fehlt
dem verordnetten ausschus/ von wegen der ganzen
Gemain zu Rotenburg uf der thauber/ meinen
gunstigen Brudern/ und gepietherrn/1
Erbarn und vesten/ fursichtigen und weysen lieb
herrn und Bruder inn Christo/ Ich
wunsch
euch von gott dem vatter/ aller Barmherzig-
khait/
gnad〈/〉 frid/ und erkantnus seiner uber-
schwengklichen lieb/ welche er durch denn tod/
seines Sones reylich2 bezeuget/ und dieselbe lieb
durch
den hailligen gaist/ in alle welth volkumb-
lich/ ausgossen und
unser hofnung/ der urstend3
bevestiget/ und versichert hat/ amen/ Gunstigen
lieben herrn/ und gepietter/ mich
langt an4/ wie
und welcher maß
ich alhie/ in diser loblichen
Kay'serlichen' Reychstatt5/ uf ainen ungleichen6 bericht zu-
ruckh7/ und alß ich
gedenckhen muß/ von meinen
mißgönnern/ in einem erbern8 rathe/ alhie ge-
tragen〈/〉 versagt/ und verunglimpft worden sey/9
auf meinhung/ alß sollt ich
wider den artickel
das flaisch unnd plut des herrn Jhesu Christi/
belangend/
mich understanden/ dasselbig zu-
bemassigen10/ und in meiner lere bemelts ar-
tickels/ fur irrickh〈/〉 verfuerisch/ und ketzerisch
gemerkt11/ erfunden12/ geschryben/ und geacht
werden13/ darauß volgt das ain erber
rathe/
mich unverhort/ mich unuberwunden/ auch
uber das inen solchs von der
romischen kay'serlichen'
m'ayeste't
fehlt unnd den stenden des Hailligen/ Reichs/ etc./ wie
sich
nach gottes und der welt ordnung/ gepurt14/
nit befolhen/ sonder allain/ auß unmenschlicher
machte/ milte/ fur
sich selbst/ offentlichen an-
schlagen/ ausrueffen/ und auspreithen
lassen/15
dergestallt/ das
mich in diser statta und in iren
gepieten
niemands haußen/ hofen/ essen/ trinckhen/ fur-
schieben16/ und noch
enthalten17 soll etc.18/ Das doch
alles wider
Christliche ordnung/ und nach ver-
mug des haillgen Evangeliumbs
nit sein soll/
dieweil doch solche uberflussigkhait19/ gegen mir
armen geupt20/ gegen Turckhen〈/〉 Tattern21/ oder
Haiden uberflussig und
zuvil/ gehandelt were22
angesehen das mein lere/ und vorhaben anderst
nit gestalt/ dan allain Cristlich/
und dem hailigen
Evangelio gotlicher leere/ gemeß ist/ welches
ich mit der
hilff gottes in allen enden〈/〉 orttenn/
und stetten/ wie sich
nach ordnung und ver-
moge/ der hailligen geschrifte/ darzuthun/
zube-
weysen/ und zuerhalten/ hiemit offentlich erbeut23/
und erbotten haben willb/ derhalben ich und nit un-
billich dermassen ganz unverschult und un-
verdient/ mich solchs anschlahens24/ verdammens
dem ellend zubevelhen/ gar nit versehenn
unnd zum
hochsten beschwerdt bedunckt/
das doch wider alle christliche/ ordnung
und die
liebe des negsten/ ist/ Aber wie dem
allem25/ damit ein erbar rathe/ und menig-
fehltklich/ nit anderst spuren/ mercken oder erkhen-
nen sollen/ dan das ich nit anderst/ wie ich mit
Gott bezeugen
mag/ leeren/ schreiben/ oder predigen
will/ dan allain das ich mit grundt der
war-
hait dem hailligen Evangelion gemeß be-
weysen und außfueren kan vorhab/ etc. Es
soll auch bey mir ainicher
rachsall26/ Neid
oder
Haßs/ nit gemerckht oder gespurt werden/
Sonder ain rath umb das
jhenigkh/ so alßdan/
uberflussig gegen Mir/ in iren edicten ge-
handelt27/ inen/
sover28 sie das von mir
anne-
men wollen/ umb das leiden Christi willen/
etlich
verzihen und vergessen sein/ Bitt dem-
nach euer gunst
freuntschaft/ und erbar-
khayt/ als meine lieb herrn und
pruder/
umb gots willen/ ir wollend mich hierinen
gunstigklich bedenckhenn und
bey einem
Erbarn rathe meinenthalben/ mit hohem
vleyß handeln/ damit sie iren
ungunst/
