich myr ist es yhe widderas90 gewest/ das etliche auff
die person zufallen und drauff behafften.91 Wiltu aber
nach personen rhuͤmen Zwinglium odder Carlstat/ so
wuͤrdestu nichts gewinnen/ als itzt gesagt ist/ und dich
ynn ferlickeyt setzen/92 als93 ich dich itzt gewarnet hab. Uber
das94 weyssestu fast wol95/ das viel heyligen sind gewest/
und noch sind96/ welche disse lere/ Der leyb Christi ist leyb-
lich
ynn dem Sacramentat und wird leyblich genossen/
fur Goͤttlich halten. Wie viel mertererau97 sind ynn disem
glauben verstorben/ Wie viel der ander heyligen? Wiltu
von hochgelerten reden? wilcher ist gelerter denn Augus-
tinusav? gelten dyr Cyprianus und Jeronymusaw nichts
nit? was gilt Ambrosius? was Bernhardus?ax98 Wiltu
den hauffen99 auch ruͤmen/ so hats der ander teylay weyt be-
sser
/ wie wol das verbotten ist/ dennoch plappen100 etliche
daher/ yn den neuen verstand/ und wissen von keynem
andern grund zu reden/ denn von armen personen.

Das bekenn ich fur Got/ one schimpff101/ sondern aus her-
tzen
/ Alles was ich ye aus meinem eygenthumb102 geschri-
ben
/ geredt/ oder auch geleret hab/ oder aus mir selbs hab
gefunden/ das ist menschlich/ falsch/ unloblich/ verfuͤ-
risch
/ satanisch/ zu forchten und zu flihen/ yn di das mus ich
der warheyt zu ehren und zum preis gottis bekennen yn
gotlichen sachen oderaz leren. Rhůme nun des Carlstats
schrifft odder bucher one verstand gottlicher warheit?
Buchsymbol fehlt Darffstu noch die lere eines armen menschensba ausbla-
sen
bb103/ und dich mit der selben erheben? Nicht
allein yn disem artickel104 von dem hochwirdigen Sacra-
ment
/105 wil ich das gesagt und von meyner lere gehalten
haben/ Sondern yn aller materienbc/ wilche ich ausge-
schriben
hab/ von der Mess/ von Gotzen und von an-
dern
artickeln/106 Nemlich das wil ich haben. Keyner sal
dencken/ das meyne lere/ gut/ gerecht/ warhafftig/ gott-
lich
oder heylsam sey/ er sey denn des gewis worden aus
dem heylsamen wort Gottis/ denn mein schrifft wil ich
nach gottis und aus gottis wort gericht107 haben. Aus108
der heyligen schrifft sal109 der leser mein lere loben odder
schelten. Aber viel fallen uber yr gewissen und fuͤessen110 yn
meine bucher/ als111 hungerichte seuenbd112 ynn dreck/ und als
der seuenbe art ist schlappen sie den kat hinneyn/113 und das
edel perlinbf/ Gottis wort/ dretten114 sie unther sich/ in denn
mist/ und lenckenbg115 Gottis wort nach meyner lere/ alles
widersins und verkeert und wider meynen willen.

Was ist die ursach? Das ist die ursach/ das der mein-
ste
bh116 teyl nicht grund und warheit/ sonder fuͤrwitzebi117 und
neuheit suchen.118 Wenn119 mich dunckt/ das nicht wenig in
meinem wahnbj oder gutdunckelbk120 lauter neuheit und sel-
tzamkeit
121 halben fallen/ und nichts anders furhaben/ denn
das sie etwas neues/ fur122 andern/ in tabern123 und im quast124
reden wissen. Sind aber soliche nicht rechte lustgreber125/
arme und nerrische leuthe? Mochte nicht eynem aller lust
zu schreiben verleschen126 ym angesichte solicher eersuchti-
ger
gleisner127? Seind das nicht die lose/ rauche128/ und un-
gleubige
leuthe/ die nichts denn eere und rum suchen?

Wilche/ gleich denn129 Gottis wort am hochsten unehren
und schmehen/ wenn sie sein gotlichs wort zu eigem rum
blumbher tragen bl und ausbreittenbm.

Warlich bey solchen ist nichts/ denn eyn auswendige130
farb/ und ynnwendig eytel schelm und oeßbn131. Sie pauen132 und
troͤsten sich auchbo auff nichts denn auff eyn roer133
odder senffts windlein134 der person/ Das sind die sauen/
welchen man keyn perlinbp furtragen135 soltbq.136

Buchsymbol fehlt

Damit aber wil ich nicht137 alle menschen straffen138/
noch die frumen Christen von der lection139 Christlicher
schreyber abschrecken odder abhalten. Denn Paulus
schreybt also/ Ihr solt alle ding pruͤfen/ was gut ist/ be-
halten
/ 1. Thess. ult'imo'140〈.〉 Wil auch nyemand vom brauch
der Prophecienbr141 abzihen/ Noch den kleynistem ynn dem
hyndern/ das er hoͤr und richte/ syntemal142 ich wol weys/
das Paulus schreibt/ Ich wil das yhr alle propheceyet/143
und erkennen odderbs richten moͤcht/ 1. Corin. 14.

Ich wil auch nyemand ynn seyn Goͤtliche offenba-
rung
reden/ dieweyl ich weys/ was Matthei 11144 steht ge-
schrieben
/ und Joannis 5145. Noch Gottes geyst dempffen
oder austilgen/ denn die schrifft sagt/ Ihr solt den geyst
nicht austilgen/ 1. Thessa. 5.bt146 sondern pruͤfen/ ob er aus
Gott ist.147

Was gut und Goͤttlich ist/ das ist heylsam und
warhafftig und anzunemen/ bey welchem mans findtbu/
er sey alt odder jung/ man odder kind/ hoch odder ni-
der
/ was auch ynn meynen bůchern Goͤttlich ist/ das
selb widdersprech ich nicht/ Mich dringt auch niemand
zum widderspruch Goͤttlicher warheyt/ vernym mich148.

Aber das kan ich nicht leyden/ das sauenbv ynn meyne
lere portzeln/ die Christen seyn wollen/ und nichts fressen/
denn nur das/ was sie fur menschlich achten/ Die lere
aber Gottes richenbw149 sie an/ als hunde ym furlauff150/ und
fragen nichts nach Got/151 und nach yhrer seligkeyt. Mer-
ckend
bx mich152/ was nicht Goͤttlich ist/ das verwerff ich/
und wil das yederman frey hyn werff.153

Wes du aber noch ungewis bist/ des soltu dich bey-
leyb
nicht durch meyn schrifftby gewis machen. War-
heyt
/ warheyt Gottes durch Gottes gnad erkant/ die kan
und soll dich alleyn/ von allem yrthumb und mangel/
frey/ sicher und gewis machen.154 Joann. 8. Wilche du an
dem ort suchenbz must/ da sie ligt/ oder in der gassen steht
und schreyhet/ Kumpt her zu mir etcca.155

Ich habs muͤssen lassen gescheen/ das mein bucher
zum druck gekommen156/ das ich nicht anders gemeynt
Buchsymbol fehlt hab/ noch auch heut anders verstehn/ denn das mein
dunckel wol erweißlich/ gut/ recht/ gotlich/ und heylsam
sey.157 Ich bin aber des nicht gewis/ drumb darff mich
keyner grosser machen/ denn ich bin/ noch hochercb anzi-
hen
158/ denn ich mich aus geb. Meine bucher kuͤnden auch
nichts schaden/ noch ymands verfuͤren/ wenn sie gelesen
und geacht werden/ als ich sie wil gelesen und geacht
haben/ wie oben159 beschribencc/ Denn zwar so wenig schaden
sie/ das etliche ym glauben fester und gewisser worden
sein/ denncd vor160. Darumb hab ich auch nicht grossen un-
danck
verdient.

Wie wol ich gern wolt/ das keins161 in die welt geschri-
ben
wer/ der gesellen halben/ die nichts nach gottlicher
warheit fragen/ oder das fur gewis und bewerdt halten/
des sie kein andere urkund162 haben/ denn eyner armen per-
son
namen/ Und warlich wenn ich mich diser ferlichen163
zeiten hette besorgt/ es solt keyner mein bucherce von mir
mit einer holtz axte gebracht haben/164 Denn ich hab drumb
im elende umbher muͤssen lauffen165/ und hab allen meynen
feinden an den enden166 seyn muͤssen/ do sie mich cfhin ge-
wunscht
cf odder hin gelogen/ Das ist auch der ursachen
eine/ die mich bey den koͤstlichen Christen/ wilchecg ehe ver-
thuͤmen
ch167/ denn sie erkennen/ in verdacht des auffrurs ge-
worffen
.168

Und furwar/ ich hatt mein lere vom Sacrament etc.
nicht weiter/ noch in mehr personen/ außgestrauet169/ denn
yn die/ ßo mich muͤndlich hoͤreten/170 und wenn einer gethan
hett171/ so weren soliche bucher noch yn der dinten und fed-
tern
172. Mich bat ein guter freund173/ ich solt yhm doch fur
sein person solichen verstand schrifftlich stellen und ley-
hen
174/ der selb bracht175 soliche lere vom Sacrament mit freunt-
lichen
viel worten und anhebiger bit176 von mir/ Darnachci
kamen meine buͤchlincj yn den druck/ und auß dem druck
in die weite welt/177 und ich armer bin alßo in armůtt ge-
Buchsymbol fehltkommen
und bey vielen ein eckel und greuel worden/ dieBuchsymbol fehlt
mich nicht fur einen feind/ sondern als einen irrigen178 mit
seufftzen/ aus Christlicher liebe solten gesucht und her-
wider
bracht haben/ Syntemal179 ich ye und ye das liecht
begeertck180/ mich zu recht und verhoͤr181 erbotten/ und mich ey-
nes
bessern hab woͤllen/ lassen weisen wo ich ye gewest
bin.182

Hirauß versteht menigklicher183/ wie er mein schreiben
urteyln und halten sall/ und das ich selbs nicht schweren
darff184/ das alßo185 sein muß. Schrifften186 aber hab ich ge-
braucht
/ eingefůert/ und furgelegt/ auff wilche ich meine
lere gegruͤndt undcl auffgericht/ Wenn ich nu die selbige
schrifften (das warlich aus unwissenheit gescheen und
mir leyd wer) mißbrauchtcm und verkeert hab/ So ist ge-
wißlich
mein lere nicht gut noch gottlich noch anzu-
nemen
.

