fehlt
Ein Predig,
ward Pfarrer zů Basel bey St. Peter. Starb daselbst den 24. Dec. 1543a. Welche D. Andreas Bodenstein Carolstadius
Archidiacon1, zů Zürich zůr Letze2 geprediget,
Anno Domini. 1534.
Johan. 1 v. 14.
Das wort ist fleisch worden.3
Hie redt Joh. von zweyen natůren in Christo, namlich vom wort, und vom fleisch,
das das wort fleisch worden sige4.
Darin staht unsere Seligkeit, darumb sol mans
eigentlich betrachten und wol
ermessen: dan welcher dises nit verstaht, der wirt
vergebens verhoffen das ewig
leben. Die disen verstand der zweyen Naturen in Christo
nit haben, die sind kinder
deß todts, und der zorn Gottes blybt auf ihnen.5
Dargegen alle die verstahnd, warumb das wort, i'd'
e'st' der ewig Sohn Gottes, fleisch,
i'd' e'st' mensch
sige6 worden, die sind Gottes
kinder.
Die h'eilig' schrifft redt offt von Christo, von disen zweyen natůren in
Christo,
und trifft aber offt nur die ein Natůr Christi an, die Menschheit
oder
Gottheit. Das sol man nun eigentlich mercken, und durch den glauben
lehrnen, und da für den höchsten schatz behalten.
Das wort ist fleisch worden. Das wort ist der ewig Sohn Gottes: als
Joh. selbs
bezüget: Welches in uns gewohnet, und wir haben sein herrligkeitJoh. 1,14
und glori gesehen als deß eingebornen vom Vatter voller gnad
und warheit.7
Unser wort, das wir reden, kompt aus dem hertzen, ist in und mit uns,
damit zeigen
wir unseren Willen an. Also in einem gleichen zů reden, so gaht
der Sohn Gottes aůs
dem hertzen deß Vatters, ist in und mit Gott, zeiget den
willen Gottes an. Das
zeiget Joh. auch in disem Cap. an: Als deß v. 18einge-
bornen Sohns vom Vatter, welcher ist in dem bůsen oder hertzen deß
vatters, der
fehlt hat uns geoffenbahret seinen willen.8 Diß wort ist von ewigkeit gsein vor der Er-
schaffůng der Welt. Ist es nun vor dem anfang gsein, so ists je
ewig! Und
diß wort was9 by
Gott,10 namlich ein persohn in
der Gottheit. Den verstandEph. 1.21. Col. 1.16.
dises,11 das Gott sige12 Mensch worden, auch die krafft13 dises worts, erzellt
Johannes selbs: Durch diß wort sind alle
ding erschaffen,14 i'd'
e'st' durch den SohnHeb. 1.2.3.
Gottes ist
alles erschaffen: die Engel, fürstenthum etc. Wie der h'eilige'
Paulus
anzeiget.15 Item: Gott der Vatter hat seinen Sohn gesetzt zů
einem eerben aller
dingen, welcher da ist ein Ebenbild und ein glantz seiner
herrligkeit und wäsens.16Joh. 10.30.
Dann alles was im Vatter ist, das erscheint in
seinem Sohn. Wie der herr
Christus selber sagt: Ich und der Vatter sind
eins.17 Man mag18 den Sohn Gottes
mit keinen
natürlichen dingen Gott dem Vatter vergleichen, sonder Er ist Gott selbs.
Was in
Gott dem Vatter ist, das ist auch in Gott dem Sohn. Dann Er ist der glantz
deß
ewigen Gottes.19 Wie der glantz
mit und von der Sonnen kompt und die
Sonn anzeiget: also ist der Sohn Gottes mit
Gott dem Vatter, und wirtCol. 2.9.
die krafft Gottes
durch Christum erkennt. Dann Er ist der, in dem diePhil.
2.6.7.
Gottheit lyblich und wesenlich wohnet:20 wie der h'eilige'
Paulus von Christo redt.
