A1r
Ob man gemach
faren/1 und des ergernüssen
der schwachen
verschonen2
soll/ in sachen
so
gottis wil-
-
len
an-
-
gehn.
Andres Carolstadt.
M.D. XXIIII
A2r Meynem in sunderheyt3
geliebtem brůder in Christo Bartel
Bachen4 Statschreiber im Joachims-tal/ wünsch ich Andres Ca-
rolstater die kunst5 gottes durch Je-
sum Christum unsern hern
Lieber bruder auff meyne an-
zeygung etlicher aͤnderung/ alhie ge-
scheen6 schreybet ir mir/7 ir woͤlt bey euch
gemach hernach
ziechen/8 unnd gebet
mir
durch solliche schrifft heimlich zů-
erkennen/9 das man von wegen der schwa-
chen/ ergernus zů meyden/10 nit schnel/ oder plotzlich/ son-
dern
gemach faren soll/ und thůt nichts anders/ denn
das die gantze welt itzt thůt/
welche schreyhet. Schwa-
chen schwachen/ krancken krancken/ nit
zů schnell/ ge-
mach gemach/11 darumb ich euch nicht verargen thůn.12
Aber wie wol ir disses falhs mit dem grossen
hauffen
sprechet/ gemach/ krancken/ doch hofflicher/ und sittig-
licher.13 Dannest14 můß ich euch sagen/ das ir weder in
di-
sem fal/ nach in andren sachen/ got belangend/ soltet
an-
sehen/ wie die grosse mennung15 redet/ oder richtet/ son-
dern
gerichts16 auff gottes wort
sehen/ den es ist ye17 am
tag/ das die fürsten der schrifftgelerten/ und der gantz
hauff vor zeyten geirret
haben/ und irren kunden/18
der
wegen auch ordenet got was die fürsten/ was auch der
Levi. 4gantz hauff/ oder Concilium/ opffren solten für ire un-
wissenheit oder irtumb.19 Da durch je20 got klaͤrlich anzei-
get/ das alle gelerten/ Fürsten/
unnd der gantz hauff/
fehlt irren und strauchen mügen/21 darumb auch hat gott al-
lein in gemein und sonderlich lassen sagen/ das ein igli-
Exo. 23cher der gerechtigkeit für sich
selberts sol nach eylen/
unnd das keiner der meng volgen můß/ von dem rech-
ten/ zů weichen.22 Gott nennets auch ein hůrerey und
hürische augen/ die auff andere
ding/ dann auff sein
richtschnůr/ das ist gottes wort/ sehen.23 Got hat uns
verbotten unsern
eigen gedancken noch zů volgen.24 Alle
Lu. 15
Esa.
Mat. 16
Deu.12unsere gůte meinung ist abgehauwen/25 und mit einan-
der abgeschnitten/ zů thůn
oder reden alß26 andere
leüt
thůn oder reden/27
oder alß uns gůt duncket.28 Es
můß
aller weisen weißheit zů grund verderben/ wo goͤtliche
uffstehen
sol.29 Nicht allein eur eigen
weißheita/ lieber
brůder/
můß ouch30 zů nicht/ unnd ein
torheyt werden/
sonder aller andern menschen weyßheit.31 Also/ das ir
euch wider gelaͤrten nach
ungelaͤrten laset bewegen/32
unnd das ir one mittel auff die blossen warheit dreffet/33
wel-
che euch frey machet/34 und in ewikeit nit lasset zů schanden
werden.35 Secht hie/ wie ir euch ein rohr
seit36 das ir mei-
den solt/ also sollen euch alle gelerten ein weich37 rhor
werden. Die blosse
warheit aber/ alein/ sol eur grund/
und felß sein/38 wenn ir die selbe habtb/ bleibet ir unbekom-
mert/
one wanckel/39 ob sich gleich
alle gelerten verwan-
delten/ unnd die apostel abfielen/ wens
möglich were
Gal. 1nach dem Paulus spricht. Wenn ich/ oder ein engel
anders leret/ der
sol ein verbanter sein.40 Wer
die war-
heit gründtlich versteht/ und fasset/ der bleyb drin/
ob-
glich
Paulus darwider prediget. Der halben soll
ein
ieglicher hitzig41
sein/ zůerfaren die warhafftige grün-
de gottes/ der vor den
winden und bulgen42 des
wassers
Nu. 15besteen wil.43 Das ist die ursach/ das got durch Mo-
sen allen Juden ließ gebieten/ das sie an
iren kley-
dern flügeln/ leplin/44 unnd gelb schnürlin solten haben
hangen/ uff
das sie so offt erinnert wurden/ uff gottes
fehlt gebot zů
dencken/ so offt sie sollicher leplin gewar wur-
den/ die sie
teglich ansehen müsten.45 Darauß
aber
volget/ das wir an die schrifft angehenckt seyn/ das sich
Nu. 15
Hie. 23.keiner nach seines hertzen gůtduncken
richten doͤrfft/
das auch die jene hürerey treiben/ die nach andern din-
gen sahen/ denn46 nach gottes wort/47Und warlich/ es ist
ein rechte hürerey und
ein geistlicher eebruch/ wie klein
oder gering/ soliches umbsehen und
nachkützen/48 dem
fleysch und vernunfft scheinet. Seitenmal49 gott ein
eeman des geschaffen geistes/50 als bald in ein verach-
tung oder unachtung und vergessung kumpt/ als bald
die sele
nach anderen dingen sicht/ in goͤtlichen sachen
denn nach seinem wort. Wens
je51 sein můß/ das
niemand
zweien herren dienen kan das ein knecht zweier herren/
einen so
vil verlassen můß/ alß er dem andern anhangt.52
Nun ist der geistlich
eebruch53 je ein
teüfelisch groß la-
ster. In welches laster alle menschen
fallen/ so54 die für-
sten der hochgelerten/ oder ein grosse menig/55 alß ein
Concilium/ mehr
ansehen/ dann gottes wort. Oder
die ouch nach etwas anders/ dan nach gottes
waren
reden/ sehen.
Der wegen lieber brůder seit ir nicht minder dann
der minste/56 verpflicht gerichts/ gestraks/57 ernstlich und
emsiglich nach
gottes urteilen zů sehen/ welche in sich
selberts gerecht und warhafftig seind/ und
nicht auff
die starcken oder schwachen zů mercken/ Der groß hauff
kan
irren58 und machen das man
irret/ Die gesalbten59
schreyben60 auch zeiten61 uber ire salbung/ den sie sein
eus-
serlich geschmirdt/62 und fallen auch in irthůmb/ der gott
mißhagt.63 Weyls nun also ist/ so habt ir/ das
ir in erfa-
rung goͤtlicher gerechtigkeit und warheit kummen/
und
gerichts64 uff gottes
reden achtung geben můst/ unnd
euch alle schrifft weisen nichts sein sollen/65 und das kei-
ner
auff den andern můß warten/ biß er hernach
leuffet.
fehltIm thun sol
man auch nit
uff andere sehen.
Nů wie ich itzt/ durch schrifftlich gezeügnus beweiset
hab/ das sich keiner nach
den andern sol umbsehen oder war-
Ioan.
5.ten biß die anderen hernach volgen/66 in erkantnus der
warheit. Also auch ist es mit dem thůn/ das
wir alle
gebot gottes/ nach unserm vermoͤgen thůn/ und nicht
warten sollen/
biß die unverstendige oder schwachen
nach lauffen. Denn gott hat uns je67 allen das gebotten/
das wir
seinen bund leren68 sollen/ und
darnach thůn.69
Deu. 45.70Es steht je geschrieben/ lernet71 sie/ und behaltet sie/ das
ir darnach thůt. Das thůn ist uns allen
befolhen/ und
ein iglicher sol das thůn/ das gott gebüt/72 ob gleich die
gantz welt an sich hielt unnd
nicht nach folgen woͤlt.
