A1r
Was gesagt ist/ Sich
gelassen/ und was das
wort
gelassenhait1 bedeüt/
und
wa es in hailiger ge-
schriffta begriffen.
Andres Bodenstain von Ca-
rolstat/ ain neüwer
Lay2.
A1v
Frid und gnad gottes wünsch ichAndres Bodenstain von Carolstat/ dem Er-
samen und gotforchtsamen Joͤrgen
Schencken3/ Burger zů
Schlesingen.
Nach dem du/
günstiger lieber brůder/ von mir auß
krafft Christlicher liebe/ forderst und
wiltb haben/
das ich dir
dise woͤrtlin/ gelassen und gelassenhait/c
außleg/ und sage/ waherd sy kommen/ Bin ich gůtwillig und be-
rayt dir zůwilfaren/ zůvor angesehen/ das mein wilfaͤrig
schreyben und
außlegung/ villeicht auch anderen Christen
zů nutz geraichen mag/ als ich vermůt/
dann dieweyl du das
bůchline/ teütsche Theologia4 genant/ versteest/ und wolest
dannocht gern wissen/
waserlay bedeütung und ursprung
obgemelts woͤrtlin5 hett/ ist ungezweyfelt/ ir werden meer
sein/ so
begern zůsehen und wissen/ was obgedachte woͤrtlein
bedeüten/ unnd waher sy
kommen. Das du auch zwo bit im Va-
ter unser6 zůsamen
geflochten/ und als widerspenig7
sententz
fürgetragen hast/ Nemlich/ du
sprichst/ wann ich bete/ dein
wil geschech/8 so můß ich gelassen sein/ bette ich anders
recht.
Aber so ich sprech/ Nitt fuͤref unns ein in versůchung/ da
(sprichst du)
bin ich ungelassen/ und wil gottes willen für-
buwen9/ und dunckt dich gleich/ als weren
dise zwen bitar-
tickel wider ainander und
streyttig. Derhalben bitestu/ ich
woͤll dir auß diser
schlingen helffen. Lieber brůder/ ich bin
gewertig und berait/ dir/ sonderlich in
solcher sach/ nach
hoͤchstem fleyß und vermügen zůdienen. Wann aber dise zwo
frageng weitter umb sich greyffen/
dann man waͤnet/ ob ich
allhie kurtz und verhabenh10 sein
wurde/ das solt du mir nitt
verargen/ damit Got dem lebendigen herrn bevolhen.
Datum zů Wittenberg am Zwaintzigsten tag
Apprilis.
Anno domini iM. D. XXiii.i
A2r Ob11 das wort
gelassenj und gelassenhait/
ursprünck-
lich hie in Sachsen/ oder andern landen erschol-
len sey/ ist mir nit wissendk. Das waiß ich aber/
das die Merckischen baurnl brauchen/ und halt
es dafür/ das bey inen gemainlicherm und breüchlicher sey/
dann bey
andern/ vileicht moͤcht es inen in sonnderhait zů-
steen/ als den
Mechelburgischen das wort vehlich12 und un-
vehlich13/ den Düringen das woͤrtlin schleunig14/ den Bayern
verheyrn15/ den Francken dise wort
mißlich16 und
gelingen17/
den Schwaben
jehen18 und necken. Ich rede von
den bauren
und gemainem man/ unnd nit von den jhenen/ die auß der
tabulaturn reden/19 unnd sag/ das gar nach20 in ainem yeden
landt/ ain
hoflich woͤrtlin/ als aigen gebraucht wirt. Wa
aber das woͤrtlin gelassen und
gelassenhait entsprossen ist/
das laß ich auch unerkandt beleybeno. Auch hab ichs ge-
braucht/ das21 ichs
vermercktp22 hab/ bey anderen schreyben.
Was gelassen bedeütq.
Gelassen bedeüt sovil und geleich das/ was das wort ver-
lassen
bedeüt/ wann ich wolt schreyben oder sagen/ wir sollen
frembde müntz verlassen/
moͤcht ich für das wort verlassen
das woͤrtlin gelasen setzen/ und sagen/ Wir
sollen fremb-
de müntz gelassen. Als wann ainer sagt/ ich hab ain
sicher ge-
lait/ dafür sprech ain Mechelbergischer/ Ich hab ain
veh-
lich23 gelait/ das seind zwayerlay wort und ain mainung24/
und haben kain underschaid dann im bůchstaben und
silla-
ben/ und in dem/ das ains lieplicher lautet/ oder
frembder
ist dann das ander/ Bey unsern teütschen Francken ist das
wort
vehlich/ seltzam und frembd/ darumb25 brauchens die
Cantzelschreyber. Aber der gemain man/ paurn/ kinder/
und weyber am Rein26/ im Niderland/ tragen das wort veh-
lich alle tag im mund. Alsor
ist es mit dem wort gelassen/
des sich der gemain man/ pauren/ kinder und weyber/
nit
in allen landen gebrauchen. Aber in etlichen doͤrffern ists
A2v bekandt wie keß unnd brot. Wa es frembd ist/ da wirdt es
meer
geschriben dann geredt/ und von den mündtlich geuͤbts/
die gespreche redner sein woͤllen. Es gilt aber ain ding/
ge-
lassen und verlassen/ gelassenhait und verlassenhait.
Auch
sol dich nit kümmern/ das ich zůzeiten gelasen/ durch ain
s. zůzeiten
durch zway schreyb/ dann ich sihe das auch thůn/
die sich fur schreybmaister27 woͤllen gehalten haben.
Welcher ain gelassen mensch ist.
¶ Der ist ain gelassen mensch/ der gelaßt oder verlaßt/ und
wiewol auch der ain
gelasen mensch haissen moͤcht/ der ver-
lassen ist/ dannocht steet
sein gemainer brauch in dem/ das
ainer etwas verlassen můß und abwerden28/ des er will ain ge-
lassen mensch sein. Demnach steet das wort active/ das ist/
wircklich29/ und in
thuͤender30 weiß in diser red.
Ain gelassen
mensch/ und in dem ists etwas annders dann verlassen. Ur-
sach/ wann ich schreib/ der ist ain verlassen mensch/ wurdest
du ainen abnemen31 der verlassen
ist/ passive/ das ist leydlich/
oder in leydender weiß. Yedoch leügne ich nit/ das
diß woͤrt-
lin gelassen auch verlassen haißt passive/ und du
gelassen
bist/ so du verlassen bist. Sot du ain lateinisch wort dar-
auff wilt haben/
waiß ich dir kain bessers zůgeben/ dann das
wort Christi/ der spricht. Woͤlcher
vatter und můtter ver-
laßt etc.32 Relinquo/ sprechen die lateinischen/ und wir
layen33
sagen/ Ich gelaß
oder verlaß.34 Als wir haben
geschriben/
der mann wirt von wegen seines weybs vater und můter ge-
lassen/ und seinem weyb anhangen.35 Yedoch moͤgen wir das
wort gelasen oder
verlassen durch mangerlay lateinische
woͤrtlin außreden36/ als durch das wort deserere und renun-
ciare/ dimittere und der geleichen.37 Sihe/ gleich wie die lieb
des weybs die lieb zů
vater und můter übertrifft und ab-
schneyt/ also sol die lieb zůt
got/ alle lieb und lust (so wir in
ainiger creatur haben) abschneyden/ und dem
mennschen
niendert38 wol sein
dann in got/ ja wir můssen alle creaturen
A3r gelasen/ woͤllen wir got zů ainem beschützer und inwoner
oder herrscher
haben.
Gaistliche Ee zwischen
got und ainer geschaffen
Seele.
Das ist auch die ursach/ das zwischen got und ainer glau-
bigen
seele ain warhafftige vermehlung und ee steet/ unnd darumb
nennet sich Christus
ainen breütigam/39 und got
zůu
zeyten unsern man. Osee.
ii.40 Hie. iii.41 zůzeytenv unser weyb.
Esaie. xlvi.42 Das wir auß eelicher verainung unnd pflicht
sollen versteen/ woͤlcher weiß wir alle ding gelassen/ unnd
Got allain anhangen
sollen/ unnd dadurch lernen/ das
wir flaisch und gebain von Christo haben/ unnd
zway ding
in ainem gaist sein sollen/ als man unnd weyb zwo per-
son in ainem flaisch seind. Ephe. v.43 Das wir auch unser au-
gen zů got aufheben/
und auß seinen augen mercken sollen/
was got geliebt/ das selbe zůthůn/ oder
verdreüst/ dasselb zů
meyden/ auff das wir durch absterben unnsers aigen wil-
lens/ in seinem goͤtlichem willen leben/ und werden ain ding
mit got/ als Christus und got aines ewigen willens geweßt
seind/ unnd
unverenderlich bleyben. Das alles durch an-
hangung zů got
geschicht/ als Paulus spricht/ Welcher
got
anhanget/ der ist ain gaist mit got/44 Und Moses/ got
ist eüch angeleymbt
Deutro. x.45
Warumb sich got mit unnser
Seele verainet.
Got stifft ain ee mit dem menschen/ das der mensch merck
und wiß/ woͤlcher massen
er seynem got ist verbunden/ und
das er seinem vater/ můter/ hauß/ hof/ hab und
guͤter umb
gotes willen gelassen sol/46 und got irem eeman zů allen stel-
len/
wercken und weysen anhencklich nachvolg/ und so die
seel eeliche pflicht oder band
verbricht/ das sy ain hymelhůr
und ain lesterlicher sack/ und ain stinckende
eebrecherin sey
A3v in gotes augen. Darumb nennet got alle menschen hůren
und Eebrecherin/
die wider das gebott thůn/47 Du
solt nitt
frembde goͤtter haben/48 oder Israhel wisse das dein got ain
got ist.49 Den selben gott sollen wir also fürchten/ das
wir
kain andere macht dürffen fürchten. Deütro. iii. Esa. li.50
Dem selben got sollen wir der
massen dienen/w das wir nie-
mandt anders dienen/ auch unns selber nit dienen/ so wir
in
gotes wercken geen. Derhalben spricht Moises. Du
solt
got mit gantzem hertzen und gantzer seel dienen. Deü. x. et xi.51
Got soll unser lust sein/ und er
soll allain gemain werden/
Sůchen wir aber das unser/ oder schepffen lust auß
gottes ga-
ben/ und ziehen sy in das unser/ so verlassen wir got/
woͤlch-
en wir nit sollen verlassen/ und überfaren52 eeliche gelübt/
und werden
stinckende hůren und ungelassenx
seck. Auch sol
len wir got mit gantzery seel/ vollem hertzen/ und allen kreff-
ten lieben. Deütro. vi. et xxx.53 Lieben wir uns und das un-
ser/ so gelassen wir nit
alles/ und werden auch nit ain gaist
oder willen mit unnserem eeman/ welcher got
ist/ von wel-
chem alle eeschafft ist entsprossen in himel und
erden. Wir
muͤssen got allain anhangen/ woͤllen wir redliche breüt und
frumme
eeweyber gotes sein/ und von gottes wegen unsere
elternz/ kinder/ unnd alle hab gelassen/ ja dartzů unser
aigen
seel verlassen/ unnd ir fernaa werden/ und mit nicht54
meer an-
hangen.55 Es ist aber so mißlich/ das schwerlich geschicht
das ainer gott genůgsam
anhangeab. Darumb můß das
boͤß
und die sünd bekant werden/ woͤlche in unserm flaisch won-
hafftig ligt. Es ist unnser natur fast leüchter/ ainem ge-
schaffen eeweyb anzůhangen/ dann das sy irem schoͤpffer an-
hang. Deßhalbenac ist die
gelassenhait der eeleüt etwas be-
kanter/ unnd in sinnlicher weiß
fast mer gebruͤfft/ dann die
verlassenhait/ welche wir got schuldig seind. Aber wir
sol-
ten auß gelassenhait die eeleüt lernen/ wie wir unns
aller
ding umb gottes willen solten entschlahen56 und eüssern57/ und
über alle creaturische wesen schwingen/ und allzeyt in go-
A4r tes augen sehen/ wie der magt augen auff irer frauen au-
gen warten58/
ja besser und hoͤher/ als den/ die geschaffne tu-
genten
ungeschaffne und hoͤher ding anzaigen.59 Ich hoff/
du wissest yetz baser60/ was das wort gelassenhait bedeüt dann
vor61/ und adwiewol ichad dir gnůg gethon hab/ dannochtae will ich
ain rede oder zwů
Christi handlen62/ damit auch das
boͤß la-
ster ungelassenhait/ erkant und geflogen werd.
Was ainer gelassen soll.
Darumb ist zůmercken/ das ich das mein in kainerlay
weiß und weg solt sůchen oder
mainen/ wann ich got behagen
wil/ Diß wort/ mein/ begreyffet mein eere/ mein
uneere/ meinen
nutz/ meinen schaden/ meinen lust/ meinen unlust/ meinen
lon/
mein peinaf/ mein leben/ meinen
tod/ bitterkait/ froͤlich
hait63/ und alles das ainen menschen mag anrieren/ es sey
an eüsserlichen
gůtern/ unnd leyplichen oder innerlichen
dingen/ als vernunfft/ woͤllende
krafft64 und begirden. Al-
les darinn/ ich/ und ichait/ mich/ und meinhait65 kleben66 mag/
das selb můß außgeen und
abfallen/ soll ich gelassen sein/
dann gelassenhait tringt unnd fleüßt durchauß/
über alles
das geschaffen ist/ und kumpt in ir ungeschaffen nicht/ da
sy
ungeschaffen und nicht geweßt/ das ist in iren ursprung
und schoͤpffer/ wann als du
nicht geweßt bist/ da bistu in er-
kantnuß und willen gotes gantz
mit ainander gestanden/
und ist auf erden und himel nichts geweßt/ des du dich
het-
test moͤgen mit recht annemen67. Also soll ich und menigklich-
er noch heüt thůn/ und von mir und von den meynen nicht
wissen oder finden/
des mich gelusten moͤcht/ und solt in go-
tes willen also
versuncken68 sein/ das ich mir
warhafftig-
klich erstorben69 wer/ unnd wer mir noch übler/ also/ das ich
herbe
bitterkait70 empfundag und het/ das ich mit meinen be-
girden můß umbgeen/ unnd sy in mir wissen. Darumb solt
ich wünschen/ das ich an ain bitter
schmachcreütz71
geschla-
gen were/ das ich auch ainen erschrecklichen grauwen vor
A4v mir selber het/ das ich vor meinen gedancken/ begirden
und wercken/ als
vor aim greülichen laster schemet/ wie ain
gelb eyterig geschwerflug72/ das ich in meiner seele und
kreff-
ten nichts anders sihe/ dann unvermügenhait zů allem
das
gůt ist/ und widerumb vermoͤgenhait und zůnaig/ zů allem
dem/ das boͤß/
strefflich/ lesterlich und schmechlich ist/ derenah
ich kaines moͤcht und wolt annemen/ sonder vil lieber
ver-
leügnenai/ als ain boͤß missethat73/ das aber gůt und lobwir-
dig ist/ das solt ich alles
auff74 in den ursprung tragen/
und
dem zůerkennen/ bloß und frey und gantz/ der es geschaffen
und geben
hat.
