1. Überlieferung
Handschrift:
Es handelt sich um einen Autographen.
Edition:
- Vadianische Briefsammlung 5.1, 36 Nr. 665.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 441f.
2. Entstehung und Inhalt
Wahrscheinlich gegen Ende Januar 1532 nach Zürich zurückgekehrt,1 schreibt Karlstadt am 3. Februar den hier edierten Brief an Joachim Vadian. Er kündigt die Zusendung von drei »libros divinos« durch einen Boten an.2 Es ist nicht bekannt, welche Bücher Karlstadt an Vadian schickte und wie er sie beschafft hat, denn er beklagt sich in dem Brief auch über seine Armut.3 Der letzte Teil des Schreibens enthält einen vagen Hinweis auf eine nicht näher erläuterte Situation, deren Ausgang besser als von Landbewohnern befürchtet sein könnte. Es ist anzunehmen, dass Karlstadt die heikle Situation im Rheintal meinte, wo der Bischof nach dem Zweiten Kappeler Krieg nach St. Gallen zurückgekehrt war und seine Macht auch in den umliegenden Territorien befestigt hatte.4 Die veränderte kirchenpolitische Ausgangslage hatte auch Auswirkungen auf den reformierten Amtmann Hans Vogler, der zum Ausgleich des Schadens, den er 1531 am kirchlichen Eigentum der Rheintaler Altgläubigen (mit)angerichtet hatte, aufgefordert und aus Altstätten vertrieben worden war.5Am Tag nach der Abfassung des hier edierten Briefes, also am 4. Februar 1532, teilte Hans Vogler Vadian von Zürich aus mit, dass er einen Kompromiss mit den katholischen Behörden erzielt habe.6 Da sich Vogler und Karlstadt also gleichzeitig in der Limmatstadt aufhielten,7 ist nicht auszuschließen, dass Vogler Karlstadt mündlich von der Lösung der oben angedeuteten Situation berichtete und Karlstadt in seinem Brief – ebenfalls an Vadian – darauf Bezug nahm.8
Der hier edierte Brief markiert den Beginn der nachweisbaren Korrespondenz zwischen Karlstadt und Vadian. Wie und wann genau die beiden in direkten Kontakt kamen, lässt sich nicht sagen, es ist aber anzunehmen, dass Karlstadt während seines Aufenthalts in Altstätten Gelegenheit hatte, den Reformator im nahen St. Gallen zu treffen.9 Karlstadt war Vadian ohnehin wohl nicht unbekannt. Eine Rezeption von Karlstadts Texten aus den frühen zwanziger Jahren – vor allem denjenigen zu Zölibat und Priesterehe – ist bei einigen der engsten Mitarbeiter Vadians bezeugt, z.B. bei Dominik Zilli und vor allem bei Christoph Schappeler, der Karlstadt wohl schon vor 1508 persönlich kannte.10
KGK 329
Transkription