Sihe ich frag dich/ ob ein son nicht ehe73 seine eltern
eren sol/74 biß die schwachen hernach kommen/ unnd
auch verstehn unnd wollen ire
eltern eeren? Du wür-
dest je75 müssen antworten/ warlich die verstendigen sol-
len die eltern irer eere nit berauben/ nach beiten/76 biß
alle unmündige nachfolgen mit verstand unnd
wil-
len. Ich frag/ ob einer nicht ehe auffhoͤren solt
ander
leüthen gůt zů begeren/ denn biß die andere nachfol-
gen? Mag77 man so lang
stelen biß die diebische auffhoͤ-
ren zů stelen? Unnd also frag ich
für unnd für/ von al-
len gebotten obs zimlich78 sey/ das wir warten/ biß die
andere gelernet79 seind unnd
willen haben mitt zůfoll-
gen/ unnd zů thůn was got wil. Nun wie
ich das von
den gebotten gefragt/ welche des nechsten lieb betref-
fen/ also frag ich/ von den wercken/ unnd thaten/ die
on mittel gottis eere
angehnn. Nemlich ich frag/
ob ich goͤtzen/ die mir gott gebeüt weg zů nemen/80 solt
lassen stehen/ biß alle
schwachen in der abthüung nach-
folgen? Item/ ob ich gott so lang
lestern moͤge/81
fehlt biß die anderen auch ablassen zů lestern? Wiltu82 ja sagen/
so kunden die feind
Christi unnd gottes/ mit gleichen
rechten auch sagen/ das moͤrder morden/ diebe
stelen/
Eebrecher eebrechen moͤgen/ und der gleichen bůben83
allerley laster üben moͤgen so lang/ biß alle
bůben frům84
werden/ denn es
ist eine ursach und ein grund in allen
gebotten. Das die bůben sündigen
moͤgen/85 wil ich je86 nit sa-
Leviti. 5.gen/ seitemal87 ich weiß/ das auch die jene sündigen/ die
auß
unwissenheit fallen oder gottes gebot verbrechen/
Psal
49.unnd müssen ir straff drumb leiden.88 Wie vil mehr die
jene/ so iren teil zů den Eebrechern/
dieben/ moͤrdern/
unnd gotteslestern setzen?89 Die je90
sollen zů gleich den
Lu. 12.gestrafft werden/ die
solliche ding für sich thůnd. Der
herr spricht/ der knecht/ der seines herren
willen weist/91
unnd thůt dar
wider/ der sol mit vil streichen geschla-
gen werden.92 Gott wirt den schlahen93 der uß unwissen-
heit sündiget. Aber wie vil ernster und gestrenger94 der
einem bůben95 zů gefallen wider seine gebott sündiget.
Paulus spricht. Ir solt kein gemeinschafft mit
den
goͤtzen dienern/ eebrechern/ und der geleichen/ haben/96
und du meinst97 man můß gemach thůn/ und gemelich
das boͤß
verlassen. Ich weiß aber das S. Peter
seinen
schlüssel/ den er zům hymel sol haben/98 auch gemelich
umtriben99 werd/ unnd inen100 im schloß verwirren oder ver-
drehen. Unnd wirt inen
je101 so langsam
auffschliessen/
alß102 sie
herzů gekommen.
Was soll ich sagen? Sollen wir langsam gottes ge-
bott leren?
Sollen wir auff den hauffen103
warten? Sol
einer den andern ansehen unnd warten welicher der
erst sein wil?
Ey wie wol wurd es den grossen fürsten
gefallen wenn sich die leüt/ zů zehenden/
zinssen/104 unnd
fron
diensten/ schickten/105 alß sie
sich zů goͤttlichenn
dinsten schicken. Sie werffenn die ungehorsame in
die
thürnn/106 unnd stocken/ unnd
plochten sie107 biß ir
fehlt unthersaͤssen108 gehorsam werden/ unnd sprechen durch
ir wüterey das urteil wider sich
selbst/ das inen got
würd erzeigen das sie andern ungehorsams halben
erzeigen/
welcher herr kan leiden/ wen er seinem gesind
etwas befilht auß zů richten das sie
alle still halten/ und
keiner der erst sein oder anfachen wil.109
Got wirt sie alle sampt straffen so er fordert die
auß bliben/ ob sie gleich
guldene entschüldigung fur-
wenden/ unnd die beste ursachen
brüderlicher lieb für-
welzen.110 Denn es solt je111 ein grosse und sunderliche lieb
sein zwischen eeleüten/ dannest112 spricht Christus/ das
der
seines malhs unwirdig was/ der sich mit seinem
weib entschuldiget etc.113 Es sol ein iglicher recht
thůn/
(der recht versteet) one scheu und one umbsehen.
Das man saget/ ir solt brüderlicher lieb
schonen/114
das
laudtet115 gar nichts/
weil es noch unentschlossen116
ist/ ob
ire brüderlich lieb nicht ein
endchristischer mantel117
sey/
frilich118 so
arg und schaͤdlich/ alß irgend ein fündlin119 des
Babstes/ das aber laß ich itzt ungeurtelt120 und sag/ das
Christus alle
brüderliche lieb auffgehaben unnd abge-
schnitten121 hat/ wenn sie wider sein gebot
steht/ oder den
aller cleinsten von got wendet.122 Denn die lieb/ erfült got-
tes gebott/123 und ist
unmüglich das einer Christum lieb
hab/ und thů wider sein gebot/ oder thů nit was
Chri-
stus gebüt/124 das fleusset auß disser rede.125 Liebet ir mich/
so bewaret mein gebot.126 Welcher nicht mit mir ist/
der
Ioan. 14.ist wider mich.127 Welcher nit vatter und můtter/ weib
Matt. 12.und kinder hasset/ der kan nicht mein junger sein
etc.128
Nů die weils also
steht/ das unmüglich ist/ das einer
Christum lieb/ und nicht noch129 seinen gebotten lebe/ oder
stil stehe unnd uff einen andernn sehe unnd warte ob
der ander auch thůn woͤll/ das
got gern hat/ oder nitt.c
Dem nach werden sie mir das schurtztüchlin130 oder für-
hang nit für131 mein
augen binden/ das ich etwas laß/ das
fehlt got haben wil/ oder
etwas thů/ das gott verbeüt/ ob
sie mir tausent jar von ergernüssen und
brüderlicher
lieb132
predigten und schreiben.
Lu. 9.Die warheit133 spricht/ wer sein handt an pflůg leget/
und siehet zů ruck/
der ist nicht geschickt zům reich got-
tes/134 das aber redet Christus von dem/ deme er rieff im
nach
zůfolgen/ der ein sollich antwurt gab/ Herr ich wil dir
nach volgen/ aber
erlaub mir/ das ich die meyne gese-
gen/ oder letze.135 Ist nů der nicht geschickt zů dem
reich
gottes/ der sich nach andern umbsihet/ die er sunst wol
letzen
moͤcht.136 Wie geschickt
werden die sein/ die gottes
gebot verstehendd/137 und
haltend hinder dem berg der an-
Luce.
17.dern halben/138
die nicht woͤllen anfahen? Des Lothen
Gene. 19.weib sach hinder sich und ward zur saltz saul.139 Was moͤ-
gen
die werden/ die zů ruck sehen nach den traͤgen und
faulen brüdern/ die zů zeitten
fürwitzlich140 blindt
unnd
faul bleiben?
Ioan. 21.Da Christus zů Petro sprach/ volg mir/ und Petrus
saget/ was soll aber diser? Antwurt Christus.
So ich
will das er also bleib/ biß ich widerkomm/ was getz141 dich
an?142 Da sihe obs gleich got lesset geschehen/ das etliche
faul
oder widerwillig seind/ recht zů lernen und thůn/ und
du verstehest es/ hat er dich
nit gnugsam beruffen? Wilt
du nach fragen/ was die andern thůn soͤllen/ oder
wenn
sie komen werden? Nein. Volg/ heisset es. Stehe nit still
und besinne
dich nit ob die andern auch volgen.
Act. 9. 10. 11.Was fraget Petrus nach der brüderlicher lieb/ der
Christen die es
verdroß/ das er Cornelium den heiden
teufft
hett. 143 Er thet das er
verstůnd/ das gottes wil war
unnd fragt nach niemandts/ als im aber seine
brüdere
umb seiner that willen zů sprachen/144 gab er ein antwurt
das got haben wolt/145 und war dannoch in dem
handel
Petri/ das man het weren oder
tateln moͤgen/146 von we-
gen der reden Christi/ der sprach/ ir solt nicht in die we-
fehltge der heyden gehn.147 Derhalben Petrus das erger-
nüs billich148 solt betracht haben/ aber Petrus acht das
ergernüß nit. Was soͤllen wir thůn in
den sachen/ die got
mit gestrackten149 reden gebeüt oder verbeüt? sollen wir
des ergernus
schonen?150 Nů/ so einer sagt/
Petrus ist
Ioan.
4.uns zů keinem exempel/ sonder Christus/ darumb gib
mir ein exempel von
Christo. Darauff sag ich. Christus
redet mit einer Samaritterin/ und die Juden
pflegten
doch nicht zů reden mit den Samarittern/ des auch
verwunderten sich
seine jünger/151 Aber Christus
achtet
ir ergernüs nicht/ sonder thet frey das sein vatter wolt
haben/ das ich
volgend in andern exempeln/ als vom
Sabbath/ tempel/ opffer/ fasten/ gebett/ und
der gleich
werd anzeigen.
Paulum füren sie152 in dem ergernus so hefftig eyn/ und
zů
soͤlchen sachen/ das sie schliessen und entzwingen153 woͤl-
len/ das man in den sachen gott
belangend/ soll gemach
thůn/ Und schreihen den gantzen tag/ Schwachen schwa-
chen etc. Aber ich weiß sie wol zů dempffen/ unnd darff
frey
sagen/ Das Paulus in groͤßern sachen nit hat
ge-
mach thon/ dann154 unsere sachen alhie gewest seind/ auch
nit geacht/ das sich
etlich ergerten/oder das sie kranck/
Act.
