Nr. 378
Abrechnung des Rektorats Andreas Karlstadts
Basel, 1538, [Mai]

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck
Buchsymbol fehlt

Ratio1 Andreae Carolostadii propter rectoratum subducta
quem gessit anno M D XXXVIII2
acceptiaccepti pagina3

  • Mox suscepto rectoratu de fisco academiae4 59 lb 1 ß 8 d5
  • Nativitatis Mariae6 ex civitatis aerario 17 lb 5 ß
  • Ex testamento Dominae de Brünn7 38 lb 15 ß
  • Ex aerario civit'atis' pridie Palmarum8 6a lb 18 ß
  • ii fl a Sulzero9 ad fiscum facit i lb xviii ß
  • a Cristofero Schaub10 pro sigillo 2 ß
  • a Caspare Mellingero11 pro sigillo 2 ß
  • pro 37 inscriptis12 pecuniam largitis 5 lb ii ß
  • bSumma acceptib 129 lb 12 ß 2 d

Sequitur expositi tabula13Expositi

  • cAnd. Caspar Hardwicumc14dedi d'ominis' Decanis die octobris anno 37 in his aedibus15 47 lb
  • Gunzio16 die Julii prima anno 37 6 lb
  • pro mensuris17 duabus vini claretii18
    Gryneo19 de thermis reverso
    8 ß
  • Eodem die pro quinque hospitibus in
    singulos sex cruciferis20 supputatis21
    xiii ß
  • assessoribus camerae caesareae22 pro
    una mensura malvatici23 8 ß
  • pro i mensura clareti24 4 ß
  • pro i mensura rappesser25 i pazen26
  • pro i mensura muscateller27 iii ß
  • Dominis D'octoribus' Capitoni et Bucero28
    pro una mens'ura' malvatici29 8 ß
  • pro i mens'ura' claretii30 4 ß
  • Buchsymbol fehlt pedello pecuniamd pridie nativitatis so-
    lutam
    adferenti honorarii gratia31 2 ß
  • is proe servo civitatis muneris caussa32 1 ß
  • Nuncio pecuniam do'minae' de Brün honorarium33 7 ß 6 d
  • Opporino34 pro olla35 16 ß
  • honorarium pedello pecuniam adferenti36 quae pridie Palmarum soluta est
    2 ß
  • pro famulo civitatis 1 ß
  • pro bulla indictionis37 1 rap38
  • Sebastiano lepusculo39 ex testamento d'ominae' de Brünn40
    32 lb
  • expositi summa 87 lb 18 ß 2 d
  • expositi summa detracta ab accepto superest
    reliqui tantum. 41 lb 13 ß x d

Extantiae41

  • Haeredes Apollinaris hoͤkli42 recisum huius anni debent, neque prioris anni solunt v lib xv ß
  • Haeredes Joannis Clar de Moͤrnach43 tam huius quam praeteriti anni debent
    iii lbf
  • Richard Zimmermann de Schwertz,44 non modus debet huius anni reditum sed
    ante certorum aliquot annorum
    iii lb

Beilage 1: Eintrag über die Zuwendung eines Stipendiums für Sebastian Lepusculus, 1537, 28. Juli

Buchsymbol fehlt Collatio praebendae Dominae Mariae de Brunn45

Anno 1537 die Iulii 28 Domini Universitatisg mode-
ratores
46 stipendium D'ominae' Mariae de Brunn47, ludimagistro
minoris Basileae Sebastiano Lepusculoh48 contulerei49, sed uno dumtaxat
anno, ut tantisper experiantur, et salvis testamenti condi-
tionibus
, praecipue utj quotidie lectionem theologicam audiat
et gradibus indicatur designatis〈.〉50


Beilage 2: Kundschaft Hans Karchers vor Andreas Karlstadt als Dekan der Theologischen Fakultät, 1538, 11. Dezember

Buchsymbol fehlt Kuntschafft Hannsen Karcher51 dem
Winschencken geben.

