A1r
Von dem Priesterthum
und opffer Christi.
Andres Carolstat.
aGedruckt zů Jhen in Doͤringenb
Anno. 1523. Am .29. tag
Decembris.a
A2r
Erkentnis des Barmhertzigenn
willen
Gottis/1 welchen Got vatter/
durch seinen
sohn Jesum erklert hat.2 Wunsch ich allen
heyligen Gottis/3 in sonderheit euch von
Orlamuͤnde/ so gotfurchtigk
seindtc Amen.
Grosd unnd vil ist gelegen an dem
er-
kentnise Christi/4 das
eyner wiß/ ob
Christus noch heut eyn opffer sey.
Denn es leygtf seligkeyt und vorthuͤm-
nisg
dran.5 Seligkeyt/ dem yenen/
der
ein recht goͤtlich erkentnish hat.6
Vor-
thuͤmnisi und hell/ dem/ der Christum
im unglauben verspricht/7 und schneidt Christo darzů sein
ehre ab/8 und voracht9 yhm sein leben und todt/ auch sein
liebe und gehorsam. Welcher Christum fuͤr eynen Priester
und opffer helt/
nachj ordnung goͤtlicher
gerechtigkeyt/10
und thut
das auß hertzlicher liebe/ der dinet got demk vatter
Christi/ einen wolbeheglichen11 dienst/ und ist ein warhaff-
tiger freundt Christi.12 Denn er glaubt recht unnd nahet
gottis reich.13 Widerumb der unglaubig ist/ der leuffet zů
des
teuffels reich/ darumb das er Christum nachl seinem
eygen synn/ wider antzeygung goͤttlicher warheyt/ fuͤr
ein
opffer schatzet. Denn/ seine luͤgen haben yhn
betrogen und verfuͤrt/ und der
teuffel ist sein vatter.14 Demnach
solt
yr etwas/ kuͤrtzlich/15
von dem Priesterthum/ und opffer
Christi hoͤren und vernemen. Ich wil euch
reytzen16 zů er-
kentnis. So solt yr mir ursach geben/ sonderlich in diser
sach/ got woll uns seine goͤtliche weißheit verleihenm Amen.
A2v
Priester.
Der priester ist eyner/ der innerlich oder eusserlich vonn
got unnd menschen
gesetzt ist/ das er opffer und gaben/
fuͤr die sunde des volckes/ oder auch fuͤr
sein eigne sunde/
dem herrn und gott oben im hymel gibt.17
Zweyerley Priester.
Wyr haben zweyerley Priester/ etliche seindt von dem ge-
setz kommen. Etliche vonn Got uber das gesetz.18 Die von
dem gesetz verordent sein/ die selben
werden durch menschen
ire beruffung haben/ die ungewiß ist. Es wer dann. das
die
menschen/ ngottis willen zuͤvorn
erkant hetten.19 Und das die
gesetzische priester20 das
testament der warheyt/o der
gerech-
tigkeit/ und des frides/ in der warheit/ und
nit in der boß-
heit/ hyelten/ als vil Leviten/ gehalten
haben.21 Die gottis
kunst
und vorstandt goͤtlicher warheit/22 und des frides nit
haben/ die seindt vor Got auch nit priester/ als der
geyst
spricht.23 Darumb das
du die kunst und weißheit verworffen
hast/ so hab ich dich von dem priester stand
verworffen.24
Item.25 Ir seyt/ von meynem wege gangen/ und
habet yr vil
geergert/ und das gesetz Levi26 zů nichte gemacht/
dem ich
eynen bund des lebens und frides/27 der warheit und gerech-
tigkeit/ des
gerichts und raths gab. Darumb seit ir abge-
setzt/ und
verechtig/ und weniger worden/ denn die leihen/
uber welche yr stund.28 Es wirt die pfaffen auch nit
ent-
schuldigen/ das sie ein gebetlein sprechen oder
eynen prust
latz tragen/29
auff welchem/ diße uberschrifft30
stedt. Hie
findt man ursachen der rechten weyßheyt und warheyt/31
so unther yrem prustlatz/ ein
prust oder hertz bedeckt ist/
das voller weltlicher weißheit/ voller sauerteigs/
voller
narheit/32 voller
luͤgen/ und voller unrechts ist. Sie seindt
vor got nit priester/ die nit inwendig
seint alsp yre eussere
A3r kleyder und zyrung anzeigen/ got hat sie auch nit beruffen/
auch ist es
gottis meinung nie gewest/ das Jm33 eusserliche
fodderungq/
glantz oder scheyn34
behagen soll.35 Sondern gott
wolt das die priester und der gemein man/ durch eusserlichen
schmuck (den
ihn36 gott anhing) verstehen
mochten/37 wie
die priester
inwendigk im geyst sollen geschmuckt seyn/
welche Gott erwelet hat. Als/ wie38 gerecht/ warhafftig/
weiß unnd
fridsam39 die priester sein
muͤssen. Man findt
aber unther den gesetzischen priestern mangell und vehll
aller ertzelten40 tugenden oder
schmuckung/ auff das man
spuer/ das das gesetz nit frum und rechtfertigk
macht.41
Wir aber haben disen schluß. Das die gesetzische priester/
von ymant erwelet und
eingehn42 muͤssen/ als auß
gottis
befehll/ als Levi und sein hauff/ oder
von menschen/ als an-
dere/ und keiner auß eignem furnemen
auff stehnr soll.43 Wie
wol ir eusserliche fodderung
ferlich44 und ungewiß ist.
Die/ uber das gesetz seindt priester gesetzt/45 die gehn in-
wendig in den tugenden
her/ welche die gesetzische prie-
ster außwendigk ann
kleidern/ durch figurliche zeychen46
tragen. Sie werden auch/ nit von fleysch und bluͤth/ son-
dern von oben rabers47 auß gott/ in goͤtlicher
warheyt/ ge-
rechtigkeit und frid geporn/ und haben ein
recht goͤtlich
weßen und leben/ denn sie sein inwendig von got beruffen/
und
auff erweckt/48 nicht von
menschen.49 Solche achten
nicht/
wie sie eusserlich geschmuckt/ sonder wie ir geyst und in-
wendigkeit fur got gezirt sey. Auff das sie got und nit
den
menschen gefallen.50 ¶
Ich nenne diese priester/ priester uber
das gesetz/ und nit drunder/ nach
schrifftlicher aussag des ge-
setzes.51 Derhalben/ das gesetz (nach dem buchstaben welcher
gantz
gesetzisch ist) von eusserlichem schmuck/ so vil fest und wort
macht/52 als wer das gantz
priesterthumb an eusserlichen
dingen gelegen.
A3v
Zweyerley salbung.
Die gesetzische Prister/ seindt eusserlich gesalbt/53 durch
ein salb/ die den gesalbten/ weder leren/ noch besser
machen
kan. Sie ist aber ein figur/54 der rechten salben. Drumb dul-
det sie got. Aber platten unnd papistisch schmer/55 seindt
wider56 figurn der gaben gottis/ noch zů etwas nuͤtz/ dann
zů torheyt
und betruͤg. Drumb hat got platten und sau
schmer57 verbotten und alle heydnische sitten unnd
geber-
den verstossen.58
Die ubergesetzische priester hat Got in yrer inwendig-
keit
gesalbt/ mit eyner kuͤnstperligent59 salben/ die klugk/
weyß/ gerecht/ warhafftigk/ unnd heylig macht/ unnd
leret den gesalbten/ alles/ des
er ernstlich begert/ unnd
des er zů besserung des nechsten bedarff/ unnd im ist
nit
not/ das yhn eyner leren thu/ als .1. Joan. 2. steht.60 Und
da bey sihe/ das ein rechter priester ein
hoche creatur ist/
als61 das
gantze volck gottis/ hoch und priesterlich ist.62
Was opffer.
Opffer ist ein gabe/ welche ein mensch zů dem priester
tregt/ das ers gott fur
seyne sunde opffert/ und versune
yhn. Oder opffer ist das ein priester selber
nympt/ und an
gottis erwelte stadt63 brengt/ und opfferts Gott vor64 seine
sunde.65 Ich
will nicht von allerley opffere reden. Denn
der selbigen ist so vil/ und haben so
mancherley bedeut-
nis (nachu ygkliches sonderlicher deutung zů reden) das
eyner ein eygen buͤchlein muͤst machen/ wenn er von allen
teylen der opffer
schreyben wolt.66 Denn es seindt
opffer/
auß geluͤbden/ unnd freywillige.67 Die freywillige seindt
mancherley. Es seindt brandtopffer/
todtopffer/ speyß-
opffer/ fridopffer/ erste fruchten/ Zehenden/
unnd der
A4r gleychen.68 Ich aber wil alhye vvon demv
hauptopffer
reden/ dahin sich/ gemeinigklich/ die figuren tzihen.69 Und
sag. Opffer ist ein gab
gottis/ welche Got erlaubt oder
erlaubt hat/ yhm fur sunde tzů opffern/ tzů
erlangen
frid und versunung kegenw Got.70
Zweyerley Opffer.
Alle opffer/ des alten Testaments seindt/ den meysten
teyl/ auß den
unvernunfftigen tyren71 gewest/
die ein sun-
der nam/ und trug sie zů dem priester/ das sie
der priester
gott opfferte/ und vergebung der sunde erwurb. Do ist
zů mercken/
das die geopfferte tyrer unschuldig waren/
und es hett ir keynes den todt
verwuͤrcket/72 man
thet sie
unschuldig ab/ das Moses gebotten
hett/73 und weyssaget
von
Christo. Das ein unschuldiger mensch kommen/ und
unsere sunde auff sich laden/ und
sie mit gehorsam/ und
unschuld/ fur uns/ tzalenx wurd.74 Unnd Moses wolt die
Juden der
überschwengklicheny liebe Gottis
erinnern/
unnd sie verstendigen/ das die unschuldige tyrer/ umb
schuldt willen
sterben solten. Das dann ein gewisse an-
tzeyg was/75 goͤtlicher lieb und barmhertzigkeyt/
zů seynem
erblichen volcke. Und was das die meinung76
Mosi (welcher
vonn Christo schreyb) das Gottis
volck auß erkentnis
solcher vetterlichen lieb/ in eynen hoͤhern vorstandt
kemenz/77
und lerneten eyne groͤssere liebe des vaters
kegenaa der sun-
dige welt verstehn/ also das Got seynes eygen sohnes nit
wurd verschonen/78 sondern
yhnenab senden/ mit
unver-
schultem todt unsere sund zů bezalen/ das
yhe79 der namen
Jesus/80 mit Christus
priesterthumb unnd opffer gleych
stymmet/ das er sein volck seligk machen welt von
seynen
sunden.81 Das hab ich
tzůfelligklich gesagt.82
A4v Do mit man lerne/ wie Moses von Christo
geschrieben
hab/ das uberauß lustig/83 unnd auch vonn noͤten ist zů
wissen. Die weyl Moses von Christo mit worten unnd
geschichten/ mit wercken und
allerley thetenac/ geschrieben
hat.
In dem steht dieser artickel/ das die unschultige/ un-
vornunfftige thyer/ des altenn testaments unvolkom-
mene opffer waren/ wie wol sie unschuldigk waren. Denn
sie verstunden
nit die ursachen ires unschuldigen leydens.
