Nr. 319
Dialogus und gründliche Berichtung gehaltener Disputation im Land zu Holstein
[1529, zw. 11. April und Mitte Juni]

Text
Bearbeitet von Christine Ruhrberg

Buchsymbol fehlt Dialogus und
gründtliche berich-
tung gehaltner disputa-
tion im land zů Holsten underm
Künig von Dennmarck vom hoch-
wirdigen Sacrament oder
Nachtmal des Herren.
In gegenwertigkeit Kü'niglicher' M'ajestat' Sun Hertzog
Kersten1 sampt Kü'niglichen' Raͤten/ vilen
vom Adel/ und grosser ver-
samlung der Prie-
sterschafft.
Yetzt kurtzlich geschehen den andern Don-
derstag nach Ostern/ im jar Christi.
Als man zalt. M. D. xxix.2
Getruckt zů Straßburg am Holtzmarckt
durch Balthassar Beck.


Buchsymbol fehlt

Gott grüsz dich Er-
hart
3 mein lieber brůder/ und
dich widerumb Ypolitus4/ aber von
wann5 kumstu. Ypolitus/ ich kumm uß
Flenßburg uß dem landt zů Hol-
sten/ da binn ich etliche tag gelegen6. Erhart/ beid7 das
wurt recht werden8/ lieber hastu auch gehoͤrt von
der Disputatzion9/ die daselbst von des herren nacht-
mal
sol gehalten sein worden/ Ypolitus. Ja freilich
ich hab nit allein darvon gehoͤrt/ sunder binn auch
selbs dabey gewesen/ vom anfang biß zum end.

Erhart.

Das hoͤr ich gern/ das ich von dir die rechten war-
heit
mag erfaren/ dann es haben sich manigfeltige
red/ von wegen solcher Disputacion alhie begeben/
lieber laß uns mitt einander nider sitzen/ unnd sag
mir den grund der sachen.

Hypolitusa.

Das sol ich gern thůn/ unnd wil dir in warheit
nichts verhalten/ aber anfencklich můß ich dir von
einem kürßner sagen.

Erhart.

Man sagt der Pomeran10 hab im artickel von Sa-
crament
mit dem kürßner disputiert/ lieber ist der
kürßner auch gelert/ prediget er auch/ oder was ist
sein fürnemen11?b

Hypolitus.

Beidt12 nur du solts alles hoͤren/ der kürßner ist
ein zeyt lang in Lieffland13 gewesen/ den hat got mit
gnaden besůcht14/ und im seind die augen uffgethon
Buchsymbol fehlt das er das wort goͤttlicher warheit/ und Christum
beginnet zů erkennen/ und also hatt er in Lieffland
an gefangen gottes wort zů predigen/ in einer statt
heißt Wolmer15/ under dem meister theütsch ordens16
gelegen/ wie man sagt/ daselbst hat er vil verfolgung
erlitten/ als17 zum letsten ist er uß befelch des herr mei-
sters
/ umbs worts willen uß dem land verwisen.

So ist er uß gottes schickung in ein grosse kauff-
statt
kommen/ die heißt Derpten18/ daselbst hat er sein
predig ampt starck getriben/ unnd wie man weissz
am selben ort vil verfolgung erlitten/ nit allein von
den Papisten/ sunder auch von denen/ die da woͤllen
Evangelisch sein/ darumb das er ein einfeltig per-
son
und ein frembder geweßt ist/ aber doch ist er in
mitler zeyt uß getrungen/ unnd da hat in gott aber
eins in ein statt gefuͤget Revell19 genant/ da ist er der
krancken diener worden/ und durch falscher bruͤder
anschefftung20 die da woͤllen Evangelisch sein/ ist er
aber eins des lands verwisen worden.

Also hatt Gott seinen weg gefertiget in Schwe-
den/ das er ist kummen in ein grosse kauffstatt Stock-
holm genant/ da selbst ist er der teüschen prediger
worden ein zeytlang/ sich aber umb etlicher ursachen
willen auch uß dem selben land geben/ dann die ober-
sten
regenten von Lübeck gantz hart auch nach sei-
nem
halß/ blůt/ leib und leben stunden/ aber got dem
selben kürßner durch alle seine feind halff.

Der selb Kürßner kam mit weib und kind in das
land zů Holsten/ da ließ in künig Friderich von Denn-
marck zů im21 fordern/ und wolt seine sermones hoͤren./
Buchsymbol fehlt da er nun gots wortc rechtschaffen leert/ nam in der
künig an für seinen diener/ und gab im brieff unnd
sigel im gantzen land zuͤ Holsten das wort gots zů
predigen/ wo es im geliebet/ und befestiget in für-
nemlich
zum Kyll22/ zů einem prediger/ nam all sein
hab und gůt in seinen schutz/ weib/ kind/ und all die
seinen/ zů handthaben/ schützen/ und beschirmen/ in
allen rechtfertigen Christlichen sachen.23

In dem selbigen land hat der kürßner zwey jar
das wort gotts gepredigt/ aber darneben hat er vil
verfolgung erleiden muͤssen von den oͤbersten zum
Kyll24/ welche dann hart entgegen seind der goͤttlichen
gerechtigkeit und warheit.

Zum letsten/ hat er da selbst uß getruckt25 und be-
kandt
den waren grundt/ von dem nachtmal des her-
ren
Jesu Christi/ da haben sich die/ welche Luthers
und Pomeranus meinung seind/ gantz hart wider
in gelegt/ und ein groß geschrey über den Kürßner
gemacht/ und hand angefallen26 Hertzog Kersten/
des Künigs sun uß Dennmarck/ und die Oberkeit
des lands/ auch mitt den selben angelangt27 Künig
Friderich uß Dennmarck/ umm die Disputation/ wel-
che
dann zůgelassen und verwilliget ist worden/ uff
den nechsten Sontag nach Ostern/ im xxix. Jar.

Erhart.

Liebster Ypolite/ wie bist du doch in den handel28
der verfarenheit29 des Kürßners geschicht also gründt-
lich
kommen?d

Ypolitus.

Ich hab seine buͤcher gelesen/ und auch seiner wider-
sacher
/ die hand mich solchs alles erinnert/ darzů
hab ich etlichs uß erfarenheit glaubwerder leüt.

Buchsymbol fehlt
Erhart.

Was seind für leüt verschriben geweßt zů diser
Disputacion/ und wie ist es anfengklich darmit zů-
gangen
?e

Ypolitus.

Der kürßner ist verschriben geweßt zum ersten
von dem Künig uß Dennmarck/ der selbig hat bey
im Doctorf Andreas Carolstat/ dem warb er gleidt
an den Künig/ kundt im aber kein gleid erlangen/
wiewol man sagt/ das er hab gericht und gerechtig-
keit
leiden30 künnen/ und sich auch darzů erbotten/ es
sol aber alles nicht geholffen haben/ můst wider zů-
ruck
auß dem land zů Holsten reysen/ on allen ver-
zug
/31 Dann die Lutherischen triben solches alles/ dar-
umb
villeicht das sy sich vor dem selben doctor foͤrchten.

Auch foͤrchten sich die widersaͤcher des kürßners
so hart32/ das sye nit allein die Disputacion dorfften33 mit
im an geen/ sunder verschriben etlicheg gelerteh lerer
die sy stercker im lauff hielten dann sich. Deßgleichen
auch Johan Bugenhag Pomer der pfarrherr von
Wittenberg/ der kam hinein gen Fleüßburg/ als
vor zeyten des Babsts legaten/ und als der grossen
Bischoͤff gebrauch ist/ der selbig ward von des Kürß-
ners
widersaͤchern entpfangen/ als wer er gott ge-
weßt
/ und hielten sein wort auch meer unnd hoͤher
dann gottes wort/ dann da galt nichts/ dann allein der
Pomeranus unnd sein wort/ wenn der heylig geist
selbs da gewesen wer/ er hett muͤssen entweichen.

