Nr. 399
Zinsverkauf durch Anna von Mochau und ihre Kinder an Propst, Dekan und Kapitel des Stifts zu St. Peter in Basel über 155 Pfund Basler Währung
Basel, 1545, 2. März

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck
Buchsymbol fehlt

Icha Anna1 wylennd des Hochgelerten hernn Anndreas Bodennsteins der heiligen gschrifft doctor unnd predicanten der stifft sannt Peter zu Basel glosne witwe mit dem fromen furnemen und wysen hern Jacobum Rüdin2 des Rats unnd stattwechsler zu Basel
minem rechtgebnem Vogt3, dem ich ouch der Vogtye4 bekinntlich bin5, unnd ich derselb Jacob rüdin In vogtlicher wys mit ire, Sodann ich Joß märkel6 der dischmacher Burger zu Basel, als ein rechtgebner Vogt Adams, Jacobs, Daniels, Kůngolten unnd Gertrůten,7
wylend obgemelts hernn Anndresen bodennsteins seligen unnd Anna siner efrouen elicher kinder. Bekhennen und thund kund mengklichem mit disem brief, Demnach ich Anna bodennstein unnd Joß märkels vogtkind8, nachgeschribne Zins unnd gultenn
jerlichenn ingend und fallend gehept9, Namlich uff Baltasar schoulin10 von wyl unnd Elßbethen märxin11 siner efrouen fůnf pfund unnd Nůn schilling gelts, jerlich uff sannt Martins tag fallend, koufft und widerkouffig mit Hundert unnd Nůn pfund hoůptzins
nach sag der houptverschribung daruber uffgericht dero dathumb wyßt Montags nach sannt Marci des heiligen Evangelisten tag12, als man zalt nach Christi unssers liebenn herren gepurt Funffzehenhundert unnd Viertzig Jar, an welliche suma houptgüts
achzig unnd Nůn pfund widerumb erlegt, unnd damit vier pfund Nun schilling gelts wider abgelößt, also das die ubrige sůma hoůptgüts noch zwentzig pfund, die nun hinfur durch hannsen hodel13 von wyl14 mit viiii pfund gelts jerlich uff sannt Mathis tag fal-
lennde
, verzinst werden, Sodann uff Ulin15〈,〉 schnider vonn Krenntzach16, dryssig fůnf schilling gelts jerlichs uff sannt Marthins tag fallennd, koufft unnd widerkoůffig mit dreyssig unnd fůnff pfůndenn hoůptguts, lut der hoůptverschribung darůber
uffgericht, dero dathůmb lůtet uff sant Martins tag als man zalt nach der gepůrt Christi unnsers liebenn herrenn unnd erlösers Thusennt fůnffhundert Viertzig unnd ein jar, Und zuletst uff Quiwin wenck17 vonn Tannenkilch18 und
Bryda rup19 siner husfrouenn Funff pfund gelts jerlichs uff mitfastenn20 gfallend koůff und widerkoůffig mit Hundert pfund hoůptzins vermog21 der hoůptverschribung deshalb uffgericht dero dathumb lůtet uff Monntag nach dem Sunntag Reminiscere
Inn der Vastenn. Als man zalt nach Christi unnsers liebenn Herrenn gepurt Funffzehennhundert dryssig unnd Nůn Jar, sampt ein ubergab brief, wysennd wie diser zins vonn Heinrichen Zeller22 dem kufer23〈,〉 burger zu Basel an unns inn koůfs
wyss komenn, des dathůmb lutet uff Monntag nach sann Marthins des heiligenn Bischofs tag, Als man zalt nach der gepůrt Christi unnsers liebenn Herrenn unnd Erlosers Thusennt Funfhůndert Viertzig und drii Jar,24 Das da
wie Namlich ich Anna Bodennstein, mit gewaltsame bestimpts25 unns Vogts, fur mich und mine erbenn, Sodann ich Jos märkel26 fur mine vogtkind unnd derselben erben, mit guter vorbetrachtůng umb unnsers bessern nůtzes und notdůrfft willen
merern unnsern schadenn damit züverkennen, inn eins uffrechtenn redlichenn koufs wyß, wie wir dann das nach recht unnd gewonheit aller rechten unnd gerichten aller formlichest thun sollen konnen und mögen, Den Wurdigen Wolgelertenn
unnd Ersamenn hern Propst27 Dechann28 unnd Capitell der stifft sanntPetter zu Basel unnd allen derselbenn stifft nochkomen, umb Hundert Fůnffzig unnd funf pfůnd güter stebler baßler werung, die sy unns bar bezalt unnd usgricht, daran