Blosse noturfft suͤchen.
Auch sollt ich nichts sůchen in allen anderen creaturen/
dann allain blosse und
lautere notturfft75/
und die selbe nit ob-
enhin/ sonder mitt grosser forcht/76 dann wie ich mein
hailig-
kait můß in grosseraj forcht und bidmen77 wircken/ als Pau-
lus sagt/ und David spricht/ sagend. Dienet got mit forcht
und springet im auf mit
ziterung Psal. ii.78 Also solt ich
al-
ler creaturen zů blosser notturfft geniessen oder
brauchen/
Wir muͤssen got dienen/ unnd das ist verlich79. Aber da soll
nicht gesůcht
werden/ dann allain/ das wir dienen muͤssen/
das ist noturfft80. Aber dannocht soll die selb noturfft
mit
grosser forcht unnd erschrecken gesůcht werden/ gleich wie
ain krancker
mit grausen sein speiß nimpt zů grosser not-
turfft/ oder ertzney
nimpt on lust zů schlechter erhaltung81/
darumb bat David unnsern
herren/ak sagend/
Durchheffte
mein flaisch in deiner forcht/82 oder als Hebreisch83 innhelt/
Mein flaisch hatt sich
also gefürcht/ dann mein hare gen
berg steygen.84 Psal.85 Als sagt David/ Mein flaisch hatt
ain grausame forcht in deiner forcht/ gewißlich
ain grau-
sames bidmen86/ das sy sich ye nicht anneme das gůtt ist/87
ja essen und trincken ist des
leybs noturfft/ dannocht sůcht
der gotforchtsam mennsch das selb mit grosser
forcht/ und
B1r huͤte sich ye/ das er des nit vergeß/ der im essen und trincken
beschert hat/ der allain got ist. Deutro. viii. et vi.88
Aller lust/ on gotes ist sünd.
Es ist aller lust sünd/ und ist bald geschehen/ das sich ai-
ner
an essen und trincken vergreyfft und verbrennet/ und
wer uns nützer/ wir
besprengten essen und trincken mitt aͤsch-
enal89/ dann das wir unser maltzeit lassen besingen/ dann des lu-
stes art thůt uns an gotes erkantnuß/ und goͤtlichem werck
verhindern/ derhalben spricht Esaias/ Ir hapt
harpffen/
Leyren/ baucken90/
schalmeyen/ und wein in euwerm wolle-
ben/ und haben nit achtung
auff gottes werck/ unnd be-
tracht nit die werck seiner hend/ Esaie
v.am91 Es ist ferlich92/
das allerminst93 ding mit lüsten zůbrauchen/ dann alles das ai-
nen gelust/ das ist sein hertz und schatz/ als Christus94 sprichtan/
und macht inao zů ainem knecht/ unnd besitzt in als ain herr
sein vich
besitzet. Darumb sollen wir alle noturfft95 (mitt
forcht) bitten/ sůchen/ nemen unnd geniessen/ unnd derhalb
mit forcht/ das wir kaines gůtten wirdig seyen/ dann so ich
mich ansichap und erkenn/ so find ich/ das ich und
meine krefft/
und alles das mir zůsteen mag/ nichts werdt ist/ das nichts
gůttes in mir und in den meinen ist/ unnd scheme mich des
meinen/ wie moͤcht ichs
dann annemen und lieben? In mir
find ich boͤse gifftige zůnaigung zů dem boͤsen/
nach dem als
got sagt/ die gedancken des mennschen seind zů dem argen
genaigt/96 Allerlay
gebresten97 und
untugent find ich in mir/
welche ich meer woͤlt fliehen dann sůchen. Derwegen
dringt
gelassenhait durch alles das mein/ und urtailet mich und
alles das mein
ist/ aller gůthait unwirdig und spricht/ Mir
gebür nicht gůtes von recht/ das gott
oder ain creatur ge-
ben kan/98 das ich auch solt in allemaq dem meinen gestrafft
werden/ und das ich der straff
kaumar wirdig bin.99 Also fleügt
gelassenhait
überauß/ und wirfft den menschen in ain ge-
strenge verachtung und
gruwenas seyn selber/ unnd machet/
B1v das der mensch denckt/ es ist zimlich100 und recht/ das gott und
alle sein creaturen wider mich
seind/101 als geschriben
steet/
vermaledeyet ist der/ der da spricht/ Warumb machest du
mich
also.102
Ungelassenhait.
Aber die teüffelisch untugent/ annemligkait103 oder unge-
lassenhait/ greyffet nach
frembder eer und gůt (als der Lu-
cifer nach gotes glorie griff104) die hat ainen blinden kopff/ und
kan des menschen
umbstend/ grobhait105/ und
anhengig gebre-
sten106 oder boßhaiten nit erkennen. Sy besicht107 sich/ aber findt
kain unwirdigkait in ir/ und
felschet also gottes urtayl und ge-
rechtigkait. Diße gifftig
boßhait/ schetzt sich allesat
gůtten
wirdig/ und sůcht lust und aigen thůn in allem dem/ das
got gibt/ und
zürnet/ so ir etwas gůtes abgezogen wirt/ das
ir ist stets das best/ lobt man
yemandts/ so rimpfft sy das
maul/ dasau nit das ir gelobt würtav. Empfachtaw ain andrer
etwas gůts/ und sy nitt/ so zürnet sy hefftigklich/ und spricht/
got sey ungerecht. Zů allen dingen wil sy recht/ und in al-
len
nottürfftenax ergetzlichait und
wolust haben/ ir sol nicht
abgeen108/ sonder stets wol sein. So sy überwunden109 ist/ das sy
unrecht hat/ wendt110 sy vil behelffred für/ und bedeckt
(mitt ent-
schuldigung) was sy kan. Darumb hayßt sy billich111
ungelas-
senhait/ weyl sy nichts gůts wil verlassen/ und
Annemlig-
kait112/ das sy sich aller tugent fast annimpt/ und in sich mi
lüsten zeücht/
und für das ir achtet.
Underschaid zwischen gelas-
senhait und
ungelassenhait.
Gelassenhait hat alle lieb und lust on mittel/ in got lau-
ter113/ und liebet got
nicht als das oder jhenes/ sonder als ain
wesenlich güt. Ungelassenhait hat lust
und lieb/ in dem/
das geschaffen ist/ und liebet diß oder jhenes gůt/ als ir
ai-
gen gůt. Ob sy auch gleych tausent mal von gott thet reden
B2r und predigenay/
dannocht steet ir lust in dem/ das sy reden kan/
oder in irer weißhait/ oder in dem
bůchstaben/ welchen sy zů
aigem rům/ lob/ gelust und schatz gefaßt/ und in sich
gezo-
gen hat/ und nit bloßlich114 in got. Exempel/ Ich wenet〈/〉
ich
wer ain Christ geweßt/ wann ich tieff unnd schoͤn sprüch auß
Hiere.115 geschrifft klaubet/ und behielt sy
zů der disputation/
lection/ predig/ oder ander reden und schreyben/ und es
solt
got auß der massen wolgefallen/ Aber als ich mich recht be-
san unnd bedacht/ da fand ich/ das ich weder got erkant/
noch das hoͤchst
gůt/ als gůt liebet. Ich sach〈/〉 das der geschaf-
fen bůchstabeaz/ das
wasba/ das ich
erkant und liebet/ in dem-
selben růwet ich/ und der selb was mein
got/ und mercket
nicht/ das got durch Hieremiam gesprochen hat. Die mein
gesetz halten/ die erkennen mich nit/
und sy haben auch nicht
nach mir gefragt Hiere. ii.116 Sich da/ wie kan ainer das ge-
setz gottes handeln und halten/ unnd got weder erkennen/
oderbb nach ime fragen/ den bůchstaben
erkent ainer wol/ oder
hat lust in ime/ aber gott erkennet er nit/ wann er mit lieb
und
lust in dem bůchstaben steet/ dann die gottes süne117 seind/ die
werdenbc von gottbd getriben/ nit vonn dem bůchstaben.be118 Ja〈/〉
es ist dise weißhait vermaledeyt/ und nit ain
goͤtliche/ son-
der ain menschliche weißhait/ über welche got
spricht. Wee
eüch/ so weiß seind in eüwern augen/ und vor eüch selber für-
sichtig. Esaie. v.119 Was ist dise weißhait anders/ dann ain
weißhait in menschen
augen/120 wann wir die
schrifft und ande-
re creaturen (auß welchen wir got solten
erkennen und lie-
ben) zů unnserm lust eintragen121/ und woͤllen etwas vor ai-
nem anndern wissen/ als layder vil layen yetz/ die schrifft
fassen und lernen/ das sy in zaichen wol leben und reden/ et-
was
vor ainem andern wissen/ ist das nitt ain weißhait in un-
sern
augen? frag dein hertz/ und antwurt mir. Ists nit ain
verflůchte weißhait? liß Esaiam/ Paulum
und Christum/ und
merck das du got nit sůchest/ sonder dich/ dann du můst
hoͤrn
in deinem hertzen/ das Christus zů ainem gleichen fal sprach.
B2v Ir sůcht mich nit darumb das ir zaychen habt gesehen/ son-
der derhalb/ das ir geessenbf hapt und satt seind. Joan. vi.122
Also sůchen wir got auch nitt in diser weiß/ als
angezaigt
ist/ darumb das er got ist oder uns sein wort geben hat/123
son-
der derhalben/ das wir wol von der geschrifft reden
künden/
und werden gesehen unnd gelobt/ Sihe da merck wie lüstig-
klichbg dise untugent
handelt/ welche ich annemlichait124 und
ungelassenhait nenn/ wie bald sy sich sůcht. Wann aber ich/
mein ich/ unnd ichait/125
ichts126 und etwas
kündbh zůboden und grund127
gelassen/
und leyden/ das ich in aller menschen augen nicht
wer und wurd/ so mecht ich in
recht erkantnuß und lieb go-
tes kommen/ und ain gelassen mennsch
werden. Wann das
geschech/ ungezweyfelt/ ich wurd weder schreyben noch pre-
digen/ vermanen oder verhindern/ weder loben noch schel-
ten/ und sagen. Ich habe meine fuͤß gewaschen/ meine klay-
der außgezogen/ und ich schlaff/ aber meyn hertz das wach-
et/ solt ich wider auff steen/ Ich erfreu mich in innerlich-
em hoͤren/ solt ich leeren oder predigen und mich beflecken/
Canti. v.128 Ich wurde mich
aller reden enthalten/ und nicht
leeren/ ich wer dann auß goͤtlichem gehorsam/
bruͤderlicher
lieb/ und Christlicher treuw dartzů getriben/ doch wurd
ich das
alles/ auß grosser forcht umb Gottes willen und ere/
und so wenig thůn als müglich
ist/129 dann es
ist grosse ferlig-
kait130 allenthalben/ Darumb/ das uns ungelassenhait mech-
tigklich anficht. Christus spricht/ Ain yeder auß eüch/ der
nit
allen dingen urlaub gibt/ so er besitzet/ der mag nitt
mein leerjungerbi sein. Luce xiiii.131
Gelassenhait berait die Seel
zů der Studierung
goͤtlicher dingbj.132
Es ist kain geringere beraitung133/ dann dise/ das ainer ain
leerjungerbk oder discipul werd. Wann ainer ain
handtwerck
wil lernen/ so bedarff er nit der ains/ der sein maister tau-
sent behofft134. Under allen schicklichaitenbl135/ ist
das die minst/
B3r woͤlche leerjung haben miessen/ wiewol sy groß und etwas
ist/ ist sy
geringschetziger dann geschicklichait des maisters/
Aber Christus fordert von
seinen leerjungernbm ain soliche
ge-
schicklichait/ welche über alle natürliche krefften ist.
Er
will das wir alles gelassen sollen/ das wir besitzen136/ und das
wir kain creaturisch ding in unser
seel lassen eingeen/ und
das die seele alle ding überwind. Aber das ist aller
vernunfft
unmüglich/ als Christus bekent/ sagend. Das bey den men-
schen unmüglich ist/ das ist müglich bey Gott.137 Das ain
mensch sein guͤtter verlaß umb gottes
willen/ das vermag
er nit/ es sey dann/ das ims got in sonnderhait und wunder-
barlich ain solchen gelaß verleych.138
Socrates139 und andere
alte gesellen/ haben reichtumb an gelt gering
geschetzt/ ab-
er reichtumb der weißhait/ ist inen so werd und
hochschetzig
geweßt/ das sy nit zeytliche guͤter verliessen/ sonder umb
bessere güeter wechselten oder verkaufften/ Darumb haben
sy nit guͤtter verlassen
umb gotes willen/ sonder umb weiß-
hait/ willen die doch vor gotes
augen ain thorhait ist/ als ge-
schriben steet/ Weißhait diser
welt/ ist ain thorhait vor got.140
Derhalben muͤssen alle menschen/ weltliche fürsichtigkait
auch gelassen/
und bey der welt narren werden/ woͤllen sy
klůg unnd weiß vor got werden. i.
Corinth. iii.141 Demnach
ist
scheinlich/ das die alten Philosophi guͤtter nit gentzlich
verlassen/
sonder bley für gold gelassen haben. Diser gelaß
ist nit ain geschicklichait142 aines leerknaben Christi/ mit
sol-
ichen gewin gelassen/ sonder umb gotes willen
verzeyhen/
dann es ye zwayerlay ist/ wechseln und verzeyhen/ oder ge-
lassen und beytten. Derhalben sag ich/ das dise beraitung143
(so ain schůler Christi soll
haben) wichtiger ist/ dann alle an-
dere beraitung aines
leerjungen/ der weltliche künst oder
handtwerck gedaͤchte zůlernen.
Erste forderung aines Maisters.
Vor allem fordertbn ain maister
von seinem schůler/ das
B3v er lieb und lust zů seinem handtwerck hab. Wa ain lustige
begerung zů
ainer leer nit verhanden ist/ da ist hopffen und
maltz verloren/ hat er aber lust
und lieb zů der kunst seines
maisters/ zweyfelt man nitt/ das der jung
bequem144 sey
zů
lernen. Auch můß der leerjungerbo neydes unnd hasses ledig
sein zů dem Maister und seiner kunst/ das
volget von noͤ-
ten auß dem ersten.