An dem andern Mittwoch nach Ostern34/ sandt
der Kürßner Hertzog Kersten ein Buͤchlin/ das
Martinus Luther hett im xxiii. Jar lassen ußgan
darin er den grundt des Kürßners klar unnd hell
Buchsymbol fehlt geschriben hett/ das man des herren brot zů einem
sigel und zeichen entpfieng in den leiblichen mund
und mit dem leiblichen mundt/ und das wort in die
oren/ und in das hertz und gewissen.35

Uff den selben obent/ sant Hertzog Kersten nach
dem Kürßner/ und hielt ein langes gesprech mit im
von dem nachtmal des herren/ kundt aber an dem
Kürßner nichts erlangen/ endtlich sprach der Her-
zog
zum kürßner/ so du bey disem grundt stan blei-
best
/ will ich dir disen finger36 geben/ wo du darvon
kumpst37. Da antwurt der Kürßner/ mit recht mag
mir nichts geschehen/ und wann alle gelerten in der
Christenheit uff einem hauffen stunden/ so aber got
die verhencknüß gibt/ das mir gewalt geschicht/ so
künd ir mir nur den alten fleischlichen rock nemen/
aber am Jüngsten tag/ gibt mir Christus mein herr
und gott ein neüwen/〈.〉 Da sprach der Hertzog/ Mel-
chior
/ darffstu so hart gegen mir reden/ was thůstu
dann vor dem schlechten38 volck/ da sprach der Kürß-
ner
/ wann alle Keiser/ Künig/ Fürsten/ Bebst/ Bisch-
oͤff
/ Cardinel/ uff einemi hauffen stünden/ so soll und
můß die warheit bekandt sein/ zů der eer gottes/ das
woͤl mir mein herr und gott verleihen/ Unnd auch
noch vil andere red/ die der Hertzog und der Kürß-
ner
mit einander verhandelt haben/ welche ich yetz
umb kürtze willen nach lasse/ uff das wir zum grund der
disputacion kommen.

Uff den morgen sandtj der Hertzog dem kürßner
ein botten/ auff gezalte stundt/ zů kummen in das
Barfůsser closter39/ da war der kürßner willig und
Buchsymbol fehlt bereit.

Als nun der Hertzog über den kirchoff drat/ mit
dem Johan Pomeran/ und etlich hundert mit inenk
stunde der Kürßner auff dem Kirchoff/ sprach zů
im der Hertzog/ Melchor wo sind deine anhenger
nimm sye mitt dir/ Da sprach der kürßner/ ich weiß
von keinem anhang/ ich stand für mich in Gottes
wort/ also thů ein yeder.

Da gieng der Hertzog mitt seiner volgenden
schar in das Barfůsser kloster/ und in der münchen
kirchen/ kam der Pomeran zů dem Kürßner über
ein ort40/ und sprach in an/ wie er doch zů solcher mei-
nung
kem/ da antwortet der Kürßner/ Lieber Her-
re
Pomeran/ wann ir mitt den eüweren mitt der
warheit concordieren/ und die selbig recht ansehen
wolten/ so moͤcht ein eindracht sein in gottes volck/
reich unnd wort/ unnd Christus bekanter41 werden/
unnd es würde die gantz Bibel vil leichter sein/ die
sunst mitt solcher meynung zurspreisselt ist/ unnd
verdunckelt würt.

Und sprach der Kürßner weiter. Lieber Pome-
ranus/ Was ist es anders/ dann das wir uns also
hadern und ein kiff42 haltenl/ umb das sprewer43/ dann
wir halten all ja das Weitzenkoͤrnlin44/ unnd Eyfer
umb Christo. Aber umb das Sprewer reissen wir
uns. Der ein will das Weytzenkoͤrnlin unnd das
Sprewer sey ein ding/ und in einander vermenget〈/〉m
Der ander will das Sprewer und Weitzenkorn/ ein
yedes ein sonders sey/ unnd auch yedes für sich sein
Buchsymbol fehlt werck habe/ also kam einer und zoch den Bomer von
im weg. Da giengen sy voneinander/ zů der Dispu-
tattzion
in das reffental45.

Man wolt aber in gemein/ niemandt ins reffen-
tal
lassen/ allein die vom Adel und die gelerten und
Priester46/ die Leyen muͤsten herauß bleiben/ also binn
ich auch gleichwol hinin komen/ und wurden zum
ersten verordnet sechs schreiber/ die uff solten schrei-
ben
die Disputatzion/ und waren alle die selben schrei-
ber
des Kürßners widersaͤcher47/ welche schriber iren
Tisch hetten/ mitten under dem hauffen/ der zů bey
den seitten stundt.

Anfengklich wurden dem Kürßner fürgeworf-
fen
von Johan Ranssau48 des Künigs oͤbersten die
schmaͤchwort/ und hernach von Herman Tast49 das er
etlich prediger het gescholten falsche Propheten di-
ser
letsten zit/ welche Christum hier und dort wissen
in ußwendigen dingen/ das er sye auch seel moͤrder50/
und gots eren dieb solt gescholten haben etc. mitn an-
dern
meer worten.

Die selbigen ersten anklagt des scheltens verant-
wort
51 der Kürßner/ und sprach/ alle die da für gebeno/
das sy Christum in ein leiblich brot befestigen/ unnd
consecrieren künnen/ und also Christum geben kunnen
wem sy wolten/ zeigen und weisen/52 die selbigen seint
solche53/ dann sy schriben in54 das ampt zů/ das got und
dem heiligen geist zů gehoͤrt/ dann der herr Christus
spricht Johannis vi.55 der vater sey der/ der das rechte
ware himelbrot den seinen geb/ als auch sanct Pau-
lus
i. Cor. iii. bezeüget/ das Got allein das gedigenp
gebe56/ mit solchen unnd meer worten hat der Kürß-
ner
seinen grund gstelt/ welche inen57 solche goͤtliche
Buchsymbol fehlt krafft zůschreiben/ die selbigen werens die er gschol-
ten
hett/ da war keiner der sich solchs annemen wolt
also was der knopff58 verstrickt59/ und zůgeschlossen.

Erhart.

Das hat mich auch allweg/ bey des Bapsts und
Luthers leer60/ vom Sacrament irr gemacht/ und im
gewissen gefangen〈/〉 das Gott der vatter/ das ware
himelbrot/ und der herr Christus/ sein fleisch und blůt
selbs geben muͤsse61/ in aller gleubigen hertz/ Johan-
nis
vi. und aber da der herr spricht/ wirckt speiß/ nit
die da verdirbt/ sunder die da bleibt in das ewig le-
ben
.62Da zücht er ja unser gmuͤt/ von aller vergenck-
lichen
leiblichen speiß/ und essen/ übersich63/ auff ein
geistliche ewige speiß/ redet bald drauff und spricht〈/〉
welche eüch des menschen sun geben wirt64/ Darbey
ist mir offt einkomen/ wenn ich solchs hab hoͤren le-
sen
/ oder predigen/ das es mit dem Sacrament des
leibs und blůts Christi/ nit můß allenthalben also zů-
geen
/ wie der Bapst und Luter fürgeben. Nun sag
weitter/ hůb der Pomer am ersten an mit dem Kürß-
ner
zů disputieren?

Ypolitus.

Nein/ sunder der Pfarherr von hausen65 im land
Holsten/ Herman Tast genant/ der war der er-
ste
/ der mit dem Kürßner die Disputatzion anfieng
und fůrt ein lange red/ vom geistlichen essen Johan-
nis
. vi. Darnach das daneben auch ein liblich essen
wer/ des leibs Christi/ nach innhalt der wort das ist
mein leib/ da er nun sein lange redt hatt vollendet/
Buchsymbol fehlt gab im der Kürßner ein solche antwort.

Das es nicht verstanden mag werden/ das ist mein
leib/ darumb der natürliche leibliche leib Christi im
brot můß sein/ mit haut/ fleisch/ und bein/ als er von
Maria geboren sey/ auchq das ist mein blůt/ nit ver-
standen
kan werden/ im kelch das wesentlich blůt
Christi/ sunder das brot sacramentlich. Der leib Chri-
sti
/ und der gleich auch der kelch also das blůt Chri-
sti
genant werde.