Wir Iheronimus Artolphus52 der Philosophii magister, und Rector
der hohen Schul zu Basel, Thundt kundt vor meniglichen mit
diesem brieff, dass uff hüt sinem datum, der Ehrber Hanns Karcher Win-
schenck
und burger zu Basel, kuntschafft an den Würdigen und hoch-
glerten
hern Andreas bodenstein von Carolstatt götlicher gschrifft doc-
tor
, und derselben facultet Dechan, unnsern mitglid gezogen, dem
harumb rechtlichen für unnseren Notarien und gschwornen amptmann
betagt, Er auch erschinen und uff Hanns Karchers anzůg, inn des
gegenteils Batt Richolffs53 bysin, wie sich sollicher personen halb ge-
burt
gwißen, zevorhoren, und inn siner sag54 gloubwurdig urkunt
zegeben bergert hatt, Desshalb hern Doctor Andres bodenstein (dwil
sollichs begeren zu furderung rechtens nit versagt wirt) uff unnser
gebott und rechtliche wisung, bym eid, harumb uff dem helgen
Evangelio gschweren, niemants zelieb noch zeleid, sonder allein
umb der plossen warheit willen gsagt und bezugt hatt also, Das
er nit eigentlich wiss vom anzůg zesagen dann sovil, das hern Gilg
Richolff55 Batten Vatter, sampt Hannsen Karcher zu im zugen (uff ein zit
die im vergessen) inn sin behusung kůmmen, und hett herrn Gilg, inn
hern zugen56 bericht geben, Wie Hanns Karcher begert hett, Von Bat-
ten sins suns wegen bezalung, Nun brecht er im ein quittantz, doran
er kein bemugen57 konnte haben, und sollichen noch hetten sich sunst
zwischen hern Gilgen und Karcher mancherley streitreden verloffen58,
der hern zug59 nit ingedenck, je das er hern zug zu letst, sy beid,
zum Saltzschriber60 Junge61 saltzhuß62, der meynung gewesen, das der-
selb
solt ein quittantz stellen und machen, damit hern Gilg bemugt63
und si also beidersits zefriden komen, und sunst wer im hern zugen
kain anzůg, an inn beschehen, nit wissen, Des zu worem urkund
ist diser brief mit der Universitet furgetrucktem Insigel bewart,
und geben uff Mittwoch den xi decembris, als man zalt noch der
geburt Christi unsers hern xvmo achtunddreissig Jor.

A. Salczmann64 No'tarius' h'oc' c'uravit'


averbessert aus unleserlicher Zahl
b-bvermutlich späterer Eintrag mit schwächerer Tinte
c-ceingefügt von anderer Hand
dfolgt Streichung
espäter eingefügt
ffolgt gestrichen x ß
gfolgt ausradiert et a
hmit anderer Tinte autograph hinzugefügt a; davor gestrichen Sep b
iüber der Zeile ergänzt a
jet b

1Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben des Rektorats.
2Karlstadt war von [Mai] 1537 bis 30. April 1538 Rektor der Universität. Vgl. Matrikel Basel 2, 15 u. 507. Da der Rektor gemäß den neuen Privilegien von 1532 am Ende seiner Amtszeit verpflichtet war, gemeinsam mit dem Prorektor die Rechnungsbücher der Fakultäten zu überprüfen, Szepter und Kasse an den Nachfolger zu übergeben und vor der Regenz einen Rechenschaftsbericht abzulegen, ist davon auszugehen, dass die Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben am Ende seines Rektorats Anfang Mai 1538 erfolgte. Zu den Aufgaben des scheidenden Rektors vgl. Thommen, Geschichte, 35f.; 314f. Beilage 2.
3Es folgen die Einnahmen des Rektorats.
4Seit der Neuprivilegierung der Universität 1532 wurde ihre Finanzierung laufend neu geregelt. Der Rat hatte dem Fiskus die Einnahmen aus den 1525 säkularisierten Klöstern und Stiften der Stadt zugeschlagen, wobei die Verwaltung der Finanzen den vom Rat bestellten und sich aus dem Ratsgremium rekrutierenden Deputaten für Schulen und Kirche oblag. Am 2. Dezember 1533 hatten der oberste Zunftmeister Theodor Brand, der oberste Bürgermeister Jakob Meyer und die Deputaten als städtische Vertreter die Vollmacht und Gewalt über das Klostergut übernommen. Pfleger und Schaffner wurden zur Rechensschaftslegung verpflichtet, eine Ordnung über die Güter aufgestellt (StA Basel-Stadt, Ratsbücher B 4 (Erkänntnisbuch IV), fol. 118v). Die Professoren wurden nun durch den Rat besoldet, über die Höhe der Besoldung gab es noch in den nächsten Jahrzehnten Diskussionen. Zu Fronfasten 1541 betrugen die Einnahmen aus dem Klostergut 304 Pfund und 14 Schilling, von denen die Deputaten 295 Pfund und 10 Schilling für die Universität ausgaben. Vgl. Thommen, Geschichte, 47; 53f. Zusätzlich wurden weiterhin einige Professorengehälter, die mit Kanonikaten verbunden waren, aus den Pfründeneinnahmen des Stifts St. Peter gezahlt, das bereits 1463 der Universität inkorporiert worden war. Unter den Bepfründeten befanden sich die Professoren Albanus Thorer (18. März 1535), Johannes Sphyractes/Jeuchdenhammer (15. März 1537), Johannes Oporinus (8. Mai 1538), Sebastian Sinckeler (29. Februar 1540) und Wolfgang Wissenburg (15. Februar 1541). Vgl. StA-Basel, Ratsbücher D 1, fol. 28r–v, 83v–85r, 132r, 180v–181v, 191v–192r.
Vgl. hierzu auch Thommen, Geschichte, 48.
5Ein Pfund (lb) entsprach 20 Schilling (abgekürzt ß) bzw. 120 Pfennig (abgekürzt d von Denar). Vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 1108 s.v. Pfänni(n)g Nr. 1.
6Mariae Geburt (8. September) als erster Temin für eine direkte Zuwendung ans Rektorat aus der Stadtkasse; zur zweiten siehe u. KGK 378 (Anmerkung). Vermutlich erfolgte diese Zuteilung durch die Deputaten; vgl. KGK 378 (Anmerkung).
7Zur Stiftung der Maria von Brunn vgl. KGK 378 (Anmerkung). Aus diesem Stiftungsvermögen wurde auch das Stipendium für Sebastian Lepusculus gezahlt; siehe Beilage 2.
8Eine weitere Zuwendung aus der Stadtkasse am Vortag von Palmsonntag, also am 24. März 1537. Vgl. KGK 378 (Anmerkung).
9Simon Sulzer (1508–1585), nach Studium der Theologie in Basel und Straßburg 1532/33 erneut imm. in Basel und zum Professor der Logik ernannt, 1538–1548 Pfarrer in Bern, dann 1549–1552 Pfarrer zu St. Peter in Basel; 1552–1585 Antistes; 1552–1575 Professor für Hebräisch, Neues und Altes Testament. Vgl. Matrikel Basel 2, 1; Thommen, Geschichte, 115–117; Abendschein, Sulzer, passim; Burnett, Sulzer, 137–172. Sulzer brach am 26. März 1538 nach Wittenberg auf, um die Lehrposition der Oberdeutschen und die Ergebnisse des Berner Kolloquiums vom September 1537 vorzustellen, letztlich auch, um über einen Konsens in der