Geschicklichait des leerjun-
gen Christi/ ist die
hoͤchstbp.
Aber Christus leget seinen leerjungen ain geschicklichait
für145/ die überauß meer ist/ als das der
mensch aller lusten
und troͤsten bloß146 und letig sey/ und spricht glat auß/ Wel-
cher nit alle ding verlaßt/ der kan nitt mein discipul oder
leerknab sein.
Luce xiiii.147 Das ist sovil
gesagt/ Es ist un-
müglich das
yemand mein leerjunger sey/ bqweil erbq ain klains
dinglin besitzt/ Das ist hoffnung oder trost/ lust
oder lieb/
in ainem minsten148 oder hoͤchsten ding hat. Gůt haben/ ist
vertrauwen in gůtt/ dann als
sich Christus selber verklert/
Gelt haben/ ist vertrauwen und trost in gelt und
gůt hab-
en. Marci. xi.149 Derhalben ist gelt verlassen so vil/ als weder
hoffnung/
noch trost/ noch lust oder lieb in gelt haben/ das
ist besser dann gelt leyplich
lassen/ oder mit der that gelassen/
und in begirden behalten. Nun wie
Christus dise gelassen-
hait im gelt erleütert hat/ also ist sy
auch in andern stucken
zůvernemen/ und ist das zil/ darauff Moses/ Propheten/
Christus/ und seine Apostel deyten und
weysen/ das die jhene/
so etwas haben/ sollen sein/ als hetten sy nicht/ und
wider-
umb die unhabende und arme sollen sein/ als die
habenden
und reichen/150
Die arm seind/ sollen kain sorg haben/ was sy
morgen essen/ oder wer sy speysen
würt/151 die habendenbr sollen
auch mit nicht sich ires
gelts getroͤsten/ ob sy aller guͤter be-
raubt weren/ sollen sy
sagen/ got hat sy geben/ got hatt sy
genommen/ wie es got behagt/ also ists
gescheen/ der namen
B4r gotes sey gelobt und wolgesagt. Job i.152 Sy miessen gedenck-
en/ das sy got gleich
so wol bloßbs auff erdtrich biß
ins grab
ernoͤrn153 mag/
als er sy bloß zum leben bracht hat/ wie Job
sagt. Ich bin nackend geborn/ und würd nackend oder bloß
in die erden geen154/ und es ist auch also in der
warhait/ wann
uns got nit speyset und fůretbt/ ob wir gleych essen und trunck-
en/ wurden
wir doch nit satt/ als Osee. iiii.155 steet. Darumb
nur freysamlich156 gearbait/ aber doch on sorg/ so mügen wir
gottes
leerjungerbu werden/ in disem
fal/ sunst ist es unmüg-
lich/ das wir etwas in der warhait und im
gaist von got ler-
nen unnd einnemen. Also sichst du das
gelassenhait ain an-
fang Christlichs leben ist/ und můß alle
goͤtliche tugent er-
halten/ wa sy nit wachet/ da felt der
leerjungerbv vonn der
schůl
Christi/157 dann Christus
spricht. Non potest meus disci-
pulus.158 Es ist nit müglich/ das ain sollicher
ungelaßner
mensch mein junger werd/ der ain dinglin besitztbw/ oder nit
aller ding gelassen ist. Demnach
miessen alle ding verlas-
sen werden/ und unser annemen zůboden
sincken/ und wie der
wind ain steüblin verweet/bx zerstreüt werden.
Gelassenhait in gelassenhait.
So můstu auch achtung haben/ das du gelassenhait in
gelassenhait habest/ das ist/
das du dich deiner gelassenhait
nit annemest/ das du nit deine hoͤchste tugent mit
lieb und
lust besitzest/159
die dich in got tragen solt/ und das du nit da
steest/ da du vorby fliehen soltest. Ob du in thůender und
wirck-
ender weiß160 werest gelassen geweßt/ und hettest weder in dei-
nem leyden oder wercken lust und lieb gehabt/ sonder es waͤr
in
deinem gemůt gar nichts gesehen oder geacht/ unnd ge-
daͤchtest bey
dir/ Ich darff nit das minst brot oder korn/
(von rechts wegen) von gott
fordernbz/ unnd wissest das
dir
carecht
geschechca/ so dir
gott weder narung noch leben/ noch
himelreych geben solt/ unnd thet dir recht/ wann
du ver-
derben soltest. So muͤssest du dannocht dise edle tugent
B4v auch gelassen/ und ernstlich verwarten/ das du nit dein ge-
lassenhait mit gunst/ lieb/ lust und aigenschafft besetzest/
dann Christus
spricht mit liechten worten/ es sey dann/ das
ainer alle ding gelaß/ die er
besitzt/ so mag er nit mein jung-
er sein161. Sihe nun/ wie bitter und herb die schůl Christi
ist/
und ob es unser vernunfft/ willen und natur nit ain greü-
lich jemerlich ding ist/ Und merck ob Christus recht gesagt
hatt/ Woͤlcher
nit sein Creütz tregt/ und geet nach mir/ der
kan nit mein leerjunger sein Luce.
xiiii.162 Das sagt
Cristus
ee er dise gemain schlußred setzt/ die ich obgehandelt hab163/ da-
mit
leeret Christus/ das solliche gelassenhait/ die alle ding
übergibt/ ain teglich
Creütz ist/ welches wir teglich164 tragen
muͤssen und nicht stilsteen/ sonder Christo nachvolgen/ und
da sein
mit willen/ gedancken/ lieb/ lust/ layd/ unnd allem
dem unsern/ da Christus ist zů
der gerechten gottes/ in go-
tes ewigen willen verschmeltzen und zů
nicht werden.165
Fürschlag166 oder
rechnung167
der
geschicklichait168.
Auch hatt Christus nit ainmal/ noch an ainem ende/ son-
der an vil
enden/ und an ainem end offt von diser tugendt
gesagt/ das ain leerjunger thůn můß/
sam169 ainer thůn woͤlt
der ain hauß oder thurn170
gedechte zůbuwencb/ der
zůvorcc sein
taschen und
beütel klopffet/ unnd sein vermoͤgen rechnen
woͤlt/ ob er sollichen bau moͤcht
volbringen/ und so er merck
et/ das er genůgsam vermag/ so hebt er an
zůbauwen.171
Deß-
geleichen sollen alle Christen thůn/ yegkliche/ so
Christi
schůler werden woͤllen/ die muͤssen sich erstlich aller ding er-
wegencd und
verzeyhen/ Ja sy muͤssen alle ding letzlich abge-
segnen/ und in
der weiß und mainung gelassen/ als ainer
etwas entlich verlaßt/ das er hasset/ unnd
nit meer zů sich
nemen wil/ das ist/ renunciare/ letzlich urlauben und von
sich treyben. Woͤlcher also alle ding gelaßt/ der mag ain
discipul und leerjung
Christi werden/ dise seel můß noch auff
C1r disen heüttigen tag formloßce sein/ das ist/ bloß und wuͤst172 sein
aller Creaturen/ wann sy got sol einnemen unnd
geschehen
lassen/ das sy got besitzet/ herrschet unnd zyeret/ als in der er-
sten schaffung was (himels und erden). Woͤlcher dann nitt
findt/ das er sich verzeyhen kan aller creaturen/ hailigen/
und unhailigen/
gaistlichen und leyplichen/ himlischen und
irdischen/ der denck nur nit/ das er ain
leerjunger Christi
werden müg/ laß im kainer traumen/ das got eingee/ wann
creaturen die seel erfüllen/ troͤsten oder gelusten Hie. vii.173
Sy seind in iren gelüsten und boßhaitten ires
hertzens von
mir gangen/ unnd haben mich nit woͤllen hoͤrn. Hiere. vii.174
Wann wir ainem solchen herrn
den ruck zůkerten175 und
weiß-
ten/ solt er uns sein angesicht zůkeren und günnen?
Nain
die doppelbůben (etliche keßjeger)176 haben auß diser verzey-
hung ain lotterspil
gemacht/ und das/ renunciare genent/
vor den leüten nicht haben/ und im kloster
voller reichtumb
sein/ Eüsserlich nicht gůts thůn/ und inwendig voller
blůts
(das ist/ ha? und neydes) seind. Der welt sich mit wor-
ten erwegen
und widersagen/ und dem teüfel und ainer welt-
lichencf welt in ir garn fliehen.177 Das laß ich yetz faren/ aber
das ist erlogen und ain bůbenstuck/ das sy sprechen. Es ge-
hoͤrt
den München zů/ sich aller ding verzeyhen.178 Dann Chri-
stus sagt/ das ain leerjunger
allen dingen urlaub179
geben/
und sy zů letsten gesegnen soll/ mit verzeyhung aller hoff-
nung wider zůbesitzen/ woͤlcher das nit thůt/ der wirt ver-
spot/ als der ainer/ so ainen bau anhebt180/ den er nit kan
volbringen.181
Waserlay ding zuverlassen seind.
Nu moͤcht ainer fragen/ woͤlche ding soll ich gelassen/ so
ich ain leerjunger
Christi werden wil? Und wie haissen die
guͤter/ woͤlchen ainer solt widersagen/ so
er getaufft/ oder
ain leerjunger Christi würt? Darauff antwurten Prophe-
ten also.182
Aller ding/ so in himel und erden seind/ můstu dich
C1v verzeyhen/ unnd hertzlich unnd ewigklich entschlahen/ sy
nimmermeer mit
trost und lust zuhaben/ dann sovil got haben
wil/ und fordert Christus macht solche
guͤter namhaffti-
ger/ dann etliche Propheten/ als er auch ain
außleüchtend
liecht ist.183 Wann ich der Propheten sprüch solt erzelen/ můst
ich
ain gantz bůchlin machen/ das nitt tauglich ist. Dar-
umb wil ich
ainen tapffern spruch nemen/ des allergelas
senste knecht gotes Mosi/ der also spricht/ Du solt got lie-
ben
auß gantzem hertzen/ auß gantzer seel/ und auß gantzen
krefftencg Deutro. vi. x. xxx.184 Sihe da/ das ich got allain
lie-
ben sol/ ist dem also/ so ist mir verbotten/ das ich etwas
mit
lieb und lust annem/ das nit got ist/ das geschicht im glau-
ben/ woͤlcher ist als ain senffkoͤrnlinch.185 Het
ich etwas neben
got lieb/ so liebet ich gott nit mit gantzem hertzen/ dann die
stat meines hertzens/ die ain annder ding lieb hat/ die wirt
got entzogen/ und
moͤcht nit gesein/ das ich got mit gantzem
hertzen liebet. Dise lieb ist ain
gaistliche beschneydung/186
diß
ist ain abschneydung aller creaturen vom hertzen. Deutro.
xxx. Hiere.
iii.187 Wann nit alle
creaturen vom hertzen geschai-
den seind/ so kan das hertz got nit
gentzlich lieben. Wann
hilff/ trost/ vertrauwen/ in ainigem ding gesůcht wer/
das
nit got ist/ so wer das hertz unbeschnitten.
Der glaub beschneyt das hertz.
Derwegen spricht man/ das der glaub das hertz beschney-
de/
derhalben/ das er das hertz auff/ in gottes vertrauwen
hebt/ und macht es sonst
aller ding trostloß.
Unbeschnitten oren.
Sihe/ Hieremias spricht/ Unbeschnitten oren
künden
nit hoͤrn〈/〉 was got leeret. Hiere. vi.188 Was ist das anders/ dann
das
Christus saget/ woͤlcher nit alle ding gelasset/ der kan
nit mein junger sein Luce.
xiiii.189 So merck ich
klaͤrlich/ das
ain ungelassen ore/ ain unbeschniten or ist/ und kan darumb
C2r nit hoͤrn/ das mit lüsten und vertruwen anderer leeren und
creaturen
ist besessen/ das ist/ das auch gott spricht durch
Hieremiam. Ich sagt/ hoͤrend mein stimm/ so würde
ich eü-
er got/ und ir mein volck. Aber sy haben nitt gehoͤrt/
und
haben ire oren nit genaigt/ sonder sy seind in iren wollusten
hinweg
gangen etc. Hiere. vii.190 Ist
nit das klar/ das ain un-
beschnitten hertz oder ore/ ain hertz
oder ore ist/ das wollust
hat in andern leeren/ so nit von got geben seind/ oder
das
sunst in andern dingen lust/ lieb/ trost oder forcht und be-
sorg hat/ und nit alle lieb oder laid in got hat/ von gotes we-
gen hat. Darab mag menigklicher versteen/ das ain beschni-
ten hertz/ sich aller creaturen vor verzeicht und alles/ das
nit got ist/
gelasset/191 das auch kain
hertz got gentzlich/ mit
gantzem umbgriff192 und vollerci lieben kan/ wann sichs mit ewi-
gercj creatur verainet oder vermischt/ ursach/ welcher
gott
gantz anhangt/ der vermag nit/ an etwas anders hangen/
Nu alleweil wir
got allain/ und gantz můssen anhangen/
(Deu. x. Josue xxiii.193) volget/ das unser hertz nit zum tail an
got/
zum tail an engeln oder hailigen hangen darff/ sonst
hieng es nit allain an got/
sonder auch an andern dingen.194
Gelassenhait der hailigen.
Gleicherweiß alle voͤlcker gotse seind/ und got hat sich
doch sonnderlich und
allain an sein außerwoͤlt volck ge-
leimbt195/ und nit andere voͤlcker. Deut. x.196 Also můß sich das
hertz
allain an got binden und anleymen/ wiewol es sunst
vil hailigen/ Engel und menschen
vor augen/ oder in ge-
dechtnuß moͤcht haben/ das ist/ das got
spricht. Ich hab das
hauß Israhel und Juda an mich geleimbt/ das mein volck
werd/ zů meinem namen/ zů meiner glorien und lob. Hiere.
xiii. et xxx.197 Wir můssen nit zů den hailigen
schreyen oder
lauffen/ sonder zů got/ der unns derhalben an sich gehefft
hat/
das wir nach im geen/ und verlassen Engel und haili-
gen/ můst ich
dann zůerrettung schreyben/ das leym ist lieb.
