Beilage: Geistliche von Zürich an Herzog Albrecht von Preußen, 17. Juni 1532
fehlt
An den Durchlüchtigen
Hochgebornen Fürsten und herren/
Herrn
Allbrecht/ Marggraven zů
Bran-
denburg/ in Prüssen etc.
Hertzogen etc.1
Gnad und frid von Gott unserem
vatter durch Jesum Christum un-
seren heyland. Durchleüchtiger
hochgeborner Fürst/ es ist kurtz
verruckter zyt2 ein sendbrieff an U'wer' F'ürstlich' G'naden' vom
Luter ußgangen/3 in dem er understadt Uwer Fürstlich
Gnaden
zebereden/ das sy unverhoͤrter sach die jhe-
ne/ so syner leer des
Nachtmals halb/ wider-
wertig/ des lands verwyse/ mit inen nüt
ze
schaffen habe: inen nit lose4/ dann syn5 leer und
artickel sye haͤll/ klar/ rein und ungezwyflet/ und
imm Evangelio
der maß gegründt/ das im den6
niemand moͤge umbstossen.7 Der
gründen aber
zeygt er keinen an/ sunder facht bald an8/ nit al-
lein uns unschuldigen
jaͤmerlich und grusam
schaͤlten/ heißt unser blůt (warlich nit uß apo-
stolischem geyst) vergiessen9/ sunder understadt
sich ouch U'wer' F'ürstlich' G'naden'
angeborne senfftmuͤtigkeit
ze bewegen und zereitzen wider die〈/〉
die in Uwer
Fürstlich Gnaden fürstenthůmb unserer meinung sind10/ ze
wuͤten/ sy zů durchaͤchten
und des lands zever-
wysen.11 Und wiewol wir einmuͤtiklich by uns
beschlossen/ uff
syn12 bůch im nüt zeantwur-
ten
fehlt
(dann es des selben nit waͤrdt ist:
wirt ouch
sich selbs by allen vernünfftigen/ recht ver-
stendigen und gůthertzigen gnůgsamlich schen-
den und
zenüte machen13) so
hatt uns doch nit
woͤllen für gůt ansaͤhen/ gantz unnd gar ze-
schwygen/ bsunder gegen U'wer' F'ürstlich' G'naden' die er mit
soͤlichem
ruhen unnd ungeschickten schryben14
(wo sy Gott nit verhůte) understadt ze ver-
bitteren und
wider die frommen unschuldigen15
ze verhetzen. Deßhalb wir in diser vorred nit
dem Luter (der syn gmuͤt verhertet hatt/ und
in syner
bekentnuß sich thür16
verpflichtet/ wo
er anders bekannt/ das mans für ein unsinnig-
keyt halten soͤlle/ deßhalb er uns nit hoͤrt)17
ant-
wurt geben/ sunder ein demuͤtige trungenli-
che18 und haͤrtzliche bitt
an U'wer' F'ürstlich'
G'naden' thůn woͤl-
lend/ mit ableynung19 der schmach und schaͤlt-
wort/ die Luter nit
allein uff uns/ sunder uff
die warheyt hatt getrochen.20
U'wer' F'ürstlich'
G'naden' aber
woͤlle uns gnaͤdigklich losen21/ unnser verant-
wurtung hoͤren
und gedultig vernemmen/ da-
mit wir nit unverhoͤrt und
unverantwurtet
unschuldigklich verdampt und verurteilet wer-
dint. Dann es sich ye nit zimpt22/ das Luter der
klaͤger/ der
urteylspraͤcher und züge23 sye/
des er
sich in dem sendbrieff an U'wer' F'ürstlich' G'naden' undernimpt24:
wiewol er an dem teil/ da er
kuntschafft25 wider
uns
solte dar thůn/ wenig grund unnd war-
heyt ynfuͤrt26/ und gadt27 aber die klag scharpff/
und das urteyl gar
grusam wider uns.
