A1r
Welche bucher Biblischa seint.
Dissesb buchlin lernetc
unter-
scheyd zwueschen Biblischen buchern und
unbiblischen/
darynnen viel geyrret haben/
und noch yrren/ Dartzu weyszet das buch-
lin/ welche bucher/ in der Biblien/ orstlichd
seint zuleszen.
Andrese Bodenstein von Carolstadtf Doctor.
Wittembergk
.
g
A1v
Dem Ersamen und namhafftigen
Wolffgang Sturtzen Burger und Bergmeyster in S.
Joachimsz talh1/ wunsch ich Andres Bondenstein ge-
suntheit und wol leben in Christo/ mit anbietung mey-
ner willigen diensten.
Ersamer gonder und furderer/ Die weil ich euch
als einen liebhaber/ reyner
Christlicher warheit (szo in
Biblischen buchern eingeleybt)2 in eygner person/ und
auch durch eur gonder
(der yhr nit wenig/ umb eur
dienst/ leuthselickeit/ und gutheit/ habt erlangt)
vermer-
cket und erkant/ hab ich allen Christen/ sunderlich
euch/
zu gut und ehren/ ein kurtz antzeyg und berichtung thuen
wollen/ Auff das yhr eygentlich sehen unnd verstehen
mugth/ welche
bucher/ in der Biblienn warhafftiglich
Biblische und Gotliche bucher/ und widerumb
wilche
unbiblisch seint. Item welche zu ernst/ und widder star-
cke gewappente feynd furtzuwenden. Widderumb wel-
che
allein den hauffen gemehren/ und zuschumpff oder
widder plosse einfeltige krieger
(als Parfuesser holtzschugeri seint3)
dienen.4 Das thu ich derhalben/ das euch
die graue gesellen/ und
andere keszyeger5/ nit an der
seel
beschedigen/ wie sie sich/ an euren guttern/ gesuntheit
und leben/
vortzeitten/ zuvorletzenj unterstanden haben.
Ich hoff yhr werdetk mir nicht
verargern/ dan/ der wir-
dige her und magister Johan Sturtz/ eur bruder (der
anher/ den rechten
Christlichen glauben zulernen)6
gekum-
men/ hat mich vertrost/ das euch/ diesses zuschreyben/
zu keinen ungefallen gereichen wurt/ Damit got befol-
len.
Datum eylung/ Wittemberg Sontags nach aller
heyligen. Im Jar. M. D. XX.7
A2r
Vorred.
Nach dem ittztl/ wie ich bericht/ neu und
deutsche
Biblien/ sollen gedruckt wer-
den8/ und alle Christen geystliche und ley-
hen/ gelarte aberm9 ungelarten/ die heylige
schrifft/ zuleszen odder horen leszen (und
in solchem vleysz) schuldig seint/ das sie
widderumb andere Christen leren mugen und wollen/
hab ich obgenanter/ auff anregen unnd begerung etzli-
cher gotforchtiger menschen/ allen und yeglichenn
Chri-
sten/ alden und iungen/ geweichten und ungeweichten10/
menner und weyber11/ ein kurtze unterricht thun
wollen.
Welche bucher/ ano12 yemandts
widerred/ Gotlich und
Biblische seint/ welche auch widerumb von etzlichen
nit
angenummen oder zugelassen/ Damit der fruemp und
getraueq diener gottis/ sich auff die allerbeste
schrifft le-
gen mug/ und der leer obligen/ die yhnen/ durch alle
ke-
tzerische feynd tragen/ unnd ausz aller ferlickeit brengen
mag. Und das er (wie ein klueg lamblinr) die beste weid
erstlich suchen kan/ Aber ich
wil das allis auffs kurtz-
te versuchen. Szo ymandts weitter berichtung bedarff
odder begert/ der lesze mein
lateinisch buchlin de scrip-
turis Canonicis intitulirt und
genennet13/ das wurt yhn
ferner furen und verstendigen.
Biblisch bucher des alten testaments.
In dem alten gesetz/ seint nachgeschriebenn bucher
Canonici/ das ist/ gotlich
oder Biblische/ Funff bu-
cher
Moysi/ die selben .v. bucher sein zeitten von
Christo
das gesetz genant.14 Unnd die Juden nennen auch noch
heut die selbe funff bucher/ das gesetz/
hebraisch thora.
Darnach machen sie/ die Juden (unnd ist alszo bey
den gelarten Christen in
ubung und gewonheit) die an-
A2v dere ordnung der Prophetenn/ nemliche disser bucher.
Josue.i.Zum ersten zelen sie unter den propheten/ Jesum ein
son Nave/ das ist/ das buch Josue.
Judicum.iiDarnach das buch der richter/ zu dem selben
hen-
cken sie das buchlin Ruth.Ruth.
Samuel.iii.An die dritte stelh ordnen sie Samuel/ das ist/ das
erste und ander buch der
konig.
buch der konig.iiii.In die vierde stad setzen sie das
buch der konig/ das
seint/ die zwey letzte bucher der konigen.
Esaias.vAn das funffte glid/ stellen sie Esaiam.
Hiere.vi.Hieremiam in das sechste.
Die sibendeEzech.vii stadt geben sie Ezechiel.
Und die achte stelh behalten die .xii. klein propheten/xii.
kleinpropheten
die ein buchlin bey den Juden seint〈/〉
besitzen und inhaben.
Disse bucher heyssen prophetische/ szo in diesser an-
dere
ordenung begriffen.15
Driets ordnung gotlicher bucher.
Die driet ordenung begreuffett bucher/ der yene/ szo
die Juden heylig
schreyber/ odder heylige leerer genant
haben/ wie wol sie etzliche lerern/ ausz den
selben/ als
David/ Moysi vergleichen.16
Job.i.In disser ordnung stehet das buch Job zufodderst.
David.iiDarnach David/ den sie mit einem psalmen buch
beschliessenn. Do auch zumercken ist/
das die psalmen
der yenen seint/ der titel sie haben/ welcher aber anu17
uber-
schrifft ist/ der selbige gehort zu denn schreybern odder
meystern/ die sich uber negest vorgehenden psalmen ge-
schrieben. Ich weysz wol/ das Augustinus in der zalh
disser bucher vil
anders redet/ dan Hieronymus. Ich
weysz
auch/ das er andere meynung hat/ von den psal-
men/ aber yhr sollentv wissen/
das Hieronymus in di-
ssem
vahlw/ Augustino weyd uberleit/ und grosser zuach-
ten/ und Hieronymo auch
nachtzufolgen ist.18
Es ist auch szo offenbar/ das der heylig Augustinus
A3r
geyrret/ das einer greuffen kondt/ und wir mugen yhe
nit leugnen/ das er
geyrret.
