fehlt Dyalogus.
von Fremdem glauben.
Glauben
der kirchen.
Tauff der Kinnder.
Jetzund neu außgangen.1
M. D. XXvij.
fehlt
Personen so reden/ seind Prosper und Felix.2
Lieber brůder/ ich werde verursacht dir mein gmůt zů entdecken/3 dann ich eynen grossen zweifell hab/ von wegen ettlicher Artickell/4 welche nahe zů Gott gehen5 unter den vermeynten hochgelerten.
Sage die selben artickel her.
Eyner ist Ob frembder glaub selig mach/6 Der ander: Was frembder glaub sei. der dritt: Ob die unvernunfftige kinder in irer Patten glauben selig werden. Der vierd: Ob die kinder den glauben haben moͤgen?7
Lieber Prosper/ wo komestu8 zů der frag/ die jederman fuͤr gewiß helt?
Die neu teutsch gedruckte buͤcher9 geben mir ursach an vilen articklen zů zweiflen/ welchs10 die hochgelerten fuͤr schlußred11 setzen und mit iren zaͤnen vertedigen.12
Du solt es lieber nitt lesen.13
Gott wolt uns grosse und sunderliche gnad
fehlt erzeygen/ und gab
uns sein gesetz und wort/ und wolt das wir seinem wort tag und nacht
nachforscheten/14 derhalben
wißt ich nichts zů schonen/ ich hab gelesen und bin voller zweiffels worden.
Du solt glauben.15
Der glaub setzt sich nicht auf ror16 noch menschen/17 sonder auff eynen harten und sichtlichen velsen.18 Das machet das ich der menschen erklaͤrungen nit glauben geb/ ehe ich die lauter warheyt ansehe.
Du soltst den verstendigen billich19 glauben.
Eyn narr ist behend und leichtfertig jedem zů glauben/20ich aber wil deß Herrn radt volgen/ und sein als eyn schlang/21 thorheit ist verthuͤmlich/22 deßhalb wil ich nit jedem glauben/ auch sihe ich das die hochgelerten eyn rede Gottes wol in dreierley weyse außlegen/23 derhalben darf ich in24 nit wol vertrauen/ so weyß ich auch wol das Got eym unachtbaren ehe ettwas offenbarn thůt denn25 den achtbarn.
Du soltest deinen zwei
fehlt
fel bei dir behalten.
Ich rathe halt deinen zweiffel.29
Ich můß außreden30 und kan nit schweigen/ wem ich zů nahe bin/ kan ers/a so still er mich31 mit gesuͤndern worten.
Was sein das fuͤr wort?
Goͤtliche/ von welichen Paulus spricht: Eyn Bischoff sol also gelert sein/ das er die widersprecher mitt heylsamer leer uberwinde/32 oder die ungelerten/ als ich bin/ mit goͤtlichen worten underweise.
Ich wolt du hettest eynen andern angsprochen.
Du můst fuͤrt faren33 mit mir/ und mich so vil berichten als du vermagst/ mehr begehr ich nit.
Das frembder glaub selig mach/ ist meins verstands vast liecht34 unnd unleugbar/ dem/ der die schrifft liset/ wie du dich ruͤmest.35
Ich ruͤme mich nit meins lesens/ sonder klag meinen zweifel und unverstand/ und sag
nachmals/ das mirs
fehlt
fast36 schwer ist zů glauben/ ob der frembde glaub in Gots reich
bringen moͤg.37 Das du sagst: Es
ist mir fast liecht: hab ich auch bei andern vernommen/ das liecht aber das sie38 sol gwunnen haben/ ist bei mir nit
so starck das michs auff euern won39 bring. Nů es sei deß liechts oder meinerb augen schuld/ so halt ich an und bit dich du woͤllest mir die
liecht schrifften fuͤr40 meine
augen stellen.
Wie offt stehet geschriben: Dein glaub hat dich selig gemacht.41
Dadurch verstehe ich/ das der glaube eynen jeglichen selig mach/ der sich darinne ubet/ und nit also/ das dein glaub eynen andern selig mache/ als wenn ich zů dir spreche: Dein pferdt hat dich her getragen/ das kuͤnd ich also nit vernemen: dein pferd hat eynen andern her gebracht.
Mich dunckt du woͤllst die sach zů sehr außegken.42
Neyn/ laß aber uns beyd der warheyt nacheilen.
Ich wil schriften gnůgsam fuͤren/43 das der frembde
fehlt
glaub
eynen andern selig mache.
Trag fuͤrher bald44 was du weyst.
Ich nem das namhafftig geschicht deß heydnischen weiblins/ welch durch iren eygen glauben irer unglaubigen tochter gesuntheyt erwarb.45
Du můst klar reden.
Dise antwurt Christi ist klar unnd hell: O weib/ dein glaub ist groß/ dir geschehe wie du wilt.46 Sihe die tochter hett eynen boͤsen teuffel und war unglaubig/ und ist keyn ander anzeyg vorhanden/ denn das sie von Gott gewuͤntscht hab deß teuffels ledig zů werden/ jedoch erwarbe ir die můtter durch iren eygen glauben/ welcher der tochter frembd war das Christus ire tochter vom teufel entledigt. Merck auff das Christus spricht: Dir geschehe wie du wilt/ der frembd glaub kan alles erwerben das er wil.
Dise wort: wie du wilt:47
bedeutten nit eyn wilden glauben/ der uf nichts achtung hat/ sonder einen
glaubhaftigen willen48 oder
willigen glauben/
fehlt
der ettwas im sinn und hertzen gefasset
hat.
Was?
Die frau wollte das ire tochter erloͤßt wuͤrde von dem teuffel/ und ir will war im glauben auff außtreibung deß teuffels gerichtet/ und Christus sprach: Dir gschee wie du wilt/ das deine tochter werde deß teufels ledig/ und in der selbigen stund ist die tochter gesundt worden wie der text sagt.49 Dem auch ist gleich das Christus sprach zů zweyen blinden/ euch geschehe nach euerm glauben.50
Gleich wol hat das der frembd glaub vermocht/ dann Christus zelet51 der frauen glauben darumb groß/ das sie im glauben Christum uberwand/ alß52 Jacob Gott zů Bethel.53
Stehts nit alhie: dir geschehe wie du wilt?54
Heyßt das selig machen?
Nů/ ich sehe das du der sonnen liecht am hellen tag begerest/55 darumb wil ich dir gar helle wort fuͤrlegen.
Ich wart
fehlt
deiner.
Eyn weib het den blůtgang zwoͤlff jar und greyff deß Hern saum an und ward selig/ Christus sprach: biß56 getroͤst/ dein glaub hat dich selig gemacht.57
Ich zweifel aber in zweyen stucken/ nemlich/ das du von dem eygen glauben redst/ und soltest mir eynen unverdeckten text zeygen/ von frembdem glauben/ das er selig mache. Fuͤr das ander gefellt mir Martini dolmetschen58 am besten/ der also die zungen59 verteutscht hat/ dein glaube hat dir geholffen/60 helffen und seligmachen ist zweyerley.