gegen mir armen abstellen/ und mich zu
gepurlicher verhor/ und
außfuerung/
meiner sach/ und zu entschuldigung komen
lassen/ Dargegen bin ich
urputig29/ einem
jeden umb
mein leere/ den vor angezaigten
artickel das plut unnd leib Christi be-
treffendt30/
oder ain anders/ das mir noth
zuverantworten wer/ oder ufgelegt31 werden will/
fehlt nach vermug unnd geburnus/ als ain frummer
Christ/ dem
Evangelion gemeß zuverantworten〈/〉
zuvertreten/ und darumb
stilstand zuthun32/ und so
ichc derhalb uberwunden/ will ich
christliche
weyßung gedultig unnd willig annembenn/
und so ich strafwirdig
erfunden/ dasselb ich
nach Evangelischer ordnung zu geduldenn
zum uberfluß
auch erbotten haben/ Wo ich aber
dasd ich zu gott hoff/ und nit zweiffel/ platz be-
halten
wurd33/ beger ich auß
christicher milte
gegen meinen widerthailen34/ wo sich die erfunden
werden/ khein gegenstraff/ noch
ainicher rach-
sall35/ sonder mich als uberwunder gedullt〈/〉
sanftmuttigkhait/ nach der leere Christi/ des
alles genuegen und settigen lassen/
Solchs alles
will ich umb euer gunst/ unnd freuntschaft
als mein lieb herrn
und brueder gegenn
gott unnd euer selligkhait zupitten/ nimmer
vergessen und
darzu mit hochstem vleyß ver-
diennen/ Bitt demnach wie vor/ euer
freunt-
liche/ gunstige〈/〉 bruderliche/
christliche gegen-
wurtige antwurt/ mich verner haben zu-
hallten36/
Datum Rotenburg/ an der
Thauber/ freitag Nach Judica/ anno
etc./ xxv37/
Beilage: Supplikation von Rothenburger Bürgern gegen die Messreformen und gegen Karlstadt, [Rothenburg ob der Tauber, 1525, 18. Mai]
fehlt
Etlicher burger suplication contra den Carlstatte
Erber
38 vest fursichtigf und weys
gunstig lieb herren Burgermaister
Inner und
eusser Rathe sampt
dem Erbern ausschuß ainer ganzen
gemaind. Wirg hieneben
beschribenh39 pringen
unser anligend und beschwernuß
fur. und nemlich
diei euerj
erber-
kaitk
und menigklichen40 ist
unverporgen/ das vil hundert Jar
und als wirl mit der
warhait sagen mochten von an-
fanng der christenhait ye und
allwegen in der christenlichen
Kirchen
mit andacht loblich ge-
halten und gepraucht worden
Ist〈/〉 das alle christglaubige
menschen mnach satzung und gebott unsers herren
Jhesu christi seinen zarten fronlychnam m
und sein Rosen-
farb blut
nunder der gestalt
n
dess brots und
desso weins
p(wiewol die layen lang
allain under ainerlay gestallt)p empfangen unnd genossen haben
und zum wenigsten Im Jar ain
mal
etlich so offt sie ir andacht
darzu bewegt hat/ und sonderlich
fehlt die pfarrer und andreq priester
In den ambten der meß teglich/
wie dann noch
allenthalben In
grossen und clainen stetten〈/〉 dorffern
und
andern flecken In der christen-
hait deutscher und anderer
nationen unabgengklich sonder
wol mit etwas pesserung be-
schicht/ biß an allain hie in diser
loblichen Statt Rotemburg/r
Ist sollichs
gar abganngen unnd In ain oden41
unchristlichen mißbrauch
komen42
auß
dem dass
doctor Andreas
Bodenstain von Karlstat, der sich nun etliche
zeyt her/ haimlich
und offentlich hie enthallten43,
uund ander sein anhengeru44 wider das sacramentvwund die
messw
xdess leybs und bluts
christix
geschriben45 und offentlich
gebredigty
fehlt und dardurch sollichen Christenlichen
geprauchz samptaa
der mess abund andern gotsdienstenab ernidergelegt
und verwustac46
hat. das uns in unserm
gewissenad
nit wenig unruw
und be-
schwernuß gepiert47 dann wir
der scharpffsynnigen maynungae
doctor carelstats die er
auß der
grammatica will ver-
grunden48afin uns als irrig und verwickeltaf nit versteen mögen.