In ytzt obangetzeygter ordnung haben drey bucher
Proverbia.iii.Salomonis.
Die driet stelh/ nemlich proverbiorum aber19 Beyspilen
odder gemeyner reden.
Eccle.iiiiZu dem vierdten/ das buch Ecclesiastes.
Canti.v.Zu dem funfften/ das buch Canticum
canticorum.
daniel.vi.Zu dem Sechsten Daniel.
Para.vii.Zu dem sibenden Paralipomenon.
Esdras.viIi.xDie achte stadt behelt Esdras/ nemlich seinn zwey
erste buchlin.
Hester.ixAn neundter stelh stehet Hester.20
Summa der bucher.Und also zelen sie nit mehr/ dan .xxii. bucher des alten
gesetzes/ aber auff das
allermeinst .xxiiii. so man die bu-
cher
Ruth/ und der Drehen Jeremie21 sonderlich
abtzelen wil〈.〉22
Alle bucher/ die unszer bucher dem alten gesetz zuschrey-
ben/
und seint nicht in obgemelten ordenungen begriffen/
die seint/ nit von allen
gleubigen angenommen/ und fur
Gotliche odder Biblisch schrifft gerechnet. Ja ich
sag
Apocryphi.frey mit sanct Hieronymo/ sie seint Apocryphi23/ das ist
unbekanter autoriteten/ und haben
kein Biblische hey-
lickeit/ Darausz folget/ das Augustinus viel bucher ze-
let/ und fur
heylig schrifft achtet/ die doch nit fur heyli-
ge schrifft/ solten
getzelty und geschatzt
werdenn.24 Es ist
auch
unverborgenz/ allen den yenen/ szo heylig schrifft des
alten gesetz/ odder testaments/ in der
sprach/ der Juden (von
welchen das alt testament zu unsz gekummen) leesen/ das
nicht mehr/ auch keine andere bucher dem alten gesetz zuge-
horig seint/ dan .xxii. obertzelte bucher. Es sol auch nie-
mants andere bucher/ mit dem alten gesetz zelen/ dan die
ytzt oben
vermeldet seint.25
ManasseDarausz folgtaa/ das gebet odder Oration Manasse
nit als heylig schrifft zubrauchen ist.26
A3v
Item/ das die letzte zwey bucher (szo Esdre/
durch
yrthumb/ unterschrieben)ab auch nit fur heylig biblische
schrifft
sollen gehalten werden.27 Und
sol sich niemants
entsetzen/ szo er in den heyligen lerern (als Augustino/
odder Ambrosio und der gleichen) obgenant bucher
(nebendt heyliger gotlicher
schrifft eingefuret) leszenn
wurt/ Dan wir mugen in diessen zeitten schrifften Au-
gustini/ und seiner
gleichen/ auch einfuren/ Aber wan
wir yhre lerungen/ als heylige biblische
schrifft/ und in
solcher wirden wolten gebrauchenn/ szo tethen wir un-
recht/Vide de scripturis Canonicis und
ertzurneten den heyligen Augustinum
hertig-
lich/ac Das ich reichlichad in dem buchlin von unterscheyd
heyliger geschrifft/ und heyliger
lerern/ beweysen wert/
wil got/ und in
obgedachtem buchlin de scripturis Ca-
nonicis beweyst hab.28
Tobias.iii.Item/ ausz obvermelter ordenung folget auch
das/
das buchlinn Tobie auch nit als heylige/
Biblische
schrifft/ in dem alten gesetz beschlossen.
Judit. v.Item/ das Judith auch nit zu denae alten gesetz geteylet ist.
Sapien.viDergleichen nachgeschrieben bucher/ nemlich
das
Eccle.viibuch Sapientie/ Ecclesiastici/ ii. bucher
Machabeo-
rum.Machabeorum. viii
Item Baruch/ die zwey letzte capittel Danielis/
Dani.ix.und ein gut teyl Danielis in dem
.iii. capittel/ nit gotli-
cher schrifft seint. Dan der bucher und
gedachte capit-
tel/ ist keynes/ unter den buchern/ des alten
gesetzes ge-
schrieben.
Ich glaub wol/ und gestehe/ das die Juden der sel-
ben ein
teyl itzt (wie wir die Christliche lerer) haben/
aber in der Biblien stehen sie yhe
nit vertzeychendt/ es
sol sie auch keyner wirdigen als die Biblische bucher.29
Unter dissen buchern itzt ertzelt/ die unbiblische ver-
urteylt/ und in Hebraischen Biblien nit beschlossen/ sol
doch unterscheyd
der Apocryphenn bucher gehaldenn
werden/ als diesser.30
A4r
Das die zwey letzte bucher Esdre ye und ye/ fur
kein
Esdre .iii. et .iiii.heylig biblische schrifft
gehalten seint.
Dergleichen ist das gebet Manasse und Baruch
und die zwey letzte capittel Danielis/ von der
Susanna
von dem abtgot Bel/ und drachen/ und von Abakuk.31
Wiewol in itzt gemeltenn buchern/ nicht wenigaf
ge-
schrieben stehet/ das niemants verneynen darff/ Dan-
noch ist niemant getzwungen/ die sententz und wort der-
selben bucher antzunehmen/ derhalben das sie in solchen
buchern
geleszen werdenn/ szondern derwegen/ Das
sie in andern (die heylige gotliche
schrifft genant) auch
mugen gefunden werden/ Derhalben ist erstlich zumer-
cken/ das viel schrifften in heyliger kirchen geleszen wer-
den/ die doch nit Biblisch und gotlich gewest/ und noch
itzt
nit heylig schrifft sein. Dan es werden spruchen und
reden (Augustini/ Hieronymi/
Ambrosii/ Gregorii/
Bede32/ Chrysostomi/ Cyrilli/ letynischer und kriechi-
scher lerern) geleszen/
und gesungen. Die sich gar nicht
wollen als biblischeag geehret haben/ odder das wir/ yhre
bucher odder schrifften/ der heyligen gotlichen schrifft/
vorgleichen/
aber33 Biblische und gotliche
sollen halten.34
Ubung der kirchen.Alszo lieszet die Christliche kirche
manicherley bu-
cher/ ygliche in eygner krafft/ und in seiner macht
und wir-
den. Sie machet auch durch yhrem gebrauch/ kein schrift
hoher oder mehr wirdiger/ dan sie in yhr selber ist.
