Nr. 400
Geleitbrief des Rats der Stadt Basel für Anna von Mochau
Basel, 1545, 16. März

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck

Buchsymbol fehltaAnna Mechin D'octoris' Andresen Bottnsteins
gelassner wittib Abscheid oůch Irens unnd
gemelts Irs gemahels seligen wolhalten.a

Wir Theodor Brannd1, Burgermeister undb Rhat der Statt Basell.
Thůnd khůnd, und bekhennen offenlich mit disem brieff
Das an hůt2 dato vor unns erschinen ist diec Ehrenrych3
frou Anna Mechin4 vonn Wittemburg wyland des Ehrwůr-
digen
d hochgeleerten herren Andresen Bottensteins, von Carelstatt
doctor der heiligen schrifft seliger gedechtnůse, gelaßne eeliche
Hußfrau. Mit dem Ehresamen unserm fgetruwen liebenf
Rathsfrůnd Jacoben Ruede5 irem mit Recht gegebenen vogt6.
Unnd hatt unns angezeigt, wie sy irer hohen nothůrfft
nach sich mit iren kleinen kinden, gdern sy one Adamen
Carlstatt7, der in unserem Stipendio erhalten,8 noch viere9
hatt, die sy alle by irem herrn Carlstatt seligen eelich er-
poren
g10, zu erheben11 und widerumb in ir vatterland zů-
reisen
inn willen khommen.12 Unnd darůffh das wir
iren, gesagten irs herren und gemahls, und iren selbs
wolhaltens13, unnd eerlichen abscheidens, glaůbwůrdigen
schin unnd urkhůndt, mittheilen wolten, iunderthenig
gebetten.i Dwyll nůn dises begern ganntz zimblich14.
jwie oůch die warheit zefůrdern nit minder geneigt dann
schůldig.j Habenk wir unns dis beder Eegemechtens15 halb ires
haltens16 erinnert. Unnd befindend17. Demnach
Doctor Carlstatt seliger vergangner jarn durch die herrn
Depůtaten18, sol die geschefft der Kilchen unnd schůlen zůverwahrenm〈,〉
verordnet nuff unserm bevelch erstlichn an die Predicatůr
ins Thůmbstifft.19 Oůch zum ordenlichen leser ino der heiligen
schrifft,20 berůefft, unndp nachmals in Sant Peters Stifft
zům Pfarherren ordenlich erwelt worden.21 Das sich
der genannt doctor Carlstadt, an des beden der Kilchen
Buchsymbol fehlt unnd schulen diensten, wie sich einem fromen Gotsforcht-
igen
Cristenlichen Predicantenq unnd Kilchendienner ge-
burt
,r ayns Cristenlichent leeren, unnd erbarem leben Ehr-
lich
, unnd redlich gehalten hatt, bys inu syn end. Wellicherv
am dienst des pfarr ampts by Sant Peter Cristen-
lich
und seligklich im herren geendet und beschlossen. Da
wir im, wo es Gott gefallenn gern lenger haben mögen.
Es hat sich auch die gedachte Anna meuchin by zyt irs
herren unnd gemahels seligen zustender22 Ee unnd
nachmals als der herr irn Eewirt23 uß dem zyt dis
Jammerthals zu den froůden ewiger seligkeit berůefft,
in wyttwen stand so Cristenlich eerlich und wol-
gehalten
, das wir iren alle eer unnd gůts erwiesen〈,〉
auch aller warheit wie einer fromen unversproch-
nen
24 person, vertrůwen und gloůben. Sy ist auch
mit unserm gutten gůnst, wissen und willen red-
lich
unnd eerlich von unnts abgescheiden. Das
alles geredenn und sagen wir by unsern Raths-
pflichten
, niemand zů lieb noch zů leid, sonder allein
umb blosser warheit willen. Das alles zů
warem urkhůndt, haben wir gesagter Anna
meuchin uff ir dienstlichs bitten disern Abscheidbrieff
mit unser Statt anhangendem Secret Insygell
vertruth〈?〉 zegeben erkannth, uff montag den xvi
tag Mertzens A'nn'o 1545.