Lehre zu verhandeln. Seine Anwesenheit zu Ostern in Wittenberg bezeugen Luthers Tischgespräche. Am 23. April reiste er wieder ab, am 9. Juni trat er seinen Dienst in Bern an. Vgl. Abendschein, Sulzer, 306–326; WA.TR 3, 650f. Nr. 3839 sowie die beiden Briefe Wolfgang Capitos an Jodokus Neobolus vom 26. März 1538 (Millet, Correspondance, Nr. 666 u. 667). Die hier aufgeführte Zahlung Sulzers über 2 Gulden (unter den Einnahmen umgerechnet als 1 Pfund und 18 Schilling, doch entsprach ein Gulden ungefähr 2 Pfund und 10 Schilling, siehe u. KGK 378 (Anmerkung)) könnte mit der Ausstellung (möglicherweise inklusive Siegelung) einer Urkunde wegen seines Fortgangs aus Basel im Zusammenhang stehen, in diesem Fall ist es wahrscheinlicher, für den Fortgang nach Bern.
10Christopherus Schaub (Wissenburgensis), imm. 1536/37 in Basel, kam aus Freiburg, vermutlich als Famulus und Begleiter von Bartolomaeus und Mattaeus von Leien (aus Trier). Vgl. Matrikel Freiburg 1, 302; Matrikel Basel 2, 14. Er zahlte zwei Schilling für eine Siegelung an die Rektoratskasse; der Vorgang ist unbekannt.
11Caspar Petri Mellinger (geb. zw. 1500 u. 1512, gest. 1561), Sohn des Druckers Johann Petri, imm. 1537/38 unter dem Rektor Karlstadt, studierte später Medizin in Montpellier (1541 imm.; 1543 Baccalaureus med.), 1545 Dr. med. in Basel (Kopie des Doktordiploms in StA Basel-Stadt, Urkundenbuch V III, 169); 1547–1551 Professor med. in Basel, dann Leibarzt des Grafen Georg von Württemberg in Schaffhausen. Vgl. Matrikel Basel 2, 16; Amerbachkorrespondenz 5, 374. Laut einem Geleitsbrief des Basler Rates vom 20. Oktober 1538 für Jakob Heilweck nahm dieser für Caspar Petri Mellinger die Freistelle an der Universität Paris ein, Mellinger wurde zurückgerufen (StA Basel-Stadt, Ratsbücher D 1, fol. 125r–v). Demnach muss er schon im Frühjahr nach Paris gegangen sein; vermutlich steht die Zahlung von zwei Schilling für eine Siegelung durch die Universität im Zusammenhang mit seinem Abgang von der Hochschule.
12Demnach zahlten 37 Immatrikulierte für ihre Inskriptionen 5 Pfund und 2 Schilling. Tatsächlich wurden im Rektorat Karlstadts 44 Studenten immatrikuliert, von denen 37 insgesamt 218 Schilling Einschreibgebühren zahlten, was einem abweichenden Wert von 10 Pfund und 18 Schilling entspricht. Vgl. Matrikel Basel 2, 15–19 u. 507.
13Hier setzt die Auflistung der Ausgaben ein.
14Die Funktion dieser später und von anderer Hand hinzugefügten Beischrift des Namens »Andreas Caspar Hardtwich« ist nicht zu klären, eine Person gleichen Namens in den Universitätsakten nicht zu finden.
15An einem unbestimmten Tag im Oktober 1537 erhielten die Dekane in den Fakultätshäusern insgesamt 47 Pfund zugeteilt. Ob es sich dabei um die regulären Zuwendungen aus dem Universitätsfiskus handelte, ist nicht deutlich. Zum Aufbau des Fakultätsfiskus vgl. Thommen, Geschichte, 62f.
16Hieronymus Güntz von Biberach (Guntius Bibranus), der 1535/36 an der Universität Basel für 6 Schilling immatrikuliert wurde. Vgl. Matrikel Basel 2, 9. Er war 1526–1529 Famulus Zwinglis, 1536 »ludimagister coenobii apud Dominicanos« (Schulmeister im Dominikanerkloster) in Basel, 1539 wurde er Pfarrer in Oberwil, 1544 in Münchenstein, 1546 für einige Monate in Augsburg, gest. 1552 als Pfarrer in Rümlingen. Vgl. Gauss, Basilea Reformta, 80; Amerbachkorrespondenz 4, 463; Burckhardt, Gast, 292 Anm. 59; Thommen, Geschichte, 358. In seiner Funktion als Schulmeister erhielt Güntz am 1. Juli 1537 aus der Universitätskasse sechs Pfund. Alle Schulen Basels waren hinsichtlich des Lehrplans der Universitätsregenz unterstellt. Gemeinsam mit den Deputaten oblag der Regenz auch die Besetzung der Lehrerstellen. Die Finanzierung aber übernahm sie nicht allein, sondern unterstand dem Rat. Vgl. Thommen, Geschichte, 41f. Daher ist diese Auszahlung nur als Teil des Lehrergehaltes anzusehen.