Er hats nit für einen
raub geachtet〈,〉 Gott gleich zů sein, sondern sich ernidriget.21
So man nun redt, Christus ist
Gott gleich, so redt man recht: dann Er ist in derIsa.
9.6
warheit eines einigen wesens, mit Gott dem Vatter und dem
h'eiligen' Geist.
Also redt von Ihm Isa'ja' der Prophet: der Messias ist und wirt sein ein
starcker
Gott.22
Dise krafft Christi schmähen und schmeleren alle die, so mit der meß Meß.um-
gahnd. Dann sy erkennen nach23 nit die krafft und stercke deß Sohns
Gottes,
wie wol sy sich deß růhmen, sy kennen Ihn allein. Thůnd gleich als die
Jůden,
die sprachen: Sy erkanten Ihn, und wüssten wol〈,〉
wannen24 Er were, und wer
Er were, auch wer sein Vatter und můter were.25 So sy doch Ihn gar nit Matt. 13.55.56. Mar.
6.3. Joh. 8.19.28.29er-
kanten, als ihnen Christus
verwyst26 und aůfhebte27 sprechende: Ja, ihr kennen
mich
und wannen Ich bin,28 nammlich ihr
kennen Mich allein als ein puren menschen.
Aber mein Gottheit, stercke und krafft
kennen ihr nit, nach von wemmJoh. 7.28.29
Ich aůsgangen
bin, dann von mir selbs bin Ich nit kommen. Aber der ist war-
hafft, der mich gesendt hat, den ihr nit kennen. Ich aber kenn Ihn.29
Darumb sol sich keiner rühmen
deß glaůbens, oder das er Christum erkenne:
der den verstand der schrifft nit hat,
von welcher man eigentlich lehrnen
mag und verstahn die Gottheit in Christo,
welcher Christus das eigentlich wüssen
Gottes anzeiget, ja welcher Christus Gott in
die ewigkeit ist, der istdas wort ist fleisch worden.
fleisch, i.e. wahren Mensch worden. Er spricht: das wort ist fleisch
worden, und
nit, Er ist Mensch worden, darumb das Er eigentlich bedeüten
könte die
blödigkeit30 und schwäche im
Menschen〈,〉 die Christus hat an sichb
ge-
nommen, das Er leiden, sterben〈,〉 empfinden
könte, und gnůg für uns thůn möchte.
fehlt Als der h'eilige'
Paulus spricht: Christus hat uns erlöst mit dem
Leichnam seines fleisches.31Rom 8.3. Col. 1.21.22.
Leichnam und fleisch nempt er32, damit er anzeigete sein wahre
menschheit, und
das Christus hab die blödigkeit und schwachheit unsers fleisches an
sich genommen, das
Er für uns leiden und sterben könte etc.33 Dann durch Ihn můsten alle figuren im
A'lten' Testament erfüllt werden, und an den tag kommen. Dises sollen wir aus
h'eiliger' schrift2. Cor. 5.25.26 Gal. 2.20.
wol lehrnen, und also steiff und fest glauben, und fürohin dem
leben〈,〉 der für uns
gestorben ist, das ist Christo.34 Ja, wie Christus gestorben ist und
widerum auferstanden,
das auch wir fürohin den sünden absterben, und gantz neue
menschen werden, und
fürohin Christum in einem neuen leben erkennen, wie der
h'eilige'
Paulus lehrt: Sov.
17.
wir Christum nach dem fleisch erkennt haben, nun wyter erkennen wir Ihn
nit mehr
nach dem fleisch: dann wer in Christo ist, der ist ein neue
Creatur.35 Dann Christus
ist einem neuen leben auferstanden, ein unsterblichen clarificierten36 lyb an
sich genommen, und lebt
also nit mehr in der schwachheit, sonder in der herrligk'eit'
Gottes, und
mag fürohin nit mehr sterben nach leiden, als da Er vorhin in die
welt zů erlösen
geboren ward, dann der〈,〉 der uns erlöst, můst ein Gott sein
Wie
auch das die Eva erkennt hat, da ihr der Cain geboren ward, und sprach:Gen.
