1. Überlieferung
Handschrift:
Ein Autograph.
Edition:
- Vadianische Briefsammlung 5.1, 213.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 472 mit Anm. 190.
2. Entstehung und Inhalt
Der hier edierte kurze Brief, den Karlstadt am 5. März 1535 an Vadian schickte, ist in zwei Teile gegliedert. Der erste besteht aus Höflichkeitsformeln sowie Grüßen an Bekannte in und um St. Gallen, die Karlstadt wahrscheinlich während seines kurzen Aufenthalts in Altstätten um die Jahreswende 1531/32 persönlich kennengelernt hatte.1 Mit der Datierung scheint der Brief zunächst zu enden,2 doch es folgt ein weiterer Absatz, in dem Karlstadt berichtet, dass er dem Befehl der Obrigkeit Folge geleistet und eine öffentlichen Disputation abgehalten habe.3 Er sorge sich aber darum, was andere darüber berichteten. Möglicherweise befürchtete Karlstadt, dass Bullinger, der mit Myconius über den Doktorstreit in Austausch stand und eine zunehmend ablehnende Haltung gegen eine Promotionspflicht einnahm, Vadian von dieser Position überzeugen würde.4 Er versicherte jedoch, dass er jeden Anlass zum Streit vermeiden und nur die Förderung von Frömmigkeit und Wahrheit anstreben wolle. Allerdings sei es etwas ganz anderes, die Schrift nur oberflächlich oder systematisch zu erforschen – damit knüpft Karlstadt vielleicht an die Vorrede zu seinen Disputationsthesen an.5
Dieser Brief thematisiert den Streit um die Einführung akademischer Grade an der Basler Universität. Karlstadt kam dem Ratsbeschluss nach, eine Disputation zwischen dem 11. Januar6 und dem 5. März 15357 zum Eintritt in die theologische Fakultät abzuhalten. Dies löste Unstimmigkeiten mit Myconius aus, die in den darauffolgenden Jahren zu einem offenen Konflikt eskalieren sollten.8
KGK 367
Transkription
