Nr. 334
Schrift gegen Luther
[Zürich], [vor 1. Juni 1532]

Text
Bearbeitet von Stefania Salvadori

Beilage: Geistliche von Zürich an Herzog Albrecht von Preußen, 17. Juni 1532

Buchsymbol fehlt An den Durchlüchtigen
Hochgebornen Fürsten und herren/ Herrn
Allbrecht/ Marggraven zů Bran-
denburg
/ in Prüssen etc.
Hertzogen etc.1

Gnad und frid von Gott unserem
vatter durch Jesum Christum un-
seren
heyland. Durchleüchtiger
hochgeborner Fürst/ es ist kurtz
verruckter zyt2 ein sendbrieff an U'wer' F'ürstlich' G'naden' vom
Luter ußgangen/3 in dem er understadt Uwer Fürstlich
Gnaden zebereden/ das sy unverhoͤrter sach die jhe-
ne
/ so syner leer des Nachtmals halb/ wider-
wertig
/ des lands verwyse/ mit inen nüt ze
schaffen habe: inen nit lose4/ dann syn5 leer und
artickel sye haͤll/ klar/ rein und ungezwyflet/ und
imm Evangelio der maß gegründt/ das im den6
niemand moͤge umbstossen.7 Der gründen aber
zeygt er keinen an/ sunder facht bald an8/ nit al-
lein
uns unschuldigen jaͤmerlich und grusam
schaͤlten/ heißt unser blůt (warlich nit uß apo-
stolischem
geyst) vergiessen9/ sunder understadt
sich ouch U'wer' F'ürstlich' G'naden' angeborne senfftmuͤtigkeit
ze bewegen und zereitzen wider die〈/〉 die in Uwer
Fürstlich Gnaden fürstenthůmb unserer meinung sind10/ ze
wuͤten/ sy zů durchaͤchten und des lands zever-
wysen
.11 Und wiewol wir einmuͤtiklich by uns
beschlossen/ uff syn12 bůch im nüt zeantwur-
ten
Buchsymbol fehlt (dann es des selben nit waͤrdt ist: wirt ouch
sich selbs by allen vernünfftigen/ recht ver-
stendigen
und gůthertzigen gnůgsamlich schen-
den
und zenüte machen13) so hatt uns doch nit
woͤllen für gůt ansaͤhen/ gantz unnd gar ze-
schwygen
/ bsunder gegen U'wer' F'ürstlich' G'naden' die er mit
soͤlichem ruhen unnd ungeschickten schryben14
(wo sy Gott nit verhůte) understadt ze ver-
bitteren
und wider die frommen unschuldigen15
ze verhetzen. Deßhalb wir in diser vorred nit
dem Luter (der syn gmuͤt verhertet hatt/ und
in syner bekentnuß sich thür16 verpflichtet/ wo
er anders bekannt/ das mans für ein unsinnig-
keyt
halten soͤlle/ deßhalb er uns nit hoͤrt)17 ant-
wurt
geben/ sunder ein demuͤtige trungenli-
che
18 und haͤrtzliche bitt an U'wer' F'ürstlich' G'naden' thůn woͤl-
lend
/ mit ableynung19 der schmach und schaͤlt-
wort
/ die Luter nit allein uff uns/ sunder uff
die warheyt hatt getrochen.20 U'wer' F'ürstlich' G'naden' aber
woͤlle uns gnaͤdigklich losen21/ unnser verant-
wurtung
hoͤren und gedultig vernemmen/ da-
mit
wir nit unverhoͤrt und unverantwurtet
unschuldigklich verdampt und verurteilet wer-
dint
. Dann es sich ye nit zimpt22/ das Luter der
klaͤger/ der urteylspraͤcher und züge23 sye/ des er
sich in dem sendbrieff an U'wer' F'ürstlich' G'naden' undernimpt24:
wiewol er an dem teil/ da er kuntschafft25 wider
uns solte dar thůn/ wenig grund unnd war-
heyt
ynfuͤrt26/ und gadt27 aber die klag scharpff/
und das urteyl gar grusam wider uns.

Buchsymbol fehlt Wir aber habend syn28 bißhar (wie alle gloͤu-
bigen
wüssend) in vil waͤg verschonet/ und im
syn fraͤvel und ungerympt schryben nie woͤl-
len
mit glycher maß widerlegen: und noch uff
den hütigen tag begaͤrend wir frid und einig-
keit
(so ferr sollichs mit Gott und der war-
heit
syn mag) mit im zehaben.29 Aber über das
alles schmaͤcht/ schmützt30/ schiltet und verlümb-
det
er uns/ tastet uns31 an mit schantlichen un-
eerlichen
nammen: nennt uns schwermer32/ rotten-
geyster
33/ kaͤtzer34/ tüfelskinder35/ unnd andere
schmachwort tricht er uns uf36/ deren er doch
(ob Gott wil) mit der warheit keins zů eewi-
gen
zyten nimmermee mag bewysen. Es waͤre
billich hochgeborner Fürst und Herr/ das ein lee-
rer
der warheyt/ ein diener Gottes/ nüt an-
ders
dann das geschaͤfft synes Herrens/ der in
gesaͤndt hatt/ fürnaͤme/ schuͤfe/ und ußrichte-
te
/ und den mund/ den Gott syn warheyt und
wort ußzekünden37 bereit und gesübert hatt38/ nit
so mit bitteren falschen schmachreden und leste-
rungen
/ nit so mit ungegründtem ytelem und
laͤrem gschwaͤtz befleckte/ dann ye soͤlichs einem
botten gottes und der warheyt übel anstadt.

Was schwermer sygind/ wissend wir nit39/
rottengeister aber und kaͤtzer mag er uns mit
keiner warheyt nennen/ dann wir uns der goͤt-
lichen
gschrifft/ der warheyt und einigkeit der
kilchen Christi allweg beflissen und gehalten/
habend kein irrige noch falsche meinung vor
Buchsymbol fehlt uns/ sunder das goͤttlich wort/ grund des glou-
bens
und der gschrifft/ ouch den verstand der
alten leereren40/ die von der heiligen kilchen ad-
probiert
und angenommen sind/ deren leer für
kaͤtzerisch und irrig (in disem artickel41) nie ge-
halten
: wie es dann Oecolampadius saͤliger ge-
daͤchtnus
: gnůgsamlich bewaͤrt unnd bezügt
hatt42/ und es sich an imm selbs klarlich wirt erfin-
den
. Ouch wirt U'wer' F'ürstlich' G'naden' in disem buͤchlin/
das garnach43 vor sibenhundert jaren/ ein from-
mer
man/ mit namen Bertram44/ uff ansůchen
Keiser Karles/ zů dess zyten sich diser span45
vom Nachtmal ouch zůtragen/ gemacht hatt46/
wol saͤhen/ wie warlich der Luter uff uns re-
de
/ das wir soͤliche meinung nüwlich erdacht/
oder uß einem finger gsogen habind/ und wie
war es sye/ das syn meynung fünfftzehenhun-
dert
jar von der kilchen sye gehalten worden.47
Dann diser Bertram hatt gelaͤbt zů den zyten
des Keysers Lotharii48/ imm jar als man gzelt
hatt achthundert und viertzig jar49/ weliches sich
yetz fast loufft uff die sibenhundert jar. Deß-
halb
wir nit moͤgend verdacht50 noch beschuldi-
get
werden/ als waͤre sin bůch von uns erdacht.
Koͤln ist es funden unnd gedruckt im 31.
jar/ durch Johannsen Prael51/ von unserem die-
ner
52 einem U'wer' F'ürstlich' G'naden' zů gefallen vertütscht.