21.unverstendig/ und schwach waren. Wir lesen das vil
tausent Juden zů Jerusalem waren gleubig worden/
die einen
grossen verdrieß ab dem hetten/ das Paulus
ein
abtrennen von Mose155 leret und geprediget. Nem-
lich das man die kinder nicht solt beschneiden/ auch nit
nach gewonheit
wandeln etc.156 Da sihestu das
Paulus
das ergernüß so vil tausent
unverstendiger Juden
nicht geacht hat/157 sonder frey geprediget/ und der schwa-
chen
nicht verschonet. Hie wiltu158
antwurten/ duncket
mich/159
predigen und thůn ist zweyerley. Darauff sag ich/
predigen ist ein werck wie ein
ander werck160 geschicht nit
umb-
sunst etc.161 Dazů hat Paulus
thaͤtlich162 die
beschneidung
fehlt verhindert/ was kan man dann sagen/ das wir
Paulisch sein
sollen/163
und nichts thaͤtlichs anfahen/ das wider brüderliche
lieb strebet? Das aber Paulus volgend etwas thet/ da
durch er das
geschrey von sich dempffet/164
das zwingt
mich nit/ das Paulus drumb die
beschneidung nit thaͤt-
lich verhindert hab/ denn sein epistel zů
den Galatern ist
offenbarer/ dans jemand bergen moͤge/165 Und auß der
selben epistel ist ab zunemen/
das Paulus die schwachen
nicht geacht hat/
sonder mit schwinden166 worten
sie von
Mose gezogen/ als er saget/ ir
unsinnige/ lasset ir euch
beschneiden?167
Also habet ir redliche entschüldigung/168 das wir
alhie/ wider mit der leer nach mit der that stil
zuhalten169
schuldig
gewest/ gottes gebotten zů volbrengen/ biß
unsere nachburn/170 unnd die schlemmer zů Wittenberg171
nachfolgten.
Ein jeglich gemein/ sie sey klein
oder
groß/ sol für sich sehen/ das sie recht und
wol thů/ und auff
niemants warten.
Got hat ein gemein gesetz geben/ nach welchem
sich das gantz gleübig volck/ und
ein iglich ge-
mein/ und ein iglich person/ halten unnd
richten
solt/ Und das selb gesetz/ welches gott auch einen bund
nendt/172 ist wol dem gantzen
volck fürgesagt oder gele-
sen/ nicht das die gantze menge oder
commun/ ein so-
licher todter leib sein solt/ als173 die blinden Juristen174
ey-
nen leib der commun erdichten/175 unnd sagen/ das der selb
leib wedder hoͤren/
noch sehen/ noch etwas thůn kan/
Deu. 29.sondern/ das er
oren zů hoͤren/ augen zů sehen/176 und glid-
maß zů der gerechtigkeit bereit habe/ zů thůn/
alles
das gott wolgefelt.177 Drumb auch beklagt sich gott
über die faulen/ unnd drewet178 soliche nachlessige zů
straffen/ so179 oren hetten/ und doch nit horeten/
augen
fehlt die nit sahen/180 glidmaß die nit würckten. Demnach ist
Deu. 4.
durchaus
5. 6. 8. 11.es je181 war/ das Moses den gantzen hauffen der juden zů-
samen
fordert/ unnd das er der gantzen judische meni-
ge/ gottese gebotte erzelet. Er saget aber auch
stets/
das sie das soltenn thůn/ das er sie leret. Das sie auch an
seiner
lere/ und auch an den wercken gnůg haben solten/
auff diße weyß/ das sie nicht zů
der lere/ setzen/ auch nichts
Deu. 12.abbrechen.182 Deßgleichen keyn anders werck zum
dinst
Levi. 16.gottes gedechten zů thůn/ denn nur die
er sie leret zů-
thůn.183 So hefftiglich bande Moses
seyn volck an got-
tes lere/ sitten/ rechte/ unnd an die werck des
gesetzes/
das sie wider184
anders leren noch anders thůn dorfften/
denn als sie horten/185 Unnd von wegen des bandes hieß
Moses das gesetz einen bund/186 wie wol noch mehr ursa-
chen
vorhanden seind.
Das aber gottes bund alle sonderliche gemeinen/187
und da zů/ ein igliches hauß belang/188 das auch kein ge-
meinde oder
hauß stillhalten sol/ biß andere stet189 klůg
unnd geschefftig werden/ ist so offt/ allein im deutero-
nomio/ angezeiget/190 das ichs von unnoͤten acht/ ein be-
weisung für
zůlegen.191 Wie offt steht
geschriben. Ir solt
Deu. 17.
und 26.in euren thoren
die rechte und sitten gottes halten. Ir
solt euch richter welen und setzen welche
die überfarer192
des bundes
straffen sollen?193 Hat got nur
dem hauffen
oder commun allein ingemein dise wort gesagt/ der herr
Deu. 5.dein got gebeut dir/ das du nach allem disem gesetz/
sit-
ten/ und rechten thüest/ von gantzem hertzen und gan-
tzer selen/194 wie du das deinem herren geredt hast. Wer
darff sagen/ das man die gebotte
gottes an etlichen stet-
ten nur195 halten můß? Unnd das wir an andern stedten
gottes gebott moͤgen vorbrechen?196 Wiltu197 sagen got
hat
Bund seyner .10. wort Deu. 4. 6.befolhen/ das die
Juden an etlichen oͤrtern stein uff-
richten.198 Wil ich auch sagen/ das gott
befolhen und ge-
botten/ das wir seinen bund/ nicht allein in
etlichen
fehlt stedten/ sondernf an die pfosten der heüser sollen schrey-
ben/ zů einem denckzeichen/ auch an die thoren/199 das sie
dem haußgesind und
einer iglichen gemein vor iren au-
gen schweben und stehn/ und sie
da durch erinnert wer-
den
Deu. 26. 27. 28.sollen/ gottes gebot zů behüten/200 nicht allein etliche
gebot/
sundern alle gebot/ nicht alein die Juden/ wel-
Deu. 6.che die selbe zeit Mosen
horten/ sondern ire nachkom-
ling/ denn Moses spricht dein kinder und kindskinder
Nicht einen tag/
sondern alle tag/ dein leben lang sagt
Moses.201 Ein igliche
gemein soll iren leviten haben/ wel-
cher ihn den bund des frides
unnd warheit verkün-
digt/ unnd ein iglicher hauß vatter soll
gottes wort
seinen kindern scherpfen/202 verneueren und erzelen.203
Dar-
auß je204 volgt/ das ein igliche gemein und hauß/
uff sich
achtung sol haben/ das sie gottes gebott verstehe/ und
darnach
thůn/ Und gott wil so wenig haben/ das wir
uff andere warten biß sie
hernach kommen und from205
werden/ das er gebotten hatt/ das man die gottlosen
straffen sol/ alß man andere
laster straffet. Deu. 13. et. 17206
unnd datzů gantze stedte umbringen/ und verwüsten/
die irer
abgoͤtterey warten/207 oder
nicht in der rechten
ban wandern welten. Es
nimbt mich fast wunder uff208
unsere schrifftweisen unnd regenten/209 das sie den flei-
schlichen ebruch
straffen/ unnd den geistlichen lassen
sie ungestrafft bleiben.210 Den geistlicheng wellen sie mit
irem ohtem211 unnd wind nider werffen212 unnd den leibli-
chen mit schwerdten/ eisen/ feuer/ unnd radern213
we-
ren.214 Ist aber das nitt ein jemerlicher handel unther
den Christen? Ist es
nit ein teüfelische sach/ das sie der
menschen unere/ groͤsser achten und groͤber
straffen/
Deu. 13. et 17.denn215 gottes unere? Moses gebeüt das man die abgoͤti-
schen oder geistlichen
ebrecher nicht weniger umbbren-
gen sol/ denn die fleischlichen
ebrecher.216 Wenn sie doch
iren
Paulum recht ansehen/ wurden sie
gewißlich finden/ das
fehltPaulus die goͤtzen knecht nicht minder straffet/217 dann
die hůren knecht/218 noch můß es recht sein/ drumb das
sie es also
woͤllen haben/ und ire ere und ire schone ab-
conterfeyhung
vertheydigen.219
Die that sol dem verstand bald und
allzeit
folgen.
Der güttige Gott hatt etliche eüsserliche werck
herfür bracht/ und dar durch/ sein
vetterliche lieb ange-
Deu. 4.zeigt/
unther den selben eins ist das/ das got unsern altvet-
tern220 in wunderbarlichen
gesichten221 und geschichten/
eine
goͤtliche weißheith und
verstand/ durch sein hochs/ edels
wort/ und uns/ durch unsere fürfaren gegeben
hat.222 Der
halben
billich223 alle leüt sagen
solten/ wol ein treffenlich
volck ist/ das soliche hohe kunst224 und gerechte sitten und
rechte hat?225 Und gott hat
seinen bund/ der unser weiß-
heit und verstand inhelt/ uns der
halben fürgelegt/ das
Deu. 29.wir/ in allen unsern
wercken thůn unnd lassen/226
klüg-
lich und verstendiglich wirckten/ lebten unnd
richten.
