Nr. 323
Verschollen: Verschollen: Andreas Karlstadt an Martin Bucer
[Basel?], [1530, zwischen 15. und 19. Mai]

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1.

Andreas Karlstadt an Martin Bucer, 19. Mai 1530 (KGK 324): »Graciam Dei per Jesum Christum. Quae sub iuglande per nuncium ad te scripsi aut accepisti aut brevi accipies.«

Literatur:

2. Inhaltliche Hinweise

Nach einem etwa dreimonatigen Aufenthalt musste Karlstadt Straßburg wieder verlassen und begab sich nach Basel, von wo aus er am 19. Mai an Bucer schrieb. Darin bezieht er sich auf ein Schreiben, das er wahrscheinlich einige Tage zuvor, während seiner Reise, über einen Boten verschickt hatte und das der Straßburger Reformator in Kürze erhalten werde, sofern es nicht schon angekommen sei. Dieser heute verschollene Brief ist also vor dem 19. Mai und nach dem am 15. Mai verfassten und an Zwingli gerichteten Empfehlungsschreiben Capitos für Karlstadt zu datieren.1

Wann genau Karlstadt in Straßburg eintraf, bleibt unsicher. Höchstwahrscheinlich dürfte es jedoch nach dem 15. Januar 15302 und vor Ende Februar 1530 gewesen sein.3 Nicht klar ist, was Oekolampad meinte, als er Capito am 3. Februar 1530 aufforderte, darüber nachzudenken, was hinsichtlich Karlstadts zu antworten sei.4 Es ist nicht auszuschließen, dass Karlstadt zu diesem Zeitpunkt Straßburg bereits erreicht hatte, wo er sich in den darauf folgenden Monaten für die oberdeutsch-zwinglianisch orientierte Gemeinde in Ostfriesland einsetzte. Oekolampads Erwähnung der hinreichenden Tragödien und der Autorität der neuen Fürsten könnte ein Verweis auf Karlstadts Lebensweg und auf die kirchenpolitische Situation in Ostfriesland nach den durch den neuen Grafen Enno II. zwischen Ende 1529 und Anfang 1530 eingeleiteten Reformen sein.5

Bei seiner Ankunft in Straßburg – bereits nach Mitte Januar oder im Laufe des Februars – überbrachte Karlstadt den oberdeutschen Reformatoren Gesuche und Schriften seiner Glaubensgenossen, vor allem seines Gönners Ulrich von Dornum. Am 9. März 1530 bat Zwingli Landgraf Philipp von Hessen, höchstwahrscheinlich auf Drängen der durch Karlstadt sensibilisierten Straßburger, er möge sich bei Enno II. für ihre Sache einsetzen: Dieser habe unter dem Druck Luthers und Osianders alle Prediger ausgewiesen, die eine figurative Sakramentenlehre teilten; der Eingriff des Landgrafen sei geboten – so Zwingli –, damit das Wort Gottes nicht mit der »Gewalt der Sachsen« (d.h. der Wittenberger), sondern mit der »Gewalt des Geistes« (Röm 15,18) verteidigt werde.6 Philipp von Hessen muss dieser Aufforderung sofort nachgekommen sein, da Enno II. ihm bereits am 25. März eine lange Antwort schickte.7 Laut eines Briefes Ulrichs von Dornum vom 23. Mai 1530 hatten im Frühling 1530 jedoch nicht nur Philipp von Hessen, sondern auch der Straßburger Rat und andere gelehrte Männer an Enno II. geschrieben, die sogar dessen Einstellung etwas mäßigen konnten.8 Die Mobilisierung der Schweizer und oberdeutschen Theologen gegen die Lutheraner in Ostfriesland ist sicherlich – zumindest teilweise – auf die von Karlstadt während seines dreimonatigen Aufenthalts in Straßburg und weitgehend in Übereinstimmung mit Ulrich von Dornum betriebene Propaganda zurückzuführen.9

