fehlt
Dialogus und
gründtliche berich-
tung
gehaltner disputa-
tion im land zů Holsten
underm
Künig von Dennmarck vom
hoch-
wirdigen Sacrament oder
Nachtmal des Herren.
In gegenwertigkeit
Kü'niglicher' M'ajestat' Sun Hertzog
Kersten1 sampt Kü'niglichen' Raͤten/ vilen
vom Adel/ und grosser
ver-
samlung der Prie-
sterschafft.
Yetzt kurtzlich geschehen den andern
Don-
derstag nach Ostern/ im jar Christi.
Als man zalt. M. D. xxix.2
Getruckt zů Straßburg am Holtzmarckt
durch Balthassar Beck.
fehlt
Gott grüsz dich Er-
hart3 mein lieber brůder/ und
dich
widerumb Ypolitus4/
aber von
wann5 kumstu.
Ypolitus/ ich kumm uß
Flenßburg uß dem landt zů Hol-
sten/ da binn ich etliche tag
gelegen6. Erhart/ beid7 das
wurt recht werden8/ lieber hastu auch gehoͤrt von
der
Disputatzion9/ die daselbst von
des herren nacht-
mal sol gehalten sein worden/ Ypolitus. Ja
freilich
ich hab nit allein darvon gehoͤrt/ sunder binn auch
selbs dabey
gewesen/ vom anfang biß zum end.
Das hoͤr ich gern/ das ich von dir die rechten war-
heit mag
erfaren/ dann es haben sich manigfeltige
red/ von wegen solcher Disputacion alhie
begeben/
lieber laß uns mitt einander nider sitzen/ unnd sag
mir den grund
der sachen.
Das sol ich gern thůn/ unnd wil dir in warheit
nichts verhalten/ aber
anfencklich můß ich dir von
einem kürßner sagen.
Man sagt der Pomeran10 hab im artickel von Sa-
crament mit dem kürßner disputiert/ lieber ist der
kürßner
auch gelert/ prediget er auch/ oder was ist
sein fürnemen11?b
Beidt12 nur du solts alles
hoͤren/ der kürßner ist
ein zeyt lang in Lieffland13 gewesen/
den hat got mit
gnaden besůcht14/ und im seind die augen uffgethon
fehlt
das er das wort goͤttlicher warheit/ und Christum
beginnet zů erkennen/ und also hatt er in Lieffland
an gefangen gottes wort zů predigen/ in einer statt
heißt
Wolmer15/ under dem meister theütsch ordens16
gelegen/ wie man sagt/ daselbst hat er vil
verfolgung
erlitten/ als17
zum letsten ist er uß befelch des herr mei-
sters/ umbs worts
willen uß dem land verwisen.
So ist er uß gottes schickung in ein grosse kauff-
statt kommen/
die heißt Derpten18/ daselbst hat er sein
predig ampt starck
getriben/ unnd wie man weissz
am selben ort vil verfolgung erlitten/ nit allein
von
den Papisten/ sunder auch von denen/ die da woͤllen
Evangelisch sein/
darumb das er ein einfeltig per-
son und ein frembder geweßt ist/
aber doch ist er in
mitler zeyt uß getrungen/ unnd da hat in gott aber
eins in
ein statt gefuͤget Revell19 genant/ da ist er der
krancken diener worden/
und durch falscher bruͤder
anschefftung20 die da woͤllen Evangelisch sein/ ist er
aber eins des lands
verwisen worden.
Also hatt Gott seinen weg gefertiget in Schwe-
den/ das er ist kummen in ein grosse kauffstatt Stock-
holm genant/ da selbst
ist er der teüschen prediger
worden ein zeytlang/ sich aber umb etlicher
ursachen
willen auch uß dem selben land geben/ dann die ober-
sten regenten von Lübeck gantz hart auch
nach sei-
nem halß/ blůt/ leib und leben stunden/ aber got dem
selben kürßner durch alle seine feind halff.
Der selb Kürßner kam mit weib und kind in das
land zů Holsten/ da ließ in künig Friderich von Denn-
marck zů
im21 fordern/ und wolt seine
sermones hoͤren./
fehlt
da er nun gots wortc rechtschaffen leert/ nam in der
künig an für seinen diener/
und gab im brieff unnd
sigel im gantzen land zuͤ Holsten das wort gots zů
predigen/ wo es im geliebet/ und befestiget in
für-
nemlich zum Kyll22/ zů einem prediger/ nam all sein
hab und gůt in seinen schutz/ weib/ kind/ und all die
seinen/ zů handthaben/
schützen/ und beschirmen/ in
allen rechtfertigen Christlichen sachen.23
In dem selbigen land hat der kürßner zwey jar
das wort gotts gepredigt/ aber
darneben hat er vil
verfolgung erleiden muͤssen von den oͤbersten zum
Kyll24/ welche dann hart entgegen seind der goͤttlichen
gerechtigkeit und
warheit.