Merckten auch nit/ was der will Gottis
war.84 Waren
auch
wider85 gerecht noch gehorsam/
dieweyll Gottis ge-
rechtigkeit unnd rechter gehorsam/ ein
gehoͤr goͤtlicher
stym zůvor haben/86 darnoch volgt gehorsam und gerech-
tigkeyt dem
vorstandt87 und goͤtlicher
weyßheit. Als Chri-
stus allenthalben hat angetzeygt.88 Auß dem volget/ das
die selbige
thier/ keyn gerechtigkeyt geben konten.89 Das
ist eins. Das ander/ sie seindt auch unvolkommen ge-
west. Zům drittenn/ hat yr bluͤth keyne sunde abge-
waschen. Zum vierden habenn sie keynen frid kegenad
Gott gemacht/90 wenn gleych die sundopffer
inwendigk
und außwendigk/ gnugsam erkandt91 wurden. Die leyp-
liche
ungerechtigkeit wusche ir bluͤt und besprengung ab/
reyniget aber nicht das
gewissen.92 Drumb waren sie
un-
volkommen/ unnd deuten mit aller art auff ein
volkommen
opffer Christi/ der selb93 reiniget gewissen und sele/ so bald
sein opffer recht erkant ist.
Alle opffer des neuen testaments seindt
vernůnfftig94/
das
ist/ der sie opffert/ der ist weyse und klugk/ und das
geopffert wirt/ ist auch
verstendig und voller kunst95
got-
tis/ unnd es solt unschuldigk und gerecht sein/ das
man
opffert/ und der leyp dem schatten gleych antworten96 und
B1r das neu fulligae97 und gůt sein/ als das alte
figurlich anzey-
get/98 das ist gesagt. Ich wil mehr die kunst Gottis dann
opffer
haben. Osee.6.99
Ampt des Priesters/ und art des Opffers.
Das ampt ygliches Priesters steht in dem/ das er Got
vor sunde100 etwas opfferr.101 Fůr sein eygne sunde/ wo er
ein
sunder ist/ als102 alle
priester sein/ von dem willen des fleisch
geborn/ wenn sie gleych auch auß Gott
geborn weren/103 und
hetten
die siebenfeltigk besprengung/ des fuͤrhanges im
bluͤt nicht erlyden.104 Oder allein fuͤr fremde sunde/
wen
er kein sunder ist. Und in dem letzten steht das warhaff-
tigk und ewigk priesterthum.105
Das opffer soll sunde vertilgen/ ist es anders ein war-
hafftigk opffer. Denn wers recht erkent/ dem muß es
sein sunde
abwaschen. Und es soll ein lebendige creatur
seyn/ die stirbt/ und sol sein sterben
vorstehn/ unnd un-
schuldigk seyn.
Unther allen priestern in hymel und erden/ ist nye
ey-
ner gefunden/ der so rein gewest were/ das er
nicht be-
duͤrfft hett/ etwas fuͤr sein eygne sunde zů
opffern. dann
allein Christus.106 Drumb ist Christus ein haupt aller
priester/ und ir Fuͤrst genant/
und der erst gesalbter prie-
ster.107 Es ist auch kein opffer gesehen worden/ das
gantz
unschuldigk unnd vornunfftigk wer gewest/ oder/ das
sunde hett mit
voller gerechtigkeit vorgeben. Das opffer
Christi/ allein auß
genommen.108
Got setzet durch Mosen manicherley opffer/ eyn/
als109
sie oben genandt
sein.110 Das aber geschach
derhalben/ das
yr keyner volkommen war/ unnd ein ygliches/ ein sonder-
liche eigenschafft und art hett/ dar durchs besser uff
das
recht opffer Christi thet deutten/ denn ein anders/ das
B1v solche eygenschafft nit hett. Drumb auch verbrenten sieaf
etliche. Etliche assen sieag. Etlicher genoß der priester/
und
der da opfferet mit den armen.111 Etliche nicht. Die speyß
opffer hetten ein sonderliche figur
Christi/112 welche die
brandopffer und fridopffer113
nicht hetten.
Die ding oder opffer des neuen Testaments/ so man
opffern soll/ in der neuen unnd
unsichtparlichen hůtten/
und uff dem altar/ den kein geschaffen hand uff
gericht
hat/114 mag115 man also nennen. Unser leben. Unser sele. Un-
ser geyst.
Unser fleysch. Unnser blůth. Unser gůter will
zů got. Gottis lobe oder preyß.
Gottis sterck. Und weyß-
heyt. Gottis namen und bekentnis.
ahMit
derah hůlff/
radt/
und dienstpergkeyt des nehsten. Oder also. Ertoͤdtung
des fleyschs.
Mitleyden. Schlachtopffer. Brandopffer in
verfolgung. Verbrand todopffer.
Nidergang unnsers
willens. Haß und neyd unserer selen.116 Verderbung eygner
luͤsten. Item uff der ander seyten. Priesterthum. Her-
liche auffersteung.117
Hymelfart. Handlung in den himeln.118
Das priesterthumb ist auch
ein opffer. Der priester ein
opffer. Ein ding in der person/ai Zweyerley sachen. Moses
sagt von dem opffer und priesterthum/ Christus von dem
sterben
und auffersteung.119
Paulus von der toͤdtung des
fleyschs oder
glydmas/ und von der handlung im hymel/
und auch von aufferstehung und leben
Christi.120
Christus aber/ hats alles außgericht unnd uns alleyn
erworben/ opffer unnd
priesterthum/ nidergang des to-
des/ und ufferstehung des
lebens. Christus ist gestorben fůr
unsere sunde/ unnd aufferstanden umb unsere
gerechtig-
keit willen/121 in dem fleysch/ welches das recht opffer
war/122
durch seynen
geyst/ der auch ein rechter priester ist.123 Jdoch
ist ygliches124 ein opffer und priester. Christus hat nit alleyn
B2r seynem vatter auff dem brandroste/ des galgens/ seyn
fleysch und blůt/
sondern seynen geyst geopffert/ und in
die hende des vatters geben.125 Hat sich also
allenthalben
geopffert/ und ist uns vorgangen/ uff das wir ym noch-
folgen/126 mit unserm fleysch/ leyp/ blůt/ leben/ sele unnd
geyst.
Christus opffer heyst/ gehorsam/ leyp/ blůt/ leben und
herligkeytaj seynes vatters. Und in der Summa.
Christus thet
gottis willen im hoͤchisten fleyß/127 mehr dann alle creaturen/
fleyssiger denn all
engeln und heyligen. Reyniglicher denn
sein gantzer leyp/ der sein heylige gemeyne
ist.128 Und der
gehorsam
was129 sein hoͤchistes opffer/
auß welchem alle
andere opffere in Christo ire gerechtigkeit nemen.130 Denn
es was anfencklich von
Christo geschrieben/ das er gottis
willen thun solt131 und wurde/ welchen er auch mehr vol-
bracht hat/ denn alle creaturen volbrengen kuͤnden. Drumb
ist Christus ein furst und haupt/132 nit allein der priester/
sondernn ein rechtfertigung aller opffer/ in
hymel und
erden/ welche die engelen im hymell oder die heyligen
menschen auff
erden Gott opffern.133
¶ Von Christus priesterschafft und opffer.
Christus Priesterschafft ist ein priesterthum des frides
unnd gerechtigkeyt nach
der ordenung Melchisedeck
des Koͤniges
Salem. des frides.134 Das alle gewissen zů
friden werden/ durch
Christus priesterthum und opffer/135
die Christum grůntlich unnd wol erkennen.136 Dieweyll sie
sehen das Christus der
unstreflich priester ist/ in welchem
Gott gantzen wolgefallen hat/137 und der fuͤr138 Got mechtig
ist/ und das yhm
Gott nit wegerenn darff/139 unnd
was
er fůr Gott thut/ darinn hat Gott ewigen wolgefallen.
B2v Der gerechtigkeit aber ist Christus ein priester/ nachak der
ordnung Melchisedeck/ das Christus alle gebresten140 aller
sunder in hymel unnd
erdenn erstatt hat/141 unnd
heyst
derhalben Gott unsere gerechtigkeyt/142das er alles ver-
geltet/ darinn wir
ungerecht und strefflich seind. Sein
leyp und blůt ist one sunde/ von dem heyligen
geyst em-
pfangen.143 Sein leben alone tadellal. Sein todt voller gehor-
sams. Sein weyßheit und vorstandt am hoͤchisten. Sein
will am
volkummesten. Darumb ist Christus ein gerechter
priester/ der ein warhafftigk
gerecht priesterlich ampt
fůret/ unnd ist auch ein gerecht unschuldigam opffer/an das er
Gott selbs opfferet.
Das war die ordnung Melchisedeck des koͤniges
Sa-
lem/ das ist/ des
Koͤniges der gerechtigkeit und frides/
noch144 welcher Christus einn ewiger priester/ mitt eyds
bekrefftigung/ gesetzt ward.145
Alle die Christum in seyner gerechtigkeit hertzlich er-
kennen/146 die
begeren/ das sie seyner gerechtigkeit geniß-
lich wůrden/147 und lieben doch Christum nit mit
findung
eygner sele/148
sondern mit gestrackter149
liebe/ unnd welten
gern/ alle ire ungerechtigkeiten durch Christus gerech-
tigkeit ablegen/ und sich durch Christum/ gott dem hern
voreynigen/ unnd wolgefellig machen.150 Wenn sie diesen
verstand151 von dem vatter gehoͤrt und gelernt haben (der
alleyn
tzeuget/ unnd an Christum bindt)152 so freuet sich
yr hertz und lobesingt Got und Christo/ und hat
hitzige
begerung/ zů eim solchen priester zůkommen/ seyne weyß-
heit/ frid/ gerechtigkeit/ gehorsam/ und gericht/ und alles
von yhm/ unnd
durch yhn entpfahen/ das eynem priester
tzůgehoͤret.153
Noch mehr. Ein liebreicher erkenner Christi ist
in dem
B3r schon zů friden unnd gerechtfertigt/ das er an Christum
sieht und in
Christo erkent/154 das Christus
ein solcher ho-
her/ Got beheglicher155 priester unnd opffer ist/ das er alle
Sachen
der seynen fuͤr Gott tregt.156
Drumb helt er sich an Christum mit ernstlicher an-
nemligkeyt/157 unnd
geht durch Christum zů dem vatter.158
Christus ist mit seyner lieb bereyt/ seyne gůtter/ dem
freuntlichen erkenner/ mit zůteylen/ und gibt auch seine
pristerliche schetze/
zyrunge/ und geschmucke/ miltigklich
hyn/ und macht also/ alle gleubige (so
Christum anne-
men/ das ist/ lieben und bekennen159) zů priestern.160 Das sie
vor gottis augen one
geferden/ bestehn moͤgen/ als ange-
nemme sohne Gottis unnd
bruͤderao des/ den/ der
hoͤchste
priester figurirt161 hat. Das ist das sie sagen/ du hast uns
priester gemacht/ vor Gott froͤlich und
unstrefflich/ als
du bist.162
Wie ich vonn dem dienst unnd priesterthum
Christi
gesagt hab/163 das
kein geyst164 vor got/ als ein
unstrefflicher
priester bestehn magk/165 wennap er
den ewigen und gerechten
hohen priester Christum nicht mit liebreichem glauben
erkant/ und begert hat/ sich nach ymmaq zuͤrichten.166 So auch
mussen alle priesterliche
geyster/167 das opffer
Christi/ mit
fleyß/ ansehen/ was Christus geopffert hat/ in welchem
gemuͤt168 und willen. Und
muͤssen durch Christum weyß169
werden/
und sich noch170
yhm richten/ und allerley ruͤstung Christi
behertzen.171 Und drauß leren172 das alle ire opffer gebrechlich173
sein/ und zu gering/ und
wenig/ das sie irgent eins/ got
opffern moͤgen.174 Denn wellen sie ir fleysch schlachtenar/ yre
glidmas wuͤrgen175 unnd gott opffern/ so finden sie/
so vil
mangels in der schlachtungas und opfferung/ so vil ver-
dris und unwillens/
das sie sprechen. Ich darff vor gott
B3v nit gehn/ wenn er moͤchte mich vorthůmenat176 mit
meynem
opffer. Wellen aber sie/ yren geyst/ in die hende des vat-
ters opffern/177 so wirt yhnen tausenterley mangels fuͤr-
fallen.178 An lieb.