Augustinus und Jeronymusah (unnd der gleychen)
seint wol heylig Christliche
lerer/ yhre Homileyen und
anderer lerern/ lieszet die kirch/ Aber sie heldet sie/
der bi-
blischen schrifft ungleich/ und unvergleichlich geringer.
Unnd abai wol etzliche dolle Monichenaj/ gedachte lerer/
szo grosz machen und schatzen/ sprechende/
das yhren le-
rungen niemands darff widdersagen.35 Yedoch ist offen-
bar/ wie obberurte doctores alle Christen/ von sich/ in
die schrifft/
furen/ und sprechen/ Das sich ein yeglicher
A4v
mensch/ in die Biblische schrifft eyniglich unnd festig-
lich
anhefften sol.36 Und das sie
einer durch heyli-
ge schrifft teylen37 unnd straffen mug/ szo befunden/ das
sie
gotlicher schrifft gefelt hetten. Derhalben/ apgleichak
die Christliche kirchen/ solcher spruchen und reden/ hey-
liger lerer/ teglich gebraucht/ dannoch bleyben sie heyli-
ge doctores/ unnd yhre bucher solche heyligen/ den wir
widersagen dorffen/
und werden nummeral mehr38 Biblische.
Alszo sol ein yeglicher/ von den Apocryphen
reden/
das sie/ und ein yeglich in seiner krafft und macht bley-
ben/ wie wol sie die kirchen gebraucht/ oder die heylige
lerer/ zeytten
(yhren sachen zu gut) einfuren.
Darumb werden die zwey letzten bucher Esdre/
nin-
dert39 grosser odder mehr durch gebrauchung/ ya sie wer-
den
nummeram
mehr40 den Biblischen
gleichmessig.
Unter den Apocryphen/ das ist/ die nicht in dem alten
gesetz (davon ich itzt
sage und handel)an begriffen/ seint/
etliche als die heylige bucher/ und fur heylige
angenummen
und doch nit gotlich odder Biblische geschatzt.
Nemlich/
| i. | Sapientie | iii. | Judith | Macha- beorum. |
| ii. | Ecclesiastici | iiii. | Thobie |
Disse bucher und yhren ynhalt/ sol keyner/ als Bi-
blische
halten/ aber er mag sie wol fur alte heylige schrifft
gebrauchen/ wie einer sonste
heyliger lerern schrifft ge-
braucht.
Unnd wie wol sie/ wie gemeldet/ nit als Biblische
leer seint zuachten/ dannoch
radt ich niemandts/ sie in
leychtfertickeit/ und loesem gemut und spotheyten zu
vor-
werffen/ auff das sich keiner selber zu schanden mache/
Dan esz wer zumalh spotlich/ das du in dem buch der
Weiszheit verlachest/ dastuao mit
aller ehererpiettung/ in
bewerttenn buchern Moysi odder Danielis/ aber41 der
gleichen/ lesen/ annehmen/
und kussen mussest.42
B1r
Ich beken/ das Hieronymus
obvertzeygte43 bucher
nit
szo starck achtet und helt/ das sie einen oder yemants
der feind/ fellen und
fahen44 und pinden mugen/
dannoch
sein sie mehr und mechtiger/ den Hiero'nymo'. August'ino'. und der
selben gleichen lerer/ krigisch und
lateynisch.45
Ich sag auch/ das wir spruchen gedachter bucher/ und
sententz/ an46 ander bestendige Biblische red/
wider key-
nen feyndt werffen unnd fur rucken sollen. Aber doch
mugen sie nebent andern schrifften stehen/ den hauffen
gemehren und tzyren/
Dan yderman wurt bekennen/
das loblich (wie wol nit von notten)ap szo einer mit
einem
grossen und schonen heerhauffenaq zihen mag.
Exemplum.arDie kriegsknecht haben nit alle harnisch die ym he〈e〉r-
hauffenas seint/ dennest47 vorwerffen sie nit die heubtleut.
Alszo ist es
mit den schrifften in obbeschriebenat ordnung
begriffen/ und den andern/ szo
auszerhalb derselben or-
denung/ uber viel Jar vor Christ geburt
gemacht unnd
gebraucht sein. Die Biblische seint die geschickte unnd
gewappente sententz/ Aber die andere obvermelt seint
plosz nacket und schwach/
aber sie mehren den hauffen/
und dienen zu dem parat48 und vorfechten49 nit ubel. In demau
parat und vorschirmen50
pflegt man schumpff51/ undav spil/ und
lust zuhaben.
Aber ym kampff/ und ernstlichen streychen52/ ist kein
schumpff/ und gehoren geschickter leuth zum ernst/
dan
zu dem spiel. Alszo ist es mit den schrifften Sapientie/
und der gleichen/
dienen sie wol zu einem vorfechten und
parat/ aber zu dem ernst/ und kampff und
wunden/ seint
sie zu schwache/ Sie machen kein todliche wunden/ sie
fahen
keinen feynd/ sie machen auch niemandts zu einem
ketzer/ deroaw sie leugnet. Dann
Hieronymus hat sich
nicht dorffen
unterstehen/ des buchs Sapientie/ wid-
der sein feynd anax53 andere Biblische buchern/
zugebrau-
chen. Er hat alwegen geforcht/ die ketzer mochten
das-
B1v selb vorwerffen. Darumb er steets andere schrifft fur ge-
wend/ und desselbe zu zyrh54 bey getzogen und auff der
seyden55 gebraucht.56
Ich sage nit das solche gering und schwach bucher/
erlogen sententz inhalten
(wie mich villeicht einer mocht
vernehmen)57〈.〉 Neyn ich sag/ das keiner fur einenn ketzer
ist zuachten/ deroay solche bucher nit annymbt/ das halt
ich nach sanct Hieronymi leer/ das sie keinen feynd ny-
derwerffen/ pinden unnd gefencklich machen/ und doch
mehr und
krefftiger seint/ dan sanct Augustini/ Hiero-
nymi/ Ambrosii/ unnd Gregorii/ unnd der gleychenn/
schrifft und
lerungen.58
Das ist auch war/ wan ich widder einen schreyben
odder mit wortten fechten
solt/ deroaz
sich mit einer red
Moysi/ Josue/ der bucher der konig odder eyns Pro-
pheten sententz geharnischt unnd bekleydt het/ Unnd
ich wolt yhn/ mit einer
schrifft/ ausz den buchern/ die nit
in der zal altes testaments vortzeychentba und mit
getzelt
seint/ anfechten/ das er sich gar nicht gegen mir weren
solt/ er mocht
mich auch verachten/ und mein argument
achten/ gleich als pfiff ein gansz/ und
pliesz yhn an/ dan
es ist yhe spotlich/ das einer gegen Gotlicher und Bi-
blischer schrifft/ mit einer/ die nit fur Biblisch gesch-
tzet/ streytten sol.
