Nr. 262
Andreas Karlstadt an Thomas Müntzer
Orlamünde, 1524, 19. Juli

Text
Bearbeitet von Stefanie Fraedrich-Nowag
unter Verwendung der Vorarbeiten von Alejandro Zorzin
Buchsymbol93v
Charissimo per Christum fratri Thomae Munzero
episcopo Alstetensi.1
Buchsymbol93r

Pax tibi a patre Christi/ amen. Cum te diligo/ haud queo
tibi animum meum celare/ eciam si iuxta voluntatem ista non
respondero. Neque tu mihi succensere debes/ aut quicquam mali
suspicari/ aut animum tibi hunc esse alienatum. Quandoquidema
possit tui esse amantissimus, qui te nedum carpit, sed vul-
nerat
. Quoniam meliora sunt vulnera diligentis quam frau-
dulenta
inimici oscula.2Sic itaque ad tuas litteras3/ mihib
alioqui longe charissimas/ respondeo
. Suaderi
vix possum alio signo4 Christi oves felicius colligi quam
veritatisc sibilo. Iuxta Esaiam et Zachariam.5
Equidem blasphemiis in Christum deum, ne demones
quidem congregarem. Caeterum dolos scripturarum pro
regulis non cito. Ut autem cesses hostiam sustollere6/
et hortor et obsecro, quia blasphemia est in Christum
crucifixum. At cantelenis sanctis populum incen-
dere
minime puto vel iniquum vel ab institutis divinis
abhorrere
.7Verum cum subtexis/ quod ad Schnebergenses
et 15 pagos etc. hortationisd aliquid scribam
.8 neutiquam
valeo comprobare, id quod tu probas. Videntur enim mihi eiusmodi
foedera cum dei voluntate vehementer pugnare. animosque
timoris spiritu9 aspersos incredibili nocumento afficere.
Et pro fiducia benedictionis in deum vivum, fiduciam male-
dictionis
/ ad hominem10 i'd est' ad baculum harundineum inserere
.11
quod, quam sit impium, nosti. et quam a deo trepidas alienet
mentes/ easque reddat ad audiendum domini vocem ineptas/
incapacesque/ passim scripturis declaratur/ quibus
eciam tacentibus experiencia in plateis clamabit grande
atque spissum esse preputium cordis12 fiduciam et animum in homines
iacere. preterea cum foret nobis moriendum oculos
haberemus in vulgi opinionem et auram emissos, quo haud
scio an sit ullus gladius acutior/ ad disperdendum nos.
optarem tibi tueque societati ut temperavisetis vobis
ab illiusmodi et litteris et conventiculis,13 quae hic nostratibus
pepererunt metum tolerandorum malorum, quae minus
ut latrones aut sediciosi fuimus tolleraturi
e. 14 Ego istam
procaciam quam demiror quam abhorreo Atque palam fatebor nihil
Buchsymbol93v mihi vobiscum in tali conatu confederationeque commune futurum.15 Consulo
idem quod Christus consuluit/ quod denique nullus prophetarum
non consulit: Ut tu una cum fratribus nostris charissimis spem
in unum Deum ponatis,16 qui potens est vestros adversarios con-
fundere
〈.〉 Porro si contemplatione iudiciorum dei fueris petitus
scis me tibi, teque mihi vicissim debere animam.17Lubenter
tibi veritatem dei annuncianti adero opera, approbatione eciam
morte. Ubi videro Philisteum aliquem prodire et castris dei
obblatterare
〈.〉18Addis ut uxorem meam19 salutem, feci. Ipsa te tuamque20
diligenter resalutat, optatque ut incolumes agatis. Rogo ut
boni consulas responsum hoc tibi enim faveo ac cedo. Cur
filiolum meum Abraamum malis quam andream vocari discere
ex te velim rationem
〈.〉21 Vale in Christo Jesu feliciter. saluta
atque conforta fratres nostros in Christo22 Datum Orlamunde die
Julii 19 anno MDXXIIII.