dann der merertail undag
fast alle
gemaine〈/〉 ainfelltige
menschen der Gramatica nit
kunden
oder wissen/ah
sollenai wir dann doctor
Carlstaten darumb glauben
und von den
worten Christi die Im
textaj
clar und lauter darwider steenak
fallen/ das will sich
nit gezymmen.al
fehlt sonder wir sind verpflicht und
verpunden den worten
dess
herrn zuglauben das in crafft
seiner wort und lere So
durch den
priester über das
brot und den wein gesprochen
werden warhafftig da
sey
amder
leyb am und
dasan blut christi
und ist
doch auch nichtz dester
weninger Im himel dannao
wiewol er gein himel
gefarn ist und sitzt zu der
gerechten dess vatersap davon er
zukunfftig ist zurichten
etc.49/ So ist doch unwidersprechlich
war das er auch gesagt und
gelert hat das er
aqaruns nitar verlassen, sonderaq bey unns
sein woll
biß an das ennd
der wellt50/
Item wa zwen
ader drey In seinem namen
fehlt versamelt sey er mitten under
Inen51/ Item wer da hort
und behellt
seine wort und
gebottas
der bleyb in ime und er in demselben52at
und er und sein
vater
komen zu ime und machen
wonung bey ime53/au
avso
ist er auch dasavawewigax väterlichaw wort
durch das alles dingay
erschaffen sind und an ine ist
nichtz gemacht darumbaz hat kain
ding es sey sichtpar oder
unsichtpar das wesen an inba
auß den und
andernbb worten
dess herrn wurt
clar beschlossenbc
das erbd
in
allen dingen und anbe allen
endenbf
und sonderlich in
allen
fromenbg
christglaubigen
menschen istbh die als die zweyd
an ime als der reben (on die
fehlt sie nit gute frucht pringen mögen)
steen54 und also auch in
dembi
sacramentbj und ist
doch auch nichtz destominder im
himel dann die wort dess
herren bleyben und vergeen
nit aberbk himel und
erden vergeen.55 Wie aber
das zugee das christus
der
son gotes unser sailigmacher
imbl himel undbm uff
der erden in den christglaubigen
menschen/ auchbn inbo
der gestalt dess brot und weins
bpdess sacraments sey bpbqund genossen werdbq/ das ist der haimlichait
und grossem
gewallt gots
dem dise und alle dingbr
muglich sind/ befolhen. steet
in unserbs kunst56
und macht nit dieselben
zuerforschen oderbt zuergrundenbu
wurdt
auch durch paulum und an mer
fehlt enden in der hailigen geschrifft
verpoten/ Aber nach
laut
und vermoge dess texts der
wort bvdess herren bv halten und glauben
wir, das underbw der gestalt dess
brots und weins
bxals leyplichen
zaichenbx sey der
leyb
und das blut christi In
gaistlicher und haimlicher
verborgenhait/
und
ist freylich kainer der da main
das esby
sichtlich in groberbz
leyplicher materi wie das
flaisch im flaischhaus
da-
lige.ca
So haben wir von den allten
predigern gehort das es ain
gaistliche
nyessung und empfahung
dess leybs und pluts christicb
ccauch ain gaistliche einleybung
und verainigungaller
christen-
lichen menschen in den ainigen
leyb
christicc sey/ ist
nichtz
neues57 und
unserscd
bedunkensce
fehlt streyten Carlstat und der luter
cfin dem fallcf ob achtundzwainzige on
zway
dreyssige sey58, das
behielten
sie pillich in der schul unnd
