Nr. 292
Verschollen: Andreas Karlstadt an [Philipp Melanchthon?]
[Rothenburg ob der Tauber] , [1525, vor 4. April]

Einleitung
Bearbeitet von Stefanie Fraedrich-Nowag

1.

Philipp Melanchthon an Joachim Camerarius, Wittenberg, 4. April 1525: »Haec scripseram, cum venit Stiberus et vestras literas kai tou A'ndreas' B'odenstein' reddit. Has ego prius perlegi quam pergerem. Porro visum est absolvere hanc epistolam. Iusso autem, ut mox et Stiberus scriberet. Erat enim mane abiturus nuncius.«1

Literatur:

2. Inhaltliche Hinweise

Bei dem von Melanchthon im oben zitierten Schreiben kann es sich, anders als von der älteren Forschung aufgrund eines Datierungsfehlers vermutet, nicht um die Reaktion Karlstadts auf die abschlägige Antwort Luthers auf sein Schreiben vom 18. Februar 1525 handeln, in dem er diesen um die Erlangung freien Geleits nach Kursachsen beim Kurfürsten ersucht hatte (KGK 287). Friedrich III. hatte die Erteilung eines solchen Gesuchs am 20. März abgelehnt, wovon Luther Karlstadt wohl noch am 23. März mit einem Schreiben unterrichtete (KGK 291). Dieses Schreiben kann Karlstadt unter Berücksichtigung der Entfernung zwischen Wittenberg und Rothenburg frühestens Anfang April erreicht haben, seine Antwort wäre also kaum vor Mitte April in Wittenberg eingetroffen.2 Der von Melanchthon erwähnte Brief Karlstadts dürfte daher um den 20. März entstanden sein, Karlstadt kann Luthers Schreiben bei der Abfassung also noch nicht gekannt haben. Aufgrund von Melanchthons Hinweisen lassen sich auch nur schwer Rückschlüsse auf den Inhalt oder den Adressaten des Briefes ziehen. Möglich wäre, dass sich Karlstadt aufgrund seiner nach wie vor schwierigen Lage – er war weiterhin gezwungen, sich versteckt zu halten – an Melanchthon wandte, um einen weiteren Verbündeten aus dem Umkreis Luthers für sein Anliegen zu gewinnen. Er könnte sich aber auch nochmals an Luther gewandt haben, um seine Bitte zu bekräftigen. Über einen weiteren Verlauf dieser Korrespondenz ist nichts bekannt; es ist aber durchaus möglich, dass sie mit Blick auf die abschlägige Antwort des Kurfürsten eingestellt bzw. nicht fortgesetzt wurde.3


1 2, 278,44–47 Nr. 387.
2Das in Rothenburg verfasste Schreiben Karlstadts vom 18. Februar 1525 traf am 2. März in Wittenberg ein; vgl. KGK 287 (Anmerkung). Der Transportweg betrug also etwa 10–12 Tage.
3Hierzu siehe auch die Einleitung zu KGK 291.

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