4.1.
Ich hab überkommen den man deß herren,37 meint den Samen, den ihnenc GottGen. 3.15.
hat
verheißen, der der schlangen den kopf zerträtten werdt.38 Und wie wol sy an
der persohn irret, so irret sy
doch nit am glauben. Dann der saamen kam erstGal. 4.4.
hernach, das was Christus, wie es Paulus auslegt
zun Galateren.39
Der Christus hat einen tödtlichen40 lyb an sich genommen, der in allweg unserem
lyb gleich gsein ist, mit
prästen41 und lyden, ausgenommen
die sünd.42 Er ist wol inHeb. 4,15
ein gstalt eines sündtlichen lybs erschinen und
gesehen worden,43 aber kein sünd
nach44Rom.
8.3.
betrug, ist gar nit in Ihm gefůnden.45 Dann Christus weist46 nüt von sünden. Aber umIsa.
53.9. 2. Cor. 5.21.
unserer sünden willen ist Er gestorben.47 Dann der Sohn Gottes, wie wol Er
gsein
ist in der gestalt Gottes, hat Er doch die gestalt eines knechts an sich
genommen,48Phil. 2.6.7.
der jederman under den füssen glegen ist, und vil schmach
und schandt um unsertwillen
erlitten hat.
Darumb sol man wol erlehrnen, das Christus wahrer Gott und Mensch sige49. Ursach
halb, dann wo Christus
nit wahrer Gott gsein were, so het er die welt nit mögenRom. 9.5.
2. Cor. 5.19.
erlösen. Auchd bezeüget Paulus, das Er wahrer Gott
sige.50 Denn warlich Gott
was in Christo etc.51 Item: In
Christo ist und wohnet die gantz und vollkommen GottheitCol.
2.9.
wäsenlich.52
Sonst het Er die welt Gott seinem himelischen Vatter nit können versühnen.wider den verdienst eigener werck.
Darumb irren die
fast53, die sich mit ihren
wercken versühnen wollen, by solichen
giltet Christus nüt, sonder sy erheben sich
selbs über Christum. Dann der unsere sünden
bezalte, mit Gott frid machete,54 der můß wahrer Gott und
mensch sein.
Darumb sol mans by keiner Creatur, wercken oder verdiensten sůchen, sonder allein und
einig
by Christo Jesu unserem Herren, by dem ewigen wort Gottes, das fleisch ist,
i.e. hat
unser blödigkeit an sich genommen. Die Gottheit ist das haupt in
Christo.55 Wer die
Gottheit
in Christo nit glaubt, und sein fleisch und blůt 〈nit〉e verstaht, der ist ein kind
fehlt deß zorns Gottes,56 und ist nit gleübig. Gott geb uns allen den rechten verstand
etc.
Euer lieb ist anzeigt worden von beiden Natůren Christi Jesu, und das wir
fleissig
sollen sein〈,〉 die selben zů erlehrnen und verstahn. Item, die
ursach, warumb Christus müssen Gott sein.warumb
Christus
hat müssen Gott sein, auf das sein werk und handlung ewig wäre und
be-
stünde, auf das Er unsere gwüßinen57 möcht anrühren und versicheren. Deßhalb
hat Er
müssen der oberst und ewig Priester sein, dessen opfer in ewigkeit
gůlte.
Darumb warumb ein Mensch.aber hat Er müssen ein Mensch
sein, auf das Er die Erlösung anrich-
ten möchte, leiden und
sterben könte. Dann het Er einen lyb vom himel bracht,
so het Er uns nit können
erlösen.58 Er müst
aber leiden und sterben, auf das alle〈,〉 dieJoh.
