A1r
Byt und vermanung
an Doctor Och-ßenfart.
Endreßen
Boden.
vonCarolstatta.
Wittenbergb
A1vDem wirdigen und achtbarn hern HanßenOchßenfart1 Doctor zu Leiptzig wunschich Andres Bodensteinn verstand
gottlicher heilsamer Schrifftc.
Wirdiger Er/ an mich gelanget. Wie yr offentlich
unnd
auff eurem Predigstulh/ heilige schrifft/ ym nomen der
Wittemberger/
trefflich solt honen2 und
smehend.3
Und
das yr eur leib und leben wolt verloren
haben. Wu yr
nit werdet erhalten und beweißen/ das meines lieben va-
ters Doctor Martinus
Luther und meyne laher4
falsch und
unchristlich sey/ Sonderlich des artickelß halben/ ßo die
Messe
betrifft〈.〉5 Man sagt wunder/ wie yr/ yn6 dem sel-
ben artickel prellet7 und wüdet. Do schreyt yr/ das wir
ketzerisch gebern8. unchristlich handeln/ und die
Christgleu-
bige ferfuren.9 do muß das kleine heufflin alhie ubel ho-
ren.
Und muß gleich das horen/ das verloren sey. Do ist
keiner frum. do meindt yr/ ir
habt unß bey unßern horen10〈.〉
Aber yr wisset wol/ wie/ der arm ley betrogen und
verfurt
ist. Szo mercket yr〈/〉 das sie in irthumb auffertzogen
seint
und das sie kein ewangelium gelernet. Drumb halt yr
unß fast11 warm12/ und verhondt unß nach eurem besten ver-
mogen. etc. wie man sagt und yr nit leucken13 kond.
Nu gefelt mir auß der massen wol〈/〉 das euch diße Christ-
lich sach ßo hert14 anligt. Und wolt got/ das yr euch nit sel-
ber
waydet.15 und sucht kein eere/
dan gottis eere. Ich
forcht aber warlich/ das euch verdrissen thun/ das unßer
furnhemen/ eurem Turm16 (ßo yr for tzeiten/ wider die fru-
men Behemen erbaut
habt) nachteil und schaden breng/
Ich laß mich beduncken/ das der selbe turm/ wider die
nhe-
mer beyder gestalten/17 anfah tzu tzappeln und niderfallen.
Derwegen/ vermut ich/ das yr/ eurer aygen eere tzu gut/ unß
sonderlich mit euren
nassen18 und süchtigen19 worten beschut/
und werffet unß
inn kate20/ drumb das wir/ den gedachten
A2r Turm enstigen21. Nuh/
wir wollen diß vermuttung hin-
dan setzen/ und erstlichf sehen/ mit welchem schwerd yr euch
weren/ und unß uber windten solt. Darnach wellen
wir euch bey eurer redlikeit und
eeren vermanen/ und un-
ableßlich ansuchen/ das ir eurer kecken
erpietung22 gnug thuet.
¶ Paulus
spricht das ein Bischoff Briester oder prediger
soll geschickt sein/ das ehr
seine widersecher und veind/
durch heilsame reed uber windten mog. ad Titum
.1.23 Do
sehet ir Christen/ wie man euch und unß erstlich mit ge-
sundter24 schrifft soll
vermanen. und ßo wir wolten wider
pellen/ sollen unß unßere vermeinte pfaffen und
regenten
mit solicher heilsamer schrifft uber winden.
Alhie saget mir/ lieber ochs/ und tzerstosset eure horner
nit/ was
die heilsame schrifft ist? und welchen sermon
Paulus meynet/ wan er spricht/ Eyn Bischoff oder
pfaff
sal die laher halten/ ßo einer getreuhen und glaublicher reed
ist〈.〉25
Item wan paulus saget. Ir solt eure widersecher
mit
heilsamer schrifft niderwerffen.26 Was ist heilsame oder
gesund reed und laher? Ich hoff/ ir werdet ye nit spre-
che/ das uns
Aristoteles dafur gegeben sein. Dan Ari-
stoteles hat de
Animalibus ventris27 geschriben
wie huner
und genß feyst werden. Und macht eynem vil ehr28 tzu
einem hunner esser/ dan Christen. Ir
dorfft auch nitt
sagenn/ das der Pauler29 laher bey euch die heilsame reed
sey/ da von Paulus sagt. Ursach/ das ir laher den alten
einfeltigen mutterlin vil schedlicher ist/ dan ein kloster vol-
ler fuchs unnd wolff. Wan ir taußent wolff hett/ sie
freßen nit ßo vil
kelber/ küh/ ochßen/ und pfeerd/ alß eure
Paulenßes/ sonderlich eure lands
mann.30 Sie wurden
auch
nit ßo vil weins und birs trincken. Weil sie dan
allen fleiß dahin richten/
das sie sich speißen/ und die einfelti-
gen/ mit irer
gleißnerey31 schaben32. Ist leichtlich tzu mercken
das
ir/ der selben laher/ nit kond gesund und heilsam nennen.