fehlt
Wir aber habend syn28 bißhar (wie alle gloͤu-
bigen wüssend) in vil
waͤg verschonet/ und im
syn fraͤvel und ungerympt schryben nie woͤl-
len mit glycher maß widerlegen: und noch uff
den hütigen tag
begaͤrend wir frid und einig-
keit (so ferr sollichs mit Gott und
der war-
heit syn mag) mit im zehaben.29 Aber über das
alles schmaͤcht/ schmützt30/ schiltet und verlümb-
det er uns/ tastet uns31 an mit schantlichen un-
eerlichen nammen:
nennt uns schwermer32/ rotten-
geyster33/ kaͤtzer34/
tüfelskinder35/ unnd andere
schmachwort tricht er uns uf36/ deren er
doch
(ob Gott wil) mit der warheit keins zů eewi-
gen zyten
nimmermee mag bewysen. Es waͤre
billich hochgeborner Fürst und Herr/ das ein lee-
rer der warheyt/ ein diener Gottes/ nüt an-
ders dann das geschaͤfft synes Herrens/ der in
gesaͤndt hatt/ fürnaͤme/
schuͤfe/ und ußrichte-
te/ und den mund/ den Gott syn warheyt
und
wort ußzekünden37 bereit
und gesübert hatt38/ nit
so
mit bitteren falschen schmachreden und leste-
rungen/ nit so mit
ungegründtem ytelem und
laͤrem gschwaͤtz befleckte/ dann ye soͤlichs einem
botten gottes und der warheyt übel anstadt.
Was schwermer sygind/ wissend wir nit39/
rottengeister aber und kaͤtzer mag er uns mit
keiner warheyt
nennen/ dann wir uns der goͤt-
lichen gschrifft/ der warheyt und
einigkeit der
kilchen Christi allweg beflissen und gehalten/
habend kein
irrige noch falsche meinung vor
fehlt
uns/ sunder das goͤttlich wort/ grund des glou-
bens und der gschrifft/ ouch den verstand der
alten
leereren40/ die von der heiligen
kilchen ad-
probiert und angenommen sind/ deren leer für
kaͤtzerisch und irrig (in disem artickel41) nie ge-
halten: wie es dann Oecolampadius saͤliger ge-
daͤchtnus:
gnůgsamlich bewaͤrt unnd bezügt
hatt42/ und es sich an imm selbs klarlich wirt erfin-
den. Ouch
wirt U'wer' F'ürstlich'
G'naden' in disem buͤchlin/
das garnach43 vor sibenhundert jaren/ ein from-
mer man/ mit namen Bertram44/ uff ansůchen
Keiser Karles/ zů dess zyten sich diser
span45
vom Nachtmal ouch
zůtragen/ gemacht hatt46/
wol saͤhen/ wie warlich der Luter uff uns re-
de/ das wir soͤliche meinung nüwlich
erdacht/
oder uß einem finger gsogen habind/ und wie
war es sye/ das syn
meynung fünfftzehenhun-
dert jar von der kilchen sye gehalten
worden.47
Dann diser Bertram hatt gelaͤbt zů den zyten
des
Keysers Lotharii48/ imm jar als man gzelt
hatt achthundert und
viertzig jar49/ weliches sich
yetz fast loufft uff die sibenhundert jar. Deß-
halb wir nit
moͤgend verdacht50 noch
beschuldi-
get werden/ als waͤre sin bůch von uns erdacht.
Zů Koͤln ist es funden unnd gedruckt im 31.
jar/
durch Johannsen Prael51/ von unserem die-
ner52 einem U'wer' F'ürstlich' G'naden' zů
gefallen vertütscht.
Vor viertzig jaren ist Bertram von dem
hoch-
gelerten
Johanne Tritemio Abbt zů Span-
heim under die fürnemen
gelerten maͤnner ge-
zelt
fehlt
/ und sin leben
beschriben worden53/
also das
man nit findt/ das sin leer und meynung vom
Sacrament/ yena54 sye vonn der kilchen
weder
verworffen/ noch für kaͤtzerisch verdampt/ sun-
der vil
mer vom Keyser Karle55 angenommen
und gelobt worden.