Beilage: Sendbrief der Orlamünder an die Allstedter, [Orlamünde], 1524, [um 19. Juli]

BuchsymbolA1r Der von Orlemund
schrifft an die zu Al-
stedt/ wie man Chri-
stlich
fechten soll.
Wittemberg.
M.D.XXIIII.

BuchsymbolA1v

Der von Orlemund schrifft
an die zu Alstedt: wie man
Christlich fechten soll.

Gotlichen frid durch
Christum unsern Herrn. Lieben
Bruͤder/ die schrifft so yhr an
uns verfuͤgt23/ haben wyr nach
muͤglichem verstandt verlesen24/
unnd ursach euers schreibens
vernommen/ wilchs ist/ stoͤcken
und ploͤcken25 der Christen umb
euch hyn und widder
.26 Hierauff euer bitt/ was
wyr hierbey thun wollen/ euch das selbig widder-
umb
schrifftlich zukommen lassen etc.27Wissen wyr
euch bruderlicher treu nicht zu bergen/ Das wir dar-
bey
mit weltlicher were28 (haben wyr anders euer
schrifften recht verstanden29) gar nicht zu thun kun-
nen
. So ist es uns zuthun nicht befolhen/ die weyl
Christus Petro seyn schwert eyn zu stecken gepotten
hat/ und ym nicht stadten30 vor yhn zu kempffen/ dann31
die zeyt und stund seines leydens war nahe
.32Also wenn
die zeyt und stund vorhanden kompt33/ das wir etwas
von wegen Gottlicher gerechtigkeyt leyden sollen/
So last uns nicht zu messern und speissen34 lauffen/
und den ewigen willen des vaters aus eygener ge-
walt
zu verjagen/ So wyr doch teglich bitten. Deyn
will geschehe35/ Wolt yhr aber widder euer feynd ge-
wappent
36 seyn/ so kleydt euch mit dem starcken ste-
heln
37 und unuͤberwindlichen harnisch des glaubens/
BuchsymbolA2r davon S. Paulus Ephesios .6. schreibt38/ so werdet
yhr euere feynd redlich uberwinden und zu schan-
den
machen/ das sie euch auch nicht eyn eynigs39 har
verletzen werden
.40 Das yhr aber schreybt/ wyr sollen
uns zu euch gesellen und mit euch verpinden oder ver-
knupffen
/ Darauff yhr dann die schrifft .4. Reg. 24.41
wie sich Josias mit Gott und dem volck verpunden
habe/ eyngefuͤrt.42 Wyr finden am ort/ das Jo-
sias
als yhm das gesetzbuch zu kame/ eyn verpunt-
nis
mit Gott gemacht hat/ das er nach dem herren
wandelen wolt/ seyn gesetz/ gepott/ cerimonien ym
hertzen aus gantzen krefften bewaren/ und die wort
des bunds ym selbigen buch beschrieben erwecken/
und das volck hat disem verpuntnis gehoͤrcht43/ Das
ist/ der Konig und das volck haben sich zugleich mit
