Nr. 338
Fürtrag der Züricher Geistlichkeit vor dem Rat der Stadt Zürich gegen eine Teilnahme am Türkenzug
Zürich, 1532, 17. Juli

Text
Bearbeitet von Stefania Salvadori
Buchsymbol fehlt

Eersamm/ fromm/ fürsichtig/ wyse/ herr burgermeister/ und gnedige liebe
herrenn. Es hat üwer wyßheyt unß nun offtermals befolhen/ so
unß ettwas gaͤgen iro angelaͤgen/ soͤllend wir soͤmliches guͤtlich an-
bringen
. Diewyl dann der fürtrag von dem Türggischen Zug/ eben
gfaarlich/1 will unß unsers ampts und goͤttlichs worts halben gebürenn/
diß kurtze meynung anzebringen. Bittend ir wellends guͤtlich ver-
hoͤrren
. dann wir nützid me begaͤrend dann das üch/ der statt und gantzen
landschafft heylbar und loblich ist.

Sidmal und die/ so vor zyten denocht nitt unlust gehept an froͤmbd-
lendigen
herren und kriegen/ ouch jetzdan den zug nitt ungern saͤ-
hend
/ samm2 sy christlichen glouben und biderbe lüt vor unbillichem
zwang schirmen woͤllend/ die doch bißhar nitt so bereyt und willig
gewaͤsen/ da es unß selbs ann unsernn waaren christlichen glouben
und an die biderben lüt gieng/ die unß zůverspraͤchen stuͤndent und
denen zůgesagt was:3 ist ghein unbill/ wenn schon dieser fürtrag von
disem zug/ u'wer'/ w'yßheit'/ nitt so gar one argwhon sin will. Insonders so
ouch susta mancherley reden sind: Und ob der Frantzoß und Key-
ser
schon jetzdan schwaͤger/4 doch nitt unlang hievor ein lange
zyt toͤtliche fintschafft gaͤgen andren/ von waͤgen Napels/ Meylands/
und Gennow5/ gehept.6 Deßhalben ouch noch hütt by tag ein andren
trüwend/ wie dann soͤlicher herren und fürsten bruch ist.7

So nun vilicht ein prattick8 moͤchte funden werden/ allß wir de-
nocht
ettwas jaren har ëben grosse lyst gesaͤhen und empfunden
habend/ das diewyl der Keysser ann dem Ungerland9 wider ze-
bringen
arbeyte/ dem Künigb knächt/ under der gstallt
deß Dürggen zugsc zůlüffend/ mit denen er sinen nutz/ wie vor-
malen
mee/ schaffen moͤchte: es wëre dann ze Cayeta/d10 Gennow11/ in Meyland/
oder Neapolis/ das etwan deß Künigs gewunnen/ ietzdan aber deß
Keyssers erbgůt ist:12 uß welichem allem unß hernach groß schad
und praesten13 ann seel/ eer/ lib und gůt entston moͤchte:

Bittend wir und vermanend u'wer'/ w'yßheit'/ zum hoͤchsten/ ir woͤllind
inn dem handel ernst gebruchen und umbsichtig sin: und betrach-
ten
wie unß vormalen ettliche herrenn angesetzt/ und allwaͤg14
mitt glatten worten anders fürggaͤben/ dann sich hernach er-
fand
. Dann imm 1510e jar wurdent 6000 man uß der Eydgno-
schaft
vomm Cardinal gefuͤrt/ under der gstallt der heyligen
(wie sy es namptend) kylchen land/ ze beschirmen: da sich aber imm
Pyas15 an der thaat erfand/ dass es wider Alphonsen von Aast
und Künig Ludwigen uß Frankrych zu thůn was: deshalben man
den züg widerumb mitt schand/ spott und schaden heym ma-
nen
muͤst.16 So weist üwer ersamm wyßheyt was boͤsen/ uneini-
gheyt
inn aller eydgnoschafft/ ouch was traͤffenlichen blůtvergies-
sens
vermitten17/ wo der letst unselig Bapstzug erspaart wëre.18