Uß woͤlichem U'wer'
F'ürstlich' G'naden' erleernet und ougen-
schynlich sicht/ das Luters meinung
niena56 so
lange zyt/ wie
er fürgibt und ruͤmpt57/
geweret
hatt/ ouch unsere warhaffte leer nie von der
kilchen verworffen ist.
Das widerspil58 aber
findt
sich gar klarlich/ das von der zyt Jesu
Christi und siner Apostlen/ vil hundert
jar/ das
Nachtmal Christi von allen gloͤubigen/ wie
wir leerend/ gehalten
worden ist: und so offt
dise ungegründte meinung uff die ban ye kom-
men/ so offt sind allweg fromme geleerte gots-
foͤrchtige maͤnner gsin/ die iro widerstrebt ha-
bend. Und
mag Luter nit einen einigen59
bewaͤr-
ten leerer anzeigen/ der siner meynung gsin60
sye/ biß uff Innocentium den Bapst den drit-
ten des
namens/ der von der schůl zů Pariß1215
soͤlichen
artickel gesogen/ imm Concilio Latera-
nensi bestaͤtet hatt.61 Dann er was ouch
magi-
ster noster/ dannenhar er siner schůl ze gefal-
len/ soͤliche falsche irrige unnd schaͤdliche mei-
nung der kilchen für einen artickel des glou-
bens
uffgetrochen/ und dem Roͤmischen stůl
vil rychtag domit angerichtet hatt62: dem doch
aller Künigen und
Fürsten rychtumb63 nit gnůg
fehlt
warend. Es hat ouch Luter selbs nit einmal64
geschriben/ diser artickel sye das buwfellig65 und
krafftloß fundament des Bapstthůmbs/ das
von not
wegen66 fallen muͤsse/ so es
weder uff
Christum den waren grundstein/ noch uff sin
leer gegründt
ist.67 Und ist warlich
spoͤtlich68/ ouch
hoͤchlich
ze erbarmen/ das Luter, ein soͤlicher
geleerter man/ ein soͤlich groß unnd schwaͤr
houptwee69 überkommen hatt/ das er sprechen ge-
thar70/ wenn er glych nüt
umb syn meinung haͤt-
te/ waͤr im gnůg/ das es die kilchen so
lange
zyt gehalten hatt.71
Woͤlche kilchen, o Luter? die
kilchen
Christi? Nein nein/ das wirt sich mit
warheyt nimmermee finden. Des Bapsts
kil-
chen? die gadt72 unns nüt an, o Luter.
Saͤhend73
G'nädiger' Fürst und Herr/ soll
des Luters argument
hie gelten von
lenge der zyt/ so stadt das Ba-
psthůmb noch styff/ dann sy
immerdar uff die
kilchen/ und laͤnge der zyt bochend74: denn aber
wurde alle leer des Luters zboden gstossen/
dann er ye anders leert/ dann
es die Roͤmische
kilchen so lange jar gehalten hatt. Wo bringt
der zanck einen
menschen hin? Luter solt er-
maͤssen/ das sich die kilch uff Gottes wort
gründet/ nit uff lenge der
zyt.75
Und ob er glych vermeint haͤlle dürre und
ungezwyflete wort zehaben76/ so muͤßt er die sel-
ben ouch nach der meinung des geysts/ nach
art des gloubens/ und verstand
der gschrifft
ußlegen und verstan: sunst haͤtte der Bapst
fehlt
ouch haͤlle wort sines irsals/ namlich/ uff di-
sen felsen wil ich min kilchen buwen.77 Aber so
er78 dise haͤlle wort/ der gschrifft gemaͤß nit uß-
leyt und verstadt/ wirt erfunden ungetrüwlich
mit Gottes wort handlen:
woͤliches dem Lu-
ter
ouch gschicht in den haͤllen worten Christi
(das ist min lyb der für üch gegeben
wirt79) woͤ-
liche er wider den sinn des geists/ wider die art
des gloubens/ wider die