Darumb seint die/ grosse doren/ so menschen
red und
sentenz (sie heyssen Bepstlichebb aber59 der heyligenn lerern
Augustini/ und seiner gleichen/ wort odder leerbc) wider
Biblische grundfesten
dorffen furtragen.
Endtlich sollen die leyhen/ den orstenbd hunger unnd
duerst/ nit ausz den buchern
Sapientie/ Ecclesiastici/
Thobie/ Judith/ und andern/ welchebe in der zal aldes
gesetz nit eingeleybtbf/ loeschen und styllen/ Das sol yhr vleisz
sein/ das sie
Christenliche geyst/ und iugent/ ausz denen
buchern/ formiren/ speysen/ und
aufftzyhen/ die anbg60
eyni-
B2r ges menschen gegenred Gotlich und Biblisch geacht/
und das wollen
sie sich yhe embsig bevleyszen/ und vor
allen dingen sich ausz geferdten des
glaubens tragen. Wan
sie aber in denbh glauben wol erwachsen und sich gnuglich
ausz
Biblischen schrifften bewart und bewapent haben/
als dan mugen sie unbiblische
buchern durchleszen.61
Das ich von den buchern oben in einer kleynen figur
beschrieben/ nemlich Thobie und der gleichen gesagt/
solt yhr auch von
nachfolgenden buchern und capitteln
urteylen und halten/ ya dartzu minder und
geringer.62
Dan wie wol/ viel gutter unnd lieplicher sententz/ in
diessen buchern verleybt
und ingehalten seint/ unnd die
kirchen siebi zeitten gebraucht/ dannoch bleyben sie unbi-
blisch/ und gibt yhn heylig kirch/ kein grosser herlickeit/
dan das wir
solche bucher nebent den andern/ in einem
hauffen gebrauchen mugen.
Ich werde auch keinen nachlassenn/ sich mit den la-
teynischen
odder deutschen Biblien zu weren/ und be-
helffen/ das ytzt gemelte
bucher und capittel/ in solchen
Biblien beschlossen und begriffen seint.63 Dan fur das
erst/ weysz ich/
das die Hebraischen getrucktenn Bi-
blien (den wir in zweyffeligen
und dunckeln sachenbj) so
das alt testament belangend/ zuglauben und nachfol-
gen schuldig/ berurte buchlin und capittel nit haben.64
Fur das ander/ wiewol lateynisch und deutsche Bi-
blien/
obgenante bucher und capittel auch behalten ha-
ben/ dannoch haben
sie stets/ zeychen/ und yhre vorach-
tung in den vorreden Hieronymi auch gehabt/ das sie
nit Biblisch
seint.65
Ich geb auch zu/ das Ba-
ruch und andere buchlin offtgemelt/ vil sententz und wort
haben/ die
auch gotlich und Biblische sein/ dannoch seint
solche sententienbk ye nit
Biblisch/ derhalben/ das sie in sol-
che unbiblischen buchern
steend/ sonder derhalben/ das
wir sie in unvertegtigen66 und Biblischen buchern finden67/
B2v
Sonste/ solten alle reden und spruch Biblisch sein/ die
in solchen buchern
begriffen/ und doch auch in der hey-
ligen schrifft gefunden
werden/ wurt folgenn/ das wir
vil spruch ausz Vergiliobl und Ovidio musten horen und
annehmen als Biblisch. Kurtzlich/ wil einer
erhalten68
das ein schrifft Biblische/ und mit yhr (als Biblische)
schlissen und
brangen69/ szo musz er sie
anbm70 alle mittel ausz
einem Biblischen buch nehmen und furwenden.
Hester.Alhie sol
auch niemandts nit wissenn/ das in dem
buchle Hester/ auch etzliche sententz und wort eingeley-
bet/ die
doch frombd eingefurt und zugesetzt seint/ das
wurt meniglicher in dem .xi .xii
.xiii. und .xv. capittel ver-
mercken.71
Neu Testament.
Das neu testament mag auch in drey ordnung ge-
teylt und gespeltbn
werden.
Oberste und furtrefflichgiste ordenung begreufft die
Evangelische bucher/ derbo die
heylige kirchen vier ange-
nommen hat/ disse/ Evangelium Mathei/ Evangelium
Marci/ Evangelium Luce/
und Evangelium Johannis.
Zu disser
ornenungbp
gehoren geschicht unnd hendel der
Aposteln.72
Marcus.Evangelium Marci halten
die alte vetter fur einen
kurtzen begriff Mathei/ Derhalben/ das/ das Mat-
theus nach der leng und breyt
geschrieben/ das hat Mar-
cus mit kurtzem schreyben verneuhet/ und ertzelt.
Evangelium Marci wurt von etzlichen/
Evangelium
Petri genant/ die
zweyffeln/ apbq esz vonn Petro/ odder
Marco/ gemacht/ Aber ich bin durch Hieronymum
bericht/ das Petrus das Evangelium Marci
beste-
tiget hat. Das letzt capittel Marci ist unbiblisch/ wie
etzliche sagen. wer weitter
berichtung begeret/ der leesz
mein buchlin de scripturis Canonicis.73
B3r
Actus das seint der Apostel handelung odder ge-
schicht/ hat
Lucas beschrieben/ derhalben seint sie Evan-
gelischmessig.74
Die andere Evangelia (als Nicodemi/ das
itzt ge-
druckt umbher getragen wurt75) und andere der gleichen/
seint nicht Gotlich
odder Biblische/ apbr sie gleich gutte
sententz haben. Derwegen sollen die prediger und
lesze-
meyster sich fursehen/ und besinnen/ was sie den
scheff-
lin Christi fur weyd furgeben/ unnd unterscheyd
zwu-
schen Biblischen und unbiblischen haben.76
Andere Ordenung.