Buchsymbol fehlt

Hierumb sind19 umb gottswillen ermanet/ üch umb ze saͤhen das
ir in ghein blind spyl/ durch glatte/ fuule/ valsche wort/ dero
das hoffgsind der herren voll/ wir aber allß einfalltef lüt
ungebrucht/ gefuͤrt werdint/ dardurch ir und üwer fromm
biderb lüt inn nodt schand und schad vor gott und der wellt
kummind/ darumb ir ouch raͤchenschafftg gaͤben/ und iro und
alleß unschuldigs blůt von üwern henden gefordert werde. Gne-
dige
liebe herrenn goumend üch20 vor froͤmbden herrenn: gaͤ-
bend
üwere ooren gott/ der warheyt/ dem fryden/ und mitt
denen Syrenen/ die üch niemer singend/ denn wen sy umb
ires nutzes willen/ üwers blůts begaͤrend. Ermaͤssend doch was
gůts einer Eydgnoschafft vonn der herrschafft entsprungen sye/
das sy allwaͤg unser fryheyt uffsetzig/ und an allen unsernn unfaͤlen
schuldig xin. Ermessend was glücks und heyls ein Eydgno-
schafft
mit dem Frantzosen gehept/ ja das er unß nie wol er-
schossen
hatth/ wüssend alle die/ so ze Nawerren/ zu Dysion21/ ze Ma-
rion22 inn Mayland/ ze Pavy23/ und anderschwo gewaͤsen sind.24 Es
ist noch inn menschen gedaͤchtnuß der groß verlurst/ den wir
umb deß Frantzosen willenn/ eben inn disem Napels/ da wir
vilicht aberi lygen soͤltend/ erlitten habend:25 da unß mitt zwyf-
let
/ dann das üwer unser hherren ettlich da sitzend/ die ire vaͤt-
ter
〈/〉 bruͤder und liebe fründ verlooren habend.26 Woltend
wir dann soͤmlichem fürrer aber ze willen werden? Sind
ingedenk gnüdig herren deß geschwornen brieffs/ in dem ir
fürsten und herren/ miet/ gaͤllt/ und gaaben verschworen habend.27
Sind yngedenck üwer eeren und eyden/ mitt denen ir allß
ein rychstatt/ deß heiligen rychs eer schwerrend.

Nun ist es ye vil weger u'wer'/ w'yßheit'/ erfaare alle haͤndel ee und man
inn einigen zug verwillige/ dann das man uff wol vertruwen
und uff ein versůchen ein soͤmlichen traͤfflichen handel anhebe:
den man hernach one schaden nitt mee gewenden mag.

So nun glich alle sach rychtig und one valsch ist/ das man üch
unsern herren/ heruß sagt. Keysserlich maiestet28 will iro brůder
künig Ferdinanden29 widerumb inn Ungern ynsetzen/ unnd
Graff Johansen Weywoda/ der das Ungerland mitt hilff des Dürg-
gen
innhallt/30 vertryben: denocht will U'wer'/ W'yßheit'/ allß einer Christlichen
obergheyt gepüren ernstlich nachvrag zu haben/ mitt was raͤchten
er Graff Hansen/ jetzt Künig inn Ungernn/31 understande ze vertry-
ben
/ ee und ir Keyss'erlicher' Maiestet darzuo haͤlffind/ da ir doch nitt
wüssen moͤgind/ was raͤchts er habe: oder mitt was bill oder un-
bill
er den Dürggen inn das Ungerland gebracht habe. Und ob joch
der Dürgg neiswas32 wyterer ansprach ann das heylig rych habe. Inn
welchem allem nunj nitt alein der keysserischen parth ze
Buchsymbol fehlt glouben ist: sunder beyd Teyl zek verhoͤrrennl: insonders weß sich
Graff Hanß gaͤgen dem Ferdinando uff dem rychstag mzu Spyrm errbotten
und wie sich Ferdinand gaͤgen imm gehallten habe.33