gschrifft ußleyt und
verstadt.80 Warend das nitt ouch klare haͤlle
wort/ do Christus sprach: Es sye dann,
das ir
min fleisch essen und min blůt trincken/ wer-
dend ir
kein leben in üch haben81? noch
verstůn-
dends etlich letz82 und wurdend vom Herren ge-
strafft. Also do
Christus sprach: Loͤsend uff di-
sen Tempel/ inn dryen tagen wird
ich in wider
uffbuwen.83 Diß
warend ja haͤlle wort/ aber sy
wurdend im zůr kuntschafft wider syn laͤben
uffgerupfft und fürgeworffen. Ob den wor-
ten des Herren (das ist
min lyb84) sind wir nit
uneinß/ wir verstond aber die wort Christi
geistlich und wie dem glouben gemaͤß/
nit lyb-
lich wie der Luter/ dann Christus selbs redt/ si-
ne wort sigend geyst
und laͤben.85 Wiewol Lu-
ter grosse arbeit hat
U'wer' F'ürstlich'
G'naden' zebereden/ das
sechst capitel Johannis ghoͤre nit ins
Nacht-
mal86/ des wir uns hie yetzmal nit beladen/ aber
was die alten leeren
schrybend/ lyt am tag/ und
ist wider den Luter. Ouch sind wir nit so ge-
schickt/ nit so
geystrych87/ das wir von
geistli-
chem
fehlt
essen reden koͤnnind
noch moͤgind/ als
Luter unns bezycht.88 Aber alle schmach unnd
schand die er uns zůleyt/
woͤllend wir gern
tragen umb der warheyt willen/ und umb des
willen der für
uns ouch geschmaͤcht ist/ wer-
dend umb siner bitteren und
gifftigen worten
willen/ nit ein har breyt von der gfaßten und
bekanten
warheyt yena89 wychen noch
abtret-
ten/ ob glych Luter noch so vil pluderet/ woͤli-
ches er uns
ufftricht90/ unnd ers aber
warlich
thůt. Dann was ist sin red imm sendbrieff an Uwer
Fürstlich Gnaden
anders/ dann ein hochmuͤtig/ stoltz/ ver-
achtlich/ fraͤvel/
unnütz/ eytel unnd unge-
gründt gschwaͤtz und pluderen? Wir aber
die
uff die warheyt Gottes gegründt sind/ las-
send uns mit
pluderen nit abtryben91/
sonder
man můß gschrifft und warheyt bringen. Dar-
umb lassend
wirs alles fallen/ und verantwur-
tend allein das/ das wir keyne
kaͤtzer noch rot-
tengeister sind/ dann wir noch nie mit
gschrifft
überwunden/ noch des irrsals in einicherley
bewyßt und überzügt sind
worden.92 Wir er-
bietend uns ouch noch hütbytag93/ waͤr uns
mit gschrifft und goͤttlicher warheyt bessers
moͤge berichten/ woͤllend wir wychen94/ das
aber biß har nie geschaͤhen. Aber Luter wil
nit mitt gschrifft wider uns fechten/
sunder
mit dem schwerdt/ ruͤft und schrygt Keyser/
Fürsten/ Herren und Stett
an95/ das man uns
durchaͤchte/ vertrybe und toͤdte: ob das goͤtt-
lichem
fehlt
geyst gemaͤß sye/ laß ich alle gloͤubigen
urteylen.
Dwyl wir dann mitt der heiligen kilchen
sind/ und mit der warheyt/ und mit dem
war-
hafften verstand goͤttlicher gschrifft überein-
stimmend/ von keinem nie mit goͤttlicher ge-
schrifft des irrsals bezigen96 und widerwisen97:
wie koͤnnend dann wir rottengeister oder kaͤtzer
verurteylet werden? Warlich, durchlüchtiger
Fürst und Herr/ Luter brucht98 mit uns so gar
kein Christliche liebe noch
erbermd/ das wir
ouch by unseren fyenden mee erbermbd und
mitlyden findend.