Gott verpunden. Denn so44 sich Josias mit Gott/ und
auch dem volck verpunden hette/ were seyn hertz zu
spalten gewest/ Gott und den Menschen willen wol-
gefallen
/ So doch Christus spricht/ Nyemant kan
zweien herren dienen.45 Darumb lieben bruder/ so
wyr uns mit euch verpuntten/ weren wyr nicht me-
hr
freye Christen/ sondern an menschen gepunden
/
Das wurde denn erst dem Evangelio eyn recht Ce-
tergeschrey
46 bringen. Da sollten die Tyrannen froͤlo-
cken
/ und sprechen. Dise rhuͤmen sich des eynigen47
Gottis/ Nu verbint sich eyner mit dem andern/ yhr
Gott ist nicht starck genug sie zu verfechten.48 Item
sie wollen eygen Secten49/ emporunge und auffrur
machen. Last sie wurgen und umbringen/ ehe sie
uber uns mechtiger erwachssen. So musten wyr
denn der ursach halben/ und nicht von wegen der
gestrengen gerechtigkeyt Gottis sterben
/ Was wolt
BuchsymbolA2v Gott hyrzu sagen? were solchs Gottlicher warheit
nit eyne grosse unehr und abbruch? Nicht also lieben
bruder/ Vertrauet aber alleyn auff Gott/ wie der
konig Abia thet Paralip'omena'. 13. da er von seynen feynd-
ten
umbringet war50/ wie auch die kinder von Isra-
hel
/ do51 sie von dem Pharao bis auffs rott mer ver-
folget
wurden/ und doch wunderlich ym verttrau-
en
zu Gott erlost und erhalten sind.52Darumb hoͤret
und vernempt alleyne die waren red Gottis/ eyn
ytzlicher53 nach seynem pfand54/ und acht nicht/ ob sich
der Tyrannisch gewalt gegen euch widderspenstig
sich erhebt55/ Denn das sind die Apostel und alle hey-
ligen
Gottis/ auch Christus selbst nicht vorhaben56
gewest
/ Sonst euer lere gezeugknis57 zu geben/ so ferne
sie von Gott ist/ wollen wyr gern das gezeugnis des
heyligen geysts/ und durch die milten gaben Gottis
mitgeteilt mit nicht sparen/ und ob58 rechenschafft
des glaubens von uns gefoddert wurde/ froͤlich er-
fur
treten/ das selbig zu verantworten59/ unangesehen/
ob sich alle Tyrannische wuͤtterey wider uns erhube/
und uns biss ynn todt verfolget. Aber alles durch
hulff und stercke Gottis.
Der wegen lieben bruder/
lernt alleyn thun den ewigen willen Gottis un-
sers
hymlischen vaters/ den er uns durch seynen
eyngeboren son Christum ym heyligen geyst
offenbar gemacht hat/ So wird yhr euer
hertzen von allen anfechtunge ynn
Gott zu friden stellen/ Das
helff uns Gott allen

