Nr. 396
Christoph von Mochau an den Rat der Stadt Basel: Bitte um Unterstützung für Karlstadts Witwe, Anna von Mochau, und Kinder
Wittenberg, 1542, 30. Mai

Einleitung
Bearbeitet von Harald Bollbuck

1. Überlieferung

Handschrift:

[a:] StA Basel-Stadt, Kirchenakten G 8 (alt: St. 76 D, Nr. 3; 2 Blätter, unfol.; Schreiberhand wie KGK 395, mit eigenhändiger Schlussformel und Unterschrift; Präsentationsvermerk des Rates: »Betrifft doctor Carelstats frownn unnd Kind, praesentat. 19. Junii Ao 42«; über der Adresse von derselben Hand: »Von H. von Mochau;«)
Edition:

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

Das Schreiben Christoph von Mochaus zur Unterstützung seiner Nichte Anna von Mochau, der Witwe Karlstadts, und ihrer Kinder erreichte Basel zusammen mit dem Brief Martin Luthers und Philipp Melanchthons in gleicher Sache;1 beide Schreiben wurden dem Rat am 19. Juni 1542 präsentiert. Christoph von Mochau bat am Ende des Briefes um eine umgehende Antwort, die der Rat gleich im Anschluss an die Beratung am 19. Juni versandte.2 Beschlüsse des Rates zur Unterstützung der Hinterbliebenen Karlstadts sind nicht bekannt, doch vergab er ein Stipendium an den Sohn Adam von Bodenstein3 und scheint der Witwe bei der Inanspruchnahme von drei Zinsen aus Kapitalien, die Karlstadt angelegt hatte, behilflich gewesen zu sein.4 Auslöser des Gesuchs war ein Bittbrief Anna von Mochaus, den Oswald Myconius am 17. März 1542 über Martin Luther an ihren Onkel versandte und der Wittenberg am 28. April des Jahres erreichte.5

Christoph von Mochau schildert die Lage seiner Nichte in dramatischem Ton: ihr Ehemann habe ihr mit ihren fünf Kindern keinerlei Vermögen, ja nicht einmal eine eigene Behausung hinterlassen, stattdessen habe sie Schulden von ihm übernehmen müssen.6 Obwohl er nicht erwartet habe, dass Karlstadt ein Vermögen angehäuft hätte, sei ihm der Ernst ihrer prekären Lebenslage nicht bewusst gewesen.

Möglicherweise musste Karlstadts Witwe die Hilfe des Rates anrufen, um an die Erträge aus den verzinsten Kapitalien ihres Mannes zu gelangen.7 Sie kann aber auch zum Mittel einer bewussten Übertreibung gegriffen haben, um den Handlungsdruck des Basler Rates zu erhöhen.8 Die Klagen über ihren verstorbenen Mann bezeugt Luthers Bericht über ihren Bittbrief vom 17. März 1542 an Justus Jonas.9 Zu bedenken ist, dass ihr möglicherweise die Gefahr drohte, der Pfarrwohnung von St. Peter verwiesen zu werden.


4Vgl. KGK 399 sowie KGK 388, KGK 393 und KGK 398 – ein Zinskauf über 100 Gulden, den Anna am 12. November 1543, also über ein Jahr nach diesem Brief, vornahm.
5Hierzu vgl. KGK 395 (Textstelle).
7So die Vermutung in WA.B 10, 71.
8Über den Gehalt dieser Aussagen diskutierte bereits Barge, Karlstadt 2, 516f.
9WA.B 10, 54,13–16 Nr. 3745. Siehe hierzu KGK 395 (Textstelle).

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