fehlt
Den Edlen Gestrengen Erbaren und weisen,
Herrnn Burgermeisternn1 und Rath zu
Basel, meinenn gunstigen Herrnn.
fehlt
Edlen, Gestrengen, Erbaren unnd weisen besondere
gunstige Herrn,
Ungeferlich fur wenig tagen ist mir
eine klegliche schrift von der nachgelassenen
witfrauen2
doctoris Andreae Carlstardts zu kohmen, darinnen
sie
mihr, als ihrem negisten ja einigem, blutßverwanten,
ihre hohe noth, jamer
unnd elendt erbermiglich anzeigt,
Als nemlich, das bemelter Doctor, ihr ehelicher
man
gestorben sey,3 unnd ihr
funf unerzogene unmundige
kinder,4 und keine eigen behausung oder vorradt5 gelassen,6
dazu sey ehr auch
7〈?〉7
fl'oreni' schuldig blieben,8
Unnd was
sonst derglichen ferner ihn ihrem schreiben wirt ange-
zogen, welche ich alles zu widerholen kurtze halben unter-
lasse, Mit welcher be-
trubnus aber ich solche zeitung von
meines brudern
tochter9 erfaren, hat ein jeder verstendiger wol
zuermessen〈,〉
Und furwar unter allen meinen anstößenn, die ich
die
zeit meines lebens swer unnd vielfeltig erlitten, ist
mihr etwas
betrubters kaum zuhanden kohmen,
Dan wiewol ich mich eines sonderlichen
vormugens
bei gedachtem meinem schwager10, dem gott genade,
nihe vormutet, So hab ich mich doch der eůssersten
fehlt noth unnd armut, so hoch, wie sie sich leider ereuget11
unnd außweiset, viel weniger
konnen vorsehenn,
Unnd da nhu das elende betrubt weib
ihr gewisse zuflucht zu
mihr billich12 haben solte,
bin
ich zu schwach unnd unvormugen, ihr der gestalt,
wie ich gern wollte hulf
oder furderung zuerzeigen,
Damit ich mich aber dennoch uf ihr schreiben als
ein
vetter13 auch erzeige,
und sie spuren kann, das ich
mitleiden unnd sorge fur sie trage, habe ich ihr
mein
bedencken zugeschrieben,14 ufs fleißigst bittend,
E'ur' g'naden' wolle der armen vorlassenen,
frauen sampt
ihrer kinder elendt, (welche E'ur' g'naden' als
vorsichtigen15
hern, die
der ihrem ungezweiffelt gute acht haben,
nunmehr one mein schreiben, wol kunt ist)
gunstig-
lich zu gemuet fuhren, sie in eur schutz und
schirm
nehmen, unnd als ein treue oberkeit ihnen hulf
unnd gutes erzeigen,
besonder dweil ihr herr eur
kirchen viel jar gedienet hatt,16 Unnd bitt hieruf,
e'ur' g'naden'
wollen mich widerumb durch diesen botten
von gelegenheit der armen witfrauen
unnd
waisen, auch was Ehwr g'naden' ihren halben bedencken
fehlt besonder die schuld belangend, gunstiglich berichten,17
Diese Christliche wolthat an
solcher armen witfrauen
unnd waisen euers predigers, wirt one Zweifel, Gott
reichlich belohnen, So bin ich auch e'ur' g'naden' nach
meinem
vormogen zu dienen willig〈.〉
Datum witteberg, Dinchstags im pfinchsthen,18
Anno etc. xlii
KGK 395
Einleitung
