1. Überlieferung
Handschrift:
Ein Autograph; fol. 114v leer.
Editionen:
- Barge, Karlstadt 2, 609 Nr. 54e.
- Amerbachkorrespondenz 5, 53 Nr. 2142.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 497 mit Anm. 269.
2. Entstehung und Inhalt
In dem hier edierten kurzen Schreiben ersucht Karlstadt um Rat, wie er eine Quittung für das ihm zugesandte Geld aus dem von Maria von Brunn gestifteten Stipendium verfassen soll, das er den Verwaltern oder Erben hätte zukommen lassen sollen. Er bittet den Korrespondenten, ihm die Namen der entsprechenden Personen mitzuteilen oder ihm alternativ ein schriftliches Beispiel für die zu erstellende Quittung zuzusenden. Der Brief schließt mit einer Entschuldigung dafür, dass er am Vortag in der Badestube dem Korrespondenten nicht begegnet ist.
Das hier dokumentierte Schreiben ist undatiert und nennt auch nicht den Ort, an dem es verfasst wurde, obwohl der Hinweis auf ein mögliches Treffen am Vortag darauf hindeutet, dass Karlstadt und sein Korrespondent1 in derselben Stadt weilten. Aufgrund des Hinweises auf das von Maria von Brunn, geborene Zscheckenbürlin,2 gestiftete Stipendium kann man jedoch davon ausgehen, dass es während Karlstadts Rektorat verfasst wurde.3 Nach dem Tod ihres Mannes Morand von Brunn im Jahr 1513 hatte Maria, wahrscheinlich auf dessen Veranlassung, gegen Ende des Jahres 15144 ein Stipendium »zů erhaltung eines studierenden in Heiliger Schrifft/ […]/ von eime Prior/ Thůmbpropst unnd der Hohen SchůlRector zůverleihen«5 angeordnet. Vor dem 28. Juli 1537 – um dieses Datum lässt sich auch das hier edierte Stück einordnen – soll Karlstadt die Vergabe dieses Stipendiums an Sebastian Lepusculus bestätigt haben.6
Auch der Adressat dieser kurzen Nachricht ist nicht namentlich erwähnt. Man kann aber davon ausgehen, dass es sich um Bonifacius Amerbach handelte.7 Er war nicht nur vom 1. Mai 1535 bis zum 30. April 1536 Rektor der Universität Basel,8 sondern auch Verwalter der von ihm mit Hilfe von Froben und Episcopius 1536 gegründeten Erasmus-Stiftung, die jährlich Stipendien an sieben verdienstvolle Studenten, fünf an der Universität und zwei an der Lateinschule, vergab.9 Es ist naheliegend, dass Karlstadt sich an ihn wandte, da er mit dem von Maria von Brunn gestifteten Stipendium und den entsprechenden Regelungen an der Universität vertraut war. Eine diesem Schreiben vorausgehende, mögliche Korrespondenz zwischen Karlstadt und Amerbach ist nicht überliefert, obwohl sie sich als Kollegen kannten und bei der Neuordnung des Universitätsstudiums in Basel eng zusammengearbeitet hatten.10
KGK 373
Transkription
