Nr. 335
Andreas Karlstadt an Oswald Myconius
Zürich, 1532, 1. Juni

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1. Überlieferung

[a:] ZB Zürich, F 80, fol. 353r–v

Es handelt sich um einen Autographen mit kurzen Notizen von unbekannter Hand am Rand, die den Inhalt des Briefes in Stichworten zusammenfassen.

[b:] ZB Zürich, S 32, 14

Eine Nachschrift aus der Sammlung Johann Jakob Simlers.

Editionen:

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

Die Korrespondenz zwischen Karlstadt und Myconius, deren erste Spuren sich für April 1532 belegen lassen (KGK 332 und KGK 333), muss in den folgenden Monaten fortgesetzt worden sein. Davon zeugt auch der hier edierte Brief vom 1. Juni 1532,1 in dem Karlstadt auf Myconius' Anfrage nach einer »melitotus« genannten Pflanze2 antwortet, wobei unklar ist, ob durch einen heute verschollenen Brief oder durch die Vermittlung anderer. Die gesundheitlichen Probleme, die Myconius plagten und die er bereits im April mit Bockshornklee zu lindern hoffte, müssen weiter bestanden haben; Karlstadt nennt in diesem Brief Beschwerden an der Wade des Korrespondenten.3 Die von einem nicht näher identifizierten Italiener im Dienste des Stadtarztes Christoph Klauser zur Heilung von Myconius verwendete Pflanze könne, so Karlstadt, nicht der Beschreibung entsprechen, die Plinius von »melitotus« gibt.4 Unter den Apothekern scheine es außerdem unterschiedliche Meinungen darüber zu geben, welche Pflanze damit gemeint sei.5 Deshalb überlasse Karlstadt Myconius die Entscheidung und schicke ihm sowohl die vom Italiener vorgeschlagene Pflanze als auch eine andere Art von Pflanze, die manche für »melitotus« hielten. Und er schicke die Pflanzen samt ihrer Wurzeln, um den Wünschen von Myconius hoffentlich besser nachzukommen.6

In den letzten Zeilen seines Briefes bezieht sich Karlstadt auf seine heute verschollene Schrift gegen Luther (KGK 334) und das positive Urteil der Zürcher Theologen über sie, aber auch auf die Versuche der Straßburger, Schriften gegen Wittenberg zu verhindern. Auch die Aufforderung von Grynaeus ist erwähnt, die Veröffentlichung von Karlstadts heute verschollener Schrift gegen Luther zu überdenken.7 Karlstadt schließt seinen Brief mit Grüßen an Grynaeus und an Pierre Toussain.8


1Ausführliches Regest dieses Briefes in Myconius, Briefwechsel, 204f. Nr. 142.
2D.h. Steinklee, vgl. KGK 335 (Textstelle).
3Vgl. KGK 335 (Textstelle). Siehe auch die Einleitung zu KGK 333.
7Zu dieser verschollenen Schrift und deren Kontextualisierung siehe nochmals KGK 334.

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