1. Überlieferung
Handschrift:
Es handelt sich um ein Konzept.
Edition:
- Neudecker, Urkunden aus der Reformationszeit, 131f. Nr. XLV.
Literatur:
- Barge, Karlstadt 2, 408.
2. Entstehung und Inhalt
Mit dem vorliegenden Schreiben reagierte Landgraf Philipp von Hessen auf Karlstadts Gesuch vom 19. August 1528, am Marburger Religionsgespräch teilnehmen und seine Lehren verteidigen zu dürfen (KGK 320). Die von ihm einberufene Zusammenkunft solle – so der Landgraf in seiner Antwort – einer »freuntlichen und einmutigen vergleichung« dienen und möglichst »on einiche weitleufigkeit und Zangkung« ablaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, habe er die aus seiner Sicht besten Bedingungen auch durch die Wahl der Teilnehmer geschaffen. Einer Teilnahme Karlstadts stünde zwar aus seiner Sicht nichts entgegen, er bat ihn jedoch, zunächst Luther zu fragen. Dieser würde ihm dann Ort und Zeit des Zusammentreffens mitteilen.1 Damit wählte Philipp einen sehr diplomatischen Weg der Absage, wohl in erster Linie, um das von ihm angestoßene Religionsgespräch nicht durch eine mögliche Teilnahme Karlstadts in Gefahr zu bringen, war es doch schon schwer genug gewesen, Luther zum Kommen zu bewegen – dieser hatte sich nämlich erst auf Drängen Kurfürst Johanns und unter Äußerung großer Bedenken zum Kommen bereit erklärt.2 Die Entscheidung über die Teilnahme Karlstadts am geplanten Religionsgespräch in die Hand Luthers zu legen, eröffnete dem Landgrafen darüber hinaus die Möglichkeit, sich weiterhin unabhängig von seiner persönlichen Position nach außen hin neutral zu halten.3
Ob Karlstadt sich auf das Schreiben Landgraf Philipps hin mit seinem Gesuch tatsächlich nochmals an Luther wandte, ist nicht bekannt, erscheint aber vor dem Hintergrund, dass Melanchthon anscheinend erst nach seiner Ankunft in Marburg von der Korrespondenz zwischen Karlstadt und dem Landgrafen erfuhr,4 eher unwahrscheinlich. Mit Blick auf die Entfernung zwischen Kassel, Oldersum und Wittenberg ist es zudem fraglich, ob eine solche Anfrage Luther vor seiner Abreise nach Marburg überhaupt noch erreicht hätte. Unstrittig dürfte allerdings sein, dass eine Teilnahme Karlstadts die ohnehin angespannte Atmosphäre der Gespräche noch verschärft hätte.5
KGK 320
Transkription