In die andere ordenung/ oder an das ander glid/ stel-
len
Christlich lerer/ die Epistelnbs
Pauli/ auszgenommen
die Epistel zu denn Hebreyernbt/
Dan disse Epistel/ ist
in zeytten/ des heyligen Hieronymi/ nit von allen kirchen
angenommen gewest/ und stehet noch in
zweiffel/ wer sie
gemacht.77 Aber alle andere sanct Paulsbu Epistel/
haben
negestbv wirden/ digniteten/ und autoriteten/ nach Evan-
gelischer maiestet. Nemlich/ i. zu den Romern. ii〈.〉 zu den
Corinthern. i. zu den Galatern. i. zu den Ephesern.bw i. zu
den Philipensern. i. zu
den Colosensern .ii. zu den Thessa-
loni'censern' Diesse hat
er zu Christlichen kirchen geschrieben.
Paulus hat auch etzliche zu seinen iungern
geschrie-
ben/ als .ii. zu Timotheo. i. zu Tito. zu Philemonen ei-
ne. Szo haben wir in den Summen .xiii. Epistel Pauli.78
Zu diessem glid gehoren die osternbx sanct Peters unnd
sanct Johannes
Episteln.
In der unterste und letzte stell/ neues testament/ ste-
hen
volgende bucher. i. Epistel Jacobi/ die
andere Pe-
tri. ii.
letzte Johannis/ und eine Jude. Item die epistel
zu den Hebreyern
und Apocalipsis Johannis/ Disse
hab ich derhalben zusamen geordent/ das vor zeittenn
getzweyffelt/ und noch
fur ungewisz geacht wurt/ wer
B3v
oder welche solche buchlin gemacht〈.〉79/ von sanct Jacobs
Epistel ist gesagt/ das sie ein ander gemacht/ dero Ja-
cobus genant/ aber doch kein
Apostel ist/ Derwegen sie
von etzlichen klein geschatzt/ und fur unbiblisch
gerech-
net. Aber ich weysz mein gewissen nit zubewarenn/ szo
ich der gleichen saget/ dan der kriegische tittel deutet auff
den Jacobum/ des schrifft sich auch lateynische
und krie-
chische lerer/ als Biblische und heylsame geschrifft
ge-
brauchen. und spricht Hieronymus
(deroby uns
den zwey-
ffel gelernet hat80) das die selbe Epistel Biblisch autori-
teten ynbehalten hab/ dartzu nennen sie Hieronymus/
Augustinus/ und alle
andere Canonicam oder catho-
licam. Szo hab ich auch nyndert
geleszen/ das ein lerer
seinen widersachern gestat und nachgelassen hat/ solche
Epistel zu vorachten und verwerffen. Es hat auch key-
ner (szo
vil mir ytzt bewust) widder obgemelt Epistel
dorffen sagen/ das etzliche Pelagianer
wider das buch
der Sapientie geredt habenn〈.〉81/ Derhalben kan ich nie-
mandts rathen (bz
apca sie
gleich in der untersten stel wa-
net) das er sie vorwerff/ oder
schumfflich handel.82
Das ich von diesser Epistel gesagt/ das sol auch von
andren Episteln/ szo ym
dritten glidt vertzeychent/ ver-
standen sein.
Doch ist zuwissen/ das unter alle buchern/
die drit-
te ordnung Apocalipsis Johannis/ das geringst ist/ ur-
sach/ das in zeytten Hieronymi und
darnach vil Chri-
sten/ dasselb buch noch nit angenummen.
Zu dem andern/ das der krigischecb titel nicht lautet
Apocalipsis Johannis Apostoli/ szonder alszo/ Apo-
calipsis Johannis Theologi.
Fur das dritte/ das der stilus/ red/ und Sermon/
gemut und art des buchs der
heymlichen offenbarung
der macht/ ingenii/ und art und schicklickeit (so in andern
buchern Johannis Apostoli) gespurt
unnd vermerckt/
B4r
meines bedunckes fast uneinlich ist und nit gleich.83 yedoch
wil ich dasselb/ und die andere bucher
der letzten ordenung
nit vorworffen habenn/ sunder/ wie obvermelt/ unter-
scheyd geben/ Wurt aber yemandts die selbigen vorwer-
ffen/ der thu es uff sein verlust oder gewin/ dan dieweil
wir
kein andere urkunt/ den84
schreyben Christlicher lerercc/
als Hieronymi und
seiner gleichen/ haben/ Und der selbig
schreybt und nent offtmals/ die siben
Epistel/ Jacobi/
Johannis/ Jude/ dartzu auch die epistel zu den Hebrey-
erncd/
Apostolicas/ Canonicas et catholicas/ und Apoca-
lipsim ein gotlich
Biblisch buch/ kan ich diszmal nicht
furuber und anders schreyben/ das solche
bucher Bi-
blisch/ und der untersten wirden sein.85
Ich rath auch niemandts/ das er sich erstlich auff die
schwertste/ dunckele
und verdeckte bucher heyliger schrifft
lege/ auff das er sein arbeit und zeit nicht
unnutzlich ver-
lyre/ oder finsternusz durch finsternusz verkerece/ abercf
et-
war einen vorstandcg thuen fassen der heyligen schrifft und heyligen
geyst (deroch in der schrifft/ wie er vor zeiten durch menschen
redt/ noch redet und
lernet) zuwider und engegen sein.86 Dan
es ist kein neyn87/ das etzliche bucher allegorienci/ figuren
und verdeckte sententz haben/
welche durch warheit und
licht (das man hyn und her in der schrifft findt)cj solten er-
clert und erleucht werden/
Darumb sol der christlich leser
vor allen
dingen/ Christum in der schrifft suchen/ das ist/ solche
schrifften lesen/ die
Christum mit seinem leyden/ mit seiner
kraft/ mit seiner ckguttickeit/ mit
seinerck
heylickeit abmalen/Ad galat. iii.88
und fur die augen des lesers setzen/
so kan er nicht yrren/ nach
den Christus selbst gesagt/ Ich bin das licht/ und der
mir
qui sequitur me/ Jo. viii.nachfolget/ der wandert
nicht in finsternisz.89 Hastu
Chri-
stum und sein wort vor augen/ szo prichstu durch alle
schrifft/
und magst alle finsternusz erleuchten/ wie er gepotten hat/
sagende/
Das ich euch in finster90 und
geheym gesagt/ das
solt yhr/ ym licht und auff techern predigen und
erleuchten.91
B4v
Derhalben/ sollen sich die menschen erstlich/ auff klare
wort Christi legen/ die selb einnemen/ und wie ein licht
zu
allen verporgen schrifften tragen/ und erleuchten. Sol-
che bucher
obgemelt/ seint alle die yenecl/ szo den rechten
warhafftigen glauben
haben〈.〉/ An die selbig/ das ist/ ancm
das wort Christi sollen sich all Christen/ und kein an-
dereAd Galat. 1.92 wort anhefften/ und sich kein creatur davon lassen
dringen/ Apcn gleich ein Engel von hymel/ oder ein Apo-
stel/ odder
ein Bapst von Rhom/ aberco ein weyszer der
welt/ als ein Theologus/ ehr sey
pfaff93 oder Monichcp/
hochgelart
odder unverstendig/ heylig oder sundig. In
summa/ er sol sich nichts von dem Wort
Christi lassen ab-
tzyhen. Derhalben/ und damit/ das den Christlichen
menschen lustig94 und leicht werd/ wolt ich geratten ha-
ben/ das sie des morgens/ ein zeit/ klein odder grosz/ in
lesung odder anhorung/ heyliger Evangelien/ und nach
mittem tag/ odder abent
essen/ ein zeit in der heyligenn
schrifft/ altes gesetz/ vortryeben/ ja gewinnen.