Ich hoͤre auch/ das Doctor Zwinglius in einem buͤ-
chlin
schreiben sall/ das mein lere recht sey/ aber doch ni-
cht
aus den heyligen schrifften volg/ wilche ich einge-
fuͤert
hab.187 Wo das alßo were/ hett der gut man188 yhm189
und mir/ einen herten stoß geben/ Denn ich hab diese sch-
rifft
190/ das fleisch ist nichtscn nutz191/ auch fur einen grund an-
gezeigt
/192 Den selben aber achtet Zwinglius fur den besten
und aller sterckisten grund/ als ich auch hoͤer193/ Darumb
weis ich nicht/ was er selbs meynt/ und wie ers cowil ver-
standen
co haben/ oder wie gewiß er in seynem hertzen ist/
oder ob er meinercp person halben ein solichs urteyl gespro-
chen
.cq Das aber wil ich haben von meinen lesern/ das
alle die jene/ ßo wissen/ das meine gruͤnde undienlich oder
untuglich seind oder ubel gelegt seind/ auch mein gebeu194/
wilchs ich drauff gesetzt hab/ fur unrecht halten sollen/
denn es gilt uns mehr denn ecker undcr wesen195/ leyb oder tod/
es gilt196 uns das ewig leben oder das ewig feuer/ Der we-
gen
soll ein jeder auff den rechten grund gottes sehen/
wissen und nicht wenen197/ auch nichts schlissen198/ bis er ge-
Buchsymbol fehltwis
werde/ denn wir sollen nicht in einem erdichtenBuchsymbol fehlt199 glau-
ben
einher faren/ der kein wort gottis weis.

Aber mich soltcs drumb keyner feynden200 oder vervolgen/
das uns ßo viel dran gelegen/ ist er ein Christ/ ßo hab
ich danck verdient/ denn ungezweyfelt ists/ das viel tau-
sent
in disem und andernct artickel nichts mehr gewist201 ha-
ben
/ denn von plosser202 alter gewonheit zu sagen/ die war-
lich
nicht einen buchstaben/ des worts des glaubens
wisten/ auß wilchem der glaub kompt/ und itzt bewegt
werden/ die schrifft und das wort Gottis selbs und in
vleis anzusehen/ wilchs yhnen zu grossem heyl wird ge-
rathen
/ denn wir ye sonst von keyner weißheit/ noch von
gotlichem geheymnis rhumen dorffen/ als Deu. 4. und
29cu. und in viel episteln Pauli203 steht geschriben.

Denn warumb/ sie dorffen nicht dencken/ das sie einencv
rechten glauben oder selige augen haben (als die Apostel
des Herrn hetten/204 und wir alle haben muͤssen/ so furcw Got
gerecht und unstrefflich seyn wollen)cxwenn sie nicht von
Gott geleert205/ und vom wort des glaubens nichts wissen
zu zeugen206/ sondern allein von diser geigen207/ Ich habs al-
ßo
gehoert. Mein eltern habens auch alßo gegleubt/
Denn Christus spricht alßo/ Wilcher aus Gott ist/ der
hoͤret Gottis wort. Johannis .8.208 Mein schefflin horen
meyn stymm/ der frembden stym horen sie nicht/ Joan.10.209
Bewaret cyeuch fur cy210 den falschen propheten/ Sie reden die
geschichtecz211 ires hertzens/ Hie.23.212 Item/ dein mutter ist ein
Cetea213/ dein vater ein Amoroer/214 wie die mutter ist also ist
die dochter/ und derda son als der vater/ Ezech. 10.215 Darumb
ist der rum und trost falsch und zu forchten/ in wilchem
die welt ist anher gelegen216/ und nichts anders gewist217 hat/
denn von dem glauben der eltern/ und vom geschrey der
wulffendb/ wilche scheffen peltz antragen.218

Fur219 Gott freu ich mich des/ das ich in allemdc mey-
Buchsymbol fehltnem
schreyben/ diesen Buchsymbol fehltgrund gesucht/ gemeint/ und gelegt
hab/ Dasdd Christus durch seynen gehorsam/ ynn seynem
tode am creutz/ unser gerechtickeyt furde220 Gott/ und unser
volkoͤmliche und ewiger erloͤser ist worden. Also/ das
wyr volkoͤmliche vergebung aller sunden durch seyn ley-
den
haben/ als Paulus221 wol hundert mal schreybt/ und
Esaias und Christus zuvor gelernetdf haben.222 Item/ das
wyr disse vergebung unser sunden nicht aus eyteler gnad
haben/ sondern aus gerechtickeyt/ das ist/ wyr haben eyn
rechte redliche bezalung unser sunden/ das ist/ Christus
hat so viel und mehr geliden/ denn wyr alle gesundigt
haben/ und er hat die handschrifft unser schuldt mit sey-
nem
leyden gelost223 und alles bezalt/ das ynn der hand-
schrifft
beschrieben224/ und hat unser handschrifft ans creu-
tze
gehefft225/ Die handschrifft unser schuldedg ist das gesetze
Mosi/ welches Moses zu eynem gezeugknis unser sun-
den
/ schuld/ und boßheyt und torheyt geschrieben hat/
als Moses selbs sagt odder Gott durch Mosen/ Deut.
31.226 das selb gesetz Gottes offenbart unser sunden/
Ro.6.7.227 und so offt wyrs ansehen/ so offt finden wyr
denn unser schuldtdh/ und yhe tieffer wyr hyneyn komen/
yhe mehr sunde finden wyr/ Und zu dem/ unser verfluch-
ung
und Gottes zorn wider uns. Aber Christus hat
das selb gesetz odder handschrifft hynweg genomen/ wie
gesagt ist/ und ans creutze gehefft/228 Ephe. 2. und so gar
auff gehaben229/ das keyn gewissen mehr da ist/ sondern ge-
wissen
und gesetze der sunden auffgehaben ist/230 Hebre. 9.
Also/ das wyr widerdi231 klag noch schulddj/ noch zorn Got-
tes
/ noch den teuffel (dem wyr unser schuld halben wa-
ren
gegeben) mehr furchten dorffen232/ und frolich233 also
fragen und antworten muͤgen/ Wer wil uns lasterhal-
ben
dk verklagen? Gott ist der uns rechtfertiget/ wehr wil
uns verthůmendl? Christus ist dmda derdm fur uns gestorben
ist.234 Was? Gott ist auff unser seyten/ so nu Gott fur
uns ist/ welcher kan widder uns seyn? Gott hat seynes
eygen sons nicht verschondt/ sondern yhn fur uns gege-
Buchsymbol fehltben
/ wie kuͤndts geseynBuchsymbol fehlt235/ das er uns nicht alle sund verge-
ben
hette? Ro.8.236 dem nach haben wyr gerechtigkeyt/ und
mit rechte seynd wyr ledig237 worden und unser schuldt ist
bezalt und nichtsdn dran geschenckt/ denn Gott hat sey-
nen
son fur unser schuld hyn geben/ und der son selbs hat
sich als eyn erloͤsedo gelt fur uns gegeben/ 1. Timoth.2.238 und
hat unsere schaden teurerdp/ denn mit sylber und golt/ be-
zalt
/ denn er hat uns mit seynem fleysch und blut/ leyb
und leben erloͤst/239 und alle schuld aller welt reychlich/ vol-
koͤmlich
/ gantz und gar abgelegt/ und dqgar uberauffdq240 eyn
mal bezalt/ und er ist nicht eyn scherfflin schuͤldig blie-
ben
/ Darumb sind wyr mit rechte vom teuffel komen241
durch Christum/ und nicht aus lauter gnad. War ist es/
so wyr Got und die gerechtickeyt Christi zu uns halten
und vergleychen/ so haben wyr nichts denn lauter gnad/
Wenn draber wyrdr die erloͤsung Christi kegen242 unser schuldt
vergleychen/ so haben wyrds mehr denn gnaddt/ denn Chri-
stus
hat uns seyn leyden geschenckt/ das ist/ Christus
hat uns das gelt geschenckt und zueygen gemacht/ da-
mit
wyr alle schuld bezalen. Wenn myr eyner zehen243 gul-
den
schenckt/ mit welchen ich meinem schuldiger bezalet/
das geschenck wer eytel244 gunst oder gnaddu/ aber die abloͤ-
sung
stund ynn der gerechtickeyt. Wenn er auch das
gelt selbs gebe und machet mych selbs ledig/ so het ich denn
nach245 gnaddv und gerechtickeyt/ und ich wer der erloͤsung
sicher und gewis. ¶ Also246 hab ich die vergebung unser sun-
den
geleertdw und dissen grund hab ich gelegt/ und die gleu-
bige
dazu beruffen/ das sie lerneten/ wie Christus gar
unser gerechter ist/ als er von247 propheten verheischen248/ Hie-
remie
23〈/〉 Esa. 53〈/〉 Luce 2.249 und wie uns Christus durch
seyn leyden rechtfertigt/ und wilcher weyse wyr vergebung
der sunden yn dem vergossen blut Christi haben erlangt/
auff das sie vergebung yhrer sunden nicht also suchten/
noch also verstunden/ als wenn eynem eyn priester sund
vergibt/ oder als Christus auff erden sprach/ Stehe auff/
deyn sund seynd dyr vergeben/250 sondern von der gerechtig-
Buchsymbol fehltkeyt
unser erloͤsung zu reden wisten/ und die gerechtickeytBuchsymbol fehlt
unsers glaubens verstunden/ und wie Gott unser hertz
durch den glauben an Christum rechtfertiget. Das aber
ist yhe der recht grund/ nemlich/ Jhesus Christus der ge-
creutzigt
/ und keyner mag eynen andern grund legen251/ des
freu ich mich.

Hab ich nu aus unwissenheyt auff disen grund heu
odder stoppelndx gebauhet/252 so hab ichs aus unverstandt
gethan/ es ist myr auch noch gar unbewust/ hett ich
aber wie itzt gesagt/ eynem253 eyffer Gottis und keyn kunst
gehabt/ und etwas drauff gebauet/ das durchs feur
soll verzeert werden/ hoff ich fur mich/ ich hab feurs
gnug erlyden/ und den schaden uberwunden.254

Wehr aber yemand durch solchs heu/ holtz odder
stoppelndy betrogen/ der solte sich/ und nicht mich/ beschuͤl-
digen
. Erstlich/ das ich nyemand gebotten odder ge-
noͤttigt
hab/ meyn lere anzunhemen. Zu dem andern/
das ich die leuthe von myr zu der warheyt/ und zudz Chri-
sto
geweyst255 hab. Zu dem dritten/ das eyn iglicher
Christ aus der lere Christi wissen sol/ das er eynfeldig
alsea eyn taub/ und witzig256 alseb eyn schlang seyn/257 und die
geyster pruͤfen sol/ ob sie aus Gott seynd odder nicht258/ als259
ich oben vermelt hab/ Der wegen ist die schuld der ner-
rischen
leser (ist yrgent eyner verfuͤret/ das myr nicht be-
wust
ist) von welchem ich oben geredt und geklagt/
das sie menschen thand eynec schlappen260 und Gottis wort
nicht ergruͤnden.

