Nr. 368
Andreas Karlstadt an Joachim Vadian
Basel, 1535, 5. März

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1. Überlieferung

Handschrift:

[a:] KBSG, VadSlg Ms 41a, fol. 34r–v

Ein Autograph.

Edition:

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

Der hier edierte kurze Brief, den Karlstadt am 5. März 1535 an Vadian schickte, ist in zwei Teile gegliedert. Der erste besteht aus Höflichkeitsformeln sowie Grüßen an Bekannte in und um St. Gallen, die Karlstadt wahrscheinlich während seines kurzen Aufenthalts in Altstätten um die Jahreswende 1531/32 persönlich kennengelernt hatte.1 Mit der Datierung scheint der Brief zunächst zu enden,2 doch es folgt ein weiterer Absatz, in dem Karlstadt berichtet, dass er dem Befehl der Obrigkeit Folge geleistet und eine öffentlichen Disputation abgehalten habe.3 Er sorge sich aber darum, was andere darüber berichteten. Möglicherweise befürchtete Karlstadt, dass Bullinger, der mit Myconius über den Doktorstreit in Austausch stand und eine zunehmend ablehnende Haltung gegen eine Promotionspflicht einnahm, Vadian von dieser Position überzeugen würde.4 Er versicherte jedoch, dass er jeden Anlass zum Streit vermeiden und nur die Förderung von Frömmigkeit und Wahrheit anstreben wolle. Allerdings sei es etwas ganz anderes, die Schrift nur oberflächlich oder systematisch zu erforschen – damit knüpft Karlstadt vielleicht an die Vorrede zu seinen Disputationsthesen an.5

Dieser Brief thematisiert den Streit um die Einführung akademischer Grade an der Basler Universität. Karlstadt kam dem Ratsbeschluss nach, eine Disputation zwischen dem 11. Januar6 und dem 5. März 15357 zum Eintritt in die theologische Fakultät abzuhalten. Dies löste Unstimmigkeiten mit Myconius aus, die in den darauffolgenden Jahren zu einem offenen Konflikt eskalieren sollten.8


1Zum Aufenthalt Karlstadts in Altstätten siehe KGK 329.
3Vgl. KGK 368 (Textstelle). Die Disputationsthesen sind hier in KGK 365 ediert.
4Über den engen Meinungsaustausch zwischen Myconius und Bullinger zu diesem Thema, siehe die Einleitung zu KGK 364.
5Siehe KGK 365 (Textstelle), wo durch einen Verweis auf die Landwirtschaftskunst betont wird, dass zur Vorbereitung auf theologische Aufgaben sowohl theoretische Kenntnisse als auch praktische Übungen erforderlich seien.
6Vgl. KGK 366. An diesem Tag berichtete Karlstadt Bullinger, dass man noch über die Einladung von Gästen zu seiner Disputation sprach, die offenbar also noch nicht stattgefunden hatte.
7Vgl. KGK 368 (Textstelle); in dem hier edierten Brief war die Disputation anscheinend bereits abgehandelt worden.
8Zur Position des Myconius siehe noch einmal die Einleitung zu KGK 364.

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