17Ein Maaß (»mensura«) waren ungefähr vier Schoppen.
18Der Weinaperitif Claretum; weniger wahrscheinlich Wein der Rebsorte Clairette.
19Simon Grynaeus (1494–1541), 1524 Professur für Griechisch in Heidelberg, imm. 1532/33 in Basel, sogleich zum Professor der Theologie ernannt. Er starb am 1. August 1541 während seines Rektorats. Vgl. Matrikel Basel 2, 2; ADB 10, 72f.; Amerbachkorrespondenz 3, 514; HBLS 3, 783; Ehmer, Grynaeus; Staehelin, Entstehung, 148f.; Thommen, Geschichte, 109–113. Grynaeus erhielt hier nach seiner Rückkehr aus Baden – vermutlich zur Kur – acht Schilling zum Kauf von zwei Maaß (bzw. acht Schoppen) des Weinaperitifs Claretum (siehe o. KGK 378 (Anmerkung)). Es ist unklar, ob es sich um das Baden bei Wettingen, etwa 55 km von Basel, handelt. Im April 1538 hatten Wolfgang Capito und Martin Bucer von Straßburg aus angeregt, Grynaeus nach Tübingen zu versetzen, der Basler Rat verwies in einem Brief vom 15. April 1538 jedoch auf die Opposition von Kirche und Universität Basel gegen diese Versetzung. Vgl. Millet, Correspondance, Nr. 672.
20Kreuzer. Ein Kreuzer hatte den Wert eines Viertel Batzen bzw. von 3 Schilling und 9 Heller. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 3, 944 s.v. Chrüzer Nr. 1. Ein Batzen entsprach 14/15 Rappen oder einem Groschen; 15 Batzen einem Gulden. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 4, 1964f. s.v. Batz II Nr. 1a. Wiederum hatten 7 oder 8 Heller den Wert eines Kreuzers. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1130f. s.v. Haller II.
21Am selben Tag – ob dies der 1. Juli 1537 war (siehe o. KGK 378 (Anmerkung)) oder sich auf einen anderen Tag, nämlich den der Rückkehr des Grynaeus nach Basel (siehe o. KGK 378 (Anmerkung)) bezieht, ist unklar – erhielten fünf Gäste jeweils sechs Kreuzer. 30 Kreuzer entsprachen umgerechnet tatsächlich dem Wert von 13 Schilling.
22Zur Weinverköstigung der Assessoren des Reichskammergerichts gab die Universität fast 17 Schilling aus. Möglicherweise stand ihr Besuch im Zusammenhang mit der Verpflichtung der Stadt Basel, einen Beitrag zum Unterhalt des Gerichts zu leisten. Die kaiserliche Urkunde Karls V. zur Fortführung des Kammergerichts um drei Jahre vom 17. April 1531 erbittet von der Stadt Basel einen anteiligen Unterhalt des Gerichts in Höhe von 80 Goldgulden jährlich, zahlbar zu Zeiten der Frankfurter Messe. Am 20. April 1541 wurde diese Urkunde erneuert, der von der Stadt Basel zu leistende Unterhalt auf 160 und einen dritthalben Gulden erhöht (StA Basel-Stadt, Fremde Staaten Deutschland C 2 [Reichskammergericht 1490–1561], ungez. Blätter [ehemals AQ3c und AQ3f]).
23Malvasier, ein schon in der Antike bekannter, roter Wein (benannt nach Monemvasia auf der Peloponnes). Angebaut v.a. in Italien und Kroatien.
25Rappiser, ein moussierender Wein, für den frische Trauben mit altem Wein und Gewürzen versetzt und alles zusammen weiter vergoren wird. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 6, 1184 s.v. Rappis(s)er.
26Batzen, entspricht ungefähr einem Groschen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 4, 1964 s.v. Batz II Nr. 1. 15 Batzen ergaben einen Gulden, der den Wert von einem Pfund (à 20 Schilling) und 5 Schilling besaß. Somit hat der hier angegebene Batzen ungefähr dem Wert von 1 2/3 Schilling entsprochen. Zur Berechnung der Währungsverhältnisse vgl. Schweizerisches Idiotikon 10, 1060; 5, 1155; 6, 1173; 8, 574.
27Ein süßer Muskatellerwein.