Drumb hoff ich untherdeniglich zu allen Christli-
chen
Fuͤrsten und herrn261/ und wil mich des zu allen an-
dern
Christen freuntlich versehen262/ das sie mich nicht zu
hoch beschuͤldigen werden nach dieser leuterung263/ Noch
myr die schuld gar geben/ das etliche eynen solichen/ et-
liche
eynen andern synn von dem hochwirdigen Sa-
Buchsymbol fehltcrament
halten/ odder andersBuchsymbol fehlted verstehnd/ dens264 gemeynig-
lich
gepredigt wird/ Was Gott pflantzt/ das bleybt furee265
wind und gewesser. Was Gott nicht pflantztef/ das
wird ausgerodt und vergeen266/ da hilfft keyn wehreg. Dordeh
tut keyn gewalt.267

Bitt untherdeniglich alle Christliche F'ürsten'ei und herrn/
und alle die Gott lieben/ wollen diese leuterung ynn
gnaden und freuntschafft ermessen/ myr nicht verkeren268/
das ich nicht so geplumbte wort269 schreib/ als ich gern
schriebej/ wenn ich kondtek. Mich unverhortten270 nicht wei-
der
271 bedrengen noch vervolgenel/ nach272 gestatten/ das ich
bedrengt odder vervolgt werd/ ehe ich emuberzeugt byn.em273

Und so man meyneren yhe nicht wolt verschonen/ das
sie doch yhres eygen heyls schoneten/ denn Gott wird
allen menschen/ mit der eln274 und mit demeo mas messen/
mit welchen sie messen275/ Welcher aber den aller geringsten
beleydigt/ der Gott zu steht276/ der hat den augapffel Got-
tes
beleydigt/ Zacha. 2.277 Gott wird auch nicht alleyn
tetliche vervolgunge straffen/ sonder die auch/ so aus
dem munde gescheen/ als geschrieben steht/ Welcher sey-
nem
bruder sagt/ Narr/ der ist des feurs wirdig/ Wel-
cher
auff seynen bruder zornetep/ der ist des gerichts schuͤl-
dig
Matt. 5.278 Welcher seynen bruder hasset/ der ist eyn
moͤrder/ 1. Johan.3.279 das seynd erschrecklich wort/ zube-
dencken
ym hertzen von allen denen die Gottes straff
fuͤrchten odder die wissen/ das Gott seyn straff/ welche
er aus seyner Goͤttlichen langmuͤttigkeyt verzeugteq280/ mit
der grosse und schwere281 vergleychen282 wuͤrd/ Ro. 2.283 Wel-
cher
nu meyner nicht schonen wil/ der schone doch seynerer
selbs/ denn es bleybt nichts unvergolten/284 das hat Gott
gesagt der nicht leuget285. Ich byn yhe aller Christen glid/286
denn ich weys und beken/ das mich Christus durch sey-
nen
todt erloͤst/ ynn das reych seynes vaters gefuert/ und
des hymelischen erbs teylhafftig gemacht hat/ So nu
Buchsymbol fehlt mich der glaub/ welchen ich zu der287 volkomene gerechtig-
keyt
Christi und unser erloͤsung hab/ verursacht hat zu
dieser lere/ bit ich mich nicht fur eynen frembden zu hal-
ten
/ und mich nicht zuverderben/ dieweyl mich Christus
erlost und fur mich gestorben ist.

Wollen esaber miches etliche nicht fur eynen Christen
halten/ so muͤssenet sie mich fur eynen frembdling288 halten/
und mich mit dem rechte Gottes richten/ als Gottis ge-
pott
laut289/ Wenn nu F'ürsten'eu und herrn/ buͤrger und pau-
ren
abermals meynerev nicht wolten schonen/ solten sie
aber des gerichteew Gottes/ und yhr selbs schonen/ Das
gerichteex ist yhe Gottes/ Deut.1.290 und nicht der leuthe/ wel-
chs
gebeut291/ das man keynen verthuͤmeney292 soll auff eynes
mans gezeucknis293/ Sagt auch ezunheymlich dasez dem er-
geen
werd/294 der falsch gezeugt oder mutwilliglichfa falsch
richtet/ als295 dem/ den sie verkuͤrtzen296/ den sie beschweren/
odder mit unrecht verletzen.297 Nu byn ich widderfb298fcvon
zweyen zeugen/ noch von eynem uberwundtenfc/ und werd
dennocht von yederman schier299/ als wer ich der aller erg-
ste
/ beschweert. Eyner wil mich nicht sehen/ der ander
stelt nach myhr300/ mich zufangenfd und zuermordten. Der
drittfe verbeut myr essen und trincken zuverkeuffen/ der vierd
scheubtff301 sonst zu/ und ist des drengknis so viel/ das mich
duncket/ das es ordenlicher ynnfg Tuͤrkey zu gehe.

Christus hat den obersten bevolhen/ das sie die yrrigen302
ynn barmhertzickeyt suchen/ und wider brengen/ und 99.fh
schaff die weyl gehen lassen sollen/ bis sie eyn yrrigs wi-
der
zu recht brengen.303 Wie das itzt aber ynn der Christen-
heyt
gehalten/ ist kleglich zu hoͤren und nicht grosse ehre/
wird aber seynen lohn erlangen/ wenn nu der gerecht
richterfi seyn gericht fjsitzen wird fj/ und denn eben die unbarm-
hertzigen
mit unbarmhertzickeyt richten und straffen
wird.304

Liebefk Christen gleubt mit massen das ubel/ denckt
Buchsymbol fehlt doch eyns/ das disse bosheyt/ der neyd und has nichts
guts erdichten/ noch reden/ Das ich neyd und haß durch
meyn lere vom Sacrament erlangt/ des byn ich mit un-
verwindlichen
fl305 schaden ynnen worden. Setze es aber/
das306 solcher neyd und haß Goͤttlich gewest sey ynn etli-
chen
/ So sind yhr dennoch viel mehr/ die nicht mehr
von Gott wissen/ denn307 des fmmuͤllers eseln fm/ an dem meynfn308
und das leyden Christi nicht weyter verstehen odder lie-
ben
denn Cayphas309/ die mich aus gifftigem neyd und
haß vervolgt haben/ und auch erwuͤrgt hetten/ wenn ich
nicht von Gott wehr geschuͤtzt und beschickt310. Die mich
one ordenung/ und on grundt gehast/ die allerley luͤgen
auff mich erdacht und uber mich aus geworffen/ und
andere ynn yhren haß wider mich gezogen haben/ Soll
es aberfo drumbfp alles war seyn/ was soliche boßhafftige
zungen auff mich liegen311?fq wie kan ich aber yhn weren312?fr

Ich soll der pauren heubtman oder anreger313 gewest
seyn/ der ich wenig ruw/ viel ferlickeyt314/ grossen spott und
gewalt von den pauren gelitten hab/ solichen erlitten ge-
walt
kan ich erweysen/315 Sie aber můgen yhre luͤgen nicht
erweysen/ Das sie fsaber michfs aus haß solicher lere also be-
ruͤchtigen
316/ dem kan ich nicht thun317/ Gott hat mich doch
dahyn ynn soliche lere gefuert/ dem ich nicht wider stehnft
kondt/ noch seyne wege zuvor ersehen mocht/ durch wel-
che
er mich nu gefuert hat.

Kuͤrtzlich/ das bit ich/ die so myr gewalt thun ver-
muͤgen
/ das sie yhr selbs schonen und Gottis ordenung
halten.

Welche nu gern neue zeyttungen318 umbher tragen/ den
sey das gesagt/ das sie sich widder319fu meyner buͤcher/ noch
meyner lere getroͤsten320 sollen.

Den andern aber/ so eynen warhafftigen verstand hey-
Buchsymbol fehltliger
schrifft begern/ rad ich/ das sie sich selbs auff Buchsymbol fehltGot-
tes
wort legen/321 und Gott umb verstand und weyßheyt
bitten/ der mildiglich begabt/ alle/ so ynn der warheyt
suchen.322

Welchefv aber leuthe wollenfw haben/ als323 wyr war-
lich
leuthe/ umb des wercks willen (als Paulus lernetfx324
1. Thessa.5.325) haben und preysen sollen/fy Die finden wol
bequemere/ denn ich byn/ die eynes hochenfz326 geystes seynd/
denn ich byn/ die kuͤnstreycher seynd/ denn ich byn/ die der
zungen327 erfarner und gewisser seynd/ denn ich. Das schreib
ich aus warheyt und pflichtega/ denn wyr sollen eyner vom
andern mehr halten/ denn von sich selbs/ Phil. 2.328

Meyn sele lebt Gott/ und rechtfertiget seyne weeg/ und
gilt yhr gleych/ wie es Gott macht/ Er werff mich hyn-
ab
odder heb mich auff329/ so ferngb das er myr seynen guten
frid/ goͤttlichen willen und sterck geb und eynpflantz/
ym zu gehorsamen/330 und er meyn herr und meyn Gott
ewiglich bleyb. Amen. Datt'um'gc Jacobi gdAnnoge xxv.301t_656mws331