Ists aber nit ein grusam99
ding/ so vil kilchen/ in denen vil tusend from-
mer gloͤubiger
menschen sind/ dem tüfel geben
und verschetzen100? Ulm/ Memmingen/ Eßlin-
gen/ Augspurg/ Costentz/ Lindouw/ Zurich/
Basel/ Bern/ Glariß/ Soloturn/ Schaffhu-
sen/ Appenzell/ Mülhusen/ Biel/ all dry
pünd101/
Sant Gallen/ das Ryntal102/ das Turgoͤuw/
Straßburg/ und andere vil Stett/ Land/ Für-
stenthůmb/ die in disem artickel dem Luter
nit anhaͤngig/ die alle ja also verschetzen
und
hochmuͤtigklich verwerffen und dem tüfel ge-
ben/ wil sich
christenlichem geist nit zůziehen.103
Und ob wir glych in üsseren dingen zwyspal-
tig
werind und irrtind/ muͤßte man darumb
glych die schwachen bruͤder also dem tüfel
ge-
ben? woͤliches Evangelium leert doch das? wo
hat man
ye soͤliches von uns gegem Luter und
fehlt
sinen anhaͤngern vernommen? wiewol wir un-
sere meinung uß Gottes wort/ mit starcken
gründen der gschrifft/ offt wider
in104 erhalten105
habend/ und noch/ wo es not
ist/ erhalten woͤl-
lend. Wir moͤgend ouch sin meinung der ge-
schrifft ungemaͤß/ gnůgsam anzeigen/ ja das
sy wider die art
des gloubens ist/ ein uffhe-
ben unnd entloͤsung106 des gantzen lydens und
opffers Christi am crütz gethan. Noch habend
wir in und die im anhaͤngig107/ weder mit wor-
ten noch hertzen nie gekaͤtzert/ nie dem tüfel ge-
ben/ nie
heissen veriagen noch toͤdten. So die
Apostel zů Hierusalem radt hattend der be-
schnydung halb/ gab Petrus ein radt, der naͤ-
her sich zů Christlicher fryheyt und warheyt
zoch108/ weder der radt Jacobi/ noch laͤsend wir
nit das Petrus darumb Jacobum verschupfft109/
oder so gar schmaͤchlich verachtet habe.110
Pau-
lus der volkomner
verachtet nit den radt Ja-
cobi/ der aber den ceremonien etwas
zůgab/
laßt sich beschaͤren111 und richtet die glübt uß/ da-
mit die
liebe nit zerrüttet werde.112
Unnd diser
volkommen man ward alles allen menschen umm
Christus willen.113 Moͤgend dann wir umb Chri-
stenlicher liebe willen/ umb fridens und ein-
trechtigkeit willen/ nitt geduldet werden/ so
wir doch mit gschrifft nie
berichtet114 noch über-
wunden sind?
Wie ist aber der tüfel unser meister?115 so wir
uns allein uff Gottes wort buwend? Wir be-
sorgend
fehlt
warlich/ der Luter houwe zů wyt
über die schnůr116 christenlicher bscheidenheit/
er solt billich des spruchs
Pauli gedencken:
Wer stand der lůg das er
nit falle117/ und wüs-
senn das hochfart118 dem Herren/ deß diener
wir sind/ seer mißfalt. Mag doch Luter (dann
er ouch ein mensch und
menschlichen anfech-
tungen nit gar on) ouch fallen und irren.
