fehlt
Eruditissimo viro
Heinricho Bullin-
gero Ecclesiastia
Tigu-
rino primo summoque
praeceptori chariss'imo'b
fehlt
Pax tibi a deo patre et domino nostro Iesu Christo. amen. Quandoquidem mee spes omnes
in te
viro et eruditiss'imo' et candidisimo site sint, mihi animum sumpsi
penes te liberius dolorem effundere
nihil addubitans te condonaturum si
peccaveroc invitus. Nam et deus
lubenter dissimulat eorum
delicta, qui per fiduciam sese adeuntd.1Ecce, mi Charisime praeceptor quam astutis remoris
detineor.e priusquam istuc2 profectionem subornassem,
magistratusf alstetensis
diligenciam suam
sic spoponditg, ut reverso me nihil opus mihi foret quam mercedemh capere et rebus meis
convolutis discedere. at diversum
evenit.3 novas mihi moras struunt,
interim com-
miniscuntur, quae non sunt. quamvis autem invidia Voglerum4 appetat at me contingit damnum.5
Proinde tardior erit reditus quam aut velim aut expediat, sed te vir piissime
per
Christum obtestor ut patronorum6 animos retineas in officio, et, si opus est, demulceas
praesertim ut
eti tu per tuam prudenciam boni
consules.j Quod neutiquam scribo
quasik arbitrer
meaml praesenciamm ulli conducturam, sed ne ego vestra excutiar
benevolencia. Si
vos istorum calliditates sentiretis quibus ipse degravor indubie
miseresceret
vos mei meorumque7
et istorum versuciae irasceremini. Neque ego iacturam ex ea parte
maximam censeo
quan mercedulam debitam paulatim
insumo sed quod a concionibus eto
lectionibus vestris abesse me necesse est.8 Me tibi viro summo credo commendo
dedo. Vale
foeliciter〈,〉 parentem tuum9 salutato atque uxorem10〈.〉 datum Alstedii
die pJanuarii xvi. anno MDXXXII〈.〉p
Tuus Carolstadius.
Heinrichus11
vicinus meus Tiguri natus educatusque
te ex
animo cupit esse salvum. eius probitas scientiaque
mihi plurimum placet, obsecravit
ut se tibi com-
mendaretq, licet ipse idem potuissetr politius meliusque
et mihi opus sit
commendatore〈.〉
Beilage: Auszug aus einem Bericht von Johann Valentin Furtmüller über Karlstadts Tätigkeit in Altstätten, um 1532
fehlt
[…]Dise botten12
kamend, brachtend mit inen den
Carolstat, es sach grad als were diser handel
langest überdoplet,13
Ich aber alss der ain gute gwüssne
hatt, und der warhait wol trüwet,
wartet also nitt dister minder wenn man mir zur verantwurtun〈g〉
fehlt verkunte〈,〉 versach mich14 und hoffet man wurde mich nit
onver-
hört verdammen, wust ouch wol das ich,u von gots gnaden also glert
und
glept hat, das ich mich vorm rechten nit must forchten.
Do nun Carolstad anfahen wolt predigen, verharret ich zu
Altstetten, wolt also der sach usswarten, und
vor der ersten
predig, wie Carolstad schon in der kilchen was, gieng ich zu im15
grüsst inn16, batt dar by (dann ich versach mich etwas) ob im17
wurde von mir, angebenn wort
oder werck, damit ich geacht
strafwirdig, solt er mich vorhin hören, und nit
lichtlich,
böses von mir gloubenv, were urbütig ouch im18
rechnung ze-
geben etc.
Das volck ward hie zwüschend unwillig〈.〉19
Carolstad was ime20
der sprach halb seltzam,21 der Furtmuller noch nit jederman
erlaidet22, hatt sich ouch danocht dermassen
ghalten, das der war-
hait gunstige noch nit so übel von im23 hieltend, so wolt er ouch
nit
wychen sonder dess rechten erwarten und sich verantwurte,24
Carolstad fieng an, an der Cantzlen, mich stupfen,
maint
mich dem volck zelaiden25, liess sich (doch noch nit so offentlich.)