C2v Auch ist zůmercken/ das gott mit dem leymen an sich ley-
met und anhenckt/ den Moses die lieb haißt/
das magst du
sehen Josue. xxiii.198 Was er ankleben oder anhangen haißt/
i. Regum. xviii.ck et xix.cl199 Dieweil dann ain recht gelaubig
hertz an nicht anders klebet/ dann an
got/ und die lieb got-
tes der leym ist/ welcher an gott bindet/
volget/ das ain be-
schniten unnd liebhabend hertz/ alle creaturen
mitainan-
der gelassen hat/ und an nicht anders mit lieb klebt/
dann
an got. Es ist auch unmüglich/ das gotes lieb in ain hertz
eingee/ es sey
dann/ das lieb/ lust/ trost und vertrauwen aller
creaturen von ainem hertzen
fallen/ Derhalben spricht Mo-
ses/ das got das hertz zů erst beschneyd/ das ist/ die creatu-
ren auß dem hertzen treybt/ und das sollich beschneydung
und
außtreybung der creaturen derhalben geschicht/ das
wir got mit gantzem hertzen
mügen liebhaben. Sagend/
Got wirt dein hertz beschneyden/ auf das du in mit
gantz-
em hertzen liebhabest. Deutro. xxx.200
Niemandt kan sich sel-
ber beschneyden.
Nicht das solche lieb auß unnsern krefften wachs. Nain.
Got můß seinen leym
selbercm anstreychen/ dann got
spricht/
Ja ich wird in zů mir zůfuͤgen201 oder mir zůaigen/ und er wirt
zů mir kommen/ dann warumb?
Woͤlcher moͤcht sich zů mir
naigen/ auff das er mir nahcn werd? Hiere. xxx.202
Es kan sich
kain hertz/ der creaturen ledig und
bloß machen/ auß aigen
krefften/ sonder got der beschneydt/ darumb warden die
kin-
der von andern beschnitten/ damit angezaigt würd/
das
sich kainer der creaturen moͤcht hertzlich und ewigklich er-
wegen und verzeyhen. Es vermag auch kain hertz/ das es
sich auß
aigen vermoͤgen zů got naig oder fuͤg/ sonder got
můß alle ding in seinem hauß oder
tempel selber schaffen
und ordnen/ die er darein haben will.
Prepucium verstopffung.
Die Juden verteütschen das wortt prepucium203/ mitt ai-
nem bequemen204 wort/
sagend/ es haiß ain verstopffung/ und
beschneydung/ sey ain wegnemung der
verstopffung.205
Ai-
gentlich ist das hertz verstopfft und verhoͤrt/ das
unbeschnit-
ten ist/ und es ist gewiß/ das die creaturen/
menschlich hertz
verstopffen/ also/ das got nit will eingeen/ und sein hauß
be-
sitzen/ ee die creaturen abfallen/ und seel bloß und
letig wirt.
Es ist ain ding/ gelassen sein/
und ain beschnitten hertz
haben.
Nu sich/ ob nit ain mainung ist. Es kan niemant got
lieben/ es sey dann/ das sein
hertz beschnitten werd/ von al-
len gelüsten/ vertrauwen/ troͤsten
und forchten der creatu-
ren. Das Moses sagt/ und das Christus spricht. Es sey
dann/ das ainer alle ding
gelaß/ welche er besitzt (das ist/ dar-
inn er trost/ lust/
vertruwen/ oder forcht hat) so mag er mein
leerjunger nit sein.206 Wir lesen/ das Cristus mangerlay
leüt
zů seinem abentmal berůfft/ der kainer kam/ sonder ain ye-
der entschuldiget sich. Der ain/ mit ainem erkaufften dorff/
der ander mit
Ochssen/ der drit durch Eestifftung etc. Lu-
ce xiiii.207 Die selben entdeckten ire
verstopfften und ungelaß-
ne hertzen in dem allensampt/ das sy
gotes stimm und ladung
zů ainem gůtten mal/ nit mochten oder wolten annemen/
und Christus gab das exempel/ sonderlich das wir lerneten
wie sy der haußwirt zů
gast und froͤlichait gebeten hab/ und
nit für gericht oder rechnung/ dannocht
wollten sy nit kom-
men/ das die warhait ye bekant wurd/ das kain
hertz got-
tes stimm annemen mag/ das lust/ lieb/ sorg/ unnd forcht
in
creaturen hat/ mag es nit ain freüntliche ladung gottes
annemen/ wie moͤcht
es feindtliche und zornige forderung
leyden? Darumb spricht Christus/ es sey dann/
das ainer alle
ding gelaß etc.208 Es hat auch Cristus in gedachter Parabol
C3v stucke der creaturen genent/ die wir verlassen moͤssen/ so wir
sein
leer oder stimm woͤllen annemenco
und behalten/ got war-
hafftigklich erkennen und lieb haben.
Christus nennt ain
dorff/ Ochssen/ und Eeweyb/ und wiewol dise genente creatu-
ren/ auch alle andern creaturen anzaigen/ woͤlche wir ge-
lassen sollen. Yedoch wil ich euch andre namhafftig mach-
en/ die auch Christus hat namhafftig gemacht/ Christus
nennet
heüsercp/ aͤcker. Matthei. xix.
Marci. am x.209
Brůder
Schwester/ vatter/ můtter/ kinder/ eeweyb. Mat.cq et Mar-
cicr eodem. Luce. xviii.210 Item unser aigen seele. Luce.
xiiii.
xvii. Marci. viii. Joan. xii.211
Grad des Sichhait212 und ichhait.
Bey dißen creaturen sollen wir auch andere versteen/
und ob gleich kain creatur
benent/ wer doch das genůg/ das
sich der mensch selber sol verlassen/ dann der
mensch ist das
gantz/ und die niderst creaturen/ die tail/ also/ der mensch
zeitten alle creatur gehaissen/ und von etlichen die klaine
welt.213 Seintemalcs214 die menschlich natur in sich/ aller irdi-
schen
creaturen〈/〉 wesen oder art beschleüßt215/ als nemlich. Der
mensch hat in sich das
wesen/ welches allen elementen/
stain und holtz gemain ist/ das ist/ ain gemain
wesenlich selb-
stendigkait. Darnach hat der mensch ain lebendig
wesen/
welches er gemain hat/ mit graß/ laub/ baumen/ und der
geleychen/
woͤlche ain wachsendes und lebendiges wesen
haben/ das für das ander. Für das drit/
hat der mensch ain
befindtlichs216 leben/ woͤlches fület und empfindtct/ das hat er
mit thieren und vich gemain/ als kuͤ/ Ochssen/
schaff/ zy-
gen/ boͤck/ hirsch etc. haben. Für das vierdt/ hat er
ain son-
derlich vernünfftig leben/ er ist vernünfftig/
fürsichtig/
und weyß/ er will und begeret/ er underschaidet und erwoͤ-
let.217 In dem gradcu uberdrittcv er alle
niderste creaturen/ er
wer auch ir herre geweßt/ unnd bliben/ wann er seinen
ober-
herrn/ got/ erkant/ und ewige gehorsam gelaist hett. Aber
C4r als er von der ordnung fiel218/ da fielen auch die andern thier
auß irem gehorsam/ und eingesatzter
forcht/ Woͤlcher ab-
er gott widerumb in vollem gehorsam erkennen
und lieben
moͤcht/ der wurd ain herrscher aller creaturn/ es vermoͤcht
im
weder gyfft/ noch schlangen/ noch Basalisck beschedi-
gen〈.〉 Esaie. xi.219 Unns gebrist220 der glaub unnd gottes kunst/
Hebreo. xi.221 Das laß ich steen. Für das fünfft/ ist der
mensch
auch ain abgesünderte person/ von allen andern mensch-
en/ hat auch sein aigne pfund unnd gaben gotes/222 ain yeder
sovil im got gibt und
verleyhetcw〈.〉 Matthei. xxv.223
Ain yeder grad machet ain
aigne ichhait oder sichhait.
Woͤlcher nun ain gelassen mensch sein will/ unnd ain leer-
junger
Christi werden/ der můß alles gelassen unnd überge-
ben/ das
in224 in ainigerlay weiß
anruͤrt/ als nemlich/ er soll
sich nichts gůts annemen/ er soll sich noch wesen/
noch le-
ben/ noch wachsen/ noch verstentnuß und weißhait/
noch
sein aigne seel lassen gelusten. Das ist gewißlichcx war/ wann
du dahyn kommest/ das du dich
deiner aignen person verzi-
gen225 hast/ so bist du von allen dingen ledig/ dann haut
für
haut/ klaid für klaid/ gibt ain yeder. Aber laß dir die seel/
und dein
aigen flaisch treffen/ und sich/ ob du besteen mügest.
Ich main es sey cyon notcy auffs neüw zůsagen/ das
dise gelas-
senhait nit in dem steet/ das ainer alle ding gelaß/
als ai-
ner ainen pfenning verlaßt. Woͤlcher tarff oder mag
sich
also verlassen? Wir sollen weder vatter noch můtter/ noch
uns selber
erwürgen. Darumb ist dise gelassenhait/ ain ab-
schneydung aller
lieb/ lust/ sorg/ vertruwen und forcht/ die
wir zů uns/ und zů dem unsern haben.
Kurtzlich/ diser ge-
laß ist/ vernichten alles das du bist/ und ain
abker von al-
len dingen/ so dich moͤgen gelusten/ Also/ das got dein lieb/
lust/ sorg/ vertrauen/
hilff/ forcht/ und alles ist/ daran du
klebest/ umb das solt du dise gelassenhait
nit weltlich/ son-
C4v der goͤttlich vernemen/ doch also/ das die warhait im hertzen
stee/ das wir aincz wesen moͤgen
bleyben/ das sollen wir gott
lauterlich haim stellen/ und weder sorg/ noch forcht/
noch
lieb/ noch laid/ lust oder unlust haben/ wie und welche weiß
du groß
werdest/ das soltu got bevelhen/ welcher kan durch
sein sorgfeltig gedancken/ ain
leng zů seiner groͤß setzen/
Matthei. vi.226 Auch sollen wir sorgloß sein/ gegen dem ge-
wechse des korns/ früchten und grases/ dann wir moͤgen durch
unser sorg
nicht machen/ das ain klain loͤblinda wuchsdb/ setz/
pflantze/ geüß wasser zů/ es ist alles nicht/ das du thůst/ und
bleybt alles
unfruchtbar/ wann got nit das gewechs gibt/
es ist gotes werck/ frucht tragen/ und
kumpt auß gotes ge-
naden/ unddc nit auß deinen krefften. Got machet dürrdd/ gruͤn/
und verdoͤrret das graß/ feüchte
wandelt got ins traidde227/ und
macht ain yedes nach
seinem gefallen. Darumb wirff dein
sorg auff got/ laß den alten haußvater sorgen
und regieren〈/〉
welches sorg gůt ist/ und regiment gerecht ist/
lege du hend
an in gotes namen/ und danck im/ das er dir genedigklich
verlihen
hat/ das du arbaiten kanst und bevilch im arbait/
gewechs und eerendf. Mit thieren und vihe hast du
gemain-
schafft/ das du nach speiß und trincken geest/ dein
eltern
und kinder erkennest/ aberdg das hastu nit mit inen gemain/
das du sorgfeltig228 bist. Wir sollen sorgloß seyn wie die
thier/
unnd alle speiß allain zů ainer blossen noturfft geniessen/
als das
vich thůt/ aber in dem seind wir erger/ dann pferd
und esel/ und wirt in uns war/
das ain weiser man kain ge-
ringe torhait begint/ das wir mer essen
und trincken/ dann
unser noturfft erfordert/ unnd gesunthait ertragen kan/
über das/ werden wir auß volhait229 blind/ und erzürnen got/
und setzen uns unsern bauch/ für ainen got.
Auch seind wir
sorgfeltiger dann die spatzendh/ die nit sorgen/ wa und was sy
morgen essen.230 Aber wir/ über das/ das uns angst
gegenwer-
tiges tages truckt/ laden wir auch sorg unnd angst
des zů-
künfftigen tags auf uns/231 gedencken wie/ wamitt/ und durch
D1r was wir uns morgen speysen/ trencken/ und beklaiden woͤl-
len. Auß gotes wercken lernen wir nit/ das gott waist und
versteet/ wes wir
bedürffen/ und das er lilien und voͤgel be-
klaidet und
speyset/232 welche doch vil
weniger seind/ dann ain
mensch ist. Wir solten unsere augen auffthůn/ und zů
den
lilien oder blůmen und voͤgeln kern/ und auß den selben crea-
turen lernen/ wer sy klaidet unddi speyset/ und mercken/ ob sy
sorg haben oder nit/ theten wir das/
ungezweyfelt wir fun-
den/ das sy kain sorg haben/ für klaider und
essen/ und got
beklait und speyset sy gleich wol/ dieweil wir aber sorg ha-
ben auff klaider und bette/ speiß und trincken/ muͤssen wir
von
noͤtten/ den selben creaturen anhangen unnd dienen/
mit trost und vertrauwen/ das
ist/ das Christus spricht. O
ir klaines glaubens/ und wenigs vertrauwens zů
got〈.〉
Mat-
thei vi.233 Dartzů setze/ das Christus seine junger djstraffet/ sa-
genddj/ O ir klain
vertruwenden/ warumb denckt ir in eüch/
das ir nit brot mit eüch habt genommen.
Matthei xvi.234 Liß
und
erwege dise Historien daselbst/ und sich/ ob dise gelassen-
hait
gering sey.
Unglaub gebürtdk den
un-
gelaß235 irdischer narung.236
Woͤlcher vertrauen/ trost/ lust/ sorg und forcht/
gelts
oder narung halben tregt/ der sündigtdl im glauben/ sovil
unnd hart/ so vil er umb gelts oder
narung willen sorgfel-
tig237 ist/ Ursach. Christus spricht/ das wir alltzeit
klaines
trostes und vertrauwens zů seinem himlischen vater seind/
wann wir
sorgsüchtig seind/ auff speiß/ tranck/ oder klayder〈.〉
Matthei.
vi.238
Zwayen Herren dienen.