Vor viertzig jaren ist Bertram von dem hoch-
gelerten
Johanne Tritemio Abbt zů Span-
heim under die fürnemen gelerten maͤnner ge-
zelt
Buchsymbol fehlt / und sin leben beschriben worden53/ also das
man nit findt/ das sin leer und meynung vom
Sacrament/ yena54 sye vonn der kilchen weder
verworffen/ noch für kaͤtzerisch verdampt/ sun-
der
vil mer vom Keyser Karle55 angenommen
und gelobt worden.

Uß woͤlichem U'wer' F'ürstlich' G'naden' erleernet und ougen-
schynlich
sicht/ das Luters meinung niena56 so
lange zyt/ wie er fürgibt und ruͤmpt57/ geweret
hatt/ ouch unsere warhaffte leer nie von der
kilchen verworffen ist. Das widerspil58 aber
findt sich gar klarlich/ das von der zyt Jesu
Christi und siner Apostlen/ vil hundert jar/ das
Nachtmal Christi von allen gloͤubigen/ wie
wir leerend/ gehalten worden ist: und so offt
dise ungegründte meinung uff die ban ye kom-
men
/ so offt sind allweg fromme geleerte gots-
foͤrchtige
maͤnner gsin/ die iro widerstrebt ha-
bend
. Und mag Luter nit einen einigen59 bewaͤr-
ten
leerer anzeigen/ der siner meynung gsin60
sye/ biß uff Innocentium den Bapst den drit-
ten
des namens/ der von der schůl zů Pariß1215
soͤlichen artickel gesogen/ imm Concilio Latera-
nensi
bestaͤtet hatt.61 Dann er was ouch magi-
ster
noster/ dannenhar er siner schůl ze gefal-
len
/ soͤliche falsche irrige unnd schaͤdliche mei-
nung
der kilchen für einen artickel des glou-
bens
uffgetrochen/ und dem Roͤmischen stůl
vil rychtag domit angerichtet hatt62: dem doch
aller Künigen und Fürsten rychtumb63 nit gnůg
Buchsymbol fehlt warend. Es hat ouch Luter selbs nit einmal64
geschriben/ diser artickel sye das buwfellig65 und
krafftloß fundament des Bapstthůmbs/ das
von not wegen66 fallen muͤsse/ so es weder uff
Christum den waren grundstein/ noch uff sin
leer gegründt ist.67 Und ist warlich spoͤtlich68/ ouch
hoͤchlich ze erbarmen/ das Luter, ein soͤlicher
geleerter man/ ein soͤlich groß unnd schwaͤr
houptwee69 überkommen hatt/ das er sprechen ge-
thar
70/ wenn er glych nüt umb syn meinung haͤt-
te
/ waͤr im gnůg/ das es die kilchen so lange
zyt gehalten hatt.71 Woͤlche kilchen, o Luter? die
kilchen Christi? Nein nein/ das wirt sich mit
warheyt nimmermee finden. Des Bapsts kil-
chen
? die gadt72 unns nüt an, o Luter. Saͤhend73
G'nädiger' Fürst und Herr/ soll des Luters argument
hie gelten von lenge der zyt/ so stadt das Ba-
psthůmb
noch styff/ dann sy immerdar uff die
kilchen/ und laͤnge der zyt bochend74: denn aber
wurde alle leer des Luters zboden gstossen/
dann er ye anders leert/ dann es die Roͤmische
kilchen so lange jar gehalten hatt. Wo bringt
der zanck einen menschen hin? Luter solt er-
maͤssen
/ das sich die kilch uff Gottes wort
gründet/ nit uff lenge der zyt.75

Und ob er glych vermeint haͤlle dürre und
ungezwyflete wort zehaben76/ so muͤßt er die sel-
ben
ouch nach der meinung des geysts/ nach
art des gloubens/ und verstand der gschrifft
ußlegen und verstan: sunst haͤtte der Bapst
Buchsymbol fehlt ouch haͤlle wort sines irsals/ namlich/ uff di-
sen
felsen wil ich min kilchen buwen.77 Aber so
er78 dise haͤlle wort/ der gschrifft gemaͤß nit uß-
leyt
und verstadt/ wirt erfunden ungetrüwlich
mit Gottes wort handlen: woͤliches dem Lu-
ter ouch gschicht in den haͤllen worten Christi
(das ist min lyb der für üch gegeben wirt79) woͤ-
liche
er wider den sinn des geists/ wider die art
des gloubens/ wider die gschrifft ußleyt und
verstadt.80 Warend das nitt ouch klare haͤlle
wort/ do Christus sprach: Es sye dann, das ir
min fleisch essen und min blůt trincken/ wer-
dend
ir kein leben in üch haben81? noch verstůn-
dends
etlich letz82 und wurdend vom Herren ge-
strafft
. Also do Christus sprach: Loͤsend uff di-
sen
Tempel/ inn dryen tagen wird ich in wider
uffbuwen.83 Diß warend ja haͤlle wort/ aber sy
wurdend im zůr kuntschafft wider syn laͤben
uffgerupfft und fürgeworffen. Ob den wor-
ten
des Herren (das ist min lyb84) sind wir nit
uneinß/ wir verstond aber die wort Christi
geistlich und wie dem glouben gemaͤß/ nit lyb-
lich
wie der Luter/ dann Christus selbs redt/ si-
ne
wort sigend geyst und laͤben.85 Wiewol Lu-
ter grosse arbeit hat U'wer' F'ürstlich' G'naden' zebereden/ das
sechst capitel Johannis ghoͤre nit ins Nacht-
mal
86/ des wir uns hie yetzmal nit beladen/ aber
was die alten leeren schrybend/ lyt am tag/ und
ist wider den Luter. Ouch sind wir nit so ge-
schickt
/ nit so geystrych87/ das wir von geistli-
chem
Buchsymbol fehlt essen reden koͤnnind noch moͤgind/ als
Luter unns bezycht.88 Aber alle schmach unnd
schand die er uns zůleyt/ woͤllend wir gern
tragen umb der warheyt willen/ und umb des
willen der für uns ouch geschmaͤcht ist/ wer-
dend
umb siner bitteren und gifftigen worten
willen/ nit ein har breyt von der gfaßten und
bekanten warheyt yena89 wychen noch abtret-
ten
/ ob glych Luter noch so vil pluderet/ woͤli-
ches
er uns ufftricht90/ unnd ers aber warlich
thůt. Dann was ist sin red imm sendbrieff an Uwer
Fürstlich Gnaden anders/ dann ein hochmuͤtig/ stoltz/ ver-
achtlich
/ fraͤvel/ unnütz/ eytel unnd unge-
gründt
gschwaͤtz und pluderen? Wir aber die
uff die warheyt Gottes gegründt sind/ las-
send
uns mit pluderen nit abtryben91/ sonder
man můß gschrifft und warheyt bringen. Dar-
umb
lassend wirs alles fallen/ und verantwur-
tend
allein das/ das wir keyne kaͤtzer noch rot-
tengeister
sind/ dann wir noch nie mit gschrifft
überwunden/ noch des irrsals in einicherley
bewyßt und überzügt sind worden.92 Wir er-
bietend
uns ouch noch hütbytag93/ waͤr uns
mit gschrifft und goͤttlicher warheyt bessers
moͤge berichten/ woͤllend wir wychen94/ das
aber biß har nie geschaͤhen. Aber Luter wil
nit mitt gschrifft wider uns fechten/ sunder
mit dem schwerdt/ ruͤft und schrygt Keyser/
Fürsten/ Herren und Stett an95/ das man uns
durchaͤchte/ vertrybe und toͤdte: ob das goͤtt-
lichem
Buchsymbol fehlt geyst gemaͤß sye/ laß ich alle gloͤubigen
urteylen.