Zum letsten/ hat er da selbst uß getruckt25 und be-
kandt den waren grundt/ von dem
nachtmal des her-
ren Jesu Christi/ da haben sich die/ welche Luthers
und Pomeranus meinung seind/ gantz hart wider
in
gelegt/ und ein groß geschrey über den Kürßner
gemacht/ und hand angefallen26
Hertzog Kersten/
des Künigs
sun uß Dennmarck/ und die Oberkeit
des lands/ auch mitt den selben angelangt27 Künig
Friderich uß Dennmarck/ umm die
Disputation/ wel-
che dann zůgelassen und verwilliget ist worden/
uff
den nechsten Sontag nach Ostern/ im xxix. Jar.
Liebster Ypolite/ wie bist du doch in den handel28
der verfarenheit29 des Kürßners geschicht also gründt-
lich
kommen?d
Ich hab seine buͤcher gelesen/ und auch seiner wider-
sacher/
die hand mich solchs alles erinnert/ darzů
hab ich etlichs uß erfarenheit
glaubwerder leüt.
fehlt
Was seind für leüt verschriben geweßt zů diser
Disputacion/ und wie ist es
anfengklich darmit zů-
gangen?e
Der kürßner ist verschriben geweßt zum ersten
von dem Künig uß Dennmarck/ der
selbig hat bey
im Doctorf
Andreas Carolstat/ dem warb er
gleidt
an den Künig/ kundt im aber kein gleid
erlangen/
wiewol man sagt/ das er hab gericht und gerechtig-
keit
leiden30 künnen/ und sich auch
darzů erbotten/ es
sol aber alles nicht geholffen haben/ můst wider zů-
ruck auß dem land zů Holsten
reysen/ on allen ver-
zug/31 Dann die Lutherischen triben solches alles/ dar-
umb villeicht das sy sich vor dem selben doctor foͤrchten.
Auch foͤrchten sich die widersaͤcher des kürßners
so hart32/ das sye nit allein die Disputacion dorfften33 mit
im an geen/ sunder
verschriben etlicheg gelerteh lerer
die sy stercker im lauff
hielten dann sich. Deßgleichen
auch Johan Bugenhag Pomer der pfarrherr von
Wittenberg/ der kam hinein gen Fleüßburg/ als
vor zeyten des Babsts legaten/ und als der
grossen
Bischoͤff gebrauch ist/ der selbig ward von des Kürß-
ners widersaͤchern entpfangen/ als wer er gott ge-
weßt/
und hielten sein wort auch meer unnd hoͤher
dann gottes wort/ dann da galt nichts/
dann allein der
Pomeranus unnd sein wort/ wenn der
heylig geist
selbs da gewesen wer/ er hett muͤssen entweichen.
An dem andern Mittwoch nach Ostern34/ sandt
der Kürßner Hertzog Kersten ein Buͤchlin/ das
Martinus Luther hett im xxiii. Jar lassen
ußgan
darin er den grundt des Kürßners klar unnd hell
fehlt
geschriben hett/ das man des herren brot zů einem
sigel
und zeichen entpfieng in den leiblichen mund
und mit dem leiblichen mundt/ und das
wort in die
oren/ und in das hertz und gewissen.35
Uff den selben obent/ sant Hertzog Kersten nach
dem Kürßner/ und hielt ein langes gesprech mit im
von dem
nachtmal des herren/ kundt aber an dem
Kürßner nichts erlangen/ endtlich sprach der
Her-
zog zum kürßner/ so du bey disem grundt stan blei-
best/ will ich dir disen finger36 geben/ wo du darvon
kumpst37. Da antwurt der Kürßner/ mit recht mag
mir
nichts geschehen/ und wann alle gelerten in der
Christenheit uff einem hauffen
stunden/ so aber got
die verhencknüß gibt/ das mir gewalt geschicht/ so
künd
ir mir nur den alten fleischlichen rock nemen/
aber am Jüngsten tag/ gibt mir
Christus mein herr
und gott ein neüwen/〈.〉 Da sprach der Hertzog/ Mel-
chior/ darffstu so hart gegen mir reden/ was thůstu
dann vor dem
schlechten38 volck/ da sprach
der Kürß-
ner/ wann alle Keiser/ Künig/ Fürsten/ Bebst/ Bisch-
oͤff/ Cardinel/ uff einemi hauffen stünden/ so soll und
můß die warheit bekandt sein/ zů
der eer gottes/ das
woͤl mir mein herr und gott verleihen/ Unnd auch
noch vil
andere red/ die der Hertzog und
der Kürß-
ner mit einander verhandelt haben/ welche ich yetz
umb kürtze willen nach lasse/ uff das wir zum grund der
disputacion kommen.
