1. Überlieferung
Ein handelt sich um einen Autographen.
Eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.
Editionen:
- Oekolampad, Briefe und Akten 2, 441 Nr. 744.
- Barge, Karlstadt 2, 587 Nr. 30.
- Bucer, Briefwechsel 4, 101–103 Nr. 299.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 413–416.
2. Entstehung und Inhalt
Karlstadt verließ Straßburg nach dem 15. Mai 1530 und reiste in Richtung Basel. Von dort aus schrieb er am 19. Mai an Bucer, dem er bereits auf der Reise einen – heute verlorenen – Brief geschickt hatte (KGK 323). Karlstadt dankt Bucer herzlich und erklärt sich bereit, ihm seine Verbundenheit zu beweisen. Einen besonderen Dank richtet er an Elisabeth, Bucers Frau. Wegen der Eile des Boten – wahrscheinlich derselbe, der Karlstadt nach Basel gebracht hatte und der nun nach Straßburg zurückkehren musste – konnte Oekolampad (vielleicht auf einen von Bucer heute verschollenen Brief) nicht antworten, versprach aber, es noch zu tun. Karlstadt berichtet, er sei vom Basler Reformator freundlich empfangen worden. Oekolampad scheint sich über Philipp Melanchthons Angriff geärgert zu haben. Karlstadts Gastgeber Ludwig1, der Bucer grüßt, behaupte, der Dialog gegen Philipp Melanchthon sei bereits von Oekolampad geschrieben worden.2 Am folgenden Tag – Samstag, dem 20. Mai – sei Karlstadt zur Versammlung der Basler Pfarrer gerufen worden; er zweifele nicht daran, dass Oekolampad tun werde, was er tun müsse. Der Brief schließt mit Grüßen an Bucer und Ludwig.3
Über diesen kurzen Aufenthalt Karlstadts in Basel, wo er um den 19. Mai eintraf, ist nichts bekannt. Am 22. Mai teilte Oekolampad Zwingli mit, dass Karlstadt mit seiner Familie in Basel angekommen sei, sich aber nach Zürich begeben werde.4 Es ist unklar, ob Oekolampad und Karlstadt die Straßburger Reformatoren selbst über den gescheiterten Versuch, Karlstadt in der Rheinstadt aufzunehmen, informierten. Am 24. Mai erneuerten Capito5 und am 25. Mai auch Bucer6 in einer offenbar konzertierten Aktion ihre Empfehlungen Karlstadts an Zwingli. Gegen Ende des Monats machte sich Karlstadt schließlich auf die Reise nach Zürich, wo er vor dem 6. Juni eintraf.7
Über die Kontakte und die Lebensumstände Karlstadts während dieser etwa zwei Wochen in Basel gibt es kaum eindeutige Quellen. Der spätere Bericht von Pierre Toussain an Wilhelm Farel aus dem Jahr 1553 – Karlstadt sei von den Baslern menschenunwürdig empfangen und grausam behandelt worden, sodass nach seiner Abreise nach Zürich seine Frau und seine Kinder, die in Basel geblieben waren, um ihr Überleben hätten betteln müssen8 – ist als nicht ganz zuverlässig einzustufen, wie schon Barge festgestellt hat.9 Karlstadt selbst schreibt nämlich in dem hier edierten Brief an Bucer, er sei freundlich empfangen worden. Am 3. Juni teilte Oekolampad Zwingli mit, dass er den Dialog gegen Melanchthon fertiggestellt und Karlstadt ihn auch bereits gelesen habe – ein Zeichen für die guten Beziehungen zwischen den beiden.10 In einem Brief vom 17. Juni versichert Oekolampad Karlstadt – inzwischen schon in Zürich – über Zwingli, dass seine Frau und Kinder wohlauf seien.11 Es ist daher wohl davon auszugehen, dass er in Basel nicht unfreundlich behandelt wurde, doch war schnell klar, dass er sich in der Rheinstadt nicht lange aufhalten sollte.12 Karlstadt verfolgte also wohl seinen ursprünglichen Plan nach Zürich zu fahren, worauf auch die von Capito und Bucer vor seiner Abreise aus Straßburg für ihn verfassten Empfehlungsschreiben hindeuten.13 Hier empfing Zwingli ihn tatsächlich schon Anfang Juni.
KGK 323
Transkription