¶ Ir dorfft auch nit sagen/ das alte gewonheit und ubung
A2v die heilsam laher ist/33 da von Paulus geschriben hatt/ und ihr
unß
uberwinten sollt. Dan Christus spricht nit. Ego
sum consuetudo. sonder. Ich bin der
weeg/ warheit und le-
ben.34
Ir werdet nit dorffen klappern/ das der hei'ligen' vettern laher.
die
heilsame laher sey/35 damit ihr
eure wider sprecher solt
dempffen/ nach gs'ankt' Pau'li' leerungg. Dan ir wisset das der
h'eilige'
Au-
gustin getreulich
verbeut. das wir om36 ye nit
glauben geben/
und nit er37 anhange/ er38 wir die h'eilige' schrifft und seine grund wol
ermessen haben/ ap
sie inhalt und meynung h'eilige' schrifft haben
oder nit.39
Disse vermanung hat August'inus' allen seinen leesern
und zuhorern/
jungk und alt/ klein und groß geben. Und wil〈/〉
das sie ynen/
durch h'eilige' schrifft urteiln/ loben/ schelten annhemen
oder
verwerffen. Als ir wol lesen kond in dem c'apitulo' Noli meis40
und
c'apitulo' Ego solis.41 und andern c'apitulis' d'istinctionis'
ix.42 Auß welchen
wolget43. das
die laher
August'ini' mit nichte die schrifft
ist/ damit du unß
ader andere wider sprecher kanst uber windten. Dan wir
mogen August'inum'h selber durch h'eilige' schrifften
niderwerffen/ das
er auch begeret.
Ir kond auch nit sagen/ das die Concilien die heilsame laher
seind/44 do mit/ der Pfaff/ seine wider reder
soll iuber wal-
deni45. wie Pau'lus' leret.46 Dan ir wisset/ das ein Concili'um' wider das
ander
ist/ wie auch August'inus'
schreibt.47 So ists euch nit
ver-
borgen/ das yhr Romische Pfaffen das Concili'um'
der Aposteln
verworffen habt/ welche gesetz und geordenet haben/ das
die
glaubige sich solten endhalten/ vor den opffern (ßo den ab-
gottern
geben waren) und vom blut/ ersteckten48 thiern. und un-
keuscheit. Acto. xv.49 Das Concili'um' haben deine
gotter nit an-
genomen. Dan rom
ist voller hurheuser/ so lassen die geist-
lich Bischoffen tzu/ das
ein yede statt ir eigen. hurhauß hat〈.〉
Item. ßo weistu wol/ das
die gute haßen in irem. schweiß und
bluth nit ubel schmecken. ¶ Auch sehen wir/ wie
die pfaffen
und Monichenj/ nach
kden opfernk trachten/ wie die füchs
nach
hünern. welche der einfeltig/ den heiligen opfert. Und kan
nymandt
abreden/ Das allenthalben/ wider das Consilium
der Aposteln50 gelebt. Weil ir aber der Aposteln Concilium
A3r nit annhembt/ habt ir tzu achten/ das wir eure Concilia
auch nit sollen
forchten. ¶ Wir sollen und wollen auch
in göttlichen rethenl51 stehn/ wollen wir anders woll/ unnd
sicher stehn/ und vor boßen
gedancken und weegen behuͤtm
werden. alß Hiere. am xxiii.52
geschriben steht.
Der wegen dorffet ir nit gedencken/ ader versuchen/ wie
ir uns mit eurem Aristotelen/ mit dem wolffischen Monicheno/
oder mit alter gewonheit/ und gehabten Concilien thutt
uberwindten/ dan der keines ist die gesunde und heilsame
laher/ do von Paulus schreibt. ¶ Wir forchten allein got-
tis wort/ welches der heil'ige' geyst/ durch seine diener
geredt
hatt.53 ¶ Das selbe
schwerd musset ir tzu henden nhemen/
wolt ir unverspott/ vom planh54/ gen haus kumen.