Und sprach der Kürßner weyter/ das auch gott
von anfang also gehandelt hab mitt seinem volck und
usserwoͤlten/ wann er in hab ein zůsag gethan in sei-
nem
wort/ hab er in daruff sigel und ußwendige zey-
chen
gegeben/ nit das darumb das wort der sigel sey
oder das leiblich zeychen/ noch das sigel und zeychen
das wort/ sunder ein yedes für sich in seinem wesen
und würden bleib.66

Dann67 gott hat Adam und Eva ein verheissung
gethan/ das des weibs samen sol zurdretten das haupt
der schlangen/ Gene. iii.68 dar auff in geben zum sigel
und zeichen die beltzene roͤck69/ nit das die beltzene roͤck
das wort waren noch die zůsag oder Christus/ sun-
der
ein figur des zůkünfftigen Christi/ das mit Chri-
sto
dem herren also im neüwen Testament alle usser-
woͤlten
sol bekleidet werden Gala. iii.70

Auch hat got mit Noe ein bund der verheissung
gemacht Gene. ix.71 das die welt nimmer solt zergan im
wasser/ sunder ir solt durch Christum geholffen wer-
den
/ und uff das selbig wort hat gott zů einem sigel
und zeychen gestalt/ und gegeben den regenbogen
Buchsymbol fehlt in den wolcken72/ nicht das der leiblich regenbog das
wort sey/ und Christus/ sunder bedeüt Christum/ das
geistliche fridzeichen/ welcher da unser frid und ver-
soͤnung
/73 und gerechtigkeit worden ist.

Auch hat Got Abraham die beschneidung befol-
hen
/ Genesis xvii. und hat seinen bundt daneben mit
im durchs wort uffgericht unnd die beschneidung
wirt der bund genant74/ nitt das die ußwendige be-
schneidung
der bund wer/ noch das wort/ welche be-
schneidung
mit steinen messern geschach/ sunder bedü-
ten
das wort und Christum〈/〉 mitt welchem alle usserwel-
ten
im neüwen Testament solten beschnitten werden.

Auch gab Gott Mose den befelch das ein yedes
hauß solt ein Lamb schlagen und miteinander essen
Exodi xii.75 und das blůt an die pfosten des hausses
streichen/ und an die überschwell76/ unnd das Lamb
wirt der überschritt/ oder übergang77genant/ unnd
war doch das Lamp der übergang nicht/ sunder
ein gedechtniß des selben78/ auch nicht das wort oder
Christus/ sonder bedüt das wort und Christum/ und
des Lambs blůt das blůt Christi79/ damit also im ne-
wen
testament alle ausserwoͤlten solten besprengt werden〈.〉

Das himelbrot bedeüt Christum/ das die Israe-
liten
xl. Jar lang assen/ Exodi xvi.80 waͤr aber nicht
Christus selber der felß81 in der wuͤsten da Moses das
wasser auß schlůg82〈/〉r wirt Christus genant/ nicht we-
sentlich
sunder figurlich.

Also auch da Christus mit seinen Jüngeren das
Osterlamp aß/ unnd die selbigen gedechtniß hielt/
geet von der selbigen auß dem Alten auff ein ande-
re
weiß zů dem neüwen Testament darinn die fi-
gur
solte erfüllet werden/ unnd nimmet ein brot
Buchsymbol fehlt danckt/ bricht das selbig/ gibts seinen Jungeren/
spricht/ Nempt/ esset/ das ist mein leib der für eüch
brochen wirt/ nitt das das leiblich brot sein wesent-
licher
leib sey/ sunder/ das das brot ein Sacrament
sey seins leibs/ der noch erst am krütz zur speiß solt
brochen werden/ wie dann die wort der verheis-
sung
solche speiß mit in83 bringen/ und würt das leib-
lich
s brot entpfangen in den leiblichen mundt/ unnd
magen/ das wort aber der verheissüngt/ und im wort
der leib und das blůt Christi durch ein vesten glau-
ben
ins hertz und gewissen.

Also ist auch der sichtige kelch nicht leiblich/ das
blůt Christi/ sunder figürlich/ bedeütlich/ sacrament-
lich
84/ neben dem wort der verheissung/ welches mit
im bringt ein blůt/u Das erst für uns solt vergossen
werden zur vergebung der sünd/ in solcher art dann
gründtlich zů verstan ist/ das nicht das brot der leib-
lich
wesentlich leib verstanden wirt/ dieweil es schon
gebrochen war/v Da Christus die wort der verheis-
sung
redet.w Wie dann auch die Jünger all gleich
uß dem kelch getruncken haten/ da Christus die wort/x
Das ist mein blůt redet/ Als es der Evangelist Mar.
klar hat beschriben.85 Diß ist die summa und noch vil
meer der red vor und nach/ die ich nit all behalten hab
mit welchem der Kürßner seinen grund bezeügt.

Erhart.

Warlich/ so vil ich mich verstee/ unnd auch in
meinem gewissen kan befinden/ diser Kürßner hat
ein gůten grund für gebracht/ der schwerlich mag
gebrochen noch nider gelegt werden/ moͤchte86 er
dann nit auch recht behalten/ in solcher warheit und
gerechtigkeit〈?〉y

Buchsymbol fehlt
Ypolitus.

Nein/ dann wann er sye schon uffs end gantz unnd
gar bracht/ unnd beschlussz/ fielen sye wider uff die
ersten geygen87 irer exposition/ der wort/ das ist mein
leib/ meer künnen sye nicht uffbringen/ und fiengend
ein mal ein jauchgeschrey88 an/ meinten sye hetten den
kürßner schon gefangen/ das er solt gesagt haben
die wort des abentmals seind figürlich/ Da sprach
der Kürßner nein/ das brot ist figürlich/ das wort
geist und leben/ Joannis vi.89 also můsten die schrey-
ber
darnach lesen/ da hett der Kürßner recht〈.〉

Erhart.

Wie vil waren ir die mitt dem Kürßner dispu-
tierten
〈?〉

Ypolitus.

Es waren ir drey/ der erst Herman Tast Pfar-
herr
von Haußen/ Der ander brůder Steffan von
Hamburg90/ der drit Claus Bog91Dettmar/ und
zum letsten kam noch einer Doctor revendlaw/ ein
Medicus/ und Astronomist/ und nigramanticus/92
unnd noch einer der hieß Marquart scholdorff93/ der
kam mit einem hauffen ketzer94 herfür. Da sprach der
Kürßner/ was haben wir mitt den ketzeren hie zů
schaffen/ wir disputieren hie nit von ketzern/ sunder
von dem edlen wort gottes/ da ward dem selben mit
seinen ketzern gebotten von Johann Ranssau
schweigen.

Die ersten drey satzten hart an den Kürßner/ ob
sye in fahen95 moͤchten96/ wann der ein mit dem Kürß-
ner
hett schon uß geredt/ der selbig paussiert/ unnd
fieng der ander mitt im an/ Darnach der drit/ und
Buchsymbol fehlt also fürtan widerumb der erste/z und war meins be-
dunckens
nun darauff gethon/ das der Kürßner solt
muͤd werden/ ob er sich irgendt inn worten verlauf-
fen
wolt/ und můst der Kürßner staͤts reden unnd
antworten on auff hoͤren/ kundten aber nichts an im
erlangen/ wie listig sy mitt im umb giengen/ dann
Gottes warheit war bey im wie sy dann steet uff ei-
nem
festen fundament/ das unbeweglich war.

Auch trib der Kürßner den Herman Tast so ferr
das er ihm bekandt/ das die natur des brots/ nicht
die natur Christi wer/ und die natur Christi nitt die
natur des brots/ da sprach der Kürßner/aa so ir97 solchs
bekennen/ ist unser grundt ein grund/ und wir sein
hie deßhalb einer meinunge/ da fiel er wider dahin
Christus leib wer aber im brot/ da sprach der Kürß-
ner
er solts beweisen wa es geschriben stündt/ oder
wa Christus gesagt het im brot sey sein leib/ da ruͤfft
er zůruck/ und blib bey dem/ab das ist mein leib/ dann98
sy künden darby ihren verstandt99 unnd außlegung/
der wort des herren/ mit keiner schrifft beweisen.