Hat
in119 dann Gott
anfaͤnklich zů sinem werckzüg
gebrucht (das wir ouch bekennend)120 solt er dest
mee demuͤtig syn
und danckbar/ solt darumb
uns nit so gar stoltz unnd hochprachtlich121
ver-
schupffen122. Dann wenn man vons tüfels schůl
solte reden/ bsorg ich er wurde in
siner bekannt-
nus123 ouch etwo ein stuck daruß genommen ha-
ben: dann alle
frommen wol wissend was es
für ein bůch ist/ wie es der warheit und glou-
ben zůstimpt. Wir lassends aber hie von züch-
ten124 waͤgen blyben mit
sampt anderm hitzigem
zornwuͤtigem schryben/ so er imm saͤndbrieff
trybt: als
so er den frommen Carlostad so gar
verachtet/ das er im ouch sin hertz und gwis-
sen urteilet.125 Item das er den thüren126 und from-
men
man Ulrichen Zwinglin/ nach sinem
tod/
mit so laͤsterlichen worten antastet127/ das doch
hyn128 Heyden nit gebrucht/ und schantlich ge-
halten wirt. Wir erkennend Andream Carlo-
stad für einen frommen biderben129 man/ der we-
der siner leer noch laͤbens halb straͤfflich130 by uns
wont. Wir versaͤhend131 uns ouch (so vil wir
fehlt
usserlich urteylen moͤgend) sin hertz und gwis-
sen sye froͤlich in Gott.132 Den Zwinglin
hal-
tend wir für einen frommen thüren133 leerer der
warheyt/ beruͤmend unns sines
namens nitt/
den man uns zů schmach ufftricht/ dann wir
uns niemants ruͤmend
dann Christi. Wir erken-
nend in134 für einen waͤrchzüg135 Gottes/ durch
den uns Gott siner warheyt
berichtet hatt:
inn sinem laͤben hatt er grosse sorg/ muͤhe und
arbeyt gehebt/
wie er die warheyt und eer Got-
tes pflantzte/ wie er die
nidergfalne geraͤchtig-
keit und fromkeit136/ die inn einer Eydgnoschafft
ze grund gangen/
wider uffrichtete/ umb des
willen hatt er alles moͤgen lyden unnd thůn.
Und
domit er soͤlichs volfuͤrte/ ist er gstorben/
und hat sin blůt umb keiner mißthat
willen
vergossen/ sunder das er Gottes eer und gmey-
ne
geraͤchtigkeit moͤchte wider uffrichten: des
sind zügen alle frommen inn der
gantzen Eyd-
gnoschafft. Warumb woltend dann wir in137 nit
moͤgen einen marterer/
das ist einen zügen138 der
warheyt nennen? so er die warheyt biß inn tod
bekennt und verjaͤhen139 hatt/ ja umb der warheyt
und
geraͤchtigkeit willen erschlagen ist?140
Das aber die Baͤpstischen uns angesiget141/
und die unseren erschlagen habend142/ nimpt Lu-
ter zum argument und bewaͤrung143/ das unser
gloub nit geraͤcht
sye.144 Wie aber diß sin
argu-
ment in der gschrifft grund habe/ gib ich allen
raͤchtverstendigen ze urteilen. Was Josias
fehlt
gloub darumb ungeraͤcht/ das er imm krieg um-
kam?145 Hatt der Türck
darumb den raͤchten glou-
ben/ das er vil Christen erwürgt und inen
an-
siget146? Hatt Nabuchodonosor den
raͤchten glou-
ben/ darumb das er die Juden gfangen hin-
fůrt?147 Ach
wie ist uns doch der man so gar ver-
waͤchßlet148? Wir bekennend zwar/ das wir
bil-
lich von unser sünd waͤgen gstrafft sind/ und
von des
gloubens waͤgen/ nitt das er149
unge-
raͤcht sye/ sunder das wir im150 nit gmaͤß gelaͤbt.