3.16.
in Ihn glaubten, nit verdurben,59 sonder etc. Wer nun recht von Christo reden will, der můs
eigenlich wüssen, was uns das leiden Christi erworben und gebracht habe. Christus
hat müssen ein blödes60 fleisch
annemen, auf das Er sterben könte, die Gerechtigkeitf
deß Gsatzes erfüllte, die unghorsamme alle erfüllte
etc.61
Die gerechtigkeit deß Gsatzes hat das erforderet, wie das der h'eilige'
Paulus
zun Römeren anzeiget: das dem Gsatz
unmuglich was, i.e. das es nit mocht
geben, das wir heilig wurden. Da hat Gott
seinen Sohn geschickt, under demRom. 8.3.
gstalt deß
sündigen fleisches, auf das, das Er die sünd im fleisch tödte, i.e. die sünd
der
gantzen 〈welt〉, mit seinem fleisch, das Ers zů einem Sündopfer gebe,
hinneme〈,〉
die sünd, und alles fleisch erlöste, wie auch der
h'eilige' Joh. gseit: Sihe, das Lam
Gottes, das da hinnimt die sünden der
Welt.62 Er hat gnůg für die
sündJoh. 1.29.
der Welt than. Welche nůn in Ihn
glauben, die werden heilig sein, und
in seinem tod versicheret sein deß ewigen
lebens.63 Durch sein leiden und
tod
hat er die sünd hingnommen.64
Das hat der h'eilige' prophet Isa'ja' wol erklert etc.65 Gott hat es also geord-
net, das Christus solt auf sich
nemmen unsere sünd, und unserer pein empfinden.Isa. 53.
Dann Gott hat unser sünd und schuld auf Ihn gelegt, das ist, Er ist ein
opfer
worden fürg unsere sünden: deßhalb
Er hat müssen die blödigkeit
deß fleisches an sich nemmen, auf das die
Gerechtigkeit Gottes, und das Gsatz
erfüllt wurde, i.e. die gantz gerechtigkeit,
die im Gsatz ist. Und was Gott
von uns erforderet, wirt durch diß opfer, das
Christus than hat am Crütz,
und durch das blöd fleisch ausgrichtet, erfüllt und
vollendet.
Das ist die Gerechtigkeit deß Gsatzes, das es uns wyst66 und lehrt, wasGerechtigkeit des
Gsatzes.
uns Gott hat fürgestelt, namlich wie wir sollen leben, seinem
willen
nachkommen.67 Dann die Grechtigkeit hat ihren ursprung vom Gsatz, i.e. von dem
ewigen
willen Gottes.68 Das ist die ewig
wysheit, darauf zeiget dir
die schrifft, hwas Gott von dir h erfordere, das ist nun aus uns unmüglich
zu thůn.
Das hat nun Christus erfüllt mit seinem schmechlichen tod.
Welche nůn ein Erkantnus, desselbigen werks der Erlösung hand69,
denen wils Gott rechnen70, als heten sy das Gsatz than und
vollbracht. Dann
fehlt alle die in Christum glauben, die wirt der glaub führen und
gstalten71 nach
dem
Geist Christi, in aller gelassenheit72 auf Gott und seinen h'eiligen' namen teglichs
ehren
und uns seines willens fleissen. Das ist ein stuck im Gsatz, das Gott von uns
Levit. 19.2.anforde-
ret. Ihr sollen
heilig sein, dann Ich bin heilig.73 Dise heiligkeit ist fehr74 von
uns: wir
mögen durch uns selbs zů solicher heiligkeit nit kommen, wann wir schon
ein willen
hand75 Gott zů
dienen, nach seinen willen zů wandlen uns fleissen76: so sind nüt
destominder tegliche unreinigkeit und
anfechtung77 verhanden, und nach
prästen78 und mangel.