Luther ist auff meiner seitten.
Das laß ich menigklich erkennen.61
Die griechische zunge helt also: Dein glaub hat dich selig gemacht.62
Was ligt mir dran? bring mir unverwickelte schriften.63
Das eyn seligkeyt im glauben stehet64 der zeitliche gesundtheyt erwirbet/ lert diser text Christi/ der von dem
blinden saget den er sehend machet: Dein glaub hat dich selig gemacht.65
fehlt
Das auch frembder glaub selig machet/ bekent Jairus eyn fuͤrst66 der Juden/ der zů Jesu bittend kam und saget: Herr
kom und leg dein hand auf sie/ auff das sie selig sei und lebe.67
Wie aber wenn ich sagte/ das dise wort ungericht68 sind/ und das du nach nit beweiset69 hast das der Jairus wol geredt hab.
Red nur goͤtliche warheyt/ der ich vast weiche73 und begirig bin.
Christus spricht selbs: Glaub nur so wirt sie selig.74 Christus sprach das zů jetzt genantem Jairo das er glauben solte/ so wuͤrde sein tochter selig/ weliche tod war und keynen glauben hett.
Du redest mir vil von selig werden/ und von der seligkeyt frembds glaubens/ ich aber
sag das Martinus also verteutscht hat:
Glaub nur/ so wirt sie gesund/75Gesund werden und selig werden ist zweyerley/ Das beweißt die hystori von den
x. aussetzigen/ der76 ix.
fehlt
gesund und nit selig wurden.77
Luther hat die kriechische zung můtwilliglich unrecht verteutscht.
Es ist war.
Wie aber dem allen/ werde ich dennocht sagen/ das der frembde glaub nit seligen kan/ von warhafftiger seligkeyt zů reden.79
Eyn gemeyne80 seligkeyt/ von welcher geschriben steht: Du wirdst menschen unnd vihe seligen.81
Ist dise seligkeyt nichtes?
Es ist eyn seligkeyt der seligen die vil unseligkeyt haben/ und deren eyn teyl nimmermer selig werden.
Nenn sie.
Ochsen und pferd/ ecker und wisen/ lufft und wasser/ haben eyn solich seligkeyt/ wenn
sie ir natuͤrlich wesen fuͤrn/ und werden dannocht nit selig. Auch gibet Gott zů
zeitten den unglaubigen solche seligkeyt/ nach der ler Christi: Mein vatter laßt seine
Sonn uber gůtt und boͤse scheinen/
fehlt
Er laßt auch seinen regen
zů gleich/ auff der gotlosen und gotverstendigen aͤcker und wisen trieffen.82
Seind der etlich unglaubig?
Ja/ unnd also greulich wider Gott/ das sie zů holtz und steynen/ und zů den feldteuffeln83 lauffen/ und sprechen zů dem holtz oder steyn: Du bist mein vatter/ Du hast mich erhalten/ du hast mich gespeiset/84 und unkeuschen mit den verfluchten goͤtzen/85 in welchen weder geist nach athem ist/86 das thůnd sie aus irer ottergallen und trachen blůtt.87
Du wuͤlt mir auff die deutten/88 von welichen der prophet Osea vil klagt und beschuldigt sie/ sagende: Ich hab sie gesundt gemacht/ und sie verstehen mich nit/89 Ich hab sie erloͤset/ und sie reden luͤgen wider mich/90 Ich lere sie und sterck ire arm/ und sie sagen boßheyt von mir.91
Mir ist es unmuͤglick zů glauben das eyn solicher selig sei.
Eyn solcher ist warhafftiglich unseliger dann der unselig esel Jesa. i92
fehlt
Weil nun Gott nichts minder solichen bůben93 ir leben/ speiß und kleyder bescheret/94 so macht er sie mit solicher vergencklicher und viehischer95 seligkeyt selig.
Es ist war.
Gesuntheyt ist auch eyn soliche seligkeyt/ weliche Gott frommen und boͤsen bescheret.
Ich můß das zůgeben.
Darumb soltestu nit durch soliche exempel beweisen/ das der frembde glaub selig mach.
Die weil das wort selig/ in der schrifft stehet/ wißt ich nichts daran zů schonen.96
Wenn du diese wort (dein glaub hat dich selig gemachet) gruͤndtlich ansehest/ wirdestu finden/ das dise seligkeyt fuͤr nichts ist zů rechnen/ die eusserlich stehet in vergengklichem leben/ narung/ gesundtheyt/ kleyder/ etc. gegen dem erkantnuß im glauben/ dadurch Gottes gunst erkant wirt.
Was ist das gesagt?97
Das der glaub gibt dem menschen eyn groͤssere seligkeyt/ wenn der
mensch verstehet das Got alleyn
fehlt
hilfft und helffen wil/
denn/98 wenn er huͤlff
erlangt. Was ist das/ das Meuler99 und pferd von Gott selig werden so sie on verstand bleiben/ und nichts
erkennen.100Gott beklagt sich deß gar vil/ das er seine suͤn erhoͤcht/101 und das sie inen102 nit erkennen/103 derhalben ist das erkaͤntnuß der gaben edler und
besser und Gott behaͤglicher/104 denn die gaben.105
Ich bin noch ungsetiget.106
Wenn Gott gesundt macht auff frembden glauben/ so entpfaͤht der eygen glaub mehr dann der frembd.107
On exempel lern ich heut nichts.
Die den wassersuͤchtigen und gichtbruͤchigen in irem glauben zů Christo brachten/108 die erlangten mehr in irm eygen glauben denn109 die zwen krancken die Christus gesundt machte inn frembdem glauben.110
Was?
Die trugen und sahen das Christus von ires glaubens wegen was thet/ die wurden
versichert das ir glaub rechtgschaffen war/ das vil mehr war dann eyn leipliche
fehlt
gesundtheyt/ alß auch Christus sein macht auch durch eyn
eusserliche gesundtheyt/ die minder was/ beweyß/111 das er suͤnd vergeben kuͤnd. Wilt du eyn gefuͤglicher
exempel112 haben/ so nim das
von der purpurkraͤmerinn Lydia genant/ die sprach:
Weil ir es dar fuͤr achtet das ich glaubig bin/ so kommet inn mein hauß.113
So hoͤre ich das der zůgang und zůnam deß innerlichen eygnen glaubens besser ist denn die eusserliche seligkeyt.
Ja/ dann Petrus spricht/ das Gott mit eusserlicher seligkeyt den namen Jesus befesten114 thůt/ das Jesus namen alleyn der ist/ inn welchem eyn jeglicher selig wirt/ der in anrůfft/115 darauß je116 volget/ das die eusserlich gesundtheyt deß lamen/ der viertzig jar lam war/ den Petrus gerad macht/117 eyn zeychen unnd beweisung war/ das inn dem namen/ Jesus/ warhafftige seligkeyt dem anrůffenden bescheeret wuͤrde.
fehlt
Was ist warhafftige seligkeyt?