Auch gibt gott da selbs/ schoͤne ursachen/ sagend/ Nie-
mand kan
zwayen herren dienen. Kainer mag got und reich-
tumb dienen/ dann
auff das minst239 můß das
geschehen/ das
D1v er ainem anhangt/ und den anndern versaumpt240/ weil ye241
war ist/ wa dein schatz ist/ da ist dein aug und hertz/ und
wann
ainer fleyssig auff das ain sicht/ so verlaßt er das annder/
Matthei.
vi.242 Wann aber wir got mit
gantzem hertzen sollen
dienen und anhangen. Deutro. x.243 Můß von noͤten volgen/
das ainer got
versaumen und verlassen můß/ wann er seine
augen mit sorgen unnd vertrauwen auff
narung richtet/
Darauß mercke/ das wir toͤdtlich sünden244/ so offt wir uns
narung halben fürchten/
bekümern/ befaren245/ oder
trost/
lust und hoffung zů gelt und hab tragen/ und das diese sünd
auß dem
unglauben fleüßt/ wiewol sy teglich in uns ist/ das
merck wol/ und das diese sünd
(oder ungelassenhait) ain un-
beschnitten hertz verrat/ und
offenbar macht/ und das der
mensch durch ain solche sünd/ got můß hassen/ oder
auffs
minst versaumen/ und nichts oder wenig achten. Mat. vi.246
Darauß erklere/ das ich oben
gesagt/ das wir got mit gan-
tzer lieb muͤssen anhangen/ und das
ainer zwayerlay ding
nit zůgleich anhangen mag. Mat. vi.247 Dabeydm merck/ wann
Moses spricht/ du solt got fürchten oder got
anhangen/ das so
vil gesagt ist/ du solt got allain fürchten.248 Noli timere eos
qui occidunt
corpus/249 Und du solt gott
allain ankleben oder
anhangen/ Aut uni adherebit/ et alterum negliget. Mat-
thei vi.250
Sicut servorum in manibus dominorum suorum. Ita
oculi nostri etc.251 Darumb muͤssen wir gotes reich
allain sůch-
en/ in starckem vertrauwen/ in hertzlicher lieb/ in
bestendi-
ger forcht/ so werden unns alle noturfften
zůgeworffen.
Matthei. vi.252
Gelassenhait laßt nit zůrucksehen.
Ja also vestigklich und mitt unwanckeltendn253 augen
muͤssen
wir gott allain und bloß254 sůchen/ das wir lieber sterben woͤl-
ten/ dann
zurucksehen/ gleycherweiß wir tausent mal lieber
solten sterben erwoͤlen/ dann ain
mal willigklich von gott
tretten. Nun muͤssen wir got verlassen/ wenn wir unsere
au-
D2r gen auff zeytliche guͤter wendten. Da spricht Christus/ sa-
gend/ Es ist kainer zum reich gotes bequem255/ der sein hand
an pflůg legt/ und sicht
zůruck. Luce. ix.256 Da hoͤr
mein brů-
der/ das wir zů der schůl Christi257 ungeschickt sein/ so wir zů-
ruck sehen/ Dabey verstee/ wie du alle ding můst gelassen/
oder von deinem
hertzen abschneyden/ und dein hauß rain-
keren/ wann du ain
leerjungerdo Christi wilt sein/
setze und ver-
gleiche die zway capittel/ das ix. und xiiii. Luce/
zůsamen am
end/258 und
flichte den sin und verstand zůsamen/ so würdestu
on zweyfel erschrecken und
schreyen. O wie arme leüt seind
wir/ O wir bedirffen des leyden Christi alle
augenblick.
Damit du dannest ferrer merckest/ das got nit wil ley-
den/ das
wir züruck sehen/ und uns fürchten oder besorgen
moͤgen (das uns etwas werd
gebresten259/ wann wir got
glaub-
ten) will ich dir ain andere rede Christi fürlegen/
unnd260 dise/
Wann der
sun des menschen erkleret wirt/ unnd ainer oben
auff ainem dach261 ist/ und hat etwas herniden im
hauß/ der
soll nit absteygen/ seinen haußrat zuhollen/ der im acker ist/
der
soll nit zůruck geen zů seinen haim gelassen guͤtern. Lu-
ce.
xvii.262 Sihe da/ wie Christus
verbeüt und wil/ das die jhe-
ne/ den er einblicken263 und erscheinen wirt/ das ir so
hertzlich
sollen gelasen/ das sy nit nach dem iren steygen oder geen
türffen/
das were gnůg gesagt/ Aber zů dempffung unsers
Adams boßhait/ sprich ich/ als
Christus sprach. Ir solt ge-
dencken des eeweibs Loth/ welche
zůruck sach/ unnd wurd
in ain saltzbild verwandelt Gen. xix.264 Es ist vermuͤtlich das
weyb des Loth/ nach
iren gůtern/dp einnemen265/ oder freindendq266
gesehen hatt/ als got schwebel und feür über Sodoma
und
Gomorra regnet und verderbet alles das gruͤn was.267 Auch
můß es im mennschen innwendig geschehen/
dem Christus
haimlich einleücht/ wie es außwendig ergeen wirt/ wann
Christus
offentlich werd scheinen. Daher komptdr/ das alle
hadermetzen268 sündigen/ so umb gelt oder gůtt hadern/ als
Christus Luce. xii. und Paulus zůn I.ds Corinth.269 Und das der
D2v Juristen jarmarckt ferlich270 ist. Kurtzumb/ gelt und gůt'/
kan uns unser leben weder geben noch
nemen/ vil tausent
leben ser wol/ die mit iren guͤtern auffspringen/271 vil tau-
sent
leben übel und traurig/dt die vil
guͤter haben. Wann sy
alle kellerdu und scheüren272 vol
gesteckt haben/ als bald sterben
sy. Luce. xii.273 Derwegen solten wir nicht sorgfeltig274 sein/
dvvil gůtterdv zůeroberen/ und dwdie selbendw lang zůhalten/ wir sol-
ten auch nit erschrecken/ wann schon ersparte gůter in aim
augenblick verschwunden/ woͤllen wir gelassen Christen
sein. Auch sollen uns
gegenwertige gůter/ weder getroͤsten
noch endtroͤsten275/ wir sollen noch fürchten noch besorgen/
das
wir sy verliern/ sonder das reich gottes/ das ist/ seinen
ewigen willen/ mit lieb
und lust annemen. Werden wir un-
sere augen auff silber/ gold und
gůter richten oder strecken/
so wirt uns gott verlassen/ und sagen. Ich hab eüch
verlas-
sen/ darumb/ das eüwer erden oder land erfült ist mit
silber
und gold. Esai. ii.276 Demnach muͤssen wir aintweder got ge-
lassen/ oder
sorgfeltigkait der narung hin werffen. In di-
ser ungelassenhait/
seind wir boßhafftiger/ dann die unver-
nünfftigen thier/ dann
Pferdt und Esel erkennen/ das sy gott
speyset277/ oder ir herr/ und lassen iren herren sorgen/ will er sy
schoͤn/ glat/ und starck haben/ so můß er speyß und schmuck
dartzů schicken/ hetten
wir rechten glauben zů got/ und ver-
trauweten got mit gantzem
hertzen/ unnd wißten/ das gott
unser vater ist/ und embsiger für uns sorget/ dann
wir sorg-
en/ und das er uns nicht weniger speyset/ dann
unvernünff-
tige thier/ so wurden wir sorgloß/ unnd geliessen
alle nar-
ung/ und muͤßt uns gott genůgsam versorgen nach
unserm
besten/ und nach seiner glorien und rům. Woͤlt er uns faißt
und dick
haben/ so muͤßt er volle krippen geben/ wer es uns
nütz/ got wurd uns sonder
zweyfel/ vil fürschittendx278. Es ge-
schicht aber selten/ das ainer got und dem bauch diene/279
dar-
umb speyset got die seinen mit wasser und brot/ und
schlech-
ter noturfft/ aber alßo/ das sy stets nach hilff
růffen/ und
D3r das er ain reicher got bleyb/ der gern helffen will/ zů dem/
das uns
nützlich sein mag.
Gelassenhait der vernunfft.
Der mensch hat auch ain vernunfft/ dadurch er weyß
und fürsichtig ist/ bauwet im
Stet und heüser/ waffen und
mangerlay gschütz/ in dem wirt der mensch bald
ungelas-
sen/ dann er solt schütz und schirm an got/ und an
nicht meer
haben/ das solt ich durch vil Propheten anzaigen/ aber
kürtz
halben/ laß ichs nach bleyben/ und nim das got spricht/
Ir hapt vertruwen in eüwern
sicherhaiten/ die ir eüch habt
gemacht. Hiere. xxxxviii. Esa. ii. ix. xvi.
xxxi.280 Darumb wil
got
eüch verlassen/ unnd eüch eüwern feinden übergeben/
darinn verderben vil Fürsten
und krieger/ die sunst moͤchten
bleyben vor got genesen. Da solt ich sagen/ wie David
kai-
nen trost het in ainen bogen oder schwert/ und ertoͤdtet doch
Goliam mit der schleüdern/281 aber es ist leycht/ und wer zů-
vil zůschreyben. Da sollen auch die krancken mercken/ so
betruͤglichen
vertrauwen auff aͤrtzt unnd kreüter setzen. ii.
Paral. xvi.282 Da seind alle eüsserliche ding recht
zůmeyden/
und gelassen/ auf das sy nit betriegen/ als die Juden betro-
gen wurden/ die sprachen/ Templum domini/ templum domini.
Hiere. vii.283 Oder zů der
Archen flogen. Hiere. iii.284
Gelaß der schrifft.
Alhie solt ich auch sagen/ wie ain recht gelaßner mensch
die hailig schrifft můß
gelasen/ und nicht umb bůchstaben
wissen/ sonder eingeen in die macht des herren
(als David
spricht)285 unnd got den herren/ on ablassen
bitten/ das er im
waren verstand woͤl eingeben/als wenn ainer etwas nit ver-
steet/ oder ain
urtail gern woͤlt vernemen/ so soll er in der ge-
lassenhait steen/
das ist/ auß im286 geen/ unnd
mit seiner ver-
nunfft still halten/ unnd gestrencklich von got
begern sein
kunst/ und hoͤren was im287 got will sagen/ so werden im ge-
D3v schwinde gedechtnuß einfallen/ dieselben sol er mit gezeügk-
nuß hailiger schrifft beweren288 und gerechtfertigen/ das ich
ferrer anzaigen solt/ aber
alhie leydet289 sichs nit. Liß die
teütschen Theologiam/290 bist du nitt zůfriden/ so wartedy/ biß
meyn bůchlin von der schůl gotes291 außgee.
Ich will mit disen graden weder zil noch regel geben ha-
ben/ red
und schreyb ain yeder die warhait gotes/ nach sei-
ner eingetruckte
vermanung/ Das ich solt sagen/ das al-
le obgemeltendz grad flaischlich und den
flaischlichen men-
schen anhangen/ so waiß ich nit/ ob ichs moͤcht
erhalten/
Aber das ist war/ das du in dem groͤssern fleiß solt haben/
wann du
etwas gelassest/ das du dich deiner gelassenhait nit
annemest. Sihe/ so du
obberuͤrte gebresten292 des
unglaubens
erkentest/ beychtest unnd fleüchst/ das durch gelassenhait auch
geschicht/ alßdann můst du warten/ das dir dein erkennen/
dein beicht und flucht/
nit lieb und lustig werd/ auf das du
nit in der gelassenhait verderbest. Es kumpt
offt/ das ai-
ner umb gotes willen ainen backenstraich
erleydet293/ und will
des
straichs nit zů rach oder übel gedencken/ unnd er woͤlt
doch gern/ das sein gedult
gelobt wurd/ oder das er für ai-
nen Cristen gehalten wurd/ von
wegen seiner gedult/ oder
es gelüstet in innerlich/ das er so starck geweßt/ das er
sich
hat lassen schlahen/ und hat nit wider geschlagen/ oder das
er sich hat
lassen hoͤnen/ ainen Esel/ bachanten294/ ainen rump-
ler295 unnd baurnea schelten/ und hatt nit wider gebollen296/ das
hat er von gotes wegen dultigklich erlitten. Aber doch
hat
er ain aug auff sein leyden/ und steet da/ mit lust und lieb/
darüber er
auch umb gotes willen lauffen/ und got allain
dienen/ und seine augen allein auff
got halten solt.
Got dienen.
Das lerne also/ welcher got will dienen/ der sol im nit
mit halbem hertzen dienen/
sonder mit gantzer seel und gan-
tzem willen Deutro. x.297 Das ist/ Er sol und můß got allain
D4r anhangen und ankleben/ und nit ainem andern neben got/
oder mitt got
dienen/ dann du hast das wort Christi gehoͤrt/
wann ainer zwayerlay herrn wil
dienen/ so můß ainem das
abgeen/ das dem andern zůgeet/ liebet er ainen/ so můß
er
den anndern hassen/ klebet er an ainem/ so schaidet er von
dem
andern.298
Also hangt er an ainer creatur mit lieb/ lust/
forcht/ sorg/ vertrauwen/ und der geleichen/ so můß er ge-
leich
in den selben mangel haben/ an got/ und in thůn oder
lassen/ wircken oder leyden/
dester minder an got mit lieb/
lust/ forcht/ sorg/ laid/ vertruwen und der
geleichen hangen.
Wa299 dein schatz
ist/ dahin
gugken deine augen.
Das hertz volget den augen/ wa die augen seind/ da ist
der schatz deines
hertzens/300 da seind dein
begirden und affect.
Darumb můst du dem dienen/ das dueb ansichst/ und auff den
du mit lieb oder
laid/ froͤligkait oder traurigkait/ lust oder
unlust/ grauwen/ vertrauwen oder
mißglauben fůssest/ ob
du gleich nitt lang steest/ dann dise gaistliche dienstlein/
ge-
schehen schnelligklich und augenblicklich. Derhalben
wa
du auff dein thůn oder leyden sichst/ und wa dich dein dienst
gelustet/ so
dienstu nit got/ sonder dir/ und deinen wercken/
damit du got woltest dienen. Da
merck/ wie ainer sich kan
mainen/ und wann er sich maint/ oder sein seel findt/ so
die-
net er nit got/ sonder sich selber/ dem er anhangt/ und
got
verlaßt.
Sich.
Darauß ist zů mercken/ was das woͤrtlin sich bedeüt/ und
wie ain warhafftiger und
gelaßner dienst gotes/ der seelen
augen auffschwinget/ in den abgründigen willen
gottes/
und in das grundloß gůt kreücht/ woͤlches got selber ist/ da
kain sich
oder ich sein mag.301
Alledieweyl ain seel auff nicht
anders sicht/ dann auff gotes willen und das ewig
gůt/ das
D4v got ist/ so fůsset auch ir hertz an kainer creatur/ ja sy dring-
et auch durch ir auffschwingung/ und sencket sich in got-
tes willen/ und stirbt da ir selber ab von grund an/ und ver-
leürt sich/ und ir sichait gantz zůmal/ und das můß sein und
geschehen. Darumb moͤcht ich wol sagen/ mit andern leü-
ten/
woͤlcher sein ich/ und ichait/ oder sich/ und sein sichait
recht geließ/ der het
wol gelassen. Der mensch ist anfenck-
lich nicht geweßt/
willec er sein icht302/ und etwas/ oder sich und
sichait gelassen/ und ordenlich übergeben/ so můß er es dem
übergeben/ der in etwas
icht/ oder sich hatt gemacht/ das
ist/ Er můß sich/ und alles das etwas in im ist/
mit seinem
sich/ und ichait/ got auffgeben/ und in seinem willen nider
tauchen/ wann ainer das thet/ er wer in leyden und wercken
gelassen. Alda freünd/
můst du abermals achtung geben/
das dich nit gelust/ dem gelaß/ das du nit dein
ichait/ in
solchem gelaß übersehest/ so du in solcher gelassenhait und
aufftragung303 in got steest
(würdest du dich in disem gelaß
teglich brauchen) will ich dir birged sein/ du wurdest dich vor
dir
firchten und fliehen/ und menschliche kranckhait besser
erkennen/ und nach Gottes
gnad mer und mer ruͤffen.