Denn gott wil in allen stucken verstendige knechte ha-
ben/ die wissen/ was sie thůnd oder lassen/ warumb sie
es thůnd oder
lassen/ wem zů eeren. Unnd das sol in
sussem unnd saurem/227 in thuender und leidender weiß228
werden verstanden/ was gott
zůschickt und warumb
Deu. 29.ers zůschickt.229 Alß230Moses spricht.
So haltet nů die
wort disses bundes unnd thůt darnach/ uff das ir klůg
Ephes. 5.seit in allem dem das ir thůt.231 Unnd Paulus.
Sehet
nů zů das ir fürsichtiglich wandelt/ nit alß die unwei-
sen/ sondern alß die weisen/ drumb werdet nit un-
Esa. 5.verstendig/ sondern verstendig/ was da sey des
hern
will.232 Der halben
beklagt sich gott durch Esaiam/
das sie seine
werck nicht betrachten.233 Unnd
derwe-
gen hat Christus seine apostel offt gestrafft/234 das sie sei-
fehltne werck oder lere nit verstünden.235 Das aber/ nemlich
verstand unnd weißheit/ sol
gehalten werden/ nicht
alein wenn du etwas thůst/ sonder auch wenn du et-
was leidest/ das du wissest/ was du leidest/ warumb/
wem zů
eren/ wem zů nutz.236 Denn das
ist die eigenschafft
Esa. 28.des leidens/ als237Esaias spricht Anfechten oder umb-
treibung238 gibt verstand.239 und Moses/ Got fichtet dich
Levi. 26.an/ auff das du
dich schemest deiner sünden halben.240
Rho. 5.Unnd Paulus/ Trubsal gebierdt gedult/ die gedult
aber brengt erkantnüß oder
erfarung/241 denn die
erfa-
rung ist ein erkantnüß unnd das volkümlich
werck/
Jacob. 1von welchem Jacob schreibt.242 One erkantnüs ist kein
werck gottes volkümlich. One
erkantnüs seind wir
alß ein maul243 unnd pferdt/ in welchen kein verstand ist.244
Demnach ist uns gottes wort auß grosser gnad/
und
der halben/ geoffenbaret/ das wir drauß/ klůg/ weiß/
unnd verstendig
werden/ vernym245 durch die
gelassen-
heit. Das aber ist ein groß und hoch schetzig246 ding/ das
uns gottes
geheimnis ist offenbar gemacht.247 Die welt
klůgen248
achtens fur einen grossen schatz/ wen einer eins
sterblichen fürsten rath ist/ und
iderman hat einen so-
lichen für augen/ der dem selben fursten
geliebet etc.
Wie vil mehr ist der zů achten/ unnd wie hoch unnd
teuer sol der
das schaͤtzen/ das im gott sein geheym-
niß hat offenbar gemacht?
Sonderlich/ das er ein ne-
ue/ goͤtliche/ unnd über menschliche
weißheit hatt?249
Deu 4Das ist eins/ derhalben uns gott sein geheymnis er-
oͤffnet und entdeckt hat.250
Das ander/ das wir ein ewig unnd unverrücklich
gedechtnüs haben sollen/ aller
seiner wort unnd ge-
schichten/ das uns unser leben lang/ unnd alle
zeyt
keins entpfall/251 uff
das wir gott alle zeyt fürchten/ und
im anhangen.252 Das gedechtnüs aber sol hitzig/ gescheff-
tig und krefftig sein/ das nit stil steht/ sondern mit brunst253
fehlt
außbricht und thetig ist/ denn es ist eyn gemeyne regel/
verflucht ist der des hern
werck laͤssiglich thůt oder wir-
Hie.
48.cket/254 oder es
betrieglich wircket.255 Wie wol
das von der
rachung gottis256 gesagt ist/ als257 geschriben
steht/ Verflů-
chet sey der/ der sein schwert am blůt
verschoͤnet.258
Je-
Eodem.doch ist es vil mehr war/ in
andern wercken. Denn/ ist das
war/ das got schlünnige259 straff haben wil/ der doch barm-
hertzig ist zů vergeben/260 wie vil mehr ist der verflůcht und
ein greuel vor gott der
feüliglich261 mit den wercken
auß-
bricht/262 die seinem nechsten zů einer besserung geschehen.
Gott wil ein frey
freydigen263 geber haben/ der
schnell und
williglich gibet.264 Ein bereidt/ willig/ und zur tadt ge-
neigts gemüt
behagt265 gott. Das alles
fleüsset auß
2. Co. 9.dem ewigen und
einbrünstigen266 gedechtnüs
goͤttlicher
worter. Wer goͤttlicher leer recht
und wol gedencket/
der kan nit still stehen/ nach267 müssig oder treg sein/ wenn
inen268 gottes reden zur tadt
verpinden269 und
treiben. Helt
er still im falh/ da270 er wircken kan und soll/ so ist das eyn
gewiß zeichen/ das
er vergessen271 ist/ oder nicht
ein soͤlichs
Deu. 29.gedechtnüs hat/ als272 er haben solt/ nemlich auß
gan-
tzem hertzen.273
Darauff moͤcht einer fragen/ Du wilt einen knecht
gottes alle zeit zů der that
verpindten274 etc. Das hat
wol
Deu. 4. et
11.einen grund/ seitmals275 geschriben steht. Ir solt alle
zeit
oder euer leben lang nach goͤttlichem gesetz thůn oder
Tobie. 4.wircken.276 Du solt gott alle zeit wol sagen.277 Alle zeit wil
Psal.
33.ich gott wol sagen. Der ein freund ist/ der liebet alle zeit
Pro. 17.den freünd/278 das ist. Ein freund erzeiget seine lieb eusser-
Ioan. 13.lich alle zeit/ in der weiß als Christus
sagt. In dem
werden sie erkennen/ das ir meine jünger seit/ so ir ein-
ander liebet.279 Dargegen aber sehe ich auch geschriben.
Eccle.
9.Ein jeglich geschefft/ hat seine zeit/280 das ist. Es mag281 kein
geschefft ewiglich geschehen/ einzeit geschichts/ einzeit
liget es still. Auch hat gott etlich gebott also gestel-
fehltlet/ das wir die selben auff etliche zeit halten müssen/
und
nit unser leben lang oder alle tag/ als hebreisch inhelt/282
Exo. 20.unnd du haben wilt. als nemlich den Sabbat am
siben-
Deu 16den tag/283 sibende wochen/ sibend jar/
funfzigest jar/ wel-
Levi. 25.ches auch
auß der sibenden zal her kam.284
Das fest pas-
sah ein zeit im jar/ das fest der laubber
hütten285 und der
gleichen/ ein zeit/ die nůr auff ein zeit geschehen můsten/
unnd nicht alle
tag.286
Antwort/ wenn uns gleich soͤlche figürliche
reden/287
nach dem
bůchstaben nichtiverbünden/ als sie die Juden wei-
land
verbunden/288
dennest289 bestünd gottes
wort/ nem-
Deu. 11.lich diß/ Du
salt gottes gebotten alle tag halten.290 denn
diße wort/ alle tage/ bedeuten/ das ein iglicher
gottes
gebot in der zeit/ stedt/291 und in dem fall/ halten soll/ als
die gott hat
gebotten. Es ist ein zeit/ das wir wachen
und geschefftig seyn sollen. Es ist
ein zeit des schlaffens.292
Hat man armen/ sollen wir helffen/ haben wir keine
dürftigen/ so
růget293 die hand. Nichts
desteminder müs-
sen wir alle tag/ nach gottes gebotten thůn
oder wir-
cken/ alle sibende tag feiren294 etc. Alle zeit dem armen/
blossen/
gefangen/ nackichten etc. unnd der gleichen zů
hilff kommen/295 unnd den unhabhafftigen296 gelt/ schuld/
vergeben/
wenn wir solich schuldiger haben/297 haben
wir keine/ so bindet uns gottes gesetz nicht. Als298 wenig
die armen zů teuren
opfernj verstrickt299 waren/ als300 die
reichen. Aber
dennest301 besteht das. Ir
solt alle tag got-
tes gebott volbringen.302 Ir solt gegen euerm
nechsten
euer lieb zů gott und dem nechsten alle tag thaͤtlich
beweysen.303
So auch ist es mit abthůung der gottlesterischen
und Christlesterischen304
bildnüssen oder messen/ wo wir
herschen/k die gott bekennen/305 und goͤtzen finden/ sollen
wir sie weg nemen/ und mit
inen geparen/ als306 gott
ge-
botten.307 Das auch sollen wir unser leben lang thůn oder
fehlt alle tag.308 Ja so wir sie
in unser gemein finden/ ein igli-
che gemein in irer stadt/
gleicher weyß ein igliche ge-
Deu 14.