Vergebung der suͤnd/ kunst118 Gottes/ alß Zacharias sagt/c zů geben die kunst deß heyls/ etc.119
Petrus zeucht das alles auff den namen Christi.
Recht.
Ich verstehe es nit.
Der namen Christi ist eyn bruͤnstig120 erkantnuß Christi/ der das hat/ der můß selig werden.121
Du sagst/ das alle die jhene in irem eygen glauben gebessert werden/ die andern leutten etwas durch iren glauben erwerben.
Ja/ wenn sie nichts erlangten dann eyn volle freud/ es wer dennocht ettwas grosses/ das die engelische freud leret/ so sich die engel von wegen eyns bekerten suͤnders erfreuen.122
Gleich wol bestehet/ das der frembde glaub andern leuten etwas erwerben kan.
Warumb nit? Bitten wir doch umb regen/ graß/ und allerley/ und Gott gibt unsern
aͤckern und wissen das gewaͤchß/ und dem viehe gesuntheyt/123 der doch keyns eyn warhafftige
fehlt
seligkeyt an sich nemen kan.
aber uns zů gůt.
Verstehen wir Gotts guͤte/ so ists uns zů gůt und innerlicher seligkeyt/ verstehen wirs nit/ so ists uns nit mehr nutz denn den aͤckeren und kaͤlbern/ So ists mit der gesundtheyt/ die Gott offt on frembden und eygen glauben gibt.
Alß124 dem blinden den Christus on glauben sehen macht/125 und dem geboren lamen den Petrus gerad macht/ wie wol der lam auf golt hoffet.126
Das ist recht. Ich halt das Christus den eynigen sun der verstorben war eyner witwen/ on frembden und eygenen glauben/ aufferweckt.127
Laß mich darnach sehen.
Also wolt ich dein meynung kurtzlich außreden:128 Frembder glaube kan wol gemeyne und schlechte129 seligkeyt erlangen/ das aber der frembde glaub eynen andern mag Got behaͤglich oder angnem und zům freund machen/ wiltu nit glauben.
Bewegt dich gar keyn schrift zu dieser
fehlt
meynung.
Ja.
Welche?
Diese:dDie augen Gots sehen an den glauben/130 dann alß131 wenig ich deinem leben lebe/ so wenig kan ich in deim glauben gerecht sein/ in meim eygen glauben leb ich und bin gerecht/ und eyn jeglicher ist inn seinem glauben fuͤr Gottes augen angenem/ lebendig unnd gerecht/ alß geschriben stehet: Der gerecht wirt in seinem glauben leben. Dein gerechtigkeyt fleußt aus deim glauben132 der in dir ist und dein eygen ist/ und nit mein oder eyns andern.
Hett Gott die tochter deß Chananeischen weiblins kuͤnden133 gesund machen in dem glauben irer můter/ und darzů die tochter hassen?134
Warumb nit? wol/ hetten wir zeit/ wolten wir wol exempel her legen aus der Biblien/ das Got den boͤsen gůt thůt unnd auch irer verschonet hat umb der glaubigen willen.135
Aber Gottwirdigkeyt beyder seiten/ gschihet136 nit on lieb und glauben.
Das ist ein unbekante sprach.137
Sie ist e
fehlt
vangelisch/ und bedeutt/ das keyner Gott annimpt
dann in seinem eygen glauben/ in seiner eygen lieb/ Wider umb wil Gott auch keynen
annemen der inen138 nit erkent
und liebt/ wie im anfang gsagt ist.139 Imm propheten Ezechiel lesen wir:
Wenn Noha/ Daniel und Job imm mittel stuͤnden/ und
wolten die boßhafftigen erloͤsen/ das sie weder ire suͤn noch toͤchter wuͤrden
erloͤsen/ sonder sie moͤchten sich in irer eygen gerechtigkeit erloͤsen.140Ist aber
das war/ můß das auch war sein/ das frembder glaub weder den kinderne nach141 andern dienen kan/ sie von irer boßheyt zů
bringen.
Mich wundert fast der frembden gleuber/142 die sovil feiertage und wunderthat143 dem frembden glauben
zůschreiben/ das sie nit Christus wort betrachten: welcher nit an mich glaubt der ist
gericht/ welicher aber glaubt der wirt nit gerichtf.144 Wie
mags gesein das er seinen sun/145 der eyn kind deß zorns ist geboren/146 selig machet/
fehlt
wenn sein Patte nit
glaubet. Ist es auch muͤglich das eyner on den eygen glauben an Christum/ Christus
freund und brůder werd?147
Deß bin ich gewiß/ das eyn jeglicher der selig wil werden/ der můß das sehen in Christo das die Apostel sahen.148 Aber die unmuͤndigen kinder sehen mit augen und verstehen nit das sie sehen/ in der summ: sie seind alle unweise so vil ir ist/149 wenn sie Gott nit wunderbarlich weiß und klůg machet/ als Johannem den teuffer in můtter leib/150 Jeremiam151 und etlich andere/ Darumb ist ir keyns geschickt zům eingang in Gotts reich.152
Das ist erschrecklich und unglaublich/ das die getauffte kinder in frembdem glauben nit in Gottes reich gehen.
Das aber ist war.
Neyn/ ehe sie aber eyn gewaͤchß Christih werden/154 muͤssen sie
aller irer kraͤfften sich schemen/ und in grossen haß eygner selen
fehlt
komen.155
Das seind je156 die wort Christi/ aber dise red Christi steht mir im wege: Es sei dann das ir werdt als der jung/157 den Christus ins mittel stellt/ so kuͤndt ir nit in Gotts reich gehen/158 Sollen wir alten159 anfaͤncklich werden als eyn junges kind/160 so haben die unmuͤndigen eynen grossen vorteyl zůvor/ die bereyt sind als wir alten161 werden muͤssen.
Die alten muͤssen aus bedacht/ fuͤrsatz162 unnd gůtem willen werden als kinder/ die von iren kraͤfften nichts halten nach verstehen moͤgen/163 das ire kraͤfft kraͤftig seind.
Dise red bedarff eyns liechts.
Die alten muͤssen in die hoͤchste tieffe/ und allerkleynste kleynheyt und niderkeyt aller kraͤften steigen/ und sich drinnen nidersetzen ehe sie sich auffrichten oder auffstehen/ zů gehen in Gotts reich.164
Nů hoͤr ich das wir abnemen muͤssen und kleyn werden ee165 wir groß werden/ und das die aller geringste und
mindste/ die aller achtparsten unnd
fehlt
groͤsten sind in Gots
reich/ wie dann das Christus selber geredt hat.166
Das ist war/ fasse dise wort: Es sei dann das ir euch umbkeret und werdet wie die kinder/ so werdet ir nit in das himelreich komen/167 Das wort umbkern will eynen haben/ der sich aus goͤtlicher weißheyt und gůtem willen umbkert.168 Deßgleichen das wort: und werdent wie die kinder/ die auch eygen verstandt und willen darzů haben.