Nemlich
zu dem ersten/ das einer frue Matheum leesz odder horet
leszen/ und
nach abent essen Deuteronomium Moysi/
und fuget
das alte gesetz zu den neuen Evangelien.95
Aber
wie wol das nit alwegen und yglichem
geschehen kan/
unnd bescheert werden/ sunderlich dem/ dero nit vil ge-
ubet/ und in heyliger schrifft erfaren. Doch weysz ich/
szo
einer Mattheum unnd Deuteronomium gar
auszliest/
das er einen mechtigen unnd tieffen geyst Christi in der
schrifft
auff das wenigst96 richen wurt/
und endtlich da-
hyn kummen/ das ehr versuchen97 wirt/ wie susz der geyst
Christi〈.〉98/ das sol er aber vor wissen/ das die bruderliche
gemeyne lieb unnd
guttickeit (szo ym buch der andern
ehe99 oder gesetz/ auff tag gestellet) yn Mattheo auff ei-
nen tag/ unnd auff
ein teglich Christlich leben gericht
ist. Exemplum/ Das Deuteronomium ym. xv.
capittel dem
sybende iar/ und vorgeben gelt schulden hat gesagt100/ das
C1r
sollen die Christen alle tag halten. Dan wir haben nicht
mehr/ dan einen tag/
nach dem geschrieben. Hec est dies
quam fecit dominus exultemus et letemur in
ea.101 Das ist
der tag/
in dem alle christliche bruder ein gemeyne freunt-
liche frolickeit
haben/ und sollen keinen/ arm lassen bleyben.102
Von diessen/ welche (von ersten zu lesen seint) wolt
ich wol ein eyges103 buchlin machen. Aber diesse
materien
leydet es nit/ doch welcher einen schonen geyst des glau-
bens/ ausz Historien schopffen/ unnd Paulum
dartzu
vergleichen wil/ das unser selickeit nicht in wercken/ son-
der ym glauben stehet/ der leesz das .xx. capittel in dem
andern buch
Paralipomenon104/ und der
gleichen hysto-
rien und bucher/ als die bucher der konige/ Josue und
Judicum etc.105
Endtlich/ damit die einfeltige/ die nach dem pradtcq
gottis/ und wasser/ das Christus gibt/ verlangen haben
und hungern abercr dursten/
ein sicher unverdechtig schaff-
driefftcs106 erlangen/ hab ich fur nutz und gut
geacht/ das ich
alle bucher/ szo (anct107 eynige widersprechen) Biblisch und
gotlich seint gehalten/ widderumb in
eyner figur repe-
tirt/ Die folget alszo.
| i. | Genesis | Das seint die allerheyligste Bibli- sche bucher altes gesetz so die hoch- ste wirden haben. |
| ii. | Exodus | |
| iii. | Leviticus | |
| iiii. | Numeri | |
| v. | Deutero'nomium' |
| i. | Josue |
Disse bucher gehoren in die andere ordnung/ und besitzen den namenn der propheten. |
| ii. | Judicum und Ruth | |
| iii. | Samuel. i und. ii. regum | |
| iiii. | iii. und iiii. regum | |
| v. | Esaie |
|
| vi. | Hieremie |
|
| vii. | Ezechielis |
|
| viii. | xii. prophetarum. | |
| i. | Job |
Driet ordnung diesser bu- cher behelt die niderste stad〈/〉 seint aber doch sunder allen zweyffel Biblisch. |
| ii. | David |
|
| iii. | Proverbia Sa- lomonis. |
|
| iiii. | Ecclesiastes eiusdem | |
| v. | Canticum canti'corum' eiusdem | |
| vi. | Daniel |
|
| vii. | Dibre haiominie verba dierum. i'd est' Paralipome'non'. |
|
| viii. | Esdre duo priores. | |
| ix. | Hester |
Alszo mugen auch drey stell abercu ordenungen neues
geseez fur augen gestelt
werden/ nemlich.
| Evan- gelium. |
i. | Matthei |
Diesse bucher seint die aller hochste/ sunderlich die. iiii. Evangelien/ dan in den sel- ben redet Christus sein wort selber/ unnd furet auff yhn seinen vatter. |
| ii. | Marci |
||
| iii. | Luce |
||
| iiii. | Johannis |
||
| v. | Und actus Apostolorum |
Ander Ordenung.
| Bucher/ der negsten wir- den und kreff- ten/ nach evan- gelischer ma- iestet |
i. | i. Epistel zu den Romern |
| ii. | Zu den Corinthern | |
| i. | Zu den Galatern | |
| i. | Zu den Ephesiern | |
| i. | Zu den Philipensern | |
| i. | Zu den Colossensern | |
| ii. | Zu den Thessalonicensern | |
| ii. | Zu Timotheo | |
| i. | Zu Tito | |
| i. | Zu Philemonen | |
| Alle des Apostel Pauli | ||
| i. | Die erste sanct Peters. | |
| i. | Die erste sanct Johannis. | |
C2r
Diesse Episteln/ seint ancv108 eyniges widerred/ von den
Aposteln (wie angetzeigt) geschrieben.
derhalben/ und
cwdie weylcw sie das wort Christi und gotlichen willen er-
kleren/ und uns an heylsame schrifft pinden/ und ist un-
getzweyffelt das sie den podenlauffercx Christi zustehen/
haben sie die andere stadt
der wirden.