Und wiewol soͤliche straff
groß/ ist sie doch
minder dann unser mißthat erforderet: und
ist ouch nit so
groß/ dann das wir die vaͤterli-
chen růten und hand Gottes/ ja sin
vaͤterliche
trüw gegen uns noch erkennend/ und inn siner
leer und gnaden mee
dann vor ye zůnemend und
bevestnet151 sind. Es soll unns ouch soͤlicher fal152
von unserem Herren und Gott/ dem wir noch
styff
anhangend/ keins waͤgs abfaͤllig machen/
so wyt faͤlts das Luters Prophetzy und zey-
chen düten
waar sye.153 Wir sůchend aber
nit un-
ser eer/ woͤllend ouch uns hiemit nüt ruͤmen:
das wir
sind/ sind wir uß Gottes gnaden. Be-
gerend ouch hiemit dem Luter sin eer und na-
men
keins waͤgs zeschmeleren noch zeverkley-
neren/ verachtend
im154 sin leer nit/ haltend
in155
für einen
thüren156 diener Gottes/
erkennend daß
Gott vil unnd grossen nutz durch in157 inn aller
waͤlt geschafft hatt. Das woͤllend
aber wir in158
ermant
haben/ das er gedencke/ das er ouch
fehlt
ein mensch sye/ und das es nit alles geist sye
das er
schrybt/ redt und handlet: das er ouch
irren moͤge/ das er sine armen mitarbeiter
imm
waͤrck Gottes (uns) nitt so gar verachte.
Dann ouch Petrus nach dem empfangnen
geist/ geirret/ und von Paulo straff geduldet
hatt.159 Wir sollend ye fleisch nit für
geist ver-
kouffen. Saul was von
Gott erwelt/ irret
ouch in vil dingen.160 Des glychen David ein
mensch nach Gottes willen/ wie kan der si-
nen eebruch under dem
geist verkauffen?161 Es
hatt doch Moses der getrüw diener gefaͤlt
und
gestruchlet. Darumb bittend wir den
Luter/ er woͤlle uns für bruͤder erkennen/
sich
nit von uns abtrennen/ uns nit verschupffen162/
wir erbietend uns alles fridens und liebe
ge-
gen im/ allein er tringe uns nit von erkannter
warheit.
Und dwyl aber Luter uns, den
übelthaͤte-
ren/ die umb ir mißthat hinuß an die richtstat
gefuͤrt werdend/ verglychet163/
ist unser demuͤtig
bitt an U'wer' F'ürstlich' G'naden' ouch an alle frommen
Fürsten
und Herren/ Stett und alle Staͤnd des heili-
gen
Roͤmischen Rychs/ man woͤlle nitt glych
uffs Luters schryben/ einen biderben164 man mit
wyb und kind ins ellend tryben165/ der nit glich
kan glouben was der Luter gloubt. Oder wo
habend wir deß
yena166 byspil in der leer
Christi
und der Apostelen? U'wer' F'ürstlich' G'naden' woͤlle vil styffer167
sin/ dann das sy sich ab
einer soͤlichen gschrifft168
fehlt
eines menschen lasse wider fromm unschuldig
lüt
verwilden.169 Nun vermeynend
wir ye ouch
Christen sin/ ob wir glych in disem artickel170 und
mit den bilden171 dem Luter nit koͤnnend zůfal-
len.172 Die liebe mit dem glouben der worten Got-
tes ist uns der thürest173 schatz. Den glouben
der gschrifft haltend wir thür und
hoch/ for-
schend im taͤglich flyssig nach/ bittend Gott
das
er uns die gschrifft ufschliesse. Wo wirs
ergryffend174/ sagend wir im175 danck/ und lassend
uns davon nit abtryben/
wir woͤllends ouch
weder gemeert noch gemindert haben. Der
heiligen vaͤtteren
gschrifft nemmend wir mit al-
ler zucht und eererbieten an/
verglychend sy flys-
sig mit der gschrifft/ und haltend sy inn
denen
eeren inn denen sy begerend gehalten werden:
was die gschrifft nit
verwirfft/ verwaͤrffend
wir ouch nit: wir bietend allen menschen liebe
an/ und