Kurtz/ Welcher von grund wil gelassen sein/ und der
sein/
der sich gelassen hat/ der můß im304 unwidernemlich305
entwer-
den306/ und sein ichhait/ oder sichhait frey außgeben/ so wirt
diß
gelassen sich/ oder sichait/ ain Christfoͤrmigs ich/ von welch-
en Christus spricht/307 Kürtzlich/ Woͤlcher von grund/ und
in rechter
warhait begert gelassen werden/ der soll im selbs
(und allem dem seinen/ das in
etwas dunckt) unwidernem-
lich abgeen/ und entwerden/ und mit dem
goͤtlichen ewig-
en willen ains werden308/ das er nicht sech/ hoͤr/ schmeck/ be-
ger/ verstee/ und woͤll/ dann das got wil/ unnd das im alles
ain marter werd/ das in in annemung goͤtliches willens
hindert oder abruckt/ das
ist unnser creütz/ welches wir teg-
lich tragen muͤssen. Luce
ix.309
E1r
Neu leben Christi.
Als dann wirt/ diß gelassen sich/ oder veracht und verlas-
sen
ich/ Sichhait oder ichhait/ ain Christfoͤrmigs310 ich oder
sich/ und ain neu Christlich leben/ da ainer
befindt unnd
merktee311/ das sein leben nit ain
menschlich/ sonder ain goͤtlich
leben/ und er nit lebt/ sonder Christus in im.
Gala. ii.312 Lasse
dich
dise woͤrtlein Sich und ich/ Sichhait und ichhait nit
bevilen313/ dann du waist/ das sy in deiner
teütschen Theolo-
gia
vil mal steenef. Ain gelassen/
Sich oder sichhait/ ist nicht
anders/ dann das ainer sich/ unnd alles das sein
übergeben
und gelassen hat/ und wer sich verleügneteg/ als aines des er
sich schempt/ der ist
gelassen Luce. ix.314 Ain
gelassen Ich oder
Ichhait ist/ wann ich mich veracht und übergib/ unnd gib
dem
alles das gůt/ der mirs geben hat/ dann die flüßlin můs-
sen in ire
brunnen und in ir moͤr wider fliessen und keren/ wann
sy ordenlich widerkeren
woͤllen. Diße Ich oder Sich werden
dann nützlich gelassen/ wann aigner wil gelassen
wirt/ wann
aigner wil verschmiltzt/ und gotes wil sein werck in der crea-
tur bekompt/ und wurd nicht anders gewoͤlt/ dann das/ und
wie
got will/ alßdann werden Ich und sich übergeben/ und
alles/ das dem geschaffen
willen nachvolgt/ oder auß im
entspreüßt/ das wirt alles samptlich recht gelassen.
Das
ainer sein Ich oder sich/ also hab gelassen oder nit/ das mag
er dabey
mercken und abnemen315/ wann im
nichts geliebt/
dann das got geliebt/ oder von der creatur nicht begerdt/ dann
das got wil/ so ist er gelassen/ ursach/ er hat kain lieb in dem/
das er wil/
sonder in dem/ das gotes wil will/ und woͤlt auch
das alle creaturen das woͤlten/
das gott will/ und in der
weiß woͤlten/ wie gott will/ und darinn/ das ist in gotes
willen/
steet sein lieb/ lust/ froͤlichait/ rům/ leben unnd seligkait.
Darumb
bitt er hertzlich/ herr dein will geschech auff erden
als im himel/316 In allen irdischen
creaturen/ als in himli-
schen/ verschaff wircklich und
krefftigklich deinen willen.
E1v Im gegentail der lieb gottes/ wann yemand sein Ich oder
Sich
lauterlich317 gelassen hatt/
můß im nicht layd sein oder
werden/ dann das wider got ist. Merckt er/ das ain
creatur
wider gottes willen will oder thůt/ so felt er in hefftigen
schmertzen/ und hat laid/ unlust/ traurigkait/ angst/ tod/
hell/ und ewig feur/ bey
der selben widerwilligen creatur.
Sihe/ wann alles (das den menschen
anrüereneh kan) also go-
tes wirt/ und von seines willen oder widerwillen halben be-
geben/ oder von got auff uns genommen ist/ so steet die gelas-
senhait wol. Yedoch das des selben gelaß/ ichait oder sich-
hait ernstlich verurtailt und auffgeben werd/ darauff můst
du
unableßlich wachen/ dann der teüfel wartet auff den un-
gelaß318 der
ungelassenhait/ als ain Fuchs auff huͤner/ der sy
fressen will.
Christus ist der weg/
warhait und leben.319
Got hat unns Christum/ seinen sun/ als ainen weg/ war-
hait und
leben gesant/ in sonnderhait von wegen diser tu-
gent/
gelassenhait/ auff das wir ainen warhafftigen und
lebendigen weg hetten (der
sollichs gelassen leben am hoͤch-
sten und besten gefiert hat)
welchem wir moͤchten dester ge-
wiser nachvolgen/ und wissen/ das
wir unbetrogen seind/
so wir im nachschreytten/ und geen/ als er gangen ist.
Dem-
nach woͤllen wir sehen/ was Christus unnser weg/ und die
un-
betruͤglich warhait leren thůt. Ich hab gesagt/ und
seind
ir nit wenig geweßt/ die gesaget haben/ das der mensch wol
gelassen wer/
wann er sein Ich und Sich het verlassen/ das
wirt uns Christus auch leeren.
Zwayerlay koͤrnlin Joan. XII.320
Christus vergleicht zway ding zůsamen/ als nemlich/
ain korn/ welches ins ertrich
gefallen ist/ stirbt/ und dar-
nach frucht tregt. Dem selben koren/
vergleicht er ainen
E2r menschen/ woͤlcher sein seel hasset/ und zů dem ewigen leben
verhůtei321. Joan. xii.322 Christus hat auch ain andere
gleichnuß
geben/ sam323
das/ So ain korn nitt gestorben ist/ bringt es
kain frucht/ es bleybt allain. Disem
korn vergleicht Chri-
stus ainen menschen/ welcher sein seel lieb
hat/ und sy ver-
derbt Joan. xii.324 Also vergleicht Christus ain seel/ die sich
lieb hat/ ainem korn das lebendig bleibt/ und allain oder
one frucht. Demnach kan
der mensch kain neüw leben/ und
kain gůt werck haben/ wann er sich liebt. Darumb
ist es al-
les verlorn/ umbsunst/ und nicht vor got/ das ain
mennsch
vil thet/ zerriß haut unnd har/ rock und hembd/ wann er in
aigner lieb
bleybt. Er verderbt sich und alles das sein/ und
got vermaledeyet solchen
baumeej und seine bleter/ und
urtai-
let in zů dem feuer/ weil er kain frucht tregt.325 Laß ain men-
schen lauffen/ arbaiten/ singen/ vasten/ beeten/ betruͤbtnuß
leyden/ es ist
alles nichts vor gotes augen/ wann er sein seel
liebet/ Wie ain korn in unsern
augen ist/ das allain bleybt
und unfruchtbar/ Also ist ain mensch/ der sein seel
liebet/
vor gottes angesicht/ unnd můß zům teüfel farn/ ob er ge-
sprech326 wer als alle
engel/ und het aller Propheten kunst/
dartzů/ weil er ist als ain korn oder
baumek on frucht/ so wirt
er gewißlich/ hellischem feuer gericht/ und ob er im schein
frücht trieg/ waͤren
die frücht vor got boͤß/ und solt der baͤumel
zum feuer werden behalten. Matth. vii.327 Demnach volget
und steet
diser grund fest/ welcher sein seel liebet/ der verder-
bet sy/ und
ist als ain unverstorben korn/ das kain frucht
tregt.328 Darauß fleüßt der annder grund/ das ain yeder
das
sein/ und sich můß verachten/ will er anderst vor got besteen
und
angenommen sein. Und also merckst du was das ist/
Sich gelassen.
Warumb wir das gůt lieben mügen.
Er můß nit sůchen unnd mainen/ seiner seel zů lieb und
gůt/ in allem dem/ das gůt
ist/ sonder alles gůt darumb lie-
E2v ben/ und thůn das gůt ist/ in wirckender weiß oder leyden-
der weiß329/
das ist/ darumb/ das got ist/ unnd nit derhalben/
das sein/ oder der seinen gůt
unnd nütz sey/ dann da steet die
warhait/ welcher sein seel lieb hatt/ der verderbt
sy/ dann er
bleybt ain korn des alten lebens on frucht.330 Got acht nitt
ob das korn geworffen/ geseet/
oder geschlagen werd/ wann
es nitt auch stirbt/ sonder lebendig bleybt. Darauß
merck-
est du lieber brůder/ wie der mensch seiner seel můß
entwer-
den/ und ir nichts zůgůt thůn/ thůt er aber oder laßt
etwas
von seyner seel wegen/ so bleybt er in sich und seiner sichhait/
oder
ichhait lebendig/ und verderbt sein seel.
Der mensch soll lonloß331 sein.
Da sich und erschrick wie die besteen werden/ so ir seel mit
vasten und beeten
darumb quellen332/ das sy ire
seelen erloͤsen
und zů dem himelreich woͤllen bringen.333 Es sollt allain go-
tes wil
vor allem unserm leben schweben/ und nit gunst oder
lieb unser seelen/ wir solten
auch on forcht der straff sein/
wann wir unser seelen nit liebten/ dann die jhene/
so etwas
thůn oder lassen umb forcht willen/ das sy nit gestrafft wer-
den oder verdampt. Die fürchten irer haut und die straff/
aber
got fürchten sy nit/ von wegen seiner gerechtigkait/
was mainst du das sorg/
forcht/ schmertzen/ tod unnd hell
uns moͤchten schaden/ wann wir aigner lieb feind
wern? Nu
můß lieb/ gunst und zůnaig/ zů unser aigenem seel ersterbenen/334
und als staub von ainem Sturmwind verwaͤt335 werden/336 so wir
unser seelen in gotes gnad haben/ und behalten gedachten.
Alhie sich
wider/ wie von grossen noͤtten unns Christus
ist/ das er alle unser sünd und
gebresten trag/ bůß und besser/
das ist/ das er das recht und reych der sünden und
des todts
brech. Ich wißte kainen trost/ wann ich gotes barmhertzig-
kait nit west/ dann es ist war/ woͤlcher sein seel liebet/ der
ver-
derbt sy/ und ist als ain lebendig korn/ das on frucht
bleibt337/
dieweil das
die warhait spricht/ welche nit anders dann war
reden kan/ so můß also sein und nit
anders.
E3r
Haß der Seelen.
Yedoch ist es noch ungenůg/ kain lieb zů der seel zůhab-
en/ es
můß ain bitter saltzen338
kommen/ nemlich/ für unser na-
türliche lieb/ můß
übernatürlichereo haß und neyd
steen.
Wie lusten abfallen.
Da da můß das korn sterben und frucht bringen/ da da
stirbt lieb/ lust/ gunst/ und
leben unser seele/ und alle bege-
rung/ da da entwirt339 ir die seel unwidernemlich340/ das ist/ die
Tauff im tod
Christi/ das alt natürlich leben/ ans creütz
Christi auffhencken/ durchstechen und
ermoͤrden/ mit Chri-
sto durch den tauff begraben werden/ und nitt
mit dem al-
ten natürlichen leben/ sonder mit neüwem
widernatürlich-
emep leben aufferstehen Roma. vi.341 Das du mügest in warhait
sagen/ Ich lebe nit/
sonder Christus lebet in mir〈.〉 Ga. ii.342 Das
můstu empfindeneq und bekenen/ als der Apostel bekent hatt/
willtu ain gelassen mensch sein/ als der Apostel geweßt ist.
Mich dunckt du werdest neu fragen schicken.343
Alt und neu leben.
Es seind zway widerwertige und spennige344 leben/ das alt
und natürlich/ das neu und übernatürlich/
des alten
Adams leben/ und des neüwen Christi/ des irdischen und des
himlischen leben. Das alt leben/ sein lieb und gunst etc. kom-
men
von unden herauffer/ von der
erden/ und von dem flaisch/
und ist irdisch und flaischlich/ dann was geborn ist
von flaisch
das ist flaisch. Jo. iii.345 Aber das neu leben/ neüwe lieb/ neu
gunst/ unnd neue forcht
etc. kompt oben herabes von dem
hi-
mel/ da die widergeburt geschicht. Joan. iii.346
Was alt leben sey.347
Das alt leben/ ist lauter ungehorsam/ aigen wil/ und lie-
bet sein
seel in allem thůn und lassen/ und kurret348 und mur-
ret/ so man im ist zůnach349.
E3v
Neu leben.
Das neu leben/ ist der rain gottes will und gehorsam/350
und hasset des menschen seel in aller
thůender unnd wircken-
der weiß/ unnd kusset die růten seines
vaters/ er streych wie
er wil/ und so lang er wil. Nun solt du vernemen/ wie
der
mensch můß gelassen/ und wie er im unwiderhollich351 sol ent-
werden/ dann soll
der mensch sein seel und seinet
sich/ alltzeit has-
sen (als er thůn můß) můß er gewißlich seiner
seel unnd sich
selber entwerden unwiderrůfflich. Wie moͤcht ainer ainem
fernereu entwerden/ dann er
durch haß und neyd entwirt. Neid
und haß schaiden krefftigklicher/ dann mauren und
stet. Die
warhait ligt vor augen/ und spricht/ woͤlcher sein seel has-
set/ der behuͤt sy zů dem ewigen leben.352 Woͤlcher nit thůt/ oder
lasset das seiner
seel wolgefelt/ der wirt selig/ woͤlcher sei-
ner seel nit gibt/
das sy haben wil/ der verwaret353 sy. Welch-
er seiner seel gibt das sy fleücht/ und entruckt ir/
das sy ha-
ben wil/ der behuͤt sy/ zů dem himelreich. Welcher
seiner seel
das ire zůweyset/ das ist/ boßhait/ laster/ schand und sünd/
des
sy ain ursach ist/ der hasset sy/ und steet mit ir im kampff.