Da redet der Kürßner weitter/ ist dann ja das
sichtliche brot der wesentliche leib Christi geweßt/
das die Junger haben gessen/ so wirt darauß vol-
gen
muͤssen/ das nur das leiblich brot für uns dar-
geben
wer/ weil der Herr spricht. Das ist mein leib
der für eüch gegeben wirt/ da fuͤllenac sy uff100 die müg-
ligkeit
Gottes101/ da sprach der Kürszner/ wir Dispu-
tieren
nicht von der mügligkeit Gottes/ sonder von
Gottes wort/ werck unnd willen/ unnd wurden
dem Kürßner gantz vil ungegrünter Argument/
Buchsymbol fehlt unnd gegenwurff für geben/ das eim vor den blin-
den
leiternad102 auch het grausen moͤgen.

Erhart.

Stunden auch meer leerer by dem Kürßner/ die
dise erkentniß der warheit hetten?ae

Ypolitus.

Ja es stund einer bey ihm hieß Johan von Cam-
pen103/ unnd einer hieß Jacob von Dantzka104/ und zum
letsten kam noch einer der hieß Johan Barß105/ aber
es war in all umb den Kürßner zůthůn.

Erhart.

Kamen die andern drey auch zů disputieren?af

Ypolitus.

Ja ein yeder bekant den grundt seins glaubens/
und sprach Jacob von Dantzka künd yn yemandts
bessers leeren/ wolte sich gern underweisen lassen/
über der meinung ward er seer verspott/ zum let-
sten
kam ein Pfaff der sprach/ es wer noch einer der
wolt sich mit dem Kürßner brennen lassen/ da hieß
man Johan Barß den selben ein forderen/ da der ein
kam red Johan Barß so mit ernstem geist die war-
heit
als ein Leb106/ und zoch107 sich uff die alten lerer/ die
auch also gehalten hatten unnd gschriben der selbig
ward verlacht und veracht und es hielten in etliche
nicht für weiß oder sinnig.108

Buchsymbol fehlt

Under der mitler zeit109 bekendt der Pomer seinen
glauben vom Sacrament〈/〉 ich moͤcht vil billicher miß-
glauben
gesagt haben/ und wolt dem Kürßner mit
seiner auctoritet/ und grossem ansehen/ all ding umm-
keren
und im in solchem schein sein urteil ab sprech-
en
ag110 als es dann auch geschehen ist/ da aber das der
Kürßner vermerckt111/ fiel er im ein112/ und trib den Po-
mer so weit das er bekant/ das ratten und meüß113 die
das Sacramentlich brot essen/ nitt Christum essen/
da sprach der Kürßner so ir solches bekennen/ so ist
unser grundt ein grundt.

Auch bekant der Pomer/ das Türcken und Hey-
den
nit Christum essen/ so sy schon das Sacrament
lich brot essen/114 und war auch sein bekentniß/ das er
nit kund sünd vergeben/ sunder das wort verkündi-
gen
/ die dem glaubten dem selbigen weren die sünd
vergeben/ da sprach der Kürßner eben also kund ir
auch den menschen Christum unnd seinen leib unnd
blůt geben/ der in doch alwegen ist ein sicher verge-
bung
aller sünden/ wie ir eins vermoͤgen115 so vermoͤ-
gen
ir auch das ander/ es wer dann das ir ein andern
Christum het/ wenn116 die rechtgleubigen Christen ha-
ben
/ ir kündt das wort verkündigen/ und das auß-
wendig
sigel und zeichen reichen〈/〉ah meer ist eüch nitt
befolhen noch zůgelassen.

Erhart.

So der Pomeran hatt zůgelassen117 das Türcken/
und Heyden ob118 sy auch das Sacramentlich brot es-
sen
/ dennocht nit Christum essen/ oder entpfangen/
so het der Kürßner leicht drauff schliessen künnen/
Buchsymbol fehlt das Christus nit můß wesentlichen das sacrament-
lich
brot oder im brot geweßt sein/ denn das selbig hat
auch Judas gessen/ der ist doch unglaubig und vol
des boͤsen geistes/ ja wol so arg als ein Thürck und
Heyd geweßtai/ darumb hat er freilich nit Christum
den herren essen moͤgen 119.

Ypolitus.

Der Kürßner hat ein langs Argument mit dem
Pomer/ ich habs nit alles künnen behalten/ und ver-
meinet
ein mal der Pomerer het den Kürßner ergrif-
fen
/ da er sagt was in den mundt gieng das es den
menschen nit beflegtaj/120〈.〉 Daruff sprach der Pomer das
ist ein lesterung gottes/ dann sant Paulus redt durch
den heyligen geist/ wer unwürdig von disem brot
isset/ der isset im selber das gericht121/ beflecket das dann
den menschen nicht/ da antwort der Kürßner/ das
brot und das ußwendig essen befleckt den menschen
nit/ sunder der unglaub/ als auch sant Paulus zun
Roͤmern xiiii. von allem essen sagt.122 Es spricht auch
nit sanct Paulus/ das yemands unwirdiglich den
leib des Herren essen moͤg123/ sunder das man das brot
des herren unwirdigklich essen moͤge/ welchs thůn
alle unglaͤubigen im nachtmal des herren/ nemen/
unnd essen inen124 selber das gericht/ darumb das sye
den leib des herren nit underscheiden125/ dann im essen
des leibs des herren stat das leben/ und die ewig selig-
keit
/ Wie der herr Joan. vi. spricht/ wer mein fleisch
isset/ und trinckt mein blůt/ der hat das ewig leben126〈/〉
da ward dem Pomeran der mundt gestopfft.

Auch waren under den ersten dreyen127/ die dem kürß-
ner
fürwarffen/ das die unglaͤubigen den leib Chri-
Buchsymbol fehlt sti
essen und nitt Christum/ Da sprach der kürßner〈:〉

Ach lieben herren/ lasset mir doch den Christum
gantz bleiben unnd zerteilet mir doch den selbigen
nicht/128 dann es spricht sanct Paulus i. Corinthio i. ich
verkünd eüch den gekreützigten Christum129/ nitt ein
halben Christum/ aber130d ein leib Christi allein verkün-
et
ak uns sant Paulus131/ sunder ein gantzen Christum
wie er gecreütziget und fur uns gegeben/ und unser
speiß worden/ welcher den isset/ der isset unnd ent-
pfacht
132 in gantz nit geteilt/ darzuͤ ist auch kein ander
essen/ würt auch kein anders in der schrifft funden/
dann das geistlich des gecreutzigten/ und ufferstan-
den
verklerten Christi/ als in auch also sanct Pau-
lus
verkündet/ unnd hat Christus auch kein andern
leib verheissen/ den133 den der am kreutz solt gebroch-
en
werden/ so ist ye der gantz Christus für uns zur
speiß gebrochen/ gecreütziget/ dargeben/ auffer-
standen
/ und unser leben/ speiß/ unnd ewige selig-
keit
worden.

Mit solchen und mit vilen meer worten des kürß-
ners
/ ward die Disputacion geendet/ unnd durch
Johan Ranssau des Künigs obersten gesagt/ es
wer genůg von der sach gehandelt/ der Hertzog
wolt solches K'üniglichen' würden anbringen134.

Darnach fragt Johan Ranssau den gantzen hauf-
fen
ob yemand auch ein puncten meer wist auff den
Kürßner/ da wißt niemand nichts meer/ und ward
also zum Kürßner gesagt/ das er sich mit den ande-
ren
so ihm zůtratten/ in der herberg solten erhalten
biß zů weiterm bescheid.

Buchsymbol fehlt

Auff den andern tag kam der Hertzog und sy al-
le
in das Closter wider zů samen/ und ward der kürß-
ner
auch gefordert/ da er und die andern so die war-
heit
bekanten kamen/ ward der Kürßner gefraget
ob er noch bey dem grund wolt bleiben/ das Christus
nicht wesentlich im brot wer/ da sprach der Kürß-
ner
/ er künd nit anders bekennen/ dann er fund nicht
anders im gewissen/ welches im dann auch die gan-
tzen
schrifft zügniß geb/ drumb muͤst er die warheit
bekennen/ und wann gleich all hencker umb in stünden〈.〉
Da ward dem Kürßner sein urtheil abgesprochen/
das er solt zwo naͤcht zůhauß sein/ unnd sunst kein
nacht da die ander/ im gantzen reich135/ da sprach der
Kürßner Got sey lob dann Christus spricht wa man
eüch nit will leiden in eim ort zihet in das ander136/ aber
es wirt kommen in kurtzen zeiten/ das ir werdt erken-
nen
/ das wir eüch die warheit gesaget haben/ auff
solche reden des Kürßners/ antwort der Hertzog
Kersten/ und sprach das woͤl Gott nicht.