Über den Aufenthalt Karlstadts in Straßburg ist bisher nur wenig bekannt. Er erreichte die Reichsstadt allein. Spätestens Ende Februar folgte ihm seine Familie.10 Zu dieser Zeit berichtete Gerbel Luther von der freundlichen Aufnahme Karlstadts;11 wer ihm half, ist nicht bekannt, sicher ist nur, dass auch Bucers Frau ihm gegenüber während seines Aufenthaltes Großzügigkeit zeigte.12 Vor allem äußerte Gerbel seine Befürchtung, dass der kürzlich Zugereiste angesichts der Auseinandersetzungen zwischen Straßburg und Wittenberg viele neue Beleidigungen gegen Luther und seine Anhänger verbreiten könnte.13 Parallel zu seinen Bemühungen, seine ostfriesischen Freunde zu unterstützen, dürfte Karlstadt seine Kritik gegen die Wittenberger in jener Zeit verschärft haben. In den darauffolgenden Monaten wurde seine Anwesenheit in der Stadt nicht nur unmittelbar mit den Täufern in Verbindung gebracht,14 sondern von den Straßburgern auch als eine Quelle ständiger Angriffe angesehen.15 Außerdem spitzte sich der Abendmahlsstreit wieder zu, diesmal vor allem in einer Auseinandersetzung mit Melanchthon. Dieser hatte Karlstadt bereits zwischen Januar und Februar 1530 im Widmungsbrief an Friedrich Myconius zu seiner Schrift Sententiae veterum de coena domini heftig angegriffen.16 Karlstadt wiederum plante im April eine Erwiderung auf Melanchthons Angriff,17 die er dann jedoch Oekolampad überließ.18 Die Anwesenheit Karlstadts in der Reichsstadt, in der er auch gepredigt hatte,19 führte schnell zu Spannungen und zur offenen Kritik von Seiten Luthers.20 Die dadurch möglicherweise entstehenden Konflikte mit dem sächsischen Kurfürsten beunruhigten den Straßburger Rat, der am 9. Mai beschloss, Karlstadt solle durch zwei Verordnete aufgefordert werden, nach Basel oder Zürich zu gehen.21 Der Aufenthalt Karlstadts in Straßburg – der allerdings bereits im März nicht selbstverständlich gewesen zu sein scheint22 – endete wenige Tage später. Vor seiner Abreise gaben Bucer und Capito ihm zwei Briefe für Zwingli mit, in denen sie Karlstadt in den höchsten Tönen lobten und den Zürcher Reformator baten, ihn aufzunehmen.