Dwyl wir dann mitt der heiligen kilchen
sind/ und mit der warheyt/ und mit dem war-
hafften
verstand goͤttlicher gschrifft überein-
stimmend
/ von keinem nie mit goͤttlicher ge-
schrifft
des irrsals bezigen96 und widerwisen97:
wie koͤnnend dann wir rottengeister oder kaͤtzer
verurteylet werden? Warlich, durchlüchtiger
Fürst und Herr/ Luter brucht98 mit uns so gar
kein Christliche liebe noch erbermd/ das wir
ouch by unseren fyenden mee erbermbd und
mitlyden findend. Ists aber nit ein grusam99
ding/ so vil kilchen/ in denen vil tusend from-
mer
gloͤubiger menschen sind/ dem tüfel geben
und verschetzen100? Ulm/ Memmingen/ Eßlin-
gen/ Augspurg/ Costentz/ Lindouw/ Zurich/
Basel/ Bern/ Glariß/ Soloturn/ Schaffhu-
sen/ Appenzell/ Mülhusen/ Biel/ all dry pünd101/
Sant Gallen/ das Ryntal102/ das Turgoͤuw/
Straßburg/ und andere vil Stett/ Land/ Für-
stenthůmb
/ die in disem artickel dem Luter
nit anhaͤngig/ die alle ja also verschetzen und
hochmuͤtigklich verwerffen und dem tüfel ge-
ben
/ wil sich christenlichem geist nit zůziehen.103
Und ob wir glych in üsseren dingen zwyspal-
tig
werind und irrtind/ muͤßte man darumb
glych die schwachen bruͤder also dem tüfel ge-
ben
? woͤliches Evangelium leert doch das? wo
hat man ye soͤliches von uns gegem Luter und
Buchsymbol fehlt sinen anhaͤngern vernommen? wiewol wir un-
sere
meinung uß Gottes wort/ mit starcken
gründen der gschrifft/ offt wider in104 erhalten105
habend/ und noch/ wo es not ist/ erhalten woͤl-
lend
. Wir moͤgend ouch sin meinung der ge-
schrifft
ungemaͤß/ gnůgsam anzeigen/ ja das
sy wider die art des gloubens ist/ ein uffhe-
ben
unnd entloͤsung106 des gantzen lydens und
opffers Christi am crütz gethan. Noch habend
wir in und die im anhaͤngig107/ weder mit wor-
ten
noch hertzen nie gekaͤtzert/ nie dem tüfel ge-
ben
/ nie heissen veriagen noch toͤdten. So die
Apostel zů Hierusalem radt hattend der be-
schnydung
halb/ gab Petrus ein radt, der naͤ-
her
sich zů Christlicher fryheyt und warheyt
zoch108/ weder der radt Jacobi/ noch laͤsend wir
nit das Petrus darumb Jacobum verschupfft109/
oder so gar schmaͤchlich verachtet habe.110 Pau-
lus der volkomner verachtet nit den radt Ja-
cobi
/ der aber den ceremonien etwas zůgab/
laßt sich beschaͤren111 und richtet die glübt uß/ da-
mit
die liebe nit zerrüttet werde.112 Unnd diser
volkommen man ward alles allen menschen umm
Christus willen.113 Moͤgend dann wir umb Chri-
stenlicher
liebe willen/ umb fridens und ein-
trechtigkeit
willen/ nitt geduldet werden/ so
wir doch mit gschrifft nie berichtet114 noch über-
wunden
sind?