An glauben. An rechtem vertrauen. An
hoffenung. An lob. An heyligkeit/ unnd auch an
andern
stůcken. Das sie abermals tzůruͤck tretten/ und von gottis
angesichte
flihen můssen. Wollen sie aber yren gehorsam
unnd gůtten willen/ kegenau Gott ermessen/ und opffern
(welcher doch ein recht opffer ist) so vermercken sie/ so
vile befleckungeav/ das sie sich schemen muͤssen. Und
muͤssen
yre gerechtigkeyt (als ein tůch eyner blůtflůssigenn
frauen)179 verbergen.
Demnoch haben sie keynen antridt oder weg zů Got/
koͤnden auch Gott nichts
opffern/ denn es ist in yhn180
die
schuldt und nit unschuld.181 Torheit und nit weyßheit. Ley-
den on erkentnis.
Geyst on innerlichen schmůck. Unge-
tzeumpt fleysch/ und
boͤß blůt. Und vorstehn doch/ das
Got/ nicht ochsen oder andere tyre/ zů opffer
nemen wil/
sondern das sie yr fleyschs mit leyden. Leben mit bitter-
keit. Sele mit haß.182 Liebe mit gantzem hertzen. Lob mit
gantzer sele.183 Gůtten willen auß gantzem gemuͤt/
unnd
allerley opffer/ auß allen krefften/ opffern sollen.184 Das
yhnen unmoͤglich ist/ dann sie verstehen
unnd wissen nit
wo sie nauß sollen. Derhalben das sie opffern sollen/ und
haben doch kein opffer.
Aber durch das koͤstlich unbefleckt185 priesterampt und
opffer Christi/ nemen sie keckheit/ und freydigkeit/
ein
opffer fůr186 Gott/
durch Christum/ unnd von Christo tzů
brengen.187 Sie sagen mit seufftzen/aw mein herr/ und meyn
got/ dein sohn/ hat dir ein opffer
geben/ als188 du eins haben
B4r wilt/ und begeren kanst. Und hat das fuͤr mich/ und andere/
geopfferet/
auff das wir allesampt/ durch sein opffer
gerecht wurden/ und fuͤr189 dir angenem. Zů dem selben
halt
ich mich/ und mein opffer. Und bekenn dir/ das Christus
allein gerecht
ist/ vor dir/ und das Christus opfferr/ fůr
dir/ allein on gebresten oder tadtel
ist.190 Und sein opffer/
ist in meynen augen so hoch/ das ich meines fůr nichts
halten muͤß. Das selbe nehm
ich ahn/ und halt mich drann/
mit gedancken und hertzen. Herr nyms fůr mein opffer
auff/
oder meines in dem selben/ dann sein opffer/ ist meinem zů
eyner fůlle
und gerechtigkeit.191
Christus fleysch ist one sunde/192 und tregt meine sunde.
Das opffer ich dir fůr mein sundiges fleisch/
denn Chri-
stus fleysch ist mein/ und mein fleisch ist
Christus fleysch
geworden/193 durch das liebreich erkentnis194 und seines fley-
schs/ in welchem mein brand und
schlachtopffer zu nicht/
und seines allein etwas ist.
¶ Dreyerley personen haben
Christum geopffert.
Das opffer Christi haben dreyerley personen geopffert.
Gott der vatter Christi.
Christus selber. Unnd uff der
dritten seyten/ die grosse pfaffen195 unnd Pilatus und die
hescher und hencker. Gott der vatter seinen
sohn in
diese welt sandte/ auß groͤsser lieb/ die er tzů seinen
außerwelten
hatte unnd noch/ unnd ewigklich haben wirt.
Und gab yhnen196 in tod fůr unns/ auff das Christus die
gantze
welt/ der gleubigen erloͤset/ unnd tzů Gott sey-
nem vatter
broͤcht.197 Also ist des
vatters liebe ein ur-
sach/ des opffers Christi/ das yhn
Gott sein vatter vor
unns opfferet.198
B4v Der sohn gottis/ Jesus von Nazareth/
hat sich auß
seinem freyen willen/ und auß gehorsam/ got seinem vat-
ter/ geopffert.199 Unnd er gab sich selber/ in die hende des
verreters Jude/ der grossen pfaffen/ und in die hende
der
Heyden/ Pylati/ und der hencker. Und sein
leben und tod
stunden mechtigklich in seyner eygen macht und willen.
Hett er
seine sele200 wollen behalten/
niemant hett sie yhm
genommen. Mit eynem wort hett er sich gerett unnd vor-
teydingt. Denn/ wie Christus die schaͤrax der hescher im
oͤlgarten/ mit eynem wort/
zweymal/ nieder wurff/201
also
hett er alle gewaltig alletzeyt umbgeblosen. Denn Chri-
stus hat/ durch seyn wunderbarliche krafft ym garten
beweyst/ das
yhnn keyn macht toͤdten kunt/ wenn ers nit
leyden wolt.
Derhalben gab er sich aus eygem willen hyn/202 und also
ertoͤdtet und opfferet er sich selbs/203 und ließ sich haschen/
auß
eygnemay fursatz.204
Auß groͤsserer lieb zů seynen freunden unnd brůdern/205
und auß gehorsam/ den er seynem vatter
erzeygen must/
unnd gern mit willenn leystet/ war Christus gehorsam
biß in
todt/ und in todt des kreutzes/206 und ist geopffert/
Hett er nit gewelt/207 so wer er nit geopffert.
Die dritte personen seind die yene/ so uff Judas/ Pilati
und der grossen pfaffen
seyten stunden (als ein person)
die auch Christum zuͤ eynem brandopffer/ und
sundopffer
machten. Denn mit yrem hitzigen neydt/ unnd heyssen ge-
schrey/ haben sie Christum verbrandt/ uff eynem holtz/208 uff
welchem man nur grosse
sunder/ unnd todt verwuͤrcker209
hencken solt/ die auch der vormaledeiung210 wirdig waren.
Seintemal211 vonn den gehenckten azalso Gotaz spricht. Ver-
maledeygtba ist/
der/ der am holtz hanget.212 Die selbige
C1r maledeyung was213 so
greulich vor gott/ das got gebott/
man solt keynen gehenckten/ am galgen/ uber
nacht lassen
hangen/ auff das nicht die erden vermaledeyht wurde.214
Aber wie greulich und
schentlich der todt am kreutz was215/
dennestbb
kuelten die pfaffen yren tzorn/ wider das tzarte
kindt gottis Christum/ unnd hyssen
yhnen/ one ursach/216
mit
dem aller schnoͤttigsten todt ermordten.217 Und alßo
opfferten sie Christum/ durch yren feurigen haß/
tzů
eynem brandopffer.218
Der vater opfferet auch den sohn/ und der sohn opffe-
ret
sich selbs/219 sonste wer/ der
Juden und Heiden/ grymmi-
ge wuetterey nach yrem willen nit
ergangen. Aber der
will und meynung was anders/220 und voranderet auch die
that. Die pfaffen als
Annas und Cayphas/ opfferten
Christum/221 nit auß lieb/ als222 der vater/ noch auß gehor-
sam/ als
Christus sich opfferet/ sondern auß neyd unnd
haß opfferten sie Christum/223 nicht gott dem hern/ sondern
der vormaledeyung.224 Wenn aber
sie Christum auß gottis
forcht/ und auß gehorsam/ oder gepott gottis
geopfferet
hetten. Als225
Abraham seynen
sohn Isaak opffern wolt.226
Und weren schlechte227 gehorsame diener/ des ewigen
wil-
len gottis/ gewesen/ weren sie got mit abthuung
Christi
wilferig worden.228
Es steht aber also von yhnen geschri-
ben. Sie haben
Christum gehaßt/ one ursach/ umb sonst.229
Item Pylatus sprach. Ich finde
kein ursach des todes
in yhm.230 Drumb hetten sie kein redliche ursach/ das sie
Christum opfferten.
Wer aber gottis gepott volbringt/ der hat redliche
ursachen. Die pfaffen
auch231 dienten nicht Gott.
Sondern
yrem haß.232 Denn
sie hetten keinen bevelh/ von got/ Christum
zů toͤdten/ als233 Christus ein mandat hett/ sich zů opffern.
C1v Drumb seind sie moͤrder und blůtvergisser worden/ durch
den todt
Christi/ unnd Christus ist gehorsam one sunde
gewest. Also ist der sohn gottis
hingangen/ der herr und
meyster des lebens/234 tzů dem tod/ in mancherley weyse.
Und hat der boßhafftigen
pfaffen todßurteil unnd hals
gericht unverwirckter Sachen235 nicht geflogen/ sondern on
widerpellen
geliden.236 Gleych wie es
Gott/ von anbegin/
erkant.237 Wee aber denen/ durch welche Christus ging/238 denn
sie seind vorfluchte unnd moͤrderische ertzpuben.
Der vater aber ist nit schuldig/ am blůt Christi/ denn er/
ist239 aller ding/ unnd creaturen
mechtiger herr. Christus
bleyb240 auch unschuldig/ denn er was dem hern gehorsam/241
der gůt recht hat zů erwuͤrgenbc die lebendigen/ unnd auff
zů
wecken die todten.242
¶ Was uns Christus opffer
gebracht
hab.