Den ersten, am 14. Mai datierten Brief verfasste Bucer. Da es nicht möglich sei, ihn in Straßburg zu halten, werde Karlstadt nach Zürich geschickt.23 Bucer erinnert Zwingli an die vielen Qualen, die Karlstadt erlitten habe, und versichert, er könne sorglos aufgenommen werden. Bucer verschweigt zugleich nicht, wie unbändig (»feroculus«) Karlstadt bei Ausbruch des ersten Abendmahlsstreits gewesen sei, betont jedoch, dass er nach den vielen Verfolgungen so sehr gezähmt und von der Erkenntnis Christi durchdrungen sei, dass Zwingli ihn bewundern werde. Seine dogmatische Stellung – auch in der Frage der Taufe – erwecke keine Sorge. Bucer weist ferner darauf hin, dass Karlstadt Zwingli persönlich erklären werde, warum er 1524 bei seinem ersten Aufenthalt in der Stadt an der Limmat den Zürcher Reformator nicht getroffen habe, er habe ihn aber nicht missachten und noch weniger der sich damals gerade entwickelnden Partei der Täufer Zuneigung zeigen wollen.24 Stattdessen erinnert Bucer daran, dass Karlstadt die abergläubischen Irrlehren über das Abendmahl zwar nicht bedächtig, aber tapfer und als erster angegriffen und deswegen unendlich gelitten habe und daher von überall vertrieben worden sei. Karlstadt müsse mehr als jeder andere als Freund und mit größtem Verständnis aufgenommen werden.25 Am Ende seines Briefes bittet Bucer Zwingli, Karlstadt bei der Abfassung seiner Widerlegung der lutherischen Lehre zu helfen. Er überlässt Zwingli die Aufgabe, die notwendigen Korrekturen an dieser, wahrscheinlich bereits im April geplanten Schrift Karlstadts gegen Melanchthon26 zu beaufsichtigen sowie dafür zu sorgen, dass er eine Anstellung finde, die es ihm ermögliche, sich und seine Familie zu ernähren. Am nächsten Tag, dem 15. Mai, terminus post quem des in dieser Einheit dokumentierten verlorenen Briefes Karlstadts, verfasste Capito ein ebenfalls an Zwingli gerichtetes Empfehlungsschreiben, das im Wesentlichen Bucers Argumente wiederholt. Die Straßburger Theologen hätten Karlstadt, der wegen des Abendmahlsstreits ins Exil gezwungen worden sei, sorgfältig geprüft und seine Anschauungen letztlich bewilligt. Seine Sinnesart und Natur schienen zwar hart zu sein, sein Wesen jedoch gut und nutzbringend, ohne zu sektiererischem Geist zu neigen. Sein Glaube sei durch das Kreuz, das er ertragen habe, gewachsen. Capito schloss den Brief mit der Bitte, Zwingli möge für Karlstadt eine Stelle finden, da er mittellos sei, überreich bedacht nur mit dem Hass der Lutheraner. Der Straßburger Reformator schloss mit der Bemerkung, eine Verbesserung der eigenartigen Mundart Karlstadts sei noch nicht aussichtslos.27 Mit diesen zwei Empfehlungsschreiben für Zwingli reiste Karlstadt mit seiner Familie in Richtung Basel ab.