Driet Ordnung.
Die folgende bucher/ hab ich in das drit glid/ Bi-
blischer
schrifften derhalben gestelt/ das von yhren wer-
ck meystern
getzweyffelt wurt/ und noch nit allenthal-
ben beschlossen/ weer
odder welche/ sie geschrieben od-
der gemacht. Ich hab sie aber/
solchescy
zweyffels halben
nit von Biblischer eer und wirden dorffen entschliessen109
und werffen/ dan ich sehe bey kriechischen und Latey-
nischenn
lerern/ das sie (doch mit unterscheyd/ wie vor
gesagt) als heylige Biblische
schrifft geacht/ genendt/
und gebraucht werden. Unnd wan die lerer auff einen
teyl fallen110/ szo
sprechen sie/ das wir siben catholicas/ ca-
nonicas et Apostolicas
haben/ sie sagen auch/ das S.
Paulus die Epistolencz zu
den Hebreyernda gemacht/ und
sanct Jacob der
Apostel/ die Epistel welche in der Bi-
blien geschrieben. Item
sanct Peter .ii. unnd sanct Jo-
hannes der Aposteldb .iii.
und sanct Judas der Apostel ein
Epistel gemacht haben. Aber was von dem buch Apo-
calypsisApocalipsis. zuhalten sey/ hab ich nit
verhalten111/ das ich nit
glaub/ das der Johannes/ welcher ein
Apostel genant/
unnd das Evangelium Johannis/ unnd drey andere
Episteln sol geschriebenn/ hab gemacht/ Ursach/
das
gedachtes buch/ nach art/ nach gemuet112 hat/ der ande-
ren bucher/ szo von Johannesdc dem Apostel auszgan-
gen/ unnd istdd yhe einn merckliche anderung des stili/
das
ist/ des fatem unnd tuchs113/
der red unnd der krafft/
C2v
die sich in Apocalypsi ereygende und beweyszen thut114/ die
red ist anders/ szo ist das ingenium
anders/ unnd ist dem
vierten buch (das Esdre
untergelegt115)df einlicher116 und gley-
cher/ dan den buchlin Johannis.
Derwegen/ unnd die-
weyl es szo seherdg dunckel/ und mit gewulcken der
gesicht
verdecket/ kan ichs schwerlich zu Biblischen schrifften
setzen/ aber
doch/ dieweil ich den ersten Canonen unnd
begriff Biblischer bucher/ szo dem neuenn
testament
zu gehoret/ noch nit hab zuhenden gehabt117/ und Apoca-
lypsis zu den
buchern des neuen gesetzes angepunden/
wil ich nicht urteylen/ und ytzt ein figur
der Biblischen
bucher letztes gradts auch zaygen/ alszo.
- i.
- i. Epistel zu den Hebreyerndh
- ii.
- Ein Epistel Jacobi
- iii.
- Die andere Epistel Petri
- iiii.
- Die letzte zwue Johannis
- v.
- Eine Jude
- vi.
- Und das aller nyderst buch/ Apocalypsis Johan-
nis des Theologen.
Nun folgen Apocryphen altes und neues ge-
setzes/ der sich die
kirch/ kegen starcken feynden/ nit ge-
brauchtdi/ und alszo
sie nit erkendet/ Nemlich/
- i.
- Sapientie
- ii.
- Ecclesiastici/ das die kugeln118 geystlich zucht nennen.119
- iii.
- Judith
- iiii.
- Tobie/ des sich etzliche ertichte
petler120/ den armen
zuschaden/ behelffen.121 - v.
- ii. bucher Machabeorum122/ des gebrauchen sich die
pfarhern pro requiem eternam/ und pro dona no-
bis/ widder pauren.123 - vi.
- Baruch ist ein schreyber Hieremiae gewest/ und
hat gut reed.124 Disse bucher gebrauchen etzliche Ju-
den zeitten125 (wie wir Augustinum und Hieronymum/
und der gleychen/ in yhn schreyben und disputieren fur-
C3r tragen) unnd nennen sie heylige bucher/ aber kein
verstendiger gebraucht sie/ als und fur Biblisch. - vii.
- Das gebet Manasse.126
- viii.
- Zwey letzte bucher/ szo Esdre mit
frevel zuge-
schrieben/ werden offtmals von Hieronymo ver-
lacht/ und abwitzig und tholl reed genent.127 - ix.
- Ein gut teyl/ des .iii. capittels Danielis verlachen
etzlich/ und spotten der Christen mit dem gesang
der .iii. kinder/ die in feurigen oven sollen gesun-
gen haben.128 - x.
- Die .ii. letzte capittel Danielis/ Nemlich die hi-
storien Susanne/ von dem abtgot Bel genant/ von
dem Drachen und Abakuk. - xi.
- Das letzte capittel Marci.
- xii.
- Die Epistel die man Pauli (zu
den Laodiciern)
achtet/ ist gar vorworffen.
Das hab ich kurtzlich/ wie obgemelt/ geschrieben/ da-
mit
antzeygung zuthun/ das ich euch und den euern/ sonder-
lich den
doctor und magisterdj/ euren brudern/ zudienen und
wilfaren altzeit gewertig und gutwillig wil
bereit erfunden
werden/ Grusset mein gonder ym Talh129/ und lebet
wol.
Volgent notabilia: sein zuwurff.130
Fur das letzte sollen etlich notabilia germerckt werden〈.〉
Das erst/ das der Bapst unvergleicher weysz/ min-
der ist/ dan
die Biblischen schrifften/ und er sol yhm das
Ne innitaris prudentie tue131/ nicht weniger lassen gesagt
sein/ dan dem allergeringsten handtwercks man.
Das ander/ sag ich/ unnd ist war/ das
Biblische
schrifft/ ein gemeindk Concilium uberwindt/ unnd szo ein
paur vom
pflug/ dem Concilio ein schrifft kont zeygen/
das sein synn gut/ und des Concilii
boesz were/ szo solt
das Concilium dem pauren weychen und ehr geben/ von
wegen
Biblischer schrifft.
C3v
Fur das driet/ ist zumercken/ das Biblische schrifft
wirdiger ist/ dan die
Christliche kirche/ und das sich die
Christliche kirch/ nach heyliger schrifft
richten/ und leben
und halten sol/ und nicht widderumb/ die schrifft nach der
kirchen leben und sich denen sol.