AMEN

Die gemeyn Christi zu Orlamuͤnde60

azweites q aus überschriebenem Buchstaben verbessert
bi am Ende aus anderem Buchstaben verbessert
cfolgt gestrichen sibylo
dzweites i verbessert, darüber zwei senkrechte Striche gestrichen
evom Editor verbessert für tolleratui

1Mit dieser Anrede folgt Karlstadt dem reformatorischen Brauch, den Bischofsbegriff auf die parochiale Ebene zu übertragen; vgl. Bubenheimer, Bischofsamt sowie TMA 2, 287 Anm. 3. Gleichzeitig stellt er eine Gleichrangigkeit zwischen sich und Müntzer her; vgl. auch Bräuer, Briefwechsel, 201.
2Vgl. Spr 27,6 Vg »meliora sunt vulnera diligentis quam fraudulenta odientis oscula.«
3Gemeint ist Müntzers Schreiben von Anfang Juli (KGK 261).
4Von 1523 an bedeuteten Karlstadt Taufe und Abendmahl nur noch äußere Zeichen der Erneuerung des Menschen, vgl. u.a. Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK 277 (Textstelle)). Der folgende Abschnitt bezieht sich demnach wohl auch auf die Allstedter Gottesdienstreform, auf die Müntzer in seinem Brief an Karlstadt eingegangen sein könnte, zumal er zu diesem Zeitpunkt an der Drucklegung der Deutsch-Evangelischen Messe arbeitete; vgl. Bräuer/Vogler, Müntzer, 195–198. Karlstadt dürfte jedoch auch Müntzers seit der Jahreswende 1523/24 erschienenen liturgischen Schriften Deutsches Kirchenamt (TMA 1, 1–187 Nr. 1) und Ordnung und Berechnung des deutschen Amts zu Allstedt (TMA 1, 188–197 Nr. 2) gekannt haben. Zu Müntzers Gottesdienstreform in Allstedt siehe Bräuer, Reform des Gottesdienstes sowie Elliger, Müntzer, 310–339, der die Drucklegung der Deutsch-Evangelischen Messe bereits auf die Jahreswende 1523/24 datiert.
5Wahrscheinlich Bezug auf Jes 5,26 Vg »et levabit signum nationibus procul et sibilabit ad eum de finibus terrae et ecce festinus velociter veniet« und Sach 10,8 Vg »sibilabo eis et congregabo illos, quia redemi eos«; vgl. Bräuer, Briefwechsel, 202. Der Bezug ist jedoch nicht eindeutig.
6Für Müntzer blieb die Elevation weiterhin Teil der Messliturgie; vgl. Ordnung und Berechnung (TMA 1, 188–197 Nr. 2, hier v.a. 194,1: »Balt nach der elevation […]«). Karlstadt dagegen hatte sie bereits 1521 in den 138 Articuli (KGK 199, S. 448, Z. 3) als alttestamentliches Opferritual verworfen.
7Diese Aussage entspricht Karlstadts Verständnis vom Gesang im Gottesdienst, wonach der Gesang heiliger Lieder weder stört noch von göttlicher Einrichtung abschreckt, aber auch keinen wirklichen Nutzen hat; vgl. 53 Conclusiones de cantu Gregoriano (KGK 209). Zu Müntzers Verständnis der Gregorianik siehe Bräuer, Reform des Gottesdienstes, 13–18.
8Hierzu siehe KGK 261 (Anmerkung).
11Vgl. 2. Kön 18,19–22; Hes 29,6f. und Jes 36,6. Karlstadt hatte am 3. Oktober 1519 in der Franziskanerdisputation unter Verweis auf 2. Chr 16 den Standpunkt vertreten: »Ecce quantum timendum sit, modo in deo et in homine nobis fiducia exstiterit« (KGK 139, S. 511, Z. 7). Hierzu siehe auch TMA 2, 290 Anm. 15.
12Vgl. Jer 4,4; 5. Mose 10,16. Angelehnt an die lateinische Übersetzung praeputium (Vorhaut) spricht Karlstadt immer wieder von der Beschneidung des Herzens, die notwendig sei, um die vollkommende Verschmelzung mit Gott, also die Gelassenheit, zu erreichen. Hierzu siehe u.a. Von Gelübden Unterrichtung (KGK 203), Von Mannigfaltigkeit des Willens Gottes (KGK VI, Nr. 239) und Was gesagt ist: Sich gelassen (KGK VI, Nr. 241).