Seitenmal169 im text volgt: wer nun sich selbs nidert/ alß diß kind/ der ist der groͤste im himelreich.170 Aber mein Prosper/ ich stehe in tieffem zweiffel/ was fuͤr eyn kind das gewest sei von dem Christus redt.
Daz weyß Christus am besten. Es moͤcht sein das Christus eyn kind ins mittel171 der Apostel gestellet hett/ und seinen Aposteln eyn exempel geweißt/172 daraus sie eyn gleichniß nach dem teyl und nit nach dem gantzen ziehen solten.
Das wil ich ferner hoͤrn.
Das heyß ich eyn gleich
fehlt
nuß nach dem teyl/ das in eym stuck
oder zweyen gleich ist/ aber nit durchaus oder allenthalben/ Der aber haben wir vil.
Christus hat uns die schlangen und tauben zům gleichnuß nach teylen gesetzt/173 und nit nach dem gantzen/ das
teyl dem wir gleich werden sollen in der schlangen/ ist fuͤrsichtigkeyt174 oder gescheidigkeyt/ in der
tauben eynfeltigkeyt/175
weitter haben wir nit zů suchen/ Wir wuͤrden auch betrogen wenn wir der schlangen
eynfeltigkeyt und andere sitten ansehen und annemen woͤlten/ deß gleichen doͤrffen wir
in der tauben nit mercken ire gescheidigkeyt/ dann wir wuͤrden betrogen/ und volgten
der leer und gleichniß Christi nit nach. Der ursach halben sind vil exempel und
gleichnuß in der schrift nach teyln und nit nach irem gantzen/ so auch moͤcht uns
Christus eyn gleichnuß von eym kind geben han/i nit das176 wir allerley sitten und eigenschaften der kinder teylhafftig werden sollen/
fehlt
sonder eben hoͤren das stuck und den artickel den uns Christus
benennt/ und zů eynem exempel fuͤrhelt/ dem nach wer es nit gůt wenn wir unverstendig
wuͤrden als177 kinder/ alß uns
nit ungůt wer/ so wir alß kleyn kraftloß/ unfuͤrsetzige178 kinder wuͤrden/ denn es stehet geschriben/ ir
solt nit kinder werden im sinn und verstandt/ sonder kinder in der boßheit/179 das ist/ on boßheyt unnd arge
list/ alß kinder seind. Das alles hab ich nit gesagt/ das das kind/ welchs Christus
ins mittel gestellt/ unweiß und unglaubig gewesen sei/ dann das stell ich dem anheym
der das beruͤfft.180
Das hoͤr ich vil lieber/ denn wo du schlecht181 geschlossen hettest/ dieweil ich im text sehe geschriben/ das Jesus eym kind rieff/ darauß flecht ich/182 das das kind nitt unmuͤndig gewest oder unverstendig/ sonder ettwas auffgewachsen/ das gehoͤrt hat.183
Ich betracht auch das/ das Christus dem selbigen kind den
fehlt
glauben zůmisset/ wiewol verdeckt.
Du meynst dise red Christi: Wer eyn solich kind auffnimpt inn meim namen/ der nimpt mich auff/ wer aber aͤrgert diser geringsten eynen die an mich glauben etc.184
Ja/ dann aus disen worten nem ich ab185 und vermůt / das das kind glaubig ist gewest/ und das es sein vernunfft gebraucht hab sonst hetts niemant aͤrgern moͤgen/186 Derhalben/ achte ich/ das Christus von der warhafftigen demůt und aller geringsten niderkeyt geweißt hab alß er eyn kind hiesch und ins mittel stellet/187 Dadurch ist ungezweifelt der groß bitter außgang188 aller kraͤfften und verzicht aller staͤrck angezeygt/ von welcher Moses und Christus und Paulus an vil enden189 und offt reden/190
Recht/ Was sagstu aber dazů/ das Christus dannest191 eyn gemeyne192 rede gesetzt hat/ nemlich dise: Es sei denn das ir werdt wie
die kinder/ so wer. etc.193
Item: Wer der geringsten eynen aͤr
fehlt
gert/ etc.194 Dise wort lauten in gemeyne auff
alle kinder.
Was hindert das/ weils klar ist das Christus von dem freiwilligen umkeren und neuer kindtheyt/ und selbs erwoͤlter niderkeyt redt/ aller kinder die da seind/ als195 das kind war das er ins mittel196 stellet.
Seind alle kinder also.
O neyn/ dann ettliche seind in můtter leib verstossen/ ettliche werden in iren
tagen197 voller boßheyt/ und
verlassen sich auf ire inwendige glider/ alß ist ire vernunfft/ weißheyt/
subtilheyt/198 will/ sterck/
rath/ unnd dergleichen. Christus erkante alle personen jung und alt/ und war im199 nit von noͤten/ das im eyn
mensch durch gezeugnuß gelobet und beweret200 werd. Er wißt wol was im menschen war darumb hat sich keyner
aus seinenn jungern oder Aposteln understanden der gleichen zů thůn/ das Christus
gethan hat. Die auch unmuͤndige kinder zů Gottes reich annemen/201 die
fehlt
greiffen
Christo in seine freiheyt/ und in sein sunderliche202 macht/ und woͤlten auch wissen was in andern menschen ist/ wie
wol sie sich selbs nit so wol erkennen/ das sie wißten was inn inen ist.
Verstehe ich dich recht/ so hast du disen verstand/ das keyn kind vor gebrauch seiner vernunft/ das ist/ ee es hoͤren/ vernemen und glauben kann/j zů der tauff solte zůgelassen werden/ obs gleich hundert patten hett. Du wilt auch/ das diser nechstgehandelt text den kinderteuffern keynen grund ires thůns gibt.
Das wil ich.
Sie aber haben eynen andern text/ nemlich: Lasset die kleynen zů mir kommen/ dann das reich Gottes ist ir.203
Es seind drei stuck/ weliche Martinus
Luther gemachet hat/ die mich uber die maß verdriessenn/ under welichen ist
eyns/ wiewol das geringeste/ das Martinus
Luther die geschrifft unbestendigklich einfuͤret/204 dann inn dem so sehe ich eben
fehlt
sein unbestendigkeyt/ das er jetzt gemelten text wider den grossen loͤffel
Coclyres205 in der meynung
gebraucht alß hett Christus befolhen/ das man die unmuͤndigen kinder/ die weder gehen/
noch hoͤren oder vernemen/ und glauben moͤgen/206 solt zů der tauff lassen komen/207 Aber darnach legets der Luther also aus: Lasset die kinder zů der schůl komen und
drei zungen leren.208
Ist es nit eyn eyniger und bestendiger sinn/209 wenn er spricht: Laßt die kinder oder kleynen zůr tauff komen/ unnd zů der schůlen komen.