Die heiligkeit hat Christus erworben allen denen, die in Ihn glauben, mit
seinem
bitteren leiden, also das Er uns Gott darstellte rein, ohn alle mackel und masen79,
als hetten wir kein prästen,
wie der h'eilige'
Paulus von der braut Christi redt, die keinEph. 5.26.27
runtzel nach mackel habe.80 Nit das wir also werdind oder mögind
sein durch
uns selbs: sonder das uns Gott um seines Sohns willen, der uns die
heiligkeit verdie-
net hat, auch heilig und grecht rechnen
will.81 Welche das
werk der Erlösung, das
Christus der gantzen Welt im blöden fleisch hat ausgricht,
verstahnd und erkennen, die
haltet Gott als unsträfflich. Dann sy werden alle ding
zů der ehr Gottes ordnen!82
Also redt man auch von den gůten wercken, darzu wir erschaffen sind in ChristoEph. 2.10.
Jesu.83 Darumb irret die Welt mit ihren gůten wercken, durch die sy will
heilig vorGůte werck
Gott werden, undi kehrt zů hind für.84 Dann alle die gůte werck thůn
wend85, die müssen vor das leben
in ihnen han. Das leben ist Christus, der uns lebendig machet.86
Darumb můs man die Erkantnus Christi han. Und
darnach alle die Christum hand
angleit87, die werden in gůten wercken wandlen, dann Er hat sy in ihren
gwüssinen
gereiniget von allen todten wercken.88 Christus hat sich selbs unsträfflich durch denHeb. 9.14.
ewigen Geist Gott geopferet, auf das Er unsere gwüssinen
reinigte von den todten
wercken. Wo nun der todt ist, da ist kein leben; wo ein
dürrer baům kein
frucht mag gen89 nach90 bringen. Also
ist es auch unmüglich, das etwas gůts
aus uns komme,91 es werde dann der tod durch Christum hingenan92, und wir
durch seinen Geist
lebendig und gleübig gemachet. Alsdann mag der Mensch
Gott dienen, und wirt alles
angnem sein〈,〉 was er thůt. Dann das werck〈,〉
das
Christus than hat am Crütz, das ist ewig, ja ein ewige krafft hat es, dann
ErHeb. 7.17
ist der oberest Priester in
ewigkeit.93 Was nun mit seinem
blůt besprengt
ist, das wirt leben, ja, in eim heiligen leben auferstahn.94 Darumb die gmüther,
die
durch den finger Gottes angrührt sind, die sind ein Volk deß Neuen
Testaments,95 dann
sy sind durch den glauben des herren in warem verstand
deß wercks der Erlösung
allein durch Christum am crütz beschehen96 können.
Item, von der unghorsamme willen ist not gsein97, das das ewig Wort menschliche
blödigkeit anneme, und unsere
unghorsamme hinnemme98, durch
welche wir
verdorben sind, aber durch die gehorsamme Jesu Christi sind wir wider
kommen zum leben,
und hat uns also widerum versühnt mit Gott seinem himelischen Vatter.
fehlt Item um der spys99 willen, hat Er fleisch und blůt an sich genommen, das
Christus
unsere spys, aufenthaltungj100 und das wahr
lebendig brot Joh. 6.35.wur-
de: Wer zů
mir kompt, der wirt nit mehr hungern etc.101 Darumb nent Ihn der h'eilige'
1. Cor. 5.7.Pau-
lus unser Osterlamm,102 nit das wir Ihn lyblich essen müssen, sonder Ihn durch den
glau-
ben erkennen. Das osterlam〈,〉 darvon
Paulus schrybt, Christus namlich ist braten
worden〈,〉 ein feur der unaussprechenlichen liebe am crütz erzeigt.
Lyblich
ist Er bereitet worden im tod, auf das wir die spys im hertzen
erkennen.
Item um der Erlösung willen, das wir unschuldig vor Gott dem him-
lischen Vatter weren, das Er uns unsere sünden abneme, dem gesatz gnůg
thete, friden zwüschen Gott und uns machete, unser trost wurde, hat Er
müssen sein
blůt am crütz vergiessen, und mit dem aller schmächlichsten tod ge-
tödet werden! Das hat alles mögen geschehen durch die blödigkeit deß
fleisches.
