Nr. 379
Sechs Artikel zur Reformation der Universität Basel
[1538, nach 28. Juli -- 1539, vor 1.März]

Text
Bearbeitet von Stefania Salvadori
Buchsymbol fehlt

Frommen, Ersamena günstig Herren, Alsdann U. E. W.1
bdas anligenb der universitetc, uff Sonntag den xxxviii
houwmonats2 dissd xxxviii Jars,3 durch unns von mund4
vernommen, unde begert sollichs somlichsf inn gschrifft ver-
fasset
gu. E. w.g ze uberlyfren, undh wiewoli vormols
vil und offt, in solichen sachenj gehandlet, und aberk diese
zit vil unsl leren mag, So fugen wir U. E. W.
hiemitt zuvernemmen mein solliche m meynung insonders das
wir uss langwiriger erfarung, dessen so sich bisshar inn
unnser universitet zutragen, ouch uss anderer universi-
teten
Exemplen augschinlichen befunden, das zu uffnung
und erhaltung der universitet, ouchn zu furderung ge-
meynen
nutzes einer statt Basel, noch unnserm
gut beduncken, dise nochvolgenden puncten, an die
hand zenemmeno, von noten sin wellen.

Der erst Artickelp

qSo nun q ein Universitet ein versamlung vieler, dess-
halben
nit eins einzigen, oder zweyer glerter men-
ner
genant, und solliche on gut ordung, gesatz,
und regiment keins wegs bestendig sin mag,
ist von noten,rdas ire regenten gewalt haben
alles anligen der hohen schul und kunsten anhengig
zuverwaltens,t desshalben auch die jenigenu so irer re-
gierung
sin mussent hinfur billich von einer univer-
sitet
v angenommen sollen werden,

Der Anderw

Dwil manx sicht das inn allen universiteten den lec-
toribus
und professoribus, yey noch irem fliß oder unfliß
ouch noch dem ire schůler und zuhorer, an der ler,
anz Kunst, aasoderab der menge und zalaa, zu, oder ab nemmen
also auch denselben irac besoldung gebessert oder ge-
mendert
wirt, Damit nun die lectores zu
Buchsymbol fehlt ernstlicherem und hocherem fliß zurad arbeit gereitzt
werden, Ouch nutz, eer, undae wolfart afder univer-
sitetaf ouchag der studierenden inn allweg gefürdert
So do inn der universitet angenommen werdent de-
ster
ah gehorsamen pliben, und irer bevelh halb aiallein
uff einai universitet ir uffsehen haben, diser
undaj vorerzelten ursachen halb, were gut und
furderlich, das der universitet ein jerlichs in-
kummen
gschopfftak, undal uff ein jerliche rechnung
U. E. W. zthundt, amzugstellt undam uberantwort
wurde, je noch den flisß und verdienst der
leseren, wie abstotan, ouch noch glegenheit der pro-
fession
, Zit, personen, zu nutz und frommen derao
Universitet und Statt Baselap, ußzotheilen,

Der dritt Artickelaq

Noch dem inn allen Communen und rechtgschaf-
nen
pollicien, der lendern, Stedten, Gwerben,
und handtierungen, von noten ist und sin will,
das man gehorsami und denar gebotten asund
verbottenas hohen und niderenat gehorchau, Also und
glicher gstalt und noch vil mer will die not-
turfft
und gmeine ruw5 erforderen, avdas awnit
alleinaw aller faculteten professoren und regenten,
oderax die so studierenshalb sich hie erhalten, son-
ders
ay ouch die, so mit den frigen6 künstenaz,ba oder
bbinnbc heiliger geschrifft umbgandbd und sich doruß
ernerenbe wellen, der universitet mandaten ge-
horsamen
, dorumbbf hůlden, ouchbg solche ghorsami
zthund angehalten werden, damit ein yeder siner
ler wie er die bruch, so er dorumb ervordert rechen-
schafft
zgeben, verbunden sigav,bb