15mein schuldig ist die ire zů enthalten.309 Es můß je310 recht
sein unnd wol bestehn/ du salst nach gottes
gebotten
alle tag thůn/311 und ist recht und gůtt wens recht ver-
standen wirt.
Die figürliche gebott312 fahen und verstricken313 nůr die
schwachen/
unnd von wegen der schwachen ist es gůt
das man
die figürliche gebot gehalten hat/ und noch
1 Cor.
11.helt/ als Paulus spricht. Alle
ding zimen/ aber alle
ding bauhen nit.314 Item ob du ein rechte kunst oder ver-
1 Cor. 8.stand315 hast/ so ist er316 doch nicht in allen.317 Auch weisest du
nicht/ als318 du solst wissen. Weil dan vielerl Juden ver-
stand klein war/ und
ir blindheit groß/ so waren sie un-
frey unnd gefangen/ unnd schuldig gottes figürliche
reden319 zů halten/ wie wol gottes
meinung320 anders war/
denn321 seine rede lautten/
unnd die schwachen des ewi-
gen willen gottes feleten.322 Also müsten sie den Sab-
bat/ und andere feyer unnd fleischliche gerechtigkei-
ten/323 als wasser bade etc. halten/ nach lauth der
reden
gottes unnd noch gottes verdecktem willen/324 biß sie
gottes warhafftige gerechtigkeit
unnd gerechte war-
heitt gründtlicher erkanten. Der aber
ein solich fi-
gürlich gottes gebott verbrach unnd uberfůr/325 der
můst redliche
entschuldigung geben/ als326
Christus thet/
und David da er gott kein
eusserlich opfer gab. psal. 39327
das hie her nit gehoͤret/ ich aber hab es vermeldet/ uff
das man wiß/
welcher massen328 die goͤtliche
gebott mü-
sten gehalten werden/ alle tag/329 figurliche bedeüt es
zů gebürlicher unnd
benembter zeit/330 gründtlich
aber331
alle tag můß man
gottes gebott halten/ so ferns der
fall fordert. Es sind etlich gebott die ein
zeit/ ein stedt/332
oder
gelegenheit erfordern/ die selbigen můst man al-
le tag/ das ist/
nach gelegenheit halten/ und dorst333 sich
fehlt keyner nach dem andern umbsehen/ der
lessig ward/
der war straff wirdig. Etliche
gebot begriffen kein ge-
legenheit/ zeit oder stedt/334 den selbigen můß man
ewigli-
chen nachgehen unnd kein zeit darvon ablassen/
oder
dar wider thůn/ als da seynd diße gebott/ du salst nicht
bilder machen/
haben/ oder leyden/ du salst nit stelen/ nicht
morden/ nicht Eebrechen/ nit
falsch zeügnüs geben/
nicht frembder güter begeren/ und dergleichen.335
Sol-
che gebott verbinden uns an alle zeit unnd in alle en-
de/336 wer
ein zeit/ an irgent einem ort/ unnd wider eines
thůt/ der ist ein uberschreydter/
ungehorsamer/ unge-
rechter/ verachter gottes. Er sal sich auch
nach key-
nem hauffen/337 oder Concilien/ umbsehen/ denn er hatt
schon sein gebott/
darwider er nicht thůn sal. Dem-
nach sal er keyn bildnüß irgent
machen/338 noch gema-
chte leyden in den enden339 do sie herschen/ sie bedeüten
got/ Christum oder die
heyligen. Er sal auch gott nicht
lestern/340 unnd derglichen keins thůn/ das gottes bund
verpeüt341 (welchen Moses außlegt/ und die propheten
Moses erklerung/ weyther auß breyten) Es were
dann
das er einen sichern unnd unbetrieglichen befelh von
got het
entpfangen/ zů thůn wider ein gebot/ als342Mo-
ses eynen befelh von got nam/ die voͤgel bilder uber den
gnaden stůl
zů machen/ zwelff ochsen die das meer hal-
ten solten/ unnd ein
schlangen in der wüstnus auffzů-
richten.343 Welcher nicht einen solichen befelh von got
hat/
der wiß/ das er sündiget/ und gottes stym344 ungehorsam
ist/ der gebotten hat/ das wir
kein bildnüs machen/ noch
die gemachten leiden sollen/ an den enden/ da auch die
ver-
meinte gleübigen herschen.345 Gleicher weiß auch keiner
stelen/ morden/
eebrechen/ oder fremder güter begern
soll/346 thůt er wider der eines so ist er ungehorsam/ unge-
recht/ unnd sündiget/ wirtt sich auch mitt keyner
menge der
schwachen oder krancken entschuldigen.
fehltSo aber einen gott hieß/347 das er stelen/ rauben/ mor-
den/
eebrechen/ oder fremder güter begern solt/ unnd
Exodi.
12er goͤttlicher meynung348 sicher were/ soltt er stelen/ als349
Act. 7die Israhelische
kinder den Egiptern stalen/ morden/
Deu. 2als Moses die konnige zů Seon und Esebon
etc.350 Aber
Deu. 29on geheiß gottes müssen wir thůn/ alles das gott
in
seinen zehen worten begriffen351 hat/ und auff niemands
achtung haben/ denn352 nur auff gottes gebotten/ unnd
uff uns/ das
wir thůn oder lassen/ was got wol gefelt.
Gott spricht alle zeit nach vermoͤg der hebreischer
zungen.353 Aber etlich setzen wider gottes verbot unnd
wort/ disse clausel/354 nicht
alle tag. Man sol/ sprechen sie/
der schwachen halben verziehen/355 unnd nichts furt fa-
ren. Was aber ist das anders gesagt/ dann das sie356
al-
so sprechen/ wir sollen das Concilium vor erkennen
lassen/357 was wir thůn/ unnd
welcher massen358 wir gott
dienen sollen? Es ist je359 ein
ding/ mit diser rede/ der
schwachen halben sol man nicht schnell gottes gebott
erfüllen/ sondern harren/ biß sie klůg und starck wer-
den. Das
dannest360 ein gestalt haben
kund/ wens recht
geredt wurd/ als361Paulus gelert hat.362 Das ist auch sel-
tzam/ das sie die schwachen/ mit verzug unnd zůruck-
setzung gottlicher klaren gebotten363 wellen herzů bren-
gen/ die sie doch
warlich mit iren hornern unnd schul-
dern weyther hindann setzen/
als Ezechiel vom mon ge-
weissagt hat.364 Sie
haben deß gar keine lere.365 So
ist in366
Paulus mit hend und füssen entgegen/ welchen sie in
verschonung der schwachen/ als ein fürbild ungeschi-
cklich und
widersinnig her für stellen.367
Was sol ich sa-
gen? Das sag ich/ das diße geschrey Nicht zů
schnell.
Nicht zů schire.368 Schon/ schon. Schwachen/ schwa-
Deu.
