Nr. 381
Erklärung zum Stiftsgut zu St. Peter in Basel
Basel, 1539, 10. März

Text
Bearbeitet von Harald Bollbuck
Buchsymbol fehlt

Ich Andreß Botenstein von Carolstat, lütpriester1
Sanckt Peter2, tůn meniglichen hiemit
kundt daß ich hernach angezeuchnete stuke,
deren halben sich die ewirdigen und fürsichtigen3
herrn4 der stiffte zů S. Peter mit dem hoch-
gelerten
hern doctore Paulo5 vereinparet/
in dera abgemelter stiffte behusung, in
welcher ich wonen, gefunden6, und widerumb
drinnen wil lan7, one einige myner und derb myner
erben einsprach8〈.〉 Namlich ein bank-
drögly
9 in der mittell stuben mit zweyen
schubladen〈.〉 Item ein küpferin10 offenhafen11〈.〉
Item ein umlouffender spis12. Item den
grossen bücherschafft13 in der groͤssere stuben〈.〉
Item das köstlich14 schloß an der stubenthuren
in der forderen stuben〈.〉 Das alles sollend
waͤder ichc noch die myne obgenempten mynen
liben herrn endwaͤren15 sonder bliben lassen.
Actum zů Basel am x tag deß Monades
Mertzen im xvr und xxxix jar.
Buchsymbol fehlt

dDoctor Andareßen Bodenstein von Carolstadt
Bekantnuß, umb Ettlich hußrat, dem huß
zustendig.d


afolgt gestrichen sti
büber der Zeile eingefügt
cüber der Zeile eingefügt
d-dvon anderer Hand

1Leutpriester, Pleban, Weltgeistlicher, der eine Pfarre verwaltet. Vgl. DWb 12, 850 s.v. Leutpriester; Schweizerisches Idiotikon 5, 856f. Bei Looß, Annotationes, 192 fälschlich »Lüthmeister«.
2Looß, Annotationes, 192, hat fälschlich »Sanndt«.
3umsichtigen, versorgenden. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 7, 267 s.v. fürsichtig.
4Wohl das Kapitel mit dem seinerzeitigen Propst Johannes Sellator von Gebwiler und dem Dekan Nikolaus Brieffer. Vgl. KGK 399 (Anmerkung) und KGK 399 (Anmerkung) sowie Marchal, Guy P.: Statuten, 418f. Anm. 8 u. 11.
5Der Humanist Paul Phrygio (um 1483–1543) war seit 1529 (erster evangelischer) Prädikant an St. Peter und wurde 1532 Theologieprofessor an der Universität, der er 1533–35 als Rektor vorstand; vgl. Marchal, Guy P.: Statuten, 101; Matrikel Basel 1, 237; 2, 3 u. 6. Im Jahr 1535 verließ er Basel. Karlstadt übernahm seine Stellen als Leutpriester an St. Peter und als Professor für Altes Testament an der Universität. Zu ihm vgl. KGK 354 (Anmerkung) und Burckhardt-Biedermann, Erneuerung, 435–437. Der Universität waren Pfründen des St.-Peter-Stifts inkorporiert; diese Kanoniker waren die Professorenchorherren. Zum Verhältnis von St.-Peter-Stift und Universität Basel vgl. Marchal, Guy P.: Statuten, 87–104.
6Karlstadt übernahm die Einrichtung von seinem Vorgänger Phrygio, wie er sie vorgefunden hatte.
7lassen.
8Einspruch, Anspruch.
9Banktrog; ein mit Klappdeckel verschließbarer Kasten, der auch als Bank dient. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 14, 633–637 s.v. Trog Nr. 2.
10kupfern.
11Metallgefäß, das zur Erwärmung in Aussparungen in der Brandmauer des Ofens gesetzt wurde. Vgl. DWb 13, 1160 s.v. Ofenhafen; DWb 13, 1158 s.v. Ofenblase.
12Drehspieß; siehe DWb 23,1008 s.v. umlaufend.
13Bücherschrank.
14kostbar.
15jemanden eines Besitzes entsetzen; wegnehmen; berauben. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 16, 984–989 s.v. entweren Nr. 1 u. 2; DWb 3, 648 s.v. entwehren Nr. 1.

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