1. Überlieferung
Handschrift:
Der Band ist ein von Pantaleon autograph verfasstes Studienbuch. Es umfasst eine Sammlung von akademischen Texten und Abschriften von Briefen an und von Pantaleon. Der Titel auf dem Copperteinband ist nachträglich aufgetragen: »Expositio Heinrici Pantaleonis ante Magisterium fit sunt declamationes, disputationes, Assumptiones, praefationes et Epistolae.« Allein der Name ist von seiner Hand. Der Band enthält die Beweisführung seines Bakkalaureatsthemas (fol. 7r–9r), Deklamationen (fol. 13r–22r), ausführliche Darstellungen einiger seiner Disputationen (fol. 27r–48v), eine Vorrede zu seiner Persius-Lektion und eine Ermahnung zum Studium der Eloquenz (fol. 49r–66v) sowie die Briefabschriften (fol. 81v–96r).
Edition:
- Myconius, Briefwechsel, 616 Nr. 678.
2. Entstehung und Inhalt
Der spätere Polyhistor und Mediziner Heinrich Pantaleon (1522–1595) hatte fast zwei Jahre lang zwischen 1538 und Frühjahr 1540 in Basel studiert, hielt sich dann kurzzeitig in Ingolstadt auf, bevor er im Oktober 1540 in Heidelberg immatrikuliert wurde.1 Aus der Basler Zeit rührt seine Verbindung zu Oswald Myconius und Andreas Karlstadt, den Adressaten dieses Briefes.2 Vermutlich wollte er bereits seine Rückkehr nach Basel vorbereiten. Pantaleon, der schon am 21. Juni 1541 in Heidelberg zum Baccalaureus artium promoviert worden war, ist aber erst am 10. Juni 1542 in der Basler Matrikel mit diesem Titel wieder zu finden. Vermutlich hatten die durch die Pestseuche hervorgerufenen Turbulenzen ihn an einer früheren Rückkehr gehindert.
Am Anfang des Briefes steht eine weit ausgebreitete captatio benevolentiae. Sein Brief an die in allen Wissenschaftsdisziplinen hochberühmten beiden Männer sei unverschämt, dennoch wage er es zu schreiben, obwohl sie bemerken werden, dass er bisher keine Beziehung zu den Musen gepflegt habe. Dieses Understatement konterkariert Pantaleon sogleich mit einer vertraulichen Anspielung auf eine Aussage des Theophrastus von Eresos, nach der auch weniger Gebildete hochgelehrten und beredten Männern schreiben dürften, wenn sie es in Treue und planvoll tun.3 Durch die Gaben der beiden Männer, die sie Pantaleon zuteil gelassen haben, sei er andererseits schon so sehr an sie gebunden, dass er es kaum zurückzahlen könne. Pantaleons Studienfreund Philipp Bechius4 habe ihm brieflich mitgeteilt, dass (der Basler Rektor) Simon Grynaeus5 an der Pest verstorben sei.6 Er betrauert, dass er nun von Grynaeus nichts mehr lernen könne. Gerne hätte er ein Lied für ihn gesungen (d.h. ein Trauergedicht geschrieben); es sei bedauerlich, dass er (angesichts der Pestsituation) nicht angemessen betrauert werden könne. Grynaeus habe keine Monumente seiner Tugenden hinterlassen, aber seine Wohltaten (als Lehrer) machten ihn unsterblich. Auch die Heidelberger Akademie habe mit einem großen Verlust zu kämpfen: Johannes Wolff aus Rohrbach7, Leibarzt des Kurfürsten Ludwig V.8, sei verstorben. Doch seien die Ratschlüsse Gott am jüngsten Tag anheimzustellen. Pantaleon versichert Myconius und Karlstadt seiner Treue und bittet sie im Gegenzug um Aufrechterhaltung ihrer Patronage. Der Brief endet mit sechs Versen aus Ovids Tristien, in denen der Dichter dem Patron seine Schuld als ins Herz geschrieben festhält und sich diesem erneut in Treue unterstellt.9
KGK 390