Uff den morgen sandtj der Hertzog dem kürßner
ein botten/
auff gezalte stundt/ zů kummen in das
Barfůsser closter39/ da war der kürßner willig und
fehlt
bereit.
Als nun der Hertzog über den
kirchoff drat/ mit
dem Johan
Pomeran/ und etlich hundert mit inenk
stunde der Kürßner auff dem Kirchoff/ sprach zů
im der Hertzog/ Melchor wo sind deine
anhenger
nimm sye mitt dir/ Da sprach der kürßner/ ich weiß
von keinem anhang/
ich stand für mich in Gottes
wort/ also thů ein yeder.
Da gieng der Hertzog mitt seiner volgenden
schar in das Barfůsser kloster/ und in
der münchen
kirchen/ kam der Pomeran zů dem Kürßner über
ein ort40/ und sprach in an/ wie er doch zů solcher mei-
nung kem/ da antwortet der Kürßner/ Lieber Her-
re
Pomeran/ wann ir mitt den eüweren mitt
der
warheit concordieren/ und die selbig recht ansehen
wolten/ so moͤcht ein
eindracht sein in gottes volck/
reich unnd wort/ unnd Christus bekanter41 werden/
unnd es würde die gantz
Bibel vil leichter sein/ die
sunst mitt solcher meynung zurspreisselt ist/
unnd
verdunckelt würt.
Und sprach der Kürßner weiter. Lieber Pome-
ranus/ Was ist es anders/ dann das wir uns
also
hadern und ein kiff42
haltenl/ umb das sprewer43/ dann
wir halten all ja das
Weitzenkoͤrnlin44/ unnd
Eyfer
umb Christo. Aber umb das Sprewer reissen wir
uns. Der ein will das
Weytzenkoͤrnlin unnd das
Sprewer sey ein ding/ und in einander
vermenget〈/〉m
Der ander will das Sprewer und Weitzenkorn/ ein
yedes ein sonders sey/ unnd
auch yedes für sich sein
fehlt
werck habe/ also kam einer und zoch den Bomer von
im weg. Da giengen sy voneinander/ zů
der Dispu-
tattzion in das reffental45.
Man wolt aber in gemein/ niemandt ins reffen-
tal lassen/ allein
die vom Adel und die gelerten und
Priester46/ die Leyen muͤsten herauß bleiben/ also binn
ich auch
gleichwol hinin komen/ und wurden zum
ersten verordnet sechs schreiber/ die uff
solten schrei-
ben die Disputatzion/ und waren alle die selben
schrei-
ber des Kürßners widersaͤcher47/ welche schriber iren
Tisch hetten/ mitten under
dem hauffen/ der zů bey
den seitten stundt.
Anfengklich wurden dem Kürßner fürgeworf-
fen von
Johan Ranssau48 des Künigs oͤbersten die
schmaͤchwort/ und
hernach von Herman Tast49 das er
etlich prediger het
gescholten falsche Propheten di-
ser letsten zit/ welche Christum
hier und dort wissen
in ußwendigen dingen/ das er sye auch seel moͤrder50/
und gots eren dieb solt
gescholten haben etc. mitn
an-
dern meer worten.
Die selbigen ersten anklagt des scheltens verant-
wort51 der Kürßner/ und sprach/ alle die da für gebeno/
das
sy Christum in ein leiblich brot befestigen/ unnd
consecrieren künnen/ und also
Christum geben kunnen
wem sy wolten/ zeigen und weisen/52 die selbigen seint
solche53/ dann sy schriben in54 das ampt zů/ das got und
dem heiligen geist zů gehoͤrt/ dann
der herr Christus
spricht Johannis vi.55 der vater sey der/ der das rechte
ware himelbrot den seinen
geb/ als auch sanct Pau-
lus i. Cor. iii. bezeüget/ das Got allein
das gedigenp
gebe56/ mit solchen unnd meer worten hat der
Kürß-
ner seinen grund gstelt/ welche inen57 solche goͤtliche
fehlt
krafft zůschreiben/ die selbigen werens die er gschol-
ten hett/ da war keiner der sich solchs annemen wolt
also was
der knopff58 verstrickt59/ und zůgeschlossen.