Nach dem eyner ist myr nicht unbekandt/ der das
seyn ynn meyne buͤcher pflegt klicken332. Der wegen ich zu
fuͤrchten hab/ das myrs nu mehr/ denn vor333/ gescheen
mocht/ und das myr eyn solicher oder andere muͤßgen-
ger
gf/ nicht alleyn etliche wort und sententzengg/ sondern
gantze bůcher hynder meynen rucken zu messen334/ ynn wel-
chen
gh soliche freveler mich odder andere leuthe/ unter mey-
nem
gi namen/ mit abmalung meyner diction/335 das sie ver-
muͤgen
/ angreyffen und schmehen mochten. Dennoch
sey desgj yederman hie mit verstendigt/ treulich gewarnet/
und freuntlich gebetten/ keyn neu buch unther meynem
titel336 zu keuffen/ odder fur das meyn zu halten/ wasserley337
materien es ynnhelt/ wensgk nicht vorn ym ersten blad
disse buchstabengl338 H. G. U. B. M. hat/ das ist/ helff
Got und bewar mich/ und zu Wittemberggm gedruckt ist.gn339


aEntschuldigung D. Andres Carlstats des falschen namens der auffrůr/ so im ist mit unrecht auffgelegt. Mit ainer vorred D. Mar. Luth. Erklerung E
b-bWittemberg. 1525 B; fehlt C, D, F; M. D. XXV. E; folgt ⁌ Vermanung zum fryden von anzeygter materi. D; folgt Mitt eyner Epistel M. Lutheri F
ces F
d-dfragweiß E; frags weysse F
eerweyseu F
fbuͤcher B
gwon E
hDarzuͤ E; Darzů F
ifehlt F
jfürbar C; fürbas E; fürwar F
kverklaͤrung E
lselben B, C, E, F
m-mwanckeden unn fragenden B; wanckeden und frageten C
nbewegung E
oeraus A; heraus B, D, F; erauß C; herauß E
pden E
qCarlstat C, E, F
rwon E
swon E
tgnad E; gnande D
ufolgt alleu C; folgt allen E, F
vfehlt Punkt B; folgt weiterer Punkt D
w-wBotenstain von Carlstat C, F; Botenstein von Carlstat D; Bodenstain von Carlstat E
xkünn E
yein B; ainen E
zgib E
aaweyl B; weil D; wie C, E, F
abmust B; müß F
ac-acDieweyl es B
advom Editor verbessert für wilchsnoch
aebessers C, F
afwon E
agbefleyssen B; beflissen C, F; beflyssen E
ahoffenb 〈[…]〉∥rung B (siehe KGK 301)
aid B, D; ger C
ajmeynste B; minste D; mayste E
akschrtfft D
albrunn C, D, F; brunnen E
am.cxx. F
an-anxiij F
ao-aoalso Got B
apCarlstats B, C, E, F
aqvom Editor verbessert für lerner A; lernet B, C, D, E, F
arergreiffen D
aswider B, C, D, E, F
atSacrement B
aumarterer D, E
avAugust. C; Augst E
awJeronimus B, D; Hieronymus F
axPunkt A, C, D, E; Fragezeichen B, F
ayfolgt vil C, E, F
azund B
bamenschen F
bbauffblasen B; außblasen C, F; außblassen E
bcmaterin C, F; materi E
bdsewen A, B, C, D; sew E; sewe F
besewen A, B, C, D, F; sew E
bfperlein C, D, F
bgleucken B
bhmeynste B; meinst C, F; minste D; mayst E
bifuͤrwitzige B; fürbitze C; fürwitze E, D, F
bjwan C, D, F; won E
bkgut dunckel B; gůtduncken D; gůt dunckel E, F
bl-bluͤmher tragen C; umbtragen D
bmaußbreiten B; außbreitten C, F; auß spreitten D; außbraytten E
bn C, D; E
bofehlt B
bpperlein C, F
bqsoll E
brPropheceien C; propheceyen E; Propheceyen F
bsund B
btult. C; ul. E
bu〈[…]〉dt in wenigen Exemplaren D (siehe KGK 301)
bvsawen A, B, D; sawe C, F; sew E
bwrichten C, E, F
bxMercket B; Merekend F
bygschrifft D
bzsuͤchen B; schůen D; sůchen F
cafehlt B
cbhoͤcher D; hoͤher C, E, F
ccgeschriben C, E, F
cdvenn B; denn C; dann E
cebüch 〈[…]〉r F (siehe KGK 301)
cf-cfhyngewuͤnscht B; hingewuͤnscht C; hin gewünscht D, E; gewünst F
cgwelche B, C, E, F; vil D
chverdammen D, F
ciDannoch F
cjbülchlein F
ckbegere B; begert C, D, E, F
clvud F
cmmißbrancht C
cnnicht C, F
co-coverstanden will B
cpmeiuer F
cqzwei Punkte A
crfehlt C, E, F
cssoll C, E
ctanderu C
cu.xxix. C, D, F; 39 E
cvfehlt F
cwfür C, F; vor D, E
cxöffnende Klammer F
cy-cyeuchsfür C; euch vor D, E; euch für F
czgeschite F
dafehlt C, E, F
dbwoͤlffen C, D, E, F
dcall C, E, F
ddDa B
defür D, F; vor E
dfgelernt D; geleret E
dgschuld E
dhschudlt F
diweder D, E
djschludt C, F
dklasterhalhen C
dlverthuͤmen B, C; verdammen D, E, F
dm-dmder da C, E, F
dnnichs F
doerlöser F
dptewrer A, B, D; tewer C, F; theürer E
dq-dqgarüber auff E
dr-drwir aber C, E, F
dsmir F
dtgenad F
dugenad F
dvgenad E
dwgelert C, E, F; gelernt D
dxstupfeln D
dystupfeln D
dzfehlt E
eawie B
ebwie B
ecin D
edanderst C, F
eevor E
efflanzt C; pflantzet D
egwer D; weren E
ehDort B, F; Dorheit D; dort E
eiFürsten D, E
ejschreyb C, E; schrybe D; schryb F
ekkünd B; kündt D, E
elverfolgt B, C, D, F; folgt E
em-em(zeugt byn. an das Ende der nächsten Zeile verschoben F
enmeiner B, C, D, F; meyn E
eoder C, E, F
epzoͤrnet B; zirnet D; zürnet E
eqverzeücht D, E; verzeucht F
erseiner C, D, F; seine E
es-esmich aber B
etmuͤsten C, E, F
euFürsten D, E
evmeiner C, D, F; meine E
ewgerichts E
exgericht E
eyverdammen D, F; verdamen E
ez-ezunheimlichdas C
famůtwillig glich F
fbwider B, C, D, F; weder E
fc-fcvon zwayen noch von ainem zeügen überwunden E
fdzů fahen D; zůfahen E; zů fangen F
feditt C; drit F
ffschewbt A, F; schwebt B, C, E; scheübt D
fgfolgt der E
fh.xcix. C, E, F
firichtet C
fj-fjsetzen würt D; sitzen würt E
fkLieben B, C, E
flunverwündtlichen D; unüberwindtlichen E; unverwindtlicheu F
fm-fmmillers esel D; mullers esel E; müllers eseln F
fnmein C, F; Main E
fofehlt C, E, F
fpdruͤmb C; darumb E
fqVirgel statt Fragezeichen B
frPunkt statt Fragezeichen B
fs-fsmich aber C, E, F
ftwederstehn B; wider sten C; widerstehen D; widersteen E; wider steen F
fuwider B; weder C, D, E, F
fvWelche B, D; Welcher C, F; Weliche E
fwwoͤllen B, D, E; wollen C; wollt F
fxlehret E
fyvom Editor dem Sinn nach Punkt durch Virgel ersetzt
fzhohen B, D; hoͤhern E; hochern F
gapflicht E
gbferr D; verr E
gcDatum B, C, E, F; Dat. D
gd-gd(Anno.xxv. F – zum nächsten Zeilenende verschoben
geAiino B
gfmuͤssig genger D; müßginder E
ggsententz E
ghwelcher C, F
gimeinen C
gjdoch B
gkwenns C; wans E; wenn es F
glbůchstaben B, D, E; bůstaben F
gmWitteenbrg C1; Wittenberg C, E, F; Wittember D
gnPunkt fehlt A; folgt Zů Straßburg Getruckt durch Johan. Knobloch/ M. D. XXV. F