Also ward Johan von Campen auch sein urteil/
abgesprochen/ und dem Johann Barssen/ und ward
der Jacob von Dantzka gefragt/ ob137 er sich wolt un-
derweisen
lassen〈/〉al solt zum grossen hauffen tretten.
Da hůb der selbig Jacob an und sprach/ dieweil
ich noch nit hoͤr/ das der Kürßner mit heiliger ge-
schrifft
überwunden ist/ oder niderfellig gemacht/
kan ich mich auch nicht anders leeren lassen/ soll ich
aber anders hierinn geleret werden/ das můß von
Got im gewissen geschehen/ unnd nicht vom men-
schen
allein/ als Christus Johannis vi. spricht138/ dar
zů ist mir dasam ein ursach/ das Christus spricht/ den troͤ-
ster
und geist den der vatter senden werdt/ kan die
Buchsymbol fehlt welt nicht begreiffen/ und disen geist das Christus
im brot sey/ begreifft die welt/ Dabey ich gründlich
erkenn/ das es nit ein warhafftig geist ist/ sonder ein
geist der lugen/ da ward er auch mit weib und kindt
uß dem land geurteilt.

Da nun die vier iren bescheid hatten und ab ge-
weiset
wurden/ wardt gesagt zů Pomerano und sei-
nem
hauffen/ das urteil das sy gsprochen hetten/ da
wolt der Künig noch Hertzog Kersten kein thon
mit haben/ darzů die raͤt und der Adel vons Künigs
wegen/ sunder befoͤllensan Pomerano unnd seinem
hauffen/ uff ir leib und seel/ am jüngsten tag zů ver-
antworten
/ao also ist der Pomeranus mit seinem hauf-
fen
/ der sachen feind geweßt oder partey und auch
der sachen richter/ und urtheil absprecher/ heißt das
nit fein gehandelt und den Kürßner überwunden?ap

Erhart.

Mein liebster Ypolitus/ also hand die Thyran-
nen
im alten Testament/ die heyligen propheten über-
wunden
/ und die vierhundert falsche propheten des
Künigs Achas/ den frommen unnd heyligen Pro-
pheten
/ Micheas139/ die Phariseer Christum/ die Hei-
den
/ die Aposteln und martleraq/ Der Bapst/ die frum-
men
prediger/ als140 Doctor Hussen/ und die andern
vor und nach/ wolt dann der kürßner besser sein dann141
die selben/ unnd auch sein herr Christus/ dann so der
Bapst ist uß der Christlichen versamlung gestossen
můß sich ja ein ander Bapst wider uffwerffen/ nem-
lich
/ der da gott den schoͤpffer/ mit der creatur/ ver-
Buchsymbol fehlt menget
/ und zů gleich dem Bapst142/ mitt weltlicher
gewalt/ in handlung143 des gewissens/ in gottes sach-
en
und ordnung handelt/ O wann dem Bapst mitt
seinem hauffen/ ein solche schantz144 geraten moͤcht/ an-
klager
und richter zů sein145/ über den Luther und Po-
meran/ so wer es schon mit in auß/ ja diser gestalt
muͤsten wol alle Christen überwunden werden.

Erhart.

Wie vil waren ir wol die mit dem Pomer stunden
gegen den Kürßner?ar

Ypolitus.

Der waren wol als ich sy überschlůg by vierhun-
dert
so146 sy anders147 alle priester waren als sy im selben
hauffen stunden/ aber mir ward vermeldet/ das ihr
wol ein hundert weren geweßt/ die gern den grund
der warheit bekent hetten/ dorfften aber nicht umb der
Tiranney und forcht willen.

Erhart.

Der herr woͤl in das vergeben/ und woͤl sye fürt-
hin
weyter leren und stercken/ sein goͤtlich warheit
auch offentlich mitt unverzagtem hertzen vor der welt
zů bekennen/ dann mir zweyfelt nit/ so die sach also er-
gangen
ist/ wie du mir anzeigest/ und so der kürß-
ner
so bestendig hat geantwort/ und ein so vesten grundt
gefuͤret/ das ir vil148 im gewissen deßhalben auch gros-
se
anstoͤß leiden werden/ biß so lang sye got gar her-
bringt/ das sye sich seiner goͤttlichen warheit un-
der
geben/ und die selben im ernst annemen und bekennen.

Ypolitus.

Uff ein solch urteil des Pomers/ ist der kürßner
mit weib und kind uß dem land verjaget/ und im sein
hauß geplündert/ und sind im an buͤcher und an truck-
Buchsymbol fehlt erzüg
/ als gůt als tusent gulden genommen/149 und stunden
auch die unglaubigen hart nach seinem halß/ das
sye in wolten underwegen umb bringen/ aber gott
halff im/ der im uff geholffen hat/ unnd erloͤset auß
den henden der moͤrder und Thirannen/ also hastu
mein lieber Erhart offas das aller kürtzest/ denat
haubtgrund der sachen gehoͤrt/ und den selben
unchristlichen und unevangelischen han-
del
. Der Herr woͤl alle usserwoͤl-
ten
hertzen/ freyen und bewa-
ren
/ vor einem solchenau
grewel und ergerniß
durch Jesum Chri-
stum
unsern her-
ren
unnd
Heyland.

Amen.


aYpolitus Bdurchgehend
bfürnemen. A
cGotswort B
dkommen. A
ezůgangen. A
fDector A
getlichen B
hgelerten B
iuffeinem A
jmorgēsandt A
kjnen/ B
lB ; kiffhalten A
mmit B
nB ; Mit A
ofürgebē B
pgedeyen B
qanch A
rmit B
sleib/ lich A
tverhaissung B
uB; blůt. A
vB; war. A
wredet/ B
xwort. A
ygerechtigkeit. A
zmit B; erste A
aamit B; Kürszner A
abmit B; dem A
acfielen B
adlaytern B
aehetten. A, B
afdisputieren. A; Disputieren. B
agabsprechen B
ahmit B
aige weszt A
ajbefleckt B
akverkünget A , verkündet B
almit B
amdas auch B
anbefalhens B
aoverantworten. B
apüberwunden. A, B
aqmarterer B
arKürszner. A, B
asofft A ; auff B
atB ; denn A
auB ; solchen. A