Unnd so nun glich erfunden wurde/ das Künig Ferdinand fuͤg
und raͤcht zů dem Ungerland wider den Weywoda haͤtte/ ist
ouch das u'wer'/ w'yßheit'/ eigentlich ze erwaͤgenn/ Wemm ir zůzühend/ under
welche hoͤüpter und fuͤrrer/ item under was heerzügs/ ir üwer
fromm volk stellend. Hie weist nun u'wer'/ w'ysheit'/ das Keyss'erliche' maiestet
unserm glouben seer zů wider ist/ allß der deß Bapsts geschwor-
ner
und der pfaffen eygen ist. Deßglich das Künig Ferdinand
alle Bischoff/ Aaͤpt/ prelaten/ ettliche der fürsten/ und meer-
teyl
deß Adellß/ ouch die Italiener und Hispanier iro kriegsvolk/
die unsernn allß kaͤtzer halltend vehend34 und hassend.35 Es weist
U'wer' W'yßheit' üwers volcks gemuͤt gaͤgen den v orten36/ und iro tratzen37 gaͤ-
gen
unß: item den haß aller Lantzknaͤchten gaͤgen der Eydgno-
schafft
: desglych das die Behem und Unger/ zup denen man aber
zühen můß/ ein anerbornen haß zů allen Tütschen tragend.
Soll nun u'wer'/ w'yßheit'/ iro kleins voͤlklin/ in so ferre land/ wider son
grusammen vynd/ und docho under die schicken/ die unß eben
Kaͤtzer und Dürggen sin gloubend und schmaͤhend/ wie der ist
der der raͤcht vind ist: mag u'wer' w'yßheit' wol ermessen was gůter bott-
schafft
von den unsern ze erwartenp sye.

So hat gott offtermals alles volck gestraafft von waͤgen der kü-
nigen
he〈rren und〉q houptlütenr/ under denen das volck was. So wir
dann soͤlltind under denen zühen/ von denen alle waͤllt weist
wie sy mitt vahen38/ toͤden/ brennen/ die warheyt vervolgt und
vil tusend aͤben iaͤmerlich erschlagen habend/ und noch/ allß
ze sorgen ist/ thaͤtend/ wo sy moͤchtend und fůg haͤttend: ist
es ofenbar das wir uns inn grosse gfaar stellend.

Insonders so unser aller sünd vor gottes ougen so groß/ und
unser unbůßfertig laͤben gott also erzürnt hatt: das wo
nitt unser laͤben gnodt und gar geenderet wirt/ wenig
glücks zu erwarten ist.

Dises und anders woͤllend bedencken gnaͤdige herren: und so-
ferr
es mitt gott xin mag/ vonn dem kriegen üwer volck
zühen/ in ghorsamme bewaaren/ iro blůt hoch schetzenn/
sy nitt lychtlich louffen lassen/ und inn das spyl eigentlich saͤ-
hen
. Habend wir in allem gůten antragen: bittend ir wellends
gůter meynung wie es beschaͤhen uffnemmen.

U'wer' W'yßheit' underthaͤnige
Predicanten/ und laͤser
der heyligen gschrifft.

D. Heinrych Engelhart.39

Leo Jud.40

D. Andereß Carolstatt.

Erasmus Schmyd.41

Conradt Pellican.42

Theodorus Bůchmann.43

Heinrych Bullinger.

Buchsymbol fehlt

Der Türggen Zug

Diß geschrifft habend M. Loͤw44 und
ich fürgetragen und forgelaͤsen/ vor
beyden Raͤdten 17 Julii: allß vil red
was vomm Türggen/ und der Keys-
ser
und Künig uß Franckrych
Knaͤchten ze Baden
begaͤrt. 8. Julii
1532.


afolgen zwei durchgestrichene Buchstaben b
bfolgt gestrichen diewyl 〈?〉 a
cam Rand hinzugefügt a
dam Rand hinzugefügt a
e1520 b
ffolgt durchgestrichenes Wort a
gkorrigiert aus raͤchnenschafft a
hersetzt über der Zeile für durchgestrichen ist a
idurchgestrichen und über der Zeile korrigiert in über b
jkorrigiert aus man b
küber der Zeile hinzugefügt a
lfolgt gestrichen i b
m-mam Rand hinzugefügt a
nfolgt am Anfang der darauffolgenden Zeile durchgestrichenes Wort a
oam Rand hinzugefügt a
pfolgt durchgestrichen ist a
qLoch im Papier a
rTinte verblasst a