13Karlstadt bezieht sich hier wohl auf das Schreiben Müntzers sowie das zeitgleich an die Orlamünder ergangene Schreiben der Allstedter an die Orlamünder, in dem sie die Aufforderung ausgesprochen hatten, Müntzers Defensivbündnis beizutreten; vgl. KGK 261.
14Das Schreiben aus Allstedt hatte bei den Orlamündern wohl Furcht vor den Konsequenzen ausgelöst, die ihnen – sowohl von obrigkeitlicher als auch von göttlicher Seite – daraus erwachsen könnten, mit den »Aufrührern« in Verbindung gebracht zu werden, was sie wahrscheinlich auf Betreiben Karlstadts dazu veranlasste, ihre ablehnende Haltung gegenüber aufrührerischem Gedankengut von Beginn an öffentlich zu dokumentieren. Hierzu siehe KGK 262 (Anmerkung).
15Karlstadt behielt wohl eine Kopie des vorliegenden Briefes in Orlamünde, um seine schriftliche Absage an Müntzer zukünftig beweisen zu können, die er in Entschuldigung des falschen Namens des Aufruhrs hierfür heranzuziehen versuchte: »Fur mich aber schreyb ich dem Muntzer ein lateinisch antwort, und wolt das iederman wisset, was ich geschriben und meinen briff yu henden hett, mein schuld oder unschuld drauß zu erkennen, hoff, ich hab der selben antwort ein copeyen in Orlamunde« (WA 18, 440,24–27; wird in KGK VIII neu ediert); diese Kopie ist heute verschollen. Dem gleichen Zweck diente auch die in Form eines öffentlichen Sendbriefs verfasste Antwort der Orlamünder an die Allstedter (Beilage), die Karlstadt in Wittenberg zum Druck brachte; vgl. ebenfalls Entschuldigung des falschen Namens des Aufruhrs, vgl. WA 18, 439,32–440,4.
17Vgl. Phlm 19.
18Vgl. 1. Sam 17,8–10. Karlstadt hat klar lesbar »obblaterar« (ausplappern, herschwatzen) geschrieben; vielleicht verwechselt für das häufigere und passendere »oblatrare« (anbellen); vgl. TMA 2, 290 Am. 21.
20Ottilie von Gersen. Diese heiratete Müntzer 1523, der genaue Zeitpunkt der Eheschließung ist jedoch nicht bekannt; vgl. Bräuer/Vogler, Müntzer, 198f. sowie Elliger, Müntzer, 374–379.
21Dieser Vorschlag ist wohl als Zeichen für die Hochschätzung Karlstadts durch Müntzer zu sehen, für den der biblische Erzvater Abraham einen Typos des auserwählten Menschen darstellte; vgl. Fauth, Müntzer, 220f. mit Anm. 104. Wahrscheinlich bezieht Müntzer sich hier auf Karlstadts erstgeborenen Sohn, auch wenn nicht auszuschließen ist, dass Müntzer bereits Kenntnis von der erneuten Schwangerschaft Annas hatte. Der Name dieses Kindes ist nicht bekannt. Während Barge, Karlstadt 2, 518f. davon ausgeht, das erste Kind des Paares hätte den Namen Johannes getragen, geht Bubenheimer, Andreas Rudolff Bodenstein, 53 davon aus, es habe sich um einen Jungen mit Namen Andreas gehandelt, der noch 1524/25 in Orlamünde gestorben sei. Zum erstgeborenen Sohn Karlstadts siehe auch KGK 280 (Anmerkung).
22Die Mitglieder der Gemeinde in Allstedt.
23Die Allstedter Gemeinde hatte sich Anfang Juli an die Gemeinde in Orlamünde gewandt, um bei dieser für den Beitritt zu einem (Defensiv-)Bündnis zu werben. Zu diesem Schreiben siehe KGK 262 (Anmerkung).
24Möglicherweise wurde das Schreiben der Allstedter ähnlich wie die Schreiben Karlstadts an die Orlamünder wenige Monate später öffentlich verlesen; vgl. KGK 272.
25in den Stock legen, gefangen setzen bzw. in den Block legen. Vgl. DWb 19, 82 s.v. stöcken Nr. 2.
26Die Allstedter hatten in ihrem Schreiben wohl von der allgemein bedrängten Situation v.a. der auswärtigen Besucher der Gottesdienste in Allstedt berichtet. Hierzu siehe KGK 261 sowie Bräuer/Vogler, Müntzer, 238f.
