Nr. 398
Zinsverkauf Heinrich Zellers an Anna von Mochau über 100 Pfund
Basel, 1543, 12. November

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck
Buchsymbol fehlt

Ich Heinrich Zeller1 der Kůffer2 Burger zu Basel, Bekhenn unnd thun kunt menigclichem mit disem brief. Demnach ich uff Quirin Wenck3 von Thannenkilch4 und Bryda
Rup5 siner elichenn hůsfrowenn Jerlich funff pfůnd gelts stebler guter baßler werung, uff Mittfasten6 alles Innhalt und Vermög der Verschribung darumb von Vogt
unnd gricht zu Dannenkilch7 uffgricht, der dathůmb lůtet Menntag noch dem Sonntag Reminiscere8 inn der Vasten. Als man zalt, noch Christi unnsers lieben herren gepurt
funffzehennhůndert dreyssig unnd Nůn Jar, fallende gehept hab, Das ich da mit guter zitlicher vorbedrachtůng, umb mins bessern nůtzes unnd notdůrfft willen, merern minen
schaden, damit züverkomen inn uns uffrechten redlichen koůffs wyß, wie ich dann das nach recht harkomenn unnd gewonheit aller rechten und grichten geistlicher und weltlicher
aller formlichest unnd bast9 thun han unnd mag. Der Ersamen Anna10 wylend des hochgelerten Hernn Andresenn Karolstads der heiligenn gschrifft doctor unnd Predicant der stifft
sannt Petter zu Basel gloßner witwenn, ouch derselbenn kindernn11, so sy by yetzvermeltem irm hernn uberkomen, fur und umb Hundert pfund guter stebler baßler werung12, dero sy
mich ouch also bar bezalt, unnd usgricht13, dermaßen mich daran wol benügt hatt, fur mich und all mine erben, die ich harzü vestennigclich thun verbinden, die obbestimpten14 fůnf pfůnd
gelts, mit der Hundert pfůndenn irem houptgut15, recht16 unnd redlich17 wissenntlich18 unnd wolbedachtlich19. Inn und mit krafft dis brieffs geben unnd ubergebenn hab, Allso das gedachte
witwe oůch ire kind, unnd dero erbenn, sollich obbestimpte fůnff pfůnd gelts nun hinfur sollend unnd mögend, innemen, vordern, heischen20 und inziehenn21, die mitsampt irer hoůpt-
summa
, nutzen, niessen, besitzenn, versetzenn22, verkoůffen, Sonnders damit handlen, schalten, walten, thun unnd lassen, wie mit irem eigentlichen unnd fryem gut, on Irrůng, Intrag23
min, miner erben, und sunst menigclichs von mit und derselben miner erben wegen, Dann ich mich vilgemelts zinses und hoůptzins, ouch aller ansprach24 vordrung und rechtsame25, so ich daran
gehept hab, ich unnd mine erbenn fůrer26 daran haben soltenn, konten, oder möchten, fur mich und all mine erben, wissenntlich unnd wolbedachtlich entzigenn27, Hab ouch gedachte witfrouwenn
ire kind, unnd deren erbenn, sollichen ubergeburen, zinses und hoůptzins, inn nůtzlich gwalt unnd gewer gesetzt, Oůch fůr mich unnd mine erbenn, by minen guten trůwen an eidstat
gebenn, Innkrafft des brieffs, glopt unnd versprochenn, ernempter28 witfrowen der kaůferin, iren kinden, dero erbenn, und wer des bedarff, der bestimpten fůnff pfůnd gelts, und
dero hoůptgut halb, das sollichs bis uff hůtigenn tag, min frylidig29 eigene, vormals niemanden zinsschafft beladen, verschribenn hafft,30 nach31 verfanngen32, sonnders auch eröfftig33 unnd
nit erläßt34 sye, Derglichenn ob nachgonnder35 zit, ettwas ann zins oder haůptgut, abgan, dero halb die keuffere oder ire erbenn, daran verlůstig sin můssten, umb das alles gut sicher redlich
unnd nutzlich werschafft36 züthünd37, fůr allem abgang38 unnd abgewynnen39, vor allen lůten, richtern und gerichten, geistlichen unnd weltlichen an allen stetten unnd enden, wa, wann, und
wie dick40 sy des notdůrfftig werdenn, on allen iren costen und schaden, Deßglichenn diß ubergab, verzihůng41, insatzůng42, und was hieran gschriben stat, fur mich und mine erben, war
stät43, vest, und unverbrachenlich44 zühaltenn, darwider niemer züreden zükomen45 nach züthund46, weder mit nach one recht, heimlich nach offentlich, sůnst nach so. Inn dhem wyß nach wäg, Mitt
verzihung47 aller unnd yeder gnadenn, fryheiten, rechten, und gerichten, geistlicher unnd weltlicher, burgkrechten, stettrechten, Landgrechten, uszugen fůnden, listen unnd geverdenn48,
Ouch alles deß, so hiewider zü schirm fůrgewennd werden, Dann ich mich deß alles sampt dem rechten, so gmeiner verzihůng49, one vorgang einer sonndrůng widersprechend, verzigenn50
unnd begeben hab, geverd51 hierinn gentzlich vermitten52, Unns deß zu warem urkhůnd und stäthaltůng53 vorgschribene dingen, hab ich Heinrich Zeller54 inn anfang gmelt,
min eigen Insigel55 fůr mich unnd mine erben, Unns damit zů ubersagennd56 offentlich gehennckt an disenn brieff, der gebenn ist uff Menntag nach sannt Marthins der heilige
Bischoffstag,57 Als mann zalt nach der gepurt Christi Unnsers Liebenn Herren unnd erlosers Thusennt funffhundert Viertzig Unnd Dri Jar,
Buchsymbol fehlt Meister Heinrichen Zeller58 des Kuffers Übergab brieff darin v lb gelts zů Tannenkilch etc.