Das hat mich auch allweg/ bey des Bapsts und
Luthers leer60/ vom Sacrament irr gemacht/ und im
gewissen
gefangen〈/〉 das Gott der vatter/ das ware
himelbrot/ und der
herr Christus/ sein fleisch und blůt
selbs geben muͤsse61/ in aller gleubigen hertz/ Johan-
nis vi. und aber da der herr spricht/ wirckt speiß/ nit
die da verdirbt/
sunder die da bleibt in das ewig le-
ben.62Da zücht er ja unser gmuͤt/
von aller vergenck-
lichen leiblichen speiß/ und essen/
übersich63/ auff ein
geistliche ewige speiß/ redet bald drauff und spricht〈/〉
welche
eüch des menschen sun geben wirt64/ Darbey
ist mir offt einkomen/ wenn ich solchs hab hoͤren le-
sen/ oder predigen/ das es mit dem Sacrament des
leibs und blůts Christi/
nit můß allenthalben also zů-
geen/ wie der Bapst und Luter fürgeben. Nun sag
weitter/ hůb
der Pomer am ersten an mit dem
Kürß-
ner zů disputieren?
Nein/ sunder der Pfarherr von hausen65 im land
zů Holsten/ Herman Tast
genant/ der war der er-
ste/ der mit dem Kürßner die Disputatzion
anfieng
und fůrt ein lange red/ vom geistlichen essen Johan-
nis. vi. Darnach das daneben auch ein liblich essen
wer/ des leibs
Christi/ nach innhalt der wort das ist
mein leib/ da er nun sein lange redt hatt vollendet/
fehlt
gab im der Kürßner ein solche antwort.
Das es nicht verstanden mag werden/ das ist mein
leib/ darumb der
natürliche leibliche leib Christi im
brot můß sein/ mit haut/ fleisch/ und bein/
als er von
Maria geboren sey/ auchq das ist mein blůt/ nit ver-
standen kan werden/ im kelch das wesentlich blůt
Christi/ sunder das brot sacramentlich. Der
leib Chri-
sti/ und der gleich auch der kelch also das blůt
Chri-
stigenant werde.
Und sprach der Kürßner weyter/ das auch gott
von anfang also gehandelt hab mitt
seinem volck und
usserwoͤlten/ wann er in hab ein zůsag gethan in sei-
nem wort/ hab er in daruff sigel und ußwendige zey-
chen gegeben/ nit das darumb das wort der sigel sey
oder das leiblich
zeychen/ noch das sigel und zeychen
das wort/ sunder ein yedes für
sich in seinem wesen
und würden bleib.66
Dann67 gott hat
Adam und Eva ein verheissung
gethan/ das des weibs samen sol zurdretten das
haupt
der schlangen/ Gene. iii.68 dar auff in geben zum sigel
und zeichen die beltzene
roͤck69/ nit das die beltzene roͤck
das
wort waren noch die zůsag oder Christus/ sun-
der ein figur des
zůkünfftigen Christi/ das mit Chri-
sto dem herren also im neüwen
Testament alle usser-
woͤlten sol bekleidet werden Gala.
iii.70
Auch hat got mit Noe ein bund der verheissung
gemacht Gene. ix.71 das die welt nimmer solt zergan
im
wasser/ sunder ir solt durch Christum geholffen wer-
den/
und uff das selbig wort hat gott zů einem sigel
und zeychen gestalt/ und gegeben
den regenbogen
fehlt
in den wolcken72/ nicht das der leiblich regenbog das
wort sey/ und
Christus/ sunder bedeüt Christum/ das
geistliche fridzeichen/ welcher da unser frid
und ver-
soͤnung/73 und gerechtigkeit worden ist.
Auch hat Got Abraham die beschneidung befol-
hen/ Genesis xvii.
und hat seinen bundt daneben mit
im durchs wort uffgericht unnd die
beschneidung
wirt der bund genant74/ nitt das die ußwendige be-
schneidung der bund wer/
noch das wort/ welche be-
schneidung mit steinen messern geschach/
sunder bedü-
ten das wort und Christum〈/〉 mitt
welchem alle usserwel-
ten im neüwen Testament solten beschnitten
werden.
Auch gab Gott Mose den befelch das ein yedes
hauß solt ein Lamb schlagen und
miteinander essen
Exodi xii.75 und das blůt an die pfosten des hausses
streichen/ und an die überschwell76/ unnd das
Lamb
wirt der überschritt/ oder übergang77genant/ unnd
war doch das Lamp der übergang nicht/ sunder
ein
gedechtniß des selben78/ auch
nicht das wort oder
Christus/ sonder bedüt das wort und Christum/ und
des
Lambs blůt das blůt Christi79/
damit also im ne-
wen testament alle ausserwoͤlten solten besprengt
werden〈.〉
Das himelbrot bedeüt Christum/ das die Israe-
liten xl. Jar lang
assen/ Exodi xvi.80
waͤr aber nicht
Christus selber der felß81 in der wuͤsten da Moses das
wasser auß schlůg82〈/〉r wirt Christus genant/ nicht we-
sentlich sunder figurlich.