Wenn Christus nicht gestorben were/ so weren wir alle
verlorn/ weyl aber Christus
gestorben ist/ so haben
wir/ ein erloͤßung durch yhn.243 Denn Christus hat/ als
ein hoͤchister
priester/ das allerbeste und hoͤchste opffer/
Got seinem vater geopffert/ fůr
unsere sunde/244 und hat
uns/
vergebung aller sunden verdient/ und reichlich erworben/
und uns seynem
vater gnugsam vorsunet/245 dem
wir ferne
waren durch unßere sunde/ die uns von Got weyt scheyd-
ten. Als246
Christus spricht/ das ist meyn leyp/ der wirt
fuͤr euch gegeben/ Das ist mein blůt/
welchs fuͤr euch vor-
gossen wirt/ tzů vergebung der
sunden.247
Die priester des alten testaments/ kamen mit ochßen
C2r blůt/ oder anderer tyrer blůt/ fur Gott/ unnd umgossen
den altar/ oder
schuttens bey/248 oder
besprengten mit dem
blůt den Fůrhanck249 an/ unnd opfferten den leyp des un-
schultigen tyres/ und theten das/ auff das dem jhenen/
sein sunde
vorgeben wurden/ der die unschultige thyrer
brachte. Das alles umb figur willen
geschach des blůts
Christi.250 Seintemal251/ Moses nichts anders mit solchem
blůtvergissen/
oder besprengung gethan hat/ dann das er/
mit verdeckten geschichten/252 antzeygett/ das aller men-
schen sunde/ abgewaschen wurden im blůt Christi.253
Darnach ist auch Christus ein priester des neuen gesetzes254
gekommen/ als Moses auch von yhm schryb.255 Unnd hat
sein blůt vergossen/ auff das wir alle drinne256 von sunden
gewaschen wurden/
so die vergissung des blůts Christi
fůr ein grosse hochschetzige257 gnade hielten/ und begerten/
das uns Christus mit seynem blůte welt258 besprengen und
drinne waschen oder teuffen.259 So wunderbarlich hat
Moses vonn Christo geschrieben/ mit schrifften/
unnd
thetenbd/ oder
geschichten. Dem nach ist liederlich260
abtzůnemen das unns der geopfferte leyp und vorgossen
blůt
Christi/ erloͤsung unnd vergebung aller sunden ge-
bracht
hat/ unns allen tzů heyligkeit/be
die das wissen und
begeren.261
Wiewol es am tag ligt/ das Christus blůth/
aller welt sunde abgewaschenn
hat/262 wenn die welt das
verstehn welt.263 Denn Christus
gelassenheyt264 ist
hoͤcher
unnd lautherer gewest/ dann aller welt ungelassenheyt265
gewest ist/ oder yetzdt ist/
oder kůnfftigklich seynn
wurde.
C2v Auch muͤste der glaub an Gott/ ein opffer haben/ das
keinen gebrechen
hett/ und one wandell266 wer/ und den figur-
lichen opffern Mosi (welche uff Christum deutten) ant-
wortet267/ welche on flecken/ one grind/ one blindheit/ one
laumungbf sein/ und keinen mangel haben
musten.268
Da-
durch weißgesagt wurd/ das ein opffer uff erden/
komen
wůrde/ in welchem weder blintheit/ noch lamung/ wider
schebikeyt/269 noch einicherleybg taddel sein solte. Und ein
solches opffer/ was270 dem
glauben von noͤtten/ uff das er
gerecht vor Got wůrd.271 Der glaub aber/ fand keines/
dann allein das
opffer Christi.272
Der recht glaube/ must auch eynen priester haben/ one
wandell/273 der heylig/ der unschuldig/ der
unbefleckt/ der
von den sunden abgesondert were/ wie er ein opffer one
taddell
hett.274 Der war Christus/ der
sich selbs/ one tad-
dell/ durch den heyligen geyst/ Got
opffert/ unser gewiß-
sen zů reynigen/ von den todten wercken/ zů
dienen dem
lebentigen Got.275
Also macht uns der glaub/ durch Christum zů Gott/
rechtfertig/ unstrefflich/ one
taddell/ und one wandell.276
Denn Christus opffer/ ist unser opffer/ unnd sein priester-
thum ist unser priesterthum/ das ist war/ so277 das opffer
Christi/ teuer und hoch geacht
ist/ in unsern hertzen und
augen. Seintemal es ye278 sein muß/ das uns der erhoͤhte
Christus/ an
sich zeuget/279 und uns ein
fleisch/ ein bluͤt/ mit
seinem fleysch und bluͤth/ eynen willen mit seinem willen/
und
eynen geist mit seinem geyste macht.280 So sein wir alle-
sampt (Engel und
menschen) in dem willen Christi/ auff
ein mal/ durch das opffer/ dess leybs Jesu
Christi/ und
durch den vollen gehorsam Christi/ gerecht worden/ auff
ein
mal.281
C3r
Abbh Christus offt282 ein opffer sein kuͤn.bi
Die figurliche opffer des alten testaments/ kunten nit
offt geopffert werden.
Als283 ein Ochße/ nůr ein mal/
und
so furt an/ geschah es mit den andern. Dann/ als we-
nig ein tier offt sterben kan/ so wenig warß muͤglich/ das
die
priester ein opffer offtmals opfferten. Da durch
aber schreyb Moses/284
von der volkomenheyt Christi/ das
Christus uff
ein mal/ aller wellt sunde/ vorgelten unnd
betzalen/ unnd sie mit eyner ewigen
heyligkeit und erloͤ-
sung/ begaben wurde.285 Das er nit offt
sterben/ noch offt
auffs neu/ seine außerweltenbj/ mit neuer vorsonung hey-
ligen
muste. Das ist ye286 schon von
Christo/ durch die fi-
gurlichen opffer Mosi287
gesagt/ das der aller hoͤchste prie-
ster/ nur ein opffer/
und nur uff ein mal/ opffern wurd/288
das so volkomen/ so hoch/ so edel/ und so genugsam/ sein
wurde/
das alle ding/ uff ein mal/ außrichten koͤnt/
unnd woͤlt/289 das die figurlichen opffer/ nicht uff vil mal
auß richten. Die weyls290 alle
sunde vorgeben. Alle gefan-
gen erloͤßen.291 Alle befleckten/ waschen. Alle
unfridliche
befriden/ und alle gewissen reinigen wurd.292 Die das opffer
mit hoher achtung/ und
begerung/ im glauben/ ansehen.
Es war groß an dem ansehen der schlangen/
gelegen/293
Darumb brauch
ichs alhie/294 die schlang
was295 ein figur/
Christus ist die warheyt.296
Derhalben muͤssen alle vor-
wundte und krancke/ gesunt
werden/ die den uffgehenck-
ten und geopfferten Christum/ ansehen/ wenn sie Christum recht
ansehen/ und sehen/ das die heilige augen der Aposteln sahen.297
Demnach ist Christus ein mal gestorben/ und ein opffer/
nůr uff ein mal
geopffert/298 fur alle
geister/ die yhe gewest
seind/ und kuͤnfftiglich noch erfur komen werden/ so
fern
sie/ das opffer annemen/ und ir eigen opffer durch Chri-
stus opffer rechtfertigen.299
C3v Drumb ists nicht vonn noͤten/ das Christus den neu
geschaffen geystern/300 noch eins301 sterbe/ Christus ist reich-
lich302 gestorben/
und genugsam/ den neu geschaffnen/ als303
denen/ so zůr zeyt seynes leydens lebten.304
Apbk
Christus in teglichen pfeffischen
Messen305 ein opffer sey.
Der teuffel hat meysterlich/ vil luͤgen und schaden/
in
die Christenheyt gefůrt/ da er zů wegen bracht/ das die
pfaffen/ auß dem
herlichen306
abendtessen Christi/307 ein mess
und opffer machten/ und gab den pfaffen ein schoͤns
maul-
werck fuͤr/308 wie sie der Sachen gestalt gaͤbenn/ das sie
auß
dem brot und wein Christi/ ein opffer maͤchten/ und mehr
gelts draus
marckten/309 dann Judas durch sein vorreterey310
das sie auch grosse
kloͤster als311 Schloͤsser/
Stifftkirchen/
und alle winckel vol Capellen/ und teuffels heuser/ auff
seinen gewihn unnd betrugbl/
baueten/ unnd das messen
gestifft wurden/ und pfaffen vorordent/ die teglich
messen
hielten/ und Christum teglich opfferten.312
Das war ein lieblicherbm glantz/
unnd listigs fůrgeben/
eynes neuen dienst Gottis/ unnd er gieng starck in die
hertzen der gotlosen. Also wurd ein mess und opffer/
auß dem brot und kelch
Christi.
Was aber die pfaffen gelts und guͤtter/ mit dem teg-
ligen
geopfferten Christo/ erwůchert oder erworben/ ist
nit noͤtlichbn hie zů ertzelen. Dieweil mans fuͤr augen
sihet/
und die sachen solcher betriegerey zů gering313 ist/ das ich sie
hin und her werff.314 Drumb wil ich sie faren lassen/
und
nuͤr den geystlichen schein des teuffels/ angreyffen unnd
ruͤgen.
C4r Der teuffel bobrengt gemenigklichbo ein bekante warheyt
herfůr/315 wenn er luͤgen einbrocken wil/316 als er in der vor-
suchung Christi thet.317 So thetbp
auch der teuffel hie. Er
sprach (durch seine pfaffen) die menschen sundigen
alle
tag. Drumb durffenbq318 sie eynes teglichen
opffers/ fuͤr yre
sunde/ das ist war/ wens recht wirt vorstanden.319 Drumb
sprach er. Ir habet
kein opffer/ denn320 den leyp
und das
blůt Christi/ drumb moͤcht ir321 Christum/ teglich/ fůr euer
tegliche sunden opffern/ unnd
ein messe auffrichten/ die
solt yr machen auß Christus abendessen.322 Also ist die
mess auffkomen/
in welcher/ die pfaffen/ unnsern hern
Christum alle tag opffern/ und yhn/323 in einer stund unnd
stadt/
mehr dann tausent mal/ das nit wunder were/ das
Christus gantz vortzert
were.324
Ich wil kurtz die Ursachen setzen/ das alle pfaffen/
Gott luͤgenhafftig sprechen/
die sagen/ das Christus in
yrer mess/ ein opffer sey/ oder die Christum in der
mess
opffern. Denn sie sprechen/ mit der that/ oder werck/325
das Christus opffer/ nicht so krefftig unnd
mechtig und
gnugsam sey/ wie es Got der vater gelobt/ und verhey-
schen326 hat. Der vater im hymel/ hat uns seinen sohne
vorheysschen/ durch gesetzische
opffer/327 unnd durch
klare
zusagung der propheten/ das sein sohne/ unser gerechtig-
keyt sein/ und das er sich opffern wurde/ fuͤr unser sunde/
und wurd
unser sund auff sich laden/ und durch seinen todt/
und vergiessung seynes blůts/
betzalen wurd.328 In der
weise/
krafft/ macht/ frommenbr329 unnd nuͤtz/ hat unns
Gott der
vater seynen sohne vorheyschenbs/ das er unns/ in solcher
krafft/ seligkeyt/ und zů solchem
nutz solt khomen.
C4v Nů aber seind die pfaffen herfur dretten/ und sagen.
Es ist nit also
mit dem todt und opffer Christi/ als yhn
Got vorheischen hat/ und thun/ wie die neun hauptleut
teten/ so330 von Mose/ mit andern dreien/ geschickt waren/
ins vorheischen und
gelobt landt/ dasselbe zů besichten/
apbt es were/ wie es Got preyst und vorhieschbu.331 Denn/ wie
wol sie offentlich sahen/ dass gelobt land so
gůt unnd
fruchtpar war/ dannestbv widersprachen sie/ wissentlich/
dem mund Gottis/ und schnitten Got
sein ehre ab/ und
strafften yhn/ einer luͤgen.