28Die Straßburger Reformatoren Martin Bucer und Wolfgang Capito reisten Anfang September 1537 zur Synode nach Bern, dabei hielten sie sich kurz vor dem 10. September und am 2. Oktober in Basel auf. Vgl. Rott, Correspondance, 98; etwas unsicherer in Capitos Fall, vgl. Millet, Correspondance, 227 Nr. 651. Nachdem Luther den Schweizer Städten (Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Mülhausen, Biel) am 1. Dezember 1537 einen Brief mit der Bitte, sich der Wittenberger Konkordie anzuschließen, gesandt hatte (WA.B 8, 149–153 Nr. 3191; vgl. Bucer, Schriften 8, 294), den die Straßburger am 14. Januar 1538 mit einem Begleitbrief nach Basel weiterleiteten (vgl. Bucer, Schriften 16, 277f.), wurde in Zürich für den 28. April bis 3. Mai 1538 eine Tagsatzung einberufen. Obwohl die gegenüber Luthers Vorschlag skeptischen Zürcher dagegen waren, wurden die Basler auf der Tagsatzung von den kompromissbereiten Straßburger Theologen Wolfgang Capito und Martin Bucer begleitet. Vgl. Bucer, Schriften 8, 296 Anm. 4; 16, 279. Auf dem Weg dorthin hielten sich Capito und Bucer kurzzeitig in Basel auf. Die Entfernung zwischen Basel und Straßburg beträgt ca. 130 km, die Strecke konnte in etwa drei Tagen absolviert werden, sodass sie am 25. oder 26. April Basel erreicht haben könnten. Vgl. auch Rott, Correspondance, 99. Anfang Mai versandte Capito Briefe aus Basel, möglicherweise auf der Rückfahrt aus Zürich. Vgl. Millet, Correspondance, 236f. Nr. 675 und 676. Für den Besuch Capitos und Bucers wurden aus dem Fiskus des Rektorats acht Schilling zum Kauf von Wein ausgezahlt; es bleibt unklar, ob es sich um deren Besuch im September / Oktober 1537 oder im April 1538 handelte. Im Juli 1539 weisen die Rektoratsrechnungen eine neuerliche Summe für ein Gastmahl mit Capito, Bucer und einer größeren Delegation aus Straßburg aus. Vgl. StA Basel-Stadt, Universitätsarchiv K 8, fol. 12r. Karlstadt hat die Weinbestellung für dieses Mahl vermutlich an Bonifacius Amerbach übersandt. Vgl. KGK 382 (Textstelle) und KGK 382 (Anmerkung).
31Am 23. Dezember 1537 wurde dem Universitätspedell eine Geldsumme in Höhe von zwei Schilling als Honorar ausgezahlt. Dabei muss es sich um eine Sonderzahlung handeln. Pedell und Notar waren die beiden einzigen festangestellten Verwaltungsbeamten der Universität. Das jährliche Gehalt des Pedells betrug 20 Gulden, zusätzlich erhielt er Taxen aus bestimmten Diensten. Die Aufgaben des Pedells bestanden im Kassieren von Zinsen und Bußen für die Universität, seiner Präsenz bei Disputationen und Promotionen, der Organisation der akademischen Gelage und der Unterstützung des Rektors im Sittengericht. Vgl. Thommen, Geschichte, 68.
32Ein Stadtdiener erhielt einen Schilling für seine Dienste. Die Person und die von ihr ausgeführte Angelegenheit konnten nicht ermittelt werden.
33Dem Überbringer der Geldstiftung der Maria von Brunn wurde die Summe von sieben Schilling und sechs Denaren (Pfennigen) ausgezahlt. Zu dieser Stiftung siehe u. KGK 378 (Anmerkung).
34Johannes Oporinus (1507–1568), später berühmter Buchdrucker in Basel. Oporinus war unter dem Rektor Paul Phrygio 1533 in Basel als Professor für Latein immatrikuliert worden, 1538 auch Dozent für Griechisch. Vgl. Matrikel Basel 2, 3; Steinmann, Oporinus, 8 u. 17f.; Reske, Buchdrucker, 78–80. Vgl. auch die Erwähnungen in den Einleitungen zu KGK 354 und KGK 379.
35Ein Gefäß.
36Ein zweites Sonderhonorar für den Pedell über erneut 2 Schlling; siehe o. KGK 378 (Anmerkung).