Also auch da Christus mit seinen Jüngeren das
Osterlamp aß/ unnd die selbigen
gedechtniß hielt/
geet von der selbigen auß dem Alten auff ein ande-
re weiß zů dem neüwen Testament darinn die fi-
gur solte erfüllet werden/ unnd nimmet ein brot
fehlt
danckt/ bricht das selbig/ gibts seinen Jungeren/
spricht/ Nempt/ esset/ das ist mein leib der für eüch
brochen wirt/ nitt das das
leiblich brot sein wesent-
licher leib sey/ sunder/ das das brot
ein Sacrament
sey seins leibs/ der noch erst am krütz zur speiß solt
brochen
werden/ wie dann die wort der verheis-
sung solche speiß mit
in83 bringen/ und würt das
leib-
lichs
brot entpfangen in den leiblichen mundt/ unnd
magen/ das wort aber der
verheissüngt/ und im wort
der
leib und das blůt Christi durch ein vesten glau-
ben ins hertz und
gewissen.
Also ist auch der sichtige kelch nicht leiblich/ das
blůt Christi/ sunder
figürlich/ bedeütlich/ sacrament-
lich84/ neben dem wort der verheissung/ welches mit
im
bringt ein blůt/u Das erst für uns
solt vergossen
werden zur vergebung der sünd/ in solcher art dann
gründtlich
zů verstan ist/ das nicht das brot der leib-
lich wesentlich leib
verstanden wirt/ dieweil es schon
gebrochen war/v Da Christus die wort der verheis-
sung redet.w Wie dann auch
die Jünger all gleich
uß dem kelch getruncken haten/ da Christus die wort/x
Das ist mein blůt redet/ Als es der
Evangelist Mar.
klar hat beschriben.85 Diß ist
die summa und noch vil
meer der red vor und nach/ die ich nit all behalten hab
mit welchem der Kürßner seinen grund bezeügt.
fehlt
Nein/ dann wann er sye schon uffs end gantz unnd
gar bracht/ unnd beschlussz/
fielen sye wider uff die
ersten geygen87 irer exposition/ der wort/ das ist mein
leib/ meer künnen
sye nicht uffbringen/ und fiengend
ein mal ein jauchgeschrey88 an/ meinten sye hetten den
kürßner schon gefangen/ das er solt gesagt haben
die wort des abentmals seind
figürlich/ Da sprach
der Kürßner nein/ das brot ist figürlich/ das
wort
geist und leben/ Joannis vi.89
also můsten die schrey-
ber darnach lesen/ da hett der Kürßner
recht〈.〉
Wie vil waren ir die mitt dem Kürßner dispu-
tierten〈?〉
Es waren ir drey/ der erst Herman Tast
Pfar-
herr von Haußen/ Der
ander brůder Steffan von
Hamburg90/ der drit Claus
Bog91 uß Dettmar/ und
zum letsten kam noch einer Doctor revendlaw/ ein
Medicus/ und
Astronomist/ und nigramanticus/92
unnd noch einer der hieß Marquart
scholdorff93/ der
kam mit einem hauffen ketzer94
herfür. Da
sprach der
Kürßner/ was haben wir mitt den ketzeren hie zů
schaffen/ wir
disputieren hie nit von ketzern/ sunder
von dem edlen wort gottes/ da ward dem
selben mit
seinen ketzern gebotten von Johann Ranssau zů
schweigen.
Die ersten drey satzten hart an den Kürßner/ ob
sye in fahen95 moͤchten96/ wann der ein mit dem Kürß-
ner
hett schon uß geredt/ der selbig paussiert/ unnd
fieng der ander mitt im an/
Darnach der drit/ und
fehlt
also fürtan widerumb der erste/z und war meins be-
dunckens nun
darauff gethon/ das der Kürßner solt
muͤd werden/ ob er sich irgendt inn worten
verlauf-
fen wolt/ und můst der Kürßner staͤts reden unnd
antworten on auff hoͤren/ kundten aber nichts an im
erlangen/ wie listig sy mitt im
umb giengen/ dann
Gottes warheit war bey im wie sy dann steet uff ei-
nem festen fundament/ das unbeweglich war.
Auch trib der Kürßner den Herman Tast so
ferr
das er ihm bekandt/ das die natur des brots/ nicht
die natur Christi wer/
und die natur Christi nitt die
natur des brots/ da sprach der Kürßner/aa so ir97 solchs
bekennen/ ist unser grundt ein grund/ und
wir sein
hie deßhalb einer meinunge/ da fiel er wider dahin
Christus leib wer
aber im brot/ da sprach der Kürß-
ner er solts beweisen wa es
geschriben stündt/ oder
wa Christus gesagt het im brot sey sein leib/ da
ruͤfft
er zůruck/ und blib bey dem/ab das ist mein leib/ dann98
sy künden darby ihren verstandt99 unnd außlegung/
der wort des herren/ mit keiner schrifft beweisen.