4chen. Krancken krancken/ ein offenlicher zůsatz ist zů
gottes wort/
wider das/ du solt nicht zů setzen.369 Auch
ist disser auffzug/370 Ich halt an mich/ ich schon und ver-
fehltziehe371 biß die schwachen kommen/ ein abbruch goͤtt-
licher
wercken/372 wider das/ Ir solt
nicht darzů nach
dar von thůn.373 Wider das/ Ir solt gleich thůn/ als374 euch
Deu. 11.gott befolhen/ und
alzeit also thůn.375
Ergernus und liebe des nechsten
ist
ein teüfelischer mantell aller boßheyt
Das man aber das ergernüß und brüderliche lieb
für wendet/ unnd under dem scheyn
der erger-
nüssen und brüderlicher lieb goͤtzen heldet/376 und
meß und andere gotteslesterung lasset grůnen
unnd
blühen/ das ist unrecht/ und wie eß einen bestand unnd
verstand hab/ wil ich in einem büechlin von dem erger-
nuß schreibend/377
melden/ uff diß mal aber gesagt haben/
das unser bildnus dem menschen zům
fall unnd zům
strick gelegt oder uffgestelt sein/ und zů einem verderb-
nus/ als378
gott durch Mosen unnd seine propheten ge-
redt hat.379Darzů sind die goͤtzen faͤrlicher in der
Christen-
heit/ denn fleischliche hůr heußer/ und
geschickter380 zům
geistlichen eebruch/381 denn
irgent ein hůr oder bůb.382Da-
rumb geben sie
nicht ein rechte brüderlich lieb für/383 die
uns unther dem mantel und schein brüderlicher lieb/
die
goͤtzen/ welche die leyen/ heiligen heissen/ in gotz
heüsern/ uff bergen/ in
telern/ und wegscheyden heis-
sen384 halten/ so lang/ biß die schwachen starck
werden/
denn sie predigen brüderlichen schaden/ und nicht brü-
derlichen dienst oder lieb. Es ist solliche fürgebung
nichts
anders/ denn ein schalcks mantell385 und ein ver-
borgen garn386 der armen selen zů verderbnüs/
saget an-
ders got war/ unnd Paulus recht/387 der das
gegenspil388
leret in
diesem fall von ergernüß.389
Wir solten den schwachen soliche schedliche dinge
nemen/ und auß iren henden
reyssen/ unnd nicht ach-
ten/ ob sie drumb weinten/ schryhen/ oder
flüchten.390 Es
fehlt wirt die zeit kommen/ das sie uns dancken werden/ die uns
jetz flůchen unnd verflůchen/ der auch würd den narren
die rechte und beste
brüderliche lieb beweysen/ der iren
willen mit gewalt braͤch/ das wil ich dir durch
ein gleich-
nuß weisen. Esaias
sagt von den narren die goͤtzen
halten/ das sie ire torheit nicht versteend/ auch
nit wis-
sen das sie ein schedlich/ nerrisch ding halten/391 das wil ich
zůvor
haben.392Demnach frag ich/ wenn ich sehe/ das ein
klein unmündig
kindelin ein spitzig scharpff messer in
seiner handt hett/ und woͤlt es gern
behalten/ ob ich im
denn brüderliche lieb beweiset/ wenn ich im das
schedlich
messer und seinen willen ließ/ damitt sichs verwundet
oder
ertoͤdt/ oder denn/393 wenn
ich im seinen willen breche/
und das messer naͤm?394 Du můst je395 sagen/ wenn du dem kind
nimbst/ das im schaden brengt/ so
thůstu ein vaͤtterlich
oder brüderlich Christelich werck/ Denn Christus hat
uns
die recht christliche und brüderliche lieb in den stücken ab-
Mat. 18.gemalt/396 als er spricht/ Ergert dich dein hand/ so
haue
sie ab/ und würff sie hin von dir/397 das hat Christus gesagt/
uff das er die rechte brüderliche
liebe anzeiget/ und also
lautet398Paulus mit Christo/ so er von
ergernussen re-
det. Ist es aber also/ das ich schuldig bin/ und
ein jegli-
cher pflichtig ist/ so lieb im gott unnd sein nechster
ist/399
das er den
nerrischen ire schedliche und ergerliche ding
soll nemen/ on angesehen/ das sie
drumb zornen/ heülen/
und flůchen. Was sagt man viel von brüderlicher lie-
be/ das wir auß brüderlicher lieb goͤtzen/ und andere er-
gernüssen solten lassen sthen400 oder bleiben/ biß die schwa-
chen hernach
kommen. Es ist eygentlich ein brüderli-
cher schad unnd ergernus/
das sie401 ein brüderliche
lieb
heissen. Ire lieb/ ist ein lieb als der tollen mütter lieb/402 ein
lieb ist/ die iren
kindern den aigen willen lassen/ unnd
zum hencker leiden.403 Christus hat der keines gesagt/ das
wir mitt
den ergernussen gemach faren sollen/ wenn wir
fehlt sie abthůn/
unnd von uns werffen woͤllen. Er spricht/
Deu. 13. et.
33.Schneid ab/ haue ab/ werff von dir/ uff das dichs nitt
ergern
thů.404Moses auch spricht/ Dein auge soll seyner
Mich. 7.nicht schonen/ unnd du solt dich nicht sein erbarmen/
noch
in405 verbergen/ sonder solt
in erwurgen/ dein hand
soll die erste über im sein.406 Das saget Moses von den
menschen die ergern/407 Wie vil mehr treybt dise rede zů
abthuung der ergernussen/
dadurch die unverstendi-
gen selen fallen/ die weder fleisch noch
geist/ weder blůt
noch athem haben/ uff welcher besserung nyemants hof-
fen darff. Da wirtt ye408Moses sagen/ unnd
schreihen/
Schon ir nichtt/ breng sie umb/ deyn handt soll die
erste
sein.409
Der nů zů disen worten setzen will/ und sagen/ man
soll gemach faren/ nicht bald/
und man soll der schwa-
chen schonen/ unnd nicht ploͤtzlich
anfahen/410 der ist der/
der do Christus unnd Moses wortt straffet/411 unnd setzet
von dem seynem
zů/ wider gott/ und machet sich zů ey-
nem falschen Christen unnd
propheten.412 Christus
sagtt/
ergert dich dein auge/ das ist/ so du verstehest/ das dich
dein auge
ergeret/ reyß es auß/ unnd würffs von dir/413
Wenn spricht er/ Thů gemach/ biß414 nitt zů schnell/ oder
schone der schwachen. O
grosse/ unnd schedliche blind-
heit. Wiste die welt/ was schadens
den eynfeltigen gey-
stern415 auß goͤtzen/ und andern ergernüssen kaͤm/ sie würd
sich in
ire finger beyssen/416 ehe sie
solliche fynantz417
dul-
det. Ist aber das nitt ein schalcks mantell/418 das
man/ unther
gestaltt der brüderlichen lieb/ hellischen
brüderlichen schaden prediget/ unnd
verheysset? O
Mat. 18.weldt fresser.419 Christus spricht/ es ist dir
besser/ du hauest
abe/ reissest auß/ und werffest von dir/ dann das du mit den
ergerlichen dingen werdest in das hellisch feur ge-
worffen.420 Ich hab von den schaͤden/ so auß
haltung421 der
fehlt tüffelischen422 heiligen kommen/ welche unsere nachpauren423
heyligen/ und wir goͤtzen nennen/ die leng
und weydt ge-
schriben/ wider den elenden und jemerlichen Bock Em-
ser/424 aber unthergeschlagen von wegen
der neuen Pa-
pisten.425 Die aber jetz die Biblien lesen unnd verstehn/ die
mercken
wol wie man sich mit gewalt und wider got zů
mir genoͤttiget hat.426
Der teüffel hat disen schalcks mantel427 erdacht/ gleich
als er auch das erfand/ und sagt/ das die bilder der
leyen
bücher seind.428 Denn
der tüffel hat dadurch dem wort got-
tes sein ere dieplich429 ab gestolen/ und den greülichen
und
jemerlichen gottlesterischen creaturen geben/ und got-
tes
wort den goͤtzischen pfutzen430
vergleicht/431 welche
gott
hasset/ und wil/ das wir sie hassen und fliehen sollen.432 Es
ist nit zů sagen/ wie got durch die
goͤtzen geschmecht/ und
der schwach verderbt433 wirt. Tredte ein goͤtzen patron her/
unnd sag mir/ wie die
goͤtzenknecht ein wurtzel haben/
die galle und wermůt treget.434 Wüsten sie das/ sie
wurden
Exo. 23.sich selberts anspeyhen (das ist in
einem außlauff ge-
Deu. 29.sagt)435 Pfů436 euch verwüster der schrifften und selen
heschern/437
Endtstund so
kleine ferlikeit438 unnd
geringer schad auß
den goͤtzen/ als irs für gebet/439 gott hett sie nicht so offtt
verbotten durch
Mosen und propheten/ Hett auch nicht
gesagt/
Ir werdet euch verderben/ so ir bildnüssen oder
Deu.
4.irgents ein gestalt macht etc.440 Gott heisset es unser ver-
derbnus papista
sophista/441 Jene442 aber nennents wider
gott ein
stück brüderlicher lieb. Da sihe wie sie Paulum
verstehn/ der sprichet das die schwachen/ das ist/ die un-
weisen in der goͤtzen speyß umkommen.443
1. Co. 8.Es schleüsset nichts/444 das gott den Juden gebote/
das sie die Heiden
ire feind nit eylend oder schnel/ sunder
meylich445 unnd mit můß oder zeit vertilgten/ drumb sol-
len christen auch meylich und langsam dar zů thůn/ wenn
sie
ergernus abthundt.
fehlt
Ich solt wol einen gůten pfeil herhinder gehalten446
haben/ uff eynen trotzigen unnd geilen447 feind/ so forcht
ich/ mir
werd kein gelarter begegnen/448
oder/ das ich nit
reinglich mit gottes wort oder schwerdt fechten moͤ-
cht/449 so
ich lust in dem hett/ das ich meynes feindes wol
spotten künd. Denn es ist bald
geschehen das man das
rein wort gottes unredlich handelt. Darumb wil ich
itzt
vorlauffen/450 und den feynden
goͤttlicher gerechtig-
keit/ weysen/451 was sie sagen kondten/ wo452 sie ire augen
aufftheten. Und doch als bald
iren grund umbstossen
und frag also/ Hetten die goͤtzenknecht und bilde schir-
mer453 nicht
einen gůtten grund/ das sie ire goͤtzen je454 ein
zeit lang vorm feuer behütten unnd bewarten/ die
sie
doch nit ewiglich verteydigen werden? die
weil gott
Exo. 23.also spricht. Ich wil sie nicht uff
ein jar455 außstossen/
auff das nit das land wüst werd/ und sich wilde thiere
wider dich meren. Meylich
oder mit müssen/456 mit
weyl
oder zeit/ wil ich sie vor dir herauß stossen. Biß das du
wechsest/ und
das land besitzest/457 das hat gott von den
heiden geredt/ welcher land die Jüden einnemen
solten/
und sagt. Ich wil sie nicht uff ein jar außstossen. Mey-
lich unnd sachtiglich458 wil ich sie vertreiben. Das aber
füget sich und reimet sich wol zů der
abthüung der bil-
der/ zů foran/459 alß ein gleichnus. Dann solten die Jüden
meylich oder mitt der zeitt ire feinde vertilgen welche
inen grossen schaden thůn
mochten/ wie vil mehr mü-
sten sie meylich die goͤtzen auß stossen/
welche jn460 keinen
schaden
zůfügen vermochten. Das aber gezime/ das
wir auch gemach thůn sollen und nicht uff
ein jar461 die
gotzen
verwüsten/ das gibt der text/ welcher also lau-
tet. Du solt dich
mit inen nicht verbinden/ unnd mit
iren goͤtten kein verbundtnüs machen/ sondern
laß sie
nicht bleiben in deinem land/ das sie dich nit sündigen
machen wider
mich/ sprichet got. Denn wo462
du iren goͤtten
fehlt dienste/463 wirt dirs zum fall geraden.464 Nů sihe ob wir nit
auch gemach faren sollen/
wenn wir goͤtzen vertreiben wellen.