merken als ob ich von unserm herren
Christo gnug schlechtlich
geprediget, die lüt uff die werck meh dann uff den
glouben
gewysen, und hat mich aber nie gehört predigen, noch spräch mit
mir
ghalten von den dingen,w so ich
gedenck traduciert sin26〈,〉
stupft so hefftig das ouch der gmain man, die sach
anfieng
mercken, und ward Carolstads sach, hiemit nit besser, die
kilch hat sich gspalten, der
furtmuller was noch vorhanden etc.
ich aber hielt mich still, gieng aber
nümen27 zpredig,
sorget〈,〉
ich möcht etwan Carolstads luge nit ertragen, die er anfieng
offentlich über mich uß schryen, ich wer gern abzogen, so
kont ichs eeren halben
nit thun, wolt das liecht nit fliehen〈.〉28
darob aber
Carolstad je lenger je wunderlicher
ward, und maint,
er welt das volck unwillig machen, das (wie er sait) an
mir
hanget, das er mich deshalb in ainer predig, mit na-
men
nampt, und
unwarhafftigklich mit luter stimm und
hessigen worten, sprach, der Furtmüller hatt üch
antichristi〈sch〉
verfürt,O lieber
Michel schow was
für unrath hieruss ist
entstanden, gät noch hütigs tags, wie es vor ougen ist,
der
armen kilchen zu Altstetten um die
hennd,29
Do ich nun nit wychen wolt wie ich ouch nit kont,30 maint ouch
wie fürgeben ward, der Carolstad were nun gen Altstetten
gelichen, bis ich mich verantwurtete,31 understant32 Ama vogler33
mich mit
hunger abzetriben, dann wie mir von hoptman
Fryen34 anwalten zu S.
gallen, das predigen ward verbotten,
saitend sy mir danocht die narung oder
pfrund nit ab,35der
fehlt
Vogler aber, lacht wol uss sin selbs gwalt one
alle recht und ver-
hör, namx und brach mir min narung ab, wolt ich essen
und leben,
ymust ich min
handtwerch trybeny und
an den tagwan36 gon, mit grosser
arbait, min
narung gwünnen. Da was bim Vogler und Carolstad, wenig
barmhertzigkait, ouch by ander lüten, Den Vogler forcht
jederman, hat sin gwalt, by namhaften lüten, ouch bim
landvogt der massen erzaigt, das er mencklichen ein schrecken
was,37Ach lieber Michel, ich entwirff dir den
handel bloß,
wüstestu den rechten grund, du wurdest dich noch jetz uber
mich
erbarmen. Da der herpst zuher kam und man schier
wimen38 solt, ward mir der wingart, darin ich min
armuͤtli
glait hat entweert, krutgart bomgart, darin ich vil hat
pflantzet
ward mir uss ama Voglers befelch, in Carol-
stads und Voglers bysin, vom waibel, vorz oder one
recht, desshalb mit gwalt
gnommen, es
bekumert mich ouch,
lieber Michel das Carolstad so unmilt gegen mir was, by
welchem man doch, als by ainem
fürtreffenlichen glerten
man meh beschaidenhait solte funden haben.aa) doch
schlug
untrüw sin eignen herren, Carolstaden hat Ama Vogler in
sin
aigen hus gsetzt〈,〉 ainem schloss glych, ich aber sass in
der
herren von Altstetten hus, die haltend mich
noch nit
geurloubet, Aber ich erlebt und sach, das der Vogler und
Carolstad, so unains ward, das sy gar
von ainander tailtend
zoch Carolstad in ain armes hüsli uss des Voglers palast,
bis das er gar erbermklich, vom stettli Altstetten hinweg
für wie ain armer bettler etc.39
Do ich nun sach das ich zu Altstetten nit
mocht zurecht kommen
ouch mit Carolstaden, siner schmachred halb, zoch ich gen
Zürich, hie zwüschend hat sich vil mercklichs noch
verloffen,
lass aber das selb ston bis zu siner zyt, Und erlanget von
minen
gn'ädigen' herren ain tagsatzung, uff welche ich antwurten
solt uff die
Voglerschen articul, dess ich mich von
hertzen
frowt, dann gott hab lob, die warhait ist uff miner syten,40
In dem
aber〈,〉 ach gott, do fiel der ellend krieg yn, bald ka-
mend zu end dess kriegs die fünf ort gon Altstetten〈.〉41
KGK 328
Einleitung