Zů der Papistischen tauff/210 welche die kinder so211 frisch aus můtter leib kriechen/ taufft/ darff212 man weder eygen sinn noch vernunft noch willen haben/ Aber zů entpfahen Gotsreich/213 můß man Christum erkennen.
Das were wider Petrum214 unnd Paulum und alle Apostel/215 und sonderlich wider / der die tauf durchs absterben unsers
eygenthums außlegt.216
fehlt
Auch machten wir inn der weiß eyn gespoͤtt aus der tauff/
das aͤrger und groͤsser were dann Simon der
zauberer/217 aber das
laß biß zů seiner zeit berůwen/218 und sag mir ob die kinder etwas mehr zů der schůl denn zůr tauf
bedoͤrffen.219
Mein taglang hab ich nie gesehen/ das eyner eyn kind frisch geboren in eyn schůl hett lassen tragen/ ettwas drinnen zů lernen/ wens220 aber eyner thet/ wuͤrd jederman eyn gespoͤtt ab im221 haben/ und er wuͤrd allen unkost und muͤhe verlieren.222
Du thůst dem Luther unrecht/ denn er schreibt je223 nit das wir unsere kinder in die schůle schicken sollen ehe sie anfahen224 verstehen und underscheiden/ wenn aber die kindlin vernemen moͤgen/225 alß dann hab Christus gesagt: Laßt die kinder zů mir komen.226
Das ist das ich klag/ nemlich/ das Martinus bestendiglich das alter der kinder in den fuͤrgelegten worten Christi
solt außgelegt haben/ und nit227 eyn
fehlt mal also/ das ander mal anderz darvon reden/
wens228 die tauff belangt so
sollens unmuͤndige kinder sein/ die vor ettlichen stunden oder tagen inn die welt
komen sein.229 Es ist je
greulich zů hoͤren das er230
inn den sachen so den glauben und lieb Gottes betreffen so leichtfertigklich schreibet
und voller wanckelnus231 ist.
Mich befrembdt auch das er Christum zů eym schůlmeyster der jungen kinder machen will
der das a. b. c. sol gelert haben.232 Ich hab es bißher darfuͤr gehalten/ das Christus gearbeyt hab mitt seinem
vermeynten vatter Joseph/ welcher eyn
zimmerman war/233 Als aber
Christus angfangen hat zů leren/ da hat er seiner sendung nach/ Gott den vatter
offenbar gmacht.234
Es laut so hin/235 wenn eyn christ sich laßt feindschaft uberwinden/236 und braucht sein schwert/ das ist/ Gots wort237 unredlich/ und schleget mit luͤgen oder betriegniß238 und nit mit heylsamer ler.239
Ich wolt/ dem
fehlt
Luther gegoͤnt und gwuͤntscht haben das er
imm buͤchlin wider Hans loͤffeln240 das alter der kinder nach der zeit hett außglegt/ als ers241 imm buͤchlin von den schuͤlen
außlegt.242
Durch welchen grund ward Martinus bewegt zů schreiben/ das man die kleynen frischgeboren kindlin teuffen moͤcht.243
Durch disen/ das Christus sprach: das himelreich ist solcher.244 Luther heyßt das tauffen/ das Christus also redt (laßt sie zů mir komen).245 Die ursach aber/ das die kindlin zů Christo mochten getragen werden/ das ist/ das sie getaufft werden moͤgen/246 steht in dem/ das Gots reich solcher ist.247
Das ist mir neu und unerfarn/248 das eyn ding ist249 zů Christo komen und von Christo getaufft werden.
Legt inen doch Christus sein haͤnd auff.
Du solst auch wol narrn250 und sagen das ein ding ist/251 haͤnd uff eyn kind legen und eyn kind tauffen.
ich achts fuͤr weißheyt und keyn torheyt.252
Sihe/ so wiltu das Christus getauft hat/
fehlt
wider den text
Johannis/ der do spricht: Jesus tauft nit.253 Laß uns auf unser ban fort gehen/ und uns von der ursach
besprechen/ nemlich von dem himelreich oder reich Gots alß254 Lucas redet.255
Rede du/ ich wil zůhoͤren.
Luther sagt: Ist Gotes reich der kindlin/256 so haben sie den glauben/ so mag man sie redlich tauffen.257
Ich meyn das Martinus abermals wider sich selbs sei.
Wie so?
Wenn die kindlin den glauben selbs haben/ und eyn jeglichs sol auff den glauben getaufft werden der in im ist/ so wirt das258 fallen/ das Martinus sunst saget/ das die kindlin auff den frembden glauben irer patten sollen tauft werden/ und koͤnnen den eingang in reich Gottes erlangen durch frembden glauben.259
Wo er so wancken woͤlt/ und alle reden Gottes beugen als wachs/ wer es mir faͤrlich hinfuͤrter260 auff den Luther zů bauen.
Sihe die blosse warheyt an/ und bau
fehlt
auff Gott/ der ist
redlich und unbetruͤglich.261
Nun wolt ich aber gern seinen grund besser verstehen.
Es ist klar/ das Gottes reich solcher ist.262
So hoͤre ich263 das Gottes reich aller kinder ist die zů der tauff kommen/ woltstu das reden/ wolt ich dich wol mit tausent schrifften264 uberwinden/ das du inn halß luͤgest/265 Künd nit eyn můtter zů gleich zwey kindlin tragen/ eyns zů dem verthümnuß/266 das ander zům reich Gottes/ alß267 Rebecca Esau und Jacob trůg/268 unnd kuͤnd geschehen/ das sie beyde getaufft wurden/ woltestu sie beyde selig machen? wider das: Wee euch/ die ir die ungerechten gerecht machet.269
Jetzt ist es zůvil und hoch/ Ich glaub dir das die tauff nit selig macht/ dann es ist
eyn eusserlichs arms bad/ wo der glaub nit in der selen steckt/ der270 auch die erloͤsung dem wasserbad
gebe/k271 der wuͤrde das leiden Christi zerstoͤren unnd
auffheben/272 Ich wil dir
aber sagen/
fehlt
wenn sie glauben und sterben so bleiben sie
lebendig.273
Das ist warlich war/ wenn die unmündigen kindlin glaubten so blieben sie in Gott lebendig wiewol sie im fleysch abgangen/274 aber da ligt der knodt/275 ob die unvernünfftigen kindlin glauben.
Gottes reich ist nur der die es glauben/ ist es der kinder gewest die man zů Christo trůg/ so haben sie eynenn rechten glauben gehabt.
Alle die sich wolten lassen tauffen in der Apostelzeit die můsten iren glauben eusserlich/ durch verkuͤndigung Christi zeugen und die Apostel wolten auch keyn unvernunfftig kind teuffen/276 als darauß zů verstehen ist/ das sie den glauben von denen forderten die sie taufften.