1Gemeint ist hier die Forderung, die Kaiser Karl V. und der französische König Franz I. auf der Tagsatzung in Baden am 9. und 10. Juli 1532 an die Schweizer Eidgenossen richteten, siehe die KGK 338 zu dieser Einheit.
2so, ebenso; vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 902 s.v. sam I.
3Bullinger, Schriften zum Tage, 27 Anm. 2, sieht hier einen Bezug zu den Angriffen auf die Städte Bremgarten und Mellingen – denen Zürich und Bern ihre Unterstützung zugesagt hatten – nach dem Zweiten Kappeler Krieg und deren Rekatholisierung.
4Nach dem Frieden von Madrid 1526 (s.u. KGK 338 (Anmerkung)) hatte König Franz I. von Frankreich die Schwester von Kaiser Karl V., Eleonore, geheiratet.
6Frankreich und das Reich hatten seit 1494 um die Herrschaft über Italien gerungen; hier wird insbesondere auf die Auseinandersetzungen zwischen Franz I. und Karl V. in ihrem Ersten (1521–1525, endete mit dem Frieden von Madrid, nachdem König Franz I. in der Schlacht bei Pavia am 24. Februar 1525 in Gefangenschaft geraten war) und Zweiten Italienischen Krieg (1526–1530, begann mit der Entstehung der Liga von Cognac gegen Karl V. und der Ablehnung des Friedens von Madrid) verwiesen. Zu diesen Kriegen und der Beteiligung von Mailand, Genua und Neapel siehe KGK 338 (Anmerkung) und für den allgemeinen Kontext siehe Schnettger/Verga, Reich und Italien; Mallett/Shaw, Italien wars.
7Auch nach dem sogenannten Damenfrieden von Cambrai – der 1529 zwischen Franz I. und Karl V. geschlossen wurde; der Zweite Italienische Krieg endete im folgenden Jahr mit der Übereinkunft zwischen Papst Clemens VII. und Karl V. in Bologna – blieben die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Alten Reich angespannt; bereits 1533 gefährdete Clemens VII. die Beziehungen durch die Heirat seiner Nichte Katharina de' Medici mit dem Königssohn Heinrich II. von Frankreich.
8Praktik, hier im Sinne von Verfahrensweise, Abmachung; vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 567 s.v. Pattik 2a.
10Die Stadt Gaeta war der erste den spanischen Flotten zur Verfügung stehende Hafen im Königreich Neapel, das sich seit 1504 unter der Kontrolle des spanischen Königs (damals Karls V.) befand. Während des Zweiten Italienischen Krieges zwischen Karl V. und Franz I. (s.u. KGK 338 (Anmerkung)) belagerten die französischen Truppen unter der Führung von Odet de Foix, Graf von Lautrec ab Mai 1528 Neapel und Gaeta, unterstützt durch die von Andrea Doria geleitete Seeblockade, die dem Königreich Neapel von den genuesischen Flotten auferlegt wurde. Als diese die Seeblockade im darauffolgenden Juli aufhob – Genua hatte das Bündnis mit Frankreich gebrochen, um ein Abkommen mit Karl V. zu schließen – verloren die französischen Truppen nach und nach an Territorium, wurden durch die Pest dezimiert und mussten schließlich das Feld räumen.
12Gemeint ist hier der Zweite Italienische Krieg zwischen Karl V. und Franz I. Er begann als Konflikt zwischen der Liga von Cognac (Papsttum, Frankreich, Venedig und Florenz) und Karl V. und entwickelte sich schnell zu einer direkten Konfrontation zwischen französischen und kaiserlichen Truppen. Im Sommer 1527 zogen die Franzosen gegen das Herzogtum Mailand und das Königreich Neapel, erlitten aber in den folgenden Monaten schwere Niederlagen und mussten ihre Expansionsbestrebungen bald aufgeben, nicht zuletzt, weil ihnen die Unterstützung Genuas durch Admiral Andrea Doria fehlte, der inzwischen auf die Seite des Kaisers gewechselt war (s.o. KGK 338 (Anmerkung)). Karl V. seinerseits befand sich aufgrund der internen Spannungen im Reich mit den evangelischen Fürsten und wegen des Vormarsches der Türken in Schwierigkeiten. Der Kaiser sah sich daher im Sommer 1529 gezwungen, mit dem Papst und den Franzosen Abkommen zu schließen, die weniger vorteilhaft waren, als er gehofft hatte.