1543.


1Heinrich Zeller, Böttchermeister (Küfer) und Bürger zu Basel. Bereits 1411 wird ein gleichnamiger Heinrich Zeller in den Bürgerstand der Stadt Basel aufgenommen (Personenkatalog des StA Basel-Stadt, I, 267).
2Böttcher. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 3, 178f. s.v. Chüefer.
3Über Quirin(us) Wenck, der die Kapitalienanleihe gegen Zins nahm, ist nichts bekannt.
4Tannenkirch, etwa 25 km nördlich von Basel, auf Bischofsland, aber bereits 1388 vom Basler Bischof dem Markgrafen Rudolf VII. von Baden als Lehen überlassen; heute ein Ortsteil von Kandern.
6Mittfasten ist der Sonntag Lätare. Demnach hätte Wenck an Zeller am 16. März 1539, am 7. März 1540, am 27. März 1541, am 19. März 1542 und am 4. März 1543 jeweils fünf Pfund Zinsen zurückzahlen müssen. Da Anna von Mochau den Zinsbrief aber für die vollen 100 Pfund kaufte, scheint noch keine Rückzahlung erfolgt gewesen zu sein.
81539 war der Montag nach Reminiscere am 3. März.
9passend, angemessen, am besten.
11In allen Vermögensfragen werden nach dem Tod Andreas Karlstadts in den Urkunden seine Kinder mitaufgeführt, da gemäß Erbrecht nur ein Drittel des Erbes der Witwe und die übrigen zwei Drittel den Kindern zustehen, sofern es mehr als zwei sind. Die Erbberechtigung gilt für Kinder, die sich in der Hausgemeinschaft befinden. Seit dem Spätmittelalter waren Söhne und Töchter im Erbrecht gleichberechtigt; in Basel wurde 1539 ein Erbrecht eingeführt, dass sogar Enkeln gleiche Anteile am Erbe zusicherte. Vgl. Huber, Privatrecht 4, 555–574. Zu Karlstadts Kindern vgl. KGK 399 (Anmerkung), KGK 399 (Anmerkung), KGK 399 (Anmerkung), KGK 399 (Anmerkung) und KGK 399 (Anmerkung).
12100 Pfund Stäbler Basler Währung entsprechen etwa 80 Gulden. Zum Stäbler vgl. KGK 388 (Anmerkung); zum Verhältnis von Pfund und Gulden vgl. KGK 378 (Anmerkung).
13bezahlen, die Ansprüche befriedigen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 6, 417f. s.v. usrichten Nr. 3.
14Oben festgelegte Zinszahlung über 5 Pfund jährlich.
15Kapital, im Gegensatz zum Zins. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 548f. s.v. Hauptguet.
16rechtlich wirksam.
17rechtsgültig. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 6, 577f. s.v. redlich Nr. 1a.
18bewusst, im rechtlichen Sinn mitverantwortlicher Schuld. Vgl. DWb 30, 802 s.v. wissentlich Nr. 1.
19mit Bedacht, mit Vorsatz. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 12, 368f. s.v. wohlbedachtlich. Auch im Sinne von: bekanntlich, öffentlich mit rechtlichem Charakter. Vgl. DWb 30, 804 s.v. öffentlich Nr. 2b.
20fordern. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1751 s.v. heischen Nr. 1.