Luther saget das die unvernuͤnfftige kinder iren glauben durch heulen und weynen/ essen unnd trincken anzeygen.277
Ja gleich alß278 die alten
vetteln reden/279 wenn die
kindlin im schlaf lachen/ so sehen sie die
fehlt
engel und
kurtzweilen mit inen.280
Was spottestu/ ich meyn du schwermest.281
Wenn Martinus wider mich schrib/ oder ich wider in/282 unnd wolte durch obeneingefürte schrifft/ nemlich dise: solicher ist Gots reich283 beweisen/ das die unvernünfftigen kinder eynen rechten glauben hetten wuͤrd er bald sprechen: Es stehet nit geschriben das reich Gotts ist ir/ sonder: solicher. Nun seind es zweyerley woͤrtlin (ir/ unnd: solicher) Ich aber laß es in der feddern bleiben/284 und sage noch/ das die Apostel keyn unmündig kind getauft haben/285Wenn aber sie gewißt hetten/ das sie Christus durch soliche wort: Lasset die kinder zů mir kommen/ gewoͤlt hett das sie unvernünfftige kinder tauffen sollten weren sie on zweifel Christo gefolgig worden.286
Christus hat schaͤrpfer augen gehabt und in die inwendigkeyt gesehen/287 als Got in můter leib sihet ob
in288 eyner erkent/ das
vermocht keyn apostel.289
fehlt
Da redestu recht/ darumb sollten wir auch die tauff nit schenden/290 und on underscheyd und on erkuͤndigung deß glaubens291 tauffen.
Wo der glaub ist da beweiset er sich/ wenn er die stimme deß breutgams hoͤret/292 alß Johannes der teuffer in můtter leibe aus freuden auffsprang/ da er den grůß Marie erhoͤret.293
Derhalben solten die teuffer zůuor sich deß glaubens erkuͤnden in dem den sie teuffen woͤlten/ ehe sie in taufften.294
An eynem andern ort lese ich/ das Christus spricht: Du hast es den unmuͤndigen offenbart/295 Ich achte aber das die unmuͤndigkeyt desselben orts296 thorheyt bedeutte/ alß297 lateinisch heysset man die ungelerten und unweisen/ infantes.298
Far fort.
Im griechischen ist eyn woͤrtlin: Nipios/ das bedeutt eynen unmündigen oder kleynen/
und ist noch heuts tags zů vermůten/ das Christus von den leuten rede/ die dabei der
welt kindisch/ kleyn/ geringe/
fehlt
eynfeltig und naͤrrisch
seind/299 wie auch Paulus sagt/ das Gott die naͤrrischen und schwachen
diser welt erwelet hab/300 So
wuͤrd es sich noch dahin ziehen/ das Christus eynfeltige und naͤrrische kinder gemeynt
hab/ wie auch Christus der prophecien Jesaie
brauchet/ und spricht: Ich werd die weißheyt der weisen verderben/301 Wil mans aber auff die
unmuͤndigkeyt deß alters oder jugent ziehen/ wirt klerlich volgen/ das die kinder
durch iren eygen glauben/ Gott und Christum erkennen302 und selig werden.
Wie moͤchten303 wir aber erfaren/ das sie glaubig oder nit glaubig seind?
Es kost vil muͤhe und arbeyt.
Es ist unsicher und betrieglich/304 dann die süne diser welt/ künden je305 nit süne Gottes geberen/ seitenmal306 Gottes süne aus Gott/ und nit aus fleysch oder blůt/ noch aus deß menschen willen geboren werden.307
Ich riet das wir verzügen308 biß die kinder auffwüchsen/
fehlt
und anzeygten/ wie sie inwendig gesund sind/ sunst muͤssen wir als309
Paulus und andere Apostel theten/310 unser eygen wasserbad
versprechen inn denen311 die
nit vonn Christo wißten/ als wir sie312 taufften/ Dann wir sehen das die kinder inn grosser
unwissenheyt
und boßheyt auffwachsen und haben weder wort nach geperden313 die das erkantnuß und glauben an Christum
anzeygen.
Du nennest die tauf eyn wasserbad.
Billich/314 weil die tauff eyn bad ist/ und wasser tauf eyn wasserbad ist/ und feur tauff eyn feur bad ist.315
Spoͤtlich.316
Ist es spoͤtlich? so laß ich den Luther darfuͤr antwurten/ der die tauff eyn wasserbad nennet.317
Wir haben von dem eygen und frembden glauben der unmündigen kindlin uns besprochen/
und seind deß einig worden/ das wir nit wissen welche unmündige kindlin den glauben
haben/ unnd welche nit/ das wir derhalben soliche kinder
fehlt
nitt tauffen solten/ so wenig sich die apostel understanden haben irgent eyn kindlin
zů tauffen/ Dann wir lesen je/318 das Petrus von den jungeren
angesprengt319 ward/ der
tauff halben Cornelij/ und welcher form sich Petrus außredet/ das Cornelius Gottes
gab vorm tauff/ wie sie auch/ entpfangen hatt.320 Und ist allen küntlich was das ist/321 im namen Christi tauffet werden/ wie der
Christum erkennen sol/ der sich imm namen Christi tauffen laßt/ wie man sünd
vor322 verstehen sol/
was grosser gschicklicheyt323 darzů gehoͤrt.
Wie Paulus gen Epheso kam/ unnd ließ ettlich auffs neu widerumb tauffen/ nur darumb/ das sie
nit eyn gnůgsam erkantnuß Gottes hetten/324 ist auch am tag und wie er uns lernet/325 das wir nit leichtfertig sein sollen mitt der
tauff/ damit wir nitt zůrucktretten muͤssen/ unnd die Tauff deß unnverstands
fehlt
halben der getauften/ eyn katzenbad oder schellenbad muͤssen
halten.326
Du hast das recht eyn schellenbad genennt/ dann ich weyß/ das du schellen glocken nennest/ welche unsinnige bischoͤf jetzt tauffen.327
Sie thůn es Gott/ Christo/ unnd der gantzen gemeyn Christi zů spott und hon.
Paulus legt die
tauff aus und sagt wie sie unser absterben aller gelider/ kraͤfften und lebens bedeut/ das wir inn
tod Christi getaufft seind/330
das je nit uns331 im schlaf
oder denn widerferet/ wenn wir maulginen/332 dann der tod unnsers eÿgenthumbs333 můß inn uns gepruͤfft werden/ und wir muͤssen
eynen rechten und bittern tod unserer kraͤfften schmecken/334 und die sauren fruͤcht deß tods
anbeissen/335 das den kindern nit
widerfert/ oder je336 wenigen.
Nun solte die eusserlich figur337 der innerlichen warheyt nachvolgen/ und
fehlt
nit
vorgehen/ wenn sie on gleißnerei338 ist.