1Gemeint ist eine Erklärung im Sinne einer declaratio bzw. öffentlichen Äußerung, Kundgabe. Zugleich schwingt aber auch, wenn er seine Schrift unten (KGK 301 (Textstelle); KGK 301 (Textstelle)) eine »leuterung« nennt, die antoseme Bedeutung eines »Einspruch[s], Widerspruch[s] gegen ein Urteil durch den Verurteilten« mit; vgl. auch FWB 5.2, 3440f. s.v. erklärung Nr. 2; FWB 9.1, 496–498 s.v. läuterung Nr. 3. Die Schrift soll Karlstadt zudem dazu dienen, verstehbarer darzulegen, wie, als was und unter welchen hermeneutischen Vorbedingungen seine Schriften verstanden werden sollen, s.u. KGK 301 (Textstelle). Siehe auch KGK 301 KGK 301 (Anmerkung) und KGK 301 (Anmerkung).
2Luther bezieht sich wohl auf das Manuskript der Erklärung zur Lehre vom Sakrament, deren gedruckter Text der Vorrede folgt, s.u. (KGK 301 (Textstelle)) und nicht auf die kurz zuvor erschienene Entschuldigung des falschen Namens des Aufruhrs (KGK 297); vgl. dagegen Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 99 Anm. 1; dort verteidigte er sich ausschließlich gegen Vorwürfe seine Unterstützung der Bauernaufstände betreffend, äußerte sich aber nicht zu seiner Abendmahlslehre.
3zugestellt, übermittelt; vgl. DWb 32, 356 s.v. zufertigen Nr. 1.
4erklärt, darlegt.
5Karlstadts Abendmahlsschriften KGK VII, Nr. 275; Nr. 276; Nr. 277; Nr. 278; Nr. 279 sowie die in diesem Band edierten Schriften KGK 288; KGK 289 und KGK 290, mit denen Karlstadt auf Luthers Traktat Wider die himmlischen Propheten reagierte; s. auch KGK 301 (Anmerkung).
6wenn ich zurückdenke.
7Meinung, unsichere Annahme; vgl. DWb 27, 602–639 s.v. wahn Nr. I.
8Gemeint ist, dass er nichts abschließend als Glaubensartikel festlege bzw. formuliere, sondern Hypothesen aufstelle.
9gemeinhin.
10beweisen; vgl. FWB 3, 2249–2260 s.v. beweisen Nr. 1; 4; 8.
11Luther bezieht sich auf Selig ohne Fürbitte Marias (KGK VI, Nr. 244), Ob Gott Ursache sei des teuflischen Falls (KGK VII, Nr. 251), Ob man gemach fahren soll (KGK VII, Nr. 273), Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK VII, Nr. 274), Von dem Missbrauch des Herren Brot und Kelch (KGK VII, Nr. 276) und Ob man mit Heiliger Schrift zu erweisen vermag (KGK VII, Nr. 278).
12voraussetzen, ausdrücklich erklären; vgl. FWB 3, 415–417 s.v. bedingen Nr. 1 u.3.
13So beispielsweise in Von dem Missbrauch des Herren Brot und Kelch (KGK VII, Nr. 276, S. 400, Z. 15 – S. 401, Z. 5) oder auch in Ob man mit Heiliger Schrift zu erweisen vermag (KGK VII, Nr. 278, S. 531, Z. 9–13). Ein solches, die eigene Schrift unter Vorbehalt und zur Disputation stellendes Vorgehen ist im zeitgenössischen akademischen Diskurs geläufig und hatte auch Luther für sich in Anspruch genommen; vgl. Müller, Karlstadt, 189; Traninger, Pragmatik, 334–336; sowie die Einleitung zu KGK III, Nr. 155.
14Luther schiebt im Folgenden den ganzen Streit mit Karlstadt auf ein rhetorisches Missverständnis der Rezipienten, die das Tastende, Forschende von Karlstadts Texten nicht erkannten, obwohl deren Titel es schon anzeigten (z.B. »Ob man […]«). Luther wiederum habe die Aufgabe, dem theologisch Wankenden bzw. Suchenden zu helfen, womit er Karlstadt letztlich als Theologen diskreditiert.
15Karlstadts Lehre fand beachtliche Anhängerschaft; s. auch KGK 301 (Anmerkung).
16Erklärungen.
17solch eine Erklärung zu veröffentlichen.
18gefährlich, bedrohlich; vgl. DWb2 9, 56 Nr. 1.
19erst recht.
20Gefahr, Gefährlichkeit.
21widerlegen; vgl. DWb 25, 756–761 s.v. verlegen Nr. 3.
22Grund, Begründung, Grundlegung.
23unnachgiebig, starrsinnig, steif. Im biblischen Gebrauch wird die sogenannte Verstockung von Gott herbeigeführt, vgl. HWPh 11,942 s.v. Verstockung.
24aufschießen, auftauchen, oben schwimmen; vgl. FWB 2, 656f. s.v. aufschiessen Nr. 4.
25das lasse sich.
27freudig, furchtlos, mutig; vgl. DWb2 9, 1018–1020 s.v. freudig Nr. 1.
28Vgl. auch Gal 5,22f.
30Gemeint ist wohl allgemein der Artikel vom Hl.Abendmahl.
31Meinung, unsichere Annahme; vgl. KGK 301 (Anmerkung).
32in diesem Stück, in dieser Frage (der Abendmahlslehre).
33Dünkel, »Meinung, Ansicht, Anschauung; auch: Einbildung, Anmaßung, Vorurteil; falscher Glaube«; FWB 5.1, 1777f. s.v. dünkel.
34warten, zögern; vgl. FWB 7, 1160–1162 s.v. harren Nr. 1 und 2.
35zögern, wartend verharren, verweilen, ggf. auch positiv i. S. v. jemandem Aufschub gewähren; vgl. DWb 25, 2595–2615 s.v. verziehen Nr. A1bd; 2a; 2b.
36Gefahr, Gefährlichkeit.
37Meinung und Dünkel; vgl. KGK 301 (Anmerkung) und hier KGK 301 (Anmerkung).
38Gemeint ist: tausend Leben lassen. Vgl. FWB 7, 926–938 s.v. hals Nr. 5; FWB 9.1, 297–328 s.v. lassen Nr. 23; ähnlich Luther (WA 6, 588,6–9).
39für eine bewährte, göttliche Lehre halten, darauf hereinfallen.
40muss ich besser darlegen, erklären.
41Grundlage, Grund, Begründung.
42Vgl. Ursachen seines Stillschweigens und von rechter Berufung (KGK VI, Nr. 248, S. 292, Z. 1f.); Von dem Missbrauch des Herren Brot und Kelch (KGK VII, Nr. 276, S. 519, Z. 1); Ob man mit Heiliger Schrift zu erweisen vermag (KGK VII, Nr. 278, S. 583, Z. 1–6; S. 588, Z. 9–13); Auslegung der Abendmahlsworte Christi (KGK VII, Nr. 279, S. 638, Z. 5–7); Ursachen seiner Vertreibung (KGK VII, Nr. 281, S. 673, Z. 4–15) u.ö.
43Gemeint ist wohl »indirekt, implizit«, also dass er durch den Passus implizit anzeige, dass er unsicher sei; vgl. Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 88 Anm.e; FWB 7, 1538–1549 s.v. heimlich Nr. 17.
44Verständnis, Auffassung.
45fange, vgl. DWb 3, 1236–1239 s.v. fahen; DWb2 9, 131–134 s.v. fangen. Hier wohl zu verstehen als bildliche Sprache: Karlstadt ließ sich von der Hl.Schrift – das heißt: von den von seinen Kontrahenten in Anschlag gebrachten Schriftbeweisen – bisher weder wie ein Gegner fangen, noch unterwerfen.
46mit meinen Fähigkeiten, mit meinem Vermögen; vgl. DWb 25, 892 s.v. Vermögenheit.
47Karlstadt betont, dass er hinsichtlich des Irrtumsvorbehalts allein von sich und nicht im Allgemeinen von allen (Theologen) spreche.
48Denn.
49Verständnis Gottes; als Genitivus objectivus.
50aus eigenen Kräften, im Gegenüber zum Kraft des Heiligen Geistes.
51bewährt, glaubwürdig, bewiesen belegt; vgl. FWB, 3, 2283–2285 s.v. bewert Nr. 1.
52göttlich, göttlichen Ursprungs.
53Jünger, Schüler.
54wer da.
55Karlstadt konstatiert, dass die Leser seiner Schriften in der Mehrheit nicht zwischen seinem mit menschlichen Kräften ergründeten Sinn und Gottes Sinn unterschieden hätten. Er wendet sich nun insbesondere an jene (wenigen) Leser, die jeweils zu unterscheiden vermögen, »wer da schreibet«.
In allen Druckvarianten A–F folgt ein deutlich gesetzter neuer Absatz. Das Satzgefüge legt jedoch nahe, dass sich der folgende Satz direkt anschließt: »[…] sollen das solche Jünger, so allein fassen wer da schreibet, wissen, dass ich wohl willens bin gewesen […]«.
56Karlstadt nimmt mit dem Wechsel in die 3. Person Plural rhetorisch geschickt seine Leser – im Besonderen die theologische Zunft – mit in die Verantwortung um das gemeinsame Projekt einer schriftgemäßen Abendmahlstheologie. Auch sie, so unterstellt er im Folgenden, würden meinen anstatt zu wissen, zweifeln anstatt gewiss zu sein.
57Meinung und Dünkel; vgl. KGK 301 (Anmerkung) und KGK 301 (Anmerkung).
58Karlstadts Leser im Allgemeinen wie auch seine Gegner in Fragen der Abendmahlstheologie im Besonderen.
59abschließendes.
60i. S. v. abwarten, stillhalten.
62Karlstadt unterstellt das Urteil seiner Gegner, indem er sie den in 1. Kor 14,27–30 genannten Zungenrednern und Propheten zurechnet und nicht den Auslegern, einem epistemischen (d.h. hier: göttlichen) Vorbehalt.
63mindeste, kleinste; Superlativ, vgl. FWB 9.2, 2482–2490 s.v. min, minner / minder, minst Nr. 1 und 2.
64viele Menschen, die Mehrheit im Gegensatz zu den zuvor genannten.
65Luther hatte oft davor gewarnt, vgl. WA 15, 396,16f.; WA 18, 112f.; so auch Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 99 Anm. 8. Vgl. auch KGK VII, Nr. 278, S. 583, Z. 3–6.
66sandig, aus Sand bestehend; vgl. DWb 14, 1767 s.v. sandicht.
67lehrt.
68Ursprung, Quelle; vgl. FWB 4, 793–795 s.v. born Nr. 1 und 3.
69ohne trügerische Absicht, gewiss; vgl. FWB 3, 2118–2120 s.v. betrieglich sowie darüber hinaus zu dessen Gegensatz FWB 6, 1991–2000 s.v. gewis.
71Zisternen, künstliche angelegte Wassersammelbehälter; vgl. erneut Jer 2,13.
73Vgl. korrekt Ps 115(116),11 Vg LXX: »[…] omnis homo mendax«; darüber hinaus Ps 16(17),10.
74Vgl. Ps 3,3; unsicher Ps 19(20),8; darüberhinaus Ps 11(12).
75»Wisst ihr nicht […]« findet sich als prägnante rhetorische Wendung auch bei Paulus. Zum biblischen Hintergrund vgl. Röm 6f.; 11; 1. Kor 3.6.9.
76Jer 17,5 Vg: »[…] maledictus homo qui confidit in homine […]«.