Darumb hat Er wahren und blöden103 leichnamm angenommen.
Wer nun ein rühwigs fridsams hertz
will han, der můß das verstehn
und erkennen, und in sein hertz mit wahrem
gl'auben' fassen, by Gott und sonst
niena104 nachlassung der sünden sůchen.
Aus dem allem mag E'uer' L'iebden' den grossen irrsal verstahn, das sy
sagen:Mäß.
die sünd werd verzigen durch das opfer der
mäß, darin sy Christum auf-
opferen für die sünd der todten und
lebendigen. Dann opferen sy Christum, so
muß Er erst sterben: so ist demnach das
sterben und opfer, einmahl am crütz
geschehen〈,〉105 vergeben. Darumb ist das ein
Gottslesterung! Die mit ihren messen
gnůg thůn wend für die sünd, oder lyblich
essen, die glauben nit, das
alles wahr sige106, das die Schrifft sagt von Christo Jesu unserem einigen und
ewigen heiland.107 Das Er uns
erlöst habe einmahl am crütz gestorben, und einHeb.
9.12.
ewige erlösung funden. Das sind soliche lesterungen, die die warheit
verlaug-
nen. Dan Christus selbs hat gredt: Er habe müssen
sterben und erhöcht werden,
auf das alle die in Ihn glauben nit verdurben, sonder
hetten das ewig leben.108 Und
dieJoh. 3.14–16. Luc. 24.47.
bůß und nachlassung der
sünd in seinen namen prediget wurde.109
Aber dise sprechen: Christus hat nit müssen für die sünd sterben, dann wir mögen
die sünd hinlegen110 durch das
essen und meß han. Welches ein treffenliche
Gottslesterung ist: und ihr opferen ein
trug und erlogen. Dann Christus ist dieJoh. 14.6.
warheit,111 der mag nit lügen.
Um der sünd willen hat Christus müssen
seinen lyb dargeben am crütz. Da ist das
werck der Erlösung: und wer
eüch anders lehrt, der führt Eüch letz112, ist ein falscher
verführischer
Prophet etc. Dann Christus hat sich darumb geopferet, sein blůt
vergossen, das Er unsEph. 1.7. Col.2.3. Heb. 1.3.
darmit reinigete. Darumb sagt Paulus: Durch
Christum haben wir die
Erlösung durch sein blůt, nammlich die verzeihung der sünden
nach der reich-
tum seiner gnad.113 Dann ihr opferen ein trug und erlogen ist.
Das geben die kundtschafft Mose und alle Propheten:
Christus, der das ewig
fehlt wort und wysheit deß Vatters ist.114 Item die stimm des vatters selbs, die vom
himel geschrawen115: diser ist
mein fürgeliebter116
Sohn〈,〉 an dem mein seelMatt.
3.17.
ein wolgefallen hat etc.117 Item die vier Evanglisten hin und wider etc. Item die
Apostel
all in ihren Epistlen etc. die darf der sündig Gottslesterig Mensch
all
gelaugnen, das die höchst Gottslesterung ist! Darumb los und glaub mehr
Gottes
Wort, dann dem Menschen. Manglet dir wysheit und verstand: so bitt Gott
trüwlich darumb, und das Er dir allwegen den glauben mehre, und gstallt dein
leben
nach seinem Willen. Bharre118
bis ans end, so bist selig;119
darfst kein todMatt. 10.22.
nach fegfeur förchten
etc.120
Nun ich will eüch also das〈,〉 so ich han, die lehr des
GöttlichenEpilogus.
worts zur letze121 geben han. Der Allmechtig Gott
gebe eüch ewige
gesundtheit, und alles, das Eüch an lyb und sehl wolkompt122. Land123 eüch〈,〉 liebs
Volck, ein
Ersammen Raht, und euere Predicanden in euerem gebet
befohlen sein. Amen.
KGK 352
Einleitung