2Vgl. KGK 322. Der Basler Reformator selbst, der Zwingli einen Auszug aus dem Brief mitteilte, scheint keine Hinweise auf Karlstadts bevorstehende Ankunft zu haben.
3Vgl. den Brief von Nikolaus Gerbel an Luther von etwa Ende Februar 1530, in dem er über die Ankunft Karlstadts und den freundlichen Empfang desselben in der Stadt berichtet, vgl. WA.B 5, 245–247 Nr. 1533, hier insbesondere 246,34–42: »Die enim Lunae ad nos venit Carolstadius, humaniter et sedulo a nostris exceptus, et quoniam prior ignis, quem superioribus annis incendit, nondum satis arsit, alium forsan est excitaturus. Quamquam vero ab illorum sodalitio prorsus sum exclusus, neque mecum quicquam communicant, id quod satis mihi commodum est, tamen vereor, ne te veteri odio et recenti nostrorum in te indignatione Carolstadius apud hos multis oneret contumeliis. Sed benedictus Deus, qui animum tibi dedit, haec atque alia fortiter perferendi.«. Anfang März übermittelt Melanchthon auch Caspar Aquila laut 4/1, 66,4–8 Nr. 871 die Nachricht von der Ankunft Karlstadts und seiner Familie in Straßburg – was darauf hindeutet, dass diese schon im Februar stattfand. Am 12. März 1530 wird Karlstadt von Zwingli eindeutig in Straßburg nachgewiesen, s.u. KGK 323 (Anmerkung). Auch Barge vermutet, dass Karlstadt im Februar 1530 in Straßburg eintraf, vgl. Barge, Karlstadt 2, 411.
4Oekolampad, Briefe und Akten, 2, 416 Nr. 723: »Vide, quid sit de Carolstodio[!] respondendum! Est, opinor, satis tragoediarum, et tamen autoritas novorum ducum conficienda est.«. Vgl. auch Capito, Correspondence 2, 403 Nr. 402.
5Siehe vorherige KGK 323 (Anmerkung) und zum kirchenpolitischen Kontext KGK 322.
6Vgl. Zwingli, Werke 10, 498,4–499,12 Nr. 992. Zwingli kündigt auch einen Brief Oekolampads an, der heute verschollen ist.
7Das Original der Antwort von Enno II. an Philipp von Hessen findet sich im StA Marburg, Bestand 3 Nr. 2377.
8Der Brief ist ediert in Bucer, Briefwechsel 4, 103–105 Nr. 300, hier vor allem 105,1–4 mit Verweis auf einen heute verschollenen Brief Karlstadts. Der Inhalt des Briefes ist ausführlich erläutert in Barge, Karlstadt 2, 413–415 (der Text ist auch als Anlage Nr. 31 dort abgedruckt). Zum Briefverkehr zwischen Karlstadt und Ulrich von Dornum in jenen Monaten siehe KGK 325. Ob es ausgerechnet die Einschaltung der von Ulrich von Dornun und Karlstadt mobilisierten schweizerischen und oberdeutschen Reformer war, die das Scheitern der lutherisch gesinnten Kirchenreform Ennos II. bewirkte, wie Barge, Karlstadt 2, 415 zu vermuten scheint, bleibt offen. Bereits nach der Verkündigung der neuen Kirchenordnung in Ostfriesland zwischen Dezember 1529 und Januar 1530 hatte die Mehrheit der »zwinglianischen« Prediger, die ihre Stellen verloren hatten, wieder eine neue gefunden. Hoffman selbst kehrte im Mai 1530 nach Emden zurück und wirkte dort monatelang ungestört; siehe Deppermann, Hoffman, 271–277.
9In seinem Brief vom 23. Mai an die Straßburger stellt Ulrich von Dornum ebenfalls fest, dass diese über die Situation in Ostfriesland informiert gewesen sein müssen – durch Karlstadt oder durch Ulrichs Briefe an Karlstadt (der vermutlich seine Kontaktpersonen in der Reichsstadt über die Korrespondenz aus Friesland unterrichtete). Siehe in diesem Zusammenhang Bucer, Briefwechsel 4, 104,8–10 Nr. 300. Hier sei auch an Luthers Brief an Konrad Cordatus vom 10. Februar 1530 erinnert, in dem sich der Wittenberger Reformator über die von Karlstadt mittels Briefen verbreiteten Vorwürfe beschwert. Luther ging damals aber davon aus, Karlstadt sei noch in Ostfriesland: »Carlstadius resuscitatur a Satana in Frisia, et agit nobis pro servata vita dignas gratias, infernalibus literis passim me et nostros crimitaus. Tu ora contra eum, ut reddat ei Dominus statim secundum opera sua. Nulla enim spes est, eum recovari a blasphemiis et furiis in Christum posse.« (WA.B 5, 238,11–15 Nr. 1528). Siehe dazu auch KGK 325.