78Vgl. auch Jak 3,15. Siehe zu diesem Gegensatz zwischen menschlicher und geistlicher Weisheit, mit dem auch die Kritik an der akademischen Gelehrsamkeit verbunden ist, Karlstadts Von den zwei höchsten Geboten der Liebe Gottes (KGK VI, Nr. 247).
79Vgl. dazu 1. Kor 2.
80Verstärkte Form von sein, vgl. DWb 5, 4024f. s.v. gesein.
81Nur in dieser Passage KGK 301 (Textstelle) spricht Karlstadt von sich in 3. Person Singular.
82lehrt, auch: predigen, religiös unterweisen; vgl. FWB 9.1, 1009–1015 s.v. lernen Nr. 5 und 6.
83Lies: und.
84ungefährlich; vgl. DWb 24, 521 s.v. unfährlich.
85zu Recht, angemessen; vgl. FWB 4, 412–419 s.v. billich.
86von Gott kommend, Gott zugehörig.
87Gemeint ist: die Leser sollen aufpassen, solche Gedanken aus Karlstadts Schriften nicht als göttlich oder gut zu bewerten und als solche zu identifizieren, die eigentlich karlstadtisch – und das heißt: böse – seien.
88kolloquial: fangt doch an zu sehen und zu denken.
89vor.
90zuwider.
91Vgl. u.a. KGK VII, Nr. 277, S. 445, Z. 3–6.
92i. S. v. in Gefahr bringen, begeben; vgl. DWb2 9, 56 s.v. Fährlichkeit.
93wie.
94Darüber hinaus.
95sehr gut, sehr wohl; vgl. DWb 3, 1348–1351 s.v. fast Nr. 4b.
96Zu den Heiligen der früheren Kirchengeschichte vgl. die im Text nun folgenden Namen mit KGK 301 (Anmerkung).
97Märtyrer.
98Die Kirchenväter Augustinus von Hippo (354–430), Cyprian von Karthago, (um 200/10–258; s. auch KGK IV, Nr. 207, S. 691 Anm. 24), Hieronymus (um 347–419/420), Ambrosius von Mailand (um 339–397), Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153, Zisterzienser); Karlstadt verweist zuweilen auch summarisch auf die theologische Tradition der Kirchenväter, vgl. KGK III, Nr. 168, S. 401, Z. 2f.; S. 498, Z. 15f.
99Menschenansammlung, auch abwertend: niederes Volk, Pöbel; vgl. FWB 7, 1242f. s.v. haufen Nr. 5 und 6.
100plappern; vgl. DWb 13, 1895 s.v. plappen.
101Ehrverletzung, Schmach; vgl. DWb 15, 166–174 s.v. schimpf Nr. 3 und 3d.
102wohl: was ich in eigener Eigenschaft, aus eigenem Verstand; vgl. DWb2 7, 426–429 s.v. eigentum Nr. A2; DWb2 7, 406–411 s.v. 1 Eigenschaft Nr. A 2.
103öffentlich ausrufen, verkünden; vgl. DWb2 3, 963f. ausblasen Nr. 2.
104Lehrsatz, Glaubenssatz; vgl. FWB 2, 193–197 s.v. artikel Nr. 5.
105Gemeint ist KGK VII, Nr. 277.
106Karlstadt bezieht sich insbesondere auf drei der 1524 erschienenen Abendmahlsschriften, nämlich den Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK VII, Nr. 277), den Traktat Wider die alte und neue papistische Messe (KGK VII, Nr. 275) und wahrscheinlich Ob man gemach fahren soll (KGK VII, Nr. 273), sowie auf sein gesamtes Werk im Allgemeinen. Wenn es im Zusammenhang des Argumentes naheliegt, dass Karlstadt mit »von Gotzen« die Abendmahlsschrift Ob man gemach fahren soll meint, so kann doch nicht sicher ausgeschlossen werden, dass er sich auf die Schrift Von Abtuung der Bilder (KGK V, Nr. 219) bezieht, deren Erscheinung bereits drei Jahre zurückliegt und in welcher er der »abtuhung der Olgotzen«, also der Entfernung geschnitzter und gemalter Bilder aus Kirchenräumen, einen eigenen Abschnitt widmet; vgl. KGK V, Nr. 219, S. 141 Z. 13 – S. 167, Z. 13.
107gerichtet, beurteilt.
108auf Grundlage.
109soll.
110gehen, sich zu Fuß fortbewegen; vgl. DWb 4, 1020–1022 s.v. fuszen Nr. 1.
111wie.
112Säue.
113Gemeint ist: Sie verschlingen die menschliche Lehre und übersehen Gottes Wort, so wie im übertragenen Sinne die Schweine ihrem Fressverhalten gemäß, wenn sie mit der Schnauze den Boden aufwühlen, wie es scheint den Schlamm bzw. »Kot mitverschlängen, jedoch die Perle übersähen und in den Dreck träten«; vgl. DWb 11, 1890–1895 s.v. Koth Nr. II; DWb 15, 428–430 s.v. schlamm Nr. 1; FWB 8, 1488–1491 s.v. 1kot, kat Nr. 1 und 2; DWb 15, 488 s.v. schlappen; vgl. zu Säuen und den Perlen Mt 7,6. Zum weiteren Gebrauch dieses Motivs vgl. auch Erklärung von 1. Kor 10,16 (KGK 289 (Textstelle)), Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK VII, Nr. 274, S. 337 Z. 13–15) oder bereits Predigt vom Empfang des Sakraments (KGK IV, Nr. 210, S. 742, Z. 14–18).
114treten.
115beugen, formen; vgl. FWB 9.1, 965–967 s.v. lenken Nr. 2.
116in diesem Kontext muss, anders als in KGK 301 (Anmerkung), hier »meiste, größte« gemeint sein.
117Begierde nach neuem; vgl. DWb 4, 939–943 s.v. fürwitz Nr. 4 und 5.
118Vgl. so auch 2. Tim 3,7.
119Denn.
120Meinung und Dünkel; vgl. KGK 301 (Anmerkung) und KGK 301 (Anmerkung).
121Seltenheit, Köstlichkeit; vgl. DWb 16, 555f. s.v. seltsamkeit Nr. 1a und 1b.
122vor.
123Taverne, Schenke, Wirtshaus; vgl. DWb 21, 7 s.v. tabérne.
124Gasterei, d.h. Gastmahl, Essen, Gelage bei dem Reden geschwungen werden; vgl. DWb 11, 2328 s.v. quas; DWb 13, 2329 s.v. quast; DWb 4, 1475 s.v. gasterei; FWB 6, 151 s.v. gasterei.
125Im Zusammenhang wohl Angeber, Wichtigtuer, Ruhmsüchtiger, der das Neue, Sensationelle sucht und »ausgräbt«; siehe auch FWB s.v. lust Nr. 3. Zum Ausdruck »Lustgräber« vgl. 4. Mose 11,34; dort dann im Sinne einer abwertenden Bezeichnung für Gott ungehorsame Personen zu verstehen; siehe KGK 250 (Textstelle).
126verlöschen vergehen.
127Scheinheiliger, Pharisäer, Blender; vgl. FWB 6, 2348–2351 s.v. gleichsner, gleisner Nr. 1: »Person, die zur Erreichung von Anerkennung oder von Vorteilen falsche Tatsachen, besondere Fähigkeiten und Qualitäten (u.a. Gelehrsamkeit, vor allem: Frömmigkeit) vortäuscht oder suggeriert«.
128raue; vgl. DWb 14, 262–273 s.v. rauh, bes. Nr. II.1d und II.10a–f.
129dann; Konditionalgefüge mit invertierter Satzstellung (Folge–Bedingung).
130äußerliche, außen angebrachte.
131Schelm und Aas als Hendiadyoin i. S. v. Kadaver, toter Körper; vgl. DWb 14, 2506f. s.v. Schelm Nr. 1a sowie im Zusammenhang Mt 23,27 ebenso Jesus über die Pharisäer.
132sich verlassen; vgl. FWB 3, 177–192 s.v. bauen Nr. 13.
133Schilfstengel, -rohr; vgl. DWb 14, 1121–1125 s.v. rohr Nr. 2a. S. auch die folgende KGK 301 (Anmerkung).
134sanftes Windchen; vgl. DWb 30, 273 s.v. windchen. Gemeint ist: Statt auf Gottes belastbare Wahrheit stützen sie sich auf die unsichere Wahrheit von – bildlich gesprochen – mit schwankendem Rohr oder leichtem Wind vergleichbaren Personen.
135vortragen, i. S. v. auftischen; vgl. DWb 26, 1762–1770 s.v. vortragen Nr. 3.
136Vgl. erneut Mt 7,6 sowie KGK 301 (Anmerkung).
137weder.
138strafen, tadeln.
139vom Lesen.
141vom Brauch des prophetischen Redens abhalten. Zu der von Zwingli 1525 in Zürich gegründeten sogenannten Prophezei als öffentlichem theologischen Lernort vgl. Karlstadt an Ulrich Dornum, Zürich, 10. Dezember 1530 (editiert in KGK IX). Karlstadt wird aber, zumal vom »brauch« die Rede ist, bereits etablierte Formen, meinen.
142zumal ja.
143Vgl. 1. Kor 14,5 sowie den Kontext des gesamten Kapitels.
148merke auf, höre mich an, verstehe mich. Karlstadt richtet die Aufmerksamkeit der Leser auf den vorherigen Satz und eröffnet rhetorisch so eine Hintertür für seine eigene Abendmahlslehre: Er werde nicht gezwungen, göttliche Lehre zu widerrufen.
149anriechen, beschnüffeln; vgl. DWb2 2, 1246f. s.v. anriechen Nr. 2.
150im Vorbeilaufen; vgl. DWb s.v. Vorlauf Nr. 2.
151Röm 3,11 den Worten nach aufgenommen.
152hört mich an; vgl. FWB 2302–2311 s.v. merken I Nr. 3.
153Karlstadt erhebt diesen Grundsatz zur Maxime.
154Vgl. Joh 8,31f.; Joh 14,6 identifiziert Christus mit der Wahrheit. Er bzw. sie formuliert den drauf zitierten sogenannten Heilandsruf »Kommt her zu mir […]«, vgl. auch KGK 301 (Anmerkung).
155Vgl. Mt 11,28; dagegen Mt 12,19.
156Karlstadts theologische Werke im Allgemeinen, im Besonderen aber sicher die Abendmahlsschriften des Jahres 1524, s.u. KGK 301 (Textstelle) mit KGK 301 (Anmerkung) und KGK 301 (Anmerkung).
157Karlstadt stellt den Sachverhalt hier so dar, als sei er noch bei Abfassung der Abendmahlsschriften der Auffassung gewesen, dass seine Abendmahlslehre rechte, göttliche Lehre sei. In dieser sehe er nun aber in rückwirkender Erkenntnis schlichte Meinung (»dünkel«).
158anführen, erwähnen, zitieren; vgl. FWB 1, 1614–1619 s.v. anziehen Nr. 12.
160vorher, zuvor.
161gemeint ist: keines der Bücher.
162Beglaubigung, Beweis.
163gefährlichen.
164von ihm (weg-)bringen, abnehmen. Gleicher Verbgebrauch auch unten KGK 301 (Textstelle). Gemeint ist wohl: Dass man ihm unter dieser Voraussetzung, noch nicht einmal unter Gewaltandrohung, z.B. mithilfe einer Baumfälleraxt, Bücher zum Druck hätte abringen können. Zu argumentativ zwingenden Stellen aus der Hl.Schrift, die Luther in Wider die himmlischen Propheten (1525) polemisch als »donneraxt auff D. Carlstads kopff und aller seyner rotten« (WA 18, 166,33f.) bezeichnet, nimmt Karlstadt, das Bild aufnehmend, in KGK 289 und KGK 290 mehrfach Bezug.
166Orten; vgl. FWB 5.2, 2670–2684 s.v. ende Nr. 1 und 2.
167verdammen.
168Karlstadt wurde verdächtigt, sich am Bauernkrieg zu beteiligen. Diesen Verdacht räumt er mit der Entschuldigung des falschen Namens des Aufruhrs (KGK 297) erfolgreich aus.
