Nr. 375
Andreas Karlstadt an Bonifacius Amerbach
Basel, [1538, vor 6. Januar?]

Einleitung
Bearbeitet von Stefania Salvadori

1. Überlieferung

Handschrift:

[a:] UB Basel, Ki. Ar. 18a, fol. 111r–v

Ein Autograph.

Editionen:

Literatur:

2. Entstehung und Inhalt

In diesem kurzen Brief empfiehlt Karlstadt Bonifacius Amerbach, an den Grynaeus1 am gleichen Tag mit demselben Anliegen geschrieben hatte, dringend einen gewissen Claudius. Er halte den Jungen für empfehlungswürdig, bezeuge dessen Eifer für das Studium der freien Künste und der Theologie sowie dessen hervorragende Kenntnis der hebräischen und griechischen Sprache. In beiden Sprachen könne er vorlesen. Zudem besitze er einen freundlichen und gebildeten Geist. Karlstadt würde ihm gerne helfen, wenn er könnte, hoffe jedoch, Amerbach könne ihn unterstützen, wenn er sich nicht bereits entschieden habe, anderen zu helfen. Karlstadt verspricht abschließend, diesen Gefallen zu erwidern, soweit es ihm möglich sein werde.

Der hier edierte Brief ist nicht datiert, dürfte aber wahrscheinlich vor dem 6. Januar 1538 verfasst worden sein. Zu diesem Zeitpunkt »zahlte Amerbach aus der Erasmus-Stiftung ›Claudio, einem armen wolstudierenden Frantzosen, uss furbitt, und sinem gesellen‹ für die Verköstigung im Augustinerkollegium 12 Plappart2 Wochengeld; diese Zahlungen dauerten bis Ostern an.«3 Möglicherweise verfolgte Karlstadt, der im Januar als Rektor an der Universität Basel amtierte,4 das Studium des jungen Claudius, dessen Kompetenzen und Temperament er hier anscheinend aus eigener Erfahrung schildert.5


2alte Scheidemünze; vgl. Schweizerisches Idiotikon 5, 128 s.v. Plappar(t).
3Amerbachkorrespondenz 5, 88 Anm. 1 Nr. 2178. Zu Amerbach als Verwalter der Erasmus-Stiftung siehe die Einleitung zu KGK 374.
4Karlstadt amtierte als Rektor bis zum 30. April 1538, vgl. KGK 378.

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