Wie ist aber der tüfel unser meister?115 so wir
uns allein uff Gottes wort buwend? Wir be-
sorgend
Buchsymbol fehlt warlich/ der Luter houwe zů wyt
über die schnůr116 christenlicher bscheidenheit/
er solt billich des spruchs Pauli gedencken:
Wer stand der lůg das er nit falle117/ und wüs-
senn
das hochfart118 dem Herren/ deß diener
wir sind/ seer mißfalt. Mag doch Luter (dann
er ouch ein mensch und menschlichen anfech-
tungen
nit gar on) ouch fallen und irren. Hat
in119 dann Gott anfaͤnklich zů sinem werckzüg
gebrucht (das wir ouch bekennend)120 solt er dest
mee demuͤtig syn und danckbar/ solt darumb
uns nit so gar stoltz unnd hochprachtlich121 ver-
schupffen
122. Dann wenn man vons tüfels schůl
solte reden/ bsorg ich er wurde in siner bekannt-
nus
123 ouch etwo ein stuck daruß genommen ha-
ben
: dann alle frommen wol wissend was es
für ein bůch ist/ wie es der warheit und glou-
ben
zůstimpt. Wir lassends aber hie von züch-
ten
124 waͤgen blyben mit sampt anderm hitzigem
zornwuͤtigem schryben/ so er imm saͤndbrieff
trybt: als so er den frommen Carlostad so gar
verachtet/ das er im ouch sin hertz und gwis-
sen
urteilet.125 Item das er den thüren126 und from-
men
man Ulrichen Zwinglin/ nach sinem tod/
mit so laͤsterlichen worten antastet127/ das doch
hyn128 Heyden nit gebrucht/ und schantlich ge-
halten
wirt. Wir erkennend Andream Carlo-
stad für einen frommen biderben129 man/ der we-
der
siner leer noch laͤbens halb straͤfflich130 by uns
wont. Wir versaͤhend131 uns ouch (so vil wir
Buchsymbol fehlt usserlich urteylen moͤgend) sin hertz und gwis-
sen
sye froͤlich in Gott.132 Den Zwinglin hal-
tend
wir für einen frommen thüren133 leerer der
warheyt/ beruͤmend unns sines namens nitt/
den man uns zů schmach ufftricht/ dann wir
uns niemants ruͤmend dann Christi. Wir erken-
nend
in134 für einen waͤrchzüg135 Gottes/ durch
den uns Gott siner warheyt berichtet hatt:
inn sinem laͤben hatt er grosse sorg/ muͤhe und
arbeyt gehebt/ wie er die warheyt und eer Got-
tes
pflantzte/ wie er die nidergfalne geraͤchtig-
keit
und fromkeit136/ die inn einer Eydgnoschafft
ze grund gangen/ wider uffrichtete/ umb des
willen hatt er alles moͤgen lyden unnd thůn.
Und domit er soͤlichs volfuͤrte/ ist er gstorben/
und hat sin blůt umb keiner mißthat willen
vergossen/ sunder das er Gottes eer und gmey-
ne
geraͤchtigkeit moͤchte wider uffrichten: des
sind zügen alle frommen inn der gantzen Eyd-
gnoschafft
. Warumb woltend dann wir in137 nit
moͤgen einen marterer/ das ist einen zügen138 der
warheyt nennen? so er die warheyt biß inn tod
bekennt und verjaͤhen139 hatt/ ja umb der warheyt
und geraͤchtigkeit willen erschlagen ist?140

Das aber die Baͤpstischen uns angesiget141/
und die unseren erschlagen habend142/ nimpt Lu-
ter zum argument und bewaͤrung143/ das unser
gloub nit geraͤcht sye.144 Wie aber diß sin argu-
ment
in der gschrifft grund habe/ gib ich allen
raͤchtverstendigen ze urteilen. Was Josias
Buchsymbol fehlt gloub darumb ungeraͤcht/ das er imm krieg um-
kam
?145 Hatt der Türck darumb den raͤchten glou-
ben
/ das er vil Christen erwürgt und inen an-
siget
146? Hatt Nabuchodonosor den raͤchten glou-
ben
/ darumb das er die Juden gfangen hin-
fůrt
?147 Ach wie ist uns doch der man so gar ver-
waͤchßlet
148? Wir bekennend zwar/ das wir bil-
lich
von unser sünd waͤgen gstrafft sind/ und
von des gloubens waͤgen/ nitt das er149 unge-
raͤcht
sye/ sunder das wir im150 nit gmaͤß gelaͤbt.
Und wiewol soͤliche straff groß/ ist sie doch
minder dann unser mißthat erforderet: und
ist ouch nit so groß/ dann das wir die vaͤterli-
chen
růten und hand Gottes/ ja sin vaͤterliche
trüw gegen uns noch erkennend/ und inn siner
leer und gnaden mee dann vor ye zůnemend und
bevestnet151 sind. Es soll unns ouch soͤlicher fal152
von unserem Herren und Gott/ dem wir noch
styff anhangend/ keins waͤgs abfaͤllig machen/
so wyt faͤlts das Luters Prophetzy und zey-
chen
düten waar sye.153 Wir sůchend aber nit un-
ser
eer/ woͤllend ouch uns hiemit nüt ruͤmen:
das wir sind/ sind wir uß Gottes gnaden. Be-
gerend
ouch hiemit dem Luter sin eer und na-
men
keins waͤgs zeschmeleren noch zeverkley-
neren
/ verachtend im154 sin leer nit/ haltend in155
für einen thüren156 diener Gottes/ erkennend daß
Gott vil unnd grossen nutz durch in157 inn aller
waͤlt geschafft hatt. Das woͤllend aber wir in158
ermant haben/ das er gedencke/ das er ouch
Buchsymbol fehlt ein mensch sye/ und das es nit alles geist sye
das er schrybt/ redt und handlet: das er ouch
irren moͤge/ das er sine armen mitarbeiter imm
waͤrck Gottes (uns) nitt so gar verachte.
Dann ouch Petrus nach dem empfangnen
geist/ geirret/ und von Paulo straff geduldet
hatt.159 Wir sollend ye fleisch nit für geist ver-
kouffen
. Saul was von Gott erwelt/ irret
ouch in vil dingen.160 Des glychen David ein
mensch nach Gottes willen/ wie kan der si-
nen
eebruch under dem geist verkauffen?161 Es
hatt doch Moses der getrüw diener gefaͤlt
und gestruchlet. Darumb bittend wir den
Luter/ er woͤlle uns für bruͤder erkennen/ sich
nit von uns abtrennen/ uns nit verschupffen162/
wir erbietend uns alles fridens und liebe ge-
gen
im/ allein er tringe uns nit von erkannter
warheit.