Also thun die pfaffen/ etlich auß geytz.332 Etlich
auß
hochfart und mutwill/bw
die sagen/ das Christus opffer teg-
lich/ uffs neu/ fůr neue tegliche sunde/ muͤg geopffert
werden. Denn sie widersprechen der bxvorheyschung got-
tis/bx
unnd machen das opffer Christi/ das Christus selber
ist/ geringer/ denns333 Gott der vatter byvorheyschenn unnd
vorkůndigtby hat.
Got spricht/ das Christus mit dem
opffer/ seins leibs unnd blůts/ aller welt sund/
betzalen
und außtilgen wurde/334
dawider aber sprechen die pfaffen
wenn sie
sagen. Man muß Christum alle tag/ uffs neu/
fur neue sunde opffern.335 Und es ist ungenug/ das
Chri-
stus ein mal geopffert ist.336 Das ein greuliche luͤgen ist/
Dann es volgt/ das Christus opffer ist ungenugsam ge-
west/
vor337 alle sunde/ und das
sein todt/ uns nicht so vil
heyligkeit gebracht hat/ als Got furgab.338 Also wider-
sprechen unsere pfaffen/ Gott/ denn sie sprechen/ das sie
Christum
alle tag/ opffern sollen fuͤr sunde/ so aber luͤg got
der spricht. Christus mein
sone/ hat aller welt sund be-
tzalt/ und ist mir darumb
gehorsam gewest/ biß in todt.339
Das bzwurd
aberbz mit nichte
bestehn moͤgen/340 wenn
Christus
durch seynen einigen todt unnd eintzelig opffer/341 die neu
D1r teglich sunde/ nicht betzalt unnd außgetilgt hett.
Nů/ es ist ye342 nit moͤglich
das Got liege/343 drumb
seind
die pfaffen ertzlůgnerca/ die sagen/ das Christus ein opffer
sey/ in yren teglichen messen. Denn sie
straffen Gottis
warheyt einer luͤgen/ und lestern Gott/ unnd strecken yr
zungen auß/344 wider Gottis
wort/ und thun als die neun345
puben theten/ vonn welchen gesagt.346 Das ist ein ursach
das Christus in der Messe kein opffer
ist.
Wenn aber ein behelff redner347
sagen woͤlt. Christus ist
kein opffer/ sondern das brot und der wein Christi/
ist
ein opffer. Das wer ein subtile schutzrede/348 als hette sie ein
Esel in eyne sackpfeyffen
gesungen.349 Ursach/ das
hies
Christum zerspelten/350 und gar zu nichts machen/ und alle
figuͤrliche opffer in einen klumpen
stossen.351 Seintemal352 es
offentlich ist/ das
Christus gelebt hat/ und ist nit one
leben komen/ als brod.353 Und lebet noch/ und mehr dann alle
creaturen/
in hymel und erden. Dieweyl Christus auch
durch sein blůt/ die geystlichen und
hymelischen gefess/
gewaschen und gereiniget hat.354 Unnd alles in solcher her-
lickeit und wesen/ das yhm kein engel nachtun vermoͤcht.355
Das aber/ woͤllen die pfaffen/ einer todten creatur/
nemblich dem brodt das der
Becker gebacken hat/ oder
dem wein/ der durch die kaltercb ist auß getruckt/ zumeß-
sen.356 Und die uͤber
engelische krafft und herlikeit Christi/
abtziehen und stelen/ und Christum also wuͤste machen.357
Auch wůrden sie durch ir synnloßs opffer/ des brods
und weins/ dem
synnreichen358 Christo/ seine
ehre/ weyßheit/
gehorsam/ liebe/ unnd gůten willen/ abhauen und vor-
wuͤsten. Es kan weder brot noch wein die krefften
oder
gaben Christi/ an sich nemen. Wenn der pfaffen
synn bestuͤnd/359 wůrds klar volgen/ das brot und wein/
D1v die pesten creaturen weren/ pesser dan alle heyligen und
engeln/ ya
denncc der sone gottis Jesus
Christus selberts.
Und sie muͤsten sagen/ das die speyßopffer des alten ge-
setzs/ volkoͤmlich gewest weren/ als360 Christus opffer/ das
wider den strahm361 und wider Mosen und heyligen geyst/
und gar unmoͤglich ist.
Auch wurd das die pfaffen nit helffen/ das sich Chri-
stus
ein lebentig brot nennet/ und wil/ das wir sein blůt
trincken/ unnd sein brodt
essen.362 Ursach/ das selb
brodt
Christi/ ist eincd
ewig/ und unvorgencklichce brodt/
als auch
das blůt Christi unvorgencklich ist.363 Aber das pfef-
fischecf runde brodt/364 unnd ir wein/ vorgehn. Pfaffen
seind die
weinschlugker/ als der geyst gottis spricht/ und
machen durch yre laher/365 die armen leyhen/ druncken/
und
von Got gehn. Sie sollen aber wissen das ir brod und wein
nit von oben
herraber gestigen/ als das brod/ das christus
ist.366 Sondern frůchte der erden/ von unthen rauff
gewachssen.cg
Dem nach moͤgen367 sich die
pfaffen nicht vermanteln/ mit
eynem schalcks mantell/368 und sagen das brodt oder wein
ist ein opffer
(unnd nicht Christus) das wir vor369
teg-
liche sunde opffern/ denn wir woͤllen ir brodt oder
wein
nit haben/ zů eynem opffer. Seintemalch unser gewissen/
cinichts pesserci noch reiner/ dar durch werden koͤnnencj. So
besteht die ursach/ das
Christus kein opffer in der Messe
ist/ und das vil teufflischer ist/ wenn sie
sagen/ das brodt
unnd wein Christi/ ist ein opffer.
¶ Ein ander ursach/ das Christus
kein
opffer ist in der Messe.
Andweders sie muͤssen unsinnig unnd nerrisch/ oder
kluge und můtwillige
schaͤcherck370 sein/ die sagen/ das christus
ein opffer sey/ in pfeffischen Messen.371 Ursach. Sie
muͤssen nit wissen/ was zů einem brand/ und sundopffer
D2r gehoͤrt/ und von dem opffer Christi reden/ als ein blind-
ter von der farb/372 und vor Got sein sie pferde und Eseln/
in welchen kein vorstandt ist.373 Oder wissen/ und reden
auß
hochfartcl/ wider Gottis
warheyt/ unnd wellen den
wuͤrgen/374 der nicht sterben kan.
Die pfaffen schlachten die lebentigen tyer/ die sie op-
ferten/ den selben figuren nach/ můst Christus auch ab-
gehn/ als er ein opffer ward.375 Darumb ists gleych so
vil gesagt. Christus ist in der Messz
ein opffer/ als das/
Christus wurd in der Messz erwuͤrgtcm/ Das aber ist
unmoͤglich/ auch nach dem
fleysch Christi/376 in
welchem
Christus ein opffer was/377 denn Christus ist nůr einst378
ge-
storben/ und stirbt nit mehr/ sondern er lebt got
ewigklich.379
Welcher aber fůrt fehrt/ unnd spricht/ das Christus ein
opffer sey/ der
strafft380 den heyligen Paul'us'cn der spricht/ das
Christus nicht mehr sterb.381 Auch ist Christus in eynem
herlichen382 und
unsterblichen fleysch/ ufferstanden. Darumb/
die Christum ein opffer heyssen/ in
der Messe/ die greyffen
yhm in sein herliche aufferstehung/ und sagen/
Christus
sey sterblich und unverklert/ als vor/ ehe er starb.383 Das
wer Christo eine grosse
schmachco/ unnd Got seynem
vater
spoͤtlich/ und ein vorwuͤstung/ der herlichen auffersteung/
unnd unser
gerechtickeyt zů nah/384 und
wider die hoff-
nung der ufferstehung.
Sie machen auch ein erger385
opffer auß Christo/ denn
irgent ein opffer das alten testaments gewest ist.
Kein
ochs oder kein ander tyer/ ist offtmals386 geschlachtcp unnd
geopffert worden/ mit eynem leyden unnd todt/ kam er387
darvon. Aber Christus/ můß den Meßknechten/
offt
her halten/ offt leyden/ und vil mals sterben/ und ist kein
auffhoͤren.
Also machen sie Christus sachen erger/ denn
des figurlichen opffers388 leyden und sterben was.
D2v Christus priesterthumb/ wer auch erger389 und geringer/
denn des hohen priesters im alten gesetz/ der
allein/ nůr eins/
in das heylig/ mit blůt ging (dennestcq mit frembdem blut)390
weil Christus (als die pfaffen woͤllen391) alle tag sein blůt
vergiessen můß. Und mit seinem eygen blůt/ nit imcr iar
ein mal/ sondern alle tag/ in vierhundert teuffels
heu-
sern/ eingehn sol.392
Do her wurd volgen/ das die sunde ewiglich bleybe/
denn uff die pfeffische
meynung/393 nimpt das opffer
Christi/
nůr ettliche sunde ab/ die vorgangen/394 oder die heuttige.
Aber die ein mensch morgen sundigen
wurde/ hett Chri-
stus/ mit vorgetanem395 opffer/ nicht betzalt. So
muͤsten
die zůkuͤnfftige/396 alle tag neu opffer haben. Unnd wurd
das neu testament/ uff eynen hauffen
vorfallen/397 das die
sunde also abnehmen solt/ das keyne mehr bliben werden.398
Und es muͤste von noͤten zu nicht
werden/399 wenn neue
sunde/
mit neuem opffer Christi/ solten vortilgtcs400
werden/ und
weren nicht durchs alt gethan opffer Christi/ vorgebenct/
das durch ein leyden/ unnd
eynen todt/ und ein bluͤtver-
gissunng geopffert ist. Wenn
man das/ den pfaffen/
gestatt/ so wurden sie Got/ die leng401 auß seynem hymmel
vorstossencu.
Auch muͤst volgen/ das Christus alle tag/ in seynem
hymelischen unnd
unsichtparlichen tabernackel/402
durch
neu opffer/ widerumb ein gehn muͤste. Da durch wurd
das priesterampt und
opffer/ und geystliche huͤtten/ des
aller hoͤchsten priesters Christi/
unachtparercv/ denn des
Aarons/ und anderer cwfigurlicher/ und
vorgengklicher/
priesterncw tabernackel war.403 Ursach. Aaron und seyne
nachkomen/
seind im jar/ nůr ein mal/ durch frembd ley-
den/ sterben/
unnd blůt eingangencx.404 Aber Christus
D3r muͤste alle tag/ durch neu leyden/ und opffer/ uff in den
hymel gehn/
unnd wir doͤrfften405 nicht mehr
wartten/ uff
Christum/ das er komen wuͤrd/ als yhn seine Apostel sahen
in
hymel faren.406 So muͤst die
herliche407 hymelfart
Christi/
auch zů nichte werden. Nů aber/ wisset yr opffer-
fresser/408 das
Christus sachen besser stehn/ denn yr yhm
goͤndetcy.409
Wisset/ das er ein volkomen opffer geben/
und ist nůr einscz gestorben/ und mit eynem opffer/ durch
sein
eygen blůt/ ein mal in das heylig eingangen/ unnd
hat dannestda/ ein ewige erloͤsung der sunden/410 nicht allein
der
gegenwertigendb/ sondern aller
zůkůnfftigenn sun-
den.411 Und er ist nicht in euren leyplichen tempel/
als in das
heylige/412 durch sein blůt
gangen/ sondern in
die hohen hymel gefaren/ an die gerechte/ des stuͤls
goͤt-
licher majestat im himel/413 ein pfleger aller heiligen gůter
und
vorwarer/ der hymelischen huͤtten. Welche got selb
auffgericht hat/ und ist nit mit
menschen henden erbauet.414
Er415
ist euren henden entgangen/ ir koͤnt yn nit mehr
martern/ und lest sich nit mehr opffern/ und wil nit offt416
geopffert sein. Er steht fuͤr dem vater/ fuͤr
uns/ und
vorbitt/ und vortrittdc uns/417
nit durch neuen tranck/ seines
kelchs/ welchen er einsdd getruncken hat/ unnd nicht mehr
trincken
wil.418 Christus trinckt einen
neuen wein/ in seines
vaters reich/419 do er sich nit lesset martern/ und ermoͤrdten.