1Christian III., Kronprinz von Dänemark und seit 1523 Herzog von Holstein.
22. Donnerstag nach Ostern, 8. April 1529.
3Vgl. Bugenhagens Identifikation von Erhart mit Karlstadt und sein Karlstadts Neigung zu sprechenden Namen (Gemser, Victus, Peter Lay) karikierendes Wortspiel »Erhart«»Ehrlos« Bugenhagen, Acta (1529), fol. M1r–2r.
4»Hypolitus« als Name des Hoffman vertretenden Erzählers spielt wohl auf den Heiligen und Kirchenvater Hippolytus von Rom an, Urheber eines Schismas, Agitator gegen Chiliasmus, Verbannter, Verfasser eines Hohelied- und eines Danielkommentars, von Endzeitberechnungen und typologisch-allegorischer Bibelauslegung; vgl. TRE 15, 381–387.
5woher.
6verhaftet, gefangen, geschlagen oder krank gewesen; vgl. DWb 12, 521 s.v. legen.
7warte.
8Redensart? In etwa: Wird schon wieder (besser) werden. Vgl. DWb 14, 397 s.v. recht II) 4) b).
9Vgl. zu Begriff und einem aus universitären Kontexten losgelösten, verallgemeinerten Wortgebrauch Kaufmann, Mitte der Reformation, 531–545; Moeller, Disputationen, 183f. und pass.: die unscharf eingesetzte Bezeichnung und das Verb »disputieren« wurden offenbar auch in den späten 20er Jahren oft verwendet; siehe etwa VD 16 H 4305, M 7033, E 422 sowie Stephan Kempes Bericht von der 2. Hamburger Disputation; Hamburgische Chroniken (Lappenberg), 520–536.
10Johannes Bugenhagen, der aus Pommern stammte.
11I. S. v. »Was weiß man über ihn?«
12Warte.
14Zur Geistbegabung als Autorisierung des Sprechens von Ungeweihten, insbesondere Frauen, in der religiösen Literatur vgl. Peters, Autorentypen, 42–44; Ruh, Geschichte 3, 484 (zum männlichen Prototyp des »Gottesfreundes aus dem Oberland«). In Straßburg berief sich der Weber Hans Wolff darauf, er »hab den geist gots, könne auch die wahrheit«, als er im Juni 1526 versuchte, Matthias Zell von der Kanzel des Münsters zu drängen; Quellen zur Geschichte der Täufer VII (Krebs/Rott), 56.
16Wolter von Plettenberg (um 1450–1535), ab 1494 Landmeister des Deutschen Ordens in Livland. Vgl. zu Hoffmans Zeit in Livland 1523–1526 Deppermann, Hoffman, 36–78.
17alsdann; nach DWb 1, 259 s.v. III) 3) auch: so.
20Anstiftung.
21sich.
24Gemeint sind hier wohl am ehesten Marquard Schuldorf und Eberhard Weidensee; siehe KGK 319 KGK 272 (Textstelle).
25Eine Abendmahlsschrift (oder mehrere?) Melchior Hoffmans ist nicht überliefert, sondern kann nur durch den offenen Brief an die Bürger Kiels von Marquard Schuldorf (Schuldorf, Brief, fol. B2r ist die Rede von »enem boͤckescken«, mit dem Hoffman Schuldorfs Brief zuvorgekommen sei, das aber nicht genau mit seinen Predigtinhalten übereinstimme) und das Gutachten von Eberhard Weidensee (Weidensee, Eyn underricht, fol. A2r spricht von einem »sendebreue an my« zur Abendmahlsfrage) erschlossen werden.
26gebeten; vgl. FWB s.v. anfallen Nr. 5.
27ersucht; vgl. FWB s.v. anlangen Nr. 1.
28Bericht, Geschichte; vgl. FWB s.v. Nr. 5.
29Erfahrung; vgl. DWb 25, 293 s.v.
30zulassen, erlauben; auch: die rechtlichen Konsequenzen tragen. Vgl. FWB s.v. leiden Nr. 7: »das recht leiden«.
31Eventuell war Karlstadt also auch nicht bis nach Kiel gelangt; dann müsste er an einem anderen Ort auf Hoffman gewartet haben. Oder wussten die beiden Verfasser nicht, dass Kiel knapp in herzoglich-holsteinischem Territorium lag?
32sehr.
33wagten (von türren).
34Am Vorabend der Disputation, also am 7. April 1529.
35In der Forschung (insbesondere Deppermann, Hoffman, 111) wurde dieses »Buͤchlin« zumeist mit einem 1523 erfolgten Nachdruck der 1522 erstgedruckten Schrift Vom Missbrauch der Messe identifiziert, da Von Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams Christi aus dem Jahr 1523 bereits gegen die Ablehnung der leiblichen Realpräsenz argumentiert. Diese Abendmahlsschrift Luthers hatte Hoffman wohl rezipiert (s. dazu weiter unten KGK 272 (Anmerkung)). A. N. Burnett (Burnett, Debating, 409, Anm. 116; Burnett, Streitkultur, 125) wies nach, dass der von Hoffman umrissene Grundsatz zu Siegel und Zeichen eher auf die Gründonnerstagspredigt Luthers vom 17. April 1522 hindeutet, die unter dem Titel Das Hauptstück des ewigen und neuen Testaments 1522 gedruckt wurde (WA 10.III, 68f.; zur Formel verdichtet erst 1527, WA 23, 191,14f.). Von ihr gibt es eine niederdeutsche Fassung, gedruckt in Erfurt [Trutebul] 1523. Hat Hoffman etwa bedacht, dass Herzog Christian Niederdeutsch sprach? Sein Interesse dürfte weniger darin gelegen haben, mit aktuellen lutherischen Thesen zu prunken, als darin, sich für ein holsteinisches Predigtamt geeignet zu zeigen.
36Verkürzt für »Fingerzeig«? Nach dem einmütig gefällten Urteil ist davon nicht mehr die Rede.
37Vgl. DWb 2, 859f. s.v. davon 1. da(r)von kommen = »entfliehen«. Linden, Hofmann, 136 versteht das als Drohung im Sinn von »was dir dann blüht«.
38schlichten, einfachen.
39Die Mönche waren seit Juni 1528 vertrieben, das Kloster vom König einem seiner Beamten geschenkt worden; vgl. Hein, Spiritualisten, 341; Schwarz-Lausten, Dänemark, 46.
40herüber; vgl. DWb 23, 73 s.v. über A) 4) Präposition der Annäherung an etwas.
41I. S. v. öfter bekannt/bezeugt werden; Komparativ des Part. Prät. von bekennen.
42Zank, Streitgespräch; vgl. FWB s.v. kiefen = zanken.
43die Spreu. Die Verwendung des Tropus von Spreu und Weizen für Elemente und Sinn des Abendmahls selbst setzt schon ein spiritualisierendes Vorzeichen, eine gewisse Wertlosigkeit der äußeren Hülle schwingt immer mit; vgl. »gespeyßt […] mit grüsch oder sprewer wie der Geudisch Sun« Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526), fol. I8r.
44Vgl. Mt 3,12 als Ansatzpunkt für redensartliche Verwendung von Weizen oder Korn und Spreu.
45Refektorium; vgl. BMZ II/1, 587 s.v. rebendal, revental.
46RE3, Erg.-Bd., 643 (Art. Wenth) vermutet unter den »Räten des Herzogs« Weidensee, der im Text nicht erwähnt wird.
47Möglicherweise hat der Erzähler damit nicht ganz unrecht. Aus der Liste der Schreiber Bugenhagen, Acta (1529), fol. D3v–4r sind identifizierbar: Johannes Sclauus = Johann Wenth/Vandal/Slavus: als Johannes »Wenth de Ganderssheym« in Wittenberg 1515/16 immatrikuliert (vgl. AAV 1, 60b), ab etwa 1525 Lektor der Theologie am Kollegiatkapitel der Marienkirche Hadersleben, Mitverfasser der »Haderslebener Artikel« von 1528, enger Mitarbeiter von Propst Weidensee; vgl. Ramm, Wegbereiter, 285–295; RE3, Erg.-Bd. Art. »Wenth«; außerdem Dietrich Becker (eventuell identisch mit dem Prämonstratenser »Theodericus Pistoris« in der Wittenberger Matrikel 1515, AAV 1, 59a), Amtsbruder und Mitarbeiter von Hermann Tast in Husum; vgl. Ramm, Wegbereiter, 281.
48Johann Rantzau (1492–1565), Ritter, Hofmeister des Herzogs und königlicher Rat.
49Hermann Tast (um 1490–1551), Pfarrer in Husum, wahrscheinlich Vikar der Marienkirche, setzte als Hauptpastor die Reformation in Husum und Nordstrand durch; vgl. Göbell, Anfänge, 40f. und Ramm, Wegbereiter, 279–281.
50Vgl. Luther, An die Herren deutschen Ordens (1523), WA 12, 238,32.