Und dwyl aber Luter uns, den übelthaͤte-
ren
/ die umb ir mißthat hinuß an die richtstat
gefuͤrt werdend/ verglychet163/ ist unser demuͤtig
bitt an U'wer' F'ürstlich' G'naden' ouch an alle frommen Fürsten
und Herren/ Stett und alle Staͤnd des heili-
gen
Roͤmischen Rychs/ man woͤlle nitt glych
uffs Luters schryben/ einen biderben164 man mit
wyb und kind ins ellend tryben165/ der nit glich
kan glouben was der Luter gloubt. Oder wo
habend wir deß yena166 byspil in der leer Christi
und der Apostelen? U'wer' F'ürstlich' G'naden' woͤlle vil styffer167
sin/ dann das sy sich ab einer soͤlichen gschrifft168
Buchsymbol fehlt eines menschen lasse wider fromm unschuldig
lüt verwilden.169 Nun vermeynend wir ye ouch
Christen sin/ ob wir glych in disem artickel170 und
mit den bilden171 dem Luter nit koͤnnend zůfal-
len
.172 Die liebe mit dem glouben der worten Got-
tes
ist uns der thürest173 schatz. Den glouben
der gschrifft haltend wir thür und hoch/ for-
schend
im taͤglich flyssig nach/ bittend Gott
das er uns die gschrifft ufschliesse. Wo wirs
ergryffend174/ sagend wir im175 danck/ und lassend
uns davon nit abtryben/ wir woͤllends ouch
weder gemeert noch gemindert haben. Der
heiligen vaͤtteren gschrifft nemmend wir mit al-
ler
zucht und eererbieten an/ verglychend sy flys-
sig
mit der gschrifft/ und haltend sy inn denen
eeren inn denen sy begerend gehalten werden:
was die gschrifft nit verwirfft/ verwaͤrffend
wir ouch nit: wir bietend allen menschen liebe
an/ und nemmend sy ouch an von anderen. Und
so glych etlich irrend176/ verwaͤrffend wir sy dar-
umb
nit glych/ sind alle zyt bereitet mit senfft-
muͤtigkeit
bscheid177 der leer zenemmen und zegaͤ-
ben
. Wir spraͤchend nit das es schlaͤcht178 brot und
wyn sye/ redend ouch nit verachtlich darvon:
sunder nennends mit Paulo ein brott des Her-
ren
/ ein brot der dancksagung/ nennends den
lyb und blůt Christi mit Christo.179 Aber die zů-
gethanen
wort vom Luter und anderen/ uß
woͤlichen zangk und strick180 gefaßt moͤgend wer-
den
/ vermeinend wir unnoͤtig/ ergerlich/ unnd
Buchsymbol fehlt gfarlich sin. Wir bekennend ouch und gloubend
das der lychnam Christi/ der für uns in tod ge-
geben
/ unnd sin blůt das zů abwaͤschung un-
serer
sünnd am crütz vergossen ist/ warlich
imm Nachtmal zegegen sye unnd vonn den
gloͤubigen genossen werde: aber der gstalt
wie es dem glouben und gschrifft gemaͤß ist:
wie es von den gloͤubigen verstanden und ge-
nossen
mag werden/ und so vil es ein spyß181 der
seelen syn mag. Wir begaͤrend offenlich und
klarlich vor unseren kilchen von disem handel
zereden/ unnd der maß, das uns die kilch ver-
stande
. Wir gand mit warheyt umb/ und be-
gerend
nieman zebetriegen/ nieman zeverfuͤ-
ren
/ darumb schücht unns182 ab dem liecht gar
nüt. Diß sye, hochgeborner Fürst uf des Lu-
ters anklag unser kurtze antwurt an U'wer' F'ürstlich' G'naden'
und alle gloͤubigen: die wir umb Gottes wil-
len
bittend in disem handel nit zegahen.183 Volge
man dem rat Gamalielis184/ ist unser sach nit uß
Gott so mag sy nit bstan: ist sy uß Gott (deß
wir nit zwyfel tragend) mag sy nieman ußrü-
ten
185 noch temmen.186 Was wil man sich dann eint-
waͤders
vergaͤbens bemuͤgen187/ oder wider Got
verhouwen188?

Des Bertrams buͤchlin189/ so wir U'wer' F'ürstlich' G'naden' zů-
schrybend
190/ ist von uns nit ußgangen/ das wir
ütz191 unserer meinung zebevesten darmit woͤl-
lend
ynfuͤren/ sonder darumb das U'wer' F'ürstlich' G'naden' und
alle menschen sehind/ das vor zyten unser mei-
nung
Buchsymbol fehlt von den frommen leereren ouch gehalten
ist. Es woͤlle sich ouch nieman ab etlichen wor-
ten
die von etlichen leerern in disem buͤchlin ge-
brucht
werdend ergern/ als consecrieren/ opf-
feren
/ altar/ wasser in wyn thůn etc. Dann sy
uf ir zyt doch in gůtem verstand also zereden
gepflegt habend/ vil mee saͤhe man uf den
zwaͤck daruff der fromm Bertram192 yemerdar
tringt: namlich/ das der lyb und das blůt Chri-
sti
/ das am crütz für uns geopffert ist/ nit lyb-
lich
waͤsenlich da sye/ sonder allein imm glouben/
in der gedaͤchtnuß/ in mysterio et sacramento.
Nit on gefaͤrd193/ sunder uß goͤttlicher fürsichtig-
keit
ist diß buͤchlin194 yetz zů unseren zyten herfür
kommen: dann wie es vormals Keiser Karle195 zů-
geschriben
ist/ also verhoffend wir/ Keyser-
liche
Maiestat196 werde soͤlichs buͤchly nit verach-
ten
/ sunder, dwyl der namm mit einstimpt197 flys-
sig
laͤsen/ und sich der meynung ouch halten.

Wir bittend U'wer' F'ürstlich' G'naden' woͤlle uns armen un-
wirdigen
unser schryben nit verargen/ sonder
es der meinung, wie es geschaͤhen von uns em-
pfahen
und zů guͤt halten. Geben uf den si-
bentzehenden
tag Brachmonadts198.

U'wer' f'ürstlich' g'naden' willige/ diener
des worts zů Zürich.