verfurten nit die schaff dess
herrencg durch solichch
lere/ Dieweyl aber
der
herr sein flaisch und blut zu
essen und drinken geboten hat
und das
on das der mensch nit
mag haben das ewig leben
und dann am nachtmal sein
jungern die form und gestalt
wie das zunyessen sey zu
ainer letze59 gelassenci
und eingesetzt hat als ain
new
testamentcj60
sind wir schuldig und
verpunden
demselben nachzukomen, das
mit rainem glauben hoffnung
und
liebe in seiner gedechtnuß
zuempfahen under gemellten
gestalten prots und
weins,
wie ers selbs gepraucht
hat, davon uns kain frembde
glos61 furn soll. Dann solt
fehlt allain der glaub das Christus fur
uns mensch worden am
kreutz
den tod geliten und sein plut
vergossen hatck umb unser
sund willen/cl und die
gedechtnuß oder betrachtung
desselben genug und durch
die eusserlichen zaichen zu
empfahen nit von noten
sein62
so wurd christus
sollichs also
nit verordnet auch die wider-
gepurtcm durch das eusserlich
zaichen
dess wasserscn
im tauff nit
gesetzt haben
sonder wer auch gnug gewest
das ainer schlechts
glaubt
cohetcp als dann in etlichen
fallen sein magco
Dieweylcq er aber das
alsocr zuhallten geordnetcs〈/〉
gesetzt
und gewollt hat,
sind wir schuldig solichs
dermassenct mit ain-
felltigem warem
glauben
cuund
andacht zu volstrecken cu wie dann von
anfang der christenhait cvteglich undcv
biß-
hercwcxetlicher
maßcx durch die
christglaubigency
gehallten
worden und noch
fehlt in aller christenhait und sonderlich
den nechsten umb
uns gehalten
wurd in denencz
vil hochgele〈rter〉da
treffenlicher christenlicher lererdb
der hailigen schriftdc
dddesein, die de
unddd gemainlich
all andere christen-
menschen/ doctor Carlstats
maynung hierinnen nit
gehellen63 oder anhengig
sonder
als irrig darwider sein allai〈n〉
hiedf64 wurdt erdg
unsdh
diunserm gewissen zu beschwernuss
unddi unserer
seelenhail zu
nachtail und verletzung ent-
halltendjdkund sein predig gestattdk.65 Was glucksdl66
und guts daraus
folgttdm
befelhen
wirdn
doeuch als den verstendigendo zuermessen,
darumb ist an euer erberkait
unser diemutig anruffen und bit
euer erberkait
wollen ge-
nannten
doctor Karlstat und andere
prediger
so hierinnen seiner
maynung sein67dp alhie nicht
merdq gestaten zu predigen
noch zu wonen/ sonder unns
fehlt mit andern warhafftigen christenlichen
predigern die uns
das hailig
ewangelium und gotes wort
lauter und clar ane68 ainiche
scharpffsynnige
glosirungdr69
oder zusatz den menschen
predigen und lern versehends
darbey
auch verordnen, das in der
pfarrkirchendt lateinisch
und deutsch meß auch andere
gotsdienst die christenlichen
menschen zu guter andacht
und betrachtung
gotlicher
ding furn und geschickt machn
gehallten werd wie dann
in andern
stetten und com-
munen dess Reichsdu
und sonst allenthalben neben
uns
beschicht.70 Das begern
wir als die
gehorsamen
zusampt der belonung so
ir von got darumbdv
erfolgen werdt umb euer
erberkait zu
verdienen.
dwn.n.n. etc. Ir worn ob oder bey ii Hundertdw
KGK 292
Einleitung