51beantwortete. Erst hier wird klar, dass die Vorladung zur Disputation auf einer Anklage wegen Beleidigung der Pfarrerschaft und Erregung von Skandal beruhte, die wie in einem Ketzerprozess ex officio erhoben wurde. Dass der Text kritisiert, Bugenhagen sei sowohl Partei als auch Richter gewesen (siehe KGK 272 (Textstelle)), versteht sich auch von daher.
52Vgl. zu diesem grundlegenden Anklagepunkt Bugenhagen, Acta (1529), fol. A8r (»weil Melchior Hoffman schreibt/ wie wir [die Pfarrer] vns rhumen/ das wir Christum in einn stuck brots zaubern kunnen«) und Karlstadt, Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments, KGK VII, Nr. 277, S. 491 (»[…] ir pfaffen lieget/ denn Christus hat euch nicht befolhen/ das ir seinen leyb/ in eure hostien/ solt zwingen zů kommen«), KGK VII, Nr. 277, S. 492, Z. 2 (»des hern leyb inß brodt […] zaubern«); Ob man mit Heiliger Schrift zu erweisen vermag, KGK VII, Nr. 278, S. 532, Z. 8f.; S. 540f. (konsekrieren bedeute Leib und Blut in Brot und Wein »bringen«); vgl. außerdem die Dungersheim-Anekdote ebd., S. 577. Hoffman bietet hier die sachliche Version der Anklage vom »zaubern«.
53also falsche Propheten.
54sich.
55Vgl. Joh 6,32. »Himmelbrot« nicht bei Luther, aber bei Spruyt, Hoen, 244. Das Kompositum war ab dem 13. Jh. sowohl als Übersetzung von Manna (siehe u. KGK 272 (Anmerkung)) als auch als metaphorische Bezeichnung der Hostie in der Eucharistiefrömmigkeit geläufig; vgl. etwa Seuse, Deutsche Schriften (Bihlmeyer), 303,17. Die erstgenannte Verwendung wird von Luther in einer Exoduspredigt (1525, WA 16, 299,37) vielleicht wegen ihrer erstarrten Formelhaftigkeit verworfen: »Wir Deudschen heissens aus dem 6. Capitel Joannis Himelbrot, aber sie habens Gottes gabe genennet.« In Karlstadts Abendmahlsschriften lässt sich das Wort nur einmal nachweisen. In KGK VII, Nr. 279, S. 624, Z. 13f. wird es wie das zeichenhafte Sakrament selbst scharf abgelehnt als menschengemachtes sakramentliche Brot »von unten«, in dem Christi Leib nicht sein könne, es »lasset sterben«. Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526), fol. F1v (u.ö.) hingegen spricht ungebrochen von »Himmelbrot« als geistlicher Speise.
57sich.
58Knoten; vgl. FWB s.v. Nr. 3; DWb 11, 1476 s.v. 12) a) auch bildlich für »Wirrwarr«, »Problem«. Vgl. redensartlich »Der Knoten ist geschürzt.« Wander, Sprichwörter-Lexikon 2, 1442 s.v. Knoten 3.
59geknüpft, geschnürt.
60Vgl. Auslegung der Abendmahlsworte Christi (KGK VII, Nr. 279, S. 598, Z. 13f.) »papisten/ alte und neue« und pass. die polemische Titulierung Luthers als »neuer Papst«.
62Joh 6,27a (Lesart September- und Dezembertestament).
63Vgl. Joh 6,44, hier zum Aufstiegstopos älterer Vorstellungen von geistlicher Kommunion erweitert; vgl. Rubin, Corpus, 147–149. Vgl. aber KGK V, Nr. 233, S. 346, Z. 4, wo Karlstadt in eine Paraphrase von Joh 6,54 (negativ gewendet) einen »grund irer [derer, die Christum essen] selen« als Ort der geistlichen Nießung einfügt, ohne jedoch mystische Vorstellungen oder gar Modelle der apophatischen Gotteserkenntnis zu implizieren; vgl. zu Taulerschen Vorbildern des Umschlagens von Tiefe in Höhe (Predigtmärlein Vetter Nr. 9, 46,2f. [= Druck 1508, Nr. 13, fol. 33]; »Bruder Wigman« Vetter Nr. 46, 205; der geschaffene und der ungeschaffene Abgrund und das göttliche Nichts nach Ps. Dionysios Vetter Nr. 45, 201,1–13) Ruh, Geschichte 3, 497–512.
66Zum Wort und Zeichen siehe KGK 319 KGK 272 (Textstelle).
67Der folgenden Belegreihe liegt u.a. Luthers Liste der atl. Verheißungen als Parallelen zum Testament des Abendmahls in Sermon von dem Neuen Testament (WA 6, 356–358) zugrunde.
68Vgl. 1. Mose 3,15 und Luther, Sermon von dem Neuen Testament (WA 6, 356,20–25).
69Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. A8v »roͤcke von fellen« – die Protokollanten waren wohl etwas irritiert.
70Vgl. Gal 3,27 nur sinngemäß.
72Vgl. auch Luther, Vom Missbrauch der Messe (WA 8, 516,21–23).
74Vgl. 1. Mose 17,9–14 und Luther, Sermon von dem Neuen Testament (WA 6, 358,37f.).
75Vgl. 2. Mose 12,1–10 und Luther, Sermon von dem Neuen Testament (WA 6, 357,34–358,5). Nach Linden, Hofmann, 140 und Köhler, Zwingli 1, 735 war diese Stelle Zwinglis Lieblingsexempel: sprachlich-rhetorischer Tropus und zugleich erzählerisch-exegetischer Typus (bei Luther »figur Christi« WA 6, 357,34).
76Vgl. 2. Mose 12,7: Luther-Übersetzung: »[…] vnd beide pfosten an der thuͤr vnd die oͤberst schwelle damit bestreichen/ an den heusern/ […]«.
77das Vorübergehen. Vgl. 2. Mose 12,13 Luther-Übersetzung: »Vnd das blut sol ewr zeichen sein/ an den heusern darinn jr seid/ das/ wenn ich das blut sehe/ fur euch vber gehe/ vnd euch nicht die plage widderfare die euch verderbe/ wenn ich Egypten land schlahe.« Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526) (fol. F2r) erläutert die Stelle: »Das lamb bedeutet des Herren übergang/ vnd ist des übergangs ain figur.«Hoffman könnte schon länger durch eine Glosse der Lübecker Bibel (zu Vg 2. Mose 12,5 absque macula) auf die Stelle aufmerksam geworden sein: »de smitte des velles schadet nicht«.
78»unnd das Lamb […] gedechtnis des selben«: möglicherweise eine Paraphrase der Liedverse »Nun was lam nitt der uberschritt/ sonder ein dechtnüs zeychen« in Str. 13 des 1527 in Straßburg als Flugschrift (VD 16 W 177) erstgedruckten Liedes von des Herren Nachtmahl (Anfang: »Es ist die warheyt pracht an tag«, Kontrafaktur von EG Nr. 342); vgl. die Neuedition Beilage 1 zu KGK 307 und Wackernagel, Kirchenlied Nr. 663.
79Vgl. Luther, Sermon von dem Neuen Testament (WA 6, 358,11f.).
80Vgl. 2. Mose 16,35. Vgl. Karlstadt, Auslegung der Abendmahlsworte Christi (KGK VII, Nr. 279, S. 624, Z. 13f.); Spruyt, Hoen, 244f.
811. Kor 10,4. Vgl. zum Argument des Tropus in 1. Kor 10,4 Spruyt, Hoen, 243f.; Luther, Von Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams Christi (WA 11, 435); Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526), fol. C6r; vgl. zu Wyclifs Gebrauch dieses Arguments Spruyt, Hoen, 133 und Burnett, Eucharistic Controversy, 84f.
83sich.
84Das DWb 14, 1676 führt zum Lemma sakramentlich nur Luther-Belege an, die eine dogmatisch festgelegte Wortbedeutung als »den Sakramenten zugehörig« privilegieren. Der Text gibt hier ein eindeutiges Signal, dass er das Sakrament im engen Sinn als ein Zeichen oder eine Zeichenhandlung versteht, also lediglich als äußerlichen, materiellen Teil eines Gnadenmittels.
85Vgl. Mk 14,23f. Vgl. zum Argument der zeitlichen Abfolge auch Karlstadt, Ob man mit Heiliger Schrift zu erweisen vermag (KGK VII, Nr. 278, S. 554, Z. 5–7; S. 558, Z. 19–22); Spruyt, Hoen, 246 (mit Erasmus-Beleg).
86mag/moͤchte: von »mögen«, »mogen« = können, vermögen.
87das alte Lied, die alte Leier. Vgl. DWb 5, 2571 s.v. geige 3) a): »auch wovon einer viel redet oder wie er redet, heiszt seine geige«; so redensartlich nachgewiesen bei Luther, Hans Sachs, Thomas Murner u.a. Vgl. auch Dialogus vom Missbrauch des Sakraments (KGK VII, Nr. 277, S. 457, Z. 19): »[d]ie alte geygen«.