Fur das vierdt sag ich mit ernst und warheit/ das
ein yeglicher/ der kirchen/
von wegen heyliger/ schrifft gleu-
ben sol/ und nit der schrifft
derhalben glauben/ das sie in der
kirchen geubt/ dan wir glauben Biblischen
buchern/ das
sie der heylig geyst zu der kirchen geret. Alhie hore/ das der
Bapst diesse red Augustini (Non crederem
Evangelio
nisi crederem Ecclesiae132) unrecht und widder meynung Au-
gustini/ mit dendl horen/ zu seinem forteyldm gebraucht/ Dan
er
zeucht sie dahyn/ es solt keyner der schrifft glauben/ das
sie gerecht und
warhafftig und gut ist/ er glaube dan der
kirchen. Das ist Augustino wol in .vi. enden zuwider/
dan er saget/ das man
durch heylige schrifft ein gantz und
volkummen Concilium straffen kan/ und ist das
sein gemut/
Durch antzeyg heyliger kirchen lerne ich/ das disz aber
ein ander
buch Evangelisch odder nit Evangelisch ist.Leo ketzer.
Derwegen hette der Bapst sein ketzerisch Bulle wol zu
andern sachen gebraucht/
dan das er sich ubir die schrift
uberheben unterfegt.133
Ich sag clar/ das dieser bapst Leo
ist ein ketzer/ und erbiet mich das mit
schrifften zubewey-
szen/ und alle die yhm in solcher sach/ seiner
Bullen anhen-
gig sein/ die seint in der vermaledeyung/ bann/ acht
und
anathema gottis/ und Christlicher kirchen feyndt.134
Fur das funfft/ ist zumercken/ das ich gemeiner ubung
nachgefolgt hab/ in dem
wort Biblischdn bucher. dan wan
man spricht/ das
stehet in der Biblien heldet und achtdo/
ydermeniglich/ das dasselbe in den buchern
beschlossen
sey/ daryn der Christlich glaub abgemalt und auszge-
truckt. Weil dan unverborgen ist/ das
unsere bucher die
wir Biblien nennen/ vil frombde bucher haben/ in wel-
C4r chen wir den glauben nit sollen suchen/dp hab ich (damit
unterscheyd
zumachen) etzliche bucher Biblische/ etz-
liche unbiblische
benent.
Zu dem sechsten/ mercke/ das die Biblische bucher
krichisch Canonici/
lateynisch regulares/ zu deutsch re-
geln geheyssen werden/
Derhalben/ das sie form/ ma-
ssen/ und regeln des rechten glaubens
seint/ und das wir
keynes menschen wort sollen fur ein regel und richtmasz
Christliches glaubens achten/ sonder allein gottis wort
das er indq die propheten und
aposteln geredt und gegeben/
uns zusagenn. Dendr
Paulus spricht alszo ad Thessa. ii.
wir sagen
got unableszlich danck/ das yhr/ ein leer ange-
nummen/ dadurch yhr
got habt erkant/ das yhr nit einemds
sermon der menschen/ sonder warhafftiglich ein sermon
gottis empfangen
hat.135
Das sol mir der Bapst wol mer-
cken/ das Paulus die von Thessalica lobet/
das sie kein
menschen gesetz angenummen136/ derhalben thut der bapst
heyliger schriftt gewalt/ das er
sein hellischedt Decretalen
lasset Canones nennen/ dan sie seint nicht regel der
chri-
stglaubigen/ sunder der gleyszner.137 Der heylig Paulus
preyszet Timotheum. ii. c. iii. das er die
heylige geschrifften
von kind auff erkant/ die yhn gelart machet durchdu den
glauben
zu der selickeit/ und beschleust/ das der mensch
volkummen werd/ zu allen gutten
wercken durch gotliche
lerung.138 Nun ist die heylige schrifft/ den Christen genug-
sam/
szo seint Bepstliche traditionen uberflussig und un-
nutz. Folget
auch/ das keyner durch Bepstliche statu-
ten zu der selickeit
gefurt wurt. Ja der teuffel henck sich
(an meyner stadt) an des yrrischen gottis
Decretlin/
dan sie seint yhe kein regel des glaubens/ sollen auch gar
nicht
Canonice oder Catholice genent werden.
dxBeschlußred140
Von Pharo (wem ist es unbewüßt? Daz er ain neuer kü-
nig in
Egipto und von Joseph kain wissen het/ wie er z sey-
nemExo. viii.141 volck saget. Komment/ wir woͤllen die Sün Israel/ weiß-
lich nidertrucken/ auff das ir nit z vil werd/ unn z unsern fein-
den tredten/ so uns schaden z fyegen moͤchten/ unn in regen-
ten und trucket sy/ und überwuge sy mit arbaiten.
Aber ye hefftyger Pharo die glaubyge nydertrucket/ Ye
meer und heüffyger sy
wchsen.142
Syhe/ dise historien beschleüsset/ vor gehandelte reden/ Das
auch Layen/ dem
glaubigen/ die warlich gottes reich seind/
gewalt gethon haben. Und gibt uns ainen
gten ztrit/ z-
sagen. Das gottes reich/ in engsten und
nydertrucken/ Mitt
macht/ und hauffen auff wechsset. Dann es ye mß war wer-
den. So ain korn in die erden foͤlt/ und stirbt/ so bringt es vill
früchten.143 Alles
dencken ist verloren. Nem im ja kayner für144/
das er gotes reich/ klainer und geringer wel145 machen/ mit ver-
folgen. nidertrucken und abstechen. Dann wir wissen/ dasdw die
Juden mit
irem verbieten/ die Apostel anzünten/ das wort
gottes manhafftiger z
predigen.146 Und ist kainem
veborgen
wie Gamaliel geraten/ und wie die junger trutzig und voller
Acto. v.mts wurden z predigen.
Obgleich ainer zway drey fünff/ hundert/ drühundet. etc. er-
moͤrden wurd/ Es wurd nit helffen. Ee gottes wort muͤssyg
und styem blib/
ee myesten die Kinder in wiegen anfahen z
predigen. Es war alles verloren/ speyß
und arbait/ die Pha-
ro der halben verthet/ das er/ das volck der
glaubygen nider-
truckens wolt.dx
KGK 170
Einleitung
. So auch in
der Vorrede 