unns wol benügt29 hatt, die obgemeltenn hoůptbrieff, mit irem innhaltennden unnd gepůrenden zins unnd hoůptgut, recht unnd redlich〈,〉 wissenntlich unnd wolbedachtlich inn krafft unnd mit Urkhund dis briefs geben unnd ubergeben habenn. Also das
genempte hernn Propst Dechann unnd Capittel der stifft sannt Petter und wo nachkomen, solliche zins die Sybenn pfund unnd fůnffzehen schilling gelts, nůn hinfůr sollenn unnd mögen innemen vordern heůschen30 und innziehen, und die mitsampt
irem hoůptgüt nutzenn unnd messenn, besetzen unnd setzen, versetzenn verkoůfenn, Sonnders damit unnd mit den hoůptbriefen daruber sagend handlen schalten waltenn, thun unnd lossen, wie mit irm eigenntlichen und fryen güt, on Irrůng unnd
Inntrag min Anna Bodensteins und miner erbenn, ouch min Jos Markels Vogtkindenn unnd derselbenn erben, und sunst menigklichs, Dann wir uns vermelten zinsen, hoůptgüts unnd hoůptbriefen, ouch aller ausprach vordrung und rechtsami31
so wir daran gehept habenn, ader fůrer habenn soltenn konnten oder mochtenn, wissenntlich und wolbedachtlich entzigen unnd begebenn, Habend der gemelten hern Propst Dechann unnd Capittel zu sannt Peter und ire nochkomen sollichs uber-
gebenns
zinsen houptguts unnd hoůptbriefenn, inn nůtzlich gwalt unnd gewer gesetzt, Ouch ich Anna Bodennstein mit hand můnd unnd gwaltsami obbestimpts mins Vogts fur mich unnd mine erbenn, Desgleichenn ich Jos markel fur mine
Vogtkind unnd derselbenn erben, by unnsernn güten truwen an eid statt geben glopt unnd versprochenn, den obgnannten hern Propst Dechann unnd Capittel, und iren nachkomen, bemelter ubergab zins houptguts unnd hoůptbriefen halb, das sollichs
bis uff hůttigenn tag unnser fry lidig eigen, vormals niemanden zinshafft nach verfanngen, Sonnders ouch das die hauptbrief kröfftig syen, güt sicher redlich unnd nůtzlich werschafft zuthün fur allen abgang unnd abgewynnen, vor allem
lutenn richtern unnd gerichten, geistlichen und weltlichenn, an allen stetten und eiden, Wa wenn und wie dick sy des notdůrfftig sind werdenn, one allen iren costen und schadenn, Desglichen dis ubergab verzihung32 innsatzůng unnd
was hierann gschriben stat war stat vest und unverprochelich zühalten, darwider niemer züreden noch züthünd, weder mit noch one recht heimlich noch offenntlich sunst nach so inn dhem wyss noch wäg, Mitt verzihung allem unnd
yeder gnadenn fryheitenn, rechten unnd grichtenn geistlicher und weltlicher, uszugen33〈,〉 funden34〈,〉 lestenn35 unnd geverden36, so sie wider zu schirm37 fůrgwennd werdenn, sampt der gnadenn so wyblichem gschlecht vonn Velegiano38 dem Romischenn Rat ver-
lichen
, oder das Jemannds sprechen möcht, gemeine verzihůng one vorganng einer sonndrůng were unverfengclich, Geverd39 hierinn vermitten40, Unnd des alles zu warem Urkhund ist diser brieff durch min Anna Bodenstein
Ouch mins Joß Markels als Vogt unnd Innamen Ernempter miner Vogtkindenn vlyssigen unnd ernnstlichenn pitt wegenn, mit obbestimpts hernn Jacobenn Rüdins41 eignem annhandem Insigel, mich Anna Bodenstein und mine erben desgleichs
min Jos märkels Vogtkind unnd derselbenn erbenn, obgemelter dingen damit warhafftligklichenn zübezugennd, doch ime herrn Jacobenn Rudin unnd sinen erbenn inn allwag one schadenn bewart unnd geben uff Monntag nach dem Sontag
Reminiscereb Als man zalt nach der gepurt Christi unnsers lieben Herrenn unnd Erlosers Thusennt Funffhundert Viertzig unnd Funff Jar,

