Nr. 302
Andreas Karlstadt an Kurfürst Johann von Sachsen
Seegrehna, 1525, 9. Oktober

Text
Bearbeitet von Stefanie Fraedrich-Nowag
Buchsymbol fehlt

Dem durchleuchtigsten und hochgeborn
fursten und herrn/ hern johan/ des heyligen
Romischen Reichs Ertzmarschalck und
Churfursten Hertzogen zu Sachssen
landgraven in doringen und
Marggraffen zu Meissenn
meynen allergnedigsten herrn〈.〉

Buchsymbol fehlt

Durchleuchtigister Hochgeborner Curfurst gnedigster herr
E'uer' Curf'urstlich' g'naden' seind meyne untherdenige dinste nach vermogen
meynes ungesparten leibes und guttes alletzeit gehor-
samlich
tzuvoran bereitt. Gnedigster herr Euer
Churfurstlich gnaden schick und unthergeb1 ich armer ein buchlein
meyner widderrufung2/ welche ich auff antzeig und
furmalung3 der allerbeweristen und namhafftigsten hoch-
gelerten
tzu Wittemberg4 gestelt5/ hoff demuttiglich
E'uer' Curf'urstlich' g'naden' werden sich dran ersettigen lassen.6 Daß
aber E'uer' Curf'urstlich' g'naden' mir gnad und barmhertzikeit ertzeigt/
und ferner 〈zu〉 ertzeigen geneigt/ das nem ich mit grosser
danckperkeit und frolikait an.7 und bedanck mich solicher
gotlicher barmhertzikeit in aller untherdenikeit. Wenn ichs
ach mit leib und gut verdienen vermocht/ das tet ich billig/
und mehr gantz willig. Wil mich ach mit got alßo halten
das E'uer' Curf'urstlich' g'naden' erzeigte gnad nicht ubel angelegt Sondern
E'uer' Curf'urstlich' g'naden' wolgefallen drauß haben werden. So fern sich
mein vernunfft/ vermogenheit8/ und alles/ das mir Got
verlihen hat erstrecken. E'uer' Curf'urstlich' g'naden' wollen mir
ein gnedig antwort geben lassen/ ob E'uer' Curf'urstlich' g'naden' an
solichem widerspruch ersettigt seind9/ oder mangels haben
und mich als einen andern enthalden10, handhaben11 und schir-
men
. Das wil ich umb E'uer' Curf'urstlich' g'naden' mit leib
und gut tzu verdienen alletzeit gewerttig und bereitt erfun-
den
/ den lebendigen got umb E'uer' Curf'urstlich' g'naden' lang leben bitten.
Buchsymbol fehlt Datum zu Segeren12 Montags nach francisci anno xxv13

E'uer' Curf'urstlich' g'naden'auntherdeniger
diener
Andres Carolstat

aam Rand von anderer Hand ergänzt 9. october

1übergeben, überschicken.
2Gemeint ist Erklärung zur Lehre vom Sakrament (KGK 301), die dem vorliegenden Schreiben beigelegt war.
3Vorzeichnung, Entwurf. Vgl. DWb 26, 1306 s.v. vormalen Nr. 4.
4Diese Aussage legt nahe, dass die Abfassung der Erklärung zur Lehre vom Sakrament neben Luther auch im Austausch mit weiteren, nicht namentlich bekannten Wittenberger Theologen erfolgte. Wie dieser Austausch vonstattenging, ist nicht bekannt, siehe auch KGK 301 (Textstelle) mit KGK 301 (Anmerkung).
5(einen Text) verfassen, formulieren. Vgl. FWB s.v. stellen Nr. 14.
6befriedigen, zufriedenstellen. Vgl. FWB s.v. ersättigen Nr. 3. Der Kurfürst hatte an seine Zustimmung zur Rückkehr Karlstadts nach Sachsen u.a. die Bedingung geknüpft, dass seine »widerruffung/ und widerspruch [Erklärung zur Lehre vom Sakrament] genugsam« sei; vgl. KGK 300 (Textstelle).
7Karlstadt bezieht sich hier auf die Antwort des Kurfürsten, die ihn über Spalatin und Luther erreicht hatte; vgl. KGK 300.
8Fähigkeit, Können. Vgl. DWb 25, 892 s.v. Vermögenheit.
10jemanden aufnehmen, beherbergen, Schutz gewähren. Vgl. FWB s.v. enthalten Nr. 6.
11beschirmen, beschützen. Vgl. FWB s.v. handhaben Nr. 4.
139. Oktober 1525.

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