13Schaden, vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 836 s.v. Brëste(n) Gebrësten Brëschgen.
14jederzeit, in jeder Hinsicht; vgl. Schweizerisches Idiotikon 15, 856 s.v. allwëg.
16Matthäus Schiner, seit 1499 Bischof von Sitten, hatte im September 1510 die Entsendung von Schweizer Söldnern nach Italien organisiert, offiziell mit dem Ziel, die päpstlichen Gebiete zu schützen. Es wurde jedoch bald klar, dass die Schweizer an der Seite des Papsts Julius II. und Venedigs am Krieg in Italien gegen Frankreich teilnehmen sollten. Das Ziel waren vor allem die Gebiete von Alfonso I. von Este, der sich geweigert hatte, sich mit dem Papsttum und Venedig zu verbünden, um seine Herrschaft in Ferrara zu bewahren. Als die Schweizer Söldner zurückgeschlagen wurden (die französischen Truppen kontrollierten damals sowohl Savoyen als auch das Herzogtum Mailand) und sich nach Chiasso zurückzogen, wurden sie Mitte September 1510 von der eidgenössischen Tagsatzung zurückgerufen. Zu Schiner siehe HLSHLS s.v. Schiner, Matthäus.
17vermeiden.
18Bullinger, Schriften zum Tage, 29 Anm. 8 sieht hier einen Hinweis auf Papst Leo X., der 1521 im Ersten Italienischen Krieg zwischen Karl V. und Franz I. (1521–1525; s.o. Anm. KGK 338 (Anmerkung)) die Hilfe der Schweizer erlangt hatte. Zur Rolle der Schweizer in diesem italienischen Krieg vor dem Hintergrund der wechselnden Politik Leos X. im Jahr 1521 siehe Durrer, Schweizergarde, 224–314. Im selben Jahr 1521, am 5. Mai, schlossen die Eidgenossen ein Soldbündnis mit Frankreich, ein Zeichen für die neue Ausrichtung ihrer internationalen Politik. Im April 1522 erlitten sie an der Seite Frankreichs in der Schlacht von Bicocca eine verheerende Niederlage. Zur Spaltung zwischen den Schweizer Kantonen und der Weigerung Zürichs, sich dieser neuen Soldallianz anzuschließen, sowie zum direkten Einfluss Zwinglis siehe Moser/Fuhrer, Schatten.
19seid.
20hütet euch; vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 300f. s.v. gaumen.
23Pavia.
24Verweis auf Schlachten, in denen Schweizer gegen französische Truppen kämpften, z.B. in der Schlacht von Novara 1513, in der die Franzosen aus Mailand vertrieben wurden, der Belagerung von Dijon im September desselben Jahres, in der sich die siegreichen Schweizer Truppen zu schnell zurückzogen und König Ludwig XII. die mit ihnen geschlossenen Friedensverträge brach, oder der Schlacht von Marignano (1515) zur Verteidigung Mailands gegen die Expansionsbestrebungen Frankreichs, infolge derer die Schweizer gezwungen wurden, ihre Expansionsbestrebungen aufzugeben. Nach dem im September 1515 geschlossenen sogenannten ewigen Frieden (vgl. HLSHLS, s.v. Ewiger Frieden) wurde die direkte Feindschaft zwischen den Eidgenossen und Frankreich überwunden; dies führte ab 1521 – s.o. KGK 338 (Anmerkung) – zu einem Bündnis für gegenseitige militärische Hilfe, in dessen Rahmen Schweizer Söldner oft an der Seite französischer Truppen kämpften und nicht selten mit ihnen eine tragische Niederlage teilten, wie in der Schlacht von Pavia im Oktober 1524, in deren Folge König Franz I. selbst gefangengenommen wurde (s.o. Anm. KGK 338 (Anmerkung)).