Buchsymbol fehlt

cLargaris42 C 58.c

dUbergob brieff uber iii Zinss zů Tannenkilch43, Wyl und Grentzach44
von der Carolstadin45, und Iren kindern Erkaufft a'nn'o 1545.d


aI-Initiale als Zierbuchstabe über die halbe Höhe der Urkunde
bvom Editor verbessert für Reministere
c-clinksbündig, später geschrieben
d-drechts daneben

2Jakob Rüdin, Vormund (Vogt) der Witwe Anna von Mochau; zu ihm siehe KGK 399 (Anmerkung).
3Vormund. Zur Geschlechtervormundschaft vgl. KGK 399 (Anmerkung).
4Vormundschaft. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 711 s.v. Vogti.
5sie kennt die Vormundschaft öffentlich an.
6Joss Märkel, Tischler, Vormund der Kinder Adam, Jakob, Daniel, Küngolt und Gertrud Bodenstein. Zu Märkel konnten keine weiteren Informationen gefunden werden.
8Vogtkinder, die Kinder unter der Vormundschaft des Vogtes Joss Märkel.
9Sie hatte das vertraglich festgelegte Recht auf den Eingang der fälligen Zinsen.
11Über sie ist nichts weiter bekannt.
12Vertrag vom 26. April 1540. Vgl. KGK 388 (Textstelle).
15Unbekannt. Eine Lesung als Ulm ist ebenso möglich. Ulin ist allerdings ein nicht ungewöhnlicher Name im alemannischen Sprachraum.
16Vgl. KGK 393.
17Unbekannt. Vgl. KGK 398.
19Bryda Rup (Britta Rupp); unbekannt.
20In der Mitte der Fastenzeit; genauerer Bezug auf Mittwoch nach Aschermittwoch und Sonntag Lätare. Oftmals als Abgabe- oder Vertragstermin genutzt. Vgl. FWB s.v. mitfasten; DWb 12, 2421 s.v. Mittfasten.
21vermöge.
23Berufsbezeichnung; jemand, der Kufen macht; aber auch Hersteller von Weinfässern. Vgl. DWb 11, 2532f. s.v. Küfer.
24Die Kaufurkunde des Zinses von Heinrich Zeller, vgl. KGK 398.
25bewilligte bzw. bevollmächtigte Festsetzung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 15, 1661 s.v. gewaltsam und 11, 426 s.v. bestimmen Nr. 1b.
26Vormund der Bodensteinkinder; s.o. Anm. KGK 399 (Textstelle).
27Zwischen 1533 und 1545 war Johannes Sellator (Sattler) von Gebweiler Propst am St.-Peter-Stift zu Basel. Schon 1494 war er an der Universität Basel immatrikuliert, 1498 zum Magister artium und 1511 zum Baccalaureus formatus promoviert worden; 1503, 1513, 1518 und 1521 amtierte er als Rektor. Am 29. März 1533 wurde er zum Propst an St. Peter ernannt (Notat von Adalbert Salzmann); vgl. Roth, Aktensammlung 6, 246f. Nr. 255; Roth, Aktensammlung 6, 100 Nr. 131 Brief von Bürgermeister Jacob Meyer an den Domherren Johannes Gebwiler (11. Juli 1532). Er verstarb vor dem 22. August 1545. Vgl. Helvetia sacra II-2, 148; Marchal, Guy P.: Statuten, 419 Nr. 124 Anm. 11; Matrikel Basel 1, 232.
28Nikolaus Brieffer (gest. 15. Juni 1548) war seit 1526 Dekan des St.-Peter-Stifts. Der Humanist Brieffer, der im Sommersemester 1500 an der Universität Basel immatrikuliert und 1504 zum Magister artium promoviert wurde, amtierte mehrfach als Rektor (1511, 1520, 1523, 1539). Am 13. März 1512 erhielt Brieffer ein Kanonikat an St. Peter, 1526 war er Dekan. Vgl. Marchal, Guy P.: Statuten, 418f. Anm. 8; Helvetia sacra II-2, 150; Matrikel Basel 1, 259; 309; 345; 355 sowie KGK 379 (Anmerkung).
29genügt. Vgl. DWb 1, 1475f. s.v. benügen Nr. 1 u. 3.
30fordern, verlangen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1754f. s.v. heischen.
31Recht, Gerechtsame. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 6, 318f. s.v. Rechtsami.
32Verzicht, Entsagung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 17, 872 s.v. Verzihung Nr. 1.
33Einwände, Rechtsverwahrung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 17, 541f. s.v. Uszug Nr. 12a.
34Unklar, hier vielleicht i. S. v. Listen, Kunstgriffe (Erfundenes). Vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 850 s.v. Fund Nr. 2.
35Lasten.
36Gefahren.
37Schutz.
38Verweis auf das Senatus consultum Velleianum aus dem römischen Recht, in dem der Schutz weiblicher Besitzrechte festgehalten worden war. Durch dieses Gesetz waren Frauen vor Interzessionen geschützt, die sich auf (von verstorbenen Ehemännern hinterlassene) Verbindlichkeiten richteten. Vgl. dazu KGK 388 (Anmerkung).
39Gefährdung, Gefahr.
40vermeiden.
42Lies wohl: Largiaris, auf dass du gewährst, i.S.v.: auf dass gewährt werde.

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