21eintreiben, erheben. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 17, 1001f. s.v. inziehen Nr. B.1a.
22verpfänden. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 1680 s.v. versetzen Nr. 2a.
23Einwand, Schaden, Schuldforderung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 14, 418–420 s.v. Intrag Nr. 1–3.
24Anspruch. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 10, 722 s.v. Ansprach Nr. 2a.
25hier: rechtlicher Anspruch. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 6, 318 s.v. Rechtsami Nr. 1b.
26zukünftig, ferner. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 968 s.v. furer Nr. 2 u. 3.
27entsagen, entäußern, verzichten. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 17, 863–865 s.v. entzihen.
28genannter.
29frei und ledig; eigen. Vgl. DRW 3, 788 s.v. freiledig; DWb 4, 116 s.v. freiledig.
30Zeller beschreibt das Kapital seines Zinsbriefes, den er an Anna von Mochau verkauft, als nicht anderweitig und mit Schulden belastet.
31noch.
32mit Beschlag (Schulden) belegt. Vgl. DWb 25, 304f. s.v. verfangen Nr. 3b.
33Unklar. Vermutlich im Sinne von »öffentlich dargelegt«. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 115 s.v. Offnung Nr. 2 (die Eröffnung einer Gerichtsverhandlung mit der Darlegung der Streitsache).
34(die Schulden sind) nicht abgelöst. Vgl. DWb 3, 889f. s.v. erlassen Nr. 3.
35folgender. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 30 s.v. nachgan.
36Gerichtliche Besitzübertragung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 16, 991f. s.v. Werschaft.
37zu tun.
38Ertragsverlust. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 340 s.v. Abgang Nr. 2a.
39Verlust. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 16, 260 s.v. abgewinnen Nr. b.
40oft. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 12, 1238f. s.v. dick Nr. B.1a.
41Verzicht, Entsagung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 17, 872f. s.v. Verzihung Nr. 1a–b.
42Besitzergreifung. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 1588 s.v. Insatzing Nr. 1. Im Pfandrecht auch die Verpfändung bzw. Pfandverschreibung (ebd., Nr. 3).
43stets.
44unverbrüchlich.
45in den Besitz kommen, den Besitz bestreiten. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 3, 283 s.v. zuechomme.
46zu handeln.
48Gefährdung. Vgl. aber auch Schweizerisches Idiotikon 1, 1040 s.v. Gefert Nr. 4 im Sinne von Sachlage.
50verzichten.
51Gefahr, Gefährdung.
52Unklar, vermutlich vermeiden.
53Festlegung.
55Zur Beschreibung des Siegels siehe KGK 398 (Textstelle).
56förmlich verpflichten (jur.). Vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 402 s.v. übersagen Nr. 3b.
57Im Jahr 1543 der 12. November.

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