Wir sollen keinen bund mitt den falschen
goͤttern ma-
chen/ als465 wir auch nit uns mit den heiden verbinden sollen.
Wir
sollen die goͤtzen auch nit lassen bleyben im land/ ja466
mit der zeit und meylich/467 von wegen der schwachen/
sollen
wir die goͤtzen/ als ouch die heiden auß stossen. Drumb
solt man nicht
ploͤtzlich faren/ nach poldern/468 noch eylen-
de sein. Ist aber das nicht ein gůtter/ fester/ und
starcker
grund? wer wil disse stelenin mauer469 umbschiessen?
Antwort.
Ach du elende blindheit/ du unfürsichtige boßheit/
wie flickest du deinen mantel
mit selzamen lappen/ du dorst470
dich nit also mit lysten471 behelffen/ wir wolten dir von wegen
der warheit wol begegnen/ ob du
gleich besser gegründte
ursachen hettest/ dein hantwerck lenger zů treiben/
dein
angesichte rümlicher zů machen. denn dein furgelegte
schriffte472 klinget gleich als het sie der
Ebttisch stab473 zů
Begau gesungen/474 der seine grund auch also ferben kan.475
Nu lasset uns doch sehen wie reimet sich dieser text.476
Das diße goͤtzen patron von erste
sagen/477 das gott die
heyden nicht auff ein jar außstossen woͤlt etc.478 und das gott
den Jüden verbotten hab eylens und schnell und
ploͤtz-
lich zů farren/479 das ist war. Das du aber sprichst/ da-
rumb
solt man auch mit abthüung der goͤtzen meylich480
und mit můssen faren/481 das ist dein fündlin/482ich rede nicht
mit dir
lieber brüder/483 sonder mit
einem goͤtzen patron.
Es ist dein weyßheit und dein zůsatz und nicht gottes
zů-
satz/ das du aber sprichst/ der schwachen halben. Frag
ich/ wo stets geschrieben das die Jüden/ der schwachen
halben/ ire feinde langsam
vertreiben solten? Got hat
sein ursach geben. Ist aber gott klůg und treu genůg/
so
ist auch sein ursach gůt/ redlich/ unnd gnůgsam. Aber
gott sagt nicht. Ir
solt der schwachen halben meylich
fehlt thůn und langsam faren/
ja der schwachen halben het
got alle heyden auff einmal umbgebracht. Drumb hat
got den Jüden freündschafft und gemeinschafft der hey-
den
verbotten/ auff das die Jüden nicht abfellig von
im wurden/ und das inen/ die
heiden nit zů einer grůben/
Deu. 7.strick/ und fall/
wurden.484 Got hat ein ursach
geben/ bey der
Iosue. 23.sol man fester dan485 bey einer maur stehn/486 und got sein ur-
sach nit straffen487
durch menschlichen zůsatz. Got spricht
Darumb solt ir sie nit eylendt und
ploͤtzlich umbbrengen
Exo. 23.Auff das nicht/ das land
wüst werd/ und sich wilde thier
wider dich mehren.488 Da sihestu die ursach/ welche goͤt-
Deu. 7.lich/ redlich/ und genugsam ist/
welche auch Moses an
einem andern ende
verzelet489 one neuen
zůsatz.490 Ich sehe
ye491 nichts/ das er anders
sagt/ dann das. Got wurt die-
se leüth auß wurtzlen/ eins nach dem
andern/ auff das
sich die thier etc.492 Das aber der goͤtzen patron493 sprechen mocht/
die feinde hetten hende/ kundten auch
schlagen/ und be-
schedigen/ und ergern494 sehr/ als495Moses und Josue sagen
unnd offentlich ist/ das die heiden durch falsche
lere er-
gern kundten/ und goͤtzen das nit kundten etc.496 Antwort ich/
drumb das sich
das Israhelisch volck mit den heiden
üben/ und gescheider machen kund/497 drumb auch ließ gott
Iudi. 3.die heiden dester lieber bleibenm/ das die Israhelischen
Ios.
1. 2. 3streidten lerneten/ wider iren feind/498 und durch den eus-
serlichen
kampff verstunden/ wie der geist das fleisch
uberstreiten und under sich
brengen499 und sich vor
den
thieren des feldes erweren müst/ und falsche reden mit war-
heit und heilsamer leren/ überwinden. Wenn sich die goͤ-
tzen wehren kündten/ weren sie nicht so ferlich/500 und soli-
che außgebreite
garn zům zuck/ als sie seind.501
Es ist auch
frevelich/ das sich ein mensch unthersteht ursachen
goͤttlicher
satzung zů geben/ wenn er des nit einen gott-
lichen grund hat/
drumb wer es gnůg gsagt wenn er sprech/
Got wils also haben. Da sihet der goͤtzen
meister/ das
fehlt er den heubt harnisch502 an die füß gelegt/ und die schrifft
durch
eynen blechen handschůh angesehen hat.503 Das
er ein argument uff gleichnus stellet und füret/504 das hett
ich lassen
geschehen/ wens der schryfft on schaden/ und
den einfeltigenn on nachteil were.
Weil aber sein rede
offentlich wider gottes gerechte reden505 strebt/ und den
unverstendigen man zů seynem
fall unnd verderpnüs
locket/ bin ich unwillig/ und sag506 das wider got ist.
Wenn er aber spricht/ Die Juden solten die goͤtter
der heiden in irem land nicht
lassen bleiben/ das ist recht
gesagt. So er aber von dem seynen zůsetzt/ und
spricht/
Die Juden můsten auch gemach faren und nicht eilend
sein/ sonder
meilich507 und mit der zeit
goͤtzen außstossen/
das ist ein zůsatz.508 Got spricht/ das sie die goͤtzen nicht sol-
ten lassen bleiben in irem land als509 die heidenn/ villeicht
derhalben/ Sie kundten keinen wůrm
oder thier toͤdten/
und waren nůr zů sünden und verderbnus bereit. Dar-
umb solten die Juden der Heiden goͤtzen/ wo sie es ver-
moͤchten und regierten/ umbbringen/ und nit bleibenn
lassen.
Got hat zweyerley außstossen den Juden gebotten/
Eines wie sie ire feind
außstossen solten/ das ander wie
sie der heiden goͤtter und goͤtzen oder bild
solten weg-
brengen. Das erst můst mit můssen510 geschehen/ das ander
Exo. 23.bald und ploͤtzlich. Drumb sagt der text/ Laß die
goͤttzen
nit bleiben in deinem land/511 das ist/ du solt nit gemeylich512
und langsam faren/ als513 mit den heydenn/ sonder bald.
Das aber das
der recht warhafftig sinn sey unnd ver-
standt/ das zeyget der
umbstandt514 der schriften an.
Oben
steet also. Du solt ir werck nit machenn/ sonder du solt
sie zerbrechende
zerbrechen. Und ire titeln515
oder auffge-
richte ding saltu verwüstende verwüsten.516 Got spricht
nit das sie
goͤtzen meilich517 brechen
sollen/ als518 sie ire
feynd
solten verderben/ sonder bald. Dann die weil got von men-
fehltschen und goͤtzen der heiden redet und saget/ das sie
die feind-
liche leut nit in eynem jar/ noch schnell würden
umb-
bringen/ volget auff der ander seiten/ das sie gotzen
alß-
bald abthůn můsten als519 sie es vermochten. Das aber wil
ich lieber
mit schrifften/ denn durch menschen regel be-
weisen/ und weise den
leser in das Deuteronomium in
vii. capitel/ da Moses oberzelten text wider holet/ und
verneuwert/ und saget also.
Deu. 7.Du kanst oder wirdest sie nicht samptlich oder
ey-
lend fressen/ auff das etc.520 dießer sententz521 ist volkumlich/
und beschlossen522 und hat seyn ende/ unnd in
demselbenn
sind wir eynes sinns.