27Das Schreiben der Allstedter enthielt allem Anschein nach neben dem Wunsch nach einem Bündnisschluss noch die Bitte um ein (öffentliches) Unterstützungsschreiben, dass möglicherweise zur Werbung weiterer Bündnispartner genutzt werden sollte.
28für Abwehr, Verteidigung, Widerstand gerüstet sein. Vgl. DWb 28, 1638f. s.v. wehr Nr. I. A4 und B. Die Allstedter hatten die Orlamünder in ihrem Schreiben anscheinend zum Beitritt zu einem Defensivbündnis gebeten; vgl. KGK 253.
29wenn wir eure Schrift/euer Anliegen recht verstanden haben.
30gestattet [hat].
31als.
33herangekommen ist.
34Spießen.
35Mt 6,10; dritte Bitte des Vaterunser. Die Orlamünder folgen hier Karlstadts Argumentation, wonach die unbedingte Erfüllung des göttlichen Willens das zentrale Element zur Erlangung der Gelassenheit, also zur Erlösung des Menschen in der Vereinigung mit Gott, darstellt; vgl. u.a. Was gesagt ist: Sich gelassen (KGK VI, Nr. 241) und Von Mannigfaltigkeit des Willens Gottes (KGK VI, Nr. 239). Bis dahin sieht sich der Mensch jedoch mancherlei Erschütterungen und Prüfungen ausgesetzt, die er annehmen und tragen müsse, um schließlich im Vertrauen auf Gott errettet und erlöst zu werden; vgl. u.a. Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK 274 (Textstelle)).
36gewappnet.
37ältere Form von stählern. Vgl. DWb 17, 560f. s.v. stählen.
38Vgl. Eph 6,11–17. Eine ähnliche Argumentation ausgehend von dieser Perikope findet sich bei dem Schneeberger Prediger Georg Amandus; vgl. Bräuer, Schneeberg, 86–90.
39einziges.
41Bei der Angabe des Kapitels handelt es sich um einen Satzfehler, gemeint ist wohl 2. Kön 23,1–3. Diese Stelle hatten Müntzer und die Allstedter höchstwahrscheinlich in ihren Werbungsschreiben als Begründung für einen Bündnisschluss herangezogen. Hierzu siehe auch KGK 261 (Anmerkung).
42anführen. Vgl. DWb 3, 181f. s.v. einführen Nr. 4.
44wenn.
45Vgl. Mt 6,24 bzw. Lk 16,13.
46»ein geschrei der anklage, des vorwurfs und unmuts: drowens, fluchens«. Vgl. DWb 31, 812 s.v. zetergeschrei.
47einen.
48verteidigen.
49von der Kirche getrennte, religiöse Gemeinde, auch Gesamtheit der einer Lehre (besonders einer ketzerischen) anhängenden Gemeinschaft. Vgl. DWb 16, 407f. s.v. sekte Nr. 1.
51als.
53jeder.
54Bezug auf das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lk 19,11–27 bzw. Mt 25,14–30). Karlstadt zog dieses mehrfach als Beispiel dafür heran, dass ein jeder die göttliche Wahrheit nach seinem Vermögen empfange; vgl. Von den zwei höchsten Geboten der Liebe (KGK VI, Nr. 247, S. 241 Z. 2–5) und Wie sich Glaube und Unglaube halten (KGK 274 (Textstelle)).
55Hier spielen die Orlamünder auf die bedrängte Situation der Gläubigen in und um Allstedt an; vgl. KGK 261.
56verschont. Vgl. DWb 26, 1129 s.v. vorhaben Nr. 4.
57Zeugnis.
58wenn.
59Ein entsprechendes Disputationsangebot machten die Orlamünder auch Luther in ihrem Schreiben vom 16. August 1524, abgedruckt in den Acta Jenensia; vgl. KGK 267 (Textstelle).
60Diese Unterschrift ist für die Orlamünder Gemeinde ungewöhnlich, üblicherweise unterzeichnete sie ihre Schreiben mit »Rat und Gemeine zu Orlamünde«. Bräuer, Briefwechsel, 207 vermutet ausgehend von der Beobachtung, dass die hier genutzte und verwandte Bezeichnungen häufiger bei Müntzer auftauchen, die Orlamünder hätten die Unterschrift analog zum Schreiben der Allstedter gewählt, um im Sinne ihres Anliegens freundschaftliche Verbundenheit zu suggerieren.

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