nemmend sy ouch an von anderen. Und
so glych etlich irrend176/ verwaͤrffend wir sy dar-
umb
nit glych/ sind alle zyt bereitet mit senfft-
muͤtigkeit
bscheid177 der leer zenemmen
und zegaͤ-
ben. Wir spraͤchend nit das es schlaͤcht178 brot und
wyn sye/ redend ouch
nit verachtlich darvon:
sunder nennends mit Paulo ein brott des Her-
ren/ ein brot der dancksagung/
nennends den
lyb und blůt Christi mit Christo.179 Aber die zů-
gethanen wort vom Luter und anderen/ uß
woͤlichen zangk und
strick180 gefaßt moͤgend
wer-
den/ vermeinend wir unnoͤtig/ ergerlich/ unnd
fehlt
gfarlich sin. Wir bekennend ouch und gloubend
das der
lychnam Christi/ der für uns in tod ge-
geben/ unnd sin blůt das zů
abwaͤschung un-
serer sünnd am crütz vergossen ist/ warlich
imm Nachtmal zegegen sye unnd vonn den
gloͤubigen genossen werde: aber der
gstalt
wie es dem glouben und gschrifft gemaͤß ist:
wie es von den gloͤubigen
verstanden und ge-
nossen mag werden/ und so vil es ein spyß181 der
seelen syn mag. Wir
begaͤrend offenlich und
klarlich vor unseren kilchen von disem handel
zereden/
unnd der maß, das uns die kilch ver-
stande. Wir gand mit warheyt
umb/ und be-
gerend nieman zebetriegen/ nieman zeverfuͤ-
ren/ darumb schücht unns182 ab dem liecht gar
nüt. Diß sye, hochgeborner Fürst uf des Lu-
ters anklag unser kurtze antwurt an
U'wer' F'ürstlich'
G'naden'
und alle gloͤubigen: die wir umb Gottes wil-
len bittend in disem handel nit zegahen.183 Volge
man dem rat Gamalielis184/ ist unser sach nit uß
Gott so mag sy nit bstan: ist sy uß Gott
(deß
wir nit zwyfel tragend) mag sy nieman ußrü-
ten185 noch temmen.186 Was wil man sich dann eint-
waͤders vergaͤbens bemuͤgen187/ oder wider Got
verhouwen188?
Des Bertrams buͤchlin189/ so wir U'wer' F'ürstlich' G'naden'
zů-
schrybend190/ ist von uns nit ußgangen/ das wir
ütz191 unserer meinung zebevesten darmit woͤl-
lend ynfuͤren/ sonder darumb das U'wer' F'ürstlich' G'naden'
und
alle menschen sehind/ das vor zyten unser mei-
nung
fehlt
von den frommen leereren ouch gehalten
ist. Es woͤlle sich
ouch nieman ab etlichen wor-
ten die von etlichen leerern in disem
buͤchlin ge-
brucht werdend ergern/ als consecrieren/ opf-
feren/ altar/ wasser in wyn thůn etc. Dann sy
uf ir zyt doch in
gůtem verstand also zereden
gepflegt habend/ vil mee saͤhe man uf den
zwaͤck
daruff der fromm Bertram192 yemerdar
tringt: namlich/ das
der lyb und das blůt Chri-
sti/ das am crütz für uns geopffert ist/
nit lyb-
lich waͤsenlich da sye/ sonder allein imm glouben/
in
der gedaͤchtnuß/ in mysterio et sacramento.
Nit on gefaͤrd193/ sunder uß goͤttlicher fürsichtig-
keit ist diß buͤchlin194
yetz zů unseren zyten herfür
kommen: dann wie es vormals Keiser Karle195
zů-
geschriben ist/ also verhoffend wir/ Keyser-
liche Maiestat196 werde
soͤlichs buͤchly nit verach-
ten/ sunder, dwyl der namm mit
einstimpt197
flys-
sig laͤsen/ und sich der meynung ouch halten.
Wir bittend U'wer'
F'ürstlich' G'naden' woͤlle uns armen un-
wirdigen unser schryben nit verargen/ sonder
es der meinung, wie es
geschaͤhen von uns em-
pfahen und zů guͤt halten. Geben uf den
si-
bentzehenden tag Brachmonadts198.
U'wer' f'ürstlich'
g'naden' willige/ diener
des worts zů Zürich.
KGK 333
Einleitung