Buchsymbol fehlt

Der vierd artickelbh

Dennoch undbi gut ordnung und fryheit, hoch und nyder
schulen underscheident Alß ouch inn allen Communen
und Pollicien zu underhaltung und zunemmung, ettlichbj
bkEerenstend7 undbk gradus verordnet, on welche kein
Regiment niemer inn die hare blbesten mag bl, Das
also inn diser universitet wider angericht werden
dieselben Erenstendbm und flissig doruber gehalten
bndomit zevorderist (sovernbo die gehaben mag) die lec-
tores
, yeder inn siner facultet den gradum hab, oder
zum furderlichsten entpfahebn, das die so von einer
Ersamen oberkeit zu den Studiis verordnet, dieselben gra-
dus
ze erlangen sich fürderlich schicken, und sust alle
andere so von iren elteren, frunden, verwandten, oder
uss eigenen willen die gradus zeerlangenbp sich inn
derbq universitet enthalten mit ernst und fliß zu den-
selben
gefurdert werden, Item das ernstlich uffsehen
beschee, domit die Gradus nit missbrucht, und das
dorzu niemants promoviert noch zugelossen werde,
so derselben nit vehig noch wurdig sin, erfunden,
Es sig mangelhalb der ler, kunst, oder erberer sitten
domit der missbruch der gradum und Eerenstenden
(wie dann bisshar zu ziten beschehen.) vermytten8 plib
und underlassen,br mit den gradibus und diserbs gstallt
werden die jungen bewegt und angehalten, btdest flis-
siger
den studiis bt obzeligen,bu der ler,bv zucht, und guter
sitten, sichbw empsiger zebeflissen, Zu dem so befinden
wir ussbx erfarung, das vormols vil der Jungen
von der gradum wegen, mer glert und begriffen,
ouch by den schlechten und einfeltigen preceptoribus,
dann syby diser zit lernen und fassen by den fast ge-
lerten
preceptorn die sy doch zum truwlichsten und
flissigsten underwisen, wiewol wir hie mussen
Buchsymbol fehlt bekennen, das die gradus vielmol missbrucht, und
das sust on die gradus vil glerte worden sind
Aber nütdestminder die gradus und Eerenstend
Inn den faculteten zierend und machend eins
Eerlichs ansehen, nit allein den hohen Schulenbz
undca communencb wie solichs U〈.〉 E〈.〉 W〈.〉cc magcd be-
dencken
und wol ceweist zeerwegence9,

Der funfft artickelcf

Damit nun uff satte fundament gebuwen, und ze
furkummen der Jugent torechte meynung, als so
sy on federen understond cginn die hohecg zefliegen10
und zu unnsern ziten gar jung den hohen Schulen
zugsendt werden, wirt nutzlich und von nöten
sin Ein Pedagogium zeverordnen, welches dann
die mittel schul zwischen den minderen schulen,
und der universitet sin wirt, Inn dises peda-
gogium
soll keiner uss den mindere schulen change-
nommen
werdench, er hab dann hevorci verstand und
gnugsamme fundament der latinischen Gramatic
domitt man nit leercj strow troͤsch, uff das auch
die frombd und heimisch jugent jeck zit und wil
cost und arbeit wol anlege, sollent die jungen
bevor examiniert und verhort werden, Inn
disen Pedagogio soll ein oberister Preceptor oder
Regent verordnet, welchem alle handlung bevol-
hen
werden, derselb soll gwalt haben sine mit-
helfer
zeheissen,11 und derselbigen ein yeden ze-
ordnen
12 zu dem jhenigen, so den jungen allercl
nutzlichest, und zuvorderist von noten ist,

Buchsymbol fehlt

Der sechst artickelcm

Der minderen schulen halb, dwil es gar heiter
am tage lytcn, das latinische sprach fast notwen-
dig
und ein puren leyenco, der die welt brucht
zu zitencp nit wenig furstendig, Desshalben
ist es fast nutz, will auch unns fur gut ansehen,
Das dieselbigen angericht und darzu verordnet
zewerden, domit die jungen im grund flissig
geubt, welche mit der zit zu eerenstenden13 inn
weltlichen regimenten zogen, und durch die tugent
gefurdert werdent und zu sollichenn mer ursach
zu latinischen dann zu den tutschen schulen gwynnen,
wer es nutz und furstendig, das etliche verordnet
ob den Schulmeistern flissig zu halten,cq

Dwil dann dise artickel vil ursachen hand, die yetzt
Inn der kurtzi nit anzeigt werden mogen, Socr
erbieten sich die Herrn voncs gmeiner Regentz verordnet
hienochgmelt mit u E W unter zehandlen
und inn allweg u E W uff yeglichen ar-
tickel
mundtlich oder gschrifftlich gnugsammen be-
scheid
zegeben, so u. E. W. sollichs wirt begern,