Es sei mit der kinder glaub wie es sei und ist/ so weiß ich das mich
das druckt/ das Christus Gott seinen vatter lobet/ derhalben/ das er den unmuͤndigen
kindern die ding offenbaret die er den weisen verbirgt/339 wo die offenbarung der hohen himelischen dingen
ist/ da ist gewiß der glaub oder kunst340 Christi und Gottes/ Dann ich sehe auff das/ das
Christus eyn sun Gottes ist/341 und der Israelitisch kuͤnig/342 oder sehe/ das mehr ist/ die engel Gottes auff dem sun deß menschen ab und
auff steigen/343 So weyß ich/
das ich der keyns in der warheyt und im geyst344 sehen kan on den rechten glauben oder kunst Gottes/ Wer das nů
den frischgeboren kindlin zůschantzt345 der hat in346
warlich ettwas groß geben. Ich halt es aber darfuͤr/ das die unmuͤndigen kindlein
durch den uberfluß und bruͤnst solicher kunsten347 zeugen muͤsten und offentlich verkün
fehlt
digen was sie innwendig von Gott wissen/ alß geschriben steet: Aus dem mund der
unmuͤndigen/ hastu dein lob volkoͤmlich gemacht/348 Darumb werd ichs nit glauben das sie die gab deß heyligen
geysts haben/ bis ich solche kinder sehe oder hoͤre Gottes herrligkeyt
verkuͤndigen.349 Jetzt wil
ichs darfuͤr halten/ das Christus von solichen unmuͤndigen kindern geredt/ als350 die waren/ von welchen er
jetztgemeldten verß erfuͤr bracht/ und hieß sie unmuͤndige kinder/ die gehen und
lauffen/ vernemen unnd verstehen kunden/ und sungen: Gelobet sei der da kompt.351 Soliche kinder unnd ir gleichen/
sie seien alt oder jung/ wolt ich inn dem namen Christi tauffen/ auff iren eygen
verstand und glauben.
Was woltstu aber auff den frembden glauben thůn etc.?
Auff den glauben der gemietten Patten/ die zeitten352 durch ir eygen geschefft in iren kuchen/ keller/
eckern oder wisen353 stecken/
fehlt
und haben weder sinn noch gedanckenl auff deß kinds seligkeyt/ den auch nichtes an deß
kinds gesuntheyt ligt/ ich schweig an seiner seligkeyt.
Ja ich meyne die selben/ zů welichen der pfaff354 sagt: Sprech/ ich glaub/ Ist es nit euer ernst/ so thůts dem armen kindlin zů dienst/ und sprecht: ich glaub.355
Ja von dem frembden und erbettelten glauben/ den mancher schand halb eusserlich verheyßt/356 sehstu357 aber ir hertz/ du wuͤrdst vil unwillen und reu deß pattengelds358 halben darinn sehen.
Auff eynen solchen glauben wolt ich mein katz nit tauffen.359
Jedoch sind die leÿische christen so naͤrrisch/ das sie sich affen360 lassen/ und ire kinder auf solchen stroͤern361 glauben Gott befelen/ wern sie klůg/ so wuͤrden die eltern selbs ir kinder tauffen oder heben/ oder die nehsten und gottfoͤrchtigsten erweln.
So vernem ich jetz/ das du dem frembden glauben was gibst.362
Neyn/ wenn aber frembder glaub selikeyt erlangte
fehlt so wolte
ich vil lieber den frembden glauben der eltern oder nechsten freunden oder anderer die
die kinder lieben/ suchen/ denn363 den glauben der unwilligen leutt mieden/364 die gelt zůgeben muͤssen/ und ire sinn zů andern
sachen verstreuet haben.
Was gibest du365 dem waren frembden glauben.
Das ich dem gebett geb in dem glauben.
Das gebett kan keynem Gottes reich erwerben on desselben glauben/ das ist/
er můß selbst glauben der inm
Gottes reich eingehen wil/ alß366 Christus spricht: Es sei dann das eyner von oben herabher aus Gott geboren
sei/ so kan er nit Gottes reich besehen/367 Darumb wil ich wol sagen/ das der frembd glaub eynem andern
den glauben auch erwerben kan/ wenn der selb deß glaubens begeren were/368 und hett verlangen zů goͤtlicher
weißheyt/ aber Gotts reich kan keyn frembder glaub in ewigkeyt eynem andern erlangen/
als wenig als369 eyn anderer
in
fehlt
meinem glauben leben und gerecht sein kan/ Sihe/ alß
wenig daß muͤglich ist/ das eyn andrer inn meinem gebett bete/ und in meinem glauben
glaube/ so wenig ist es muͤglich/ das eyn andrer in meinem glauben selig werd.
So wuͤrd volgen das sie all liegen/370 die kinder auf frembden glauben tauffen/ dann sie verheyssen ihn371 Gotts reich/ auff den gemieten glauben/372 und liegen und betriegen. Wie wuͤrd es aber mit den ungetaufften kindern zů gehen/ die on tauf versterben.373
Wie es jetzt374 zůsteht.
Auf dein und meine meynung stehts nit alß wol als375 man geredt hat/ denn wir schliessen das der
frembd glaub nichts hilfft zům eingang in Gottes reich/ wenn er allenthalben gerecht
ist/ wie vil weniger wens eyn außerbetleter und frondinstpar glaub376 ist/ Darumb halten wirs beyde
darfuͤr/ das die kindlin in frembdem glauben getaufft377 durch solchen glauben nit eingangen
fehlt
seind in Gots reich/ So ist das dem wasserbad zů hoch und
zůvil/ ins himelreich zů bringen/378 Weil aber auch der eygen glaub nit gespuͤrt ist/379 in dem merer teyl der getaufften kinder/ ist der
selben keyns selig worden.380
Der frembd und woltüchtig381 glaub schaffet nichts/382 eym andern Gottes reich zů erlangen/ von dem reich zů reden dasn selig macht mit himelischer/ nitt gemeyner seligkeyt/ Als383 aůch das gebett im glauben/ das eynem andern Gots gnad nit kan erwerben/ wenn der ander nit begert.384 Wo finden wir aber zeychen der begerung inn den frischgeboren kindern? die so unverstendig seind/ das sie ire fleyschliche eltern nit kennen.
Sag mir aber weitter/ ob die getauffte kinder on eygnen glauben verstorben/ verthuͤmet385 seind?
Ich verthüme niemants/386 so kan ich auch niemants selig machen.
Ich frag nit was du thůst/ sonder wie der glaublosen ver
fehlt
storben kinder stand stehet.
Ich halt es das keyn mensch verthümet wirt ehe im387 Christus geprediget ist/ wenn Christus und Gott gepredigt ist/ und die gepredigte geyster388 Gotts gerechtigkeyt nit annemen/ so ist denn die zeit deß verthümniß.389 Es můß je390 beschehen/ das Christus niemandts on sein wort richtet/ alß391 er selber spricht/392 Derhalben spricht Petrus: Die froͤlich bottschafft von Christo/ můst auch den todten gepredigt werden/ auff das sie gericht wuͤrden.393
Mich duncket es sei dein meynung/ das die verstorbnen eyn gesellschafft haben mit iren selen oder geystern/ und das eyner mit dem andern rede/ und eyner dem andern predige/ das auch bei ihnen etliche Gottes euangelion annemen/ ettliche nit/ das aber alles ist mir frembd und neu.394
Ich hab wol da gelesen/ das der
fehlt
reich schlemmer in der hell
sein augen auffhůb/ und sahe Lazarum in der
schoß Abrahe sitzen/ und redt Abraham an.