Deu. 7. in fineEs volgt ein sonderliche clausel/523 welche das abthůn
der
ergernus bedeut/ und lautet also. Die bild irer goͤt-
ter saltu mit
feuer verbrennen etc.524 Es
stehet nit das man
gemach faren sal als525 oben/ sonder gestracks/526 du salt sie
verderben. das noch klaͤrer oben in gedachtem
sibenden
Deut. 7. in principiocapit. stehet/ nemlich
also/ Du salt ir altar zůreisen/ ire
seulen527 zerbrechen/ ir puschechte baumen528 abhauen/ und
ir goͤtzen verbrennen.529 Wenn? Gleich denn/ wenn530 sie die hei-
den meylich531
verderbten. Warumb? Uff das sie anderen
Eodem
Exo
23.goͤttern nicht lerneten dienen. Oder uff das sie die goͤt-
tzen nit machten sündigen wider mich/ spricht got.532 Denn
es würt inen zum verderpnus gereichen
wenn sie goͤt-
tzen liessen steen.533 Sihestu nůn warumb man schnell fa-
ren sal ergernussen hinzůwerffen?534 und warumb Hiere-
miasHiere. 4.spricht/ Israel
nemest du die ergernussen von dir
so würdestu nit fallen.535 Heiden kündten nit ergern/536 wenn
das thet/537 da durch sie selbs verderben/ nemlich/ das sie
in
Esa. 44.irer rechten handt haben/ und sagen nit/ es
ist ein thorheit
in meiner rechten/ der gantz grund steet uff dem erger-
nus.538
Drumb sal man das schnel wegnemen/ das zum er-
gernus und
verderbnus des nechsten uffgericht ist/ und
nit gemeilich539 faren. Drumb sendet got einen engel zů
fehlt den Juden und ließ inen diße meinung540 sagen. Ich hab
euch auß Egypten in das land gebracht/ welches ich eue-
ren vaͤtteren verheischen hab/ uff das ir meinen bund
krefftiglich hielt/
und nicht unnütz machet/ und hab euch
uffgelegt/ das ir kein verbündtnusn mit den heiden machen
solt/ sondern
solt ire altarien umbsturtzen/ Ir aber ha-
bet meiner stimm nicht
gehorcht etc.541 Diße historien
zeigen
klaͤrlich an/ das die Juden weder verbündtnus mit den
heiden machen/
weder gemach thůn solten altarien umb
zůstürtzen. Und das sie got drumb verfolget
und beschedi-
get das sie lessig542 waren. Nů weil got klůg gnůg ist/ und
setzet
zů seinen reden/ wenn und wo man gemeylich/ lang-
sam und nit
schnel oder ploͤtzlich faren sal/ So ists ye543 eyn
grosser endchristischer544 frevel/ gottes klůgheit straffen545
und zů seinen worten etwas
setzen/ in sonderheit wenn der
zůsatz wider gottes willen/ und dem nechsten zů
schaden der
selen gereicht/ und so sagen/ Da und da sal man der schwa-
chen halben warten und gemach faren/ wens got nicht ge-
sagt hat das wir langsam oder meylich546 faren sollen. Son-
derlich
wenn man durch langsamkeit die schwachen wei-
ter von dem wege der
warheit und in grossern irthumb brengt.
Deut. 17.547Es steht geschriben/
Verflůcht sei der einen blinden irren ma-
cht auf dem wege/ wie vil
mehr ist der verflůcht/ der dy blinde
sele in gots wege oder wort irren macht? das
aber thůt ein
iglicher/ der seinem brůder eyn ergernus/ ein maußfallen/ oder
des teufels lockpfeyffen548
stehn lasset. Benedeiet aber ist
der/ welcher seinem brůder sein verderbnüs/ auch
wider seinen
willen/ abreisset/ und betrübt/o dem er gůts gund/549 uff das er im
wolthů/550 Als551 ein vatter
sein kind erzoͤrnet/552 das er
liebet
wenn er im ein scharff messer nimbt/ und erzoͤrnet es.553
In den ergernussen des glaubens/ welcher einen star-
ken geist
hat/ der etwas leiden kan/ der moͤchte außrei-
sen/ niderwerffen/
und zerbrechen ehe er prediget/ als554Ge-
deon/ wie wol
er forchtsam war/ und den altar Baals in
Iudic. 6.
fehlt der nacht zerbrach/555 dennoch sag ich/ das von unnoͤten
ist
das man die offentliche ergernussen mit predigen an-
fall/556 ehe die that
folget/ das557Gedeons that anzeigt. Asa
2. Para. 12558der die greueln der goͤtzen außfeget/ und seine můtter
ab-
3. reg. 15setzet. Josaphat/ Jehu/ Ezechias/ Sedechias.559 Oder
versprechen560 als561Sidrack/ Misack/ Abdenago/562 und vil
an-
dere. Denn wie wol Paulus und Barnabas kurtze predig
gehabt haben/ sind wir dannest563 durch ire exempel nicht
gebunden/ wenn sie gleich ein grosse oder vile
predigen
fürgehabt hetten. Denn Christus exempel ist je564 so starck
als ir exempel/ der die keuffer
zůgleich auß dem tempel
jaget/ als er saget/ warumb macht ir auß meines vat-
ters hauß ein speluncken der moͤrder? ein kauffhaus?565
Su-
chet gottes gebot und lere/ so werdet ir das finden/ Bren-
get umb alle ort/ da die heyden (die ir einnemen werdet)
iren
goͤttern gedient haben/ es sey auf hohen hügeln
und bergen/ oder unther grünen
baumen/ und brecht ab/
und verwüst und thůt ab etc.566 Got hat den Juden nit gebot-
ten das sie den heiden vor567 predigen solten ehe sie ire goͤtzen
abtheten. Was seind aber unser
abgoͤttische christen568
mehr
denn569 zwifachtige
heiden?570 Drumb ist es von
unnoͤten das man
sie vor lere/ ehe man jn ir verderbnus nimbt.571 ob572 sie zür-
nen/ sie werden
darnachp wol lachen. Got hats den
Juden nit
in der gantzen welt befolhen/ sonder in den orten/ die sie würden
einnemen/ in welchen sie herschen würden. Demnach ist das
der schluß/ wo christen
herschen/ da sollen sie keyn oberkeit
ansehen/ sonder frey von sich umb hauen und
nider werffen das
wider got ist/ auch on predigen. Solcher ergernüßen seind
viel/ nemlich die meß/ bildnüssen/
goͤtzen fleisch573 das die
pfaf-
fen jetz fressen/574 und der gleichen. Wenn aber ein sach in gots
figürlichen reden gegrünt ist/575 so solt man vor predigen/576
und
den verborgen bestendigen willen gots anzeigen/ ee577 man wider
irgent eine schrift578 thet oder je579 zůgleich oder bald darnach/
so
leut fürhanden sind die sich ergern moͤchten580 an dem exempel581
fehlt wider die schrifft/
unnd ursachen des neuen exempels
vermeldten. Als582 Christus gethan hat/ da seine jünger
den
sabath brachen/ nach dem eüsserlichen bůchstaben und sch-
eyn/583 und Stephanus/ als er den tempel
versprach/584 und Pe-
trus als er Cornelium getaufft/585Paulus wider
die be-
schneidung redet und thet/586 unnd der gleichen/ die alle
das gesetz gottes
außlegten/ wye auch die propheten
than haben. Drumb wil Paulus/ das man dieses fals
der schwachen/ das ist/ der
unverstendigen schonen solt.587
Alhie aber wolt ich fragen/ warumbq ließ Paulus die
Galatern auch nit so
lang beschneiden/ biß sie/ und an-
dre/ starck oder klůg gnůg
wurden? Aber menschliche
tradition mag588 man wol brechen/ wenn sie kein pflantzen
haben goͤttlicher
warheit/589 ob man gleich sie
nit anders
niderdrucket/ denn590 mit dem wort Christi. Ein igliche
pflantzen/ so mein vatter nit
gepflantzt hatt/ die wirt
außgereüfft.591 Menschen gesatz seind der myst/592 den die
Jüden außerhalb iren gezelten593 tragen und mit erden
begraben
můsten.594 Das got verbotten/
unnd gegen im595
sündigen
macht unnd den nechsten verderbt/ sol man
bald hinnemen/ wie ehe wie596 besser/ dann damit dienet
man
got/ und thůt dem nechsten gůt/597 ob er gleich drumb
murret und schnurret/598 und brengt inen599 zů trachten nach
seinem besten/ dazů helff uns gott. Amen.
Von manigfeltikeit des ergernüß wil ich eyn
kleyn
besunders büchlin machen/600 weyl ich sehe das von noͤ-
ten ist/
unnd in dem selben clerlich anzeigen/
das die ihene mitten in dem ergernüß
liegenr/ und die krancken601 am meysten
ergren/ die doch
teglich schrey-
en/ schon602 der schwa-
chen ergernüß
halben.
KGK 272
Einleitung