Da redet der Kürßner weitter/ ist dann ja das
sichtliche brot der wesentliche leib
Christi geweßt/
das die Junger haben gessen/ so wirt darauß vol-
gen muͤssen/ das nur das leiblich brot für uns dar-
geben
wer/ weil der Herr spricht. Das ist mein leib
der für eüch gegeben wirt/ da
fuͤllenac sy uff100 die müg-
ligkeit Gottes101/ da
sprach der Kürszner/ wir Dispu-
tieren nicht von der mügligkeit
Gottes/ sonder von
Gottes wort/ werck unnd willen/ unnd wurden
dem Kürßner
gantz vil ungegrünter Argument/
fehlt
unnd gegenwurff für geben/ das eim vor den blin-
den leiternad102 auch het grausen
moͤgen.
Stunden auch meer leerer by dem Kürßner/ die
dise erkentniß der
warheit hetten?ae
Ja es stund einer bey ihm hieß Johan von Cam-
pen103/ unnd einer hieß Jacob
von Dantzka104/ und
zum
letsten kam noch einer der hieß Johan
Barß105/ aber
es
war in all umb den Kürßner zůthůn.
Kamen die andern drey auch zů disputieren?af
Ja ein yeder bekant den grundt seins glaubens/
und sprach Jacob von Dantzka künd yn yemandts
bessers leeren/ wolte sich gern underweisen lassen/
über der meinung ward er seer
verspott/ zum let-
sten kam ein Pfaff der sprach/ es wer noch
einer der
wolt sich mit dem Kürßner brennen lassen/ da hieß
man Johan Barß den selben ein forderen/ da der
ein
kam red Johan Barß so mit
ernstem geist die war-
heit als ein Leb106/ und zoch107 sich uff die alten lerer/ die
auch also gehalten hatten
unnd gschriben der selbig
ward verlacht und veracht und es hielten in
etliche
nicht für weiß oder sinnig.108
fehlt
Under der mitler zeit109
bekendt der Pomer seinen
glauben
vom Sacrament〈/〉 ich moͤcht vil billicher miß-
glauben gesagt haben/ und wolt dem Kürßner mit
seiner auctoritet/ und
grossem ansehen/ all ding umm-
keren und im in solchem schein sein
urteil ab sprech-
enag110 als es dann auch
geschehen ist/ da aber das der
Kürßner vermerckt111/ fiel er im ein112/ und trib den Po-
mer so weit das er bekant/
das ratten und meüß113 die
das Sacramentlich brot essen/ nitt Christum essen/
da sprach der Kürßner so ir
solches bekennen/ so ist
unser grundt ein grundt.
Auch bekant der Pomer/ das Türcken
und Hey-
den nit Christum essen/ so sy schon das Sacrament
lich
brot essen/114 und war auch sein
bekentniß/ das er
nit kund sünd vergeben/ sunder das wort verkündi-
gen/ die dem glaubten dem selbigen weren die sünd
vergeben/ da sprach der
Kürßner eben also kund ir
auch den menschen Christum unnd seinen leib unnd
blůt geben/ der in doch alwegen ist ein sicher verge-
bung aller
sünden/ wie ir eins vermoͤgen115
so vermoͤ-
gen ir auch das ander/ es wer dann das ir ein
andern
Christum het/ wenn116 die rechtgleubigen Christen ha-
ben/ ir kündt das wort
verkündigen/ und das auß-
wendig sigel und zeichen
reichen〈/〉ah
meer ist eüch nitt
befolhen noch zůgelassen.
So der Pomeran hatt
zůgelassen117 das
Türcken/
und Heyden ob118
sy auch das Sacramentlich brot es-
sen/ dennocht nit Christum
essen/ oder entpfangen/
so het der Kürßner leicht drauff schliessen künnen/
fehlt
das Christus nit můß wesentlichen das sacrament-
lich brot oder im brot geweßt sein/ denn das selbig hat
auch
Judas gessen/ der ist doch unglaubig und vol
des boͤsen geistes/ ja wol so arg
als ein Thürck und
Heyd geweßtai/ darumb hat er freilich nit Christum
den herren essen moͤgen
119.