Das alles rede ich nicht der halben/ das euch/420 die ley-
hen/ der massen schellten/
sondern das ir euch/ recht ent-
sinnen/ und uff hoͤren wolt/
Christum zů hoͤnen und mar-
tern. Ich wůnsch euch/ Gotis
barmhertzigkeit/ und
sage euch eure laster/ mit schmelichen worten/ der ir
wir-
dig seyt/ auff das euch vordrieß/421 eynen solchenn boͤsen
namen422 zů haben/ under
dende Christen.
D3v Die Christum ein opffer (in den pfeffischen messen)423
heyssen/ und woͤllen yhn teglich/ fuͤr neu
tegliche sunde
opffern/ die machen Christus todt unnd opffer/ unnuͤtz/
ungerecht/ unnd zů nicht. Seintemal Christus/ unser
sunden halben gestorben
ist/424 unnd nicht allein fuͤr
unser
sunde/ sondern auch/ der gantzen welt/425 unnd hat sie alle
sampt/ auß der dfsunden gewissendf abgewaschen/ auff ein
mal/426 so Christum unnd sein
blůt/ durch den glauben/ in
yrem hertzen und gewissen/ warhafftig erkennen/
unnd
er ist das lamb/ das der welt sunde hinweg trug.427 Das
hat er durch eynen todt/ und ein opffer
gethan/ und uns
volle gerechtickeit erlangt.428 Welcher nů spricht/ das
Christus alle tag/ ein opffer sey/
derhalben/ das wir
durch die messe/ vorgebungdg der sunden erlangen/ der můß
auch sagen/ das uns der todt
unnd opffer Christi/ vorge-
bung der sunde nit erlangt hab/
unnd das Christus umb
sonst/ und vorgebensdh gestorben/429 unnd das unser gerech-
tigkeit/ in dem gehorsam
Christi/ durch welchen er in
todt gieng/ nit gestanden sey. Das wer aber nit
anders/
dann Christum auff heben/ und wegnemen/ und Christum
zů nichts machen/
als offt gesagt ist.430
Sihe/ Paulus achtet das fuͤr ein groß uͤbel/ als
ist/ das
etliche sagen/ das gerechtigkeyt durchs gesetz sey. Und
er spricht.
Es muͤst volgen/ das Christus umb sonst ge-
storben
were.431 So auch sag ich euch/
wenn ir Christum
alle tag/ in euren messen/ opffern koͤnt/ fuͤr unsere neue
sunde/ muͤste volgen/ das Christus ersterdi todt/432 unnd
sein gethan opffer/ umb sonst geschehen wer. Und ent-
lich/
das unser gerechtigkeit/ nicht auß Christo/ sondern
auß euch djkom/433
dendj ir
habet die messe erdacht.434
D4r Ich bekenn fuͤr mich/ unnd weis/ das wider Got unnd
Christum ist/ das
Christus ein opffer sey/ in der messe.
Ich weis das Christus/ nůr ein mal/ durch
ein opffer/ in
hymel gangen ist/ unnd hat uns eindk ewig und unentliche
erloͤsung/ unnd vorgebung aller sunden/
geschenckt/435 und
das er
nů nymmer auß der heyligen stadt/436 unnd huͤtten
geht/ als ein priester/ sondern/ er steht vor seines
vaters
angesicht/ als ein mitler/ dlfůrbitter/ und vorsoner.dl437
Das aber Christus sprach. Nemet hin/ das ist meyn
leyp/ der fuͤr euch gegeben
wurdt/ oder. Das ist der kelch
meins blůts/ welchs fuͤr euch vorgossen wuͤrt
etc.438 Dienet
nicht zu
eurem teuffelischen grund/ und fuͤrnemen. Denn
Christus hat euch nicht bevolhen/
das ir das thun solt/
als irs außlegt/ uff die meynung. Das ir Christus
fleisch
unnd blůt/ teglich/ uffs neu/ opffern machtdm. Wenn
das were/ was hetten die heyligen
gethan/ die kein meß
halten/ nochdn gehalten haben. Ir solt das brot unnd
blůt des herren geniessen/ zů
seinem gedechtnis/439 das ist/
Ir solt ein hertzfreuntliche440 gedechtnis/ des leydens/ des
todes/ und
opffers Christi/ haben/ wie einer/ eines lieben
bruders gedencken moͤcht/
der yhn vom todt/ durch seinen
todt/ erloͤßt hett/ oder fur yhn/ gestorben
were/441 das solt
ir
thun. Das brot Christi essen/ und wein trincken/
in seinem namen/ und gedechtnis.
Der name und ge-
dechtnis Christi/ sol euch dartzů
antzunden/ und bezwin-
gen/ des ir zůvor indechtig442 gewest seyt.
Demnachdo/ mag443 eyner teglich/ des gethanen
opffers
Christi/ gedencken/ als auch meniglicher444 schultigk ist/
das hoch priesterlich
gemuͤt445 Christi/ und sein
unschultig und
vornunfftig opffer/ zů erfaren/446 welches er got geopffert.
D4v Aber das heyst nit Christum uffs neu opffern/ sondern
yhm dancksagen/
und gedechtnis dess leydens und opffers
Christi haben/ unnd sich durch das
freuntlich erkentnis
Christi/ des priesters/ unnd seynes ampts in Christum
vorsencken/ und in Christo bleyben.447
Das aber etliche heilige veter/448 von dem opffer Christi
schreyben/ und sagen sollen. Das die hostien/ in
der messe/
ein opffer sey/ kan nicht bestehn in ewigkeit. Ich kans
auch nicht
gleuben/ das449 der heyligen
vaͤtter meynung
oder will gewest sey. Das Christus unther der runden
unnd
gemalten450 hostien/ in der
messz/ ein opffer sey/ als
vil ytzunder451 gehalten. Denn sie hetten groͤblicher geirret/
in yren
zeyten/ denn unsere pfaffen in dieser zeyt. Die
weyl die pfaffen/ jtzt/ in dem
irthumb/ auffertzogen sein/
und haben von jugent uff/ biß her/ gehoͤrt/ das die
messz
ein opffer sey. Aber eh die messe durch menschliche
synnen/452 erfunden wart (als453 in den zeytten der heyligen
vaͤtter) was454 keyn ursach/ des
greulichen irsals/ das
Christus in der Messz ein opffer sein solt. Auch wurd
die schrifft/ in der vaͤtter zeytten/ gar nah/ so hoch ge-
handelt/ und vorstanden/ als455 ytzt/ und die rechte urteyl
der schrifften/ giengen/ auch
in besseren schwanck/456
dann
sie in unserer pfaffen zeyten457 biß her/ gangen seyn.
Derhalben ist mirs ungleublich/ das Augustinus oder
Ambrosius eynen dancken458 gehabt haben/ das brot unnd
wein/ ein messz/
oder opffer sein.459
Demnach/ achte ich/
das die selbige vaͤter/ Christum/ eindp heylig opffer/ ein
unbefleckte
hostien/460
dqein bestettigts opffer/461 ein vornůnf-
tigs
opffer/462 oder
hostiendq/
genent haben/463 als die
Aposteln/464
Christus
leyden/ todt/ blůtvorgiessen/ und ertoͤdten leib/
ein opffer genent haben/465 da durchdr sie bekanten/ was
E1r Christus gelitten haͤtt/ nicht was er noch heut/ leydt/
oder leyden
magds. Und das Christus/ ein
opffer gewest/
und nit heut widerumb ein opffer sey.466
Als der Apostel Paulus/ Christum/ ein opffer der
gerechtigkeitdt/ und ein vorgebungdu der sunden nennet467 Und
ertzelt/ was uns Christus/ mit seinem/
ein mal geopffer-
ten opffer/ erlanget. Nicht in der
meynung/ das wir so
nerrisch weren/ das wir/ die krafft unnd den vordienstdv
Christi/ geringerten. Oder das
gedencken solten/ das von
noͤten wer/ das wir Christum alle tag/ widerumb fuͤr
un-
ser tegliche sunde/ muͤsten opffern. Dann also
wuͤrffen
wir Christum nider/ und traͤtten yhnen mit fuͤssen/ und
machten
sein leyden/ zů nicht/ als ob vormelt ist.468
Wenn aber die heyligen vaͤtter/ so vorgessendw gewest
weren/ das sie ein solche unchristliche
laͤher469/ erdacht (als470
sich die papistischen pfaffen
rhuͤmen/ und den altvaͤttern
ufflegen471) solt man die altvaͤtter/ nicht ansehenn/ noch
yren synn
achten.472 Sondern sprechen.
Geht hin/ ir sata-
nische lehrer. Ir vorhindert das recht
erkentnis Christi.
Das aber/ geschiedt Got und den heyligen/ zů keinem
nachteyl. Dann Petrus war auch heylig/ unnd Christus
sprach. Selig bistu Petre etc.473 Aber nicht lang darnach/
sprach auch Christus zů Petro (als er in
dem erkentnis
Christi irret) gehe zů růck/ du Satan/ du bist mir zů ey-
nem vorhindernis.474 Dieweyl unns Christus da durch
vorstendigetdx/ das wir unns/ die heylickeyt der
heyligen/
nit sollen vorfuͤren lassen. Sondern im wege Gottis
stracks pleyben/
und nach keynem menschen umbsehen.
Paulus straffet Petrum/ drůmb das er nit mit rech-
tem fueß/ in der warheit gieng.475 Wer vorpeutdy uns/ so wir
der Sachen gewiß sein/ auch wider alle altvaͤtter zů stehn?
E1v Moͤgen476 wir doch
engeln richten/ warumb nit menschen?477
Wir sollen den Satan/ in frembder form des liechts rich-
ten/478 solten wir nit heylige menschen urteyln/ und sehen/
apdz sie heylig seind oder nit? Wann die heyligkeyt/
nit
durch sieben fegfeur/ oder beschneyttung/ bewert479 ist/ so
kan sie liderlich480 irren/ und unrecht leren. Die
irrige
blindtheit/ hoͤret nit eh auff/ dann die sunden.481 Wenn
sunde gar nichts mehr/ imea menschen stadt habenn/ so
wuͤrt
die blindheit/ unnd unvorstandteb/
sein ende haben.482
Wenn ein schreyber/ etwas auß seiner weyßheit schreybt
so ist es alles menschlich/
unnd nit goͤtlich.483 Drumb
muͤß
man eben mercken/ was der geiste Gottis wircket/ wenn
er redt/ und sich
nach dem geyste richten. Welcher des
geysts wircklickeit uberferet/ der
feilet/484 er schreyb oder
rede.