10Anfang März gibt Melanchthon bereits Nachricht bezüglich Karlstadt in Straßburg mit seiner Familie; siehe die in KGK 323 (Anmerkung) zitierte Stelle.
12Karlstadt richtete nach seiner Ankunft in Basel am 19. Mai 1530 ein warmes Dankeswort an sie; vgl. KGK 324 (Textstelle). Siehe auch die späteren Äußerungen von Simon Grynaeus in einem Brief an Bucer, datiert zwischen Mitte Oktober und 12. November 1530, wo es laut Editoren des Bucers Briefwechsels um eine Zahlung geht, die Grynaeus im Auftrag Oekolampads an Bucers Frau für die Beherbergung Karlstadts und seiner Familie geleistet hatte; Bucer, Briefwechsel 5, 20,2–21,4 Nr. 348.
13Siehe den in KGK 323 (Anmerkung) zitierten Text. Gerbel spezifiziert nicht, an welchem Montag des Monats Karlstadt in der Stadt eintraf.
14In diesem Sinne ist auch Melanchthons Brief an Christian Beyer vom 31. März 1530 zu lesen, in dem er insinuiert, der als Täufer gebrandmarkte Theologe Johannes Campanus sei auf dem Weg nach Straßburg, um sich Karlstadt und seinen anderen Gleichgesinnten anzuschließen. Im selben Brief referiert Melanchthon einen Bericht aus Nürnberg, dass die Straßburger und andere das Widerstandsrecht gegen den Kaiser propagieren würden, vgl. 4/1, 111f. Nr. 886. Eindeutig zu erkennen ist hier Melanchthons Strategie, die nicht nur religiöse, sondern auch politische Argumente formuliert.
15Luther an Melanchthon, 29. April 1530: »Adiuro vos, ut nuntium hunc Ionensem iubeatis rursum a nobis litera donum recipere. Argentinae quid agant, vide. Sed Carlstadius meam prophetiam veram faciet, qua dixi eum non credere Deum esse; sed vadant et faciant.« (WA.B 5, 298,6–9 Nr. 1558 = 4/1, 132,7–133,10 Nr. 893).
16Vgl. Melanchthon, Sententiae veterum de coena domini (1530), Widmungsbrief ediert in MBW.T 4/1, 42–50 Nr. 863 hier v.a. 48,48–49,78.
17Vgl. Oekolampad an Zwingli, 26. April 1530: »Si Carlstadius Philippicis ineptiis probe responderit, labore sublevabimur; sin minus, parata est epistola, quam Marpurgi illi obtuli, quae hunc miselli conatum perdet, pauculis quibusdam additis, nisi tibi secus consultum videatur. Respondebit autem Carlstadius consciis nobis.« (Zwingli, Werke 10, 552,2–6 Nr. 1013). Dieser wie auch der in KGK 323 (Anmerkung) zitierte Brief zeigen, dass Karlstadt noch während seines Aufenthalts in Straßburg direkten Kontakt zu Oekolampad und über ihn zu Zwingli pflegte.
18Zur Schrift Oekolampads gegen Melanchthon siehe die Einleitung zu KGK 324 und KGK 324 (Anmerkung).
20Siehe den Brief Luthers an Landgraf Philipp von Hessen, 20. oder 22. Mai 1530, WA.B 4, 328–332, Nr. 1573, hier v.a. 331,66–69: »Ich will schweigen, wie unfreundlich sie mit uns izt fahren: nehmen den Karlstadt zu sich, gläuben allen den greiflichen Lügen, so der elend Mensch wider uns erdichtet, und muss wohlgetan sein, verteidigen ihn, Gott weiß wie lange.«
21Die bereits in Barge, Karlstadt 2, 416 Anm. 44 erwähnte Quelle aus dem Straßburger Ratsprotokoll ist ediert in Cornelius, Geschichte 2, 276: »Mo. p. Jubilate. [9. Mai 1530]. Item als der Carlstat hie, so in unwillen dem churf. zu Sachsen stat und mhh. viel red darausz entstat, hat auch hie gepredigt; erkl.: zwen hh. verordnen, die in beschicken und fürhalten, was mhh. sinethalb anlang, und daruf an in begern, mhh. und im zu gut sich hinweg zu thun, es sei gen Basel oder Zürich, do er sicher sin mag.«
22Vgl. den Brief Zwinglis an Oekolampad vom 12. März 1530: »De Carolostadio arbitror te nunc et a nobis et ab illo accepisse literas. Mihi magis videtur, ut Argentorati maneat.« (Zwingli, Werke 10, 511,10f.). Wir haben keine Hinweise darauf, ob und welche Briefe Oekolampad von Karlstadt erhielt. Sicher scheint jedoch zu sein, dass in den Monaten, in denen Karlstadt in Straßburg war, der Briefwechsel mit dem Basler Reformator – der als Vermittler zwischen Karlstadt und Zwingli agierte – nie abbrach. Vgl. auch oben KGK 323 (Anmerkung).