Wolt dirs nit eingehen396 das Christus spricht/ das der verthümet397 schlemmer Lazarum sahe und Abraham anredet? das du daraus vernomen hetst/ das die selen eynander sehen koͤnnen und anreden?
Ich torste nit.398
Warumb?
Du unseliger Prosper/ weistu nit das du nitt an eynem ror401 solt lernen gehen: und dich auff keynn fleyschlichen arm verlassen?402 Christus hat den stand der geyster recht entdecket/403 und besser dann keyn404 prophet.
Wilt du denn405 das die unmuͤndigen kinder von ettlichen dort gepredigt und gelernt406 werden?
Ich weyß daß war ist.
Setz mir zů diser oberzelten schrifft407 eyn andere/ so wil ich dir glauben.
Den Jesaiam408
fehlt
wolt ich dir fuͤr dein augen legen/ ich weyß aber das die
Wittemberger iren eingetragnen sinn und wohn409 fester dann silber und golt halten/ und toͤrsten410 wol vil verlieren ehe sie sich
von irem gefasseten wohn411
liessen abscheuhen.
Ich wil jetzt tod sein gegen allen menschen/ unnd nur oren haben Gotts wort zů hoͤren/ Bring eyn schrifft/412 das die geyster der verstorbnen menschen predig hoͤren.
Petrus erzelet mitt
liechten worten/ das Christus alß er tod war in seiner lebendigen sele/ die Petrus seinen geyst nennet/ hinab zů den
geystern steyg/ der leutte halb die in der zeit Noah lebten und in unglauben sturben/ und inen geprediget hab.413 Daraus liederlich414 ist zů mercken/ das Christus
sele andern selen gepredigt hat/ das auch eyn sele die andern troͤsten oder
erschrecken kan/ und das jetzt den todten das Euangelion gepredigt werden můß/o wo sie anders Gott richten
wolte.415
fehlt
Fast416 gern hoͤr ich von diser materien/ dann mich zeucht das geschicht Petri/ das Christus vom himel dem unbekerten Paulo in hebraischer rede rieff und saget im417 wo er hin gehen solte/418 auch das/ das die eltisten im himel vorm lamb niderfallen/ und singen im lobsang/419 aber ich wil dise muͤhe auff eyn andere zeit sparen. Jetzt sage mir endtlich ob die kinder frisch geborn420 getaufft oder ungetaufft/ erwoͤlte oder verworffene/ so lang geprediget werden/ biß sie entweders glaubig oder unglaubig werden.
Das ist jetzt gesagt/ dann Petrus saget
zů gleich von allen todten sie seien jung oder alt/ das sie geprediget werden muͤssen/
wo sie anders Gott richten wolt.421 Nun lieber Prosper/ meynestu das Paulus sach erger sei worden? oder das er nit im tod unnd schlaf seines
fleysches verkuͤndigen Gottis sterck/ und verschweige den/ deß halb er gern
sturb/422 auff das er mit
fehlt
gewinn bei im were/423 die todten habe Mosen/
Propheten/ Christum und Aposteln gleich so wol als wir. Wir aber bedürffen irer
bottschafft nitt/ als auch sie widerumb unser botschafft nit behůfen.424
Ich fall dir ettwas zů/425 wil aber gleichwol diser ungehoͤrter sach weitter nochsinnen.426 Eyns hab ich uberhoͤrt oder vergessen.
Was ist das?
Von dem glauben der kirchen.
Hast du nitt genůgsam gehoͤrt von den patten?427
Achtestu dieselbigen fuͤr die kirchen?
Gib mir andere anwaͤlde428 der kirchen.
Ich halte ettliche erbettelte patten fuͤr eyn kirchen deß boßhafftigen/429 die offentlich liegen/430 wenn sie das kind nennen/431 und sprechen: Ich glaub/432 und wissen fürwar/ das das kinnd die artickel/ welche der teuffer pfaff erzelet/433 nit verstehet nach434 glaubet/ So wol435 sie wissen das das kind nit betet.
Du bist nahe bei dem zil.436
Wer ist die kirchen?
So halt ich das die kirch nichts für nimpt/439 denn das/ deß440 sie eyn woͤrtlich anzeyg hat in der schrift/ daraus will ich setzen/441 das die kirch nit glaubt fuͤr die kinder/ bitten mag sie wol fuͤr sie442 aber der teufflischen untugent/ nemlich/ der vermessenheyt/ das sie sich unterstuͤnd443 eynen frembden/444 durch iren eygnen glauben/ gůt/ frumm/ heylig und selig zů machen/ lasset445 eyn solich goͤtlich gmeyn.446
Ich straf dich nit/ dann soliche geyster wissen eben/ das sie keynen gůt/ frum oder gerecht/ heylig oder selig machen koͤnnen.
Wenn du mir nur ein exempel oder schrifft447 gebest.
Das exempel ist oben geben/ dann Noa448
Job449 und Daniel
versamlet/450 macht auch eyn
christelich versamlung oder kirchen/ noch sagt Gott/ ob sie gleich ire eygen kinder/
freund/ oder Jsraelitisch volck/ durch ire gerechtigkeyt wolten recht
fehlt
fertigen/ das sie es nit vermoͤchten/ sonder das eyn
jeglicher in seiner gerechtigkeyt gerecht und selig werde.451Das ist das exempel/ dann was Got von der
kleynenp heyligen kirchen
spricht/ das ist von der gantzen heyligen kirchen gesprochen. Schrifft hastu aber/ das
Gott von eynem jeglichen eygnen glauben/ eygene lieb/ fordert/ und das er oft sagt:
Der sun wirt deß vatters gerechtigkeyt nit geniessen/ noch ungerechtigkeyt
entgelten.452 Auch ist eyn
soliche versamlung nit so frevelich/453 das sie jemandts anders oder frembde unnd ungeladen geyst454 inn Gottes reich brecht/ inn
Gottes willen bleibt die kirch.
Ich stehe bei dir455 all
dweil du bei Gott stehest/ Mich hat auch vil bekuͤmmernuß gehalten/ das die
hochgelerten von dem glauben der kirchen so vil feiertag stellen/456 unnd reden doch on hilf der
schrifft/ Ich meynt es wer der glaube der kirchen vast457 starck/ auch wol
fehlt
gepreiset/ wenn er die kirch durch Christum für458 Gott unstraͤflich und on mackel mach/459 und das zů vil ist/ wenn sie dem glauben das
geben und zůlegen/460 deß sie
keynen grundt habenn.
Recht und wol.
KGK 305
Einleitung