Demnach/ sal die heyligkeit Augustini/ nymandts vor-
stricken.485 Er wils486 auch nit haben/ das wir seiner/ oder
eines
andern/ heilickeit/ fuͤr ein unbetrigliche schnůr487
ha-
ben.488 Drumb solt ir nicht so fleyssig sehen/ was die vil-
gedachte vaͤttere489 geredt oder geschrieben/ als yr besehen
solt/ was recht oder unrecht/ von yhnen
ist geschrieben.
Die Christum in der Messe/ ein opffer heyssen/ die
seind des todes und bluͤts
Christi schuldig/ weyl sie ubel
von Christo reden/ und Christum ubler handlen/ denn
die
jhene/ so490 das brot
und den kelch des herren on underschied
brauchten.491 Denn sie seind nicht allein/ unachtsame/
als
die Corinthier waren/ irer drunckenheit halben/492
son-
dern/ sie hauen Got/ dem vater Christi/ seine zůsag
(von
Christo) ab. Und vorsprechenec493 das leyden/ bluͤt
vorgieß-
sung/ und den todt etc. Christi/ unnd sie
doͤrfftened/ wenn sie
kuͤntten/ Christum uffs neu martern/ uff das ir seckell
voller goldts. Oder
stifftung voller lobes. Oder vornunfft
E2r voller achtparkeyt. Oder eygen synn voller herschafft
wůrd.494
Apee sie sagen woͤlten/ wir meynens wol und gůt/ und
woͤllen Got mit unserm
brauch dienen. Wir wissen nit
anders. Wisten wirs besser/ wir woͤlten dem besten
vol-
gen. Antwort. Der Juden eins teyls/ wistens
auch nit
besser/ dann das sie Christum/ ertoͤdten moͤchten/ unnd
meinten/
sie tethen Got eynen dienst dran.495 Aber Pe-
trus/ wolt sie nicht/ tzů Christlicher gemeynschafft neh-
men/ ehe sie sich erkanten/ und yre missethat
bereueten.496
Also
solten die rechte Christen auch thun. Und den pfaffen
sagen/ das es sund sey/ Meß
halten/ wuͤrden sich ett-
liche bekeren/ die solten
angenommen werden. Die sich
aber nit woͤlten erkennen/497 die solt man ausserhalb Christ-
licher gemeinschafft/ stehn lassen.
Es volgtef nit. Ich
meins wol. Drumb bin ich ent-
schuldigt.498
Petrus meint es auch gůt/ und wol/ da er
zů
seinem herren sprach. Es sey fern von dir/ das dich die
Juden so schmelich
handeln sollen etc. Denn Christus
hies yhnen von sicheg tretten/ und nennet yhn einen Satan/
als
obgemelt ist.499 Derhalben/
werden sich/ die pfaffen/
auch nit schuͤtzen/ durch yren gůten dunckell.500
Man soleh stillhalten/ und zuͤ
vor hoͤren/ was Got ha-
ben wil/ und unsere gedancken/ nach
Gottis gedancken
richten. Darnach solei die that/ oder wolmeynung/
und das werck/ der laͤher501 Gottis volgen. ¶ Der uff
ma-
nigerley ding sihet/ oder nit allein uff gottis
wort sihet
der unkeuschetej
fuͤr got/502 und sundigt
greulich. Nu. 15.503
Wuͤrde eyner sagen/ Christus kan ye504 nicht sterben/
wenn wir yhn opffern. Drumb sein wir den
vorredternek/
heschern und
henckern/505 mit nichte
gleych. Antwort.
E2v Es ligt aller handel/ schad/ und gewin/ am hertzen.
Und Got hat nicht
allein/ den eusserlichen todtschlagk
vorpotten. Sondern datzů/ gedancken zů
todtschlahen.506
Drumb
ist es ein ding fuͤr Gott/ todt schlahenn tedlichel507/
oder mit willen. Der einen willen hat/ Christum zů toͤd-
ten/ und kan yhn nicht toͤdten/ der ist ein todtschlager.
Als auch der
teuffel/ ein todtschlaher Christi was/508 ehe
Christus geporn wůrd. Nachdem Christus selber
sagt/ der
teuffel ist ein todtschlaher/ von anbeginn ge-
west/509 welches eyner also meldet. Das
lamb ist von
anfanck der welt erschlahen etc.510 Nů wie der teuffel/
in der zeyt ein moͤrder wuͤrd/ ehe
Christus sterben kůnt.511
Also jtzt auch/ werden die yene moͤrder Christi (der ytzt
nicht mehr stirbt) die an
yhm thun woͤllen/ das die tet-
liche moͤrder tethen. Annas. Caiaphas. Judas. Herodes.
Pilatus. Phariseyer/ hescher und henger.512 Drumb
seind unnsere Priestere (welchen Gottis warheyt vor-
kuͤndigt ist) rechte phariseer/ die an Christum
allerley
hoen/ spott/ streych/ schlege/ und todt legten.513
O wie jemerliche ding/ můssen unsere augen sehen?
Sehen sie nit/ das gleych die
heuser/ mordt gruben wor-
den seind?514 die man Gott zů loben unnd ehren/ erbauen
wolt? Aigentlich seind sie speluncken515 der dieben und moͤr-
der/ so vil ir/ uff das
teglich blůtvorgiessen/ und uff den
teglichen todt/ oder opffer Christi/ gewidemet
sein.
Die die aller heyligstenem sein
woͤllen/516 seind die
greulichstenen
vorfolger/
und moͤrder Christi. Wo sihet man mehr
Messen/ denn in den heyligen Cloͤstern? Es
kan kaumet517
eyner
auffhoͤren/ so kuͤmbt ein anderer herfuͤr. Ge-
schichts nit
heute/ das vortzeyten/ im leyden Christi ge-
schah? Das Annas Christum Caiaphe/ ein priester dem
F1r andern uberschickt?518 Muͤssen wir nicht sehen/ das eyner
seine kleyder/ uber Christum zerreyst/ der
ander Christo/
in sein angesichte speyhet?519 Die leyhen fuͤren Christum
heraus/ als520
Pilatus/ und sprechen/ das sie kein schuldt/
mangell/ oder gebrechen/ an dem todt und blůtvorgieß-
sen/
finden.521 Und das Christus
mit eynem opffer/ versoͤn-
ung aller sunden erlangt
hab.522 Drumb woͤllen sie
ineo523 nit
uffs neu opffern. Aber die phariseenses/
schreyhenep
mit starcken
stymmen. Man sol Christum/ teglich kreu-
tzigen/ oder
opffern/ denn er hat sich des opffers wirdig
gemacht.524 Drumb das er nicht genug gethan hat/ fuͤr
alle
tegliche sunde. Und brengen zů letzt/ die oͤbirste leyhen/
uff yre
seytten.525 We aber euch/ denn
ir můsseteq als ein
schwantz
fuͤrs trekloch526 gehefft/
werden/ die weil ir/ un-
ser haupt/ und unsern heyland/ also
ervorsprecht527/ und den
vorlasseter / der euch uber alle voͤlker dieser erden
gesetzt.528
Ich hab euch/ von dreyen personen gesagt/ die Chri-
stum
opfferten. Von Got seynem vater/ der seynen sohn
gab etc.529 Von Christo/ der sich selbert ubergab.530 Der per-
sonen
essein zwůees/ und haben allein die
sachen/ wol unnd
recht gemeind. Und es darff sich keiner/ auß den pfaffen/
fuͤr Got/ oder Christum/ außgeben. Drumb muͤssen
sie leyden/ das wir sie Phariseer/ hescher oder henger531/
nennen/ so lang sie Christum teglich
opffern.
Betruͤben sie disse abnamen532/
so sollen sie/ von boͤser
sach/ abtretten.533 Ich habe sie auch nicht der halben/
hescher etc. genent/
das ich lust/ ab irem unlust/534
und scha-
den/ habe. Sondern/ das sie auß den greulichen
namen/535
einen ernsten
grauhen/ zů der Meß gewinnen/ und sich
vom boͤsen/ zů dem gůtten wenden. Die leyhen
wer-
den die vornunfft (hoff ich) haben/ das sie
drumb/ nit
F1v neue bettler/ auß den pfaffen und moͤnchen/ machen.
Mich dunckt/ das die leyhen/ mehr schultig seind/
an der widerchristlichen
blindtheyt/ unnd boßheyt der
Messe/ denn die gesagte geistliche personen. Die
weil
ein iglicher leyh/ einen pfaffen wolt haben. Und weyl
sie/ on auffhoͤren/
Messe gestifft/ und das gelt/ als koͤr-
ner uff den
vogelherdt/536 geworffen/ die
armen pfaffen/
mit gelt gekoͤrnet/ als die vogler/537 die unvornunfftigen
voͤgelein/ koͤrnen oder
eßenet. Hetten sie nit den
pfaffen
gelt angebotten. So hetten sich die pfaffen/ der Messen
auch
enthalten. Drumb solten sie billich538 die ersten
sein/ und die Messen faren lassen/ und den armen/ red-
lichen pfaffen oder
můncheneu/ das ein
komen/539 geben. Da
durch
dieev messe uffgebracht/ so lang
sie lebten/ oder huͤlffen
yhnen/ in ein goͤtliche narung/ das besser wehr/ und
danckten
got/ das sie/ nach der pfaffen todt/ wider zů yren gůtern
als im
Jubill jar/ kommen/540 Des rede
ich nit meiner person
halben/ ich will nit lang zyns haben/ nach pfarren
besitzen.541
Das wort Messe/ ist teuflisch/ und dem
erlidten todt
Christi zů nah/542 denn Meß ist zů teutsch/ ein opffer fuͤr
Got.543 Nů kans nit gesein544/ das du das herlich abend-
essen545 des brots
und weins Christi/ ein opffer achten/ one
vorsprechungew/ des bittern leydens Christi.546 Drůmb ist es
unmoͤglich/ das
eyner itzt/ die Meß/ on schaden/ brauchen
můgex. Derhalben/ bitt ich/ bedenckt euch/ unnd lasset
faren/ das
wider Gotis barmhertzickeit ist.
Wisset das Christus alle opffer auffgehaben/ unnd
doch vil opffer/ gelassen/ dann
wir muͤssen uns selbert/
ein vornunfftig opffer/547 in goͤtlicher weyßheit unnd vor-
standt opffern/ wie oben gesagt ist.548 Demnach sollen
wir vorstehn/ welcher
weyse549 uns Christus/ ein
exempell
geben/ das wir seinen fußstapffen nach volgen/550 und ley-
den/ als551 er. Und
vorstehn/ wie unser fleysch/ mit Christus
F2r fleysch/ ans Creutz angehefft.552 Denn ein zerbrochen hertz/
und zerriben geist ist das
opffer/ in dem got wolgefallen hat/553
das auch Got/ allerley opffer des bekentnis/ erkentnis/
und
preyßes oder lobes Got wol behagen/554 im fleisch und
geyste/ one disse/ haben wir keins.