a-afehlt b
bfolgt der b
cfolgt gestrichen Erse b
düber der Zeile eingefügt b
eüber der Zeile eingefügt b
f-flieben getruwen b
g-gam Rand eingefügt b
hfolgt gestrichen gelerte b
i-iam Rand eingefügt b
j-jam Rand eingefügt b
khabend b
lüber der Zeile eingefügt b
mkorrigiert aus zuverhahren
n-nam Rand eingefügt b
ofehlt b, vermutlich am Seitenrand abgeschnitten
pfolgt gestrichen ordentlich erw 〈elt.〉 Ouch b
qüber der Zeile eingefügt für gestrichen Lerer b
rfolgt unleserlich gestrichen
sMit b
tam Rand eingefügt b
ukorrigiert aus an b
vfolgt unleserlich gestrichen b

1Theodor Brand (1488–1558), Arzt, 1533–1544 Oberzunftmeister der Zunft zum Goldenen Stern; 1544–1558 Bürgermeister der Stadt Basel. Vgl. HLS s. v. Theodor Brand; Holzach, Theodor Brandt, 83–134. Im April 1545 war er der Pate von Theodor Joris, dem jüngsten Sohn von David Joris.
2heutigem.
3Zur Kennzeichnung ihrer Ehrbarkeit vgl. KGK 400 (Anmerkung).
6Vormund, hier Geschlechtsvormund von unverheirateten Frauen bzw. Witwen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 703f. s.v. Vogt Nr. 1. Siehe dazu KGK 399 (Anmerkung).
7Der in Kemberg 1528 geborene Adam Bodenstein, später Mediziner in Basel. Zu ihm KGK VII, Nr. 301, S. 339 Anm. 338.
8Zum städtischen Stipendium für Adam vgl. KGK 397 (Textstelle).
10ehelich geboren.
11aufbrechen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 906 s.v. erhaben Nr. 4f.
12Hierzu vgl. KGK 395 und KGK 396.
13Wohlverhalten.
14gerechtfertigt.
15Ehegemahl, Eheleute. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 4, 69 s.v. E(w)g(e)mächt Nr. 1.
16Aufenthalt. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1225 s.v. halten Nr. gα.
17feststellen, finden.
18Die Deputaten der Kirchen und Schulen in Basel waren als Ratsausschuss für den Verkehr zwischen Universitätsregenz (Rektor, Dekane und kooptierte Professoren) und Rat zuständig und berieten gemeinsam mit der Regenz über die Anstellung neuer Lehrkräfte und die Besoldungen aus der Ratskasse. Vgl. Thommen, Geschichte, 45. Im Jahr 1535 gehörten der spätere Bürgermeister Theodor Brand als oberster Zunftmeister und Conrad Schmitt zu den Deputaten (StA Basel-Stadt, Ratsbücher D 1, fol. 28r–v). Es gibt eine Reihe von Urkunden, die diese Tätigkeiten dokumentieren, u.a. StA Basel-Stadt, Urkunden VI, fol. 63v: Die Deputaten der Kirchen und Schulen verkaufen den Pflegern des Augustinerklosters 13 Pfund 5 Schilling jährlichen Zinses [1535]; LA Baden-Württemberg, Abt. GLA Karlsruhe, 36 Nr. 1594: Die Gemeinden der Mgft. Baden-Durlach leihen den Deputaten der Kirchen und Schulen zu Basel 1000 Gulden zu 5% Zins (1595).
19Zu Karlstadts Berufung und Tätigkeit als Prädikant am Domstift vgl. KGK 354 (Textstelle) und KGK 357 (Textstelle).
21Zur Pfarrstelle an St. Peter vgl. Beilage zu KGK 354 (Textstelle).
22angemessener (nach Sitte und Brauch). Vgl. Schweizerisches Idiotikon 11, 749f. s.v. zuestan Nr. 2bβ.
23Ehemann. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 16, 1644 s.v. E(w)wirt.
24ohne üble Nachrede.

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