37Nach ihrer Wiedereröffnung 1532 wurde die Universität Basel zwar als protestantische Hochschule neubegründet und der Gewalt des Rates unterworfen, doch blieben einige wesentliche Punkte der ursprünglichen Gründungsverfassung von 1460 unverändert. So hatte der katholische Bischof von Basel weiterhin das Amt des Kanzlers inne, das er freilich den Dekanen der Universität als Vizekanzler in exekutiver Funktion übertrug. Zugleich verbürgte der Bischof als Kanzler die Gültigkeit der Doktorpromotionen. Vgl. Thommen, Geschichte, 32–34; Burckhardt-Biedermann, Erneuerung, 460. Um den Konsens mit dem Bischof und den Anschein der unveränderten Gründungsverfassung zu wahren, wurde daher weiterhin für die ausgestellte Bulle der päpstlichen Privilegierung der Universität eine Gebühr entrichtet.
38Ein Rappen, etwas mehr als ein Batzen bzw. Groschen, vgl. KGK 378 (Anmerkung).
40Zur Stiftung der Maria von Brunn siehe u. KGK 378 (Anmerkung).
41Außenstände.
42Apollinaris Höcklin von Steineck, mgfl. Vogt in Schopfheim, gest. 1535. Vgl. Amerbachkorrespondenz 5, 283. Die Schulden betrafen vermutlich seinen in Basel 1535 immatrikulierten Sohn Johann Heinrich Höcklin (gest. 1563) aus zweiter Ehe. Vgl. Matrikel Basel 2, 10. Bonifacius Amerbach schrieb am 10. November 1540 dessen älteren Bruder Hans Jakob Höcklin, Sohn aus erster Ehe und zu dieser Zeit württembergischer Landvogt in Mömpelgard, mit der Bitte um Unterstützung an, da Johann Heinrich nicht über hinreichende Mittel für Unterhalt und Verköstigung verfüge. Vgl. Amerbachkorrespondenz 5, 335. Laut Karlstadts Eintrag hatten sich bereits Schulden über fünf Pfund und 15 Schilling aufgehäuft.
43Die erwähnte Person ist nicht eindeutig zu identifizieren. Es könnte sich um die Erben von Johannes Textor de Mörnach handeln (also aus Mörnach im Elsaß, etwa 30 km westlich von Basel). Dieser hatte nach einem bis zum Sententiat geführten Theologiestudium in Basel geheiratet und war in die juristische Fakultät gewechselt (laut UA Wien, 108 A 110 um 1500 als Lic. jur. auch Dekan der Artistenfakultät). Er gehörte zu den vier Professoren, die in der Fastenzeit 1523 die Reformprediger Johannes Lüthard und Konrad Pellikan beim Provinzial des Barfüßerordens denunzierten und denen daraufhin vom Stadtrat die Besoldung entzogen wurde. Die Universität hielt aber weiterhin an ihnen fest, Mörnach wurde noch vier Mal zum Dekan der juristischen Fakultät gewählt. Vgl. Matrikel Basel, 1, 119 u. 354; Matrikel Basel 3, 129; 248; 333; 427f.; 483; Staehelin, Basler Aufenthalte, 379f. Johannes Textor von Mörnach gründete 1489 in dem von ihm gekauften Seidenhof am Blumenrain eine Studentenburse (Löwenburse), die seine Nachkommen 1544 verkauften. Vgl. Bürgerhaus in der Schweiz 22.2, LIII–LV Tafeln 103–107. Ob die gegenüber der Universität angehäuften und hier dokumentierten Außenstände in Höhe von drei Pfund in diesem Zusammenhang entstanden waren, ist unbekannt.
44Die Schulden von Richard Zimmermann aus Schwerz (heute Suarce im Arondissement Belfort, etwa 50 km westlich von Basel) über 3 Pfund betreffen Einkünfte dieses und mehrerer anderer Jahre. Über Zimmermann ist nichts weiter bekannt.
45Zu Maria von Brunn und ihrer Stiftung von Stipendien für die Universität Basel siehe KGK 378 (Anmerkung).
46Die Lenker der Universität, in diesem Fall die Regenz, die das Stipendium vergibt.
47Maria von Brunn, geborene Zscheckabürlin (unter diesem Namen ist sie in den meisten archivalischen Quellen vermerkt), hatte nach dem Tod ihres Ehemannes Morand von Brunn (um 1460–1513) am 23. Dezember 1514 für ein Stipendium der Universität Basel 600 Gulden gestiftet sowie zusätzlich dem Domkapitel 140 Gulden für einen neuen Altar im Kreuzgang des Münsters, für ein ewiges Licht und ein Fenster (StA Basel-Stadt, Regest Karthäuser Urk. Nr. 450). Nachweise für dieses Stipendium, das an Studenten in Höhe von 30 Gulden über zehn Jahre ausgezahlt wurde, finden sich in Vereidigungen und Empfangsbestätigungen der Empfänger bis zum Jahr 1585 (Regest Karthäuser Urk. Nr. 454, 471, 515 und 535). Zur Auszahlung an Lepusculus siehe Karlstadts Angabe zu den Ausgaben der Universität im Jahre 1538 (Beilage 2).