Der Kürßner hat ein langs Argument mit dem
Pomer/ ich habs nit alles künnen
behalten/ und ver-
meinet ein mal der Pomerer het den Kürßner ergrif-
fen/ da er sagt was in den mundt gieng das es den
menschen nit
beflegtaj/120〈.〉 Daruff
sprach der Pomer das
ist ein
lesterung gottes/ dann sant Paulus redt durch
den heyligen geist/ wer unwürdig
von disem brot
isset/ der isset im selber das gericht121/ beflecket das dann
den menschen nicht/ da
antwort der Kürßner/ das
brot und das ußwendig essen befleckt den menschen
nit/ sunder der unglaub/ als auch sant Paulus zun
Roͤmern xiiii. von allem essen
sagt.122 Es spricht
auch
nit sanct Paulus/ das yemands unwirdiglich den
leib des Herren essen
moͤg123/ sunder das man das
brot
des herren unwirdigklich essen moͤge/ welchs thůn
alle unglaͤubigen im
nachtmal des herren/ nemen/
unnd essen inen124 selber das gericht/ darumb das sye
den leib des herren
nit underscheiden125/ dann im
essen
des leibs des herren stat das leben/ und die ewig selig-
keit/ Wie der herr Joan. vi. spricht/ wer mein fleisch
isset/ und trinckt
mein blůt/ der hat das ewig leben126〈/〉
da ward dem Pomeran der mundt gestopfft.
Auch waren under den ersten dreyen127/ die dem kürß-
ner fürwarffen/ das die unglaͤubigen den
leib Chri-
fehlt
sti essen und nitt Christum/ Da
sprach der kürßner〈:〉
Ach lieben herren/ lasset mir doch den Christum
gantz bleiben
unnd zerteilet mir doch den selbigen
nicht/128 dann es spricht sanct Paulus i. Corinthio i. ich
verkünd eüch
den gekreützigten Christum129/
nitt ein
halben Christum/ aber130d ein leib Christi allein verkün-
etak uns sant
Paulus131/ sunder ein gantzen
Christum
wie er gecreütziget und fur uns gegeben/ und unser
speiß worden/
welcher den isset/ der isset unnd ent-
pfacht132 in gantz nit geteilt/ darzuͤ ist
auch kein ander
essen/ würt auch kein anders in der schrifft funden/
dann das
geistlich des gecreutzigten/ und ufferstan-
den verklerten Christi/
als in auch also sanct Pau-
lus verkündet/ unnd hat Christus auch
kein andern
leib verheissen/ den133 den der am kreutz solt gebroch-
en werden/ so ist ye
der gantz Christus für uns zur
speiß gebrochen/ gecreütziget/ dargeben/
auffer-
standen/ und unser leben/ speiß/ unnd ewige selig-
keit worden.
Mit solchen und mit vilen meer worten des kürß-
ners/ ward die
Disputacion geendet/ unnd durch
Johan Ranssau des Künigs obersten gesagt/
es
wer genůg von der sach gehandelt/ der Hertzog
wolt solches K'üniglichen'
würden anbringen134.
Darnach fragt Johan Ranssau den gantzen
hauf-
fen ob yemand auch ein puncten meer wist auff den
Kürßner/ da wißt niemand nichts meer/ und ward
also zum Kürßner gesagt/ das er sich
mit den ande-
ren so ihm zůtratten/ in der herberg solten
erhalten
biß zů weiterm bescheid.
fehlt
Auff den andern tag kam der Hertzog und sy al-
le in das
Closter wider zů samen/ und ward der kürß-
ner auch gefordert/ da
er und die andern so die war-
heit bekanten kamen/ ward der Kürßner
gefraget
ob er noch bey dem grund wolt bleiben/ das Christus
nicht wesentlich
im brot wer/ da sprach der Kürß-
ner/ er künd nit anders bekennen/
dann er fund nicht
anders im gewissen/ welches im dann auch die gan-
tzen schrifft zügniß geb/ drumb muͤst er die warheit
bekennen/
und wann gleich all hencker umb in stünden〈.〉
Da ward dem
Kürßner sein urtheil abgesprochen/
das er solt zwo naͤcht zůhauß sein/ unnd sunst
kein
nacht da die ander/ im gantzen reich135/ da sprach der
Kürßner Got sey lob dann Christus spricht wa
man
eüch nit will leiden in eim ort zihet in das ander136/ aber
es wirt kommen in kurtzen zeiten/ das
ir werdt erken-
nen/ das wir eüch die warheit gesaget haben/
auff
solche reden des Kürßners/ antwort der Hertzog
Kersten/ und sprach das woͤl Gott
nicht.
Also ward Johan von Campen auch sein
urteil/
abgesprochen/ und dem Johann
Barssen/ und ward
der Jacob von
Dantzka gefragt/ ob137 er
sich wolt un-
derweisen lassen〈/〉al solt zum grossen hauffen
tretten.