Die aber/ uber das/ noch sagen doͤrffen/555 das Christus
ein opffer sey/ die vorlesterney die gebenedeyhung Christi/556
und vormaledeyhen557 Christum teglich uffs neu.
Denn/
wo Christus/ unser aller vormaledeyhung/ nit hett am
holtz/ uff sich
gelegt/558 und genugsam
erliten/559 so moͤchts
bestehn/ das die pfaffen Christum/ alle tag/ fuͤr der welt
vormaledeyhung/
opfferten. Denn wir muͤssen ye von
unserer vorfluchungez ein erloͤsung haben/ durch den gebe-
nedeyten/ der unschultiglichfa vorflucht ward. Die weil
Christus/ fuͤr uns ist vorflucht
worden/ das wir alle/ in
yhm/ warhafftige gebenedeyhung erlangten.560
Nuͤ/ ist es recht/ das die pfaffen Christum/ alle tag/ auß
irem willen/ und
fuͤrsatz/ ans creutz schlahen/ uff das uns Christus
alle tag/ mit neuerlitdner
vorfluchung/ von unser vorfluch-
ung erloͤß? So ist auch das
recht/ das sie Christum/ alle tage/
uffs neu vorfluchenfb/ als er vor561 am holtz hangende/ ward
vorflucht/562 und das magfc nit anders gesein.563 Und wuͤrt
das/ darkegenfd/ falsch unnd unrecht seinfe/ das Christus uff
ein mal/ am greulichsten vorflucht
gewest/ und also greu-
lich/ unnd so hoch vorflucht/ das er/
aller menschenn
vormaledeyhung/ uff ein mal betzalt hat. Also volgt/
das die
meßhalter/ Christum uffs neu/ und alle tag vor-
fluchen/
weyls gantz unmuͤglich/ und unbegreyflich ist/ das
Christus teglich/ on
vormaledeyhung moͤg geopffert werden.
Oder das Christus/ aller creaturen
vormaledeihung/ erlit-
den hab/ durch ein ertragene
vorfluchung/ und noch teglich/
unsere neue vorfluchung/ uffs neu/ trag und betzale/
und
werd nit ein tegliche vorfluchung.
F2v Denn Christus muͤst ye/ heut/ als vor/564 das werden/ das
er uns abnympt. Demnach/ muͤst Christus/
noch
heuthe/ Ein sunde/ Ein torheyt/ Ein schmacheyt/ Ein
vorliesungff565/ Ein vorfluchung/ und alle die ding/ fuͤr uns
werden/ die
Christus am kreutz fuͤr uns wurd.566 Daraus
ist wol zů mercken/ das gleich ein ding ist/ Christum
teg-
lich opffern. Und Christum teglich vormaledeyhen.
Und
es magfg567 nit anders sein. Derhalb ist
erweyset/ das die
jhene/ Christum/ alle tage/ vorfluchen/ und vormaledey-
hen/ die Christum alle tage/ in der Messe opffern. Oder
sprechen/ das des herren brodt und wein/ ein Messe oder
opffer sey. Das noch
widerchristlicher ist/ als oben er-
tzelt ist.568
Daraus magk569 jglicher
vorstehn/ wie ein greuliche
Eulen/ die Meß ist/ die das liechte fleucht/ und in
der
nacht/ nach den voͤgeln/ des hymels570 (so Got loben) for-
schet/ und
fleyssiglich synnet/ wo sie eynen erhasch/ den
sie vorschlinkefh.571 Auff das ye das lichte gehaßt werd/
das Christus ist.572 Seht eur wunder/ wie sie
kegenfi dem
liechte
schimmeret/ unnd ein augenfel/ uber das ander/
tzirkelt.573 Verwaret euch/ ehe sie euch aufffrisset.
Nů/ das die yene/ der benedeyhung Christi/ abbrechen/574
die sagen (das Christus ein teglich opffer
sey/ oder/ das
Christus brodt und wein/ eyne Messe oder opffer sey etc.
Das
unchristlicher ist) wil ich also mit der kuͤrtz an-
tzeygen.
Got vorhieschfj
Abraham eynen samen/ in welchem
alle Heiden/
gesegnet und gebenedeyhet werden solten.575
Der selbig samen/ ist Christus. In welchem alle voͤl-
ker/
ire benedeyhung erlangen/ und durch yhn/ alle voͤl-
ker/ auß
den unbeschnitten unnd beschnitten/ geheyliget
F3r und gebenedeyhet werden.576 Den selben samen/ hat Got/
mit solcher vaͤterlicher gůnst/
vorheyschenfk. Das Christus
Got unnd mensch/ alle menschen/ ya alle burger Gotis/
engeln und menschen/ durch
seynen todt/ gebenedeyhen577
und durch sein vorgossen blůt/ solt abwaschen unnd rey-
nigen.578 Und das
alles/ wuͤrd der gehorsam Christi/ uff
ein mal/ uns außrichten unnd erlangen.
Nemlich. Szo
bald Christus/ sein lieb und sein gehorsam/ mit seynem
hoͤchsten
werck oder fruͤchte/ beweysen wurd. Das Chri-
stus dann am
holtz beweyset/ da er seyne seel hingab.579
Das aber hett Moses vorlangest vonn dem
gehorsam/
welchen er Gotis volck auf legt/ und stracks von yhn ha-
ben wolt/ geschriben.580 Denn alle segen oder gebene-
deyhungen/ deutten und lauten/ uff den gehorsam/ und
seind dem gehorsam
vorheyschen.fl Das
meniglicher
vornehmen wurd/ der Mosen
vorsteht.fm581 Deutero. 28.582
Den gehorsam aber/ hat Christus am hoͤchsten fuͤr
uns gefuͤrt/583 als er am Creutz starb.584 Als585 auch Christus
das hoͤchste werck seyner liebe
erweist/ in dem/ das er
seyne seele/ fuͤr uns uffgab.586 Welcher nů so keck unnd
frech ist/ das er
sagen darff/ das unns Christus/ in der
Messe/ oder mit teglichem opffer/
gebenedey/587 der muͤß/
wider Christum/ auch sagen/ das Christus lieb unnd ge-
horsam/ nicht am hoͤchsten und treffenlichsten gewest sey/
als er seine
sele/ oder seynen geyst/ durch seynen todt/ dem
vater/ fuͤr uns ubergabe. Und das
Christus/ seynen
gehorsam/ nicht ins groͤssiste wesen/ gefuͤrt hat/ ym
todte.
Das alles/ wider Christus laher588 strebet/ unnd
wider die figur Abrahams/
und seynes sohns Isaacks/589
auch wider die schrifft Mosi/ vonn Christo geschriben/590
trotzlich steht.591 Und alle pflantzen Gotis auß reysset/
F3v und alles zůstreuetfn/
was Christus gesamelt.592
Das
thun die ungeheuren Recken/593 so den hymel anlauffen/
und zerbrechen woͤllen.594 Das denn nichts anders ist/
denn den vater in
seyner zůsagefo straffen/ unnd
Christus
gebenedeihung/ fuͤr nichts haben. Denn es ist offenbar/
das uns nuͤr der gehorsam Christi ym todt/ und blůt vor-
giessung gebenedeyhet/ und rechtfertigk gemacht
hat.
Seintemal Christus in seinem leyden/ Got den vater/
am hoͤchsten bekant/595 seynem vater auch den hoͤchsten
ge-
horsam/ und das aller edelste werck/ oder die
aller beste
frucht/ der liebe und barmhertzigkeit/ kegenfp seinen bruͤ-
dern ertzeigt
hat. Alles das Christus vorher/ im leben/ in
seiner laher596/ und in seynen wunderwercken gethan/ oder
ge-
litten. Das alles hat uff den hoͤchsten gehorsam/
und trefliche
liebe Christi/ gesehen/ und in dem selben/ sein end597 gehabt.
Das ich dissen
langgeuͤbten sententz bekennen muͤß. Wenn
Christus gleych geborn/ und nit gestorben
wer/ so wer uns
seyn gepurt nicht genugsam/ zů der vorsoͤnung gewest/
kegenfq dem vater.598 Im leben/599 můssen wir Christum hoͤren.
Im todt und
durchs blůtvorgiessen Christi/ vorsoͤnung
haben etc.600 ¶ Ich weis auch von keinem hoͤhern werck
des
gehorsams/ noch vonn einer bessern frucht der liebe
Christi/ durch welche wir
Christus gehorsam und liebe
erkennen moͤgen/ denn601 der gehorsam und liebe Christi am
creutze. Es
waͤr denn/ Christus laher602
ungenugsam. Da-
růmb auch/ hat Christus/ alle seine bruͤder/
durch seinen
aller tapffersten gehorsam/ am creutze/ gesegnet oder gebe-
nedeihet.603 Durch keinen davor/ auch durch keinen hernach.604
Derwegen muͤssen sie offentlich bekennen (die Chri-
stum
teglich opffern) das Christus/ entweder ein hoͤcher
werck seines gehorsams/ in der
tegliche Messe ube/ denn
F4r er am holtz oder creutze geůbt hat. Das der leidig teufel/
nit reden
doͤrfft.605 Oder muͤssen
sagen/ das Christus nit so
vil gelitten hab/ auch nit so gehorsam gewest ist/ das
er
uns genugsam gebenedeyhung erlangt hab. Oder/
das wir nicht/ durch seyne
gebenedeyhung/ benedeyhet
oder gesegnet sein. Das aber/ ist ein vormerte606 ketzerey/
und ein
gotißlesterung.
Drůmb ist die meß ein teuflisch bekentnis/ das/ das
gethan opffer Christi/
ungenugsam sey. Das sein liebe
zů gering sey/ und sein gehorsam zů schwach. Und in
der
Summa. Das der gantze Christus/ in seynem fleysch/
blůthe/ und geyste/ am
creutze/ zů gering sey gewest/ das
er uns erloͤsung geben/ und wir durch
yhnen607
gebenedey-
het worden sein. Das aber ist ein gleyche
vorachtung608
Christi/
als die Juden und Heiden/ Christum am creutze
vorachten und vorspotten.609 Welche unsere Christen/
als
hůnde/ halten/610 und als
schedliche vorwůster/ Christ-
lichens glaubens fliehen. Das
sie611 aber mit dem můnde
unnd lippenfr/ fuͤr612 Got außrichten/ das vorterben sie
mit
irem hertzen. Unnd was sie fuͤr Christo/ mit yren lippen
besser seind/
dann613 die Juden/ in dem
selben gleych seind
sie in yren hertzen/ fuͤr Christo und Got/ je614 so boßhafftig
arg unnd
greulich wider Christum/ als615
die Juden unnd
Heyden/ wider Christum am creutze waren.616
Drůmb wer es zeyt/ das sie sich selbst erkennten/
unnd als hůnde/ welche die
warheyt
anfallen/ flůgenfs.617 Datzů woll
yhnen
Gott helffen.
Amen.
ft¶ Gedrůckt tzů Jhen
durch Michell
Bůchfuͤrer.618 Anno. 1524.ft
KGK 248
Einleitung