1Albrecht von Preußen (1490–1568); zu ihm vgl. MBW 14, 362–367.
2vor kurzer Zeit.
3Gemeint ist Luthers im Februar 1532 verfasster Sendbrief an Albrecht von Preußen; vgl. dazu die KGK 334 zu dieser Einheit.
4hören, anhören; vgl. DWb s.v. losen II Nr. 2. Vgl. Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen in WA 30.III, 552,32–553,10.
6In Luthers Lehre und Artikeln (zum Abendmahl).
7Vgl. hier Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen in WA 30.III, 552,4–7.
8fängt bald an.
9In Luthers Schrift ist keine entsprechende Stelle zu finden. Wahrscheinlich nimmt man hier Bezug auf das tragische und blutige Ende von Thomas Müntzer und Huldrych Zwingli, das im Sendbrief an Albrecht von Preußen als göttliche Strafe für ihre Irrtümer gedeutet wird. Neben ihnen wird als drittes Beispiel der zu bekämpfenden »Schwärmer und Rottengeister« auch Karlstadt genannt, dessen irrige Abendmahlslehre laut Luther mit Exil und unendlicher leiblicher und seelischer Unruhe bestraft wurde. Vgl. WA 30.III, 550,9–24.
10Zum kirchenpolitischen Kontext in Preußen jener Jahre siehe die KGK 334 zu dieser Einheit.
13Diese Textpassage ist vermutlich eine Anspielung auf Luthers Argumentation im Sendbrief an Albrecht von Preußen: Man solle keine weitere Disputation oder Diskussion mit den Anhängern einer geistlichen Deutung des Abendmahls zulassen, weil die Auseinandersetzung mit denjenigen sinnlos sei, die eine offensichtliche Wahrheit verneinten. Vgl. z.B. WA 30.III, 549,25–550,8; 551,33–552,2. Zu den vor allem seitens der Straßburger Kirche betriebenen Bemühungen, die Zürcher davon abzuhalten, auf Luthers Schrift zu reagieren, siehe die KGK 334 zu dieser Einheit.
14mit einer solchen rauen, groben und unpassenden, ungelehrten, unschicklichen Schrift; gemeint ist auch hier Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen.
15Gemeint sind hier die Reformierten in Preußen, siehe nochmals die KGK 334 zu dieser Einheit.
16teuer.
18eindringlich, nachdrücklich; vgl. Schweizerisches Idiotikon 14, 11f. s.v. dringe Nr. 2.b.β.
19Widerlegung, Gegenantwort; FWB s.v. ableinung Nr. 3.
20gezogen; vgl. FWB s.v. trechen Nr. 1.
22es gehört sich nicht; vgl. DWb s.v. ziemen.
23zeuge.
24das er unternimmt, dessen er sich unterfängt.
25Beweise, Zeugnisse; FWB s.v. kundschaft Nr. 3.
26anführt, vorbringt.
27geht.
28seine (Luthers) Lehre.
29Die Zürcher erklären hier also, dass sie Luther nicht, so wie dieser es tat, auf harte Weise erwidern wollen und dass sie auch mit ihm noch zu einer Einigung gelangen möchten, sofern dies nicht der Wahrheit und Gott widerspricht. Der rhetorische Zweck ist klar. Auch hier geht es darum, Luthers Vorwürfe in den Augen Albrechts von Preußen als unbegründete persönliche Angriffe zu relativieren (siehe auch unten KGK 334 (Textstelle)) und sich umgekehrt zu einer sachlichen – d.h. auf der Wahrheit der Schrift und Gottes beruhenden – Auseinandersetzung bereit zu zeigen.
30beschmutzt. Vgl. DWb s.v. schmitzen Nr. 2.
31grifft uns an; vgl. FWB s.v. tasten Nr. 3.
32Vgl. z.B. WA 30.III, 548,37; 550,15.
33Vgl. z.B. WA 30.III, 550,5.15.22.
34Vgl. z.B. WA 30.III, 549,30–35.
35Vgl. z.B. WA 30.III, 549,9.
36erlegt uns auf; vgl. FWB s.v. auftrechen Nr. 2 und 3: »jm. etw. (Unangenehmes, Belastendes) aufbürden, auferlegen […] jm. etw. vorwerfen, zuschieben, zur Last legen, zuschreiben.«
37zu verkünden. Vgl. FWB s.v. auskünden Nr. 1.
38So der Prophet (z.B. 5. Mose 18,18; Jer 23,26; Apg 3,21), also jeder, der das Wort Gottes verkündet.
39Zu dem von Zwingli bereits in seiner Freundlichen Verglimpfung über die Predigt Luthers wider die Schwärmer 1527 (Zwingli, Werke 5, 771,1–3) verwendeten Begriff siehe HBBW 2, 140 Anm. 32 Nr. 106.
40Die Lehre, Meinung der Kirchenväter.
41Der Abendmahlslehre betreffend.
42Anspielung auf Oekolampad, der am 24. November 1531 gestorben war, und nach HBBW 2, 140 Anm. 38 Nr. 106 auf seine 1525 erschienene Schrift De genuina verborum Domini, Hoc est corpus meum, iuxta vetustissimos authores expositione (VD 16 O 331). Hier könnte auch die gegen Melanchthon gerichtete und im Jahr 1530 erschienene Schrift Oekolampad, Eucharistia (1530) gemeint sein. Dort hatte Oekolampad nochmals die – seiner Meinung nach symbolische – Abendmahlslehre der Kirchenväter erörtert. Zu dieser Schrift und der zeitgleich von Karlstadt geplanten – und höchstwahrscheinlich nie abgeschlossen und veröffentlichten – Erwiderung auf Melanchthons Angriffe in Melanchthon, Sententiae veterum de coena domini (1530), siehe KGK 323 und KGK 324.
43beinahe, nahezu; vgl. FWB s.v. garnach.
44Rathramnus von Corbie (gestorben um 868). Siehe dazu die KGK 334 zu dieser Einheit mit KGK 334 (Anmerkung).
45Streit, Auseinandersetzung. Vgl. DWb s.v. span Nr. 2.
46Gemeint ist die im Anschluss an die hier edierte Vorrede veröffentlichte Übersetzung Leo Juds des um 843/44 auf Ersuchen von Karl des Kahlen verfassten Traktats von Rathramnus (= »Bertam«) von Corbie, in dem nach den Zürcher Theologen eine Interpretation des Abendmahls dargelegt wird, die der ihren sehr ähnlich war. Siehe dazu die KGK 334 zu dieser Einheit.
47Vgl. WA 30.III, 549,11–24: 552,12–24.
48Lothar I. (795–855), von 840 bis 855 römischer Kaiser.
49Diese Datierung ist aus der von Johannes Trithemius verfassten kurzen Biographie des Rathramnus am Anfang der lateinischen Ausgabe von dessen Abendmahlstraktats entnommen. Vgl. Rathramnus, De corpore (1531), fol. A1v. S. u. KGK 334 (Anmerkung).
50verdächtigt.
51Gemeint ist hier die lateinische Ausgabe Rathramnus, De corpore (1531) in Köln bei Johann Prael. Zu diesem Drucker siehe Reske, Buchdrucker, 437.
52Leo Jud, der Übersetzer der mit dieser Vorrede veröffentlichten deutschen Fassung des Traktats von Rathramnus. Zu ihm siehe KGK 328 (Anmerkung). Siehe auch hier die KGK 334 zu dieser Einheit.
53Gemeint ist hier Trithemius, Scriptores (1494), fol. 44v. Zu Johannes Trithemius (1462–1516), ab 1483 Abt des Benediktinerklosters Sponheim, siehe für Literaturhinweise KGK I.1, Nr. 19, S. 334, Anm. 3.