¶ Brenget ir ein anders schwerd oder schild werden wir
euers fechten lachen/ ir
welt eß dan mit euren fatzelletlein55
umbwinden. Das weiß ich/ obp mich gleychq ymand/
mit einer andern schrifft niderwurff (die nit heilsame la-
her ist)
das ehr mich nit in der warheit gefangen hett.
Im schein und schatten wer ich gefangen/r nitts in der
warheit.
Mann solt auch des blinden fechters nichstt
minder lachen/ dan meiner. In der summa. Wir we-
ren
beyde thoren/ und narren. der obsiger56 und uberwund-
ten57. Drumb mogt ihr euch auff das best umbsehen/
und heilige
schrifft brengen/ do mit yhr euren rumehnu
nach gnung thuettv.
Ihr dorfft mir auch nit figuren58
und dunckell schriff-
ten hertragen.59 Ich wil klare und lichte schrifften haben/
ßo
wil ich auch mit klaren schrifften antworten/ unnd
mit solichen/ das ydermann sehen
und horen kan/ das ich
on frevell und unstrefflich schreib oder reed.
Domitw wil ich nit leucken/ das
Propheten und Apost-
eln figuren außgelegt haben. Aber ich werd dir
nit ge-
stehn/ dastu alte figuren/ nach deinen wolduncken/
auß-
legest/ yhr must ye selber bekennen. und secundum Sanct.
thomam sagen. Scriptura symbolica
non est argumen-
tativa.60 Auch ist euch bewust/ das Hieronymus
tropolo-
A3v giam selber verlacht.61 Drumb dorfft yhr nit gedenckenn
das yhr mich mit außlegungx der figuren werdet verletzen/
eß
wer dan/ das die schrifft ire figuren außgelegt hetty/ alß das
sie figur das Tabernackels und andere leiplicher
dingen
erklert/ und Paulus den Tempell
außlegt/62 und der gleichen
sonste geschehenz/ die selbe
auslegunghen werden mich dringen.
Ich wil yhnaa auch auß willen gern weichen und sie annhemen.
Dem nach bedorfft ir nit vil arbeit/ wan ir saget/ das der
felß Christus ist/ von
welchem wasser fleust/ das tzu dem ewige
leben springt/ das alle glaubige
getruncken haben tzur seligkeit.63
Alßo bekenn ich das die mayt Agarab64/ das alt testament
bedeut/ welches tzu dinsparkeitac und burden gebird/ das
auch alle
Sonead
Agar nach dem fleisch geboren seind/ und
vervolgen den menschen/ welcher auß der verheischung
ist geboren. Also glaub ich/
das Sarai frey gewest ist/
und gebird Sone
der freiheit/ dan yre Sone seind Sone
der verheischung/ welche frey und Evangelisch
und von
allen burden des gesetz letig. Gala. iiii.ae65
Alßo laß ich nach/66 das meer
(dadurch die Juden gan-
gen) ein figur des tauffs ist. Drumb das
Paulus alßo fi-
guriert und
außlegtaf hat.ag67
So geb ich tzu das wort gotis ein samen ist/ ein schwert ist/
ein feuer/ ein hamer
ist/ ein lauter68 wasser ist/ ein
unver-
muschter wein ist etc.69 Drumb das die schrifft alßo außlegt.
Aber wan ir neue und eigen deutnis uber die figurn welt
machen/ die nit in der
schrifft geschriben stunden/ wurt ich
euren außlegen keinen glauben geben. Ja ich
wil euch ein an-
ders sagen/ wan ir mir ein historien wolt
geistlich außlegen/
die schlecht nach der historien/ gesetzt ist/ wurt ich eur
lachen
ap eure außlegung sonste in der schrifft begriffen wer. Ex-
emplum. Ich beken/ das Christus unter seinen nehsten und be-
kanten nit gefunden wirt/ alß Joan. i. steht. Die seine haben
yhn nit
angenomen/70 das ir aber das
durch den text Luce. 2.
wolt beweisen/ do wir lesen wie Maria und Joseph
Jesum
tzwuschen den fruͤnden und bekanten suchten und fanden yhn nit/71
wert ich nit tzugeben/ damit wil
ich euch gewarnet und ge-
sagt haben das ir bequeme schrifft solt
brauchen.72
A4r Ir solt auch die schrifften nit mit den horen73 tzihen/ und
sie bigen/ wie ein wichße
naßen74/ ir solt uns lauttere
und
schone sententz furen die leuthe fahen und halten/ das ich
auch wil
thun.