169ausgestreut, ausgesät.
170Wohl ein allgmeiner Bezug auf Karlstadts Predigttätigkeit vor der Abfassung seiner Abendmahlsschriften 1524. Karlstadt spielt sein publizistisches Schaffen rhetorisch herunter, vgl. auch KGK 301 (Anmerkung).
171Einhalt geboten hätte.
172noch in Tinte und Feder, i. S. v. so wären sie nicht geschrieben.
173Wen genau Karlstadt mit den kryptischen Worten »guter Freund« vor Augen hat, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Karlstadt könnte an dieser Stelle eine fiktive Figur genannt haben, um die Verantwortung rhetorisch von sich abzuwälzen. Sollte er aber tatsächlich auf eine reale Person verwiesen haben, ist wohl an Karlstadts Schwager Gerhard Westerburg zu denken, der in Karlstadts Auftrag seine Abendmahlsschriften außerhalb von Sachsen zum Druck bringen sollte; vgl. Barge, Karlstadt 2, 367; Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 100 Anm. 19 und 22; WA 18,459 Anm. 1 sowie zu Westerburgs Reise KGK VII, Nr. 267, S. 187f.; Nr. 268, S. 224f. Die Voraussetzung für diese Zuweisung ist, dass der folgende, mit »Darnach kamen meine buͤchlin yn den druck […]« beginnende Textabschnitt inhaltlich auf den vorausgehenden Satz bezogen ist, der »Freund« also in das nun beschriebene Druckgeschehen involviert war.
174ausleihen, geben.
175von ihm (weg-)bringen, abnehmen. Siehe KGK 301 (Textstelle).
176nachdrücklicher Bitte; vgl. FWB 1, 1230f. s.v. anhebig Nr. 2.
177Vgl. zur Druckgeschichte der Abendmahlsschriften ausführlich KGK VII, Nr. 267; 273; 278; 280. Karlstadt suggeriert, dass er, anders als es den Tatsachen entspricht, im Veröffentlichungsprozess keine aktive Rolle gespielt habe, sondern lediglich ein Opfer der sich überschlagenden Ereignisse geworden sei.
178als einen Irrenden. Karlstadt lässt bereits hier das Thema vom in die Irre gegangenen Schaf anklingen; s.u. KGK 301 (Textstelle).
179Zumal ja.
180Gemeint ist: die Öffentlichkeit begehrt, das Licht nicht gescheut.
181Rechtsverhandlungen und Verhören. Gemeint ist: Karlstadt habe sich erboten, sich öffentlich zu rechtfertigen.
182ich war bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, überall wo ich gewesen bin.
183jeder.
184mich beschweren brauche.
185dass es so.
186Schriftbelege, Schriftstellen der Bibel, die Karlstadt als Grundlage seiner Abendmahlslehre herangezogen hat.
187Vgl. Zwingli, Ad Matthaeum Alberum de coena dominica epistola (Zwingli, Werke 3, 335,14–336,17): Das Urteil Zwinglis fällt ambivalent aus; einerseits sagt er, er habe Karlstadts Texte gelesen und darin viel Interessantes gefunden, andererseits verurteilt er Ton, Art und Weise und distanziert sich. Vgl. darüberhinaus WA 18f., 459 Anm. 2.
188Gemeint ist Zwingli.
189sich selbst.
190Schrift-, Bibelstelle.
192Vgl. u.a. Karlstadts Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK VII, Nr. 277, S. 475, Z. 20 – 477, Z. 22).
193Siehe z.B. Zwinglis Auslegung dieser Bibelstelle in seiner Schrift De vera et falsa religione commentarius (Zwingli, Werke 3, 783–802).
194Bau, Bauwerk, übertragen die christliche Lehre Karlstadts, hier im Speziellen diejenige, welche er auf Joh 6,63 stützt; vgl. KGK 301 (Anmerkung); FWB 6, 216–219 s.v. gebau, gebäu Nr. 1 und 3.
195Äcker und Wiesen.
196bedeutet, hat den Wert des, hat […] zur Folge.
197wähnen, vermuten, ohne genügende Sicherheit annehmen; vgl. DWb 27, 650–664 s.v. wähnen Nr. II.3b–d; 4; 6; bes. 3ca.
198abschließend bewerten.
199erdichteten. Vgl. auch 2. Petr 1,16.
200anfeinden.
201gewusst.
202bloßer.
206bezeugen.
207Gemeint ist wohl: die sprichwörtliche alte Leier singen bzw. das, was die Eltern sagen, nachsprechen; vgl. auch DWb 5, 2567–2575 s.v. Geige Nr. 3a und 3bb; FWB 6, 615f. s.v. geigen Nr. 2.
210hütet euch vor, nehmt euch in Acht vor; vgl. FWB 3, 2215–2224 s.v. bewaren Nr. 14.
211Gesichte, Visionen, vgl. KGK 301 (Anmerkung).
212Vgl. Jer 23,16; auch mit wörtlichem Anklang Mt 7,15.
213Angehörige des biblischen Volkes der Hetither; vgl. auch KGK 301 (Anmerkung).
214Angehöriger des biblischen Volkes der Amoriter; vgl. KGK 301 (Anmerkung).
215Vgl. korrekt Hes 16,44f. Vg mit dem biblischen Hintergrund 1. Chr 1,13f. Vg bzw. 1. Mose 10,15f. Karlstadt entfaltet den schon in Von Abtuung der Bilder (KGK VII, Nr. 219, S. 165, Z. 15–21) mit Hes 16,44f. verbundenen Gedanken zur Legitimität der Autorität elterlicher Glaubensaussagen.
216an welchem der Welt bis jetzt gelegen; vgl. FWB 1, 1239 s.v. anher, anhero Nr. 1.
217gewusst.
218Vgl. Mt 7,15, Jesu Warnung vor den falschen Propheten, den sprichwörtlich gewordenen Wölfen im Schafspelz.
219Vor.
220vor.
222gelehrt. Vgl. Jes 53,5 u.ö. sowie Lk 24,46f. u.ö.
223gelöst, ausgelöst.
224beschrieben, geschrieben.
225Kol 2,14. Gemeint ist ein Schuldschein, griech. qeir'ografon, wörtlich »Handschrift«, als ökonomischer terminus technicus. Paulus umschreibt das Erlösungshandeln Gottes im Kolosserbrief mit der Metapher des Loskaufes, vgl. auch 1. Tim 2,6.
226Vgl. 5. Mose 31,19.21; darüber hinaus Lk 24,44; Apg 13,38f.
229so ganz aufgehoben.
231weder.
232dürfen; i. S. v. zu fürchten brauchen.
233mutig, unverzagt; vgl. DWb2 9, 1111–1117 s.v. fröhlich Nr. 3c.
235wie könnte es sein.
237frei, ungebunden (hinsichtlich der Sünde und des Gesetzes). In Texten christlicher Mystik des 14. Jhs. bedeutet »ledig werden« auch »sich seiner selbst entäußern, sich Gott aufgeben, sich von allen die Hinwendung zu Gott störenden Bindungen befreien, auf den eigenen Willen verzichten«; FWB 2, 1039–1053 s.v. ausgehen Nr. 8, mit Belegstellen.
240Lies: gar über auf einmal bezahlt; gemeint ist wohl: mit einem Mal und weit über den Preis hinaus. Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 94 Anm.b liest »etwa: überhoch«.
241losgekommen.
242gegen, i. S. v. mit unserer Schuld vergleichen, ihr gegenüberstellen.
243zehn.
244gänzlich, vollständig, ganz und gar; vgl. FWB 5.2, 2563–2569 s.v. eitel (Adjektiv) Nr. 8.
245dennoch.
246So, Derart.
247WA 18, 462 bemerkt, dass in den Druckvarianten Nürnbergs, Augsburgs und Straßburgs (C, E, F; dort: C, D, E) ein folgendes »den« fehle. Vgl. dazu KGK 301 KGK 301 (Textstelle) mit Anmerkungen.
248verheißen.
249Vgl. die hier auf Christus hin ausgelegten atl. Stellen Jer 23,5f.; Jes 53,2–11 sowie Lk 2,25–38; vgl. darüber hinaus 1. Kor 1,30.
250Vgl. Mt 9,2–7 par.
253einen.
254Vgl. 1. Kor 3,13–15. Karlstadt interpretiert das, was er selbst im Vorfeld der Abfassung dieser Schrift, also in der Zeit seiner Vertreibung und im Umfeld der Bauernaufstände, erlitten hat, vor dem Hintergrund des in 1. Kor 3 dargelegten Bildes vom Endgericht.
255gewiesen.
256gewitzt.
259wie.
260auflecken, verschlingen; vgl. DWb2 7, 493 s.v. einschlappen; DWb 15, 488 s.v. schlappen. Bezogen auf das o.g. Bild der Säue (s. KGK 301 (Textstelle) mit KGK 301 (Anmerkung)). Menschentand meint hier menschliche Lehre im Gegensatz zu Gottes Lehre.
261Karlstadt wendet sich hier in erster Linie an Kurfürst Johann von Sachsen, um bei ihm mit Unterstützung Luthers die Erlaubnis zur Wiederansiedelung in der Gegend um Wittenberg zu erwirken.
262Zuversicht haben; vgl. DWb 25, 1236–1257 s.v. versehen Nr. I.2b.
263Erläuterung. Denkbar ist auch, dass Karlstadt auf die als Läuterung dargestellte Situation seiner Flucht anspielt, vgl. oben KGK 301 (Textstelle) u.ö. sowie FWB 9.1, 496–498 s.v. läuterung Nr. 2–4.
264denn es, als es.
265vor, trotz (Wind und Wasser bestehen).
267Gemeint ist vermutlich im Anschluss an den vorhergehenden Satz: »Da hilft keine Gewalt«. Alternativ ließe sich »tut« auch als an die Adressaten – Machthaber, im besonderen Kurfürst Johann von Sachsen (1525–1532) – gewandter Imperativ interpretieren, sodass zu paraphrasieren wäre »Tut [mir] in dieser Sache keine Gewalt an!«. Rhetorisch riskanter der Straßburger Druck D »Torheit [= Dorheit] tut keine Gewalt«.
268zu meinem Schaden auslegen; vgl. DWb 25, 626–635 s.v. verkehren Nr. 11.
269geblümte, also geschmückte, lobende, preisende Worte; vgl. FWB 6, 274 s.v. geblümt Nr. 2.
270unverhörten. Karlstadt beklagte sich bereits an anderer Stelle darüber, dass er ohne rechtmäßiges, öffentliches Verhör verfolgt worden sei, vgl. die Einleitung zu KGK VII, Nr. 272; WA.B 3, 361,11–13 Nr. 785; 365,16f. Nr. 787; KGK 290 (Textstelle); KGK 250 (Textstelle). Mit der bei Zusendung der Entschuldigung des falschen Namens des Aufruhrs (KGK 297) bot er sich, Luther als Mittelsmann und Fürsprecher in Anspruch nehmend, erneut zum Verhör an; Luther unterstützte ein Verhör in Wittenberg; vgl. Luther an Kurfürst Johann, Wittenberg, 12. September 1525 (WA.B 3, 572,6–12 Nr. 920).
271weiter.
272noch.