25Zu den erfolglosen Feldzügen des französischen Königs Ludwig XII. in Süditalien und vor allem in Neapel (während des Italienischen Krieges von 1499–1504), bei denen auch zahlreiche Schweizer Söldner ums Leben kamen, und der daraus resultierenden Weigerung der Eidgenossen, den Pakt von 1499 zu erneuern (der die Bereitstellung von Schweizer Söldnern für ein Jahrzehnt exklusiv für Frankreich vorsah), was über die Vermittlung von Matthäus Schiner (siehe KGK 338 (Anmerkung)) zu einer Vereinbarung führte, 1510 Schweizer Truppen in den Dienst von Papst Julius II. zu stellen, siehe Durrer, Schweizergarde.
26Bullinger, Schriften zum Tage, 30 Anm. 11: »Tatsächlich klaffte nach 1515 [siehe KGK 338 (Anmerkung)] in der Zürcher Oberschicht eine empfindliche Lücke, die die Kriege unter der jüngeren Bevölkerung hinterlassen hatte«. Dort mit Verweis auf Stucki, 16. Jahrhundert, 172–281, hier 181.
27Mit Bullinger, Schriften zum Tage, 30 Anm. 12: »Im Mai 1521 beschließt Zürich, keine Soldkriege mehr im Ausland zu führen; das Verbot wird 1522 erneuert«, mit Verweis auf Egli, Actensammlung, 39 Nr. 167 (15. Mai 1521, wo allerdings in einer Fußnote vermerkt ist, dass dieses Verbot bereits im März 1517 formuliert und seither mehrmals wiederholt worden war; die Rückkehr der Zürcher Truppen erfolgte erst im September 1521), 66f. Nr. 215 (11. Januar 1522) und 103–105 Nr. 293 (15. November 1522). Zur Rolle Zwinglis bei der Formulierung des Verbots siehe wiederum Moser/Fuhrer, Schatten. Siehe auch Rogger, Geld.
29Ferdinand I., Konkurrent von Johann Zapolya (s.u. KGK 338 (Anmerkung)) um die ungarische Krone.
30Johann Zapolya, ab 1511 Woiwode (Fürst) von Siebenbürgen, wurde am 16. Oktober 1526 zum König von Ungarn gewählt und am 10. November in der Versammlung in Stuhlweißenburg in seinem Amt bestätigt; wenige Tage später wurde in derselben Versammlung auch Ferdinand I. von einer Ständeversammlung zum König von Ungarn gewählt, siehe KGK 338 (Anmerkung); Zapolya gelang es schließlich dank der Unterstützung des Sultans, den ungarischen Thron zu behalten. Zum historischen Kontext siehe Varga, Königsdynastie.
31Wie vorherige KGK 338 (Anmerkung).
32irgendetwas; vgl. Schweizerisches Idiotikon 4, 808 s.v. neisswas.
33Auf dem Reichstag zu Speyer vom 25. Juni bis 17. August 1526 waren die beiden Konkurrenten nicht zusammengekommen, nur Ferdinand I. war anwesend, der bei der Eröffnung darauf gedrängt hatte, dem von den Türken bedrohten Königreich Ungarn Hilfe zu leisten. Nachdem man sich am Ende des Reichstages darauf geeinigt hatte, kam es am 29. August zur Schlacht von Mohacs, in der König Ludwig II. von Ungarn beim Zusammenstoß seiner Truppen mit dem osmanischen Heer Süleymans I. auf dem Feld ums Leben kam. Der Königsthron wurde gleichzeitig von Johann Zapolya und Ferdinand I. beansprucht. Mit Bullinger, Schriften zum Tage, 31 Anm. 13 wird hier auf den ungarischen Reichstag in Stuhlweißenburg verwiesen, der im November 1526 zunächst Zapolya und dann Ferdinand I. zum Herrscher von Ungarn erklärte, mit Verweis auf Fata, Ungarn, 15.
34hassen, verfolgen; vgl. Schweizerisches Idiotikon 1, 644 s.v. fehen, fechen.
35Der Verweis bezieht sich auf die engen Verbindungen Karls V. und seines Bruders Ferdinand I. zum Papsttum und ihre feindliche Haltung gegenüber der Reformation.
36Die fünf katholischen Schweizer Orte, mit denen Zürich damals im Streit lag; siehe KGK 339.
37reizen, necken; Schweizerisches Idiotikon 14, 1661 s.v. tratzen.
38verfolgen.
39Heinrich Engelhard (um 1476–1551), ab 1496 Leutpriester am Fraumünster.
43Theodor Bibliander (1506–1564), ab 1531 Professor für Altes Testament in Zürich.

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