Da hůb der selbig Jacob an und
sprach/ dieweil
ich noch nit hoͤr/ das der Kürßner mit heiliger ge-
schrifft überwunden ist/ oder niderfellig gemacht/
kan ich mich auch nicht
anders leeren lassen/ soll ich
aber anders hierinn geleret werden/ das můß von
Got im gewissen geschehen/ unnd nicht vom men-
schen allein/ als
Christus Johannis vi. spricht138/ dar
zů ist mir dasam ein
ursach/ das Christus spricht/ den troͤ-
ster und geist den der
vatter senden werdt/ kan die
fehlt
welt nicht begreiffen/ und disen geist das Christus
im
brot sey/ begreifft die welt/ Dabey ich gründlich
erkenn/ das es nit ein warhafftig
geist ist/ sonder ein
geist der lugen/ da ward er auch mit weib und kindt
uß
dem land geurteilt.
Da nun die vier iren bescheid hatten und ab ge-
weiset wurden/
wardt gesagt zů Pomerano und sei-
nem hauffen/ das urteil das sy gsprochen hetten/ da
wolt der
Künig noch Hertzog Kersten kein thon
mit haben/ darzů
die raͤt und der Adel vons Künigs
wegen/ sunder befoͤllensan
Pomerano unnd seinem
hauffen/ uff
ir leib und seel/ am jüngsten tag zů ver-
antworten/ao also ist der Pomeranus mit seinem hauf-
fen/
der sachen feind geweßt oder partey und auch
der sachen richter/
und urtheil absprecher/ heißt das
nit fein gehandelt und den Kürßner überwunden?ap
Mein liebster Ypolitus/ also hand die Thyran-
nen im alten
Testament/ die heyligen propheten über-
wunden/ und die
vierhundert falsche propheten des
Künigs Achas/ den frommen unnd heyligen
Pro-
pheten/ Micheas139/ die Phariseer Christum/ die Hei-
den/
die Aposteln und martleraq/ Der
Bapst/ die frum-
men prediger/ als140
Doctor Hussen/ und die andern
vor und nach/
wolt dann der kürßner besser sein dann141
die selben/ unnd auch sein herr Christus/ dann so
der
Bapst ist uß der Christlichen versamlung gestossen
můß sich ja ein ander
Bapst wider uffwerffen/ nem-
lich/ der da gott den schoͤpffer/
mit der creatur/ ver-
fehlt
menget/ und zů
gleich dem Bapst142/ mitt
weltlicher
gewalt/ in handlung143 des gewissens/ in gottes sach-
en und ordnung
handelt/ O wann dem Bapst mitt
seinem hauffen/ ein solche schantz144 geraten moͤcht/ an-
klager und richter zů sein145/ über den Luther
und Po-
meran/
so wer es schon mit in auß/ ja diser gestalt
muͤsten wol alle Christen überwunden
werden.
Der waren wol als ich sy überschlůg by vierhun-
dert so146 sy anders147 alle priester waren als sy im selben
hauffen stunden/ aber mir ward vermeldet/ das ihr
wol ein hundert weren geweßt/
die gern den grund
der warheit bekent hetten/ dorfften aber nicht umb der
Tiranney und forcht willen.
Der herr woͤl in das vergeben/ und woͤl sye fürt-
hin weyter
leren und stercken/ sein goͤtlich warheit
auch offentlich mitt unverzagtem
hertzen vor der welt
zů bekennen/ dann mir zweyfelt nit/ so die sach also
er-
gangen ist/ wie du mir anzeigest/ und so der kürß-
ner so bestendig hat geantwort/ und ein so vesten grundt
gefuͤret/ das ir vil148 im
gewissen deßhalben auch gros-
se anstoͤß leiden werden/ biß so
lang sye got gar her-
zů bringt/ das sye sich seiner goͤttlichen
warheit un-
der geben/ und die selben im ernst annemen und
bekennen.
Uff ein solch urteil des Pomers/
ist der kürßner
mit weib und kind uß dem land verjaget/ und im sein
hauß
geplündert/ und sind im an buͤcher und an truck-
fehlt
erzüg/ als gůt als tusent gulden genommen/149 und stunden
auch die unglaubigen hart nach
seinem halß/ das
sye in wolten underwegen umb bringen/ aber gott
halff im/
der im uff geholffen hat/ unnd erloͤset auß
den henden der moͤrder und Thirannen/
also hastu
mein lieber Erhart offas das aller kürtzest/ denat
haubtgrund der sachen gehoͤrt/ und den selben
unchristlichen und
unevangelischen han-
del. Der Herr woͤl alle usserwoͤl-
ten hertzen/ freyen und bewa-
ren/ vor einem
solchenau
grewel und
ergerniß
durch Jesum Chri-
stum unsern her-
ren unnd
Heyland.
KGK 318
Einleitung