Welcher der seel
alles gůt nimpt/ unnd got dem schoͤpffer
bringt/ der streytet mit seiner seel.
Welcher allain gottes
willen sůcht/ der zeücht354 seiner seelen ir brot auß irem maul.
Aber er ist ain
gestorben korn/ das allen aigen begirden/ lü-
sten/ willen und
leben ist abgestorben/ und brotzetev355 oder spreüs-
set eytel gottes willen356/ in dem got spricht/ Du bist gehais-
sen
mein wil. Esa. v. viii. et lxii.357 Das wesen scheinet als sey
es der natur leicht und lieb/ und moͤcht
ainer gotes willen
stets wünschen und woͤllen. Aber so sich ainer recht und
ernst-
lich ain stund erkennen thet/ er wurd im358 ain creütz und tau-
sent todsünd in sich spüren/ und sich hassen/ meyden und flie-
hen/ nit anders/ dann ainen boͤsen feindtlichen menschen/
und
sich ansehen/ wie ainer seinen grimmigen feind ansicht.
Sihe/ sol ainer ainem armen
brůder helffen/ mit gelt ley-
E4r hen/ so fürcht er/ das ers nit wider dürff fordern (Darumb
das
sibend jar bey den Christen/ ain ewig tag ist)〈.〉359 Aber der
reich mennsch hat
verflůcht gedancken/ so er sich des seinen
sol verzeyhen360/ unnd verlaßt sein flaisch/ew schweigexeyee erey gelt
gelassen wil. Deütro. xv. Matthei. v.361 Unnd wirt und hatt nit
auffmercken auff sein teüfelische gedancken/ und das in362 got
umb aines sollichen gedancken wegen/ wil
vermaledeyen/
Deutro. xv.363 Wie moͤcht oder solt ain mensch ernstlich ach-
tung haben/ auff
seine boͤß gedancken/ die er hat wider go-
tes verderbt in
gaistlichen stucken/ weil der mensch sein boͤ-
se gedancken in
leyplichen dingen nitt versteet. Es ist ain
yeder gedancken und aigen will/ der
hell wirdig/ wie klain
er ist/ wann er seiner seel zůlieb geschicht/ in allerlay
gottes
dienst/ dann Christus leügt nit/ Welcher sein seel liebt/ der
verderbet
sy.364
Todtsünd:
Darbey lerne/ das annemligkait365 und ungelassenhait
todsünde und teüfelische laster seind/ woͤlche Lucifer
gehabt
hat. Esaie. xiii.366
Geferligkait unsers lebens.
Darauß merck/ in was greülicher geferligkait unser le-
ben steet/
und wie bald ain ungelaßner mensch sein seel ver-
derbt hat/ dann
so bald er sich liebet/ und nit lauterlich umb
gotes willen/ so ist er verdorben.
Ich halt/ das dise gelassen-
hait/ wann ainer sich alles/ das etwas
und gůt ist/ soll verzei-
hen367/ in disen wortten Mosi
moͤcht vermerckt werden/ als er
spricht/ Du solt mit ainem erstgebornen Ochssen nit
aͤcke-
ren oder pflůgen. Du sollt ainem erstgebornen schaff/
sein
wollen nit abscheren/ darumb/ das sy got gehailigt seind.
Deutro.
xv.368 Was solt uns das
aͤckern oder pflůgen anders
bedeuten/ dann das wir/ uns/ mit gotes gaben nit sollen
die-
nen? Ain erstgeborn Ochs stůnd got zů/ darumb dorfft kain
E4v mensch aͤckern mit ainem erstgebornen Ochssen. Alle gůte
werck/ und
alles das got will haben/ das schafft got in sei-
nen knechten/ und
ist alles/ das gůt ist/ gottes/ und nit un-
ser/ darumb dürffen wir
unns auch nit mit gůten dingen
dienen/ sonder gott. Was solt auch das anders
bedeüten/
Du solt nit die erstgebornen woll der schaff bescheren/ dann
du solt
deinen nutz/ deine eer/ dein glorien/ oder nit ain ding-
lin
sůchen/ dir zů gůt/ in den dingen/ welche im got gehai-
ligt hat/
das ist in allem dem/ das got schůff. Ist aber nit
das/ das Christus leret/ du solt
dein seel nit liebhaben/ dann
liebest du dich oder dein seel/ so verderbest du
sy/369 Es ist ain
todsünd/ unnd wider gotes willen/ sich lieben/ sich nit has-
sen/
wir künden auch got weder vertrauwen oder glauben/
noch liebhaben/ so wir das
unnser/ ain yeder das sein/ und
sich sůcht oder maint. Christus spricht/ wie mügt
ir glau-
ben/ so ir eerez von ainander nemet/ unnd sůchet nit dise eerfa/
die allain von got herkompt. Joan.
v.370 Davor spricht Chri-
stus. Ich hab eüch erkannt/ das ir gotes lieb nit habt in
eüch.
Eodem cap.371 Weren wir
gotforchtsam leüt/ ungezwey-
felt/ unsere oren wurden uns klingen
und bidmen372/ vor yetz
erzelten worten Christi/ welche Christus nit allain zů den
Juden/ sonnder zů allen
den jhenen spricht/ so den Juden
geleich sein. Fürwar fürwar/ es bewegen sich aller
gott-
forchtsammen menschen hertzen/ unnd das wasser oder
der
glaub/ hat seine můdenfb373 und bulgen374/ fcoder undenfc375/ wann ainer dise wort
Christi mit erschrockem unnd zittertem gemuͤt
einnimpt/
dann Christus spricht mit liechten worten/ wie mügtfd ir glau-
ben/ weil ir eer
vonainander nempt/ als woͤlt Christus sa-
gen/ Es ist unmüglich/
das ir gott glaubenfe/
alledieweilff ir/
ainer von
dem andern eer nimpt. Da brůfefg376 sich ain yeder/
und
lůg377/ ob er gern aller
mennschen fůßtůch/ und schůch-
fleck378 woͤlt oder moͤcht sein/ in sonderhait bey denen/
die et-
was scheinlicher379 hailigkait diser welt haben/380 Brůffefh381
sich
menigklicher/ ob er hertzlich leyden künd/ das er/ als ain
F1r lautrer narr und unsinniger mennsch verlacht/ verspot/
und geschetzt
wurd.
Hohe Schulen.
In den
hohen schůlen/ was sůcht man anders/ dann eere
von den andern. Derhalben wirt ainer
Magister/ der an-
der Doctor/ und dartzů Doctor der hailigen
geschrifft/ ge-
ben auch gůt und gab umb die eer/382 die Christus seinen leer-
jungernfi
verbotten hat/383 unnd woͤllen
dannocht die jhenen
sein/ die Christlichen glauben leeren und erhalten/
woͤllen
unsere maister unnd Doctores genent seyn/ wiewol sy Do-
ctorliche eer/ mit solchem geytz und fraß sůchen/ das sy al-
le andere/ gleichmessiger leer/ neyden und vervolgen/ wann
sy ire eer
erkaufft haben/ und woͤllen auch kainen lassen auf-
kommen/ oder
bey sich lassen sitzen/ der nit gleichen namen384
hat/ und ob ich oder ain ander/ das woͤlten vernainen/
wurden uns doch gottes augen mit irem durchscheinenden
blick treffen/ und
überzeügen/ das wir von wegen univer-
sitetischerfj glorien/ nider knyen/ gelt geben/
hochzeit oder
kostliche maltzeit auffrichten/ als darumb/ das wir bey den
leüten ain authoritet haben/ und angesehen werden/ und
woͤllen dannocht nit hoͤrn/
das wir ungleubig seind. Nu
mag es nit sein/ das ainer gott glaub und vertrauw/
wann
er eere annimpt/ Christus spricht/ nitt woͤlcher eer sůch/
sonder er
spant den strick enger/ und sagt/ welcher eer nimpt
von aim andern/ der kan got nit
glauben.385 Sihe nu/
waser-
lay386 wurm annemligkait387
oder ungelassenhait ist/ und das
er den glauben außbeyßt oder abnaget/ und wie unns
got
nach der scherpff macht urtailen und richten/388 und das ain
yeder solt sprechen/ O herr/ nitt
gee ein ins gericht mit dei-
nem knecht/ dann es mag kain
lebendiger bey dir gerecht
sein/389 Was ich von den universiteten gesagt/ das soll zůvor
von den münchen
verstanden/ und von den bischoffen und
pfaffen. Wie woͤllen wir vor got besteen/ in
seinem gericht/
F1v wann er wirt sagen/ Ir habt mich allesampt verlassen. Du
hast vertruwen
in gůt gehabt/ du hast eer genommen von ai-
nem andern/ und kumpst
anher als ain glaubiger. Entsin-
ne sich yeder menigklich und sehe/
ob er nit lieb/ lust und gefal-
len hab/ wann er oder sein werck
gelobt würd/ und widerumb/
ob in390 das würmlin in seiner nasen nit wurd kützeln/391 so man
sagt. Es ist ain grober esell/ alles
das er hatt/ das gibt im
ain andrer etc. Es ist aber ye war/ wie solt ir glauben/
die-
weyl ir eer von ainander nemet. Unmüglich ists/ das du
ge-
laubest/ seytmal392 dir dein eer gefelt. Dein eer und begerung
deiner eeren můß
ersterben/ und als ain ayterig geschwer/
durch ain beyssenfk393 außgeetzt/ abfallen/ das ist/ du můst dich
gelassen/ und der glaub/
woͤllicher ainem klainenfl bittern
und
sauren senffkoͤrnlinfm
vergleicht ist. Mat. xiii.394
Christus ver-
birgt nit/ woͤlche glauben moͤgen. Die eer gotes solt
ir sůch-
en/ welche allain von got kumpt (spricht Christus)395 woͤlt ir
glauben/ wann gotes
glorien/ eere/ lob/ willen und lieb/ mit
allem gewalt in uns herschet/ so můß uns/
ich/ ichhait/ und
aines yetlichen sich oder sichhait verwelcken/ und zůnichtfn
werden. Das ist auch des
glaubens art und natur/ Gotes
glorien und unser schand sehen/ gotes tugent und
krefften/
und unsere boßhaiten und gebresten396/ gottes etwas und icht397/
und auff der andern seyten/ unser nicht erkennen/
derweg-
en ist es unmüglich/ das ainer got glaub/ und bleyb
unge-
lassen/ und můß von noͤten/ gotes ere in got/ nit in uns
al-
lain gewendt werden. Christus spricht auch
verborgenlich〈/〉
Ich waiß/ das ir gotes lieb in eüch nit habt/
dann ir sůcht
eüer eer〈.〉 Joan. v.398 Das sach Christus in dem/ das sy ir aig-
en lieb hetten/ derhalben ervolgt auch das übel/ das sy go-
tes lieb nit mochten haben. Goͤtliche lieb/ und lieb unserer
seel/ moͤgen nit bey ainander steen/ aber gotes lieb/ und haß
aigner seel/ steend
vest bey ainander/ als dise zway stuck/
got lieben/ und unser seel behůten/ und
das/ sein seel hassen
und sy zů dem ewigen leben bewaren.399 Wann aber haß unnd
F2r neid/ gegen aigner seele/ aines yeden/ sich oder sichhait ver-
dempffen400
und vertilcken kan/ und Christus leret und will/
das ain yeder sein seel haß/ so
will auch Christus/ das sich
menigklicher unwidernemlich401 gelaß/ Wann sich der mensch
selber ernstlich
verlassen hat/ so hat er alle ding übergeben/
und wolgelassen/ Aber es moͤcht
kummen/ das ainer aͤcker/
wisen/ eltern/ kinder/ und sein eeweib geließ/ und wer in
sei-
ner seel ungelassen/ das also geschehe/ wann er lust und
lieb
in sollicher übergebung und gelassung hat/ so het er lieb zů
seiner seel/
und het sich nit gelasse/ dann sein sich/ und ich402/
und etwas stůnd im vor augen/ als ain schatz/ darnach
sein
hertz lauschet. Die verdampten teüfel und seelen/ steend in
der helle
auch der creaturen und lusten ledig/ aber sy behal-
ten gleichwol
begerung zů den creaturen und gelusten/ als
die Propheten Esaias/ Hieremias/ und andere
schreyben/
darumb ists nichts außgericht durch ainen sollichen gelaß.
vater
und můter/ weib unnd kinder sollen wir lieben/ desge-
leichen ainen
yegklichen nechsten/ umb gotes willen/ und
nit umb unsers willen wegen/ wann unser
aigen will gegen
ainem menschen stůnd/ so wer die selb liebe und will unrecht
und wider got/ Derhalben spricht Christus/ welcher nach
mir kompt/ und hasset nit
vater und můter/ weib und kin-
der/ brůder und schwester/ und
dartzů sein aigne seele/ der kan nitt
mein junger sein. Luce xiiii.403 Das ist/ das ich oben gesagt
hab/ das unmüglich sey/ das ainer ain leerjungerfo Christi
werd/ und übergeb nit alle
ding〈.〉 Luce eodem/404 Dann wa ich
aigen willen hab/ und nit gottes willen/ so bin
ich ungelas-
sen/ wider gott mit unglauben und unlieb. Alles das
ich lie-
ben sol/ das sol ich umb gotes willen lieben/ und
darumb/
das got behagt.405
Lieb ich umb gotes willen/ so bleybt die lie-
be stets/ ob sich
gleich die personen bewegen und verendern.