273Karlstadt erbittet, nicht verfolgt zu werden, solange er noch nicht restlos vom Gegenteil seiner Lehre überzeugt worden sei. Damit unterläuft er implizit seine Widerrufung. Den Vorschlag einer öffentlichen Disputation mit Luther hatte Kurfürst Friedrich III. noch im März 1525 nicht weiter aufgenommen: »Und ob gleich Doctor martinus und karlstat zusamen komen und sich mit einander in disputacion und beredung begeben, konten wir nit achten, wer in solchem ir richter sein sold.« (zitiert nach Barge, Karlstadt 2, 576 Nr. 21b; LATh-HStA Weimar, EGA, Reg.N 623, fol. 22).
274Elle, als Maßeinheit.
275Vgl. Mt 7,2. Wollen sie Karlstadt schon nicht um seiner selbst willen schonen, so sollen sie ihn um ihres eigenen Heils willen schonen, das sie sonst, so Karlstadts Warnung, unbedacht aufs Spiel setzen könnten.
276zusteht, zugehört; vgl. DWb 32, 847–851 s.v. zustehen Nr. 8, bes. 8d.
277Vgl. Sach 2,12; auch Mt 18,6.
278Mt 5,22. Siehe dazu schon Ursachen seines Stillschweigens und von rechter Berufung (KGK VI, Nr. 248, S. 274, Z. 9–14 mit Anm. 32).
280verzögert, hinauszögert; vgl. DWb 25, 2595–2615 s.v. verziehen.
281ergänze sinngemäß: Strafe.
282unsicher, wohl: ausgleichen oder vergelten; vgl. DWb 25, 450–457 s.v. vergleichen Nr. 3b und 4. Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 96 Anm.m liest dagegen »wettmachen« (vgl. DWb 29, 783–786 s.v. wettmachen Nr. 3).
284Vgl. Mk 9,41 par; Mt 6,18 u. ö.
285lügt.
286Karlstadt bekräftigt, auch durch das folgende kurze Credo, (noch immer) Teil der Christenheit zu sein.
287hinsichtlich der, an den.
288Der biblische terminus technicus \heG{c}{\char129}T\hebre (Fremdling, Schutzbürger) meint eine Person fremder ethnischer Herkunft, welche »auf Dauer im Land ansässig, mit gewissen Rechten versehen, jedoch nicht voll rechtsfähig und vom Grundbesitz ausgeschlossen« ist und deren Ursache für die Niederlassung u.a. der gewährte Schutz vor Strafverfolgung sein kann; vgl. WiBiLex (online) s.v. Fremder (AT). Wenn Karlstadt bei seinen theologisch geschulten Adressaten darauf anspielt, so nimmt er die einem Fremdling zustehenden Rechte auch für sich als (noch) Vertriebenem in Anspruch; vgl. auch die folgende KGK 301 (Anmerkung).
291gebietet.
292verdammen.
294Bedeutung unsicher. Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 96 Anm.n liest »daß es dem schlimm ergehen wird«. DWb 24, 1055–1058 s.v. unheimlich Nr. 6 liest das folgende »als« i. S. v. »so wie« und »unheimlich« infolgedessen als Gegenteil von heimlich/secretus, also als öffentlich, offenbar. Laube ist wohl der Vorzug zu geben.
295»als« im komparativen Sinne.
296verkürzen i. S. v. schwächen; vgl. DWb 25, 703–706 s.v. verkürzen Nr. 2.
298weder.
299gar, vollends; vgl. DWb 15, 19–26 s.v. schier Nr. 3.
300stellt mir nach, i. S. v. feindlich eine Falle oder Schlinge legen; vgl. DWb 13, 138f. Nr. A.
301Gemeint ist wohl: Der vierte schiebt mir sonst etwas [= ungerechtfertigte Vorwürfe] zu, unterstellt mir etwas, beschuldigt mich; vgl. DWb 32, 792f. s.v. zuschieben Nr. 2.
302Irrenden, Verirrten.
303Vgl. Lk 15,4 par.
304Vgl. Mt 25,31–46 u.ö.; auch Lk 6,36; Jak 2,13.
305unüberwindlich, in seinen Folgen nicht zu überwinden; vgl. DWb 25, 2281–2285 s.v. verwinden Nr. 4.
306Angenommen aber, dass; vgl. DWb 16, 643 s.v. setzen Nr. 3bd.
307als.
308Karlstadt gebraucht »meyn« hier wohl als Personalpronomen und schließt es eng an das folgende »und das leyden Christi« an, mit dem Effekt, dass er so sein und das Leiden Christi miteinander parallelisiert; dagegen Laube, Flugschriften vom Bauernkrieg zum Täuferreich 1, 96 Anm.p, der ausgehend vom Augsburger Druck E (»Main«) das Wort nach vorne hin anschließt und darin ein Sprichwort ausmacht.
309Kaiphas, zur Zeit der Hinrichtung Jesu amtierender Hohepriester am Jerusalemer Tempel (18–36/37 n. Chr.); vgl. dazu Mt 26,3–5.57; Joh 11,49; 18; WiBiLex, Art. Hohepriester Nr. 2.
310versorgt; vgl. FWB 3, 1675–1677 s.v. beschicken Nr. 3.
311lügen.
312wie kann ich mich ihrer erwehren.
313Anstifter.
314Gefahr, Gefährlichkeit.
315Karlstadt wurde vorgeworfen, am Bauernaufstand beteiligt gewesen zu sein. In der Entschuldigung des falschen Namens des Aufruhrs (KGK 297) berichtet er dagegen: »Zu Rottenburg het mich ein purischer gern erstochen/ der ander gern durchrandt [= durchbohrt, erstochen] […].« (KGK 297 (Textstelle) mit KGK 297 (Anmerkung)). Vgl. auch Kaufmann, Bauernkrieg, 26; 223–226; 268.
316verleumden, verdächtigen; vgl. FWB 3, 1540–1542 s.v. berüchtigen Nr. 2.
317dagegen kann ich nichts tun.
318Nachrichten. Vgl. DWb 31, 590–593 s.v. Zeitung Nr. 2a.
319weder.
320weder auf meine Bücher noch auf meine Lehre vertrauen sollen, sich verlassen sollen; vgl. FWB 6, 1751–1754 s.v. getrösten Nr. 1.
321sich Gottes Wort zuwenden, oder auch: sich Gottes Wort unterwerfen; vgl. FWB 9.1, 613–628 s.v. legen Nr. 16 und 19.
323wie.
326höheren.
327Sprachen; gemeint sind die Sprachen des biblischen Hebräisch und Griechisch.
330ihm gehorsam zu sein, ihm zu gehorchen.
33125. Juli 1525.
332klecksen, Tintenflecken machen; vgl. DWb 11, 1054–1058 s.v. klecken Nr. 3c. Gemeint ist mit verächtlichem Ton in etwa: Der eigene Gedanken in meine Bücher zu schreiben pflegt. Wen Karlstadt hier vor Augen hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Walch2 22, 322 meint es sei Valentin Ickelsamer.
333als vorher.
334zuschreiben, zueignen; vgl. DWb 32, 536–539 s.v. zumessen Nr. 4.
335unter Nachahmung meines Stils.
336unter meinem Namen. Zorzin, Karlstadts Dialogus, 36 vermutet, dass sich Karlstadt »vor dem Schaden möglicher ›Nachzügler‹ aus seiner Tätigkeit vor Ende Mai 1525« habe schützen wollen, als er die Kontrolle über die Drucklegung seiner Werke weitgehend verloren hatte. Dass er sich auf Bücher des ebenfalls aus Karlstadt am Main stammenden Johannes Drach, genannt Draconites (1494–1566) bezog, dessen Schriften zuweilen »Johannes Karlstadt« im Titel trugen und so zu (ungewollten) Verwechslungen angeregt haben könnten, ist unwahrscheinlich; vgl. WA 18, 465 Anm. 2 mit Bezug auf Johannes Draconites, Eyn Christlicher Sendebrieff an die Miltenberger (1524) (VD 16 D 2475, fol. A1r).
337wie beschaffen, von welcher Beschaffenheit auch immer; vgl. DWb 27, 2289–2291 s.v. waserlei.
338Für die folgenden Hinweise und Ausführungen zu Karlstadts Wahlspruch »H.G.U.B.M« danke ich Ulrich Bubenheimer (Reutlingen). Karlstadts Sohn Adam Bodenstein (geb. 1528 in Kemberg, gest. 1577 in Basel, Mediziner, Herausgeber von Schriften des Paracelsus) erwarb 1544, wahrscheinlich von Samuel Pellikan in Zürich (1527–1564, Sohn des Hebraisten und Theologen Konrad Pellikan), der 1541 seinen Besitzvermerk eingetragen hatte, ein in drei Bänden gebundenes Exemplar des vierteiligen Druckes der von Johannes Lonicer bearbeiteten und 1524–1526 in Straßburg gedruckten griechischen Vollbibel (VD 16 B 2575). Wie sich aus dem Kaufvermerk auf dem hinteren Spiegel des zweiten Bandes ergibt, verkaufte er es vier Jahre später an Leonhard Bayer (Lehrer in Augsburg, gest. nach 1581). Alle drei Bände finden sich in der SuStB Augsburg unter den Signaturen Th B IV 3 (1, 2 und 3/4). Im zweiten Band finden sich auch die Initialen A'dam' B'odenstein' C'arolstadius' (auch Karlstadt kürzte sich zuweilen »A.B.C.D.« ab, vgl. KGK IV, Nr. 173, S. 8, Z. 11) sowie das eigenhändig gezeichnete Familienwappen der Bodensteins. Dessen wichtigstes Element, einen liegenden Halbmond mit drei Sternen, verwendete Karlstadt 1519 für das Flugblatt Wagen (KGK II, Nr. 120). Adam veränderte es geringfügig in der Gestaltung des Helms und fügte über dem Helm einen Hut bzw. eine Mütze ein. Darunter findet sich, ebenso in Band 1 und 3 im vorderen Spiegel, dort aber ohne Wappen, von Adams Hand »H. G. U. B. M. ∥ MATURA :❚«, also seines Vaters Wahlspruch, verstärkt um den Ausruf »Bitte bald!«.
339Verfälschungen im Druckprozess, dort freilich zuschulden nachlässiger Drucker, beklagt Karlstadt bereits 1523 in Ursachen seines Stillschweigens und von rechter Berufung, vgl. KGK VI, Nr. 248, S. 274 Z. 15–23; WA 18, 465f. Anm. 2. Auch andere Autoren griffen zu ähnlichen Erkennungszeichen rechtmäßiger Autorschaft. Dass ein solches Vorgehen, wenn auch letztlich ineffektiv, so doch nicht neu ist, ist belegt z.B. beim ebenfalls aus Karlstadt am Main stammenden Johannes Draconites, Eyn Christlicher Sendebrieff an die Miltenberger (1524): »Muͤssen denn alle trewme (wie dieser wellt art ist) in druck kommen/ so sollt jr hynfürt nichts in meynem namen annemen/ es habe denn disen sigel/ nemlich/ was kain vorrede hat und gibt nicht dem blossen glauben an Jheson die rechtfertigkait vor Gott/ das hallte nicht als von mir außgangen.« (VD 16 D 2475, fol. A1v). Zu Johannes Drach (1494–1566), Theologe der Reformationszeit, Humanist, 1514 Magister, Juni 1523 Promotion zum Dr. theol. vgl. BBKL 1, 1374f. s.v. Draconites.

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