Nr. 393
Verschollen: Verschollen: Verschreibung über einen Zinskauf über 35 Pfund Basler Währung an Ulin[?], Schneider in Grenzach
[Basel], [1541, 11. November]

Einleitung
Bearbeitet von Harald Bollbuck

1.

Der Zinsrückkauf der Witwe Karlstadts, Anna von Mochau, am 2. März 1545 weist eine weitere Verschreibung über einen Zinskauf an Ulin (oder Ulm), Schneider in Grenzach, vom 11. November 1541 aus: »Sodann uff Ulin schnider vonn krenntzach, 35 Schilling Geld jährlich uff sann Marthinstag.«1

2. Inhaltliche Hinweise

Gemäß der Urkunde über den Zinsrückkauf durch Anna von Mochau und ihre Kinder hatte Ulin2, Schneider aus Grenzach3, bei Andreas Karlstadt gemäß Verschreibung vom 11. November 1541 – sechs Wochen vor Karlstadts Tod am 24. Dezember desselben Jahres – eine Schuld in Höhe von 35 Pfund aufgenommen, die jährlich zum Zinstag am Martinstag um 35 Schilling verzinst wurde. Da 20 Schilling einem Pfund Basler Währung entsprachen,4 ist eine Zinshöhe von 5% anzusetzen. Karlstadt hatte sich häufiger mit der Zinsfrage auseinandergesetzt. In den 10 Conclusiones de iubileo et anno remissionis vom Januar 1522 hatte er für zinslose städtische Darlehen für in Not geratene Handwerker plädiert.5 In der von ihm mitgeprägten Wittenberger Stadt- und Kirchenordnung sollte der Zinsfuß auf 4% begrenzt werden.6 In seiner Anfang 1540 verfassten Abhandlung De usura diskutierte Karlstadt verschiedene Zinsarten, ihre biblische Fundierung und (mangelnde) Gottgefälligkeit sowie den Abgleich mit der Praxis im römischen Recht.7 Mit dem hier vorliegenden Zinsbrief folgte Karlstadt den Basler Gepflogenheiten.


2Die Person des Schneiders Ulin (oder Ulm) konnte nicht ermittelt werden.
3Heute Gemeinde Grenzach-Wylen auf der anderen Rheinseite im Landkreis Lörrach, Baden-Württemberg.
4Vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 1155f. s.v. Pfund Nr. 2a; Schweizerisches Idiotikon 8, 574 s.v. Schilling Nr. 1a. Ein Gulden wiederum entspricht einem Pfund fünf Schilling Basler Währung (StA Basel-Stadt, Regest Domstift 536).
5Vgl. KGK V, Nr. 214, S. 74, Z. 6f.
6Vgl. KGK V, Beilage zu Nr. 219, S. 185, Z. 1–15.
7Vgl. KGK 384.

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