Endlich setze ich Paulum selber anher/ dero
offentlich
leret/ welche laher gesund und heilßam ist/ dadurch eyner
streiten
sol. S. Pauls wort lauten alßo. ¶ Die schrifft
ßo
von got herab geben/ ist/ nutz zu einer laher/ zu straffen/ und
bessern/
und underrichtung in der gerechtickeit/ auff das
der mensch gotis/ gantz und
volkomen/ und tzu einem yden guten
werck bereitt sey. ii. Timo. iii.75 Sih da〈/〉 liber
Ochßenfart〈/〉
du must mich mit gottlicher schrifft
antasten/ wiltu an-
ders obsigen/ und deinem rümenah nach komen. du hast nur eine
schrifft/ die ein h'eilige' laher ist tzu straffen/ bessern/ tzu under-
richtung/ tzu underweißung/ wie ein mensch volkumen und
tzu
allen gutten wercken geschickt wirdt. sih und merck〈/〉
das du
nit werdest aus deinem kopff sagen. Das werck ist
gut/ und genesai boß. du kondest dan ouch schrifft tzeigen.
und
das getzeucknisaj geben/
das gott fodert. Wiltu sprechen〈/〉
Die von wittenberg/ handeln ubell und ketzerisch mit der
Messe. ßo
mustu das durch getzeucknis h'eiliger' schriffte war
machen und beweißen/
wil ich sprechen/ das mit den Messen
ubel und schalcklich gehandelt/ muß ich das
durch schri-
fften betzeugen. Dan die h'eilige' geschrifft
ist reich/ warhafftig
und gnugsam tzu tzeugen und pindet unß an ir aigen
tzeugk-
nis/ alß Christus spricht. Sye haben Moysen und Pro-
pheten. Item Moses hat von mir geschriben. Wan ir Mo-
si gleubet/ ßo wurdet ir mir auch gleuben.76
Sih und halt das wol/ das gotliche schrifft eyn laher ist
tzu underweißen/ und eyn
nutze uberwindung/ und eyn
fruchtbare besserung und underrichtung des menschen
das er volkumen werd. Durch gottliche schrifft mustu unß
leren/ anfechten/
uberwinden und bessern. Du darffest
dir nit furnhemen/ das wir unß/ vor deynen
gifftigen otemak
und fürtzen
endsetzen/ alte kacheln magestu tzytern machen〈/〉77
aber Christen kanstu nit
erschrecken.
A4v Mercke auch du spitzhornichter ochße/ dastu die sch-
rifft nit nach deinem hirn darffest außlegen/ du must sie
gebrauchen und
außlegen/ wie sie der heilig geist außlegtt〈.〉78
Alß Petrus .ii. c. i. leret sagend. Prophetische
schrifft.
soll nit nach aigem menschlichen willen erkleret werden.
Ursach. das
sie nit durch menschlichen willen hergetragen
ist. Die heiligen gotis haben gerett
wie sie von dem h'eiligen'
geist bewegt gewest seind.79 Drumb mustu schrifften
durch schrifften
erkleren/ außlegen und lautern/ und das
licht des heyli'gen' geistes
furtragen/ wan du rumrettiger80
schirmer beweyßen wilt. das wir irren/ leuth verfuren/ und
ketzerey
machen.81 Bistu ein Doctor der
h'eiligen' schrifft〈/〉 ßo
weistu wol dastu der schrifft
offt geschworen und verayd
bist. und das dir die schrifft zu einer form/ regel/
weg/ und
weiß geben ist.
Demnach bekenn ich/ das Doctor Martinus Luther
eth-
licheal bucher und leer von der Meß hat lassen außgehn/82 und
hinfuro wirt außschicken/ welche ehr alle/ wol/ on
meinen
beystand/ kan/ vor aller welt/ verteidigen.
Derhalben
wil ich auff das mein sehen/ und beken
mich auch dartzu.
das ich etliche buchlin (die Messe betreffen) hab fur man-
gerley augen gelegt/ wil auch furt mehr lassen furlegenam/ den
Christen tzu gut.83
Szo hab ich ouch die evangelische
Messe und
weiß mit der tattan
angetzeigt/84 wie wol ich dan
noch vil stuck nachgelassen85 hab.86 die dich und deinergleichen
darumb seltzam und from87/ boß und ketzerisch
duncken〈/〉 das
du weiß und wort des ewangelien nit wilt
annhemen. wie
du alten gebrauch/ und heidnisch laher annihmbst.