54jemals.
56keineswegs, nirgendwo; FWB s.v. niena.
57Vgl. nochmals WA 30.III, 552,12–15.
58Gegenteil; vgl. Schweizerisches Idiotikon 10, 161 s.v. Widerspil 1.
59einzigen.
60gewesen.
611215 erkannte das vierte Laterankonzil unter Papst Innozenz III. (1161–1216) die Realpräsenz Christi an und begründete damit die Transsubstantiationslehre. Innozenz III., der auch in Paris u.a. bei Petrus von Corbeil (um 1150–1222) studiert hatte, behandelte im vierten Buch seiner zwischen 1195 und 1197 verfassten Schrift De sacro altaris mysterio die Transsubstantiations- und Realpräsenzlehre theologisch. Vgl. Nocke, Sakramententheologie, 163f.; Welzel, Abendmahlsaltäre.
62Erneut wird die Rolle von Innozenz III. hervorgehoben, der das Dogma der Transsubstantiation als Glaubensartikel auf dem Vierten Laterankonzil einführte, um, wie die Zürcher Gelehrten behaupten, der Pariser Schule, in der er ausgebildet worden war, einen Dienst zu erweisen; siehe die vorherige KGK 334 (Anmerkung). Es ist nicht klar, ob hier allgemein auf die theologischen Richtungen der Pariser Universität Bezug genommen wird oder auf bestimmte Autoren wie den Bischof Odo von Sully (gest. 1208), der die Lehre von der Elevation der Hostie entwickelte. Die Dekrete der von ihm zwischen 1205 und 1208 geführten Pariser Synode formulieren deutlich die Realpräsenzlehre, wurden im vierten Laterankonzil bestätigt und bildeten ein Muster für spätere Synoden. Siehe diesbezüglich Pontal, Statuts 1, LXVIII–LXXVI und 58–61 (Edition und frz. Übersetzung der »capitula de sacramentis altaris«).
63Reichtum, Wohlstand; vgl. Schweizerisches Idiotikon 12, 979 s.v. Richstag.
64D.h. mehrmals.
65baufällig.
66notwendigerweise.
67Zur Kritik Luthers an der römisch-katholischen Transsubstantiationslehre siehe z.B. De captivitate Babylonica ecclesiae, WA 6, 502,1–526,33, oder Contra Henricum regem Angliae, WA 10.II, 207f.
68Spott, Hohn erregend, zu Spott, Schande gereichend, lächerlich, schändlich, erbärmlich; Schweizerisches Idiotikon 10, 625 s.v. spottli(ch) Nr. 2b.
69Kopfschmerz.
70darf, wagt; aus mhd. »(ge)turren, sich getrauen«, vgl. Schweizerisches Idiotikon 13, 1511 s.v. dörfen Nr. 2.
71Vgl. nochmals Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen in WA 30.III, 552,3–15.
72geht.
73Siehe.
74pochen.
75Luther wird hier vorgeworfen, sich wie die römisch-katholische Kirche zu verhalten: Statt schlüssige (auf der Schrift basierende) Argumente für ihre Auslegung der Abendmahlslehre vorzubringen, berufen sie sich allgemein auf den jahrhundertelangen Konsens der Kirche Christi. Aus Sicht der Zürcher ist dies kein solides Argument, zumal sowohl Luther als auch der Papst es jeweils zur Begründung ihrer unterschiedlichen Thesen verwenden. Würde das Argument also für Luther gelten, müsse es auch für den Papst gelten, sodass die römische Kirche gar nicht von der Reformation in Frage gestellt würde und so auch Luthers Lehre entkräftet wäre. Den angeblichen Lehrkonsens über die Jahrhunderte anzuführen, halten die Zürcher Theologen daher für argumentativ sinnlos, da die wahre Kirche Christi – und damit die wahre Lehre – nur auf dem Wort, auf der Schrift, beruht.
76Vgl. nochmals Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen: »Zu dem so ist dieser Artickel nicht eine lere odder auf satz, ausser der schrift von menschen ertichtet. Sondern klerlich in Evangelio durch helle, reine, ungezweiffelte wort Christi gestifft und gegruͤndet […].« (WA 30.III, 552,3–5).
77Mt 16,18. Zur Kritik Luthers an dieser Stelle bereits in 1519 vgl. Resolutio super propositione 13. de potestate papae, WA 2, 187,38–190,40.
78Der Papst.
80Die Zürcher Theologen ziehen hier erneut einen Vergleich zwischen Luther und dem Papst, die beide zur Begründung ihrer Thesen Bibelstellen (der Papst Mt 16,18, Luther Lk 22,19) zitierten, aber sie nicht richtig zu interpretieren wüssten.
81Joh 6,53. Diese Stelle zitiert auch Luther in seinem Sendbrief an Albrecht von Preußen, aber er verweist dabei nicht auf das Abendmahl, wie die Zürcher, sondern auf den Glauben. Vgl. WA 30.III, 547,27–32.
82verkehrt, falsch; vgl. Schweizerisches Idiotikon 3, 1549 s.v. lëtz.
84Mt 26,26. Diese Bibelstelle zitiert Karlstadt in seiner Auslegung der Abendmahlsworte Christi, vgl. KGK VII, Nr. 279, S. 631, Z. 14f.
85Joh 6,63; zitiert auch in KGK VII, Nr. 278, S. 580, Z. 23 – S. 582, Z. 7. mit Anm. 660 zur weiteren Verwendung dieser Bibelstelle.
86Vgl. WA 30.III, 547,17–548,36.
87voll (religiösen) Geistes; Schweizerisches Idiotikon 6, 162 s.v. geistrich.
88beschuldigt. Vgl. nochmals WA 30.III, 549,4–20.
90nachredet; vgl. Schweizerisches Idiotikon 14, 253 s.v. ūftrëchen 2β.
91von der Wahrheit abtreiben, aber auch erschöpfen, ermüden; vgl. Schweizerisches Idiotikon 14, 103f. s.v. abtreiben Nr. 2α und γ. Hier wenden die Zürcher die Anschuldigungen gegen Luther, die dieser im Sendbrief an Albrecht von Preußen gegen sie erhoben hatte; vgl. WA 30.III, 549,9–15.
92denn wir wurden weder mit der Schrift überwunden, noch wurde uns in irgendeiner Weise Irrtum nachgewiesen.
93unverzüglich, sofort; vgl. Schweizerisches Idiotikon 12, 1068 s.v. hütbītag Nr. 2α.
94nachgeben, von unserer Meinung abrücken; vgl. Schweizerisches Idiotikon 15, 217 s.v. wīchen Nr. A1bα.
95Vgl. WA 30.III, 553,3–7.
96angelastet, bezichtigt, beschuldigt; vgl. Schweizerisches Idiotikon 17, 874 s.v. bezigen.
97widerlegt; vgl. Schweizerisches Idiotikon 16, 1969 s.v. widerwīsen.
98übt, gebraucht. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 360 s.v. g(e)brūcht, brūcht Nr. 2.
99grausam.
100verloren geben, aufgeben; vgl. Schweizerisches Idiotikon 8, 1683 s.v. verschätzen.
101»Der Ausdruck Drei Bünde oder Gemeine Drei Bünde bezeichnet den Verband, in den sich im ehemaligen Churrätien ab 1450 der Gotteshausbund (1367), der Graue Bund (1395/1424) und der Zehngerichtenbund (1436) integrierten«, vgl. HLSHLS s.v. Drei Bünde.
