Nr. 342
Verschollen: In libros Aristotelis de verbis coenae Domini
[1533, Ende?]

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1.

Michael Carnovianus aus Freiburg im Breisgau an Johannes Hess in Breslau, [Anfang 1534?]: »Novarum rerum nihil nisi quod Doctor Carolstadius […] scripsit in libros Aristotelis, qui magnam partem continent de verbis coenae Domini […].«1

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

Wie er in einem Brief an Johannes Hess berichtet, hatte Michael Carnovianus wahrscheinlich Ende 1533 Karlstadt getroffen,2 der ihm mitteilte, dass er mehrere Texte bereithalte,3 darunter einen über die Bücher des Aristoteles, die weitgehend Worte des eucharistischen Sakraments enthalten. Diese Schrift ist heute verschollen, und es gibt keine anderen Quellen, die über sie berichten. Es ist daher schwierig, Vermutungen über die Umstände anzustellen, die Karlstadt zu ihrer Abfassung veranlasst haben könnten und über ihren Inhalt, der eventuell die Begriffe der Substanz und der Form behandelt haben könnte.4 Es ist aber nicht auszuschließen, dass Karlstadt sich damals mit der Dialektik und Rhetorik des Aristoteles beschäftigt hatte,5 über die er dann im September 1534 in Basel las.6


2Zu dieser Reise des Carnovianus und dessen Zusammenkunft mit Karlstadt siehe KGK 340.
3Siehe auch KGK 341 und KGK 343.
4Karlstadt hatte sich bereits 1508 intensiv mit den Büchern der Metaphysik des Aristoteles beschäftigt, vgl. KGK I, Nr. 3. Es scheint, dass Karlstadt nach dieser ersten Phase seiner akademischen Laufbahn, die stark von den scholastischen Lehren geprägt war, sein Interesse für Aristoteles nicht weiter verfolgte, sondern die für das reformatorische Denken typische, allgemeine Ablehnung dieses Philosophen teilte. Auch in seinen Abendmahlsschriften aus den Jahren 1524/25 tritt Aristoteles nicht einmal als polemische Zielscheibe auf. Trotz seiner Ablehnung als Theologe blieb das Verhältnis der Reformation zu Aristoteles als Philosoph und v.a. als Rhetoriklehrer immerhin ambivalent, sowohl bei Luther (vgl. Dieter, Luther) als auch und insbesondere bei Melanchthon, der sich in Wittenberg einer gewissen Rehabilitierung des griechischen Philosophen – v.a. seiner rhetorischen Schriften – widmete (vgl. auch für weiterführende bibl. Hinweise Kuropka, Melanchthon and Aristotle). Zur Bedeutung von Aristoteles als Theologe in der Abendmahlskontroverse unter den Altgläubigen siehe Vijgen, Eucharistic Accidents und Iserloh, Eucharistie.
5Ein Beispiel dafür ist, wie die rhetorischen Schriften des Aristoteles eine autoritative Quelle für die Lösung der grammatikalischen Verständnisschwierigkeiten der Einsetzungsworte des Abendmahls in Caspar von Schwenckfelds Antwort gegen Johann Graumann (Poliander) von März/Mai 1532 bildeten (vgl. CS 4, 588f.). Zum Briefwechsel zwischen Karlstadt und Schwenckfeld im Jahr 1533 siehe KGK 344.
6Vgl. KGK 357 (Karlstadt an Bullinger 15. September 1534), hier v.a. KGK 357 (Textstelle). Siehe auch den Brief Karlstadts an Myconius von 30. Mai 1534, KGK 347 (Textstelle).

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