88DWb 10, 2269 s.v. jauch: »interj. der freude und der ermunterung, aus älterem j\^uch«.
89Vgl. Joh 6,63, wobei nur der zweite, unstrittige Satz des im gesamten Abendmahlsstreit weithin in seinem Bezug zu den Einsetzungsworten diskutierten Verses zitiert wird. Vgl. Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526), fol. O8v: »Hierumb so werend die vngschickten ding/ die wir yetz erzelet/ allain gnůgsam/ das wir ain figur der Schrifft solten erkennen/ die der schrifft gmain vnd gebraucht ist/ also das wir sprechen: Der leyb ist ain figur des leibs/ vnd liessen die vngewonte figur der Red faren.«
90Stephan Kempe (gest. 1540), Franziskaner, seit 1523 im Magdalenenkloster Hamburg, ab 1527 nach Austritt aus dem Orden Pfarrer von St.Katharinen. Im April 1528 war Kempe führend an der zweiten Hamburger Disputation beteiligt, in der er gestützt durch eine evangelische Ratsmehrheit altgläubige Pfarrer für ihre Verweigerung des Sakraments in beiderlei Gestalt zur Rechenschaft zog; vgl. Moeller, Disputationen, 130–135.
91Nicolaus Boie sen. (gest. 1542), »Nicolaus Boye odder Boctius der alte aus Ditmarn« und wie Bugenhagen zur Disputation eingeladen (Bugenhagen, Acta (1529), fol. M2v), evangelischer Prediger in Wesselburen; vgl. Köppen, Dithmarschen, 268–270.
92Der Erzähler verwechselt hier den in Flensburg anwesenden Detlef Reventlow (um 1485–1536), Kanzler des Herzogs, mit dessen prominentem Cousin Lüder Reventlow (um 1470 – um 1547), Leibarzt und Astrologe König Friedrichs. Hoffman hatte also tatsächlich außer in seinen drei Begleitern keinen Rückhalt.
93Marquard Schuldorf (um 1495–1529) war seit 1527 als evangelischer Prediger von Friedrich I. an den Dom in Schleswig berufen. Die Acta erwähnen seine Anwesenheit nicht; er starb kurz nach der Disputation am 13. August 1529. S. zur Frage seiner Teilnahme auch Ramm, Wegbereiter, 300; Hein, Spiritualisten, 340f.
94Im Sinn von: der führte eine Menge Ketzer als Beispiele an.
95fangen.
96könnten.
97Ihr; Höflichkeitsform.
98denn.
99Verständnis.
100verfielen sie auf.
101Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. C5r »Gottes macht«; FWB s.v. mogen Nr. 7 u. möglich 5. Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. C5v Hoffmans Replik mit wörtlichen Entsprechungen. Der Text betont, dass die Ubiquität als Majestätseigenschaft Christi nicht zur Debatte steht. Vgl. Luther in WA 26, 329,27–33.
102Führern, Anführern.
104Jakob Hegge, lutherischer Pfarrer der Danziger Katharinenkirche vor der Vertreibung durch König Sigismund I. 1526.
105Deppermann, Hoffman, 116f. vermutet allein auf der Basis der Aussage »gleube nach laut der wort« (Bugenhagen, Acta (1529), fol. D2v), Johannes Barse habe sich als Karlstadt-Anhänger dessen Interpretation der Einsetzungsworte zueigen gemacht.
106Löwe.
107bezog; vgl. Götze, Glossar, s.v.; DWb 31, 1007f. s.v. ziehen auf II) B) 6) b): »sich bilden auf, nach, in«, nachgewiesen bei Luther und im Karsthans.
108Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. D2r–3v: Barse bezieht sich auf »Augustinus in seiner Homelien«, »da er sagt/ es [das Essen] heisse gleuben« (D2v). Vgl. Karlstadt, Ob man mit Heiliger Schrift zu erweisen vermag (KGK VII, Nr. 278, S. 581–583); Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526), fol. L2v. Stephan Kempe fordert, auch ihn zu verhören und zu verurteilen. Er widerlegt ihn dann mit seiner Kenntnis gegenläufiger Augustinus-Stellen. Dass sich Barse auf das eine augustinische Argument verließ, lässt eventuell auf die Verbreitung von Karlstadts oder Oekolampads Schrift schließen.
109Vgl. FWB s.v. mitlerzeit »inzwischen«, »unterdessen«.
110Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. D5v–L5v »beschlusrede«. Die Autoren Hoffman und Karlstadt betonen, dass Bugenhagen hier nicht als Respondent einer akademischen Disputation agiert, der die Argumente beider Seiten zusammenfassend darstellt.
111bemerkte.
112unterbrach er ihn; vgl. DWb 3, 171 s.v. einfallen 6).
113Das Exempel der Mäuse schreibt Bugenhagen in seiner Rede Bugenhagen, Acta (1529), fol. J6r »Sophisten odder Scholastici Doctores« zu. Neben den Mäusen – vgl. Spruyt, Hoen, 245 – werden gelegentlich Ratten, gelegentlich Würmer herangezogen; vgl. Oekolampad, Vom Sakrament der Dancksagung (1526), fol. I1r.
114Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. J5r: »Wenn wir durch das woͤrtlin/ vnglaubige/ Turcken odder Juͤden verstunden/ die von Christus wort nichts wisten odder halten/ sondern spotten vnd lachen es/ so ist es warlich war/ das ein vngeleubiger den leib vnd das blut Christi in diesem Sacrament/ nicht isset vnd trincket/«.
115vermögt, könnt.
116als; vgl. Götze, Glossar s.v. wan.
117zugestanden, eingeräumt; vgl. DWb 32, 500 s.v. 2) c) und g).
118wenn.
119können.
1211. Kor 11,29a. Vgl. Karlstadt, Dialogus von dem Missbrauch des Sakraments (KGK VII, Nr. 277, S. 471; 490); Auslegung der Abendmahlsworte Christi (KGK VII, Nr. 279, S. 624; 626f.) mit dieser Bibelstelle als Argument gegen eine leibliche Realpräsenz.
122Vgl. Röm 14,23 sinngemäß. Hoffman ist klar, dass sich die Stelle nicht auf das Abendmahl bezieht.
123könne.
124sich.
1251. Kor 11,29b; kennzeichnen, erkennen, beurteilen; vgl. DWb 24, 1747–1755 s.v. unterscheiden. Vgl. Auslegung der Abendmahlsworte Christi (KGK VII, Nr. 279, S. 629, Z. 1f.): »untherscheyden/ das ist/ ernstlich und wol erkennen«.
127drei(e).
128Vgl. Bugenhagen, Acta (1529), fol. C5r, also früher im Verlauf der Disputation und gegen Tast gerichtet. Vgl. auch Köhler, Zwingli 1, 794: eine praedicatio identica ließe sich argumentativ nur geistlich halten.
130sondern.
131Vgl. 1. Kor 1,13 in anderem Zusammenhang.
132empfängt.
133denn = als.
134überbringen.
135In Sinn von: noch zwei Nächte zuhause und dann keine weitere mehr.
136Vgl. Lk 9,5 nur sinngemäß.
137wenn.
138Der Schriftverweis geht ins Leere. Der Text zeigt hier keine Übereinstimmungen mit dem Protokoll Bugenhagen, Acta (1529), fol. D1v–2r. Bugenhagen, Acta (1529), fol. N3r–7r zufolge widerrief Jakob Hegge kurz vor Pfingsten in Hamburg gegenüber Bugenhagen selbst seine Flensburger Aussagen und bat darum, dass seine Revokation gedruckt werde.
140wie.
141als.
142wie der Papst.
143Angelegenheit, Fall. Vgl. Götze, Glossar s.v. hand(e)lung: »Verhandlung«, »Kampf«; FWB s.v. handlung Nr. 6: »rechtsrelevante Tat«; FWB s.v. handeln Nr. 2, 3, 7, 10, 11.
144Aus frz. chance, lat. cadentia »Spiel«, »Gelegenheit«, »wechselnde Umstände«, »Winkelzug«; vgl. Wolfram von Eschenbach, Parz. 2,13 »swer mit disen schantzen allen kan«.
146falls, wenn […] denn.
147überhaupt.
148viele von ihnen.
149Die Wertangabe dürfte nur mäßig übertrieben sein. Bailey, Printer, 227 nennt zum Vergleich eine 1492 für 700 fl. angeschaffte Augsburger Druckerei mit sieben gebrauchten Pressen, setzt aber auch eine Inflation bis um 1530 an.

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