Nr. 397
Rat der Stadt Basel an Christoph von Mochau
Basel, 1542, 19. Juni

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck
Buchsymbol fehlt
Dem Edlen Vestena Christoffen von
Mochau1, zu witteberg unnserm gutem frundth〈.〉
Unnsern grusz zuvor Lieber unnd guter frundth,

Wir
habend Uwer2 schriben,3 unns von wegen, Wylandth
doctor Andresen Carolstadts seligen gelassen wib4 unnd
kinder5, gethan Inhalts verstanden6, Unnd demnach
b〈u〉nnsc unverborgen7 〈[…]〉ured fruntlich gesagter 〈wi〉ttwe und kind von den pflegern, Sant peter Chor-
stifft,8 da gesagter Carolstath Am wort des Herren gedint〈,〉e
abgefertiget, Unnd fdas manf denen uber alles, so
herr Carolstat selig vellig ingenomen9, daruber mang insonnthit
ime schuldig gewesen, Nach10hdie zwey nechst kommende11 Jarh
Jedes Jars Funffzigk Stůck12
Wini korn unnd gullten〈?〉13Darzu disz beide Jar
Ein Erliche behusung,14 zu underhaltung verordnen〈.〉
Ouch Adamen Iren eltern Son, in unnser Stipendium,15
So verr er zu der Lerr tegenlich sin will,jk〈uff ein〉 versuechenk angenomen
Beduncktl unns, das die gute
frou, unnd ire kind,m von den pfle-
gern
vorstand, zuelegen, nit allein Oheimn
Fůg16, Sonder mero denenp Rum und danck zuverrichtenq
ursach habe,r17 darbi wir es
pliben landen18〈.〉 Unnd sind abers nichtdesterminder
von oberkeit wegen, Ob inen wie Andren wittwe
unnd weisen, hand zuhalten geneigt, Fruntlich begerende Ir
wollend, alls der nechst blůt frundth. Der gunstigen fro-
wen
unnd iren kindern,t damit die desterbaß19
erzogenu
daran wider Ir, one zwiffell, Thett unsern himmelschlichen
Vatter, so das wol widergeben mag, Ein angenembs gefal-
len
thun/ Das wolen wir uch uff unser schriben zu
Wider antwort mit bringen Datum Montagsv den 19
tag Junii A'nn'o 42

Meyger20 etc.

afolgt gestrichen unsern
b-bam Rand mit Einschaltzeichen eingefügt für unleserliche Streichung
cunlesbar im Falz
dunlesbar im Falz
efolgt unleserliche Streichung über mehr als eine Zeile
f-füber der Zeile eingefügt
güber der Zeile eingefügt
h-ham Rand mit Einschaltzeichen eingefügt für unleserliche Streichung
ifür gestrichen gelts
jKlammer im Original
k-kam Rand eingefügt
ldavor unleserliche Streichung
mfolgt unleserliche Streichung
nfolgt unleserliche Streichung
oüber der Zeile eingefügt
pfolgt gestrichen Billich
qfolgt gestrichen schuldig sye
rfolgt gestrichen Sunst
sfolgt gestrichen zu
tfolgt unleserliche Streichung
ues folgen zwei Streichungen
vfolgt gestrichen nach

2Euer.
3Christoph von Mochaus Brief an den Basler Rat vom 30. Mai 1542 (KGK 396).
6sich einer Sache annehmen, sich damit befassen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 11, 654 s.v. verstan Nr. 2γ2.
7bekanntlich.
8Nach der Überführung der Stiftsgüter in den städtischen Haushalt wurden in Basel Schaffner und Pfleger zur Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben der Stiftungen eingesetzt. Zum Schaffner vgl. Schweizerisches Idiotikon 8, 344, s.v. Schaffner Nr. 2b. Die Pflichten sind im Vertrag zwischen dem St.-Peter-Stift und dem neuangestellten Schaffner Jakob Schulthess am 21. Juni 1527 festgehalten; vgl. Marchal, Guy P.: Statuten, 435–438 Nr. 135. Die Schaffner waren die Amtmänner des Rates über das Stiftsgut, die Pfleger hatten die Aufgabe, Einnahmen der Güter zu verteilen. Im Rechnungsjahr 1541/42 wird immer noch Jakob Schulthess als Schaffner erwähnt (Klosterarchiv St. Peter ZZ 6, fol. 55v). Im Jahr 1535 ist Hanns Rudolff Frig Pfleger zu St. Peter, dessen Amt 1541 Blesius Schölli übernimmt (StA Basel-Stadt, Ratsbücher D 1, fol. 28r; Klosterarchiv St. Peter, JJJ9 [ungez.]). Zu Karlstadt als Pfarrer an St. Peter vgl. KGK 354 (Textstelle).
9mit seinen Gefällen/Pfründen eingenommen. Zu Karlstadts Einnahmen an St. Peter siehe KGK 397 (Textstelle) und KGK 397 (Textstelle).
10noch
11Möglicherweise im Sinne von weiter.
12Gewichtseinheit. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 10, 1802f. s.v. Stuck Nr. 3bδ. Siehe hierzu KGK 397 (Anmerkung).
13Die Lesung ist nicht eindeutig, es könnte auch »gellten« heißen. Gemeint sind Schuldbriefe in Form des Grundpfands (Gülten) und deren Zinsen, die mit dem Kanonikat an St. Peter verbunden waren. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 290 s.v. Gülten Nr. 1. Bei diesem Grundpfand war nicht der Schuldner persönlich haftbar, sondern die Last lag ausschliesslich auf dem Grundstück. Mit diesen Grundpfandbriefen wurde das kirchliche Zinsverbot umgangen, da der Rentenverkauf nicht als Darlehen galt. Vgl. HRG 1, 1852–1856; HLSHLS, s.v. Gülten. Zur Bestiftung des Kanonikats an St. Peter vgl. KGK 397 (Textstelle) mit KGK 397 (Anmerkung) und KGK 397 (Anmerkung). Gelten können auch Fässer (Wein) sein (vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 282 s.v. Gelte Nr. 3), was aber in diesem Zusammenhang unwahrscheinlich ist. – Insgesamt bestätigt der Rat hier, dass Anna von Mochau noch zwei Jahre lang die fälligen Pfründeneinnahmen ihres verstorbenen Ehemannes erhält.
14Auch die Amtswohnung kann sie in den folgenden beiden Jahren weiter behalten. Zu dieser vgl. KGK 381.
16Belieben, ihm gemäß. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 700 s.v. Fueg Nr. 3.
17Nicht allein wegen der Bitte ihres Onkels Christoph von Mochau, sondern auch aus Dank der Pfleger von St. Peter für Karlstadts dortige Tätigkeit als Prediger und aus der Verpflichtung der Obrigkeit, für Witwen und Waisen zu sorgen, übernimmt der Rat diese Fürsorge.
18lassen.
19destobesser. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 4, 1650 s.v. bass Nr. 1a. Zu »dester« als Form von »desto/dest« vgl. Schweizerisches Idiotikon 13, 1981 s.v. dest.
20Bürgermeister Adelberg Meyer (1482–1548), von Kaiser Ferdinand I. geadelter Tuchhändler; 1511 Safran-Zunftvorstand, 1518 Stadtwechsler, Pfleger des Klosterguts Steinen, seit 1514 im Rat, 1522 erstmals zum Bürgermeister gewählt, 1524–1546 Zeug- und Bannerherr (im Rang eines Hauptmanns), einer der bedeutendsten Politiker und Diplomaten Basels in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Vgl. HLSHLS s.v. Adelberg Meyer (zum Pfeil).

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