1. Überlieferung
Handschrift:
Gestempelte Blattnummerierung, alte hsl. Nummerierung »40«; Autograph; Dorsalvermerk »D'octor' Karolstadt schikt ain puchlen seins widerruffens/ bit in zuverstendigen ab mein gnedigster herr Johan benugig«.
Edition:
- Barge, Karlstadt 2, 581 Nr. 25.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 371f.
2. Entstehung und Inhalt
Nachdem Karlstadt dem Kurfürsten am 12. September 1525 über Luther bereits seine Rechtfertigungsschrift Entschuldigung des falschen Namen des Aufruhrs (KGK 297) übermittelt hatte,1 überschickte er ihm mit dem hier edierten Schreiben – gleichsam als zweiten Schritt seiner Rehabilitierung vor dem Kurfürsten – die Erklärung zur Lehre vom Sakrament (KGK 301). Mit dieser Schrift, die er nach seiner Aussage auf »antzeig und furmalung« der Wittenberger Theologen verfasst hatte,2 legte er eine kompromissfähige Darstellung zum Verständnis seiner Schriften vor, die aber auch als Widerruf seiner Abendmahlslehre gelesen werden konnte.3 Gleichzeitig dankte Karlstadt dem Kurfürsten in seinem Schreiben für die Gnade, die er ihm durch die Wiederaufnahme in sein Kurfürstentum erzeigt habe, und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass seine »widerruffung/ und widerspruch genugsam« sei.
Zum Abfassungszeitpunkt des Schreibens befand sich Karlstadt bei den Verwandten seiner Frau in Seegrehna bei Wittenberg, wo sich Anna mit dem gemeinsamen Sohn wahrscheinlich bereits seit Ende Juni aufhielt.4 Nachdem der Kurfürst ihm um den 18. September durch Spalatin sein Einverständnis zur Rückkehr nach Sachen hatte offiziell mitteilen lassen,5 siedelte Karlstadt, der sich bis dahin im Verborgenen bei Luther aufgehalten hatte, wohl bald dorthin um. Damit entzog er sich zugleich der unmittelbaren Kontrolle und Abhängigkeit Luther.6
Möglicherweise als weiterer Schritt seiner nach außen präsentierten »Läuterung« fand Anfang März 1526 in Anwesenheit Luthers die Taufe von Karlstadts Sohn statt.7 Als Taufpaten fungierten Justus Jonas, Philipp Melanchthon und Katharina von Bora.8 Damit wurde nach dem vermeintlichen Widerruf seiner Abendmahlslehre auch Karlstadts Abkehr von der Ablehnung der Säuglings- und Kindertaufe in Anwesenheit der wichtigsten Wittenberger Theologen manifestiert.9 Ungefähr um die gleiche Zeit, möglicherweise im Anschluss an die Taufe seines Sohnes, ließ sich Karlstadt mit seiner Familie in Bergwitz in der Nähe von Kemberg nieder, wo er fortan ein Bauerngut bewirtschaftete.10
KGK 301
Transkription