48Sebastian Lepusculus, Schulmeister an St. Theodor in Kleinbasel, war ein Schüler Karlstadts. Zu ihm siehe KGK 378 (Anmerkung).
49Kurzform von »contulerunt«.
50Die Stipendiaten mussten sich verpflichten, ihre Studien ordnungsgemäß durchzuführen. So verpflichteten sich die Magister Lucas Justus (am 21. September 1556) und Heinrich Justus (am 16. Dezember 1585) mit der Bestätigung des Erhalts des gestifteten Universitätsstipendiums von 30 Gulden zur Erfüllung der damit verbundenen Bedingungen (StA Basel-Stadt, Regest Karthäuser Urk. Nr. 515 u. 535). Für mittellose Studenten wurde 1538 das ehemalige Augustinerkloster als Wohnstätte (collegium superius) eingerichtet. Zugleich vergab die Stadt Stipendien aus Privatstiftungen, bei deren Antritt sich die Stipendiaten verpflichteten, die universitären Verordnungen zu befolgen, sich nicht gegen Entscheide der Regenz aufzulehnen und an der Basler Konfession festzuhalten. Vgl. Thommen, Geschichte, 75–78.
51Über den Weinschenk Hans Karcher ist nichts weiteres bekannt.
52Hieronymus Artolphus, 1538/39 Rektor der Universität Basel in der Nachfolge Karlstadts. Vgl. Matrikel Basel 2, u. 507.
53Batt Richolff erscheint am 14. März 1544 noch einmal in den Universitätsakten als Zeuge (StA Basel-Stadt, Universitätsarchiv H 1, 29).
54juristische Aussage. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 375f. s.v. Sag I Nr. 1b.α.
55Gilg (Ägidius) Richolff taucht zwischen 1502 und 1543 als Kaplan, Schaffner und Priester zu St. Peter in Basel in verschiedenen archivalischen Eintragungen auf (StA Basel-Stadt, Regest St. Peter 1252 u. 1362a und Universitätsarchiv I 1 H 1, 4 u. 28). 1539 war er laut Selbstaussage bereits 80 Jahre alt; er hatte einst in der Druckerei von Johannes Amerbach am Satz der Augustin- und Ambrosius-Ausgaben mitgewirkt (StA Basel-Stadt, Universitätsarchiv I 1 H 1, 28). Vgl. auch Amerbachkorrespondenz 5, 280 Nr. 2390.
56Zeugen.
57Genüge.
58sich zutragen. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 3, 1137 s.v. verlaufen Nr. 2e.
59Zeugen.
60Salzschreiber, Verwalter eines Salzwerks (DRW 11, 1489) bzw. Bediensteter im Salzamt. Vgl. auch Ebner, Wörterbuch Berufsbezeichnungen, 612f. In Basel gibt es eine ganze Akte für dieses Amt, allerdings erst für den Zeitraum von 1567 bis 1841 (StA Basel-Stadt, Salz C 1).
61Über den Salzschreiber Junge sind keine weiteren Quellen bekannt. 1521 ist ein Salzschreiber Johanni erwähnt (StA Basel-Stadt, Urkunden St. Peter Nr. 1375).
62Ursprünglich war das Salzhaus die Steuer- und Zolleinnahmestelle des Fürstbischofs von Basel. Im 14. Jahrhundert wurde es zum rätlich betriebenen domus salis, ein Kaufhaus für den Handel mit Salz unter der Aufsicht von sieben vom Rat bestellten Salzherren.
63genüge getan.
64Zum Universitätsnotar und Stadtschreiber Adalbert Salzmann (gest. März 1546) vgl. Amerbachkorrespondenz 5, 198; 263f.; 349; 473 u. 6, 16; 74; 82; 96; 233–245. Laut Verzeichnis der Schreiber und Notare zu Basel (Rep. H 4) erstmals 1517 als Schreiber in städtischer Funktion nachweisbar, zuletzt 1544; vgl. StA Basel-Stadt, Räte und Beamte U 24.9, 230. Als Notar bezeugte er am 14. Februar 1534, dass Erasmus von Rotterdam testamentarisch Bonifacius Amerbach als Erben eingesetzt hatte (StA Basel-Stadt, Urk. VI., fol. 134r–v). Dem Basler Universitätsnotar war nur ein Grundgehalt von 6 Pfund zugeteilt, zusätzlich erhielt er aber Gebühren für die Ausfertigung und Siegelung von Dokumenten sowie für die Verlesung von Eiden. Vgl. Thommen, Geschichte, 69.

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