102Gemeine Herrschaft der Eidgenossenschaft im St. Galler Rheintal; vgl. HLSHLS s.v. Rheintal.
103geziemen.
104ihn, Luther.
105durch Gründe erweisen; vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1232 s.v. erhalten Nr. 2a.
106Aufhebung und Auflösung.
107Luther und seine Anhänger.
108dazu passte.
109verstieß; vgl. Schweizerisches Idiotikon 8, 1084 s.v. verschupfen.
110Vgl. Apg 15,1–21. Zu diesem Apostelkonzil in Jerusalem siehe auch Gal 2,1–10. Auf diesem Konzil sollten unterschiedliche Meinungen innerhalb der christlichen Urgemeinde, die sowohl Juden als auch neuerlich auf Paulus' Wirken hin konvertierte Heiden umfasste, diskutiert werden. Es ging u.a. um die Frage, ob Christen die jüdischen Gebräuche, einschließlich der Beschneidung, einhalten müssten oder nicht. Neben einer Fraktion, die diese Forderung befürwortete, schlugen Petrus und Jakobus vermittelnde Lösungen vor. Doch während Petrus als Antwort auf die Pharisäer, die verlangten, dass auch Nichtjuden beschnitten werden sollten, die Freiheit der Christen in diesen Fragen verteidigte, stützte Jakobus die Auffassung des Petrus mit der Einschränkung, dass bestimmte jüdische Gebräuche für alle Christen gültig seien.
111Vgl. Apg 18,18 und zum Thema beim Zusammentreffen von Paulus und Jakobus Apg 21,24.
112Paulus war auch auf dem Apostelkonzil in Jerusalem (siehe KGK 334 (Anmerkung)) anwesend; vgl. Apg 15,2.12.22. Seine Position, derjenigen der hellenischen Gemeinden nahestehend, war, dass die Heiden durch den Glauben an Christus gerechtfertigt und gereinigt würden, ohne dass sie sich zuvor den jüdischen Gebräuchen anpassen mussten. Der Zweck der hier veröffentlichten Schrift besteht darin, die Koexistenz verschiedener Meinungen innerhalb der christlichen Urgemeinde hervorzuheben, was auf eine weitgehende gegenseitige Achtung (siehe die Anspielung auf Apg 18,18 wie KGK 334 (Anmerkung)) hindeuten sollte. Indirekt wird dieses Koexistenzmodell auch als Referenz für die Spaltungen zwischen den Kirchen der Reformation in jener Zeit angegeben. Der Hinweis auf die Auffassung des Jakobus als Vertreter einer Strömung, die eher die äußerlichen Werke bewertet, stellt auch eine Anspielung auf den Jakobusbrief dar, über dessen Kanonizität Luther und Karlstadt ebenfalls uneins gewesen waren; vgl. KGK III, Nr. 158 und Nr. 163.
114berichtigt.
115Vgl. nochmals WA 30.III, 549,9.
116Luther habe das rechte Maß überschritten; vgl. Schweizerisches Idiotikon 9, 1295 s.v. Schnur III Nr. 1.d.
118Hoffart.
119ihn, Luther.
120Auch die Zürcher erkennen die Verdienste Luthers bei der Einführung der Reformation an.
121hochmütig; vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 393 s.v. hōchprachtlich.
122verstoßen, zur Seite werfen; vgl. Schweizerisches Idiotikon 8, 1084 s.v. verschupfen.
123Bezug unklar, vermutlich auf Luthers Vom Abendmahl Christi Bekenntnis.
124Anstand, Rücksicht.
125Vgl. hier Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen, WA 30.III, 550,17–20, wo Karlstadt als Kain bezeichnet wird.
126teuren.
127Vgl. WA 30.III, 550,20–24; 551,20–32, wo die Niederlage der Zürcher bei Kappel und den Tod Zwingli als eine Strafe Gottes gewertet ist.
128gegen.
129ehrbaren; vgl. FWB s.v. bieder.
130strafwürdig.
131annehmen, vermuten; vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 567 s.v. versëhen Nr. 1γ.
132Zur Einbindung Karlstadts in der Zürcher Kirche siehe KGK 328 und KGK 349.
133teuren.
135Werkzeug.
136die darniederliegende Rechtlichkeit und Frömmigkeit.
138zeugen.
139bezeugt.
140Luther hatte in seiner Schrift die Verwendung des Begriffs Märtyrer für diejenigen heftig kritisiert, die seiner Ansicht nach nur Opfer einer göttlichen Strafe gewesen seien. Vgl. WA 30.III, 550,25–551,32. Hier rechtfertigen die Zürcher Theologen die Bezeichnung »Märtyrer« für Zwingli.
141besiegen, überwinden. Vgl. FWB s.v. ansiegen.
142Beim Zweiten Kappeler Krieg im Oktober 1531 unterlag Zürich den fünf katholischen innerschweizer Orten (Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug).
143rechtsförmliche Beglaubigung, Beweis; vgl. Schweizerisches Idiotikon 16, 804 s.v. Bewarung.
144Vgl. nochmals WA 30.III, 550,25–30.
146besiegt.
148verwandelt.
149Gott.
150Gott.
151gefestigt, bestärkt; vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 1120 s.v. befestnen.
152Verfall, Sturz, Unfall; vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 733 s.v. Fall Nr. 2 a und γ.
153Vgl. Anm. 108 und hier v.a. WA 30.III, 551,29–32.
154ihm.
155ihn.
156teuren.
157ihn.
158ihn.
162verstoßen.
163Vgl. WA 30.III, 551,2f.
165Auch hier vgl. WA 30.III, 552,32–553,3.
167unerschütterlich, gefestigt in seiner Überzeugung; vgl. FWB s.v. steif Nr. 4.
168Gemeint ist Luthers Sendbrief an Albrecht von Preußen.
169zornig werden; vgl. Schweizerisches Idiotikon 15, 1527 s.v. verwilden Nr. 1 bβ.
170Zum Abendmahl.
171Gegen Bilderverehrung.
172zustimmen.
173teuerste.
174Wenn wir den Sinn der Schrift begreifen.
175ihm, Gott.
176Und wenn auch etliche irren.
177Auskunft, Antwort, Belehrung; vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 211 s.v. B(e)scheid Nr. 1 a.
178einfach, schlicht; vgl. Schweizerisches Idiotikon 9, 49 s.v. schlëcht Nr. 2 b.
180Gemeint ist hier Streit.
181Speise.
182scheuen wir uns.
183heilig zu handeln.
185ausrotten, zerstören.
186abwehren; vgl. Schweizerisches Idiotikon 12, 1783 s.v. tammen Nr. I 2.
187bemühen.
188sich verfehlen, sich selbst schaden, sich in Widersprüche verwickeln; vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1810 s.v. verhau(w)en Nr. 5.
190zueignen, widmen.
191etwa.
192S. o. nochmals KGK 334 (Anmerkung).
193nicht von ungefähr; vgl. FWB s.v. ane 2c.
194Das Traktat von Rathramnus von Corbie De corpore et sanguine Christi; vgl. KGK 334 (Anmerkung).
197mit einstimmt, übereinstimmt.
198Juni. Vgl. FWB s.v. brachmon(at).

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