23Der Brief ist neu ediert in Bucer, Briefwechsel 4, 97–100 Nr. 298, hier v.a. 98,2–28 und 100,5–14 (= Zwingli, Werke 10, 574f. Nr. 1023, hier v.a. 574,2–575,22 und 577,7–16): »Quandoquidem apud nos nulla sit spes huic fratri nostro prospiciendi, visum est eum ad te mittere, cui obtigit messis amplior. Oramus igitur te, ut illum commendatum habeas tanquam non solum cruce probatissimum, sed etiam vita et moribus sic nobis exploratum, ut non dubitemus in nos recipere, te Christi gloriae egregie inserviturum, si eum ecclesiae ministerio inserveris. Feroculus olim erat, ut ferebat, et Lutheri ferocissimi convictus et incredibilis insolentium ceptorum successus, qui quemlibet modestum insolescere facere potuit. Iam diutina persequutione et gravissimorum casuum tolerantia ita fractus et cicuratus est, tum Christo dignissimis opinionibus imbutus, ut certo sciamus eum admirationi tibi futurum. Nec est, quod dogmatum in eo peregrinitatem verearis; per omnia <om'oyhoc ka>i <om'odoxoc est, etiam circa baptisma. Quod te insalutato Tiguro discesserit, cum ante aliquot annos ilic fuisset, eam causam dicet, ex qua satis intelliges, nequaquam id factum tui fastidio, multo minus factionis, quae tum suppullulabat, studio. Iam non dubitamus haud leve apud te momentum habiturum, quod cum primis renati evangelii adsertoribus operam admodum strenuam navavit, tum praecipue, quod primus et si non tam consulto quam fortiter, basim omnis superstitionis, errorem illum circa eucharistiam, expugnare adortus est; eaque causa hactenus ea pertulit et, quod unice urere solet, a fratribus, quae nemo verbis satis explicaverit. Certe, si quisquam Christi nomine amice nobis et benigne excipiendus est, hic excipiendus est tum amantissime tum prolixissime, hac maxime aetate, tam constanti et syncera pietate, tot crucibus exercitus et propter Christum ubique gentium fere exul, odio denique flagrans maiore quam quisquam alius, etiam apud eos, qui Christo in primis ordinibus merere sibi videntur. Sed haec satis superque tibi, qui etiam Christiani exercitus calones, nedum talem triarium, benevolentia inusitata accipere et fovere soleas. […] Unum praeterea te magnopere oro, innocenti huic fratri nostro adisis, quo scripto publico depellat calumniam Lutheranorum, qui illum passim periurii infamant, quasi iurasset principi, inscio et invito ipso ditionem eius non eggressurum, quod purum, putum mendacium est. De reliquo scripto vos curabitis. Si uxor eius cum liberis non tam mature advenisset, moderati ipsi illud fuissemus, ne quis iure eo potuisset offendi, sicque moderatum vestrae quoque censurae idem obtulissemus. Nunc cum visum sit maturis ad vos concedere, si forsam citius ipsi dominus prospecturus sit, quo contingat, unde uxorem et liberos alat, oramus, et hanc in re adsitis.«
24Gemeint ist Konrad Grebels Kreis, mit dem Karlstadt während seines ersten Aufenthalts in Zürich in Herbst 1524 Kontakte hatte, siehe KGK VII, Nr. 281, S. 666; zu den ersten Kontakten Karlstadts mit Grebel (und seinem Kreis) siehe KGK VII, Nr. 268.
25Siehe auch die Argumentation des Simon Grynaeus in seinem Brief an Zwingli von etwa Mitte Juni 1530 in KGK 326.
27Der Brief ist ediert in Zwingli, Werke 10, 580–582 Nr. 1025, hier v.a. 580, 2–6 und 582,12–17: »Carolstadium exulem autoritate Lutheri propter assertam etiam nunc veritatem eucharistie, apud nos per hos dies conversatum, non potuimus non vehementer probare. Ingenio et natura duriore apparet, sed animo putamus equo et ad edificationem, non ad sectas spectanti. Tantum potest crucis usus, quo plurimum illi fides adolevit. […] Ad finem, rogo, amplectaris Carolstadium, dispicias, ubi vitam degat, donec in ministrum verbi inaugurari possit. Inops rerum est, odio Lutherano plus satis abundans et gravatus maiorem in modum Wittenbergensium autoritate. Quod ad linguam attinet, non est omnino desperatum. In sententiis erit concors. Erudivit eum durus magister, adversa toties experientia.« Vgl. auch Capito, Correspondence 2, 421 Nr. 410.

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