Lieb ich die person umb treufp406 willen/ und umb meinetweg-
en/ so můß
abtreten/ so offt die person wider gott ist. Also
steet lieb und haß gegen dem
nechsten/ davon ich ain ande-
F2v re zeit will schreyben.407 Woͤlcher gottes willen nachforschen
will/ der leeß
die hailigen geschrifft/ unnd wa408 mein arbait
(woͤlchefq mirfr got verlihen)
fürdern/ moͤchtfs er mein
bůch-
lin von der sünd und gotes manigfaltigen willen409
durchle-
sen/ villeicht würd er besser erinnertft werden/ dann ich in410 yetz
erinner. Mein lieber brůder/ du mainst/ ich hab dise tugent
gelassenhait/ ain allerhoͤchste tugendt in meinem vorigen
bůchlin genent/ und
woltest nit ungern ursach wissen.411 Nu
geb ich dir zůerkennen/ ob ich
unbillich412 geschriben/
unnd
hoff/ du werdest erkennen und sprechen/ wa413 gelassenhait ist/
von welcher ich hab geredt/
das daselbst der glaub/ hoff-
nung und liebe sey zů got/ wa
ungelassenhait lebt/ das da-
selbst eytel unglaub/ aigen lieb stee/
und nicht/ dann verder-
ben vorhanden sey/ wann so ich zeit und
raum het/ du wur-
dest auß den stucken/ welche gott zůstendig
seind/ mercken/
das aller gewin und verlustfu in der gelassenhait und annem-
likait414 steen. Die
stuck/ woͤlche got angehoͤrn/ seind volgendefv.415
| Got | Mit gantzen hertzen lieben. |
| Fürchten und nicht anders. | |
| Vertrauwen und kainem andern. | |
| Anhangen und niemandt anders. | |
| Mit gantzer seel dienen. |
Gotes glorien und eer sůchen/ sein wort verkündigen und der-
gleichen. In den wercken gegen dem nechsten/ frist ungelas-
senhait/ auch alles marck und gebain/ und machet sy alle
sampt
wurmaͤssig416. Yetz wolt ich
beschliessen/ als soltest du
nun wissen/ was das wort gelassen und gelassenhait
bedeüt/
Aber weil die gifftig schlang/ ungelassenhait oder annem-
ligkait417/ so haimlich
und listigklichfw/
sich/ und ir sichhait/ und
etwas in das verwickelt/ des sy sich mit kainem rechten
an-
ziehen und zůmessen mag/ wil ich noch ain exempel
geben/
ob sich villeicht ainer in aim/ und nit in dem andern moͤcht
erinnerenfx/ was/ und wie
grossen fleß ain gotforchtsammer
F3r mensch/ alle stund und augenblick haben můß/ das er sei-
nen schaden der ungelassenhait/ got müg bekennen und beich-
ten/ und gnůgthůung Christi begern/ und glauben/ das Chri-
stus der sey/ der unsere sünd auff sich gelegt/ gebůßt und ge-
bessert hat/ Seyntemalfy
das offt geschicht/ das ainer ain
tugent amfz besten erkent in irem gegentail/ als gerechtig-
kait/ gunst/ in aim zorn/ Honig gegen gallen. Es lere ainer
wie er kan/
allain das er recht lerne418.
Unser vernunfft und
woͤllende krafft/ und dartzů alle unsere krefften haben
nit
aines klainstes steüblins recht/ sich gůtter werck oder ley-
dens antzůnemen unnd erheben/ dann alles das gůt ist/ das
schaffet gott
allain/ on uns/ in uns/ unnd wir thůn nicht
meer darbey/ dann wir gethon haben/ als
unns got schůff.419
Zů
unnser erschaffung haben wir nichts gethon/ darumb
haben wir kain recht dartzů/
Weil wir kain recht und zů-
spruch420 haben/ so künden wir nicht mit recht/ das unser/
ich-
hait/ meinhait/ oder sichhait haben oder sůchen/ und
můß
von noͤten ervolgen/ das ich das mein/ in meiner erschoͤpf-
fung wider billichhait sůch/ und bin verflůcht und verma-
ledeyt/ wann ich meinem schoͤpffer oder vater sag/ warumb
hastu mich also
geschaffen. Esaie. xxv.421 oder
du hast mich
nit gemacht〈.〉 Esa. xxix.422 Nu ist er ain schoͤpffer/ der die wů-
ste und bloß erden schůff/ und der iren schmuck unnd zierde
gab. Gen. i.423 Derhalben
vergleicht got alles das gůt ist/ im
menschen/ der ersten erschaffung/ sagend/ Got
hat uns ge-
macht zů gůten wercken/ woͤlche got schůff/ auff das
wir in
inenga wandern.
Ephes.gb424 Ist ain gůtter gedanck/ ain gůtter will/
ain
gůtte wircklichhait/ oder ain gůtt wercklin in uns/ es
steet got allain zů/ als
ainem schoͤpffer/ und wir haben kain
recht darinn/ und so offt wir mit gedancken
oder willen/ uns
darinn mainen und gedencken. Ich/ wir etc. So messen wir
uns
das zů/ dartzů wir weder fůg noch recht/ noch glimpff425
haben/ und stelen und rauben got das sein.
Darauß lerne
noch ains/ das wir gelassen sein můssen/ und das ungelas-
F3v senhait ain diebische rauberin ist. Wann gott ainen mensch-
en zů gůtem bewegt/ so ists gleich/ als wann wir ainen steck-
en zů hilff bewegen/ und moͤgen uns des/ das durch uns ge-
schicht/ nicht weniger zůmessen/ dann der stecken gethoner
hilff.426 Exemplum/427 Der künig Assur/ was ain růte des
zo-
ren gottes/428 durch welchen gott seinen zorn außschut/ und das
boͤß
straffet/ Darumb kund gott nit leyden/ das der Assurgc
sprach. Ich hab gesteübt429 oder geschlagen/ dann das ich
und
ichhait/ mein und meinhait/ brachten den Assur in grosse
not/ angst und
unüberwintlichengd schaden/
wiewol ye430 war
was/ das
Assur die ungehorsamen Juden straffet/ in ayner
sterck und grossen macht. Yedoch
verderbt er seine sach/ das
er sagt/ in der stercke meiner hand/ hab ichs
gethon.431 Sihe/
Assur
hett stercke/ als er krieget und obsiget/ aber dieselb
stercke was gleich sein/ als
sy ainer růten geweßt waͤr/ wel-
che růt ain schwaches kindlin
bewegt het/ Derhalben rau-
bet und stal Assur die selb stercke/
sam432 er språch/ In
meiner
sterck/ oder in der stercke meiner hand/ hab ich gestritten/433
Het er gesagt/ Gott ist mein
stercke/ mein weißhait/ mein
schütz/ schirm und hůt geweßt/ er het recht
geredt/434 aber als
er
gestracks sprach/ Ich habe meine feind mit meiner sterck
unnd macht geschlagen/ da
sündigt er. Auß disem exempel
vernimm/ das unsere gedancken uns selber verderben/
und al-
les unrecht machen/ das sunst recht wer/ Es was ye435 recht
unnd war/ das Assur in
ainer macht thet/ aber das war un-
recht und unwar/ das Assur in
seiner aigen sterck krieget/
demnach versteest du/ das der Assur/ durch sein
seinhait/
oder ungelassen sichhait/ sich verderbt/ das ye war ist/ was
Christus leret/ woͤlcher sein seel liebet/ der verderbt sy. Jo.
xii.436 Auch muͤssen die krieger weißhait
und fürsichtigkait437
ha-
ben/ woͤlche Assur het/ aber von got/ nit irem sich.
Darumb
sündigt der Assur/ als er sprach/ in meiner weißhait hab ichs
verstanden/ dann er schrib im438
die weißhait und verstentnuß
zů/ welche er von gott het/ Wann got yemand brauchen wil/
F4r so gibt er im weißhait/ red und sterck. Derhalben kund Assur
nit
warhafftigklich/ und mit recht sagen/ In meiner weiß-
hait etc. Het
er aber gesagt/ in gotes weißhait/ das wer recht
geredt geweßt. Nu wilt du hoͤren/
wie got solch gedancken
und wort schetzt? Hoͤr was got spricht/ gott sagt/ es ist
gleich
sovil geredt/ in meiner sterck hab ichs gethon/ oder in mei-
ner weißhait hab ichs verstanden/ als wann ainer ain růt-
ten auffhebt/ und die růten spricht wider den auffheber/ ich
hab mich
auffgehaben/ und ist doch die růten ain holtz/ das
sich weder bewegen noch
auffheben kan. Esa. x.439 Auß
disen
worten volget/ das ain ding ist vor got/ Sich erheben/ und
wider got
erheben/ dann die schrifft meldet/ wie Assur gesagt
hab/ In meiner sterck/ und in
meiner weißhait etc. Wir fin-
den aber minder440/ das Assur wider gott anders
geredt hab/
dann mit yetzgemelten worten/ dannest gibt got exempel441 von
ainer agstge/ oder von ainem beyhel/ unnd von
ainer segen/
von ainer růten und stecken/ woͤlcher sich seiner wircklich-
hait annimpt/ unnd ruͤmpt sich wider seinen beweger442/ Al-
lain in
dem/ das die seg spricht/ Ich hab gesegt/ unnd das
beyhel/ ich habe gehauen/ und
die růten/ ich hab gesteübt/
und der steck/ ich hab geschlagen. Got der sicht
unsere hertz-
en und gedancken an/ unnd gilt vorgf got ain ding/ schlecht
gedencken das ich das
thůn〈/〉 das doch got durch mich thůt/
und gedencken/ got hats
nit gethon. Es wurd auch volgen
bey den creaturen/ ich hab das gemacht oder gethon/
dar-
umb hats kain andrer gethon/ derhalben spricht man
zůzei-
tengg/ wie ruͤmet sich der des wercks oder der that/ und er hats
ye443 nit allain gethon/ oder nit
gethon. Also ists ain ding.
Nit mit got sein/ und wider got sein/ als Christus
spricht/
woͤlcher nit mit mir ist/ der ist wider mich.444 Derhalben woͤlch-
er spricht/
Ich hab das verstanden/ erdacht/ erfunden/ ge-
wirckt/ gelitten/
der ist nit mit got/ dann er ruͤmet unnd er-
hebt sich in seinem
flaisch/ und nit in got/ und ist in dem sel-
ben rům wider got.
Also volget/ das annemligkait445
und un-
F4v gelassenhait allwegen wider got ist/ so still unnd haimlich
sy
gesein mag/ das merck/ und sinne dem nach/ und erwege
ob unsere tegliche sünd nit
todtsünd sein/ und ob wir sy mit
weichwasser446 abweschen künden.
Ungelassenhait ist hoffart447.
Liß Esaiam von dem Assur/ in dem zehenden
capitel448/
und hab
auffmercken/ was got in im straffet/ so würdestu
bald versteen/ das Assur in dem
gesündt449 hat/ das er
sprach/
In meiner sterck hab ich die Fürsten und voͤlcker getault450.
Item/ Mein hand hatt die
macht der voͤlcker/ gleich als
ain nest gefunden. Item ich hab sy gesamelt/ als
ainer ay-
er samelt. Item in weißhait hab ich entsunnen451 etc.452 Das seind
gedancken und die wort des Assurs/
woͤlche wider gott wa-
ren/ und got irhalben/ den Assur strafft/
unnd spricht/ das
rům und glorien den hohen augen/ und hoffertigen hertzen
zůsteen/453 Deßgleychen werden
wir offt im Esaias finden/
das dise wort/ ich/
in meiner/ unnd der gleichen/ wort auß
der hoffart fliessen. Esaie ii. v. et
xiii.454 Ezechielis. xxviii.
et
xxix.455 Weil aber alle
menschen sagen/ das hoffart ain tod-
sünd ist/ und ungelassenhait
die allerteglichst sünd ist/ muͤs-
sen sy auch zůgeben/ das unser
tegliche sünd/ todsünd sein/
und das ungelassenhait/ nit ain verachtlichgh blater und
sünd ist. Das sag
ich/ auff das wir erenstlich auffsehen auff
unser teglich/ ja sündtlich456/ ja augenblicklich leben/ und
wis-
sen/ das unnser leben voller todtsünd ist/ dann ain
yegklichegi
ungelassenhait
ist des hellischen feuers wirdig. Esaie. xiiii.
Dein hoffartgj ist zů der hell nider gezogen etc.457 Nu sag/ ob
Christi leer nitt
diene/ woͤlche er zů allen sprach/ als dise/
Woͤlcher nach mir wil kommen/ der můß
sich selber verleüg-
nen/ und sein creütz teglich tragen/ und mir
nachvolgen/
Luce. ix.458
Woͤlcher ain Christ will sein/ unnd seinem herren
Christo Jhesu nachvolgen/ der můß
sich verleügnen/ das ist
F5r gelassen/ und sein sich oder ich verlieren oder verwerffen/
sunst mag
er Christo nit nachvolgen/ oder ain Christ sein/
dann er gott weder lieben noch
glauben kan. Dise verleüg-
nung můß nit laugk und kuͤl sein/ sonder hertzlich und hi-
tzig/ nicht ainen tag/ sonnder ewig weren. Auch soll er alle
tag/ auff die ungelassenhait und annemligkait459 wachen/
und warten/ gleich als ain zorniger Beer/ und
grimmiger
loͤw auffgl ire
feinde warten/ so ire jungen fressen und ver-
schlinden/ und můß
der mensch sein creütz des zorns/ hasses
und neydes/ wider seine seel teglich
ertragen/ und nimmer ab-
legen/ so er Christo nachvolgengm/ und ain leerjungergn gotes
und Christi will werden/
dartzů helff uns got/ durch unse-
ren herren Jesum Christum
Amen.460
Von Himlischer
gelassenhait.
Am end ist zůwissen/ wann der gaist der růw461 den mensch-
en angreyfft462/ und das hauß oder tempel gottes/
das ist/ die
seel mitt seiner glorien erfült/ das alßdann die gelassenhait
an
ir end kompt/ und ungelassenhait wirt/463 dann es ist nichts
laͤre und ledig in der seele/ dieweil sy der gaist
gotes unver-
gotet laßt/ durchgeet und erfült/ und ewigklich in der
seel
bleybt/ unnd in ain goͤtlich leben bringt/ auch haben die
creaturen/ und
lusten/ und begirden kainen zůgang meer
zů der sele/ nach dem der mensch in der
gantzen sele ist/ und
die seel in ainem vollen frid und gehorsam fuͤrt. Also
wirdt
creaturisch gelassenhait/ ain goͤtlich ungelassenhait/464
dar-
tzů helff uns got Amen.
Auff die anndere frag Antwurt/ wann du in der
warhait
sprichst/ Nit fuͤrgo mich ein in versůchung/465 so bittest du/ das
dich got vor den boͤßen woͤll
behuͤten/ nit vor anfechten und
kasteyung/ Nach dem Christus sagt/ Ich bitt nit/
das du
meine junger von der welt nemest/ sonder vor übel oder vor
dem boͤßen
bewarest. Joannis am xvii.466
Also bittestu auch/
das got seinen ewigen willen in dir schaffen woͤll/ und
das
du recht gelassen seyest/ Du bittest
kürtz- lich/ das dich gott
vor ainem
verkerten urtail bewar/ unnd nicht in die welt
geb/ die alle ding gotes/
verkert und unrecht spricht/
davon will ich in kürtzen meer schreyben/467
biß468
mengklich und gestreng/ in begerung-
en zů got.
Amen.
Finis.
KGK 240
Einleitung
