Nr. 321
Landgraf Philipp von Hessen an Andreas Karlstadt
[Kassel] , [1529, nach 19. August]

Text
Bearbeitet von Stefanie Fraedrich-Nowag
Buchsymbol fehlt
Philips von gots gnaden Lantgrave zu Hessen
Grave zu Cazennelnbogen etc.

Hochgelarter lieber besunder.a euer
schreiben, darin ir begert, euch zu dem gesprech
das wir des sacraments halberb
zwuschenc den vornembsten der
gelerten,d angericht haben1, auch
kommen zulassen etc.2 das haben wir empfangene alles
seines einhalts nach der lenge verlesen,
unnd wollen euch darauff genediger meynunge
nicht vorhalten. Das nicht weniger wir
habenf ezliche der gelarten von den vornembsten
zu einer umherrede3 des sacraments halber
beschrieben4 und auch dahin vermucht, das sie
zusamen zukommen inn Guether vorleihung
des Almechtigen5, uns zugeschriebeng/
aber mit der Condition6, welche wir im besten
aus sonderlichen ursachenh
vor gut angesehen und bedacht haben/i
umb minders gezengks willen, und das
wir hoffen, es soll desto ehe zur freuntlichen
und einmutigen vergleichung dienen:
Das solchs, ein sonders, gehaim: freuntlich:
und undisputirlich gesprechj on einiche weitleufigkeit7
und zangkung, sein sol: darumb
auch wir unterlissen, vile darzu zuerfordern8/
unnd muchtenk vor unsl erleiden9
das ir darbei auch weret: wissen aber
nit, ob esm denen, die wir darzu mit
oberzelter Condition10 beschrieben, haben,
gelegen sein will:11 derohalben muget
ir bei dem Luthero ansuchen, und so es
dem zu gefallen ist: mit oder neben Ime
zu demselben gesprech des Zeit und Malstat12
ir alsdan von Ime13 vernemen werdet:
erscheinen:n Sein euch sonst
zu gnaden gneigt. Datum

An Carolostadt.

afolgt gestrichen wir haben
bfolgt gestrichen zwuschen
cfolgt gestrichen ezlichen
dfolgt gestrichen ern 〈[…]〉
eam Rand ergänzt, folgt gestrichen und
ffolgt gestrichen ein
gfolgt gestrichen haben
hfolgt gestrichen vor gut unnd
ifolgt gestrichen das es umb
jüber der Zeile ergänzt
kfolgt gestrichen wir uns
lfolgt gestrichen wol
mfolgt gestrichen auch
nfolgt gestrichen Das

1Landgraf Philipp hatte die führenden Vertreter der verschiedenen Richtungen für den 29. September 1529 nach Marburg eingeladen, um einen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Strömungen im reformatorischen Lager in Bezug auf die Abendmahlsfrage zu erreichen. Hierzu und zu den Teilnehmern siehe die Einleitung zu KGK 320.
2Vgl. KGK 320.
3Unterredung.
4angeschrieben, hier auch im Sinne von schriftlich eingeladen. Vgl. FWB s.v. beschreiben Nr. 10.
5göttliche Verleihung eines Amts, einer Würde. Vgl. DWb 25, 772 s.v. Verleihung Nr. 2.
6Bedingung, Voraussetzung, hier wohl auch im Sinne von Zusammenstellung. Vgl. FWB s.v. condition Nr. 3.
7lästige, unnötige Ausführlichkeit der Darlegungen, auch im Sinne von Schwierigkeiten, Verwicklungen gebraucht. Vgl. DWb 28,1304 s.v. Weitläufigkeit Nr. 2 u. 3.
8Insgesamt nahmen einige Dutzend Personen an dem Gespräch teil; vgl. Mariotte, Philipp der Großmütige 85 mit Anm. 68.
9dulden, hinnehmen. Vgl. FWB s.v. erleiden Nr. 5.
11Hierbei bezieht Philipp sich höchstwahrscheinlich auf Luther; zu dessen Einstellung zum Religionsgespräch und zu Karlstadt siehe KGK 321 mit KGK 321 (Anmerkung).
12Versammlungsort. Vgl. FWB s.v. malstat. Ort und Datum des Gesprächs waren Karlstadt bereits bekannt, wie aus seinem Schreiben an den Landgrafen (KGK 320) hervorgeht; vgl. KGK 320 (Textstelle).

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