ctU. E. W. willigen

Hieronimus Artolff Rector14

Andreas Carolstad Doctor

Bonifatius Amerbach Doctor,15

cuOswaldus ber16 Doctorcu

Wolfgangus Wisenburg17 Artium Decanus

Nicolaus Brieffer18 licenciat und Dechan S. Peters stifft

A. Saltzmann eins dem universitaten
cvNotarius Juratus 〈propria manu〉cvct


afolgt und b, c
b-bfehlt b, c
cfolgt anligen b, c
ddess b, c
efolgt aber ir b, c
ffehlt b, c
g-gfehlt b, c
hfehlt b, c
ifolgt auch b, c
janligen b, c
kfolgt unns b, uns c
lfehlt b, c
m-mdise b; diese c
nund b, c
ogenommen und b, c
ppunct b, c
q-qDwil b; Dieweil c
rüber der Zeile und am Rand von unbekannter Hand hinzugefügt a a
süber der Zeile und am Rand von unbekannter Hand hinzugefügt b a
tüber der Zeile und am Rand von unbekannter Hand hinzugefügt c a
ufehlt b, c
vüber der Zeile von unbekannter Hand hinzugefügt c a
wfolgt punct b, c
xfolgt ouch b; auch c
yIhr c
zam Rand von unbekannter Hand hinzugefügt a a
aa-aaunterstrichen a
abfehlt b, c
acire b; ihre c
adund empsigerer b; embsigerer c
aefolgt der universitet b, c
af-affehlt b, c
agdorzu b; darzu c
aham Rand von unbekannter Hand hinzugefügt b a
ai-aiunterstrichen a
ajfehlt b, c
akgeschafft c
alouch b; auch c
am-amfehlt b
anabgemelt ist b, c
aoeiner b, c
apfehlt b, c
aqpunct b, c
arfolgt gestrichenes unlesbares Wort c
as-asam Rand von anderer Hand hinzugefügt c
atfolgt über der Zeile und am Rand von unbekannter Hand hinzugefügt a a
aufolgt über der Zeile von unbekannter Hand gestrichenes a a
av-avrot unterstrichen b
aw-awam Rand hinzugefügt b
axunterstrichen und am Rand von unbekannter Hand hinzugefügt b a
ayam Rand von unbekannter Hand gestrichenes b a
azüber der Zeile von unbekannter Hand hinzugefügt b a
baKomma gestrichen und durch runde öffnende Klammer ersetzt a
bb-bbunterstrichen a
bcam Rand von unbekannter Hand durchgestrichenes und a
bdfolgt vermutlich ein Trennstrich a
beam Rand von unbekannter Hand durchgestrichenes a a; erhalten c
bffolgt auch b, c
bgund b, c
bhpunct b
bifehlt b, c
bjkorrigiert aus etlicher c
bk-bkunterstrichen a
bl-blmag besten b; mag bestehen c
bmunterstrichen a
bn-bnrot unterstrichen b
bofolgt man b, c
bpfolgt gestrichen sich fürderlich schicken c
bqunser b, c
brfolgt dann b, c
bssollicher b; solcher c
bt-btden studiis dester flissiger b; den studiis dester fleisiger c
bufolgt und b, c
bvfolgt auch der b, c
bwfolgt dest b; desto c
bxfolgt der c
byfolgt zu b, c
bzfolgt sondern auch allen Regimenten, der fürsten, Stetten c
cafehlt c
cbfolgt und anderen stenden. b; und andern stenden. c
ccfolgt selbs b; selbst c
cdwohl c
ce-ceerwegen b, c
cfpunct b, c
cg-cgfehlt b, c
ch-chwerden angenommen b, c
cizevor b, c
cjdurchgestrichen Lehr und über der Zeile durch lär ersetzt c
ckihr c
clkorrigiert aus aller c
cmpunct oder artickel b, c
cnligt b, c
coleygen b
cpfehlt c
cqfolgt Anno 1539 die vero Sabbathi, prima mensi Marcii conclusum per dominos Regentes Universitatis unanimi voce, quod hos articulos velint habere acceptos, et placuerunt hujusmodi articuli omnibus dominis, excepto Domino Grynaeo, qui nonnullos obnubilare nitebatur, [folgt am Rand hinzugefügt b; folgt im Fließtext c:] hanc suae mentis intentionem solus servare et pedem figere, etiam cum protestatione tali quali etc. [folgt im Fließtext b, c] Praeterea dominorum nostrorum Consulum Urbis gratam responsionem expectare volentes. ∥ A Salzman 〈manu proppia〉 ∥ Latine Lectionis, quo ad Paedagogium, uti necessariae, conclusum ut provisio eiusdem maneat donec Responsio Dominorum Deputatorum haberetur, decretum est, die qua supra. ∥ A Salzman 〈manu propria〉 ∥ Negotium privilegii Exemptionis a jurisdictione seculari per deputatos ministros ex Regimine, dominis Capitibus hujus urbis proponatur, habita Responsione ab eisdem, fiat tum quod utile videbitur, decretum et declaratum die quo supra ∥ A. Salzman 〈manu propria〉 b, c
crfolgen unlesbare gestrichene Buchstaben a
csüber der Zeile hinzugefügt a
ct-ctvon anderer Hand hinzugefügt c
cu-cufehlt c
cv-cvfehlt c

1Abkürzung nicht eindeutig; möglicherweise steht sie für U'wer' E'rsamen' W'ürden'.
2Juli; vgl. Schweizerisches Idiotikon 4, 236 s.v. Heu(w)mānet.
328. Juli 1538.
4mündlich.
5Ruhe.
6freien.
7Ehrenstelle, hohe Rangstellung innerhalb der Gesellschaft, Ansehen, Hochachtung; vgl. Schweizerisches Idiotikon 11, 984 s.v. Ēre(n)stand.
8vermieden.
9wohl weise zu erwägen.
10als wenn sie ohne Federn zu fliegen versuchen würden.
11Veranlassen etwas zu tun, auffordern, im Sinne von weisungsbefugt, vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1684 s.v. heissen.
12anordnen.
14Zu ihm siehe KGK 379 (Anmerkung).
15Zu ihm siehe KGK 374 (Anmerkung).
16Zu ihm siehe KGK 379 (Anmerkung).
17Zu ihm siehe KGK 362 (Anmerkung).
18Zu ihm siehe KGK 379 (Anmerkung).

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