Dir sey aber trutz/ und ein schniplyn88 geschnelt89/ dastu
mir
ein herlein krumest. Nicht derhalben/ das ich ßo vil von
mir halt. Sonder
derwegen〈/〉 das ich weiß〈/〉 war auff ich
grunde und fuessze. Und das ich weiß/ das die warheitt
weder liegen/ noch bedrigen/
noch verfuren kan.
Bystu aber der Ochße/ der die wend umbstosset. den die
ougen feuren/ und der mit
füssen scharret/ und wil Evan-
gelischen brauch und wort
umbsturtzen/ ßo kum anher/
A5r leine dich auff/ und versuch was du kanst/ beweiß deine
kreffte/
spring/ leck/ plerr/ stoß/ und gebrauch alle deine kre-
fften/ und
laß doch fulenao/ wie vest deine
horner stehnt.
¶ Mir ist vil an der sach gelegen/ dan ich weiß das
got/ vil
an seinen tzusagunhenap und tzeichen gelegen ist.90 Das man
om91
sein eere/ lob und glorien/ mit den Messen (wie/ sie bey
dir gehalten werden)
abheubt92/ verkurtzt/ und das
got ge-
lestert wird.93 Eß werden auch die schefflin Christi.
ym glauben verhindert
und geergert.94 Weyl du dan
dye
kleine ergerst/ von welchin Christus spricht. Eß wer
besser man hieng
eynem/ ein eselßmülen an hals/ und sencket
yenaq in das wasser/ dan das er eynen kleinen (dero Christo
tzugehort) ym glauben verletzt.95
Derhalben kan ich nit
mehr schweigen. Ich muß dich deines grosses ru-
mensar
erinnern. Und kan nit stum sein/ Eß gebürt mir
auch/ dich aus deinem getzelt
tzefodern/ dastu mein schrei-
ben und thun/ die Messe anlangend/
tzu nicht und ketzerysch
machest.96 Thun deinen rum volg/ tzeig an die ketzerey. deut
uff unßern mißbrauch.
Bistu eyner frumen mutter Son〈/〉
ßo vall mich an/ und straff
mich mit der Schrifft.
Du rumest du wollest Leib und leben verlieren/ wan du nit
kanst beweißen/ das
unßer schreiben ketzerysch ist〈.〉97
Ich wil mit dir umb .c. guldin98
schreiben/ das noch gerin-
ger ist dan dein nagel am kleinen
tzehen/ oder um einen rock/
dan solt ich mit dir umbs leben disputiren. vermogt ich
dich
nit besser tzumachen/ wan du aber lebendig bleibst. ßo hoff
ich du
werdest gewinnen wie die andere widersecher.99
Ich wil dir gern vergonnen/ und tzugeben/ dastu den grohen
Doctor tzu Torgau100 / den Tollen grohen gesellen tzu Czerwick101 und gantz Conventas der holtzuger tzu Brandenburgk102 nymbst.
und wan103 du tzu dir bringen kanst. das sie dir helffen/ uff dastu
gut pfeil schissenat mogst.
Wirdestu aber an dich halten/ und
alßo mauchellich104 pellen und nach reden/ Solstu wissen/ das
ich
nit sweigenau wil. Ich wil dich
butzen105 und mutzen106 wie dir
von noten ist. Wiltu
aber ablassen/ und die Christen nit ver-
furen/ ßo wil ich dir
meine iniurien gern vergeben/ die ich
A5v dirav doch an107 das vergeb/ doch dem Evangelio
un-
schedlich. Ich wil dir auch hende und füssen tzu
dienen
leyhen.
Du kanst selber dencken/ das Christus saget. Wer mich
bekendt/ den werdeaw ich vor meynem vatter auch
bekennen〈.〉
Welcher mich verleucket/ den wil ich auch
verleucken.108
Ich byn gott mher schuldig dan aller welt.109 Und will
meyne seligkeit nit/ deyner halben/ verlustig
werden/ und des
warten〈/〉 darumb mich Christus mocht
verlauckenax110 und dem
teuffel geben.
Derhalben magstu selber abnhemen wu
mich der schugh thruckt. Auch weystu wol/ wie
wir
auff nutz/ frumen/ und gedeihenay unßer negsten sollen trach-
ten/ und gar nicht das unßer
suchen.111 Wir wollenn
von nutz und gedeyhen der Selen handeln/ die ewig ist/
Derwegen laß unß sehen. das
wir gotes eere/ wort/ unnd
glorien eyniglich meynen. Szo wirt unßer Selen
seligkeit
mit auffgehn. Dar tzu helff unß got durch Christum
Amen.
azGedruckt tzu Wittenberg
M.D. xxii. Jar.
KGK 228
Einleitung
